Der Fall Ken Jebsen

der-fall-ken-jebsen-coverAm 2. November erscheint das erste Buch des neuen fifty-fifty-Verlags. In Vertriebskooperation mit dem Westend-Verlag werde ich künftig als Herausgeber von fifty-fifty fungieren: “Programmschwerpunkte sind moderne Klassiker aus den Bereichen Politik, Psychologie und Geschichte sowie Bücher zu kontrovers diskutierten gesellschaftlichen Themen”, heißt es in der Ankündigung. Da paßt es, dass der erste Titel von einem der bekanntesten Journalisten des Landes stammt, der gleichzeitig so kontrovers diskutiert wird, wie kein anderer: Ken Jebsen. Sein TV-Kanal KenFM ist das erfolgreichste nutzer-finanzierte Journalismus-Portal im Netz, seine ausführlichen Interviews mit Wissenschaftlern, Autoren und Aktivisten erreichen sechstellige Zuschauerzahlen und auf Facebook hat KenFM mehr Fans als viele etablierte Medien. Gleichzeitig kursieren in diesen Medien und in den Echokammern des Netzes zahlreiche Vorwürfe, Ken Jebsen sei “rechtspopulistisch”, “antisemitisch” und Anführer einer ominösen “Querfront” – Vorwürfe, die ich bei Sichtung des Programms von KenFM in keiner Weise bestätigt finden konnte.  Genausowenig in den Interviews, die er mit mir zu meinen letzten beiden Büchern gemacht hatte, oder in den Gesprächen die wir  davor oder danach führten. Deshalb forderte ich ihn auf, diese Vorwürfe doch einmal richtig zu stellen und seine Position und Haltung klar zu machen, zum Beispiel in einem Buch. Gute Idee, meinte er, und dass er auch schon mal angefangen hätte das alles aufzuschreiben, aber er käme einfach nicht dazu. Bei dem Output, den er als Reporter, Moderator, und “Intendant” von KenFM liefert, wunderte mich das nicht. Und weil der Mann fraglos schneller denkt und spricht als er schreiben kann, schlug ich vor, dass wir uns an einem ungestörten Ort für ein verlängteres Wochenende treffen, und er mir alles erzählt: über sein Leben, seine Arbeit, seinen Rausschmiss bei der ARD und das Erfolgsgeheimnis von KenFM.

Das Ergebnis liegt ab kommender Woche im Buchhandel vor: “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 Seiten, 18 Euro), eine Sneak Preview auf das Vorwort gibt es hier und um Vorbestellungen beim Verlag  (notfalls auch bei den üblichen Verdächtigen) wird gebeten.

Die Clinton-Trump-Verschwörung

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741Heute ein Gastbeitrag meiner Kollegin Eva C. Schweitzer, die gerade ihr neues Buch “Trump Party: Der weiße Wahn. Wie Amerikas Neue Rechte nach der Macht greift” veröffentlicht hat.

Arbeitet Donald Trump heimlich für Hillary Clinton? In dieser Wahl, an Verrücktheiten und Verschwörungen nicht arm, scheint alles möglich. Dass Donald, gänzlich frei von gewachsenen Bindungen an die Republikaner, in Wirklichkeit ein Doppelagent der Clintons ist, ein Manchurian Candidate, ein U-Boot. das glauben immer mehr Amerikaner. Sie denken, Trump wolle gar nicht Präsident werden; sein eigentliches Ziel ist es, die Republikaner von innen heraus zu zerstören wie das trojanische Pferd die gleichnamige Stadt. Trump, die Geheimwaffe der Clintons!
Wie kann das sein? Natürlich kennen sich die Trumps und die Clintons. Schon lange. Trump ist New Yorker, und die Clintons wohnen im Staat; Bill hat sein Büro in Harlem. Da lädt man schon mal die örtlichen Baulöwen zum Spendensammeln ein. Und spenden für Politiker, das gehört in New York zum Geschäft. Vor allem für Demokraten, die Trump immer schon unterstützt hat: Hugh Carey, Mario Cuomo, Ed Koch. Es war auch Ed Koch, der langjährige Bürgermeister, der Trump und die Clintons einander vorgestellt hat. Trumps Anwalt und rechte Hand Roy Cohn war Demokrat. Und Peter Vallone, der demokratische Stadtratsvorsitzende, war lange auf Trumps Gehaltliste.
Und auch den Clintons hat Trump Geld gegeben, für die gleiche Stiftung, die er jetzt dauernd öffentlich schmäht. Und nicht nur das: Er hat die beiden auch zu seiner Hochzeit eingeladen, seiner dritten, mit seiner Frau Melania. Nach Florida. Das Foto zirkuliert schon seit einiger Zeit, alle lachen sich darauf an und sind glücklich. Spätestens das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Einer Golffreundschaft. Donald und Bill gehen nämlich zusammen golfen. Bill hat ein beachtliches Handikap und Donald ein paar beachtliche Golfplätze. Da kommt man schon mal ins Gespräch und wenn die Zeit beim Golfen nicht ausreicht, ruft man sich auch mal an. So rief Donald den Bill im Frühjahr 2015 an und ließ sich beraten (angeblich), ob er denn als Präsident kandidieren solle, und wie. Das Gespräch ist bestätigt, Donald und Bill streiten aber ab, dass es dabei um Politik gegangen sei. Sie hätten nur über Golf gesprochen. Na, wer weiß.
Und da sind die Kinder. Chelsea und ihr Mann Mark Mezvinsky, Ivanka und ihr Mann Jared Kushner. Beides Demokraten. Beide Paare feiern den Sabbat im Kreis der Familie. Gemeinsam. Schließlich gehören sie beide zur New Yorker Gesellschaft, die so groß dann auch wieder nicht ist. Ob die Eltern auch vorbeischauen? Beide Elternpaare? Schon der Enkel wegen, die bestimmt bald in den gleichen Kindergarten gehen.
Natürlich ist eine Korrelation keine Kausalität, und dass Bill Clinton seinem Parteifreund (oder früheren Parteifreund, seit ein paar Jahren ist Donald ja Republikaner) den Präsidentschaftsfloh ins Ohr gesetzt hat, mag sein, ist aber nicht beweisen. Allerdings wäre sowas nicht das erste Mal: Als Clinton 1992 in den Vorwahlen kandidierte, als Präsident für die Demokraten, hatte er zwei Mitbewerber, Paul Tsongas und Jerry Brown, der heutige Gouverneur von Kalifornien, beide links von Clinton. Tsongas gab vorzeitig auf, aber Clinton überredete ihn, seine Delegierten im Rennen zu behalten, damit die nicht zu Jerry Brown überliefen. Clinton gewann bekanntermaßen die Nominierung.
Und bisher hat Trump Hillary große Gefallen getan; vor allem hat er in der Vorwahl alle Republikaner, die ihr hätten gefährlich werden können, geschlachtet. In den Wikileaks-Emails, die in diesen Tage ans Licht kamen heißt es, Hillary habe mit ihren Vertrauten darüber diskutiert, dass ein extremer Kandidat am besten für sie sei, einer, der die Republikaner unwählbar mache. Wie Ben Carson, Ted Cruz oder Donald Trump.
Warum aber führt Trump jetzt aber so einen gemeinen Wahlkampf gegen Hillary? Wirklich? Er lässt eine seit langer Zeit umstrittene Kandidatin vernünftig und gefestigt aussehen. Und was er ihr politisch vorwirft, sind meistenteils olle Kamelllen. Und dass er dauernd betont, wie nahe Hillary der Wall Street steht, und wie sie den Linksaußen Bernie Sanders um seine Wahlchancen hat — wen soll das beeindrucken? Wall Street Kritiker wählen sowieso nicht Trump und Großspender aus der Industrie lassen sich nicht davon abzuschrecken, dass ein Kandidat angeblich zu nett zur Wall Street ist.
Warum aber macht Donald mit? Bestechen kann man ihn nicht, denn er ist ja reich. Ein mehrfacher Milliardär. Oder? Gut, so reich doch wieder nicht, dass er Steuern zahlt. So genau weiß das eigentlich keiner, aber Geld hat er schon. Vielleicht gibts noch etwas anderes, was er möchte. Etwas, was das Publikum nicht sieht. Ein Bauauftrag, eine Sendelizenz, ein Botschafterjob. Vielleicht reicht es ihm auch, ein Jahr lang der berühmteste Mann der Welt gewesen zu sein, und er zieht sich danach auf sein Landgut auf der Krim zurück. Ja, die guten alten Zeiten, als die Demokraten verdächtigt wurden, mit den Russen zusammenzuarbeiten, und nicht die Republikaner, aber ich schweife ab.Arbeitet Trump also heimlich daran, dass Hillary gewählt wird, indem er sich so schräg aufführt, dass er alle, die Kernwähler ausgenommen, abschreckt? Oder ist er nur eine Marionette des überschlauen Bill Clinton und will nicht wahrhaben, dass er Hillary indirekt hilft? Oder ist sein eigentliches Ziel, die Republikaner zu zerstören? Von innen heraus? Er hat bereits alle Parteifreunde, die ihn nach Pussygate nicht mehr unterstützen wollen, als scheinheilig beschimpft und Rache geschworen. Mit derlei Interna verbringt er mehr Zeit als mit Hillary. Und was passiert noch? Werden wir noch sehen, wie Trump, einem Alien gleich, durch den Magen von Paul Ryan bricht und das Blut an die Wand splattert? Beißt sich Ted Cruz in den Hintern, weil er Trump erst zu spät, dann zu früh unterstützt hat? Sitzen die Bush-Brüder in Dallas, und kichern? Und welche Ratte kann noch rechtzeitig das sinkende Schiff verlassen? Alles scheint möglich. Wir leben, wie die Chinesen sagen, in aufregenden Zeiten. Und die Chinesen, das weiß Trump, sind klug.

Dr. Eva C. Schweitzer

Kriegstreiber, Rattenfänger, Trumpeltiere

Kanzlerin Merkel will die Sanktionen gegen Russland verschärfen und den Bundeswehretat verdoppeln, während der Grüne Cem Özdemir Kampfeinsätze gegen Syrer und Russen fordert, weil “Putin und Assad Syrien in die Steinzeit zurückbomben”  – soweit die Durchsagen der schwarz-olivgrünen Kriegstreiberfront vom Wochenende.   Was das Essen betrifft sind unsere Sinne ja ganz gut geschult, ungesunde, verschimmelte, vergiftete Nahrung zu erkennen: Augen, Nase oder der Mund registrieren sie und wenn diese Security versagt, spuckt spätestens der Magen sie wieder aus. Bei der mentalenNahrung, mit der uns die Medien füttern, sind diese Abwehrmechanismen längst nicht so automatisiert.  Deshalb schalte ich immer öfter einfach ab. Weil mir sonst übel wird.  Nun ist von einem “Young Leader” der Transatlantikbrücke nichts anderes zu erwarten, als dass er brav den Schaum schlägt, den seine Mentoren in Washington anrühren, dass er aber so unverfroren auf den verfassungs,- und völkerrechtswidrigen Kosovo-Krieg verweist, an dem man sich in Sachen Syrien jetzt doch mal orientieren solle, wundert dann doch. Denn die Forderung einer “Flugverbotszone” bedeutet nichts anderes als ein Krieg mit Russland, das zusammen mit der syrischen Armee den Luftraum bereits kontrolliert. Und das auch nicht lassen wird, weil Onkel Sam das gerne hätte oder ein Pimpf wie Cem das fordert. Die Olivgrünen können somit nunmehr komplett – und über die maidanbesoffenen, russophobistischen Tanten Beck und Harms hinaus – als integraler Teil des  militärisch-industriellen Komplexes abgebucht werden

Dass Mutti Merkel weitere Sanktionen fordert hörte ich im Autoradio. Als Begründung wurde der “Anschlag auf den UN-Hilfskonvoi” angegeben, der meines Wissens bis dato ungeklärt ist, was aber nicht gesagt wurde. Sie hätte bei Obama angerufen und der hätte Unterstützung für die “härtere Linie” zugesagt, für die Merkel bei den “EU-Partnern” werben wolle. Tolle Wurst: als ob Merkel mit der Idee vorpreschen und Obama um Unterstützung bitten würde. Aber so erzählen es die Nachrichten. Der Hase läuft natürlich genau anderes herum: Washington hat in Berlin und bei den anderen Vasallen weitere Daumenschrauben gen Moskau angemahnt, weil die Operation regime change in Syrien schiefläuft und mit der absehbaren Befreiung Aleppos von Al Qaida-Söldnern mit einem Ende des Kriegs zu rechnen ist.

Unterdessen läuft die Wahlkampf-Farce um das Weisse Haus im Turbo-Modus. Niemand weiß, wieviel genau über die Wahl-Maschinen manipuliert wird, bei denen die Wähler/innen per Touchscreen wählen und ohne Quittung nach Haus gehen – schickt die UN eigentlich unabhängige Wahlbeobachter und IT-Forscher, um diesen Zirkus zu checken ? – aber vermutlich müßte Trump schon “landslide” gewinnen, um als Sieger aus der Wahl hervorzugehen. Weil GOP, für die “Grand Old Party” der Republikaner , mittlerweile mit “Grap Our Pussies” übersetzt wird, ist Trump in den Umfragen abgerutscht. Für die großen Medien, die sich sämtlich Pro-Hillary positioniert haben, ist Donalds sexistisches Super-Machogehabe jetzt DAS Thema, um die Wikileaks-Enthüllungen über die korrupten Clintons und ihre Stiftung sowie  den dokumentierten Betrug  der demokratischen Parteispitze (DNC) an Bernie Sanders zu übertünchen. Außer in einer versifften Bananenrepublik wäre jeder Kandidat nach solchen Veröffentlichungen unten durch, nicht so in Amerika – wo es eben ein heftig durchgeknalltes Trumpeltier als Gegenkandidaten gibt. Damit es den gibt, und keinen halbwegs seriösen Republikaner, dafür hat das Clinton-Lager mit  seinen Medienpartnern von langer Hand selbst gesorgt: “We need to be elevating the Pied Piper candidates so that they are leaders of the pack and tell the press to [take] them seriously,” schrieb Clintons Wahlkampfchef Podesta. Die Rattenfänger herausheben und von der Presse fordern  sie ernst zu nehmen.  Wenn unsere Kandidatin die Pest und eigentlich unwählbar ist, geht es nur, wenn auf der anderen Seite  eine noch unwählbarere Cholera steht – so die Überlegung des DNC. Und so kam es, dass der Springteufel Trump ein Dutzendfaches der Sendezeit seiner Mitbewerber bekam und überhaupt auf den Schild gehievt werden konnte.

Don’t think twice it’s allright !

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Der größte US-Lyriker des 20 Jahrhunderts, Bob Dylan, hat den Nobelpreis für Literatur bekommen. Und ich kann nur mit einem seiner berühmtesten Titel zustimmen: Don’t think twice it’s allright !  Vor 11 Jahren schrieb ich zum 40. Geburtstag seines ersten großen Hits, der um ein Haar gar nicht erschienen  wäre und 40 Jahre später zum besten Rocksong aller Zeiten gewählt wurde:  „Like a rolling stone”.

Im Studio A im Obergeschoß des Columbia-Buildings in New Yorks Seventh Avenue  nahmen die Top-Stars von Columbia Records ihre Platten auf.  Frank Sinatra hatte hier „New York, New York“ und Dutzende weitere Klassiker eingespielt und jüngere Künstler wie  Barbara Streisand oder  Andy Williams  („Moon River“) gerade ihre ersten Hits produziert. Die Musiker, die sich am 15. Juni 1965  dort mit Bob Dylan versammelt hatten, entsprachen nicht dieser amerikanischen Mainstream-Musik, die Columbia groß gemacht hatte. Nach vier Folk-Alben mit Balladen wie „Blowin’ in the wind“ und „The times they are a’changin“ hatte Dylan im April 1965 seinen ersten Rocksong „Subterrean Homesick Blues“ aufgenommen, doch war dieser unterirdische Heimwehblues – eine Litanei,die heute von Historikern als Ur-Musikvideo und Vorgänger des Rap gefeiert wird  – nicht im Enferntesten in die Chartränge vorgestoßen, die die Hits dieses Frühjahrs belegten: die Beatles mit „Eight days a week“ und die Rolling Stones mit „Play with fire“. Die britischen Bands hatten dem ur-amerikanischen Rhythm & Blues neues Lebens eingehaucht, doch an den „Majors“ wie der CBS-Tochter Columbia-Records war dieser Trend vorbeigerauscht. Schon 1955 hatte man dem Rock’n Roller Elvis Presley keinen Vertrag gegeben und  1963 auch das erste Beatles-Album abgelehnt. Und dass Bob Dylan an diesem Junitag 1965 mit „Like a rolling stone“ gerade den besten Rocksong aller Zeiten eingespielte, wollten die Plattenbosse nicht hören – jedenfalls nicht sofort.
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Russland zieht die rote Linie

Der Syrien-Experte Professor Günter Meyer gibt in diesem Interview eine realistische Einschätzung zur Lage des Stellverterterkriegs in Syrien – und hat auf die Frage, wer hier eigentlichen die Guten und die Bösen sind, eine ebenso realistische wie richtige Antwort: “Aus meiner Sicht sind die USA die Hauptverantwortlichen für diese humanitäre Katastrophe, die wir im Moment erleben. Seit der US-geführten Invasion im Irak 2003 haben die Regierenden in Washington eine falsche Entscheidung nach der nächsten getroffen und damit die gesamte Region ins Chaos gestürzt.” Nachdem Amerika nun die bilateralen Abstimmungen mit Russland abgesagt hat, droht das Chaos in Syrien weiter zu wachsen. Der Kessel um die von Al Qaida besetzten Teil von Ost-Aleppo zieht sich Tag für Tag enger, wie sich den aktuellen Frontberichten hier entnehmen läßt, die jeder als Antidot zu den Verdrehungen und Lücken der hiesigen Mainstreammedien zur Kenntnis nehmen sollte.  Ebenso wie diese ausführliche Analyse des Saker zur aktuellen Lage.

Schon seit langem und jetzt wieder hat die syrische Armee sowohl die Evakuierung der Zivilbevölkerung als auch die Amnestie für jeden sich ergebenden Jihad-Kämpfer angeboten – die Schlacht um Aleppo könnte morgen zu Ende sein, würden die USA ihre salafistischen Terror-Söldner zurück ziehen. Daesh und das ISIS- “Kalifat” wären dann ebenfalls in Kürze Vergangenheit, Assad bliebe bis zu Neuwahlen an der Macht und Syrien ein säkularer Staat inklusive  einer kurdischen Region mit besonderen Autonomierechten.

Das wäre fraglos eine Niederlage für das Imperium, etwas was für die “exzeptionalistische” Nation natürlich nicht in Frage kommt, schließlich ist man rüstungsmäßig dem Rest der Welt dutzendfach überlegen. Wie aber sähe ein Sieg aus ? Damakus und sogar das ganze Land zu Schutt und Asche zu bombardieren, wäre für die US-Airforce kein Problem. Aber was dann ? Die Kopfab-Jihadisten, die man gegen Assad aufgerüstet hat, an die Regierung ?  Nur ein militärisch-industrieller-Komplex, für den Krieg in Permanenz Geschäft bedeutet, kann eine solche Lösung favorisieren. Doch zu der wird es wohl auch nicht kommen, denn der Rest der Welt wird sich das nicht länger bieten lassen.

Dieser “Rest der Welt” steht in Syrien dem Imperium schon jetzt  in Form von 4+1 (Syrien, Iran, Russland, China + Hisbollah) gegenüber und wie es ausschaut, wird er nicht zulassen, dass das Empire of Chaos weiter wütet. Der US-Doktrin der globalen “Full Spectrum Dominance”, der gewaltsamen Formung einer unipolaren Welt, wird ein Riegel vorgeschoben. Russland hat unmißverständlich klar gemacht, dass es ab sofort eine Flugverbotszone über Syrien gibt, nämlich für US-Flugzeuge. Auch Cruise Missiles gegen syrische Einheiten haben keine Chance mehr gegen das “Höllensystem”, wie n-tv die mobile russische Luftabwehrwaffe S 300/400 nannte, die als beste der Welt gilt. Die Luftunterstützung, wie sie die Al Nusra-Söldner von ihren Herrn in Washington fordern, wird also nicht kommen. Oder frühestens, wenn Obama als lame duck durch Clinton und ihre bellizistischen Neocons ersetzt wird, im neuen Jahr. Bis dahin aber wäre Aleppo befreit und damit der Krieg verloren sowie die US-Hegemonie im Mittleren Osten beendet. Deshalb ist jetzt die Gefahr sehr groß, dass das Pentagon auf eigene Rechnung und ohne präsidiales OK  “Zwischenfälle” arrangiert, wie unlängst das Bombardement von syrischen Kasernen, oder dass versucht wird, mit  “False Flag”-Operationen wie den Giftgas-Einsätzen vor zwei Jahren  die “rote Linie” zu überschreiten, um die Lage weiter zu eskalieren.

Weil ich zum 100. Geburtstag von John F. Kennedy im kommenden Frühjahr  gerade eine Neuauflage des Buchs “JFK – Staatsstreich in Amerika” vorbereite, kam mir in letzter Zeit öfter die Kuba-Krise in den Sinn, in der die beiden Atommächte USA und UdSSR kurz vor einem nuklearen Krieg standen. Hätte Kennedy damals auf seine säbelrasselnden  Generäle gehört und einem regime change via Bombenteppich zugestimmt – vorbereitet durch die Operation Northwoods, die “False Flag”-Angriffe  auf US-Passagierschiffe vorsah – wären die Metropolen der US-Ostküste von einem Hagel nuklearer Mittelstreckenraketen zerstört worden. Dass solche Sprengköpfe in Kuba bereits installiert waren, war  dem Generalstab und auch der CIA  schlicht entgangen. (Sie erfuhren erst 40 Jahre später auf einer Konferenz in Havanna davon, als die Russen dies erstmals enthüllten.) Ihr Plan, die Insel in zwei Tagen zu erobern, wäre auf tragische Weise schief gegangen. Nur weil Kennedy hinter dem Rücken seiner schießwütigen Militärs im Geheimen mit Präsident Chrustschow verhandelte, blieb diese Katastrophe aus.

Solche Diplomatie wäre auch jetzt das Gebot der Stunde, nicht nur um die Tragödie in Aleppo zu beenden, sondern um weitaus größere Katastrophen verhindern. Dass sich noch weitere Staaten (Israel, Saudi-Arabien, Türkei) in diesem Krieg Landgewinne versprechen, macht die Sache nicht einfacher. Doch ein “Weiter So!” wird es für das Imperium jetzt nicht mehr geben – das Chaos in Afghanistan, im Irak, in Libyen und 1,5 Millionen Leichen sind auch wahrlich genug. Die rote Linie, die Russland gezogen hat, ist kein Bluff. Mehr als die halbe Welt steht dahinter. Amerika spielt bekanntlich Monopoly und Russland Schach.  Mit ihrem Lieblingsspiel kommen die Amis jetzt aber nur noch  um den Preis der “mutual nuclear destruction” weiter. Dass es heute, wie damals in JFKs Generalstab, durchgeknallte Militärs geben könnte, denen das egal ist, macht die Lage äußerst gefährlich.

Vorsicht, Verschwörungstheorie!

816UV-zrvQLJens Wernicke hat mich anläßlich der Neuerscheinung des “Lexikons der Verschwörungstheorien” zum Thema befragt:

Herr Bröckers, Verschwörungstheoretiker – das sind doch die Spinner und Irren, die an Aliens glauben und Unfug verbreiten. Und nun geben Sie für diese als Zielgruppe das „Lexikon der Verschwörungstheorien“ heraus – werden Sie jetzt unseriös?

Die erste Ausgabe dieses Lexikons erschien in den USA schon Ende der 90er Jahre und weil ich fast alles, was Robert Anton Wilson geschrieben hatte, sehr schätzte, suchte ich in Deutschland einen Verlag und gab die deutsche Ausgabe heraus.

Wilson hatte mit seinem Kollegen Robert Shea in den 70er Jahren den großartigen Verschwörungsschmöker „Illuminatus“ geschrieben, eine psychedelisch überdrehte Romantrilogie über die mächtigen und seit Jahrtausenden im Untergrund geheim agierenden Strippenzieher der Weltgeschichte, die „Illuminaten“, und ihre ebenso untergründigen Gegenspieler, die „Diskordianer“.

Wilson wurde dann von vielen Lesern immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht nur an den Realitätspartikeln, aus denen er seine fiktive Story zusammengebaut hatte, etwas dran war, sondern auch an den Zusammenhängen. Und dass man eigentlich nicht mehr unterscheiden könne, was nun wahr und was falsch sei.

Das erfreute den anarchistischen Erkenntnistheoretiker Wilson natürlich ungemein, und so entschloss er sich, mehr als zwanzig Jahre später mit diesem Lexikon noch eins drauf zu setzen:

„Du solltest die Welt als eine Verschwörung sehen, die von einer sehr eng verbundenen Gruppe nahezu allmächtiger Leute betrieben wird, und du solltest daran denken, dass es sich bei diesen Leuten um dich und deine Freunde handelt.“

Mit dieser Betriebsanleitung enthüllte er, was hinter all seinen Masken und Spiegeln, die vom Ironiker zum Philosophen, vom Witzbold zum Psychologen reichen, vom Wissenschaftler zum Poeten und vom Dokumentaristen zum Reporter, den Kern aller seiner Bücher ausmacht: die Anregung zum Selbstdenken. Also jenseits des Zauns der herrschenden Dogmen und etablierten Wahrheiten. Das wurde und wird von den Autoritäten, die sich darin wohl eingerichtet haben, grundsätzlich nicht gern gesehen und um ihre Dogmen, ihre Wahrheiten, ihren Unfug als „normal“ zu verteidigen, müssen sie alle anderen als Verrückte, als Irre, als Ketzer bezeichnen.

Wer vor ein paar Jahren die Belege und Indizien dafür angeführt hätte, dass die NSA sämtlichen E-Mail- und Mobilfunk-Verkehr bis zum Handy der Kanzlerin abhört, wäre sofort als böswilliger, antiamerikanischer „Verschwörungstheoretiker“ abgekanzelt worden.

Es gibt also a) Verschwörungen und das Buch listet sie b) alle auf…?

Natürlich gibt es Verschwörungen, und natürlich listet das Buch die nicht alle auf. Wichtig ist dem Autor und auch mir als Herausgeber, die Diskurse der Macht mit all ihren Verdrehungen sichtbar zu machen.

Das Buch stiftet Verwirrung, aber eine heilsame, denn es zeigt, dass vermeintlich klare und wahre Offensichtlichkeiten nicht mehr so klar und wahr sind, wenn man etwas genauer hinschaut…

Weiter gehts auf den Nachdenkseiten.

Hier das komplette Interview als PDF

Weisse Helme, finstere Show

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Die Brutkasten-Lüge, nach der die irakische Armeee bei der Invasions Kuwaits 1990 in Krankenhäusern Neugeborene getötet hätte, gilt mittlerweile als Klassiker der Desinformation und Propaganda, mit der Öffentlichkeit und Medien damals kriegsreif gemacht wurden. Daran erinnerte ich mich,  als mit der Eskalation des Kampfs um Ost-Aleppo in den letzten Tagen immer häufiger Krankenhäuser und  tote oder schwerverletzte  Kinder in den Medien auftauchten, als Opfer der syrischen Armee und der Russen. Während seinerzeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters als Zeugin für die Barbarei der Bösen durch die Weltpresse ging, scheint es heuer ein ganzer Trupp von Hilfskrankenpflegern zu sein, die den Medien mit Weissen Helmen die grauenhaften Übeltaten des “Feinds” präsentieren. Dass die mittlerweile schon für den Friedensnobelpreis nominierten Trupps keine  ehrenamtliche NGO sind, die Mutter-Teresa-artig Kriegsopfern helfen, sondern eine von USA und Nato lancierte und finanzierte Medienoperation, verdeutlicht die kürzlich erst aus Syrien zurückgekehrte unabhängige Journalistin Vanessa Beeley hier und hier im Interview.  Der Grund, warum die News über diese heldenhaften Lebensretter seit Wochen Schlagzeilen machen, scheint daran zu liegen, dass die große Erzählung vom zivilen Auftsand gegen Assad und  den “moderaten Rebellen” nicht länger haltbar ist: selbst die Leitmedien in den USA müssen  mittlerweile einräumen, dass es keinen Unterschied zwischen  diesen “Rebellen” und Al Qaida/Al Nusra und anderen salafistischen Söldnern gibt. Es sind Terroristen, die aufgerüstet und gesteuert vom Westen Ost-Aleppo besetzt halten, islamistische Kopf-Ab-Briganden, die selbst ein noch so dreister Propagandasender schwerlich als “die Guten” in diesem Krieg präsentieren könnte. Deshalb werden die White Helmets gebraucht und die von den Terrorbrigaden erbeuteten Krankenwagen, damit sie “die Guten” spielen. Dass dabei wirklich Verletzte und Verschüttete gerettet werden mag außer Frage stehen, ändert aber nichts an dem entscheidenden Problem: warum man die Zivilisten aus dem belagerten Stadtteil nicht abziehen läßt. Syriens Regierung hat das ebenso angeboten wie eine Amnestie für alle Jihad-Kämpfer, die sich ergeben.  Aber das ist keine Option für den Westen, denn wenn Aleppo befreit ist wäre der Krieg bald zu Ende. Weder “Assad muss weg!”  noch Plan B, die Balkanisierung und Aufteilung Syriens, liesse sich dann durchsetzen Die Zivilbevölkerung muss deshalb weiter als Geisel gehalten werden – und mit der Weisshelm-Show im Weltfernsehen präsentiert werden, dass nicht die Geiselnehmer die Bösen sind, sondern die, die sie bekämpfen.

MH 17 – Neues vom Ermittlungstheater

07.08.14 20:18-BildschirmkopieEin weiteres Zwischenergebnis des “Joint Investigation Teams” (JIT) zum Absturz der malaysischen MH 17 vor zwei Jahren in der Ukraine hat noch immer keine Beweise für die Täterschaft erbracht. Während aber noch im Februar 2016 vom Chef des niederländischen Geheimdiensts verlautete:  “Laut den Ermittlungen hatte nur die Ukraine am 17. Juli im Osten des Landes ein funktionierendes BUK-System”, scheint das JIT jetzt wieder von einer in das Rebellengebiet transportierten BUK-Batterie auszugehen. Als Beleg dienen dazu Telefonmitschnitte anonymer Personen, die der ukrainische Geheimdienst (SBU) zur Verfügung stellte, sowie einmal mehr Bilder des Photoshoppers “Bellingcat”, ungeachtet der Tatsache, dass die Pseudo-Recherchen dieses “unabhängigen” Bloggers (in Diensten des “Atlantic Councils”,   Bellingkatzenfotos im Infokrieg) schon letztes Jahr vielfach zerpflückt wurden. Angesichts dieser dubiosen Quellenlage sieht auch Robert Parry – legendärer Investigativ-Reporter, der einst den Iran-Contra-Slandal aufdeckte – “troubling gaps” in dieser Untersuchung (Beunruhigende Lücken im MH-17-Bericht) :

“Und dann ist da diese seltsame „warum-schlägt-der-Hund-nicht-an?“-Stille aus der US-Geheimdienstkommune. Außenminister John Kerry behauptete zwar sofort nach dem Abschuss, er kenne den Abschussort der Rakete, aber die US-Regierung wurde still, nachdem CIA-Analysten Zeit hatten, die US Satelliten-, die elektronischen und andere Geheimdienstdaten auszuwerten. Eine Quelle, die von einem US-Geheimdienstanalysten unterrichtet wurde, sagte mir, dass man den Angriff als eine außer Kontrolle geratene Aktion der Ukraine betrachte, unter Beteiligung eines knallharten Oligarchen mit dem Motiv, das Regierungsflugzeug (mit einer ähnlichen Bemalung wie MH17) des russischen Präsidenten abzuschießen, der am selben Tag aus Südamerika heimkehrte. Aber ich kann nicht sagen, ob diese Einschätzung eine abweichende oder die einhellige Meinung der US Geheimdienstgemeinde ist.”

Auch diese anonyme Quelle ist  kein wirklicher Beleg und genausowenig “gerichtsfest” wie der jetzige MH-17-Bericht, der in den westlichen Medien indessen einmal mehr als “klarer Beweis” für die Schuld der Separatisten und damit Russlands genommen wird. Die stand ja schließlich schon am Tag danach fest….

Terrorists’R Us

blog-86-300Jürgen Todenhöfer hat einen Al Nusra/Al Qaida Kommandanten in Aleppo interviewt – und was Herr Abu Al Ezz  berichtet, will sich so gar nicht mit der Geschichte decken, die uns die hiesigen Großmedien seit Jahren erzählen. Dafür aber sehr wohl mit dem, was man aus alternativen Kanälen schon lange wissen kann: dass diese Kopf-Ab-Salafisten Söldner des Westens sind, von Saudis und Kataris bezahlt und von den USA bewaffnet und dirigiert werden. Allerdings sind sie mit der Unterstützung durch ihre Dienstherren nicht zufrieden: “Wir werden kämpfen bis zum Sturz des Regimes. Wir werden Russland und den Westen bekämpfen, da der Westen nicht auf unserer Seite steht. Der Westen schickt uns nur Mujahedin, er erleichtert diesen Kämpfern den Weg. Warum unterstützt der Westen uns nicht richtig?”  Immerhin, so der Al Nusra Führer, gäbe es jetzt Hilfe von israelischer Seite:

„Wir sind ein Teil von Al Qaida. Unsere Prinzipien sind: Bekämpfung der Lasterhaftigkeit, Ehrlichkeit und Sicherheit. Unsere Angelegenheiten und unser Weg haben sich geändert. Zum Beispiel gewährt uns jetzt Israel Unterstützung, da Israel sich im Krieg mit Syrien und mit der Hisbollah befindet. Auch Amerika hat seine Meinung über uns geändert. Eigentlich waren der „IS“ und wir eine Gruppe. Aber der „IS“ wurde entsprechend den Interessen der großen Staaten wie etwa Amerika für politische Zwecke benutzt. Und von unseren Prinzipien weg gelenkt. Die meisten seiner Führer arbeiten mit Geheimdiensten zusammen, das ist uns klar geworden. Wir, die „Al Nusra-Front“, haben unseren Weg. Sie waren früher mit uns, sie waren unsere Unterstützer.Unser Ziel ist der Sturz des diktatorischen Regimes, des Tyrannen-Regimes, des Regimes der Abtrünnigen. Unser Ziel ist auch die Durchführung von Eroberungen, wie sie [der große arabische Feldherr] Khaled Ben Al Walid gemacht hat. Erst in der Arabischen Welt und dann in Europa.“

Soweit die Durchsage von der Aleppo-Front, von einem unserer Alliierten, die mit unserem Geld und unseren Waffen die Bevölkerung von Aleppo als Geisel genommen haben, um den gewünschten Regime Change zu erreichen – für ihre Auftraggeber, die nach wie vor an der  Durchsetzung ihres alten Masterplans, der Zerschlagung und Balkanisierung Syriens arbeiten. Und dazu nicht nur isalimistische Terroristen vom Kaliber des Herrn Al Ezz mobilisiert und bewaffnet haben, sondern auch zuliessen, dass sich aus ihren Reihen ein salafistisches “Kalifat” abspaltete. Dies alles ist dokumentiert und belegt, passt aber ebensowenig in das offizielle Narrativ von der Beseitigung eines “Diktators”, der von den “bösen” Russen gestützt wird und fällt in der “Lückenpresse” von FAZ bis taz in  der Regel unter den Tisch. Ganz auf Linie mit dem Imperium wird stattdessen das fromme Lied von der “humanitären Intervention” gesungen. Doch es ist ein schmutziger Krieg – und wird es bleiben, solange er Seit an Seit mit solchen Terroristen geführt wird.