9/11 Unser

91110-cover(This post is also available in English) Im August dieses Jahres erhielt ich ein Schreiben mit der Bitte um Rat bei einem Projekt. Da es sich um ein recht ungewöhnliches Vorhaben handelte – die Gründung einer Glaubensgemeinschaft bzw. Kirche -, baten die Unterzeichner darum, ihre Anonymität zu bewahren, falls ich über die Idee berichten würde. Dies aber sei durchaus erwünscht, “um erste Erfahrungen über die mögliche Akzeptanz zu gewinnen”. Weiter heißt es in dem Schreiben:

“Nachdem nun schon fast 15 Jahre vergangen sind, ohne dass die Verbrechen des 11. September 2001 aufgeklärt und die wahren Täter und Hintermänner ermittelt sind, ist eine solche Aufklärung auch in den kommenden Jahrzehnten nicht zu erwarten. So verständlich und legitim es sein mag, die Wahrheit über 9/11 und eine ordentliche Untersuchung des Massenmordes zu fordern, so illusorisch und unrealistisch ist es leider auch, eine tatsächliche Umsetzung dieser Forderung zu erwarten. Da die offizielle, von Regierungen und Medien verbreitete Legende also weiter Bestand haben wird, macht es aus realpolitischen Gründen wenig Sinn, dagegen weiter argumentativ vorzugehen. Wo Legenden als Realgeschichte etabliert und zur Staatsräson erkoren werden, um auf dieser Basis Machtpolitik zu exerzieren, hat kritische Vernunft ausgedient.

Deshalb wollen wir eine Glaubensgemeinschaft gründen, die sich klar und unzweideutig zur offiziellen 9/11-Geschichte bekennt und die Promotion dieser wunderbaren Ereignisse in den Status soliden, staatlich geprüften Wissens feiert. Weil dabei sowohl die Naturgesetze, wie auch die der Wahrscheinlichkeit, der Logik und des gesunden Menschenverstands teilweise in Frage gestellt werden, haben wir uns (vorläufig) für den Namen “Church Of Free Fall” (C.O.F.F.) entschieden und streben mittelfristig die Zulassung als offizielle Religionsgemeinschaft an.

Dass die C.O.F.F. als eigentlich säkulare “Wissensgemeinschaft” dabei auf Gründungsmythen und Wunder verweisen kann, die hinter denen der etablierten Kirchen kaum zurückstehen, zeigt unser Glaubensbekenntnis im Anhang. Es wurde von der internationalen Sektion des vorläufigen C.O.F.F.-Episkopats erlassen und soll als Grundlage der Gemeinschaft dienen. An weiteren Glaubensgrundsätzen, Dogmen sowie an kultischen Ritualen wird derzeit noch gearbeitet.

Mit dem C.O.F.F.-Bekenntnis ( PDF hier)tragen wir der Realpolitik Rechnung, wie sie auf Basis der pulverisierten WTC-Türme in Sachen Krieg, Überwachung und “Sicherheit” selbstverständlich geworden ist. Statt Kraft durch Nörgeln bezieht die C.O.F.F. Freude durch Affirmation, sie feiert den Wahnsinn der Realität und den gerechten Great War On Terror. Statt sie zu bekämpfen liebt C.O.F.F. die Feinde einfach an die Wand.

Sie können unser Manifest  gerne veröffentlichen.”

Was hiermit geschieht: Weiter bei telepolis

UPDATE: Nachdem das C.O.F.F. Glaubensbekenntnis bei telepolis schon scharenweise Proselyten akquiriert und auch der Westend Verlag das “9/11 Unser” freudig veröffentlicht hat (“Holy Shit!”) erreichen uns erste Betrittswünsche, die wir an die Gründungs-Mütter, und -Väter der COFF weiterreichen. Ebenso wie den Vorschlag für eine Hymne, die in der Tat gute Chancen haben sollte, in den Kanon der COFF-Gesänge aufgenommen zu werden: Nach einer alten Weise von Bruder Tom Petty, mit neuem Text und dem bekannten glückseligen Refrain: Free Fallin’ !

UPDATE 2: Nachdem hier weitere Vorschläge für das COFF-Gesangbuch einlaufen sollen diese am Feiertag der geneigten Gemeinde nicht vorenthalten werden – ebenfalls nach einer alten Weise, mit denen die Brüder Gibb seinerzeit die Tanzböden zum Glühen brachten. Nunmehr neu interpretiert von den Free Bees:

Vergessene Fakten

11.9. - zehn Jahre danach_ Der Einsturz eines LügengebäudesZum 15. Jahrestag hat Paul Schreyer noch einmal einige “vergessene Fakten”  sehr gut zusammengefasst. Wem dies noch nicht ausreicht, um Zweifel an der offiziellen Legende zu hegen, sei auf unser vor fünf Jahren erschienenes Buch “11.9. -Zehn Jahre danach” verwiesen.  Unter jedem Kapitel dort werden die bei einer Neu-Untersuchung zu verhörenden Zeugen und freizugebenden Dokumente benannt und jeder dieser “Beweisanträge” würde in einem halbwegs rechtsstaatlichen Verfahren zu einer Wiederaufnahme der Ermittlungen führen. Wie zum Beispiel die nunmehr auch in einem renommierten physikalischen Fachmagazin präsentierten Hinweise auf eine kontrollierte Sprengung der Türme, über die der “stern” diese Woche einigermaßen sachlich berichtete.  In unserem Buch  sind die drei Türme und die begründeten Zweifel an der offiziellen “Pfannkuchentheorie” ihrer Pulverisierung nur zwei von 38  Plädoyers für eine Neu-Untersuchung der Anschläge – und bei weitem nicht die Wichtigsten. Denn wie bei der Aufklärung jedes Verbrechens ist nicht die Frage nach dem  “Wie”, sondern die nach dem “Wer”, nach den Tätern, die alles entscheidende. Dass nicht einmal die genaue Identität der 19 als Alleintäter beschuldigten “Hijacker”ermittelt wurde, ist schon  in meinen Büchern aus den Jahren 2002 und 2004 dokumentiert, – hier das “Fakten.Fälschungen…” damals auf CD beiliegende Video, das Freund Daniel Hopsicker nach seinen Recherchen in Florida über “Mohamed Attas Flying Circus”  – ebenso wie die Verbindungen und Kontakte, die diverse Geheimdienste mit den Hijackern hatten. Und genau hier würde jeder ordentliche Staatsanwalt seine Ermittlungen ansetzen: wer genau sind die Täter, wer hat sie möglicherweise beauftragt und bezahlt – also genau da, wo die 9/11 Commission kollektiv weggeschaut hat. Die Finanzierung der Anschläge, heißt es im 9/11-Report, sei “von geringer praktischer Bedeutung”. Alles klar !?

Das Königreich der Sprache

09-09-16-2010-bildschirmkopieEnde August  erschien “The Kingdom of Speech” von  Tom Wolfe,  von jeher bzw. seit “Electric Cool Aid Acid Test” einer meines Lieblings -Schreiber/Reporter/Erzähler und als ich in der Ankündigung sah, dass es sich a) um non-fiction und b) um Darwins Evolutionstheorie  und Chomkys Universalgrammatik handelt, musste ich das Werk sofort bestellen und lesen. Weil ich a) Wolfes Romane zwar meistens  gut  fand, seine Reportagen aber immer vom Feinsten und mich b) schon viel mit Darwin und seinen mißratenen neo-darwinistischen Jüngern befasst habe sowie in den 70ern fünf Jahre Linguistik studiert und Chomsky quasi als studentische Muttermilch inhaliert hatte. Also die Theorie einer im Gehirn  quasi fest verdrahten Einrichtung, die dem Menschen, anders als den Affen und anderen Verwandeten, den Spracherwerb ermöglicht. Je nach dem, mit welchen Daten (Worten) die Maschine gefüttert wird,  kann ihre Software (“generative Transformationsgrammatik”), nach bestimmten formalen Regeln Sätze bilden. So entsteht aus einer begrenzten Anzahl Worte und einer begrenzten Anzahl Regeln eine prinzipiell unendliche Sprache. Darwin hatte das Entstehen der Sprache noch als Imitation des Vogelgesangs gedeutet, Chomskys Theorie eines in allen menschlichen Gehirnen befindlichen Sprachorgans wurde dann ab den 1950er Jahren zum herrschenden linguistischen Paradigma.  Gefunden, in  neuronalen Strukturen geortet oder sonst irgendwo (“Ich denke sowieso mit dem Knie” J.Beuys) lokalisiert wurde dieser geheimnissvolle grammatikalische Bio- Computer freilich bis heute nicht. Genausowenig wie der magische Mechanismus der “natürlichen Selektion”, der im Zentrum der Evolutionstheorie steht und sich wegen seines sehr allmählichen Ablaufs der Beobachtung entzieht. Wolfe erzählt, wie Darwin und die ehrenwerte Royal Society diese Idee von dem armen Feldforscher und “Fliegenfänger” Alfred Wallace abkupferten, der das erste Papier dazu aus dem fernen Malaysia eingesandt hatte, wie sie ihn danach nolens-volens als Ko-Pionier umgarnten und sich wieder entzweiten, als Wallace darauf beharrte, dass damit das eigentlich Menschliche, nämlich die Sprache, ja noch nicht gar nicht erklärt sei.

Insofern gab es in der Tat keinen Anlass aus der Evolutionstheorie eine umfassende “Theorie für Alles” zu machen, was dann  aber genauso geschah, wie später mit der Theorie der Universalgrammatik von Noam Chomsky, die fortan als linguistisches Evangelium galt. Bis ein weiterer “Fliegenfänger” – der vom Missionar zum Anthropologen zum Ethno-Linguisten mutierte Daniel Everett – eine einzigartige Entdeckung machte: ein von der Außenwelt völlig unberührtes Volk, die Pirahã im Amazonasdschungel Brasiliens, mit einer Sprache, die sich von allen bekannten Sprachen unterschied. Sie kannten weder Zahlen noch Singular und Plural oder Vergangenheit und Zukunft, geschweige denn beherrschten sie die Rekursion, das Allerheiligste des Chomksyismus, nämlich die Fähigkeit, ad infinitum  Nebensätze zu bilden. “Die schöne Frau, die mich heute früh an der Bushaltestelle so strahlend anlächelte,als ich von dem Buch aufsah, in dem Maurice Maeterlinck  über die Intelligenz der Blumen schrieb, dass…”  – so etwas können die Pirahas nicht. Sie haben  keinerlei Werkzeuge, außer Pfeil und Bogen, keine Götter und Kulte, keine Hierarchien oder Anführer – sie leben nur in der Gegenwart und haben eine entsprechende Sprache entwickelt. Everett erlernte sie in zwei Jahren, lebte fünf weitere Jahre bei diesem Volk und stellte fest; Sprache scheint nicht auf einer eingebauten Apparatur zu beruhen, sondern ist ein kulturelles Werkzeug, das von Menschen entsprechend ihrer Umgebung entwickelt wird.

Wie die Chomskyianer und der Meister selbst auf diesen Angriff ihrer Großtheorie durch einen Giftpfeil vom Amazonas reagierten, der mit sauberer Empirie und praktischer Feldforschung munitioniert das Paradigma der Linguistik erschütterte – dieser Lektion ist der zweite Teil von Wolfes Essay gewidmet und auch hier geht es wie bei Darwin/Wallace um das Drama Establishment vs. Außenseiter, Zitadelle der Wissenschaft vs. praktische Forschung, autoritative Ideologie vs. subversive Fakten. Klar, dass Wolfe seine spitze Feder eher Letzteren leiht – auch mit 85 schreibt er noch derart frisch, fröhlich und frei, dass diese 170 Seiten wie im Flug vergehen –  und klar auch, dass er mit seinem Anti-Darwin und Anti-Chomsky-Approach weder Kreationisten, noch Evangelikalen oder anderen Dumpfbacken das Wort redet. Sondern nur deutlich macht, dass weder die Evolutionstheorie noch die Universalgrammatik das Wunder erklären können, das uns erst zu Menschen macht: die Sprache.

Alles über Dulles

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David Talbots beeindruckende Biographie über Allen Dulles (“Das Schachbrett des Teufels”)hatte ich schon dringend zur Lektüre empfohlen. Wer sich dazu noch nicht durchringen kann und noch ein wenig mehr darüber wissen will, wie und warum die Geschichte des 20. Jahrhunderts von diesem Wall-Street-Anwalt und CIA-Chef entscheidend beeinflusst wurde: Markus Kompa hat ein ausführliches Interview mit David Talbot über sein Buch geführt.

Auch James Corbett beschäftigt sich in seinem jüngsten Report “Meet Allen Dulles – Fascist Spymaster” mit dem Spionagechef und seinem Bruder und Außenminister John Foster Dulles, die die Politik der USA nicht im Sinne des Volkes, sondern stets im Sinne ihrer Konzern-Klienten führten. Und die mit diesem Familienbetrieb auf den Punkt brachten, was Benito Mussolini einst über sein Regierungssystem sagte: „Der Faschismus sollte Korporatismus heißen, weil er die perfekte Verschmelzung der Macht von Regierung und Konzernen ist.“

Wer sich fragt, was solche historischen Enthüllungen über Verbrecher und Verbrechen im Namen des Staats für die heutige Zeit bedeuten, kann sich über die aktuelle Fortsetzung dieser Politik in einem ausführlichen  Essay informieren: “Deep Politics -Institutionalized Corruption at the Top and the Corporate Assault on Democracy” (pdf), bzw. braucht sich eigentlich auch nur die grotesken Geheimverhandlungen über TTIP anzuschauen. Oder den aktuellen Putsch in Brasilien; oder die aktuellen Gesetzesbrüche des Bundesnachrichtendiensts, den Allen Dulles einst mit dem Nazi-General Reinhard Gehlen als Gründungsdirektor ausstattete.  Oder 9/11 und die Folgen…

(“Gloriosa Victoria” ist der Titel des Wandgemäldes, das  Diego Rivera 1954 malte, nachdem die Dulles Brüder für ihren Klienten “United Fruit” einen Putsch in Guatemala durchgeführt hatten, weil der gewählte Präsident Jacobo Arbenz eine Land,-und Bodenreform durchführen wollte. Es zeigt den eingesetzten Diktator Castillo Armas, der  sich bei John Foster Dulles und der Bombe mit Eisenhower-Gesicht bedankt. Hinter ihm sein Bruder und Einflüsterer Allen. Der Autor Stephen Kinzer enteckte es – eingerollt – im Keller eines russischen Museums – und schlug seinen Ankauf vor. Für den Dulles Airport in Washington D.C.)

Troubadour

Vor 40 Jahren, im September 1976, erschien “Troubadour” von J.J.Cale. Schon seine vorherigen LPs “Naturally” und “Okie Okie” hatten  in unserer Wohngemeinschaft zum akustischen Ambiente gehört. Auch auf Casette on the road war JJ der perfekte Begleiter und wenn ich auf Nachtschicht im Taxi ein bisschen müde wurde, drehte ich das Fenster auf, schob Call me the Breeze ein und gab wieder fröhlich Gas. Dann kam “Troubadour” heraus und wurde zur meist gehörten Platte meines Lebens. Und ähnlich wie “Breeze” auf “Naturally” gab es auch hier wieder so ein kurzes,  einfaches Stück, das mit seinem fliegenden, flimmernden Groove einen geradezu magischen Drive entwickelt: Travelin’ Light. Viele, auch “Gitarrengötter” wie Clapton oder Knopfler, haben sich an diesem speziellen Sound ihres Inspirators J.J.Cale versucht, wirklich hingekriegt hat ihn keiner. Denn Cale war nicht nur ein großer Gitarrist und Songwriter, sondern auch ein genialer Arrangeur. Im Nachruf auf den im Juli 2013 verstorbenenMeister (mit vielen Links hier) schrieb ich : “Etwas aus seinem umfangreichen Gesamtwerk herauszuheben fällt schwer – für Banausen klang er eh langweilig und immer gleich und Afficionados konnten in jedem seiner Stücke Feinheiten hören die eben nur the one and only JJ so hinbekam.” Hier als Beweis pars pro toto das zweite Stück von “Troubadour”, das 2010 für die Astronauten des Atlantis Space Shuttle und International Space Station zum Aufwecken vor ihrem Spacewalk gespielt wurde. Nicht nur wegen des leichten Gepäcks eine gute Wahl des NASA-DJs:

Das Schachbrett des Teufels

Talbot-DullesVor einigen Jahren wurde ich eingeladen, in der Kunsthalle Bonn bei der Veranstaltung  “Hinter den Spiegeln – Zur Kultur des Spiels und der Schönheit des tiefen Denkens” einen Vortrag zum Thema “Schach und Paranoia” zu halten. Das nahm ich gerne an, denn es ging  dabei um einen der großen Helden meiner Jugend, Bobby Fisher, und um die Tatsache, dass Skepsis gegenüber dem Offensichtlichen, permanenter Verdacht und Unglaube gegenüber der Realität auf dem Brett und Hypothesen über mögliche Fallen, Hinterhalte und Verschwörungen zu den Kernkompetenzen des Schachspielers gehören. Und dass es wohl kein Zufall ist, dass die vielleicht größten Jung-Genies der gesamten Schachgeschichte, Bobby Fisher und sein Lieblingsspieler Paul Morphy (1832-1884), im späteren Leben krankhaftem Verfolgungswahn anheim fielen.

An diese dunkle Seite des Schachs, den autistischen, soziopathischen, paranoiden Schatten, mußte ich denken, als ich jetzt zum zweiten Mal die Lebensgeschichte eines Mannes las, der auch ein begeisterter Schachspieler war, dem aber ein Brett nicht ausreichte, sondern der die ganze Welt als Spielfeld betrachtete: Allen Dulles, der Vater der CIA, Anwalt der Wall Street und Meister der verdeckten Operationen, der mit seinen Zügen das 20. Jahrhundert so massiv beeinflusste wie kaum ein anderer Player auf der Bühne der Macht. David Talbot hat mit dem soeben auf Deutsch erschienenen Buch “Das Schachbrett des Teufels – Die CIA, Allen Dulles und der Aufstieg Amerikas heimlicher Regierung”, nicht nur die defintive Biographie des legendären Spionagechefs geschrieben, sondern darüber hinaus eine  Chronographie der geheimen Machtpolitik des 20. Jahrhunderts. Von den Verhandlungen in Versailles, in die Allen und sein Bruder John Foster eingebunden waren, über die Nazi-Zeit und den 2. Weltkrieg, in der sie für die US-Investitionen in Deutschland zuständig waren, und im Kalten Krieg, in dem Allen als CIA-Chef und sein Bruder als Außenminister die Außenpolitik der USA  als Privatangelegenheit der Dulles-Familie und ihrer Konzernbosse betrieben. Und während der große John Foster auf der Kanzel salbungsvoll von “Demokratie” und “Freiheit” predigte, inszenierte der kleine Allen hinter der Bühne die politischen Morde, Terroranschläge und “regime changes”, die zur Verbeitung dieser “Werte” erwünscht waren – von Guatemala bis Iran,  von Puerto Rico bis Frankreich, von Kuba bis Italien.

Dieser distinguierte Pfeifenraucher und Schachspieler im Tweedanzug bewegte sich auf jedem Parkett mit gewinnender Freundlichkeit und schien insofern als das Gegenteil eines Soziopathen, doch es gab nichts und niemanden, den er nicht für seine Zwecke instrumentalisierte. Hinter der Maske des “Gentleman” Allen Dulles steckte ein nahezu empathieloses, gefühlskaltes Wesen, das andere Menschen ohne mit der Wimper zu zucken in den Tod schickte, wenn es ihm “nützlich” schien. “Useful” war sein Lieblingswort, bekundeten seine Frau und seine Geliebte, die für ihn auch nichts anderes waren als eben dies. So wie die hohen Nazis, mit denen er in seinem Büro in Bern schon während des Kriegs lieber an einer anti-kommunistischen Nachkriegsordnung strickte, statt die Nachrichten über die Judenvernichtung nach Washington durchzugeben; so wie Hitlers Top-Spion Reinhard Gehlen, der zum Aufbau der CIA und danach des BND äußerst “nützlich” war, so wie die anderen Nazis vom Kaliber Klaus Barbie, die er über die “Rattenlinie” entkommen  und in Südamerika einsetzten lies. Und der die Invasion in der Schweinebucht zum Sturz Fidel Castros bewusst mit drittklassigem Personal ausstattete, um sie scheitern zu lassen und den gerade ins Amt gekommen Präsidenten Kennedy zum militärischen Eingreifen zu zwingen. Als JFK dies verweigerte und Dulles dann als CIA-Chef feuerte, unterschrieb er sein Todesurteil. Dass der dunkle Prinz des Kalten Kriegs weiter die Fäden ziehen und auch vor einem Staatsstreich in Amerika nicht zurückschreckte, diese Infamie des teuflischen Schachspielers Allen Dulles hatte JFK nicht auf der Rechnung.

Wie schon “Brothers”, David Talbots Buch über die ermordeten Kennedy-Brüder, ist auch sein Werk über Allen Dulles nicht nur hervorragend recherchiert und dokumentiert, sondern auch überaus spannend geschrieben. Und erzählt mit dem Porträt eines sich über jedem Recht und aller Moral wähnenden Machtpolitikers auch eine verborgene Geschichte des 20 Jahrhunderts, wie sie die von “Siegern” wie Allen Dulles notorisch geschönten Geschichtsbücher noch nicht kennen. Den shouts, claims und Werbesprüchen auf Buchumschlägen  ist ja nur selten zu trauen, der auf der Rückseite diese Buchs aber trifft zu 100 Prozent zu: “Der beste Spionagethriller des Jahres ist keine Fiktion!”

David Talbot:Das Schachbrett des Teufels – Die CIA, Allen Dulles und der Aufstieg Amerikas heimlicher Regierung, Westend-Verlag, 608 Seiten, 28,00 Euro

Burkarneval forever!

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Die Angst vor dem Weiblichen, vor der Anziehungskraft des weiblichen Körpers, führte mit dem Aufkommen des Patriarchats vor einigen tausend Jahren dazu, dass die Männer die Frauen zwangen, sich zu verhüllen und zu verstecken. Dass Perikles, der “Vater” der athenischen Demokratie, sich mit seiner Frau Aspasia bei öffentlichen Anlässen zeigte, galt als Skandal und wie die alten Griechen hielten es auch viele nachfolgende Völker und Religionen und halten es bis heute, nämlich die Frauen unter Kontrolle. Mit Verhaltens,-und Kleidungsvorschriften, mit Separation von einer allein Männern vorbehaltenen Welt. Notwendig wurde diese Unterdrückung, um die Umstellung von der weiblichen auf die männliche Erbschaftslinie durchzusetzen, wozu die Vaterschaft sichergestellt werden muss. Im »Husband« (engl. Ehemann) klingt heute noch an, dass der Mann  zuvor bestenfalls »ans Haus gebunden« war, ansonsten aber bloß ein durchaus austauschbarer Spermienlieferant  und keineswegs Chef im Ring oder Herr im Haus. Das wurde unter patriarchalen Bedingungen anders, von  nun an mußte die Frau vor anderen  potentiellen und potenten “Lieferanten” verborgen und verhüllt werden. Um die Vaterschaft zu sichern und die Frau unter Kontrolle zu bekommen,wurde sie wegsperrt, ihrer Freiheitsrechte beraubt und reduziert auf die Funktion eines wertvollen Nutztiers.

Der Reformer Mohammed »befreite« die Frauen dann im 6. Jahrhundert nach Christus zumindest insoweit, dass sie ihren Ehemann im Falle seines Todes beerben konnten und nicht mehr selbst zusammen mit Kühen und Kamelen als Nutztier vererbt oder – wie in Indien – einfach verbrannt wurden. Womit wir den Islambegründer zwar nicht als frühen Feministen, aber durchaus schon auf dem Weg zu einer Gleichberechtigung sehen, der dann aber erst über 1000 Jahre später, mit dem Zeitalter der europäischen Aufklärung eingeschlagen, im 20. Jahrhundert rechtlich und politisch festgeschrieben wird und zu Beginn des 21. Jahrhunderts nur in wenigen Ländern der Welt halbwegs realisiert ist. Über die Burka, die orientalische Ganzkörperverschleierung, gibts es derzeit eine heftige Diskussion, rein symbol-politisch, denn de facto laufen in ganz Deutschland höchstens ein paar Dutzend  Frauen derart vermummt durch die Gegend. Gerade weil es nur ein Symbol ist und in der Realität keine Rolle spielt, braucht es ein gesetzliches Verbot, findet nun der FAZ-Herausgeber Kohler, alles andere würde als “Zurückweichen” der Politik wahrgenommen.

Also mit Burka-Bussgeld “klare Kante” zeigen, selbst wenn es keinem nützt und sowieso keine Rolle spielt ? Nur um “dem Moslem” mal zu zeigen, was im christlichen Abendland ne Harke ist ? Das klingt  nach Dumpf-Populismus, unterste Schublade. Deutet aber insofern in die richtige Richtung, als es wirklich neue Gesetze braucht, um Probleme wie dieses zu lösen, Gesetze, die nicht nur “dem Moslem”, sondern auch “dem Christen”, “dem Hindu”, “dem Juden” und allen Anhängern anderer religiöser Kulte zeigen, was im säkularen 21. Jahrhundert ne Harke ist. Nämlich die strikte Trennung von Staat und Religion, wobei Letztere sich den Gesetzen des Ersteren unterzuordnen hat – und nicht umgekehrt. Der Staat darf nicht länger als Erfüllungsgehilfe bestimmter Religionen fungieren und sie über Zwangsabgaben finanzieren, sondern hat nur die Glaubens,-und Religionsfreiheit zu garantieren, als reine Privatangelegenheit. Wenn der Rechtsstaat erlaubt, mit Sonnebrille, Mundschutz und Hoodie herumzulaufen, sind selbstverständlich auch Burkas oder andere Vollverschleierungen legal, wenn er das eine auf Demos wg. Vermummungsverbot auschließt müssen auch Burka-Trägerinnen auf ihre Demonstrationsrecht verzichten. Nämliches gilt an Behördenschaltern, an staatlichen Schulen usw., wo “amtliche” Dienstkleidung vorgeschrieben ist.  Ansonsten gilt: solange die Kostümierung niemand anderen gefährdet möge jeder nach seiner Fasson glücklich werden. Da hat sich der säkulare Rechtsstaat nicht einzumischen, egal ob das Kostüm aus religiösen oder karnevalistischen Gründen getragen wird.

(Foto: Saudi-Emojis, Postillon)