Bullshit mit Pipifax

“Russische Hacker” sind das neue “Der Hund-hat-meine-Hausaufgaben-gefressen” titelte Telepolis treffend zu der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts der US-Geheimdienste über die die angebliche Beeinflussung der Wahlen durch Russland, denn ihre Hausaufgaben, nämlich “intelligence” – Wissen, Kenntnisse, Beweise – beizubringen, das haben die Intelligence Agencies schlicht nicht gemacht. Stattdessen wimmelt es in ihrem Bericht  nur so von Einschätzungen, Annahmen und Vermutungen – also all dem, was an wilden Verschwörungstheorien seit Monaten in den Qualitätsmedien geköchelt wird. Einen Knochen oder sogar etwas Fleisch daran, irgendein “hard fact”, haben die Dienste nicht geliefert, aber in guter Tradition nehmen die Staats,-und Konzernmedien die Vermutungen und Annahmen für bare Münze und Beweis, dass “Putin persönlich” dahinter steckt. Und kochen den Bullshit weiter und weiter…

Wie hohl diese Geschichte ingesamt ist, läßt sich an Robert Kirby, dem stammelnden Sprecher des State Departments beobachten, der zuerst zugibt, dass der veröffentlichte Bericht keine Beweise für russische Hacker und die Weitergabe an Wikileaks enthält und das dann damit begründet, dass Geheimdienste selbstverständlich “ihre Quellen und Methoden schützen müssen” und nicht alles veröffentlichen können. Auf die Frage, ob die Öffentlichkeit nicht doch Anspruch auf irgendeinen nachvollziehbaren Beweis habe, antwortet er mit dem Hinweis, dass schließlich alle  17 Geheimdienste zu derselben “Einschätzung” (assessment) gekommen seien, das käme selten genug vor und sollte  wohl genügen. Einen Vergleich mit den assessments zu den WMD des Irak hielt Mr. Kirby für unangebracht – diese Fehler seien 15 Jahre her und seitdem hätten sich die Geheimdienste wesentlich verbessert.

Die peinliche Nummer ergänzt unsere Diagnose von der Intensivstation, dass es sich bei dieser ganzen Story um russische Hacker und Wahlbeeinflussung um eine klasssische Variante von “Fake News” handelt: zu Fakten aufgeblasene Gerüchte mit politischer Agenda.  Eine weitere Variante –  zu Fakten aufgeblasene gefälschte Dokumente – wurde pünktlich zur ersten Pressekonferenz von Donald Trump von CNN und Buzzfeed präsentiert: die haarsträubende “Golden-Shower”-Story, dass Trump im Ritz Hotel Moskau das Zimmer verlangt hätte, das Obama dort einmal belegt hatte und dann Prostituierte auf sein Bett pinkeln lies. Das 35-seitige Dossier mit  diesen Räuberpistolen, nach denen Russland über reichlich kompromitierendes Material über Trump verfügt –  angeblich das   “Geheimdokument” eines britischen James Bond-Kollegen vom MI6 – kuriserte seit Monaten unter Journalisten.  Einige Andeutungen daraus landeten schon im Herbst in verschiedenen Storys, die Trump als Marionette Russlands porträtierten. Doch schon der Seitenkopf des Dokuments zeigt, dass es sich um eine Fälschung handeln muss,   “Confidential/Sensitive Source” schreibt kein Geheimdienst über seine Papiere, “Sensitive Source” deutet sofort auf Fake.

Dass der Buzzfeed-Chef Ben Smith seinen Fake-Journalismus mit dem Hinweis begründet, “die Öffentlichkeit” solle über die Echtheit und die Vorwürfe entscheiden und damit versucht, seinem blöden Laden einen Hauch von Wikileaks-Nimbus zu verpassen, ist unverschämt. Kein einziges der von Wikileaks seit zehn Jahren publizierten Dokumente hat sich als Fälschung erwiesen, alles war echt. Wie zuletzt die Mails der demokratischen Partei, die nicht durch  Hackerzar Putin, sondern durch ein internes Leak zu Wikileaks kamen. Dafür gibt es Zeugen – doch sie passen nicht in das Narrativ, das sich die Yankees und die Clinton-Maschine für ihre selbstverschuldete Niederlage erfunden haben und mit Hilfe ihre Bataillone in Medien und Geheimdiensten durchdrücken wollen. Nachdem der Untersuchungsbericht über den Russenhack niemanden mit IQ über Bordsteinkante überzeugen konnte, wirkt der Pipifax-Bullshit von Buzzfeed wie das letzte verzweifelte Gefecht eines Kampfs,  Trump zu delegitimieren und seine Inauguration zu verhindern.

Mit dieser plumpen Fälschung, die  darauf zurückgeht, dass  die Clinton-Kamapagne einen Spezialisten beauftragte, Schmutz gegen Trump aufzutreiben – Moon of Alabama spekuliert anhand einiger Indizien des Papiers über eine Conncetion zu ukrainischen Nazis – erweisen sich die Demokraten nicht nur als schlechte Verlierer, sondern auch der Demokratie einen Bärendienst. Für die Debatte um Fake News indessen ist der Mythos Nr. 1 – Fake News machen immer nur die Anderen –  mit dieser Kampagne schon mal nachhaltig demontiert…

UPDATE Gut gegeben: Trump moderiert den Reporter von CNN, die den Pipifax-Bullshit  gesendet haben, in der Pressekonferenz ab:

BGH: Journalistendarsteller dürfen als Lobbyisten enttarnt werden

Über die Klage der beleidigten Pre$$titute Josef Joffe gegen das Kabarett “Die Anstalt” hatten wir vor zwei Jahren mit der gebührenden Verachtung berichtet. Der transatlantische Großschurnalist hatte auf Unterlassung geklagt, weil sich die Satiriker bei der Anzahl der Lobbyorganisationen, denen er angehört, auf einer Schautafel verzählt hatten. Das Landgericht Hamburg sah in dieser Ungenauigkeit nur einen unwesentlichen Fehler und lehnte das Ansinnen ab, denn dass Joffe bis zur Halskrause im Auspuff neo-liberaler Think-Tanks steckt läßt sich nicht bestreiten.
Und soeben kommt ein Ticker rein, der bestätigt, dass anders als auf hochdekorierte Journalistendarsteller auf unseren hohen Gerichte doch noch halbwegs Verlass ist:

“Zeit”-Journalisten scheitern vor BGH in Streit mit Satireformat “Die
Anstalt”

Karlsruhe (AFP) – Der Herausgeber der Wochenzeitung “Die Zeit”, Josef
Joffe, und der “Zeit”-Journalist Jochen Bittner sind mit
Unterlassungsklagen gegen die ZDF-Satiresendung “Die Anstalt” endgültig
gescheitert. Der Bundesgerichtshof (BGH) bestätigte am Dienstag
weitgehend ein Urteil des Landgerichts Hamburg. Gestritten wurde über
Angaben zur Mitgliedschaft in Lobbyorganisationen. (Az. VI ZR 561/15 und
VI ZR 562/15)

In der Sendung vom 29. April 2014 war die Frage der Unabhängigkeit von
Journalisten beim Thema Sicherheitspolitik thematisiert worden. Dabei
wurde angegeben, Joffe sei Mitglied, Vorstand oder Beirat in acht und
Bittner in drei entsprechenden Lobbyorganisationen. Laut BGH stimmten
die Angaben zu den Interessenkonflikten wegen unstreitiger
Mitgliedschaften in Lobbyorganisationen grundsätzlich. Dass eine
Schautafel dazu fehlerhaft gewesen sei, spiele in einer satirischen
Sendung keine entscheidende Rolle.

Laut BGH muss in einem satirischen Fernsehbeitrag zudem beachtet werden,
“welche Botschaft bei einem unvoreingenommenen und verständigen
Zuschauer angesichts der Vielzahl der auf einen Moment konzentrierten
Eindrücke ankommt”. Der Sendung lasse sich deshalb im Wesentlichen nur
die Aussage entnehmen, es bestünden “Verbindungen zwischen den Klägern
und in der Sendung genannten Organisationen”. Diese Aussage sei zutreffend.

UPDATE: Fachanwalt Markus Kompa hat die Sache hier und hier im Detail analysiert.

“Fake News” auf der Intensivstation

Wo Medien,-und Web-Konzerne international gerade eine ganz  große Koalition gegen Fake News bilden, will dieser kleine Blog natürlich nicht zurückstehen. Wir werden hier künftig deshalb gelegentlich “News” auf den Seziertisch legen und auf “Fake-News”-Indikatoren durchleuchten. Heute geht es um  einen “Spiegel Online”-Artikel, der schon in der Überschrift klar machte, dass es um einen Akut-Patienten handelt, der dann auch umgehend in die investigative Intensivstation eingeliefert wurde. 

 

Russland soll Mails über Umwege an WikiLeaks weitergegeben haben

Die US-Geheimdienste wissen nach eigenen Angaben, wer die E-Mails über die Demokraten an WikiLeaks weitergeleitet hat. Das geht aus einem von US-Präsident Obama angeordneten Geheimbericht hervor.

( Der Konjunktiv als engster Mitarbeiter und wichtigstes Werkzeug jeder Fake-News-Produktion kommt hier gleich in der Überschrift um Einsatz. „Soll“, „könnte“, hätte“ sind Fake-News-Indikatoren par excellence, die zeigen, dass es sich hier nicht um eine Nachricht, sondern um ein Gerücht handelt. In diesem Fall die Behauptung, dass Mails von Russland an Wikileaks gegangen sein sollen. Über „Umwege“ deutet dann an, dass man weder wirklich weiß, ob die Mails von Russland an Wikileaks gegangen sind, noch wie, auf welchem Weg, außer auf irgendwelchen Umwegen. Die „US-Geheimdienste“ aber wissen „nach eigenen Angaben“ wer es war und haben einen „Geheimbericht“ verfasst, aus dem das hervorgeht. Nun sind Geheimberichte aus denen etwas hervorgeht ja nicht mehr geheim, was einerseits die Spannung auf den Artikel steigert – andererseits aber sind anonyme „Angaben“ von „Geheimdiensten“ eine ebenso starker Indikator für Fake-News wie der Konjunktiv. )

Die US-Geheimdienste wollen die “Akteure” identifiziert haben, über die russische Hacker die erbeuteten E-Mails der Demokraten an WikiLeaks weitergegeben haben. Das berichten die “Washington Post” und CNN, die sich auf einen Geheimbericht berufen, den US-Präsident Barack Obama am Donnerstag erhalten hat. Demnach sind sich die Geheimdienste sehr sicher, dass Russland hinter den Hackerangriffen steckt.Die erbeuteten Daten sollen vom militärischen Geheimdienst GRU über einen “verschlungenen Weg” zu WikiLeaks gelangt sein. So sollte die Quelle verschleiert werden.

(Die Geheimdienste behaupten, Akteure identifiziert haben und haben außer dem Präsidenten auch Washington Post und CNN in ihren „Geheimbericht“ schauen lassen. Wer die angeblich identifizierten Akteure wirklich sind, wird nicht mitgeteilt, was aber die Hintermänner betrifft sollen die Geheimdienste „sehr sicher“ sein, dass Russland dahintersteckt, denn die Mails „sollen“ über den GRU auf “verschlungenen Wegen” zu Wikileaks gelangt sein. Hier wird der Feind, der russische Militärgeheimdienst, beim Namen genannt, im Konjunktiv der Tat bezichtigt und ihm dabei eine besondere Heimtücke unterstellt: Statt einfach bei Assange in der Botschaft anzurufen, sollen die raffinierten Russen einfach die Quellen „verschleiert“ haben. Gemein!)

Als weiteres Indiz führen die Geheimdienste demnach an, dass russische Regierungsmitglieder den Sieg Donald Trumps bei der US-Präsidentschaftswahl als einen geopolitischen Erfolg für Moskau gefeiert hätten. Das soll aus abgefangener Kommunikation zwischen hohen russischen Beamten hervorgehen.

(Diese barbarischen Russen, feiern die Wahlniederlage der Dame, die ihren Präsidenten als erste Politikerin als „Hitler“ diffamiert hat und lassen die Korken knallen! Dieses „Indiz“, angeblich aus abgehörten Gesprächen von namenlosen „hohen russischen Beamten“, ist ohne Kenntnis der O-Töne zwar wertlos und nur ein Gerücht, leitet aber die neueste Enthüllungsstory der WaPo ein, und sorgt gleich für den richtigen psychologischen “Freund/Feind”-Spin)
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Nafris, Rubus und andere Abkürzungen

Ein Twitter der Kölner Polizei, die eine große Gruppe Nordafrikaner als “Nafris” abkürzte wird derzeit in politisch korrekten Kreisen als menschenverachtend kritisiert, und die Tatsache, dass die massenweise angereisten Jungmänner am Bahnhof Personenkontrollen unterzogen wurden, als “rassistisches Profiling” verdammt. Da kann man eingedenk des Dramas vor dem Kölner Bahnhof vor einem Jahr nur fragen: gehts noch ? Was soll die Polizei angesichts dieser Vorfälle  denn tun außer genau diese Gruppe, die ostentativ und provokativ zum “Tatort” zurückkehrt, genauestens unter die Lupe zu nehmen ? Was ja wohl nichts anderes heißt,  als jeden Nafri einer Personenkontrolle zu unterziehen, zumal wenn sie zu Hunderten in Gruppen anreisen. Einer Horde Fußballfans, die ein Jahr zuvor an selber Stelle derart “gefeiert”  hätte, wäre es sicher nicht anders ergangen, man hätte sie vielleicht auch mit “Hools” abgekürzt und genau kontrolliert, obwohl längst nicht alle gewaltbereite Hooligans sind . So wie unter den Nafris längst nicht alle Antänzer, Grapscher oder Taschendiebe sind. Letzere werden im Polizeijargon, wenn sie in Gruppen vermutlich rumänisch-bulgarischen Ursprungs auftreten, auch als “Rubus” abgekürzt. Sich nach dem Hype um Köln 2015/16 über solche Abkürzungen, die in jedem Arbeitsbereich und in jeder Branche an der Tagesordnung sind,  ernsthaft aufzuregen und der Polizei Rassismus vorzuwerfen, weil sie ihren Job macht, ist realitätsblind und dumm. Und nur etwas für Leute, deren PC-Macke sich auch schon ins Tierreich erstreckt: sie sprechen dann nicht mehr von Ratte, sondern nur noch von “Nagetier mit Kanalisationshintergrund”…

Hardware der Grizzly Steppe entdeckt

Zum neuen Jahr hat die amerikanische Regierung nun endlich Belege dafür geliefert, dass die bisher immer nur behaupteten Angriffe russischer Hacker zwecks Manipulation der US-Wahlen nicht nur tatsächlich stattgefunden haben, sondern dass die “Cyberkriminellen” auch im direkten Auftrag der Regierung tätig geworden sind. Dazu hat die NSA zu Sylvester jetzt ein Foto veröffentlicht, das letzte Zweifel ausräumt. Es zeigt das aus russischer Produktion stammende Spionage-Tool, das an den Servern Hillary Clintons und in der Demokratischen Parteizentrale sichergestellt wurde und eindeutig zeigt wohin der digitale Output der Betroffenen auf direktem Wege umgeleitet wurde

Nachdem die vom Weissen Haus letzte Woche veröffentlichten Beweise über einen von den russischen Hacker-Bären verwendeten Code namens “Grizzly Steppe” in Technikerkreisen eher Kopfschütteln und Lachsstürme erzeugten –  weil der vom Homeland Security Ministerium so bärig getaufte Sourcecode im Netz jedermann und keineswegs nur Russen zugänglich ist – dürfte mit dem nunmehr vorliegenden Fotobeweis auch die Bevölkerung überzeugt werden, die je nach Umfrage zwischen 60% und 80% die ganze Russenhacker-Story  nach wie vor für Fake News hält. Doch an diesen harten Fakten kommt jetzt niemand mehr vorbei. Wie der hier stark vergrößerte Nanotech-Datensauger in die streng gesicherten Rechner gelangen konnte,  wird derzeit noch ermittelt, die Beschriftung läßt allerdings keinen Zweifel mehr zu, wer für die Angriffe auf die amerikanische Demokratie direkt verantwortlich ist.

UPDATE: (vom Schockwellenreiter): Neben der CIA, dem FBI und dem Secret Service wurden auch Batman und Captain America zur Aufklärung des Falles hinzugezogen. Das zeigt, wie ernst in den USA die russische Bedrohung gesehen wird.

Nirgendwo in Blüte

Unsere Neujahrsansprache ist dieses Jahr zwar schon fast 500 Jahre alt, das Problem, das sie benennt, spitzt sich allerdings immer gefährlicher zu.  Einige Lösungswege haben wir in “Die ganze Wahrheit über alles” aufgezeigt. 2017 wäre es an der Zeit, sie zu gehen, denn wenn alles so weiter geht, geht bald nichts mehr… Guten Rutsch!

»Wenn ich daher alle unsere Staaten, die heute nirgendwo in Blüte stehen, im Geiste betrachte, und darüber nachsinne, so stoße ich auf nichts anderes, so wahr mir Gott helfe, als auf eine Art Verschwörung der Reichen, die den Namen und Rechtstitel des Staates missbrauchen, um für ihren eigenen Vorteil zu sorgen. Sie sinnen und hecken sich alle möglichen Methoden und Kunstgriffe aus, zunächst um ihren Besitz, den sie mit verwerflichen Mitteln zusammengerafft haben, ohne Verlustgefahr festzuhalten, sodann um die Mühe und Arbeit der Armen so billig als möglich sich zu erkaufen und zu missbrauchen. Haben die Reichen erst einmal im Namen des Staates, das heißt also auch der Armen, den Beschluss gefasst, ihre Machenschaften durchzuführen, so erhalten diese sogleich Gesetzeskraft.«

Thomas Morus (1478-1535), Utopia

Nicht rechts, sondern echt

Der Macher von KenFM, Ken Jebsen,  wurde in den Medien immer wieder als irgendwie “rechts” oder gar als Anführer einer “Querfront” von Rechten und Linken bezeichnet, was mir aber nie aufgefallen war – weder bei den Interviews, die er noch als ARD-Mann und später auf KenFM mit mir führte, noch bei der Sichtung des Programms von KenFM. Stattdessen entdeckte ich ein  aufklärerisches, linkes Programm – und einen Moderator und Macher, der nicht „rechts“ ist, sondern echt: als Kriegsgegner und Anti-Militarist, als Vertreter sozialer Gerechtigkeit und scharfer Kritiker des neoliberalen „Jeder gegen Jeden“, als Anti-Rassist und strikter „Anti-Anti-Semit“, der Israel oft bereist und seine Verwandten dort besucht hat – und mit 545 Folgen „RückblickKEN“ den ARD-Rekord im Warnen vor Faschismus, Gewalt  und Holocaust hält. Dass das öffentlich-rechtliche Radio Ken Jebsen rausekelte, weil ein  berüchtigter Denunziant, der  Journalist der Springer-Presse Henryk Broder, ihn als „Holocaustleugner“ diffamierte, ist insofern ein echter Treppenwitz. Zumal KenFM als nutzerfinanzierte Plattform im Netz jetzt mehr Menschen erreicht als jemals im rbb-Radio.

Weil mich dieser Skandal und der Erfolg von KenFM interessierte, den ich als eine Art “best practice” im Zeitalter der Zeitungskrise sehe, habe ich Ken Jebsen im Sommer drei Tage lang interviewt und daraus ein Buch gemacht. Es ist sehr gut geworden und für alle, die  “irgendwas mit Medien” am Hut haben eigentlich Pflichtlektüre:
“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 Seiten, 18 Euro), eine Sneak Preview auf das Vorwort gibt es hier und um Bestellungen beim Verlag  (notfalls auch bei den üblichen Verdächtigen) wird gebeten.
Hier die 29. Folge des Medienmaganzins “Me, Myself & Media”, die am 24.12. erschienen ist und unter anderem die nach wie vor höchst merkwürdigen Ungereimtheiten des Anschlags auf den Berliner Weihnachtsmarkt zum Thema hat:

Real News aus Pipelinestan

Die Mainstreammedien in den USA beginnen in Sachen Syrien zurückzurudern und ihre bisherigen “Nachrichten” über den Konflikt als das zu diskreditieren, was sie waren: Fake News. Siehe zum Beispiel diesen “Reality Check” auf CBS, der “3 Facts the National Media Isn’t Telling You About Aleppo” richtigstellt, auf denen die hier erzählte Legende bisher basierte: Erstens die Tatsache, dass es keine “moderaten Rebellen” sind, die in Syrien gegen Assad kämpfen, sondern islamistische Kopf-Ab-Briagden; zweitens, dass die syrische Armee nicht “die eigene Bevölkerung bombardiert”, sondern die einzige Kraft in Syrien ist, die mit Hilfe Russlands gegen ISIS und Al Qaida vorgeht; und drittens, dass die “White Helmets” keine neutrale Sanitätsabteilung sind, sondern eine vom Westen finanzierte Kriegspartei und Propagandatruppe.

Nun macht zwar eine kleine “Real News”-Schwalbe auf CBS noch keinen Sommer, aber deutet immerhin an, dass die ersten nicht völlig verblendeten und gehirngewaschenen Journalisten kapieren, dass sie mit der Story vom “demokratischen” Kampf gegen einen “blutigen Diktator” einem ähnlichem Fake aufgesessen sind wie 2003 mit den Massenvernichtungswaffen Iraks. Dass die angeblich massakrierte Zivilbevölkerung in Aleppo massenhaft jubelte und die dort lebenden Christen erstmals seit Jahren friedliche Weihnachten feiern konnten,war in den noch auf Fake News geeichten Leitmedien zum Fest allerdings nicht die Top-Meldung, sondern fiel in der “Lückenpresse” weitgehend unter den Tisch. Immerhin konnte Götz Aly in der Berliner Zeitung darauf aufmerksam machen, dass es an der Zeit ist, die Polit-Märchen über Syrien zu beenden und statt ideologischem Wunschdenken wieder Realpolitik zu betreiben.

Dies bedeutet, nach dem Scheitern von Plan A – dem Regime Change in Damaskus – jetzt auch den Plan B, die Zerschlagung und Balkanisierung des syrischen Territoriums fallen zu lassen, und eine echte Friedenspolitik für Syrien zu betreiben. Nicht wie die Briten und die USA, die sich mit der Niederlage nicht abfinden wollen und weitere Waffenlieferungen an die Al Nusra-Terroristen planen, sondern eher so wie es die Russen tun, denen es bereits Anfang Dezember gelungen ist, einen der Hauptfinanziers der Dschihadisten in Syrien – Katar – umzudrehen und einen Stopp der Geldströme zu erreichen – indem sie ein Fünftel der Aktien von “Rosneft”, des größten russischen Energiekonzerns, an Katar verkauften. Wer die Hintergründe des ganzen Syrienkriegs kennt – die Tatsache, dass es dabei nicht um “Menschenrechte” und “Demokratie”, sondern um Öl und Gas (-Pipelines) geht, kann die Bedeutung dieses Deals zwischen Moskau und Doha ermessen: hinter den Kulissen haben sich die beiden größten Erdgas-Produzenten der Welt geeinigt und betreiben nun gemeinsame Geschäfte.

Ob nun Gazprom seine schon bis in die Türkei führende “Blue Stream”-Pipeline verlängert und/oder der Iran sein Öl künftig ans syrische Mittelmeer liefert und/ oder am Ende  doch noch Katar und Saudi-Arabien mit ihren Plänen zum Zuge kommen, deren Absage durch Assad dazu führte, dass der  “sympathische Augenarzt” Assad in den Medien zum “blutigen Diktator” mutierte, der entfernt werden musste – dieser Ausgang der Schlacht um Pipelinenistan ist noch nicht entschieden. Mit der Vertreibung der Dschihadisten aus Aleppo scheint aber ein entscheidender Schritt gemacht, dem Treiben der islamistischen Söldner in Syrien und ihrem ISIS-“Kalifat” ein Ende zu setzen. Dann ist noch immer kein Frieden, aber das tägliche Morden und die Vertreibung wären weitgehend eingedämmt. Und auf Basis von Real News könnte Politik gemacht werden, statt mit Fake News immer nur Krieg…

Gestrüpp unter Nase – Old Shatterhands sehr deutscher Bart.

Gestern abend schaute ich “Winnetou”. Es war gewissermaßen Pflichtprogramm und  lief erstaunlicherweise ohne Werbung, als ob  RTL zum Fest einen Adblocker eingebaut hätte. Karl May  war mein erster Lieblingsschriftsteller. Nach Wilhelm Busch und den Brüdern Grimm, die ich vom Vorlesen kannte  war das erste Buch, das ich mit 8 oder 9 Jahren selbst und bis zuende gelesen hatte Sammy Drechsels Fußballroman “Elf Freunde müßt ihr sein”. Und danach kam dann bald alles, was von den dicken, dunkelgrünen  Karl May Bänden in der Leihbibliothek verfügbar war. Weil wie im Fußball auch bei der Literatur die Regel “Einmal Fan, immer Fan” gilt, ließ ich auch später auf den sächsischen Großepiker nichts kommen, auch und gerade nachdem ich gelernt hatte, dass er seine Reisen durch den Wilden Westen und das wilde Kurdistan nur halluziniert hatte und kritische Germanisten ihn als “Protofaschisten” porträtierten, den auch schon der junge Hitler gut gefunden hätte. Da hielt ich es eher mit Ernst Bloch, der Karl May  neben Hegel stellte und in “Erschschaft dieser Zeit” notierte: “Old Shatterhand trägt einen sehr deutschen Bart, und seine Faust schmettert imperialistisch herab.”

Das scheinen auch die Autoren der Neuverfilmung gelesen zu haben, denn dort fragt Winnetou den zum Eisenbahnbau ins Apatschen-Land gekommenen Deutschen, warum er eigentlich einen Schnauzbart (“Gestrüpp unter Nase”) trage. Nicht zufällig ist der zum Anti-Imperialismus und Völkerverständigung neigende Indianerfreund Shatterhand am Ende dann so glatt rasiert wie weiland Lex Barker in den 1960ern. Diese Filme gehörten damals ebenfalls zum Pflichtprogramm, wurden Kult taugen heute aber allenfalls noch zu Nostalgiezwecken. Von daher hatte ich von einer Neuverfilmung eher wenig erwartet und war dann sehr angenehm überrascht, wie dem alten Stoff ein irgendwie neues, zeitgemäßes Leben eingehaucht wurde.

Da wünscht man sich fast, dass nach dem humanistischen Indianderfreund Shatterhand alsbald auch der Orientexperte Kara Ben Nemsi einer Neuinszenierung unterzogen wird. Denn auch wenn man das christlich-pazifistische Weltbild des Maysters, seine Hoffnung dass  von “der Liebe dem Hasse das Schwert aus der Hand gewunden wird”, als naiv abtun kann – seine Expertise zur “orientalischen Frage”, die mit dem Zerfall des Osmanischen Reiches Ende des 19. Jhds. und Aufständen auf dem Balkan und in Asien das große geopolitische Thema der Zeit war, in der May diese Romane schrieb, scheint angesichts eines “Islamischen Staats” und eines Sultans Erdogan durchaus wieder aktuell.

In “Von Bagdad nach Stambul” fragt Sir David Lindsay Kara Ben Nemsi nach seiner Ansicht zur Lage im Mittleren und Nahen Osten und Karl May holt zu einer längeren Lektion aus, die in einer durchaus weihnachtlichen Predigt mündet:

“Ich habe mich niemals leidenschaftlich mit Politik beschäftigt, und die orientalische Frage ist mir gar ein Greuel. Wer sie erst definieren kann, der mag sie danach lösen. Sie und der sogenannte „kranke Mann“ haben mich selbst in der lebhaftesten Gesellschaft stets zum sofortigen Schweigen gebracht. Ich habe nicht politische Medizin studiert und kann also nicht sagen, an welcher Krankheit dieser Mann leidet; aber ich meine sehr, daß grad ganz in seiner Nähe Zustände herrschen, welche ich nicht gesund nennen möchte. Der Türke ist ein Mensch, und einen Menschen macht man nicht damit gesund, daß die Nachbarn sich um sein Lager stellen und mit Säbeln ein Stück nach dem andern von seinem Leibe hacken, sie, die sie Christen sind. Einen kranken Mann macht man nicht tot, sondern man macht ihn gesund, denn er hat ein ebenso heiliges Recht, zu leben, wie jeder andere. Man entzieht seinem Körper die Krankheitsstoffe, welche ihm schädlich sind, und reicht ihm dagegen das Mittel, welches ihn heilt und wieder zu einem leistungsfähigen Menschen macht. Der Türke war einst ein zwar rauher, aber wackerer Nomad, ein ehrlicher, gutmütiger Gesell, der gern einem jeden gab, was ihm gehörte, sich aber auch etwas. Da wurde seine einfache Seele umsponnen von dem gefährlichen Gewebe islamitischer Phantastereien, Lügen und Widersprüche; er verlor die Klarheit seines ja sonst schon ungeübten Urteiles, wollte sich gern zurecht finden und wickelte sich desto tiefer hinein. Da ward der bärbeißige Gesell zornig, zornig gegen sich und andere; er wollte sich einmal Gewißheit schaffen, wollte einmal sehen, ob es wahr sei, daß das Wort des Propheten auf der Spitze der Schwerter über den Erdkreis schreiten werde. (…)
Nur ein einziger steht von ferne, mit christlicher Teilnahme im Herzen. Er war ihm einst ein ehrlicher Feind und möchte ihm nun auch ein ehrlicher Freund sein. Er hat eingesehen, daß der Türke ein ebenso großes Recht hat, sein Land zu behalten, wie Preußen sein Schlesien, Sachsen und Hannover behalten hat. Dem Kranken, um welchen die Geier lauern, ist schon der aufrichtige Blick dieses Einen eine Bürgschaft der Genesung, und darum fühlt er sich bereit, ihm zuliebe selbst das zu thun, was er sich von anderen nie erzwingen ließe.
Dieser Einzige ist der Deutsche. Ist dem Germanen wirklich die weltgeschichtliche Rolle zugeteilt, der Träger christlicher Humanität zu sein, so ist er sicher überzeugt, daß Mekka einst veröden wird, wenn die Liebe dem Hasse das Schwert aus der Hand gewunden hat. Oder ist es vielleicht Wahnsinn, zu glauben, daß der Türke ein Christ werden könne? Das hieße nichts anderes, als die Macht des Evangeliums verleugnen.
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Warum aber diese Einleitung? Einfach darum: Ich hasse den Türken nicht, sondern er dauert mich, weil ich ein Christ bin, und es thut mir immer wehe, wenn ich einen Türkenfresser behaupten höre, daß dem Osmanen nicht zu helfen sei. Das ist Pharisäer-Hochmut, aber kein Christensinn. Die Streiter unserer heiligen Kirche besitzen mächtigere Waffen, als Schwerter und Kanonen es sind. Diese Waffen haben Weltreiche ohne Blut erobert. Warum soll diese Eroberung des Friedens nicht still und kräftig weiterschreiten? Das ist die Lösung der orientalischen Frage, wie der Christ sie sich denkt.”