Wer nicht kucken will, kann hören

Das Interview zum Buch auf Ken FM erfreut sich im Netz großer Beliebtheit – in den ersten zehn Tagen über 60.000 Views auf youtube und eine lebhafte Diskussion mit mittlerweile über 400 Kommentaren. Dass Ken Jebsen und sein kleines Team den derzeit erfolgreichsten, crowdfinanzierten politischen TV-Kanal im Internet machen, hat sich mittlerweile ja schon herumgesprochen. Weniger bekannt ist, dass auch Nicht-Internet-TV-Kucker in den Genuss der Sendungen kommen können – alle Gespräche stellt Ken FM auch als kostenlosen MP-3-Download zum Hören zur Verfügung. Das ganze Gespräch über die ganze Wahrheit – 2 Std. 4 Minuten, für die nächste längere Zug,- oder Autofahrt – gibt’s hier.

Alles unter Kontrolle

816UV-zrvQL Heute war sie im Briefkasten, in den nächsten Tagen wird sie im Buchhandel erhältlich sein: die Neuauflage von Robert Anton Wilsons “Lexikon der Verschwörungstheorien”. Erstmals auf deutsch im Jahr 2000 erschienen, übersetzt von Gerhard Seyfried, herausgegeben von yours truely, ist das Werk mittlerweile ein Klassiker der Verschwörungsliteratur und erscheint unverändert. Schon allein deshalb, weil jede Aktualisierung den Rahmen massiv gesprengt hätte.  Hier ein Auszug aus dem Vorwort für die Neuausgabe:

“Mit „Illuminatus“ schrieb Robert Anton Wilson (mit Robert Shea) 1975 den Klassiker der Verschwörungsliteratur schlechthin. Er verschaffte damit nicht nur einem Professor in Ingolstadt, dem Aufklärer Adam Weishaupt, der 1776 den schon nach wenigen Jahren von der Staatsregierung wieder verbotenen Orden der Illuminaten gegründet hatte, neue Aufmerksamkeit, sondern auch vielen anderen vergessenen Gestalten und Organisationen der Weltgeschichte. Einer Geschichte, die sich in dieser psychedelisch überdrehten Romantrilogie in einer Klarheit und logischen Einfachheit zeigt, wie sie in der komplexen und verwirrenden Realität der wirklichen Welt nie zu finden ist. Nimmt man freilich an, dass im Untergrund mächtige und seit Jahrtausenden geheim agierende Strippenzieher, die „Illuminaten“, am Werke sind, dann machen die absurdesten Zufälle und die verrücktesten Zusammenhänge plötzlich Sinn. Und wenn sie einmal keinen machen, dann waren eben die großen untergründigen Gegenspieler der Illuminaten, die „Diskordianer“ am Werk – und schon ist wieder alles klar. Und alles unter Kontrolle.Continue reading →

Hu!

Die Deutsche Bank findet, dass mal wieder 150 Milliarden zur Bankenrettung gebraucht werden und der Economist warnt schon mal vor, dass die maroden italienischen Banken demnächst ganz übel einknicken.  Mir fällt als Island-Fan dazu nur noch “Hu!” ein. Mit diesem Schlachtruf haben es die Inselbewohner in ihrem gallischen Dorf ja geschafft, ihre Groß-Banker zur Verantwortung zu ziehen und in den Knast zu bringen, statt sie für ihre Untaten mit Steuergeldern zu “retten”.  Nicht nur im Fußball sind die isländischen Fighter vorbildliche Europäer!

Ein derartiger Aufstand, wie ihn die Isländer erfolgreich gegen die Banker durchzogen, ist auch auf militärischem Feld überfällig. Nur mal vorsichtig das “Säbelrasseln” der NATO-Aufrüstung an der russischen Grenze zu kritisieren, wie es der Minister unseres Äußeren getan hat ist nun längst nicht das Äußerste, was man gegen eine Kriegtreiberei und Russen-Paranoia tun muss, die nicht nur Gorbatschow als  hochgefährlichen Übergang in einen “heißen Krieg” sieht .Continue reading →

Die ganze Wahrheit

Während sich die Rezensenten und Kritiker der Medien mit der Rezension unseres quasi-enzyklopädischen Werks”Die ganze Wahrheit über alles” noch schwer tun, erreicht uns von Seiten der Leser*innen eminenter Zuspruch. So schreibt etwa Kollege Paul Schreyer:

“Nicht kleckern sondern klotzen ist erkennbar das Motto der beiden nimmermüden Vielschreiber Sven Böttcher und Mathias Bröckers, die nun mit “Die ganze Wahrheit über alles” ein 330-seitiges Kompendium vorlegen, das dem eigenen Anspruch kaum weniger gerecht wird, als der enthaltenen Ironie. Das Autorenduo hat sich ein heeres Ziel gesetzt: den unter 25-jährigen die heutige Welt nicht nur – mal eben – zu erklären, und das gründlich und systematisch von A wie Arbeit über B wie Banken bis hin zu Z wie Zuwanderer, sondern der nachwachsenden Generation auch noch lohnende und machbare Alternativen anzubieten. Das Motto steckt schon im Untertitel des Buches: “Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können”. Böttcher und Bröckers haben gründlich recherchiert, wofür eine zehnseitige (spannende) Literaturliste ebenso bürgt wie die 50 Seiten kleingedruckter Fußnoten am Buchende. Trotzdem ist das Werk kein schwer verdaulicher Stoff – alles andere hätte Kenner der Werke der beiden Autoren auch gewundert -, sondern liest sich flott weg, im Stil changierend zwischen engagiert, empört und launig.Continue reading →

Geht nicht ? Gibts nicht! Oder es gibt Krieg.

13613507_10154245066681678_346768096599780908_oMit der Demokratie und dem Wahlvolk ist es ja so eine Sache: wenn das Ergebnis paßt, ist alles dufte, aber wehe wenn nicht. Da stimmten zum Beispiel über 90 % der Bewohner der Republik Krim für einen Exit aus der Ukraine, nachdem dort eine neue Regierung mit  fragwürdigen Methoden an die Macht gekommen war. Weil die neue Regierung dem Westen paßte, war freilich die Abwahl der alten  – mit Maschinenpistolen beim Mißtrauensvotum im Parlament – demokratietechnisch kein großes Problem. Anders als das eindeutige Referendum der Krimbewohner, denn ein “Ukrexit” war unerwünscht und mußte deshalb als eine von kleinen grünen Männchen – bösen Russen ! –  irgendwie gewaltsam herbeigeführte “Annexion” dargestellt werden. Dass dann wenig später die Niederländer mit deutlicher Mehrheit (60%) den Assoziierungsvertrag mit der Ukraine ablehnten, paßte den EU-Oberen in Brüssel nicht – die Mehrheit der Holländer nun aber als Opfer perfider Putin-Propaganda hinzustellen hätte den Bogen der Russen-Paranoia dann doch überspannt. Jetzt sollen sie  neu abstimmen, bis das Ergebnis paßt und eine am Rande zum failed state und ökonomischen Bankrott stehende Nation nach Europa geholt werden kann.Continue reading →

Live auf KenFM

​”KenFM im Gespräch mit: Mathias Bröckers (“Die ganze Wahrheit über alles”) Die Zeiten, in denen der Mensch am Ast der eigenen Existenz gesägt hat, sind lange vorbei. Mittlerweile ist er dazu übergegangen, den ganzen Wald um sich herum abzufackeln. Der Mensch übertreibt. Auf allen Gebieten. Ihm ist vor allem die Erkenntnis abhanden gekommen, dass er als Teil der Natur nicht ohne eben diese überleben kann. Die Krone der Schöpfung ist eine hohle Nuss, vor allem wenn es darauf ankommt.

Menschen leben seit Langem in immer abstrakteren Welten. In Großstädten, mit Gesetzen, Verhalten, Politischen Ideen. Das alles sind keine natürlich vorkommenden Produkte, sondern wurden vom Menschen für den Menschen erdacht und umgesetzt. Dahinter steckte im Kern immer die Idee, sich die Erde untertan zu machen. Gefügig zu machen. Was über Jahrtausende relativ erfolgreich funktionierte, hat spätestens im 21. Jahrhundert seinen Zenit überschritten. Der Mensch neigt dazu, übers Ziel hinauszuschießen. Die Dosis macht das Gift.

Egal wie gut ein gesellschaftliches Konzept, eine Idee, eine Technologie auch sein mag, ab Punkt X kommt es zur Überdosis und damit zu einem toxischen Effekt. Hier hilft nur, die Notbremse zu ziehen, eine echte Analyse zu wagen und dann an den Punkt zurück zu rudern, an dem alle aus dem Ruder lief.

Älteren Menschen fällt das besonders schwer. Sie kennen nur die Welt, die sie selber geschaffen haben und wollen sich keine andere vorstellen. Also müssen die jüngeren ran. Sie müssen, um es salopp auszurücken, die Karre aus dem Dreck ziehen, denn ihr Überleben hängt davon ab. Alles, was die Alten jetzt noch tun können, ist ihr grandioses Scheitern auf den allermeisten Gebieten einzuräumen. Gut gemeint war schon immer das Gegenteil von gut. Seht euch um.

Mathias Bröckers und Sven Böttcher sehen den Status Quo der Spezies Mensch dennoch mit Humor und haben einen extrem kurzweiligen Ratgeber für die nächste Generationen geschrieben. „Die ganze Wahrheit über alles – Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können“ KenFM traf sich mit Mathias Bröckers, um mit ihm über den Ratgeber zum Überleben unser eigenen Spezies zu sprechen. Es wurde viel gelacht. Fazit: Wir haben kaum eine Chance, aber nutzen wir sie.”

Endspiel in Europa

27.06.13-2139-Bildschirmkopie-300x152Bevor auf diesem Blog für zwei Wochen Sommerpause ist, hier noch ein paar Prognosen und Hinweise:

– der Brexit wird heute knapp abgewählt, die Briten bleiben drin, was dann zum allgemeinen Aufatmen und fröhlichen “Weiter so!” in der EU führen wird. Aber nicht zu irgendeiner Lösung oder einem Stop der europäischen Disintegration.

– es wird auch weiterhin nichts Schlimmes geben, hinter dem nicht Putin steckt. Jetzt hat das ehemalige Nachrichtenmagazin “enthüllt”, dass auch die Hacker des IS “Cyber Kalifats” eigentlich Russen sind. Das Online-Magazin “Sputnik” hat mich  zu dieser neuen Volte im  kindergarten-artigen Russland-Bashing befragt.Continue reading →

Barbarossa 2.0

Vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der brutalste Vernichtungskrieg der Weltgeschichte. 27 Millionen sowjetische Männer, Frauen und Kinder fielen ihm innerhalb von vier Jahren zum Opfer, die wenigsten davon im Kampf, die meisten vom ihnen willkürlich ermordet oder dem Hunger, -und Kältetod preisgegeben. “Es kann keinen Zweifel geben, dass Leningrad verhungern muss” lautete ein Dekret der deutschen Generalität im November 1941 für die belagerte Stadt, was die Wehrmacht in den folgenden Wintern planmäßig erfüllte: 470.000 Menschen starben an Hunger.

Es ist deshalb mehr als ein symbolischer Akt, wenn Bundespräsident Gauck am Donnerstag nach St. Petersburg reist, um dieser Hungertoten auf dem Friedhof zu gedenken, die deutsche Schuld zu bekennen und den Nachkommen dieser Generation mit einem “Nie wieder!” die Hand zu reichen. Auch Angela Merkel zeigt Souveränität, indem sie sich vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen älterer Bruder den “Hungerwinter” in Leningrad nicht überlebte, verneigt und sich für die Verbrechen Deutschlands beim russischen Volk entschuldigt.  Wie ernst es mit dieser Versöhungsgeste gemeint ist, zeigen die Historikerzunft und die Museen des Landes, die mit zahlreichen Ausstellungen und Konferenzen den Vernichtungskrieg gegen die “slawischen Untermenschen”  thematisieren.  So wie die christlichen Kirchen der im Namen des Herrn und des Führers  abgeschlachteten Russen gedenken und auch die jüdischen Gemeinden den Mitopfern dieses rassistischen Massenmords, dessen blanke Zahlen den Schrecken des Holocaust fast verblassen lassen.Continue reading →

Battle of Brexit

Queen Brexit

Dass man den Briten nicht nachweinen muss, wenn sie die EU verlassen, weil sie mit ihren ewigen Extrawürsten eh nur genervt haben, hatten wir vor einiger Zeit schon angemerkt ( hier und hier ). Europa kommt künftig auch ohne die verregnete Insel klar, die sich in Vergangenheit eher als Hemmschuh, denn als Förderer europäischer Kooperation erwiesen hat und dem Kontinent wirtschaftlich außer dubiosen “Finanzprodukten” nicht viel zu bieten hat. Außenpolitisch agiert England  ohnehin zuerst als Pudel bzw. Pittbull des großen Cousins in Washington und weniger im Interesse der europäischen Nachbarn und ist auch auf diesem Feld verzichtbar.Continue reading →