Heute ein Gastbeitrag meiner Kollegin Eva C. Schweitzer, die gerade ihr neues Buch “
Arbeitet Donald Trump heimlich für Hillary Clinton? In dieser Wahl, an Verrücktheiten und Verschwörungen nicht arm, scheint alles möglich. Dass Donald, gänzlich frei von gewachsenen Bindungen an die Republikaner, in Wirklichkeit ein Doppelagent der Clintons ist, ein Manchurian Candidate, ein U-Boot. das glauben immer mehr Amerikaner. Sie denken, Trump wolle gar nicht Präsident werden; sein eigentliches Ziel ist es, die Republikaner von innen heraus zu zerstören wie das trojanische Pferd die gleichnamige Stadt. Trump, die Geheimwaffe der Clintons!
Wie kann das sein? Natürlich kennen sich die Trumps und die Clintons. Schon lange. Trump ist New Yorker, und die Clintons wohnen im Staat; Bill hat sein Büro in Harlem. Da lädt man schon mal die örtlichen Baulöwen zum Spendensammeln ein. Und spenden für Politiker, das gehört in New York zum Geschäft. Vor allem für Demokraten, die Trump immer schon unterstützt hat: Hugh Carey, Mario Cuomo, Ed Koch. Es war auch Ed Koch, der langjährige Bürgermeister, der Trump und die Clintons einander vorgestellt hat. Trumps Anwalt und rechte Hand Roy Cohn war Demokrat. Und Peter Vallone, der demokratische Stadtratsvorsitzende, war lange auf Trumps Gehaltliste.
Und auch den Clintons hat Trump Geld gegeben, für die gleiche Stiftung, die er jetzt dauernd öffentlich schmäht. Und nicht nur das: Er hat die beiden auch zu seiner Hochzeit eingeladen, seiner dritten, mit seiner Frau Melania. Nach Florida. Das Foto zirkuliert schon seit einiger Zeit, alle lachen sich darauf an und sind glücklich. Spätestens das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Einer Golffreundschaft. Donald und Bill gehen nämlich zusammen golfen. Bill hat ein beachtliches Handikap und Donald ein paar beachtliche Golfplätze. Da kommt man schon mal ins Gespräch und wenn die Zeit beim Golfen nicht ausreicht, ruft man sich auch mal an. So rief Donald den Bill im Frühjahr 2015 an und ließ sich beraten (angeblich), ob er denn als Präsident kandidieren solle, und wie. Das Gespräch ist bestätigt, Donald und Bill streiten aber ab, dass es dabei um Politik gegangen sei. Sie hätten nur über Golf gesprochen. Na, wer weiß.
Und da sind die Kinder. Chelsea und ihr Mann Mark Mezvinsky, Ivanka und ihr Mann Jared Kushner. Beides Demokraten. Beide Paare feiern den Sabbat im Kreis der Familie. Gemeinsam. Schließlich gehören sie beide zur New Yorker Gesellschaft, die so groß dann auch wieder nicht ist. Ob die Eltern auch vorbeischauen? Beide Elternpaare? Schon der Enkel wegen, die bestimmt bald in den gleichen Kindergarten gehen.
Natürlich ist eine Korrelation keine Kausalität, und dass Bill Clinton seinem Parteifreund (oder früheren Parteifreund, seit ein paar Jahren ist Donald ja Republikaner) den Präsidentschaftsfloh ins Ohr gesetzt hat, mag sein, ist aber nicht beweisen. Allerdings wäre sowas nicht das erste Mal: Als Clinton 1992 in den Vorwahlen kandidierte, als Präsident für die Demokraten, hatte er zwei Mitbewerber, Paul Tsongas und Jerry Brown, der heutige Gouverneur von Kalifornien, beide links von Clinton. Tsongas gab vorzeitig auf, aber Clinton überredete ihn, seine Delegierten im Rennen zu behalten, damit die nicht zu Jerry Brown überliefen. Clinton gewann bekanntermaßen die Nominierung.
Und bisher hat Trump Hillary große Gefallen getan; vor allem hat er in der Vorwahl alle Republikaner, die ihr hätten gefährlich werden können, geschlachtet. In den Wikileaks-Emails, die in diesen Tage ans Licht kamen heißt es, Hillary habe mit ihren Vertrauten darüber diskutiert, dass ein extremer Kandidat am besten für sie sei, einer, der die Republikaner unwählbar mache. Wie Ben Carson, Ted Cruz oder Donald Trump.
Warum aber führt Trump jetzt aber so einen gemeinen Wahlkampf gegen Hillary? Wirklich? Er lässt eine seit langer Zeit umstrittene Kandidatin vernünftig und gefestigt aussehen. Und was er ihr politisch vorwirft, sind meistenteils olle Kamelllen. Und dass er dauernd betont, wie nahe Hillary der Wall Street steht, und wie sie den Linksaußen Bernie Sanders um seine Wahlchancen hat — wen soll das beeindrucken? Wall Street Kritiker wählen sowieso nicht Trump und Großspender aus der Industrie lassen sich nicht davon abzuschrecken, dass ein Kandidat angeblich zu nett zur Wall Street ist.
Warum aber macht Donald mit? Bestechen kann man ihn nicht, denn er ist ja reich. Ein mehrfacher Milliardär. Oder? Gut, so reich doch wieder nicht, dass er Steuern zahlt. So genau weiß das eigentlich keiner, aber Geld hat er schon. Vielleicht gibts noch etwas anderes, was er möchte. Etwas, was das Publikum nicht sieht. Ein Bauauftrag, eine Sendelizenz, ein Botschafterjob. Vielleicht reicht es ihm auch, ein Jahr lang der berühmteste Mann der Welt gewesen zu sein, und er zieht sich danach auf sein Landgut auf der Krim zurück. Ja, die guten alten Zeiten, als die Demokraten verdächtigt wurden, mit den Russen zusammenzuarbeiten, und nicht die Republikaner, aber ich schweife ab.Arbeitet Trump also heimlich daran, dass Hillary gewählt wird, indem er sich so schräg aufführt, dass er alle, die Kernwähler ausgenommen, abschreckt? Oder ist er nur eine Marionette des überschlauen Bill Clinton und will nicht wahrhaben, dass er Hillary indirekt hilft? Oder ist sein eigentliches Ziel, die Republikaner zu zerstören? Von innen heraus? Er hat bereits alle Parteifreunde, die ihn nach Pussygate nicht mehr unterstützen wollen, als scheinheilig beschimpft und Rache geschworen. Mit derlei Interna verbringt er mehr Zeit als mit Hillary. Und was passiert noch? Werden wir noch sehen, wie Trump, einem Alien gleich, durch den Magen von Paul Ryan bricht und das Blut an die Wand splattert? Beißt sich Ted Cruz in den Hintern, weil er Trump erst zu spät, dann zu früh unterstützt hat? Sitzen die Bush-Brüder in Dallas, und kichern? Und welche Ratte kann noch rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen? Alles scheint möglich. Wir leben, wie die Chinesen sagen, in aufregenden Zeiten. Und die Chinesen, das weiß Trump, sind klug.
Dr. Eva C. Schweitzer