Kaum ist man mal ein paar Tage offline, herrscht allenthalben Durcheinander. Eine geschlagene Woche war der Gottseibeiuns weg, Wladimir der Schreckliche einfach wie vom Erdboden verschluckt, kein Auftritt, keine Ansagen, keine aktuellen TV-Bilder – die Westmedien schoben Panik. Wenn Frau Merkel mal eine Woche nicht im Fernsehn auftaucht würde das schon deshalb kaum auffallen, weil jeder ihrer aktuellen Auftritte ohnehin wie aus der Retorte wirkt. Kaum aber vergehen ein paar Tage ohne dass der Ultraböse sein diabolisches Lächeln zeigt, schiebt die Nachrichtenbörse volles Rohr Turkey. Und muß, weil so ein radikaler Putinentzug kaum auszuhalten ist, Fragezeichen- Geschichten erfinden. Haben seine Generäle ihn festgesetzt ? Wohnte er der Entbindung einer heimlichen Geliebten in der Schweiz bei ? In einer von Berlusconi empfohlenen Klinik ? Oder ist er selbst krank ? Vielleicht sogar schwer ? Etwa Krebs? “Mer waas es net, mer munkelt nur”, sagt der Hesse – und so wurde, von den Qualitätsmedien abwärts eine Woche lang gemunkelt was das Zeug hält. So sehr, dass selbst die auf Höchsttoleranz justierten Bullshit-Detektoren in den Boulevard-Redaktionen permanent im roten Bereich liefen. Lange wäre das nicht mehr gut gegangen und so hört man geradezu das Aufatmen in den Großraumbüros, wenn Spül-Online heute vermelden kann: “Putin ist wieder da”.
Was wäre, wenn er wirklich weg wäre, malen sich die Pentagon-Strategen ja nicht nur in ihren Träumen aus, sondern arbeiten auch daran. Dass jemand wie George Friedman – Chef des als “Schatten-CIA” bezeichneten Thinktanks “Stratfor” – unverblümten Klartext über die geopolitischen Ziele der USA spricht, ist selten genug, weshalb ich das folgende Video zur Ansicht empfehle. Wer in unserem Buch “Wir sind die Guten” die Kapitel zur Geopolitik – von Mackinder über Brzezinski zur “Full Spectrum Dominance”-Doktrin – gelesen hat, kann die Ausführungen Friedmans als aktuelle Fortsetzung sehen; wer sich mit der Außenpolitik des US-Imperiums noch nicht näher beschäftigt hat, kann hier zusammengefasst erfahren, um was es dabei wirklich geht – und dass der Cartoon von Gerhard Seyfried keine satirische Übertreibung darstellt, sondern die grausame Realität:
Eine bessere Übersetzung sowie ein Link zu dem kompletten Vortrag von Friedman hier




