Zu den übelsten Zeitgenossen der schreibenden und sendenden Zunft zählen für mich jene Sessel-Strategen und Laptop-Bomber, die aus der sicheren Deckung ihres Schreibtischs zum Krieg hetzen. Im Dritten Reich wurden diese Typen, die kein Gewehr halten oder Granaten werfen konnten, aber wenigstens per Stift Gift verspritzen konnten, den Propaganda-Kompanien zugeteilt. Den “PK”-gestellten Schreiberlingen oblag es dann, den “Feind” als Untermenschen zu dämoniseren, die Soldaten zu motivieren, sich an der Front gefälligst den Arsch aufzureissen, sowie das Volk an der “Heimatfront” mit Jubelarien bzw. Durchhalteparolen bei der Fahne zu halten. Dies alles – aus der wohltemperierten Schreibstube heraus – “ohne Rücksicht auf Verluste”. Ein solcher PK-Offizier alter Schule – Bernd Ulrich – steht bei der “Zeit” seit längerem im Sold und bläst, wenn immer über einen Kriegseinssatz diskutiert wird, zum Durchmarsch an die Front. Dass es heuer nicht mehr um “Volk ohne Raum”, sondern um “Menschrechte”, nicht mehr um Faschismus sondern um “Freiheit” geht macht bei Schreibtischtätern dieses Kalibers keinen Unterschied – damals wie heute ist der bellizistische Tunnelblick sturheil auf eines gerichtet : Krieg! Zivile Konfliktlösungen, Völkerrecht, Legitimität, Ethik ? Derlei Papperlapp erfüllt für die Laptop-Bomber den Tatbestand der Wehrkraftzersetzung: “Bei uns”- klagt Ulrich in der “Zeit” – “gibt es überhaupt keinen relevanten Widerspruch mehr. Alle Parteien übertreffen einander beim Argumentieren gegen ein militärisches Engagement.” Klar, dass man da als Leitartikler dringend zu den Waffen rufen muß – denn: ” Ein Militäreinsatz nützt den Menschen in Syrien mehr als keiner”. Dass die “Menschen in Syrien” da durchaus geteilter Meinung sind und der Rest der Welt, einschließlich der USA, über Nutzen und Ausgang eines solchen Kriegs größte Zweifel hegen – geschenkt, Hauptsache PK-Leutnant Ulrich weiss Bescheid, das muß reichen. Schließlich müssen Menschenrechts-Bellizisten nur einmal “Menschenrechte” rufen und schon sind staatliche Souveränität und sämtliche anderen Rechte global außer Kraft gesetzt.
“Tut der Westen nichts, muss Assad das als Einladung verstehen, weiter Giftgas einzusetzen.” Zwar ist im Westen wie im Osten nach wie vor völlig unklar, wer in Syrien Giftgas eingesetzt hat, selbst die Geheimdienste der Briten, die als Pudel dem imperialen Pittbull USA sonst jederzeit beispringen, hegen größte Skespsis, ebenso wie das US-Militär, und erfahrene US-Geheimdienstler halten die bisher vorliegenden “Beweise” für die Verantwortlichkeit Assads für eine Finte. Doch unser geo-strategischer Durchblicker weiß nicht nur das besser, sondern als Super-Clausewitz natürlich auch, wie Assad sich verhalten wird. “Wenn er bleibt, regiert die Hisbollah mit – und der Iran.” Dann schon lieber der Al Nusra,- und Al Qaida-Front mit der Luftwaffe beispringen und so einem Islamisten-Regime auf die Sprünge helfen ? Die Frage stellt Ulrich selbstverständlich nicht, er weiß ja schon, dass nur Bomben “den Menschen in Syrien” nützen – und die soll es endlich regnen. Dass sie schon in Afghanistan, Irak und Libyen nur insofern nützten als Millionen Leichen produziert wurden und dort auch nicht in Ansätzen irgendetwas von “Demokratie”, “Freiheit” und “Menschenrechten” hinterlassen haben, ist für die Kriegstreiberei unter der Flagge der der Humanität irrelevant. Wen interessieren die falschen Massenvernichtungswaffen von gestern wenn heute schon wieder welche zur Beseitigung anstehen ? Die heroischen Kriegsapologeten von einst, die wie Ernst Jünger die “Stahlgewitter” besangen, in denen sie selbst gestanden hatten, wirken im post-heroischen Zeitalter des Drohnen,-und Bombenkriegs wie Relikte einer längst vergangenen Ära. Doch verglichen mit Sesselpupsern wie Bernd Ulrich wünscht man sich erstere fast schon zurück, während letzterer im Gewitter seines eigenen Abgases doch lieber erstinken möge, anstatt Umwelt und Leser weiter damit zu kontaminieren…