Der Fall Ken Jebsen: Ein journalistisches Lehrstück

der-fall-ken-jebsen-coverPaul Schreyer hat das neue Buch für die Nachdenkseiten rezensiert:

Fällt der Name Ken Jebsen, dann schrillen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Ist das nicht dieser „nach Antisemitismusvorwürfen entlassene frühere RBB-Moderator“ und „neurechte Demagoge“, der „Verschwörungstheorien zum 11. September vertritt“? So oder ähnlich lauten zumindest einige medial häufig verbreitete Einschätzungen. Was ist dran an den Vorwürfen? Fest steht: Mit KenFM betreibt Jebsen eines der mittlerweile erfolgreichsten crowdfinanzierten Medienportale Deutschlands – sein Youtube-Kanal hat mehr Zuschauer als der des WDR, auf Facebook hat sein Portal mehr Likes als die ARD.

Auch ich war schon bei KenFM als Interviewgast eingeladen – und registrierte bei dieser Gelegenheit zunächst einmal die immens gründliche inhaltliche Vorbereitung des Gastgebers auf das Gespräch, was im journalistischen Geschäft keineswegs die Regel ist. Alles zusammen Grund genug, ein in diesen Tagen erschienenes Buch unter die Lupe zu nehmen, in dem Jebsen nun auf gut 250 Seiten ausführlich vom Kollegen Mathias Bröckers interviewt wird.

Vorab: Das Buch ist spannend. Die wesentlichen Kontroversen zur Person werden erörtert, außerdem das facettenreiche Leben des 50-jährigen geschildert. Jebsen hat nicht nur über zehn Jahre für den RBB gearbeitet und dort eine der populärsten Radiosendungen verantwortet, außerdem bei ZDF und Pro7 moderiert, sondern war vorher zunächst so medienfern, wie man es sich nur denken kann: als Seemann bei der Handelsmarine und dann als Niedriglohnjobber in verschiedenen Firmen, zum Beispiel auch an einer Stanze für Gussteile eines Automobilzulieferers.

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Gefallsüchtige und Verblöder

Wolfgang Herles, langjähriger TV-Journalist hat ein recht vernichtendes Buch über unsere Branche geschrieben, “Die Gefallsüchtigen”. Ken Jebsen hat ihn dazu befragt. Mehr zu diesem Thema, den Niedergang des klassischen politischen Journalismus  – “Wir  stehen fassungslos vor einem Verblödungsprozess von dem die Verblöder selbst betroffen sind” (Herles) –    und die Alternativen auch in unserem gerade erschienen Buch “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann”.

Sex, Lügen, Emails – Das Clinton-Trump-Debakel

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Dass die politische Struktur der Vereinigten Staaten, das “Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal), immer weniger einer Demokratie und immer mehr einer Oligarchie oder Plutokratie gleicht, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Aber in den geleakten Clinton-Mails zu lesen, wie verrottet das System tatsächlich ist, kann dann doch erstaunen. Etwa wie Hillarys Gegenkandidat Bernie Sanders ausmanöveriert wurde, der nicht nur die Mehrheit der demokratischen Wähler überzeugt, sondern auch locker gegen Trump gewonnen hätte. Da schreibt zum Beispiel ein Senior-Berater des Wahlkampfchefs Podesta, Joel Johnson, im Februar 2016 :  “Bernie needs to be ground to a pulp. We can’t start believing our own primary bullshit. This is no time to run the general. Crush him as hard as you can.” Er sei ein “Obama betrayer (Wh will affirm). Hapless legislator (Senators/members will affirm). False promiser (policy elites will affirm). Can’t win (black people will affirm).” Worauf Podesta zurückfragt:“I agree with that in principle. Where would you stick the knife in?” Neben solchen Interna der Demokraten sind aber vor allem die  Belege für die vielfältigen Bestechungen interessant, die über zweistellige Millionenzahlungen an die Clinton-Stiftung liefen. So zahlte der König von Marokko 12 Mio. $ für eine Audienz bei Hillary  (und durfte dann mit Waffen für 120 Mio. beliefert werden). Auch die Saudis, Katar und die Emirate gehören zu den Großfinanziers – sowohl der Clinton Inc. als auch von Al Qaida, ISIS & Co.

Mehr noch als durch die Beweise einer zutiefst bananenrepublikanische Korruptions,-und Gefälligkeitswirtschaft dürfte die Clinton-Maschine durch die geleakten Informationen  ins Stottern geraten, die die Aktionen nach Bekanntwerden des gehackten Privatservers von Hillary Clinton dokumentieren: die Versuche, belastetende mails verschwinden zu lassen, ihre Header und Absender zu manipulieren und die Lügen und Eide gegenüber Kongress und FBI, sämtliches Material den Behörden ausgehändigt zu haben. Alles außer den 650.000 Mails, die auf dem privaten Laptop von Huma Abedin, Hillarys engster Mitarbeiterin, gefunden wurden, von dem ihr (nunmehr Ex-) Gatte Anthony Weiner Sexnachrichten mit Minderjährigen austauschte. Diese Passion hatte den Ex-Abgeordneten, der zur Behandlung seiner Sexsucht jetzt in einer Reha-Klinik  in Tennesee abgetaucht ist, schon 2013 seine Kadidatur zum Bürgermeister von New York gekostet – und könnte jetzt auch die Karriere seiner Frau und ihrer Chefin zerstören. Denn selbst wenn Hillary die Wahl gewinnen sollte sind die Ermittlungen des FBI nicht aus der Welt – und es geht dabei nicht nur um Korruption und Geldwäsche, sondern auch um Geheimnisverrat, Spionage und um einen weiteren Sexskandal Bill Clintons, der 26 mal den “Lolita-Express” zur Privatinsel des pädophilen Milliardärs Jeffrey Eppstein genutzt haben soll.

Während das Clinton-Lager in dieser Schlammschlacht mit Schweinkram schon das Gegenfeuer eröffnet hat – mit einer Klage gegen Donald Trump und Jeffrey Eppstein wegen sexuellen Mißbrauchs einer Minderjährigen – wird es in Sachen Spionage und Verrat für das Glamour-Paar Abedin/Weiner eng. Denn was 650k Mails mit Staatsgeheimnissen auf dem privaten Rechner eines perversen Halodris zu suchen haben, der auch als radikaler Pro-Israel-Lobbyist agiert und  das Laptop mit seiner Gattin teilt, die als “saudische Prinzessin” familiäre Verbindungen zur Muslimbruderschaft hat, dürfte schwer zu erklären sein. Ebenso wie die Frage, warum sie über 10.000 mails aus ihrer Zeit als Bürochefin der Außenministerin Clinton in einem Ordner namens “Life Insurance” gebunkert hat. Wenn diese mails ihr Leben jetzt retten, müsste  ihre Karriere wohl ebenso beendet sein wie die von Hillary Clinton. Unterdessen behauptet der Gründer des privaten Militärkonzerns “Blackwater” unter Berufung auf Quellen der New Yorker Polizei, dass Huma die Seiten gewechselt habe und eng mit den Behörden kooperieren würde.  Dazu würde passen, dass Hillary ihre bisherige “zweite Tochter” mittlerweile nur noch  als “eine meiner Helferinnen” bezeichnet.

Und wer ist schuld an dem ganzen Debakel ? Während die US-Presse wird nach wie vor nicht müde wird, die faktenfreie Story von russischen Hackern und Putin als großem Wahl-Manipulator durchzuleiern, teilt der Chef der “Homeland Security” mit, Clintons Privatserver sei auch von China, Iran und anderen Ländern gehackt worden, denn auch im Ausland habe Hillary gegen jeden Rat ihre privaten Gerätschaften genutzt.  Und das alles, weil die zickige Vizepräsidentin nicht so ein  super-gesichertes POTUS-Blackberry  bekam und deshalb die Computer in ihrem Büro im State Department laut Aussage von Huma gar nicht nutzte. Wahrscheinlicher als Putin oder andere fremde Böslinge als Quelle für die Wikileaks -Mails ist deshalb die Behauptung des Ex-CIA und Statedepartment Whistleblowers Steven Pieceznik,  dass es “brave men in the CIA, FBI and the intelligence community” gewesen seien, die Wikileaks diese Mails zugespielt haben. Wer auch immer es war, fest steht: der Gewinner des Trump-Clinton-Debakels am Dienstag wird umgehend zivile Klagen, strafrechtliche Klagen und Impeachments an der Backe haben. Und falls Obama die Siegerin Hillary wie einst Gerald Ford seinen Vorgänger Nixon noch schnell begnadigen sollte, gibt es einen Aufstand in den USA. Verglichen mit den sich offenbarenden Clinton-Skandalen war Watergate nur eine kleine Lachnummer…

Bestseller Nr. 1 in “Medien”

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Der offizielle Erstverkaufstag läßt sich gut an – bei amazon wird das Buch bereits als “Bestseller Nr.1” in der Rubrik Medien gelistet. Auf den Nachdenkseiten ist ein ausführliches und lesenswertes Interview mit Ken erschienen:
“Er sagt, was er denkt. Redet Tacheles und ist oft sogar wütend dabei. Interviewt Christdemokraten ebenso wie Linksradikale und gelegentlich sogar Spinner. Er kritisiert bedingungslos jede Kriegstreiberei, agitiert gegen Sozialabbau und die AfD – und wird dennoch von einigen als „Rechter“, „Neurechter“ oder „rechtsoffen“ diskreditiert. Er polarisiert. Doch wer ist dieser Ken Jebsen eigentlich? Was treibt ihn an? Welchem Weltbild entspringt sein Engagement? Und worum geht es im soeben erschienenen Buch „Der Fall Ken Jebsen“? Jens Wernicke hat nachgefragt.

“Schnell, manchmal laut, immer deutlich”

der-fall-ken-jebsen-coverKollege Paul Schreyer hat das Buch nicht nur schon gelesen, sondern auch die erste Rezension verfasst und schon mal  bei amazon gepostet:

“Kaum ein Journalist polarisiert so wie Ken Jebsen. Er ist schnell, manchmal laut, immer deutlich und hält mit seinen Ansichten nie hinterm Berg. Bei den etablierten Medien steht er in schlechtem Ruf. Er sei, so heißt es dort, ein „nach Antisemitismusvorwürfen entlassener früherer RBB-Moderator“ und „neurechter Verschwörungstheoretiker“. Was ist dran an diesen Vorwürfen? Im Buch werden viele Fakten und Details genannt, ohne Schönfärberei aber auch ohne grobe Auslassungen, wie sie in vielen Medien heute leider üblich geworden sind. Mathias Bröckers schreibt im Vorwort des Buches zum Erfolg von Jebsen (dessen Youtube-Kanal inzwischen mehr Zuschauer hat, als der des gesamten WDR):

„Nicht, weil er `rechts’ ist, sondern weil er echt ist. Als Kriegsgegner und Antimilitarist, als extremer Vertreter sozialer Gerechtigkeit und scharfer Kritiker des neoliberalen `Jeder gegen jeden’, als Antirassist und strikter `Anti-Antisemit’, der Israel oft bereist und seine Verwandten dort besucht – und mit 545 Folgen `RückblickKEN’ den ARD-Rekord im Warnen vor Faschismus und Holocaust hält. Als einer, der weiß, wovon er spricht, wenn es um Rassismus geht, der im niederrheinischen Krefeld geboren ist und den iranischen Namen seines Vaters abgelegt hat, weil er nicht immer gefragt werden wollte, wann er denn wieder zurückgeht. Und der sich, eben weil er für dieses Thema von klein auf sensibilisiert ist, das Recht nimmt, die rassistische Politik Israels als solche zu benennen und zu kritisieren. Nicht weil er Juden hasst, sondern weil ihm diese Politik zutiefst zuwider ist, wie übrigens auch vielen jüdischen Menschen innerhalb und außerhalb Israels. Und weil er in Israel einen Freund sieht, an dem ihm etwas liegt. Dass er seine Empörung darüber nicht vornehm zurückhält, wie es die hiesigen Diskurskonventionen (und NATO-Interessen) vorschreiben, auch das ist nicht `rechts’, sondern echt – humanistisch nämlich.“

Und viel mehr müsste man dazu vielleicht gar nicht sagen, denn wer einmal ein paar Stunden lang Jebsens Reden und Interviews gelauscht hat (Anmerkung: Der Autor dieser Zeilen war selbst schon Interviewgast bei KenFM), der weiß um die Absurdität des Vorwurfs, Jebsen habe eine rechte Gesinnung. Das Gegenteil ist der Fall. Was nicht heißt, das man an diesem Journalisten nichts kritisieren könnte. Nur fair und belegbar sollte die Kritik dann eben schon sein.

Was in den Medienberichten zur Person Jebsen in der letzten Zeit zudem völlig unter den Tisch fällt, ist seine berufliche Vergangenheit, die von den etablierten Medien seinerzeit noch hochgelobt wurde. 2007 etwa bekam Jebsen für eine seiner Reportagen den renommierten und von der ARD mitgetragenen Europäischen Civis Hörfunkpreis. Wer weiß das noch, wann wird es mal erwähnt? Und 2004 schrieb die „taz“ – die ihn heute meidet – über seine damals noch vom RBB ausgestrahlte Radiosendung KenFM lobend: „Das ist das Schöne und Außergewöhnliche an Ken FM, der Sound ist schräg, aber er baut sein Spiel auf Wissenschaft, auf Geschichte, Philosophie, Technik. Hirnforschung und Atomphysik statt Supergewinnspiel und sinnlosem Werbeclaim. (…) Als Gast eingeladen wird nur, wer wirklich etwas zu erzählen hat oder zumindest ungewöhnlich ist. (…) Man fragt sich, warum der RBB die Ken-FM-Show nicht längst ins Fernsehen transferiert hat.“

Die Antwort auf diese Frage könnte man im Politischen finden. Denn Jebsen macht beim RBB nicht nur originelles, unterhaltsames und lehrreiches Radio, sondern rührt auch heiße Eisen an, von denen die meisten Kollegen aus guten (Karriere-)Gründen die Finger lassen. So produziert er etwa 2011 eine lange und gründlich recherchierte Sendung, in der die offizielle Darstellung von 9/11 umfassend hinterfragt wird. Nach den Bombardements in Gaza wiederum kritisiert er die Politik der israelischen Regierung als „zionistischen Rassismus“. Beides, so schreibt es Mathias Bröckers nun im Vorwort des Buches, „ist in Deutschland verboten und wird von den Inquisitoren des politischen Diskurses mit Verbannung in die Schmuddelecke des Verschwörungswahns bestraft“.

Der vermeintliche Antisemitismus-Vorwurf, auf den sich einige Medien bis heute beziehen, wurde vom Arbeitgeber RBB beim Rauswurf Jebsens 2011 auch nicht erhoben. Dieser Vorwurf kam von dritter Seite (Henryk M. Broder), wurde aber nie sauber belegt. Der Sender selbst verteidigte seinen Mitarbeiter auch nach der Trennung noch gegen diese Anschuldigung. Zugleich behauptete der RBB, Grund des Rauswurfes seien „nicht eingehaltene journalistische Standards“. Auf Nachfrage wollte der Sender dann aber – skandalöserweise – keine Einzelheiten zu diesen „Standards“ nennen. Der Eindruck, den man somit haben musste: Jebsen war offenbar schlicht politisch unbequem, da er sich nicht „kontrollieren“ ließ.

Und genau das ist nun die Wurzel seines Erfolgs als freier Journalist, der per Crowdfunding seit einigen Jahren einfach da weitermacht, wo viele etablierte Medien bis heute die politischen Konflikte scheuen. Und so könnte das vorliegende Buch auch ein wichtiger Anstoß dazu sein, die Debatte zur Vertrauenskrise des Journalismus ein Stück voranzubringen. Spannend geschrieben ist es allemal.”

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

In die Tür und Exit (3)

der-fall-ken-jebsen-coverHier ein weiterer Auszug aus meiner Einleitung zum Buch “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann”, das diese Woche neu erschienen ist.

Das autoritative Privileg der Presse, also die Deutungshoheit und Meinungsführerschaft über die Wirklichkeit, existiert so nicht mehr, das Monopol von einer Handvoll Nachrichtenagenturen und Großverlage zur Herstellung von öffentlicher Meinung ist geknackt. Niemand muss mehr Punkt 20 Uhr Uhr vor der Tagesschau sitzen, um zu erfahren, was in der Welt geschieht. Die Empfänger von Nachrichten und Kommentaren zum Weltgeschehen können es weitgehend selbst in die Hand nehmen, wann, von wem und wie sie sich die Welt erklären lassen und welchen Journalisten, Reportern und Experten sie vertrauen. Und dafür, das zeigt der Erfolg des nutzerfinanzierten Projekts KenFM, dann auch bereit sind, sie freiwillig zu finanzieren.

Warum gelingt das ausgerechnet einem Ken Jebsen? Einem rasenden Reporter, der schnell denkt und noch schneller spricht, der lieber zuspitzt und polarisiert, als zurückhaltend und ausgewogen zu formulieren, und der mit dem Stakkato und dem Speed seiner Sätze manchen schon einmal überfordert? Die Antwort ist einfach: Der Mann ist echt. Er verstellt sich nicht, obwohl er mal auf einer Schauspielschule war, um seine Schüchternheit und Bühnenangst zu überwinden, und er trägt sein Herz auf der Zunge, auch wenn er für die Arbeit als Radiomoderator eine Sprechausbildung machen musste. Er war nämlich Musikredakteur und wollte gar nicht ans Mikro, bis eines Nachts der Moderator ausfiel. Er wollte beim Fernsehen auch nur hinter der Kamera Reportagen machen, bis er einmal aus Versehen durchs Bild lief und der Chef ihn zum »Reporter des Wahnsinns« ernannte. Und er wollte auch kein KenFM im Netz senden, bis ihn ein mieser rbb-Hörer diffamierte und ein notorischer Denunziant, Wichtigtuer und Springer-Journalist seine Netzwerke mit dieser Diffamierung fütterte und den Sender unter Druck setzte. Weil Ken Jebsen aber Fallschirmspringen gelernt hat und weiß, dass der Aufruf »In die Tür und Exit« zwar den freien Fall, aber nicht das Ende bedeutet, erreicht er heute mit KenFM mehr Menschen denn je.

Und das nicht, weil er »rechts« ist, sondern weil er echt ist. Als Kriegsgegner und Antimilitarist, als extremer Vertreter sozialer Gerechtigkeit und scharfer Kritiker des neoliberalen »Jeder gegen jeden«, als Antirassist und strikter »Anti-Antisemit«, der Israel oft bereist und seine Verwandten dort besucht – und mit 545 Folgen »RückblickKEN« den ARD-Rekord im Warnen vor Faschismus und Holocaust hält. Als einer, der weiß, wovon er spricht, wenn es um Rassismus geht, der im niederrheinischen Krefeld geboren ist und den iranischen Namen seines Vaters abgelegt hat, weil er nicht immer gefragt werden wollte, wann er denn wieder zurückgeht. Und der sich, eben weil er für dieses Thema von klein auf sensibilisiert ist, das Recht nimmt, die rassistische Politik Israels als solche zu benennen und zu kritisieren. Nicht weil er Juden hasst, sondern weil ihm diese Politik zutiefst zuwider ist, wie übrigens auch vielen jüdischen Menschen innerhalb und außerhalb Israels. Und weil er in Israel einen Freund sieht, an dem ihm etwas liegt. Dass er seine Empörung darüber nicht vornehm zurückhält, wie es die hiesigen Diskurskonventionen (und NATO-Interessen) vorschreiben, auch das ist nicht »rechts«, sondern echt – humanistisch nämlich.

Fortsetzung folgt

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

Hillarys “House of Cards” wankt

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741Da hat der perfide Putin jetzt auch noch das FBI unterwandert und manipuliert in übler Despotenmanier die freien und  demokratischen Wahlen in den USA, indem er den offensichtlich unter seiner Kontrolle stehenden FBI-Direktor dazu bringt, zehn Tage vor der Abstimmung die Ermittlungen gegen Hillary Clinton wieder aufzunehmen. Auch die Generalstaatsanwältin wird mittlerweile offenbar von raffinierten Russen gesteuert, denn noch im Juli hatte sie sich diskret mit Bill Clinton getroffen und gleich danach das FBI angewiesen, die Ermittlungen gegen Hillary und die Clinton-Stiftung einzustellen.  Jetzt aber lies sie zu, dass ihr FBI-Direktor diesen Brandbrief an das Parlament schickte, nachdem neu gefundene Emails den Verdacht auf weitere Gesetzesbrüche der Kandidatin erhärtet hätten und weitere Ermittlungen notwendig machten.

Mit dem in der Geschichte der US-Wahlen einmaligen Ereignis steht Hillarys House of Cards vor dem Zusammenbruch. Hatten ihre Medienbattalione vor Kurzem noch einen zweistelligen Vorsprung in den Umfragen gemeldet, ist jetzt von nur noch von 2% die Rede, und wenn schon das “War Street Journal” bekundet: “She has built her own career monument of deception and public mistrust” kann man davon ausgehen, dass etwas Erntshaftes im Busch ist – die unsichtbare Regierung beginnt, sich von ihrer Favoritin zu distanzieren. Der als Gegenkandidat in dieser Freakshow aufgebaute Donald Trump ist aber für die Oligarchen genausowenig akzeptabel, glaubt zumindest ein ehemaliger Insider, Ronald Reagans Vize-Finanzminister Paul Craig Roberts:  “Vielleicht ist Trump, wie seine Feinde behaupten, nur ein weiterer Schwindel. So wie Obama die Wählerschaft hinters Licht geführt hat. Jedoch greift Trump die Oligarchie so stark an, dass schwer zu glauben ist dass er es nicht ernst meint. Trump bettelt um eine Kugel wie John F. Kennedy, wie Robert Kennedy, wie Martin Luther King oder wie George Wallace. In Amerika werden Dissidenten beiseite geschafft.”

Dass Trump ein wirklicher Dissident ist, darf bezweifelt werden – und eine Kugel bräuchte es gar nicht, ihn zu verhindern. Würde sich Madame Clinton morgen krank melden und Bernie Sanders auf den Schild heben hätte Trump keine Chance. Doch Bernie ist keine Alternative, weil die Masters of The Universe  jeden Hauch von Sozialdemokratie fürchten wie der Teufel das Weihwasser ist und nicht ruhen, bis auch der letzte Fleck Erde dem “freien Markt” ihrer neoliberalen Diktatur unterworfen ist. Trump ist da kein wirkliches Hindernis und sorgt allenfalls für Verzögerungen.

Ein weiterer Treppenwitz – nachdem schon der ganze email-Zirkus ja nur ins Rollen kam, weil die zickige Hillary vom Secret Service kein abhörsicheres Blackberry  wie Obama bekam und sich deshalb einen privaten Server einrichten lies – ist nun der email-Fund auf dem privaten Computer ihrer engsten Mitarbeiterin und “zweiten Tochter” Huma Abedin, der nur deshalb in die Fänge des FBI geriet, weil Humas Ehemann Anthony Weiner Sexnachrichten mit Minderjährigen austauschte. Diese Leidenschaft des ehemaligen Abgeordneten war nicht nur im Clinton-Lager lange bekannt, auch Trump sprach schon im April 2015 davon, dass Staatsgeheimnisse bei der Gattin eines “Perversen” nicht gut aufgehoben seien.  Abedin hatte noch im Sommer unter Eid bekundet, sämtliche Mails ihrer Chefin den Behörden ausgehändigt zu haben.

In die Tür und Exit (2)

der-fall-ken-jebsen-coverWie kommt es, dass einer der eigentlich Musikexperte und Rock’n Roll-Journalist ist, mit KenFM die erfolgreichste nutzer-finanzierte Plattform für politischen Journalismus im deutschen Internet macht ? Heute ein weiterer Vorabdruck aus meinem neuen Buch über die Reizfigur, das Phänomen, den Pionier Ken Jebsen (Teil 1 hier)

Zum einen beherrscht Ken Jebsen nach 25 Jahren Radio- und Fernseharbeit schlicht sein Handwerk, nicht nur als Reporter, sondern auch auf der technischen Seite, weshalb KenFM in jeder Hinsicht professionell sendet. Nicht im Klicki-Bunti-Stil von YouTube-Fastfood, sondern eher an die geistreichen Gespräche von Alexander Kluge erinnernd, oder auch wie sie einst Günter Gaus führte. Zum anderen sind es natürlich die Gäste, die Ken Jebsen einlädt und bei denen es sich oft um solche handelt, die aus dem öffentlich-rechtlichen Diskurs und den Großmedien ausgeschieden sind. Nicht weil sie nichts zu sagen hätten, sondern weil das, was sie sagen, unerwünscht ist und die herrschenden Politik- und Geschäftsinteressen stört. Ob Kritik an Waffenexporten oder Plädoyers für die Abrüstung, Kritik an den imperialen Kriegen der USA oder an der Konfrontation mit Russland oder am herrschenden Geldsystem oder an der Auste- ritätspolitik von IWF und Banken. Es sind Themen, die von der »Lückenpresse« gerne ausgespart werden, und Köpfe, die dort nicht zu Wort kommen, die das Programm bei KenFM füllen und zu Quotenrennern werden.
Der Falschbehauptung, er sei wegen Antisemitismus vom rbb entlassen worden, die von zahlreichen Medien ungeprüft wiedergegeben wurde, ist Ken Jebsen mittlerweile mit mehr als zwei Dutzend erfolgreichen Abmahnungen und Gegendarstellungen entgegengetreten. Doch diffamierender Dreck, einmal geworfen, bleibt gerne hängen, auch wenn die Weste wieder sauber sein sollte, zumal wenn er in den Echokammern der sozialen Medien weiter herumspukt. Nachdem Ken Jebsen dann als Privatmann auf einigen Friedensdemonstrationen, etwa den Montagsmahnwachen, gesprochen hatte, die im Zuge des eskalierenden Ukrainekonflikts stattfanden, wurde er von einigen Medien und in einer merkwürdigen Studie der gewerkschaftsnahen Otto-Brenner-Stiftung zum Anführer einer Querfront stilisiert, in der Linksextreme und Rechtsextreme eine Koalition bilden würden.

Zur Last gelegt wurde ihm hier, dass er mit dem Herausgeber des Compact-Magazins Jürgen Elsässer verbunden sei. Der ehemalige Redakteur explizit linker Zeitungen wie Junge Welt, Konkret oder Neues Deutschland, der vor nicht allzu langer Zeit scharf nach rechts abgebogen ist und jetzt mit Fremdenfeindlichkeit, Islamhetze und Deutschtümelei die Kreise von Pegida und AfD bedient, hatte noch zuvor Ken Jebsen nach seinem Rauswurf 2012 angerufen und zu einer Veranstaltung seines gerade gegründeten Magazins eingeladen. Er wollte ihn zu der Intrige zu Wort kommen lassen, die zu diesem Rauswurf geführt hatte. Ein Angebot, das Jebsen nicht abschlagen konnte, denn kaum ein anderer Journalist hatte ihn dazu befragt. Als ihm Elsässer dann anbot, die Bühne seiner Compact-Veranstaltungen für Interviews zu nutzen, nahm er das ebenfalls an und interviewte ihn selbst auf KenFM zum Jugoslawienkrieg und zur NATO-Politik, Themen, zu de- nen Elsässer vor seinem Schwenk ins Deutsch-Nationalistische kenntnisreiche Bücher geschrieben hatte. Als jedoch Compact begann, eine deutsch-nationale Familienpolitik zu propagieren und dumpf rassistischen Wichtigtuern wie Akif Pirinçci Raum gab, zog Jebsen mit etlichen anderen ehemaligen Autoren mit einem offenen Brief die Reißleine und trennte sich von der fleischgewordenen Ein-Mann-Querfront Jürgen Elsässer.

Und doch ist Ken Jebsen in linken und linksliberalen Kreisen nach wie vor schlecht beleumundet. »Er ist eben an der rechten Flanke offen«, wie es eine Kollegin ausdrückte. Ähnliches habe ich in Kollegenkreisen öfter gehört, wobei dann auf Nachfrage aber nichts kam außer Gerüchten: Kontaktschuld mit Elsässer, Teilnahme an »Mahnwachen«, bei denen auch Ufologen auftraten, sowie die Diffamierung »antisemitisch«. Inhaltliches, Kritik am Programm von KenFM, konkrete Aussagen oder Beispiele für »rechtes« Gedankengut konnte mir keiner nennen. Was kein Wunder ist, denn wenn man das Archiv von KenFM durchforstet, ist davon absolut nichts zu finden. Im Gegenteil.

Mindestens zwei Tabus aber hat Ken Jebsen verletzt, deren Übertretung automatisch zum Ausschluss aus den Kreisen des sich seriös nennenden Qualitätsjournalismus führt. Er hat, noch zu seiner Zeit beim rbb, massive Zweifel an der offiziellen Geschichte der 9/11-Anschläge geäußert. Sollte dies ein Journalist nicht immer tun? Zweifeln an offiziellen Verlautbarungen? Und er hat auf KenFM nach den Bombardements in Gaza die rechts- extreme Politik der israelischen Regierung als »zionistischen Rassismus« scharf kritisiert. Beides ist in Deutschland verboten und wird von den Inquisitoren des politischen Diskurses mit Verbannung in die Schmuddelecke des Verschwörungswahns bestraft. Wer also wie Ken Jebsen der Nicht-Aufklärung des 9/11-Massenmords zum zehnten Jahrestag eine vierstündige Sendung widmet und mit seinem persönlichen Kommentar »Happy Birthday, Terrorlüge!« auch noch das schärfste Radiostück zum Thema liefert, das je über den deutschen Äther lief, muss sich nicht wundern. Auch wenn er doch eigentlich nur seinen Job als Journalist und Reporter macht und als Kommentator eine pointierte Meinung äußert. Doch weder Fakten noch Meinungen sind in der Tabuzone 9/11, der Mutter des »War on Terror«, erlaubt. Da duldet die neue Inquisition, ganz wie die alte, keine Abweichler oder Zweifler.

Fortsetzung folgt

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

In die Tür und Exit (1)

24-10-16-2051-bildschirmkopieSeit diesem Wochenende ist mein neues Buch in den Buchläden erhältlich, bei dem ich aber weniger als Autor, sondern mehr als Geburtshelfer und Herausgeber tätig geworden bin. Denn “Der Fall Ken Jebsen” ist die Geschichte von Ken Jebsen, die er aber nicht zu Papier brachte, weil er Tag und Nacht für seinen Kanal KenFM unterwegs ist und arbeitet. Weshalb wir uns zwischen zwei Terminen im Sommer für drei Tage im Hotel Elbresidenz in Bad Schandau trafen und er mir seine Geschichte erzählte. In den nächsten Tagen werde ich hier einige Auszüge posten – in der Hoffnung, dass möglichst viele dadurch angeregt werden, das Buch zu kaufen und zu lesen. Und damit nicht nur die Unabhängigkeit des nutzer-finanzierten Internet-Kanals KenFM unterstützen, sondern auch diesen Blog, der ja nicht von Luft und Liebe leben kann, sondern seine Brötchen in der analogen Welt verdient, d.h. mit schwarz auf weißem Papier gedruckten Worten.

Was KenFM geschafft hat –  aus einer  GEZ-finanzierten Radioshow ein “crowd-gefundetes”, “community-supportetes” Journalismus-Portal zu machen – ist im Zeitalter der Zeitungs,- und Medienkrise und der im steilen Sinkflug befindlichen Auflagenzahlen der “Qualitätspresse” mehr als bemerkenswert. Und es war, wie alles im Leben des Ken Jebsen, gar nicht geplant, sondern begann mit einem Rausschmiss, der aber nicht zu einem Absturz führte, weil es sich bei dem Rausgeschmissenen um einen Fallschrimspringer handelte:  “Wir sagen als Fallschirmspringer ›In die Tür und Exit‹. Und das gab es in meinem Leben permanent: in die Tür und Exit. Du bist irgendwo drin, hast auch die Fähigkeiten, aber irgendwann musst du sagen: Jetzt raus! Du musst im wahrsten Sinne loslassen, in den freien Fall gehen, du brauchst Urvertrauen. Wo springst du da rein? In so ein Standbild aus vier Kilometer Höhe. Und so war das immer: als mein Vater die Kurve kratzte, auf der Waldorfschule, als ich bei der Bundeswehr dumm aufgefallen bin, als ich beim rbb rausflog. Überall: in die Tür und Exit. Und dann, bamm!, geht der Schirm auf. Und du denkst: Wow, das Ding kann man ja lenken, das hätte ich ja schon längst mal machen sollen.”

 

“Bis in die New York Times schlugen die Wellen, als Ken Jebsens Sendung »KenFM« 2012 nach über zehn Jahren beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) abgesetzt wurde, weil er angeblich den Holocaust leugnen würde. Nachdem er und seine Anwälte schnell richtiggestellt hatten, dass an diesem infamen Vorwurf absolut nichts dran war, ging er wieder auf Sendung. Doch bald darauf trennte sich das ARD-Radio »in gegenseitigem Einver- nehmen« von seinem Reporter, der in dem Jugendradio »Fritz« jeden Sonntagnachmittag vier Stunden Programm gemacht hatte. Der Grund war nicht die mangelnde Quote – KenFMs Mischung aus Pop und Politik zählte zu den beliebtesten Sendungen des Kanals –, sondern die politischen Themen, denen sich Ken Jebsen mit Reportagen, Interviews und Kommentaren ge- widmet hatte: der uranverseuchten Munition der NATO, den traumatisierten Afghanistan-Soldaten der Bundeswehr oder den Zweifeln an der offiziellen Darstellung der 9/11-Anschläge. Themen, die, wenn überhaupt, in den Medien nur am Rande auftauchen und mit spitzen Fingern behandelt wurden und werden, kamen bei KenFM nicht nur ausführlich vor, sondern im Mix mit Musik so aufbereitet, dass sie junge Menschen auch erreichten. Aber das war offenbar zu viel – nicht dem Publikum, sondern dem Sender, der eine faktenfreie Diffamierung zum willkommenen Anlass nahm, die Sendung und ihren unbequemen Macher loszuwerden.

Doch falls die Verantwortlichen mit diesem Rausschmiss erreichen wollten, solche unerhörten Themen unter der Decke zu halten, denen KenFM mit professionellem Journalismus Öffentlichkeit verschaffte, dann hatten sie ihre Rechnung ohne Ken Jebsen gemacht. Sowie ohne die Tatsache, dass dank des Inter- nets heute niemand mehr einen Sender und superteures Equip- ment braucht, um Radio oder Fernsehen zu machen und eine große Öffentlichkeit zu erreichen. Und so nahm sich Ken Jebsen einen Keller, baute mit privaten Möbeln ein kleines Studio auf und transferierte KenFM mit einem kleinen Team vom öffent- lich-rechtlichen Äther ins weltweite Netz. Und die Fans, die er in 545 Radiosendungen gewonnen hatte, transferierten ebenso, nämlich ihre Gebühren, mit dem sie den neuen Kanal freiwillig unterstützten und KenFM zu einem der erfolgreichsten crowdfi- nanzierten Journalismusprojekte im Internet machten. Nicht nur in Deutschland, auch in Russland, wo die von einem Fan seit zwei Jahren synchronisierten Sendungen schon Millionen von Klicks haben, von Südamerika bis in den arabischen Raum sind KenFM-Sendungen synchronisiert erreichbar – und das alles nicht von einem globalen Medienkonzern mit Milliardenvon oben inszeniert und kontrolliert, sondern selbstorganisiert von unten: von den Usern, der Crowd, der Community.

Dieser Zuspruch ist umso erstaunlicher, als dass das neue KenFM im Netz eine zentrale Säule der erfolgreichen Radioshow, Live-Bands und Musik, einfach gekappt hat und sich im Wesent- lichen auf politische Kommentare sowie Interviews und Ge- spräche beschränkt. Nicht mit Stars und Sternchen, sondern mit Wissenschaftlern, Schriftstellern und Intellektuellen, und nicht mal kurz für drei bis fünf Minuten, sondern über ein bis zwei Stunden, in denen nicht das neue Album oder eine Tour- nee zur Sprache kommen, sondern komplexe Themen der Geo- politik, der Finanzwelt, der globalen Ressourcen oder der Friedensforschung. Es ist letztlich nichts anderes als das gute alte Bildungsfernsehen, was KenFM macht. Ein Genre, das die Öffentlich-Rechtlichen, eigentlich per Gesetz primär dazu verpflichtet, verkommen ließen, als Füllmaterial in nächtliche Nischen abschoben und das angeblich als Quotenkiller gilt. Bei KenFM aber ist es ein Hit: stundenlange Gespräche mit Ökonomen, Soziologen oder Theologen kommen in kürzester Zeit auf sechsstellige Zuschauerzahlen. Wie das ?”

Fortsetzung morgen

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.