Stop Fake Money

Christoph Pfluger, den Herausgeber des “Zeitpunkt”-Magazins, traf ich unlängstin Solothurn – leider viel kurz, denn wir haben uns immer viel zu erzählen. Er hat mit der „Allianz für Vollgeld und Gerechtigkeit“  in der Schweiz eine Volksabstimmung initiiert, die am 10. Juni wahrscheinlich keine Mehrheit erreichen wird.  Die Vorteile eines auf souveräner Geldschöpfung basierenden schuldenfreien Gelds erläutert er im Gespräch mit KenFM.

Es gab keine „Annexion” der Krim!

Im Verlauf des öffentlich geführten Dialoges des Kollegen Paul Schreyer mit dem ARD-Journalisten Georg Restle kritisierte dieser die Position des Strafrechtlers und Rechtsphilosophen Prof. Reinhard Merkel, der schon 2014 betont hatte, dass man nicht von einer „Annexion“ der Krim sprechen könne. Restle bezeichnete Merkels Darstellung als „relativierende Einschätzung“, „brandgefährlich“ und „Aufweichung wichtiger völkerrechtlicher Grundsätze“. Da Georg Restle der Bitte, diese massiven Anwürfe zu belegen, nicht nachkam, setzte Paul Schreyer Prof.Merkel davon in Kenntnis – und erhielt eine ausführliche Antwort.  Neben präzisierenden Details enthält sie auch ein simplifizerendes Beispiel, mit dem Reinhard Merkel auch Nicht-Völkerechtlern klar macht, warum es sich bei der Abspaltung der Krim nicht um eine völkrerechtswidrige “Annexion” , sondern um eine “Sezession” handelt:

„In unserer Frage geht es im Wesentlichen darum, wem eigentlich die Abspaltung der Krim primär zuzurechnen ist: ihrer Bevölkerung oder dem mit militärischer Drohgebärde anwesenden Russland? Stellen wir uns Folgendes vor: Jemand geht in das Haus eines anderen, hält der 16-jährigen Tochter eine Pistole an den Kopf und sagt ‚Mitkommen!‘, woraufhin die Tochter aus Angst mitkommt. Das ist der klare Fall einer Entführung – wenn Sie so wollen, einer Annexion der Tochter. Wenn nun – mein zweites Modell – jemand in das Haus des Nachbarn geht, wissend, dass dessen Tochter aus dem Haus hinauswill, um zu ihm zu ziehen, und ebenfalls wissend, dass der Hausherr das nach Möglichkeit zu verhindern suchen wird, wenn er also in das Haus dieses Nachbarn geht, dem Hausherrn eine Pistole an den Kopf hält und sagt ‚Du hältst dich ruhig!‘, womit er der Tochter ermöglicht, nach ihrem eigenen Willen mit ihm zu kommen, dann ist sein Verhalten selbstverständlich rechtswidrig – eine Nötigung per Androhung von Gewalt. Aber eine Entführung, eine Annexion, ist es nicht. Und das eben ist grosso modo das (selbstverständlich simplifizierende) Modell für die Krim. Russland hat die Macht des Hausherrn Ukraine blockiert, der verhindern wollte, dass seine Tochter Krim ihn verlässt und zu Russland zieht. Noch einmal: Dass die Tochter Krim zu Russland wollte, setze ich voraus, und warum das begründet ist, habe ich vorhin dargelegt. Russlands militärische Nötigung ist rechtswidrig gewesen; aber eine Entführung, eine Annexion, war es nicht.“

Soweit das auch Nicht-Juristen einleuchtende Beispiel, warum es falsch ist, von einer “Annexion der Krim” zu sprechen. Wenn Journalisten und Politiker dies weiterhin tun verbreiten sie Fake News – und wenn sie Kritik an ihren Fake News als “brandgefährlich” denunzieren betreiben sie Propaganda.

In diese Kategorie scheinen auch die jüngsten “News” über den Abschuß der MH17 über der Ukraine zu fallen, in denen der niederländische Ermittlungsauschuß zwar keine neuen Fakten oder Beweise präsentieren konnten, entscheidene Fragen weiter offen blieben und einmal mehr Bellingkatzenfotos gezeigt wurden, aber für die erneute Beschuldigung einer “russischen Militäreinheit” reicht es allemal.

Nach Ende der Giftgaswochen bei McMedien  ist unterdessen der Novichok-Kampfstoff, mit dem die Skripals angeblich um die Ecke gebracht werden sollten, wieder aufgetaucht. Aber dass er keineswegs nur aus Russland stammen konnte, sondern in den 1990er Jahren an zahlreiche westliche Geheimdienste verteilt wurde – und zwar… vom BND!  (also von jenen bundesdeutschen Schlapphüten, die 1995 schon einem Schmuggel von Plutonium am Münchner Flughafen erwischt wurden, der im Rahmen der “Operation Hades” Russland in die Schuhe geschoben werden sollte) –  das ist dann bei McMedien aber natürlich keine große Nachricht. Am Narrativ vom bösen Russen darf nicht gerüttelt werden. Fragen dazu beantwortet die Bundesregierung nicht – unter Hinweis auf “Sicherheit” und “Staatswohl” bleibt es ein Geheimnis, ob die Regierung davon wußte, dass Novichok keineswegs exklusiv aus Russland kommt, wie es die Briten behaupteten, und ihr eigener Geheimdienst damit hantierte – und dennoch  russische Diplomaten auswies.

Auch als Podcast auf KenFM

Wir schwören ab!

Zum 15. Jahrestag der 9/11-Attacken hatte ich hier über die neue Glaubensgemeinschaft “Church of Free Fall” (C.O.F.F.) berichtet und deren Glaubensbekenntnis  auf  telepolis veröffentlicht:

“Wo Legenden als Realgeschichte etabliert und zur Staatsräson erkoren werden, um auf dieser Basis Machtpolitik zu exerzieren, hat kritische Vernunft ausgedient. Deshalb wollen wir eine Glaubensgemeinschaft gründen, die sich klar und unzweideutig zur offiziellen 9/11-Geschichte bekennt und die Promotion dieser wunderbaren Ereignisse in den Status soliden, staatlich geprüften Wissens feiert. Weil dabei sowohl die Naturgesetze, wie auch die der Wahrscheinlichkeit, der Logik und des gesunden Menschenverstands teilweise in Frage gestellt werden, haben wir uns (vorläufig) für den Namen “Church Of Free Fall” (C.O.F.F.) entschieden und streben mittelfristig die Zulassung als offizielle Religionsgemeinschaft an. Dass die C.O.F.F. als eigentlich säkulare “Wissensgemeinschaft” dabei auf Gründungsmythen und Wunder verweisen kann, die hinter denen der etablierten Kirchen kaum zurückstehen, zeigt unser Glaubensbekenntnis…”

So hieß es in dem Anschreiben der C.O.F.F. und die sagenhaften Wunder, zu denen sich diese Gemeinde bekennt, können es in der Tat mit denen im Alten und Neuen Testament und im Koran aufnehmen. Deshalb sollte einer offiziellen Zulassung als Religionsgemeinschaft eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Neben Einnahmen aus der Kirchensteuer könnten dann auch C.O.F.F.-Theologen an deutschen Universitäten ausgebildet werden und für einen angemessenen Religionsunterricht an den Schulen sorgen. Dies sei “dringend notwendig”, so der Sprecher des C.O.F.F.-Episkopats, Reverend Bob Dobbs, “um den Irrglauben an Verschwörungen und das Gift der Verschwörungstheorien zu bekämpfen.”

Ganz in diesem Sinne hat jetzt Ernst Florian Kirner aka Prinz Chaos II.  ein Bekenntnisvideo veröffentlicht, dass nicht nur in seinem Hofstaat Furore machen wird: “Wir schwören ab!”

Frisch aus dem Archiv: Die Welt als Wille und Spätvorstellung

Die Forscher streiten sich noch um die Terminologie, doch über die fünf Kriterien, die ein Klartraum (lucid dream, high dream) erfüllen muß, herrscht Einigkeit:

1. Die träumende Person ist sich vollständig darüber im klaren, daß sie träumt;

2. Ist ihr Bewußtseinszustand in keiner Weise eingetrübt und liegt nicht selten sogar über dem Niveau des normalen Wachzustandes;

3. Funktionieren alle fünf Sinne dem subjektiven Erleben nach genauso gut wie im Wachzustand;

4. Existiert dabei sowohl eine uneingeschränkte Erinnerung an das bisherige Wach- und Klartraumerleben als auch

5. Ein klares Bewußtsein der eigenen Entscheidungsfreiheit.

Klarträumen heißt mit anderen Worten, daß sich die träumende Person vom Hauptdarsteller eines chaotischen Traumgeschehens zum Regisseur einer bewußten Inszenierung wandelt, in der sie gleichwohl immer noch die Hauptrolle spielt. Und zum Beispiel, wie weiland Heinz Rühmann im Film mit dem Kopf durch die Wand geht und den Chef erschreckt – statt wie bisher, von gar finsteren Mächten und Autoritäten gepeinigt, naßgeschwitzt aus einem Alptraum aufzuwachen…

Im ersten „Somnambulen Salon“, zu dem Micky Remann zu nächtlicher Stunde in ein Frankfurter Cafe geladen hatte, stand einer der raren Fachkundigen auf diesem Gebiet, Dr.Thomas Metzinger, Rede und Antwort. Der Klartraumforscher, der an der Uni Gießen dem ontologischen Pingpong zwischen Gehirnstruktur und Bewußtseinszuständen auf der Spur ist, begann mit einer äußerst ermutigenden Eröffnung: Das luzide, bewußtseinszustandsklare Träumen ist ein seit Jahrtausenden bekanntes Phänomen und jeder kann es lernen. Die einfachste Methode ist die, sich anzugewöhnen, täglich 8-15 mal einen Realitäts-Check durchzuführen: Ich bin wach, es ist Sonnabend 17 Uhr, ich sitze am Schreibtisch und schreibe einen Artikel, in meiner Umgebung ist alles normal, nichts Ungewöhnliches zeichnet sich ab, draußen regnet es, ich kaue hektisch ein Kaugummi, weil ich nicht rauchen will, dies ist die Wirklichkeit…

Wenn mir diese Art von Zustandsüberprüfung nach etwa 3 Monaten in Fleisch und Blut übergegangen ist, besteht die Möglichkeit, daß ich einen solchen Realitäts-Check einmal während eines Traums durchführe – und dann eben plötzlich feststelle, daß ich nicht wach bin, sondern träume. Mit diesem Bewußtwerden, einem „Aufwachen“ während der Realkörper weiterschnarcht, beginnt der Klartraum – und damit die Möglichkeit, Personal und „Action“ des Traumgeschehens selbst zu bestimmen. Geübte Klarträumerinnen (Frauen sollen es übrigens leichter lernen können als Männer) verschaffen sich erstmal ein paar Orgasmen, deren Lustgefühle es durchaus (siehe oben, Punkt 2 und 3) mit denen des Wachzustands aufnehmen können, um sodann den Erlebnisraum Traum nach Gusto und Bedarf zu nutzen – für Diskussionen, Abenteuer und Experimente aller Art.

So schwierig die Technik des bewußten Träumens zu erlernen ist, so leicht ist es, einen Klartraum zu beenden: wer seine ausgestreckten Hände oder irgendeinen anderen Gegenstand fest fixiert, beendet die Phase des Rapid Eye Movement und wacht auf. Thomas Metzinger berichtete in diesem Zusammenhang kurz von einem unlängst in USA durchgeführten Experiment: dem Live-Bericht eines Klarträumers über seinen Traum, den er mit Augenbewegungen in Morseschrift durchgab, sie wurden von Detektoren auf den Lidern des Schlafenden aufgezeichnet.

Für die Traumforschung besonders interessant ist ein Volksstamm in Malaysia, der normale Realität und Traum -Realität als völlig gleichberechtigt betrachtet und seine Kinder von klein an zum Klarträumen anleitet. So wird ihnen beigebracht, daß, wenn sie im wirklichen Leben einen Tiger sehen, sie wegrennen und das Dorf vor ihm warnen müssen. Begegnet er ihnen aber im Traumleben, sollen sie stehenbleiben, den Tiger scharf anschauen und ihn zwingen, ihnen Geschenke zu bringen. Es überrascht nicht, daß in diesem Volk Gewaltverbrechen fast nie vorkommen und Geisteskrankheiten nahezu unbekannt sind: wer ein solches Doppelleben führt, kann in der somnambulen Spätvorstellung bei völlig klarem Bewußtsein all das ausleben, was tagsüber aufgrund der Gesetze der Physik, des Sozialen und anderer Hemmnisse völlig unmöglich ist. Wir werden demnächst ausführlicher über den Klartraum (und die Frage nach der Notwendigkeit, seine Techniken als Hauptfach an Grundschulen einzuführen) berichten. Interessierte sollten sich bis dahin vielleicht stündlich einmal fragen, ob sie wach sind und dies hier wirklich die Wirklichkeit ist. Oder am Ende nur ein schlechter Film? Die Vorstellung, daß wir auch im Wachzustand eigentlich noch schlafen, ist die einzige Entschuldigung für die verluderte Dumpfheit, mit der die Menschheit über den Planeten torkelt.

Frisch aus dem Archiv: taz vom 15.5.1990

Massaker zum Geburtstag

Nachdem ich von den jüngsten Massakern an oppositionellen Demonstranten  hörte, bei denen über 50  Menschen  erschossen und über 1000   verletzt worden waren, atmete ich kurz auf, dass das nicht Russland passiert ist. Denn sonst wäre jetzt vielleicht ein Weltkrieg im Gange, weil damit ja wohl der letzte Beweis vorläge, dass es sich bei Putin um ein “Monster” handelt, das dringend beseitigt werden muss. Bibi Netanjahu aber, der israelische Präsident, kann zum 70. Geburtstag seines Staats einfach so tun, als ob er von Wasserwerfern, Tränengas und Gummiknüppeln noch nie gehört hat und unbewaffnete Demonstranten einfach abknallen lassen – aber niemand nennt ihn “Tier” oder “Monster” oder einen schießwütigen “Autokraten”. Ja, nicht einmal mit großen Ohren und fieser Nase darf man ihn karikieren, dann fliegt man als Cartoonist gleich raus bei der “Süddeutschen Zeitung”, denn das ist “Stürmer”-Stil und erinnert an die dunkelste Phase der deutschen Geschichte, die sich nie wiederholen darf.

Die Karikatur von Dieter Hanitzsch war am Dienstag in der Printausgabe der Zeitung erschienen. Sie zeigt Netanjahu in Gestalt der Siegerin des Eurovision Song Contest, der Israelin Netta. In einer Sprechblase heißt es “Nächstes Jahr in Jerusalem”, dazu hält Netanjahu eine Rakete mit Davidstern in der Hand. Damit, so meinte der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, sei eine rote Linie überschritten: „Mit einer derartigen geschmacklosen Zeichnung entwertet man jede berechtigte Kritik an den Handlungen der israelischen Regierung“, sagte er der “Bild”-Zeitung.

Was aber, wenn von solcher “berechtigten Kritik” kaum eine Spur ist, wenn Netanyahu ein Gemetzel nach dem anderen veranstalten und die palästinensische Minderheit in seinem Land  wie Untermenschen behandeln kann, ohne irgendwelche Sanktionen, Forderungen nach “regime change” oder gar militärische Drohungen befürchten zu müssen ? Wie tief muss die angeblich “einzige Demokratie im Nahen Osten” noch sinken, bis der Rest der Welt ihren an finsterste Kolonialzeiten und  Apartheidsregime erinnernden Methoden  Einhalt gebietet ? Und aufhört, wie die deutsche Bundesregierung,  “beide Seiten” zur Mäßigung zu mahnen – also die Opfer und die Täter.

Dass unter den nach Deutschland geflüchteten arabischen Menschen auch einige mit strikt antisemitischer Gesinnung sind, kann  – sofern sie dieser Gesinnung durch öffentliche Äußerungen oder Straftaten Ausdruck geben – sicher ein Problem darstellen.  Mindestens ebenso problematisch ist es aber, wenn ein rasender Philosemitismus zur Staatsräson wird, der nach einem Massaker wie dem jüngsten in Gaza den Opfern dieselbe Schuld zuweist wie den Tätern und protestierende Demonstranten auf eine Stufe mit mordenden Killertruppen stellt.  Denn das ist nichts anderes, als nach den Mordanschlägen bei  “Charlie Hebdo” die Zeichner zur Mäßigung oder angesichts Hitlers Verfolgung der “raffenden Juden” diese zu etwas mehr Großzügigkeit aufzufordern: menschenverachtender Zynismus.

Wäre ein solches Massaker an einer unterdrückten Minderheit in Russland, Syrien oder Iran geschehen könnten wir uns vor dem Aufschrei und dem Kriegsgetrommel bei McMedien kaum retten und der übelste “Stürmer”-Stil wäre in den Karikaturen von Putin oder Assad  gerade recht. Netanjahu aber muss stets als freundlicher alter Herr dargestellt werden, ganz gleich, wie viele Menschen er ermorden läßt ? Wenn die besondere Verantwortung Deutschlands für die Existenz Israels in derart doppelten Standards besteht, ist sie untragbar.

Oh, wie ist das schön

Schon für dieses Foto muss man der Frankfurter Eintracht für ihren Sieg im Pokalfinale dankbar sein. Aber auch ansonsten war es ein denkwürdiges Match, das eine Minute vor Schluss noch zu kippen schien, als der Schiedsrichter ein Foul im Frankfurter Strafraum per Videobeweis überprüfte. Jetzt ist alles vorbei, dachte ich, Elfmeter für Bayern, Ausgleich in letzter Sekunde und dann gewinnen sie in der Verlängerung.  Die Beine der Kontrahenten in dieser Szene trafen sich in der Luft und verfehlten beide den Ball, worauf sich der Bayernspieler Martinez fallen lies – da kann man einen Elfer geben. Doch der Schiri entschied auf Eckball und das muss der Moment gewesen sein, als Rolex-Kalle und Wurst-Uli parallel die Mienen entgleisten. Und als hätten es die Kicker auf dem Rasen gesehen, setzten sie nach dem Abpraller nach der Ecke aus lauter Spass noch einen drauf – 3:1.
Nach drei Jahrzehnten der erste Titel für Eintracht Frankfurt – aber nicht nur deshalb, und weil ich schon vor über vier Jahrzehnten Grabowski, Hölzenbein und “Dr.Hammer” Bernd Nickel live im Waldstadion bejubelt habe, war das ein wunderbares Match. Denn es hat mal wieder gezeigt, dass Geld eben doch noch nicht alles ist im Fussball und man Spirit und Teamgeist nicht einfach kaufen kann.

Der Kampf um die „Weltinsel“

“Der geographische Drehpunkt der Geschichte“ lautete der Titel eines Vortrags, den der Politikberater und Direktor der “London School of Economics”, Halford Mackinder, im Jahr 1904 veröffentlichte. In der aktuellen Ausgabe der Kulturzeitschrift “Lettre International”   ist dieser Vortrag jetzt zum ersten Mal auf Deutsch erschienen, wofür man sehr dankbar sein muss. Denn es handelt sich zum einen um einen klassischen Schlüsseltext der Geopolitik und zum anderen ist Mackinders „Heartland“-Theorie nach wie vor von erstaunlicher aktueller Bedeutung. Wer das „Herzland“, die Mitte zwischen Europa und Asien und somit das Zentrum des eurasischen Kontinents beherrscht, beherrscht die Welt, lautete Mackinders These. Da durch die kommenden Technologien der Eisenbahnen und des Automobils der Handel und Wandel zwischen Europa und Asien unausweichlich sei, wäre die auf der Seeherrschaft beruhende britische Weltmacht chancenlos. Vor allem wenn das rohstoffreiche Russland mit dem industriestarken Deutschland zusammenwachse. »Wer Osteuropa regiert, beherrscht das Heartland; wer das Heartland regiert, beherrscht die Weltinsel; wer die Weltinsel regiert, beherrscht die Welt«, brachte Mackinder seine Geostrategie später auf den Punkt.
Wer die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf diesem Hintergrund liest, kann erstaunliche Einsichten über die Kontinuität gewinnen, mit der Briten und Amerikaner ihre globale Machtpolitik betreiben. Etwa über die Frage, warum Hitler und die Wehrmacht massiv von der Wall Street finanziert wurden, oder warum die Nato nach 1991 mit ihren Raketen unbedingt bis an die russische Grenze vorrücken musste oder warum 2014 mit einem Putsch in der Ukraine ein russlandfreundlicher Präsident durch einen russlandfeindlichen ausgetauscht werden musste oder warum eine zweite „North-Stream“-Pipeline durch die Ostsee den Amerikanern ein Dorn im Auge ist. Immer geht es um Mackinders „Herzland“ in dem auf keinen Fall Handel, Wandel und Frieden herrschen darf, weil dies die transatlantische Dominanz bedrohen würde.
Es zieht sich von dieser Theorie aus dem Jahr 1904 eine Linie über Hitlers Geostrategen Karl Haushofer zum geopolitischen Berater von fünf US-Präsidenten, Zbiginew Brzezinski, bis in die aktuelle Politik des US-Imperiums. Über die Aktualität Mackinders schreibt in “Lettre” auch der Historiker Alfred McCoy,  dessen eminentes Grundlagenwerk “Die CIA und das Heroin -Weltpolitik durch Drogenhandel” für ein Verständnis der aktuellen internationalen Konflikte und Kriege unverzichtbar ist. Ebenso wie eine Kenntnis der Generalstrategie im “Great Game”, die auf Mackinder zurückgeht und im geopolitischen Match auf dem “eurasischen Schachbrett”, wie es Brzezinski nannte, nach wie vor auf der Agenda steht.
Auf diesem Hintergrund kann man dann auch den scheinbaren Irrsinn der Tagesnachrichten ein wenig begreifen, etwa warum aus Afghanistan immer neue Produktionsrekorde für Opium und Heroin gemeldet werden, während in USA Tausende an dieser Überproduktion krepieren; oder warum eine Gas-Pipeline zwischen Russland und Deutschland ein “Problem” darstellen soll, während der ökonomische und ökologische Hochgrad-Schwachsinn, Fracking-Gas mit Riesentankern von Amerika nach Europa zu schippern, von der EU gefördert wird. Oder warum Polen sich gerade von den USA für irrsinnige Milliarden
“Patriot”-Luftabwehr andrehen lässt – “gegen die Russen”, gegen deren neue Hyperschall-Raketen die veralteten Patriots aber keinerlei Chance haben.
Nadelstiche ins „Herzland“ zu setzen, Konflikte zu schüren, Waffen zu liefern und Kriege anzuzetteln um ein Zusammenwachsen des Osten Europas mit dem Westen Asiens zu verhindern ist nach wie vor die grundlegende außenpolitische Agenda des US-Imperiums. Dazu gehört auch, die strategischen Angelpunkte an den Rändern des eurasischen Doppelkontinents zu kontrollieren – vor allem die rohstoffreichen Regionen des Persischen Golfs. Wobei die desaströsen Krieg in Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien mittlerweile, so Alfred McCoy, weniger an ein kühnes geopolitisches Gambit erinnern als „an Deutschlands katastrophale Entscheidung, das russische Kernland anzugreifen.“ Er sieht darin den „sicherlich letzten imperialen Versuch, sich eine Angelpunktposition am Rand des eurasischen Kernlands zu sichern, vergleichbar mit den Forts des britischen Kolonialismus entlang der Nordwestgrenze.“
Darum geht es auch bei den jüngsten Kriegsdrohungen gegen den Iran, der ja gar keine Atomwaffen besitzt und sich regelmäßig von den internationalen Behörden kontrollieren lässt – anders als Israel, das illegal welche hat und jegliche Kontrollen verweigert. Dass es sich bei den jüngsten US-Kriegen, wie Alfred McCoy meint, um den „letzten imperialen Versuch“ des überdehnten amerikanischen Imperiums handelt, könnte sein, denn Russland und im Hintergrund auch China haben spätestens im Syrienkrieg klar gemacht, dass sie weitere Expansionen des US-Imperiums nicht dulden werden, auch keinen „Regimechange“ im Iran.
Dass Teheran im April den Ausstieg aus dem US-Dollar angekündigt hat und sein Öl künftig in Euro abrechnet, ist eine Provokation erster Klasse. Saddam Hussein und Gaddafi hat es das Leben gekostet, als sie aus dem Petro-Dollar aussteigen wollten – ihre nahezu wehrlosen Länder wurden umgehend überfallen und verwüstet. Doch anders als Libyen oder Irak hat der Iran zwei mächtige eurasische Atommächte als Verbündete im Hintergrund. Und auch die EU scheint nicht bereit, aus den Atomverträgen mit Iran auszusteigen und mit den USA, Israel und Saudi- Arabien weiter an der Eskalationsschraube drehen. Die Leichenberge und das Chaos, das dieses infernale Trio im Irak und in Syrien produziert hat, würde von einem Angriff auf Teheran in neue Dimensionen wachsen – bis hin zum Schrecken eines nuklearen Kriegs. Dass ein solcher Großkonflikt der Blöcke weniger auf amerikanischem oder russischen oder chinesischen Boden, sondern im kontinentalen mittleren Europa zu Katastrophen führen würde, hat man in Brüssel, Berlin und Paris offenbar verstanden. Es geht noch immer um Mackinders „Weltinsel“, die nicht zusammenwachsen darf.

Auch als Podcast auf KenFM

König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron

Vor genau einem Jahr ging “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron.” in den Druck. Ich hätte mir ja “Real Game of Thrones” für den Titel gewünscht, aber davon hatten die Verlagsjuristen wegen des Titelschutzes der berühmten TV-Serie und möglicher Klagen abgeraten. Weil es in den Großmedien keine Rezensionen  gab, hat das Buch bisher noch kein sehr großes Publikum gefunden, obwohl ich dachte, dass die Besetzungsliste des Dramas doch eigentlich schon ziemlich vielversprechend klingt:

Real Game of Thrones: Tragödie oder Farce?

Und so ist auch zu erklären, dass die Leser, die das Büchlein erreichte, ziemlich begeistert klingen, wie etwa “Peter G.”, der am 5.Mai auf amazon eine Kundenrezension schrieb:

“Lustiges und Wirkliches müssen sich ja bekanntermassen nicht gegenseitig ausschliessen. Dieses Buch als Enthüllungsbuch zu diffamieren, wäre ziemlich humorlos. Aber genau den lässt Bröckers aus ‘vollen Rohren’ in des Leser’s Hirn krachen, dass es nur so brummt. Man kommt aus dem Stauen nicht mehr heraus, wie es passt, dass ein Präsident der USA gewählt wurde, der aus Sicht seiner Gegner garnicht gewählt hätte werden dürfen. Dieses Meisterwerk kann man ungesehen in die Reihe der Harry Potter Erfolge eingliedern, wobei meine Phantasie mit mir etliche Bocksprünge vornahm, so dass ich das ‘Büchelchen’, nichts ‘Gutes’ ahnend in einem Ritt lesen wollte, immer wieder aus der Hand legen musste, um Erstickungsanfällen durch ‘Lachsalven’ vorbeugen zu können. Aber ernsthaft, Bröckers versteht es, das Einparteinsystem mit den zwei Flügeln derart zu sezieren, dass einem eigentlich das Lachen im Halse stecken blieben müsste, aber dieser Geniestreich von ihm hat dazu geführt, zu verstehen, wo Rockefeller und Rothschild im Untergrund arbeiten, die Fäden ziehen und sich der Milliardär Soros ‘verzockt’ hat, weil er König Donald angegriffen hat, der dummerweise ein ‘Rothschild Zögling’ ist, der ihm schon öfter seinen ‘Zocker-Arsch’ gerettet hat. Dieses Buch ist jeden Cent wert. Leider nicht mehr Sterne möglich Bravo Bröcking!!!!!!

Manu K. kommentiert an selber Stelle:

Mathias Bröckers ist ein cooooooler Schriftsteller, sehr schlau, sehr belesen und es macht immer Spaß seine Bücher zu lesen !!!! Zum einen wegen neuem Erkenntnisgewinnen, aber auch wegen seinem immer lustigen Sarkasmus!!!!! Danke an den immer wieder lustigen Diskurs von Herrn Bröckers. Das macht Spaß, thank you so lot !!!!!

Und “Humanwrites” konstatiert “Humor und Wirklichkeitsanalyse”:

Im deutschen Fernsehen ist es ja mittlerweile so, dass die eigentlichen Nachrichten und Hintergrundinformationen von Satireformaten wie “Die Anstalt” geliefert werden. Ganz ähnlich verhält es sich mit dem Buch von Mathias Bröckers, der uns den aktuellen Machtkampf in den USA in einem sehr unterhaltsamen Märchenton erzählt, der allerdings einen sehr erhellenden Blick auf die Wirklichkeit öffnet. Kluge Einsichten, viele Links und Quellenangaben gepaart mit viel Humor – volle Punktzahl für dieses empfehlenswerte Buch.

Da kann man nun wirklich nicht meckern und sich als Autor für so viel Lob nur bedanken.