Dass es zu einem Grexit so bald nicht kommen wird, hatten wir ja schon vor dem Referendum vermutet – und auch dass danach neue Verhandlungen stattfinden werden, wie sie aktuell in Brüssel begonnen haben. Der Grund, warum den Griechen kein Rauschmiss aus der Euro-Zone droht, hat wenig mit Ökonomie, aber viel mit Geopolitik zu tun. Für das Imperium in Washington ist Griechenland aus strategischen Gründen unverzichtbar und weil klar ist, wer sofort mit Krediten bereit steht, falls Brüssel den Griechen die Tür zuschlägt und unbedingt verhindert werden muss, dass Russen und Chinesen einen Fuss in diese Tür kriegen, werden die Verhandlungen zäh aber am Ende erfolgreich enden. Die Börsen, die auf das klare “Oxi” aus Athen völlig entspannt reagiert haben deuten das ebenso an wie der – in dem von der EU bis nach dem Referendum zurückgehaltenen IWF-Memo – schon signalisierte notwendige Schuldenschnitt. Da mögen die Griechen-Basher und Pickelhauben-Demagogen von “Bild” bis CSU noch so sehr hetzen und schäumen – auf der Atlantik-Brücke hat immer noch Uncel Sam das Sagen und der läßt auf dieser Bastion im Mittelmeer garantiert nichts anbrennen.Continue reading →
Ostrakismos sagt “Oxi” !
Bürger, die zu reich und zu mächtig geworden waren und dem demos, dem Volk, “Unrecht tun”, konnten im Athen des 5. Jahrhunderts v.Chr. dem “Ostrakismos” unterzogen und mit zehnjähriger Verbannung aus der Stadt bestraft werden. Weil bei dieser Volksabstimmung der Name des zu Verbannenden auf Tontäfelchen geritzt wurde – teilnehemen durfte jeder, der schreiben konnte – heißt das Verfahren bis heute Scherbengericht. Anders als bei Gerichtsverfahren behielt der Verurteilte seine Rechte und sein Eigentum, jegliche Einmischung in öffentliche Angelegenheiten und ein Wohnsitz in der Stadt aber waren verboten. Es scheint, als hätte sich die junge Demokratie mit dieser besonderen Methode eine Art Immunsystem verschafft, mit dem sie zu starke Einmischungen der Reichen in das politische System ebenso abwehrte wie lähmende Flügelkämpfe zwischen verschiedenen Parteien durch die Verbannung eines Streithahns. Auch grundlegende Richtungsentscheidungen – wie etwa die Aufrüstung der Flotte – wurden per Scherbengericht getroffen.
Soeben (19:24) meldet dpa, dass bei dem aktuellen Referendum zum Troika-Angebot 59,6 % mit “Nein” gestimmt haben. Selbst mit dem Unsicherheitsfaktor einer ersten Hochrechnung scheint das ein glasklares Votum – nicht gegen die EU und den Euro, aber gegen die katastrophale Politik die in Griechenland durchexerziert werden sollte. Nicht Europa und die Demokratie haben heute abend die rote Karte bekommen, sondern die Finanz-Oligarchie und ihre politischen Handlanger. Jetzt wird neu gemischt und neu verhandelt – und die Botschaft aus Berlin kann nur lauten: Griechenland hat mindestens denselben Schuldenschnitt verdient wie ihn die Griechen Deutschland vor 50 Jahren gewährten. Wird Zeit, dass Mutti Merkel zur Urenkelin Adenauers mutiert…
#Greece's Finance Minister signs off on a 50% reduction in debt for Germany in 1954. pic.twitter.com/u7NB5ybS3t
— Ronan Burtenshaw (@ronanburtenshaw) June 29, 2015
…und die Stimmen zählt: Goldman-Sachs
“Die Leute, die die Stimmen abgeben, entscheiden nichts. Die Leute, die die Stimmen zählen, entscheiden alles.” Die dem Diktator Josef Stalin zugeschriebene Erkenntnis sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn Griechenland morgen… nicht über den Austritt aus der EU oder dem Euro abstimmt, sondern über die Annahme oder Ablehnung des Austeritäts-Diktats der Troika. Denn die Auszählung der Stimmen wird von “Singularlogic” übernommen – einer US-Firma mit engsten Verbindungen zu Goldman-Sachs. Also zu eben jenen Bankern, die seinerzeit unter Mario Draghi die Bilanzen Griechenlands so manipulierten, dass der Eintritt in die Euro-Gruppe überhaupt erst möglich wurde:
“Zwischen 1998 und 2009 unterstützte Goldman Sachs mittels undurchsichtiger Buchhaltungstricks Griechenland dabei, die Hälfte seines öffentlichen Defizits zu verstecken. Diese finanziellen Konstrukte verhalfen Griechenland zum Beitritt in die Eurozone. Daraufhin spekulierte Goldman Sachs allerdings gegen griechische Staatsanleihen. Als die Tricks aufflogen, war Goldman Sachs reicher, Griechenland hingegen war ruiniert. Goldman Sachs unmittelbarer Gewinn aus diesem Geschäft belief sich auf mindestens 600 Millionen US-$. Griechenland hingegen schuldet der Bank 400 Millionen US-$ pro Jahr bis 2037.”
Dass eine mit Goldman verbandelte Firma jetzt die Zählung des Referendums durchführt zeigt, wie weit sich die Macht der Finanzinstitutionen erstreckt. Die Griechen sind ihnen in jeder Hinsicht ausgeliefert. Und wenn es nicht reicht, dass derselbe Mario Draghi via EZB nun dafür sorgte, dass die griechischen Geldautomaten dicht gemacht und Angst und Panik im Lande verbreitet wurden, wenn die Griechinnen und Griechen sich nicht irre machen lassen von diesen Erpressungsmethoden, weil sie das Rechnen nicht verlernt haben, wenn also viele mit “Oxi” stimmen, dann wird bei einem knappen Ergebnis das Zünglein an der Wage von höchster Relevanz. Und die Leute, die die Stimmen zählen, entscheiden alles… Also könnte eine knappe Mehrheit für ein Ende mit Schrecken möglicherweise nicht einmal reichen, weil die Freunde der Schockstrategie, die auf Schrecken ohne Ende setzen die Zahlen genauso frisieren wie damals, als sie Griechenland in ihre Falle lockten…
Demokratie ist Ramsch
Dass die griechische Regierung ihr Volk befragen will, bevor sie den Konditionen der ehemaligen Troika zustimmt, wurde von der hiesigen Regierung und ihren öffentlich-rechtlichen Lautsprechern als Unverschämtheit gewertet – das Wort “Demokratie” in den Mund zu nehmen gilt mittlerweile als Majestätsbeleidigung. Schon vor vier Jahren, als die vorherige Regierung das Volk befragte und die Majestäten – die internationalen Finanzinstitutionen – verstimmt reagierten, konnte Frank Schirrmacher in der FAZ nur konstatieren was unter der Diktatur der Finanzmärkte aus der besten aller Regierungsformen geworden ist: “Demokratie ist Ramsch”. Die massiven Diffamierungen, denen ein demokratisch gewählter Präsident ausgesetzt werden kann, weil er seinem Wahlvolk (hier die TV-Rede von von Alexis Tsipras vom Wochenende) die Vertrauensfrage stellt, deuten an, dass “Ramsch” mittlerweile noch zu positiv klingt und durch “Schrott”; “Müll” oder dgl. ersetzt werden sollte.Continue reading →
Eine schrecklich nette Familie
Das nach wie vor positive Image der Königsfamilie ist nur durch ein gehobenes Maß an Ignoranz und Selbstbetrug der Öffentlichkeit zu erklären, meint der britische Dramatiker und Autor Heathcote Williams. Die Fragen von Telepolis beantwortet er mit Passagen aus seinem investigative poem “Royal Babylon – The Criminal Record of The British Monarchy”, das jetzt auf Deutsch erschienen ist ( Die Windsors – Eine schrecklich nette Familie, Westend-Verlag). Ein notwendiges Antidot für das anschwellende Pomp,-und Popgedröhne anläßlich des Staatsbesuchs.
Die Queen und ihr Gemahl besuchen Deutschland und stehen einmal mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie aber sind not amused?
Heathcote Williams: Die Windsors sind ein Schandfleck im kulturellen Erbe Großbritanniens. Die Monarchie ist das Schmierfett der Kriege Großbritanniens, denn sie überzeugt ihre Soldaten, allzeit pflichtbewusst fürs Vaterland zu sterben.
Um schließlich, nach Ehrung der Opfer staatlichen Gemetzels, die Profite der Waffenhändler zu vermehren. Waffenhersteller und ihre Kunden werden auf Schloss Windsor gern zum Tee geladen – Flugschauehrung inklusive – denn Monarchie und Militärgeschäft sind eng verwoben. In Großbritannien ist “Rüstungsindustrie” ein royaler Markenname..
Die Majestäten profitieren die ganze Zeit auch selbst vom Geschäft mit Waffen, dank ihrer Kronagenten, die ihre Unternehmensbeteiligungen verwalten und mit Lockheed und BAE Systems ungerührt Anteile an Streubomben-, Uranmunition und Landminenproduzenten halten.”
Ich bin Verschwörungstheoretiker – und das ist gut so!
Was Verschwörungen sind ( A und B verabreden sich hinter dem Rücken von C um sich einen Vorteil zu verschaffen), dass sie im Alltag der Wirtschaft, der Politik und vor allem im Liebesleben regelmäßig vorkommen und auf Indizien beruhende Annahmen über solche Verschwörungen – Verschwörungstheorien – eine rationale vernünftige Heransgehensweise an dieses alltägliche Phänomen darstellen – diese simplen, unwiderlegbaren Tatsachen sind aus dem Blick geraten, seit der Begriff “Verschwörungstheorie” als Kampfbegriff in der psychologischen Kriegsführung eingesetzt wird. Nachdem unlängst in der Gesprächsrunde bei Ken FM die Geschichte dieser Aufrüstung eines neutralen Begriffs zur Diffamierungswaffe im Zusammenhang mit dem ungeklärten Mord an John F. Kennedy kurz angeschnitten wurde, habe ich dazu einige Anfragen nach weiteren Informationen erhalten. Pro domo empfehle ich dazu natürlich das Buch “JFK – Staatsstreich in Amerika” , in dem auch das historische Dokument zitiert ist, mit dem die CIA ihren Stationen weltweit den Begriff empfahl, um die Zweifel an der offiziellen Version des Kennedy-Mords zu kontern – und darlegte, dass es sich bei den Kritikern der von der “Warren Kommission” verkündeten Theorie des Einzeltäters Lee Harvey Oswald um “Verschwörungstheoretiker” handelt, Staatsfeinde, die nur von kommerziellen oder kommunistischen Interessen motiviert seien.
Lügenpressepanorama
Dass dem sich kritisch und investigativ gerierenden NDR-Magazin “Panorama” propagandistischer Pseudo-Journalismus nicht fremd ist, mußte ich schon 2003 lernen, als ich einem Reporter ein 20-minütiges Interview zu dem gerade erschienen Buch “Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.” gegeben hatte. Aus dem landeten dann drei Sätze in einem desinformierenden und diffamierenden Beitrag , der das Buch mit dem rechten Gedankengut des “Reichsdeutschen” Horst Mahler zusammenrührte. Am 22.8.2003 hatte ich hier dazu notiert:
Noch eine kleine verschwörungstheoretische Anmerkung: Zum Interview mit dem Panorama-Reporter hatte ich mich vor vierzehn Tagen auf dem Hackercamp des Chaos Computer Clubs in Altlandsberg verabredet. Als ich eine Vorbesprechung für den abendlichen Vortrag kurz unterbrach, weil die Fernsehleute angekommen waren, meinten die CCC-Leute: “Panorama? – Du weißt hoffentlich, dass die mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeiten…” Da kennen sich die Hacker ein bißchen aus, aber ich nahm die Bemerkung nicht weiter ernst – erst gestern nach dem Beitrag fiel sie mir wieder ein. Von dem NPD-Gründer und Agenten des britischen Geheimdiensts MI-6, Adolf von Thadden, bis zu dem aktuell vom deutschen Verfassungsschutz unterwanderten Vorstand der heutigen NPD scheint in der Bundesrepublik eine stramme Linie geheimdienstlicher Rechtsaußen-Aktivitäten zu existieren, die sich offenbar auch bis zu einem Typen wie Mahler erstreckt. Denn dass einem derart durchgeknallten “Reichsdeutschen” in der ARD bereitwillig Sendezeit eingeräumt wird, kann eigentlich nur mit einem dezenten Wink der Schlapphüte zu tun haben. Eine Nebelkerze sollte produziert werden, die ernstzunehmende kritische Fragen zum 11.9. – auch & vor allem zur Rolle westlicher Geheimdienste – bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.
NATO nein danke
Auch wenn Umfrageergebnisse stets mit Vorsicht zu geniessen sind, hier ist eines, das Hoffnung machen könnte: 58 Prozent Deutschen sagen, dass Deutschland im Falle eines “ernsthaften militärischen Konflikts” zwischen Russland und einem benachbarten Nato-Land dem Verbündeten nicht militärisch zur Hilfe kommen sollte. Auch in anderen Ländern ist die Bereitschaft der in Artikel 5 des Nato-Vertrags festgelegten Beistandsverpflichtung nachzukommen nicht sehr hoch, nirgends jedoch sitzt die Skepsis gegenüber der Nato tiefer als in Deutschland.
Dieser Vertrauensverlust hat gute Gründe und die sind weniger in der Seele des deutschen Michels zu suchen, als in der Wandlung der Nato von einem Verteidigungsbündnis im Kalten Krieg zu einer internationalen Eingreiftruppe. Der völkerrechtswidrige Angriff auf Jugoslawien, dem die rot-grüne Bundesregierung mit der Beschwörung des Hitler-Gespensts Legitimiät verschaffen wollte, muß als Beginn dieses Wandels festgehalten werden. Und wer das Ergebnis dieser “Befreiung des Kosovo” heute besichtigt – und kaum mehr als einen gigantischen US-Militärstützpunkt und einen Mafiastaat mit Drogenhandel vorfindet – muß sich eigentlich nicht wundern, dass es mit dem Ansehen der Nato nicht mehr so weit her ist. Es geht diesem Verein nicht um Demokratie/Freiheit/Menschenrechte, sondern um Macht,- und Geschäftsinteressen – was die Vereinigten Staaten nach dem Jugoslawienkrieg auch freimütig bekundeten: es sei darum gegangen, das strategische Versäumnis Eisenhowers am Ende des 2. Weltkriegs zu korrigieren einen US-Stützpunkt zur Kontrolle Osteuropas einzurichten. Diese “Korrektur” wurde seitdem mit der Nato-Expansion in viele weitere osteuropäische Länder fortgesetzt und ist in der Ukraine noch in Arbeit.
Dass die Deutschen nun mehrheitlich nicht mehr bereit sind, diesem aggressiven “Verteidigungsbündnis” Beistand zu leisten, hat deshalb auch weniger mit einem Mangel an Hilfsbereitschaft oder einem Übermaß an Feigheit zu tun, als mit einer realistischen Einschätzung der Lage. Eine Erhebung zu der Frage, ob man die Nato nicht auflösen und in europäisches Militärbündnis unter Einbeziehung Russlands verwandeln sollte, wäre vermutlich ebenso mehrheitsfähig.


