Auch wenn “Wir sind die Guten” von den Leitmedien bis dato weitgehend ignoriert wurde – die kurze Erwähnung in der “Süddeutschen” durch Julian Nida-Rümelin war die erste Ausnahme – hat es mittlerweile die 5. Auflage erreicht, ist seit 13 Wochen auf der Spiegel-Bestsellerliste(Paperbacks) und eines der meistgelesenen politischen Sachbücher dieses Herbsts. Ähnliches habe ich zuletzt im Frühjahr 2002 erlebt, als von “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.” auch schon ein halbes Dutzend Auflagen erschienen waren, bis das Buch als “Bestseller des Unbehagens” (Spiegel) breitere Erwähnung fand. Jetzt scheinen die “Ansichten eines Putinverstehers” offenbar ebenfalls ein weit verbreitetes Unbehagen zu artikulieren – an der uniforme Gleichförmigkeit und dem verzerrenden Schwarz/Weiß der Berichterstattung des Konflikts um die Ukraine. Und an einer auf Konfrontation ausgerichteten Politik.
Das scheinen jetzt auch Roman Herzog, Gerhard Schröder, Antje Vollmer und zahlreiche andere bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Kultur und Wirtschaft zu sehen, die unter dem Titel “Wieder Krieg in Europa? – Nicht in unserem Namen!” zu einer neuen Entspannungspolitik und einem Dialog mit Russland aufrufen. Nicht nur die Regierung, sondern auch die Medien. In ihrem Appell heißt es:
“Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. Jeder außenpolitisch versierte Journalist wird die Furcht der Russen verstehen, seit NATO-Mitglieder 2008 Georgien und die Ukraine einluden, Mitglieder im Bündnis zu werden. Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen.”
Einige Felder, auf denen eine solche Berichterstattung und Recherchen dringend erforderlich sind – und die zwei freie Autoren allein gar nicht leisten können, die Leitmedien, allen voran die zwangsfinanzierten öffentlich-rechtlichen aber sehr wohl – werden in unserem Buch angesprochen: von den Todeschützen auf dem Maidan, die zu dem gewaltsamen (und verfassungswidrigen!) Umsturz führte, über das Massaker in Odessa bis zum Abschuss der MH 17, die Auslöser für den Wirtschaftskrieg gegen Russland war. Solange diese Verbrechen nicht aufgeklärt sind, solange die Medien dies nicht einmal fordern oder selbst recherchieren, sondern mit Gerüchten darüber Politik und Stimmung gemacht wird – solange kann von “vorurteilsfreier Berichterstattung” in der Tat keine Rede kein.





