Russland zieht die rote Linie

Der Syrien-Experte Professor Günter Meyer gibt in diesem Interview eine realistische Einschätzung zur Lage des Stellverterterkriegs in Syrien – und hat auf die Frage, wer hier eigentlichen die Guten und die Bösen sind, eine ebenso realistische wie richtige Antwort: “Aus meiner Sicht sind die USA die Hauptverantwortlichen für diese humanitäre Katastrophe, die wir im Moment erleben. Seit der US-geführten Invasion im Irak 2003 haben die Regierenden in Washington eine falsche Entscheidung nach der nächsten getroffen und damit die gesamte Region ins Chaos gestürzt.” Nachdem Amerika nun die bilateralen Abstimmungen mit Russland abgesagt hat, droht das Chaos in Syrien weiter zu wachsen. Der Kessel um die von Al Qaida besetzten Teil von Ost-Aleppo zieht sich Tag für Tag enger, wie sich den aktuellen Frontberichten hier entnehmen läßt, die jeder als Antidot zu den Verdrehungen und Lücken der hiesigen Mainstreammedien zur Kenntnis nehmen sollte.  Ebenso wie diese ausführliche Analyse des Saker zur aktuellen Lage.

Schon seit langem und jetzt wieder hat die syrische Armee sowohl die Evakuierung der Zivilbevölkerung als auch die Amnestie für jeden sich ergebenden Jihad-Kämpfer angeboten – die Schlacht um Aleppo könnte morgen zu Ende sein, würden die USA ihre salafistischen Terror-Söldner zurück ziehen. Daesh und das ISIS- “Kalifat” wären dann ebenfalls in Kürze Vergangenheit, Assad bliebe bis zu Neuwahlen an der Macht und Syrien ein säkularer Staat inklusive  einer kurdischen Region mit besonderen Autonomierechten.

Das wäre fraglos eine Niederlage für das Imperium, etwas was für die “exzeptionalistische” Nation natürlich nicht in Frage kommt, schließlich ist man rüstungsmäßig dem Rest der Welt dutzendfach überlegen. Wie aber sähe ein Sieg aus ? Damakus und sogar das ganze Land zu Schutt und Asche zu bombardieren, wäre für die US-Airforce kein Problem. Aber was dann ? Die Kopfab-Jihadisten, die man gegen Assad aufgerüstet hat, an die Regierung ?  Nur ein militärisch-industrieller-Komplex, für den Krieg in Permanenz Geschäft bedeutet, kann eine solche Lösung favorisieren. Doch zu der wird es wohl auch nicht kommen, denn der Rest der Welt wird sich das nicht länger bieten lassen.

Dieser “Rest der Welt” steht in Syrien dem Imperium schon jetzt  in Form von 4+1 (Syrien, Iran, Russland, China + Hisbollah) gegenüber und wie es ausschaut, wird er nicht zulassen, dass das Empire of Chaos weiter wütet. Der US-Doktrin der globalen “Full Spectrum Dominance”, der gewaltsamen Formung einer unipolaren Welt, wird ein Riegel vorgeschoben. Russland hat unmißverständlich klar gemacht, dass es ab sofort eine Flugverbotszone über Syrien gibt, nämlich für US-Flugzeuge. Auch Cruise Missiles gegen syrische Einheiten haben keine Chance mehr gegen das “Höllensystem”, wie n-tv die mobile russische Luftabwehrwaffe S 300/400 nannte, die als beste der Welt gilt. Die Luftunterstützung, wie sie die Al Nusra-Söldner von ihren Herrn in Washington fordern, wird also nicht kommen. Oder frühestens, wenn Obama als lame duck durch Clinton und ihre bellizistischen Neocons ersetzt wird, im neuen Jahr. Bis dahin aber wäre Aleppo befreit und damit der Krieg verloren sowie die US-Hegemonie im Mittleren Osten beendet. Deshalb ist jetzt die Gefahr sehr groß, dass das Pentagon auf eigene Rechnung und ohne präsidiales OK  “Zwischenfälle” arrangiert, wie unlängst das Bombardement von syrischen Kasernen, oder dass versucht wird, mit  “False Flag”-Operationen wie den Giftgas-Einsätzen vor zwei Jahren  die “rote Linie” zu überschreiten, um die Lage weiter zu eskalieren.

Weil ich zum 100. Geburtstag von John F. Kennedy im kommenden Frühjahr  gerade eine Neuauflage des Buchs “JFK – Staatsstreich in Amerika” vorbereite, kam mir in letzter Zeit öfter die Kuba-Krise in den Sinn, in der die beiden Atommächte USA und UdSSR kurz vor einem nuklearen Krieg standen. Hätte Kennedy damals auf seine säbelrasselnden  Generäle gehört und einem regime change via Bombenteppich zugestimmt – vorbereitet durch die Operation Northwoods, die “False Flag”-Angriffe  auf US-Passagierschiffe vorsah – wären die Metropolen der US-Ostküste von einem Hagel nuklearer Mittelstreckenraketen zerstört worden. Dass solche Sprengköpfe in Kuba bereits installiert waren, war  dem Generalstab und auch der CIA  schlicht entgangen. (Sie erfuhren erst 40 Jahre später auf einer Konferenz in Havanna davon, als die Russen dies erstmals enthüllten.) Ihr Plan, die Insel in zwei Tagen zu erobern, wäre auf tragische Weise schief gegangen. Nur weil Kennedy hinter dem Rücken seiner schießwütigen Militärs im Geheimen mit Präsident Chrustschow verhandelte, blieb diese Katastrophe aus.

Solche Diplomatie wäre auch jetzt das Gebot der Stunde, nicht nur um die Tragödie in Aleppo zu beenden, sondern um weitaus größere Katastrophen verhindern. Dass sich noch weitere Staaten (Israel, Saudi-Arabien, Türkei) in diesem Krieg Landgewinne versprechen, macht die Sache nicht einfacher. Doch ein “Weiter So!” wird es für das Imperium jetzt nicht mehr geben – das Chaos in Afghanistan, im Irak, in Libyen und 1,5 Millionen Leichen sind auch wahrlich genug. Die rote Linie, die Russland gezogen hat, ist kein Bluff. Mehr als die halbe Welt steht dahinter. Amerika spielt bekanntlich Monopoly und Russland Schach.  Mit ihrem Lieblingsspiel kommen die Amis jetzt aber nur noch  um den Preis der “mutual nuclear destruction” weiter. Dass es heute, wie damals in JFKs Generalstab, durchgeknallte Militärs geben könnte, denen das egal ist, macht die Lage äußerst gefährlich.

Vorsicht, Verschwörungstheorie!

816UV-zrvQLJens Wernicke hat mich anläßlich der Neuerscheinung des “Lexikons der Verschwörungstheorien” zum Thema befragt:

Herr Bröckers, Verschwörungstheoretiker – das sind doch die Spinner und Irren, die an Aliens glauben und Unfug verbreiten. Und nun geben Sie für diese als Zielgruppe das „Lexikon der Verschwörungstheorien“ heraus – werden Sie jetzt unseriös?

Die erste Ausgabe dieses Lexikons erschien in den USA schon Ende der 90er Jahre und weil ich fast alles, was Robert Anton Wilson geschrieben hatte, sehr schätzte, suchte ich in Deutschland einen Verlag und gab die deutsche Ausgabe heraus.

Wilson hatte mit seinem Kollegen Robert Shea in den 70er Jahren den großartigen Verschwörungsschmöker „Illuminatus“ geschrieben, eine psychedelisch überdrehte Romantrilogie über die mächtigen und seit Jahrtausenden im Untergrund geheim agierenden Strippenzieher der Weltgeschichte, die „Illuminaten“, und ihre ebenso untergründigen Gegenspieler, die „Diskordianer“.

Wilson wurde dann von vielen Lesern immer wieder darauf hingewiesen, dass nicht nur an den Realitätspartikeln, aus denen er seine fiktive Story zusammengebaut hatte, etwas dran war, sondern auch an den Zusammenhängen. Und dass man eigentlich nicht mehr unterscheiden könne, was nun wahr und was falsch sei.

Das erfreute den anarchistischen Erkenntnistheoretiker Wilson natürlich ungemein, und so entschloss er sich, mehr als zwanzig Jahre später mit diesem Lexikon noch eins drauf zu setzen:

„Du solltest die Welt als eine Verschwörung sehen, die von einer sehr eng verbundenen Gruppe nahezu allmächtiger Leute betrieben wird, und du solltest daran denken, dass es sich bei diesen Leuten um dich und deine Freunde handelt.“

Mit dieser Betriebsanleitung enthüllte er, was hinter all seinen Masken und Spiegeln, die vom Ironiker zum Philosophen, vom Witzbold zum Psychologen reichen, vom Wissenschaftler zum Poeten und vom Dokumentaristen zum Reporter, den Kern aller seiner Bücher ausmacht: die Anregung zum Selbstdenken. Also jenseits des Zauns der herrschenden Dogmen und etablierten Wahrheiten. Das wurde und wird von den Autoritäten, die sich darin wohl eingerichtet haben, grundsätzlich nicht gern gesehen und um ihre Dogmen, ihre Wahrheiten, ihren Unfug als „normal“ zu verteidigen, müssen sie alle anderen als Verrückte, als Irre, als Ketzer bezeichnen.

Wer vor ein paar Jahren die Belege und Indizien dafür angeführt hätte, dass die NSA sämtlichen E-Mail- und Mobilfunk-Verkehr bis zum Handy der Kanzlerin abhört, wäre sofort als böswilliger, antiamerikanischer „Verschwörungstheoretiker“ abgekanzelt worden.

Es gibt also a) Verschwörungen und das Buch listet sie b) alle auf…?

Natürlich gibt es Verschwörungen, und natürlich listet das Buch die nicht alle auf. Wichtig ist dem Autor und auch mir als Herausgeber, die Diskurse der Macht mit all ihren Verdrehungen sichtbar zu machen.

Das Buch stiftet Verwirrung, aber eine heilsame, denn es zeigt, dass vermeintlich klare und wahre Offensichtlichkeiten nicht mehr so klar und wahr sind, wenn man etwas genauer hinschaut…

Weiter gehts auf den Nachdenkseiten.

Hier das komplette Interview als PDF

Weisse Helme, finstere Show

white-helmet-infographic-2

Die Brutkasten-Lüge, nach der die irakische Armeee bei der Invasions Kuwaits 1990 in Krankenhäusern Neugeborene getötet hätte, gilt mittlerweile als Klassiker der Desinformation und Propaganda, mit der Öffentlichkeit und Medien damals kriegsreif gemacht wurden. Daran erinnerte ich mich,  als mit der Eskalation des Kampfs um Ost-Aleppo in den letzten Tagen immer häufiger Krankenhäuser und  tote oder schwerverletzte  Kinder in den Medien auftauchten, als Opfer der syrischen Armee und der Russen. Während seinerzeit die Tochter des kuwaitischen Botschafters als Zeugin für die Barbarei der Bösen durch die Weltpresse ging, scheint es heuer ein ganzer Trupp von Hilfskrankenpflegern zu sein, die den Medien mit Weissen Helmen die grauenhaften Übeltaten des “Feinds” präsentieren. Dass die mittlerweile schon für den Friedensnobelpreis nominierten Trupps keine  ehrenamtliche NGO sind, die Mutter-Teresa-artig Kriegsopfern helfen, sondern eine von USA und Nato lancierte und finanzierte Medienoperation, verdeutlicht die kürzlich erst aus Syrien zurückgekehrte unabhängige Journalistin Vanessa Beeley hier und hier im Interview.  Der Grund, warum die News über diese heldenhaften Lebensretter seit Wochen Schlagzeilen machen, scheint daran zu liegen, dass die große Erzählung vom zivilen Auftsand gegen Assad und  den “moderaten Rebellen” nicht länger haltbar ist: selbst die Leitmedien in den USA müssen  mittlerweile einräumen, dass es keinen Unterschied zwischen  diesen “Rebellen” und Al Qaida/Al Nusra und anderen salafistischen Söldnern gibt. Es sind Terroristen, die aufgerüstet und gesteuert vom Westen Ost-Aleppo besetzt halten, islamistische Kopf-Ab-Briganden, die selbst ein noch so dreister Propagandasender schwerlich als “die Guten” in diesem Krieg präsentieren könnte. Deshalb werden die White Helmets gebraucht und die von den Terrorbrigaden erbeuteten Krankenwagen, damit sie “die Guten” spielen. Dass dabei wirklich Verletzte und Verschüttete gerettet werden mag außer Frage stehen, ändert aber nichts an dem entscheidenden Problem: warum man die Zivilisten aus dem belagerten Stadtteil nicht abziehen läßt. Syriens Regierung hat das ebenso angeboten wie eine Amnestie für alle Jihad-Kämpfer, die sich ergeben.  Aber das ist keine Option für den Westen, denn wenn Aleppo befreit ist wäre der Krieg bald zu Ende. Weder “Assad muss weg!”  noch Plan B, die Balkanisierung und Aufteilung Syriens, liesse sich dann durchsetzen Die Zivilbevölkerung muss deshalb weiter als Geisel gehalten werden – und mit der Weisshelm-Show im Weltfernsehen präsentiert werden, dass nicht die Geiselnehmer die Bösen sind, sondern die, die sie bekämpfen.

MH 17 – Neues vom Ermittlungstheater

07.08.14 20:18-BildschirmkopieEin weiteres Zwischenergebnis des “Joint Investigation Teams” (JIT) zum Absturz der malaysischen MH 17 vor zwei Jahren in der Ukraine hat noch immer keine Beweise für die Täterschaft erbracht. Während aber noch im Februar 2016 vom Chef des niederländischen Geheimdiensts verlautete:  “Laut den Ermittlungen hatte nur die Ukraine am 17. Juli im Osten des Landes ein funktionierendes BUK-System”, scheint das JIT jetzt wieder von einer in das Rebellengebiet transportierten BUK-Batterie auszugehen. Als Beleg dienen dazu Telefonmitschnitte anonymer Personen, die der ukrainische Geheimdienst (SBU) zur Verfügung stellte, sowie einmal mehr Bilder des Photoshoppers “Bellingcat”, ungeachtet der Tatsache, dass die Pseudo-Recherchen dieses “unabhängigen” Bloggers (in Diensten des “Atlantic Councils”,   Bellingkatzenfotos im Infokrieg) schon letztes Jahr vielfach zerpflückt wurden. Angesichts dieser dubiosen Quellenlage sieht auch Robert Parry – legendärer Investigativ-Reporter, der einst den Iran-Contra-Slandal aufdeckte – “troubling gaps” in dieser Untersuchung (Beunruhigende Lücken im MH-17-Bericht) :

“Und dann ist da diese seltsame „warum-schlägt-der-Hund-nicht-an?“-Stille aus der US-Geheimdienstkommune. Außenminister John Kerry behauptete zwar sofort nach dem Abschuss, er kenne den Abschussort der Rakete, aber die US-Regierung wurde still, nachdem CIA-Analysten Zeit hatten, die US Satelliten-, die elektronischen und andere Geheimdienstdaten auszuwerten. Eine Quelle, die von einem US-Geheimdienstanalysten unterrichtet wurde, sagte mir, dass man den Angriff als eine außer Kontrolle geratene Aktion der Ukraine betrachte, unter Beteiligung eines knallharten Oligarchen mit dem Motiv, das Regierungsflugzeug (mit einer ähnlichen Bemalung wie MH17) des russischen Präsidenten abzuschießen, der am selben Tag aus Südamerika heimkehrte. Aber ich kann nicht sagen, ob diese Einschätzung eine abweichende oder die einhellige Meinung der US Geheimdienstgemeinde ist.”

Auch diese anonyme Quelle ist  kein wirklicher Beleg und genausowenig “gerichtsfest” wie der jetzige MH-17-Bericht, der in den westlichen Medien indessen einmal mehr als “klarer Beweis” für die Schuld der Separatisten und damit Russlands genommen wird. Die stand ja schließlich schon am Tag danach fest….

Terrorists’R Us

blog-86-300Jürgen Todenhöfer hat einen Al Nusra/Al Qaida Kommandanten in Aleppo interviewt – und was Herr Abu Al Ezz  berichtet, will sich so gar nicht mit der Geschichte decken, die uns die hiesigen Großmedien seit Jahren erzählen. Dafür aber sehr wohl mit dem, was man aus alternativen Kanälen schon lange wissen kann: dass diese Kopf-Ab-Salafisten Söldner des Westens sind, von Saudis und Kataris bezahlt und von den USA bewaffnet und dirigiert werden. Allerdings sind sie mit der Unterstützung durch ihre Dienstherren nicht zufrieden: “Wir werden kämpfen bis zum Sturz des Regimes. Wir werden Russland und den Westen bekämpfen, da der Westen nicht auf unserer Seite steht. Der Westen schickt uns nur Mujahedin, er erleichtert diesen Kämpfern den Weg. Warum unterstützt der Westen uns nicht richtig?”  Immerhin, so der Al Nusra Führer, gäbe es jetzt Hilfe von israelischer Seite:

„Wir sind ein Teil von Al Qaida. Unsere Prinzipien sind: Bekämpfung der Lasterhaftigkeit, Ehrlichkeit und Sicherheit. Unsere Angelegenheiten und unser Weg haben sich geändert. Zum Beispiel gewährt uns jetzt Israel Unterstützung, da Israel sich im Krieg mit Syrien und mit der Hisbollah befindet. Auch Amerika hat seine Meinung über uns geändert. Eigentlich waren der „IS“ und wir eine Gruppe. Aber der „IS“ wurde entsprechend den Interessen der großen Staaten wie etwa Amerika für politische Zwecke benutzt. Und von unseren Prinzipien weg gelenkt. Die meisten seiner Führer arbeiten mit Geheimdiensten zusammen, das ist uns klar geworden. Wir, die „Al Nusra-Front“, haben unseren Weg. Sie waren früher mit uns, sie waren unsere Unterstützer.Unser Ziel ist der Sturz des diktatorischen Regimes, des Tyrannen-Regimes, des Regimes der Abtrünnigen. Unser Ziel ist auch die Durchführung von Eroberungen, wie sie [der große arabische Feldherr] Khaled Ben Al Walid gemacht hat. Erst in der Arabischen Welt und dann in Europa.“

Soweit die Durchsage von der Aleppo-Front, von einem unserer Alliierten, die mit unserem Geld und unseren Waffen die Bevölkerung von Aleppo als Geisel genommen haben, um den gewünschten Regime Change zu erreichen – für ihre Auftraggeber, die nach wie vor an der  Durchsetzung ihres alten Masterplans, der Zerschlagung und Balkanisierung Syriens arbeiten. Und dazu nicht nur isalimistische Terroristen vom Kaliber des Herrn Al Ezz mobilisiert und bewaffnet haben, sondern auch zuliessen, dass sich aus ihren Reihen ein salafistisches “Kalifat” abspaltete. Dies alles ist dokumentiert und belegt, passt aber ebensowenig in das offizielle Narrativ von der Beseitigung eines “Diktators”, der von den “bösen” Russen gestützt wird und fällt in der “Lückenpresse” von FAZ bis taz in  der Regel unter den Tisch. Ganz auf Linie mit dem Imperium wird stattdessen das fromme Lied von der “humanitären Intervention” gesungen. Doch es ist ein schmutziger Krieg – und wird es bleiben, solange er Seit an Seit mit solchen Terroristen geführt wird.

Popcorn Politics

Abstrus copyDas Comeback der Woche fällt ohne Frage einem meiner Favoriten im politischen Schmierentheater zu: der Lügenbaron zu Guttenberg, Freiherr von Copy zu Paste und Doctor Sub Omni Canone ist wieder da. Seit Oktober 2015 schon in Seehofers “Kompetenzteam” hält er  jetzt auch  wieder Vorträge in Deutschland.  Ohne Gel im Haar und mit “amerikanischer Lässigkeit” zieht er “das Publikum in seinen Bann”,  freut  sich die FAZ.  Ganz der alte Blender bekennt sich der Ex-Minister “abgrundtief schuldig” für seine Verfehlungen, zeigt sich “schuldbewusst, geläutert, gar gereift” und spielt auf dieser “Klaviatur…ungewohnt virtuos”.  Wir merken: Gutti kann jetzt auch Demut. Wenn er freilich hinterherschiebt: “Ich habe lange gebraucht um meine Eitelkeit zu überwinden,” ist es damit auch schon wieder vorbei. Denn wer wirklich bescheiden ist  kann ein derart eitles Selbstlob gar nicht vom Stapel lassen. Wie schon bei seiner Selbstverteidigungs-Rede 2011, mit der er als “oberfränkische Wettertanne” noch weiter am Amt kleben wollte, bleibt sein  “mea culpa” hohl – “wie das Grinsen ohne Katze leer in der Luft.” Er hat auch in letzten  5 Jahren offenbar nichts wirklich dazu gelernt, ist aber beim bajuwarischen Publikum als charismatischer Hochstapler immer noch der Doppelmoralapostel der Herzen.  Und insofern natürlich auch wieder minsitrabel, oder gar  präsidiabel…

20160924_circusUnterdessen kommt es im Präsidenten-Casting des Imperiums  am Montag zum ersten Showkampf im Käfig: Clinton vs. Trump im TV-Duell. Während sich Altpräsident Bush und reihenweise Prominente aus dem Neocon-Lager auf die Seite der “Queen of War” geschlagen haben, hat Trump in  den wahlentscheidenden “Swingstates” die vor Wochen in den Umfragen noch weit vor ihm liegende Konkurrentin überholt. Es wird eng für Hillary, zumal es ihr nicht gelingt, die wichtige Gruppe der  18-34-jährigen Demokraten-Anhänger hinter sich zu bringen, die Bernie Sanders bejubelten aber Clinton die Stimme  verweigern und lieber für die chancenlosen Kandidaten der Grünen und Libertären stimmen. Mit Bernie als Kandidat hätten die Dems einen Erdrutschsieg in Aussicht – und die USA einen Präsidenten, dem ein “New Deal” a la Roosevelt zuzutrauen wäre.  Jetzt droht ihnen, dass sie mit der unbeliebsteste Kandidatin aller Zeiten so schlecht aufgestellt sind, dass sie gegenüber einem durchgeknallten rassistischen Selbstdarsteller nicht mal als das kleinere Übel akzeptiert wird. Nachdem ein milliardenschwerer Clinton-Unterstützer angekündigt hat, bei dem Duell in der ersten Reihe zu sitzen, hat Trump sehr wirksam gekontert und mit dem Erscheinen einer Ex-Geliebten Bill Clintons gedroht, die per Twitter auch schon zusagte. Großes Kino, must see Schmierentheater, Popcorn bereithalten!

Neues aus Pipelinistan

blog-86-300Dass es bei den Kriegen in der Ukraine und in Syrien nicht um Demokratie und Menschenrechte, sondern um Öl und Gas geht, haben wir in “Wir sind die Guten” ausführlich dokumentiert; vor knapp einem Jahr – nach dem Eingreifen Russlands in Syrien – habe ich eine längere Passage daraus hier zitiert. In beiden Kriegen geht es darum, Russland, das über ein Drittel sämtlicher globaler Bodenschätze verfügt, vom Verkauf dieser Ressourcen nach Europa abzuschneiden. Syriens Assad wurde zum Feind, als er 2009 die von den USA, Katar und Saudi-Arabien geplante Pipeline ans Mittelmeer absagte, und sich stattdessen mit dem Iran  und Irak über eine 1o-Milliarden-$-Pipeline verständigte, sowie mit Russland, dessen “Blue Stream”-Pipeline schon bis nach Ankara führt.

Dass aber die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet. Zum Zwecke des “regime change” wurden deshalb islamistische Söldner nach Syrien geschleust, die dort den “demokratischen” Aufstand inszenierten, der in den schrecklichen Krieg mündete. Der Vormarsch der von dem westlichen Pipeline-Konsortium gestützten Al Nusra/Al Qaida/ISIS-Truppen wurde erst gestoppt, als die Russen Syrien vor einem Jahr militärischen Beistand leisteten. Seitdem die russischen s-400 den Luftraum kontrollieren  ist der US-Plan einer Balkanisierung Syriens ins Stocken geraten. Nach dem Putschversuch in der Türkei und dem Ende der türkisch-russichen Eiszeit wegen des an der Grenze abgeschossenen russischen Jets, wurden jetzt die Pipeline-Verhandlungen wieder aufgenommen. Einmal mehr ein Zug auf dem geopolitischen Spielfeld,  der Uncle Sam nicht gefallen kann und zu bestätigen scheint: Amerika spielt Monopoly, Russland spielt Schach.

Der weiße Wahn

“Für die Welt ist Trump besser, für Amerika nicht” – meint Eva Schweitzer. Sie pendelt seit langem zwischen New York und Berlin und kennt sich aus, in der Weltgeschichte und in Amerika. Ihr Buch über die Tea-Party ist stark aktualisiert jetzt wieder erschienen (“Die Trump Party –  Der weiße Wahn”), und das paßt, denn Trump ist, obwohl für die Republikaner unterwegs, ein klassisches Produkt dieser Protestbewegung von rechts.  Dass er ein ziemlicher Trottel ist, sollte kein Hinderungsgrund sein die Wahl zu gewinnen, auch  Ronald Reagan und George W. waren ja weitgehend unbedarfte Schauspieler. Müsste ich heute den Ausgang der Wahl wetten, würde ich auf Trump setzen.

Die Putin/Trump-Verschwörung

Screen-Shot-2016-02-25-at-10.00.07-AM-1024x741

Den “National Enquirer” habe ich  bei Besuchen in den USA immer gern mal gekauft, wenn er mir an der Supermarktkasse mit irgendeiner mega-schrillen Headline ins Auge fiel – und wurde selten enttäuscht. Nicht nur was die Dichte von sensationsheischendem Bullshit betrifft, sondern auch im Aberwitz der noch sensationelleren Topstories. Jetzt aber hat die Mutter aller Käseblättter Konkurrenz bekommen und das von unerwarteter Seite: die “Washington Post”, seit Watergate quasi mit dem Mutterkreuz des Investigativjournalismus  ausgestattet, dümpelt neuerdings noch unter “National Enquirer”-Niveau.  Am 12. September setzte die WaPo die Story in die Welt, dass die am Vortag bei einer  9/11-Gedenkfeier zusammengeklappte Hillary Clinton Opfer eines Giftanschlags gewesen sein könnte. Einziger Beleg für den Leitartikel war der Tweet eines Pathologen, der meinte,man solle eine toxikologische Untersuchung machen, denn Mr. Trump und Mr. Putin sei alles zuzutrauen. Die “Post” fügte dann noch raunend hinzu, dass auch der Ex-KGB-Agent Litvinenko merkwürdig zu Tode gekommen sei und solche Morde schließlich nie “ohne Putins direkte Zustimmung” geschähen. Und  that’s it – fertig ist die Verschwörungstheorie.

Wie kommt es nun, dass eine einstige “Qualitätszeitung” derart ungeniert derart dumpfen Desinformationsmüll in die Welt setzt ? Wayne Madsen hat nur eine Erklärung dafür:

“The aim of the neoconservative war hawks who are embedded in Clinton’s campaign, as well as the Central Intelligence Agency-linked Post, is clear. President Putin is being set up by the neocons as the next Saddam Hussein, Muammar Qaddafi, and Bashar al Assad. Meanwhile, Trump is being portrayed as a modern-day Alger Hiss who owes ultimate loyalty to the Kremlin. It should be pointed out that Jeff Bezos, the owner of the Post, has a $600 million contract with the CIA to provide cloud computing services for the CIA. The deal makes The Washington Post, via interlocking close corporate links, a de facto CIA contractor.”

Operation Mockingbird – ick hör dir trapsen. Und doch ist man immer wieder überrascht, wie plump das alles läuft. “The CIA is smart, but it is not so smart, if something works they do it over and over again” schrieb mir unlängst ein Kollege aus den USA. Die Nummer, unliebsame Politiker als Agenten des Kreml zu denunzieren, ist seit den  50er Jahren einstudiert und wird schlicht wieder aufgekocht. Allein: es scheint nicht zu helfen. Trump lag in den Umfragen weit zurück und  steht jetzt nahezu gleichauf mit Clinton, in manchen “swing states” sogar schon vor ihr und selbst  19,5 % der afro-amerikanischen Wähler unterstützen ihn. Auch wenn die liberalen Medien es noch  nicht wahrhaben wollen: es droht mit The Donald im November eine ähnliche Überraschung wie mit dem Brexit: SNAFU USA.

Zumal weitere finstre Agenten der Putin/Trump-Verschwörung am Werke sind: Wikileaks hat gerade Dokumente geleakt, wieviel man der Partei spenden mußte, um als Botschafter oder  Staatssekretär bei der Obama-Regierung  ein Pöstchen zu bekommen.  Und Hollywood-Legende Oliver Stone hat mit seinem neuen Film einen weiteren Helden auf die Agenda gesetzt, der natürlich auch vom Kreml gesteuert ist: Edward Snowden. Während der “Guardian”, die “New York Times” und Glen Greenwalds ” The Intercept” zur Begnadigung des Whistleblowers aufrufen, fordert die “Washington Post” weiter die strafrechtliche Verfolgung ihres eigenen Informanten. Konsequent für ein de facto CIA-Vertragsunternehmen, aber auch ein historischer Tiefpunkt für ein Presseorgan: für die Veröffentlichung der Dokumente, deren Überbringer sie jetzt wie Chelsey Manning im Knast sehen will,  hatte sich die “Post” mit dem Pulitzerpreis 2013 auszeichnen lassen.