Die konstante Kriegspropaganda

Im Rubikon-Exklusivgespräch diskutiert Walter van Rossum mit den Publizisten Mathias Bröckers und Dirk Pohlmann sowie dem Oberstleutnant a.D. Jürgen Rose über die immer weiter um sich greifende Kriegslust der westlichen Eliten.

Heute sind unsere Eliten von einem Willen zum Krieg berauscht, der uns alle unmittelbar bedroht. Wie gefährlich das alles ist, erläutert der einstige Luftwaffenoffizier Jürgen Rose und vermittelt zugleich ein Bild von der wahren militärischen Lage. Mit Sicherheit werden die Panzerlieferungen, die jetzt allerorten bejubelt werden, nicht über den Ausgang des Krieges entscheiden. Sie werden ihn bloß verlängern. Das wissen die Lieferanten ziemlich genau.

Mathias Bröckers hat kürzlich eine Art Kriegstagebuch veröffentlicht, „Vom Ende der unipolaren Welt“, in dem er erklärt, dass der Westen sich mit diesem Krieg sein eigenes Grab schaufelt. Wie lange dieser Krieg schon vorbereitet wurde, erläutert Dirk Pohlmann.

Unsere einstige Kanzlerin Angela Merkel hat vor ein paar Wochen in der Zeit unmissverständlich zu Protokoll gegeben, dass der Westen keine Sekunde daran gedacht habe, das Abkommen „Minsk 2“ in die Tat umzusetzen. Es sei vielmehr nur darum gegangen, durch dieses Abkommen Zeit zu gewinnen, um die Ukraine militärisch aufzurüsten. Es klang so, als sei ihr und den anderen westlichen Garanten des Abkommens damit ein großer Coup gelungen. (Walter van Rossum)

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 64

Zum Jahresbeginn scheint zwischen Russland und der Ukraine an einem entscheidenden Punkt Einigkeit zu herrschen, nämlich in der Frage, wer hier eigentlich gegen wen kämpft: Moskau gegen Kiew oder Russland gegen die NATO ? “Wir führen heute eine Mission für die NATO durch, ohne ihr Blut zu vergiessen. Wir vergiessen unser Blut und deshalb erwarten wir, dass sie uns Waffen liefern”, sagte der ukrainische Verteidigungsminister Aleksey Reznikov in einem Interview.  Man sei das “Schild der Zivilisation” und “verteidige die gesamte zivilisierte Welt, den gesamten Westen”.
Einer der engsten Berater Putins, Nikolai Patrushev,  sieht die Sache im Kern genauso:  “Die Ereignisse in der Ukraine sind keine Auseinandersetzung zwischen Moskau und Kiew, sondern eine militärische Konfrontation zwischen Russland und der NATO, vor allem den Vereinigten Staaten und Großbritannien “, wird er von Reuters zitiert.  Der offizielle Sprecher des Kreml, Dmitry Peskov,  schloss sich  diesen Ausführungen an.

Jenseits des Atlantiks kriechen die unbestraften Kriegsverbrecher aus ihren wohlbestallten Rattenlöchern und melden sich in Form von Georg W.Bushs Verteidigungsminster und seiner Sicherheitsberaterin – Robert Gates und Condolezza Rice – mit dringenden Mahnungen,  mehr und schwerere Waffen zu liefern und bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen. Auch die meisten europäischen Vasallen, allen voran die deutschen Grünen, sind noch ganz auf der Linie der US-Neocons. Sturheil, als hätte es die mörderischen Desaster der von ihnen veranstalteten “Interventionen” in Irak und Afghanistan usw. usf. nie gegeben, hält man im deutschen Außenministerium an der Parole “Frieden durch Waffenlieferungen” fest. Ganz auf der Linie von A.Merkel, die ja bekundet hat, dass die Nicht-Verhandlungen von “Minsk” nur ein Zeitspiel waren um die ukrainische Armee aufzubauen – für den Stellvertreterkrieg gegen Russland, der 2014 gestartet wurde und, wie Caitlin Johnstone gerade noch einmal gezeigt hat, alles andere als  “unprovoziert” war.

Unterdessen demonstrieren die Russen, wie moderner Artilleriekrieg geführt wird, verschrotten eine westliche Wunderwaffe nach der anderen und de-militarisieren langsam aber sicher nicht nur die Ukraine, sondern auch die NATO. Die Arsenale der nordatlantischen Terrororganisation – kein Militärbündnis hat in den letzten Dekaden mehr Menschenleben auf dem Gewissen als die NATO – leeren sich dramatisch, die EU-Vasallen werden  schon gezwungen, ihr vorletztes Selbstverteidigungs-Hemd dem Schwarzen Loch Ukraine zu opfern. Kann man irgendwo schon darauf wetten, dass dort auch die 5, 10, 20, 50 ?? …deutschen “Leos” verschwinden werden ? Ohne am Ausgang des Krieges etwas zu ändern, aber um weiter an der Eskalationsschraube zu drehen und ihn dauern zu lassen.  Wie es das Konzept des permanenten Kriegs der Bush-Cheney-Wolfowitz-Bande vorsieht und von Rice und Gates, den Ko-Produzenten des Afghanistan- und Irak-Kriegs, jetzt noch einmal bekräftigt wird. Aber wie schon beim Wirtschaftskrieg(“Russland ruinieren!”-A.Baerbock) und an der Front im Donbass (“Russland gehen die Raketen aus!” – seit März 2022) haben diese Schreibtischtäter die Rechnung ohne die Russen gemacht. Die in der industriellen Kriegsführung ziemlich vorne liegen, weil dort wie beim Immobilienkauf nur die drei goldenen Regeln “Lage, Lage, Lage” gelten: Rohstoffe, Rohstoffe, Rohstoffe – Diesel, Strom, Stahl. Aber “zum Glück” – so die britische Presse –  haben die Ruskies bald die letzten Chips aus ihren Waschmaschinen ausgebaut und können keine Raketen mehr steuern oder gar die internationale Raumstation bedienen, während das glorreiche Britannien jetzt (fast) den Weltraum erorbert. 
Laut dem “Global Fire Power Index” liegen die USA 2023 zwar noch knapp vor Russland und China – doch die Kosten für die nur leicht überlegene Feuerkraft sind mehr als 10-mal so hoch wie die russischen. Die Rechnung, wer da den längeren Atem hat, ist einfach. Mit Rüstungsbudgets allein lässt sich kein Krieg gewinnen, so wenig wie mit Propaganda…

Auf dem Boden bricht mittlerweile auch die zweite Verteidigungslinie im Osten zusammen, wo sich die ukrainische Armee seit acht Jahren verbunkert und eingegraben hat und von russischem Dauerfeuer zermürbt und zermahlen wird. Niemand weiß, ob die Russen mit der langsamen, aber effektiven und personalschonenden Methode weiterfahren, aber – so kommentiert (mit passender Musik) der CIA-und State-Department-Veteran Larry Johnson: es scheint sich etwas zusammenzubrauen

In Ukraine, “There’s Something Happening There”

 

Zum Abschuss hier noch Pepe Escobars synoptischer Jahresausblick auf das “New Great Game on Crack”, in dem das Gemetzel in der Ukraine nur einer von vielen Schauplätzen ist:

“2022 endete eine Ära: der endgültige Zusammenbruch der “regelbasierten internationalen Ordnung”, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR geschaffen wurde. Das Imperium bog in die “Desparation Row”  ein und versuchte mit allen Mitteln – Stellvertreterkrieg gegen die Ukraine, AUKUS, Taiwan-Hysterie – das 1991 geschaffene Gefüge zu zerschlagen.
Der Rollback der Globalisierung wird vom Imperium selbst durchgeführt. Das reicht vom Diebstahl des EU-Energiemarktes von Russland, damit die unglücklichen Vasallen extrem teure US-Energie kaufen, bis zur Zerschlagung der gesamten Halbleiter-Lieferkette, die gewaltsam um sich selbst herum neu aufgebaut wird, um China zu “isolieren”.
Der Krieg zwischen der NATO und Russland in der Ukraine ist nur ein Rädchen im Getriebe des New Great Game. Für den Globalen Süden kommt es darauf an, wie Eurasien – und darüber hinaus – seinen Integrationsprozess koordiniert, von BRI bis zur BRICS+-Erweiterung, von der SCO bis zur INSTC, von Opec+ bis zur Greater Eurasia Partnership.
Wir sind wieder so weit, wie die Welt 1914 oder vor 1939 aussah, wenn auch nur in einem begrenzten Sinne. Es gibt eine Vielzahl von Nationen, die um die Ausweitung ihres Einflusses kämpfen, aber alle setzen auf Multipolarität oder “friedliche Modernisierung”, wie Xi Jinping es formulierte, und nicht auf Kriege für immer: China, Russland, Indien, Iran, Indonesien und andere.
Also auf Wiedersehen 1991-2022. Die harte Arbeit beginnt jetzt. Willkommen beim New Great Game auf Crack.”

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Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , ‎ Fifty-Fifty (2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auf ein Gutes Neues

Zum Jahreswechsel habe ich mich vom Nachrichtenstrom mal ein wenig abgeklemmt. Das tut gut. Auch auf Briefe und die vielen emails – mit guten Wünschen, aber auch mit Kritik – habe ich nicht reagiert und kann mich nur pauschal bei allen bedanken, die mir geschrieben haben und für Nicht-Antworten entschuldigen.
Im vergangenen Jahr hatte ich hier mit so  hoher “Schlagzahl”  gepostet, dass aus den Beiträgen schon im Oktober ein ganzes Buch geworden ist. Dieses Tempo werde ich 2023 wohl nicht beibehalten, auch wenn der Niedergang der unipolaren Welt  noch nicht zu Ende ist und der Krieg weiter geht. An den acht Thesen, warum dieser Niedergang unvermeidlich ist, halte ich weiterhin fest; militärisch kann der “Westen” diesen Krieg nicht gewinnen, sondern ihn nur bis zum “letzten Ukrainer” in die Länge ziehen. Das entspricht zwar dem Geschäftsmodell des US-Imperiums Kriege nicht zu “gewinnen”, sondern sie nur in Permanenz zu führen, liegt aber sicher nicht im Interesse Europas. Noch scheinen die europäischen Vasallen aber nicht gemerkt zu haben, vor welchen Karren sie sich haben spannen lassen und dass sie von den anglo-amerikanischen “Partnern” über den Tisch gezogen werden. Wann sie im Aufwachraum wieder zu sich kommen ist eine spannende Frage. Noch wirken sie von den permanenten Propaganda-Infusionen ziemlich zugedröhnt, aber auf Dauer wird sich damit nicht verhindern lassen, dass einer nach dem anderen zu Bewusstsein kommt. Wenn dann klar wird, dass die ukrainische Armee definitiv auf verlorenem Posten steht und der Ruf lauter wird, nicht nur auf Donbass, sondern mit weiter reichenden NATO-Raketen bis nach Russland zu feuern, könnte es gefährlich werden. Nicht für die Russen, die darauf eingestellt sind, sondern in Westeuropa, das sich bei einem Gegenschlag nicht verteidigen kann.
Weil ich so ganz ohne Nachrichten als Ex-News-Junkie auch nicht leben kann, lese ich weiter in Tolstois “Krieg und Frieden”, als der kollektive Westen unter Napoleon Russland besiegen wollte – und parallel dazu aus derselben Zeit die Geschichte einer erfolgreichen Unternehmerin und Witwe, deren Produkt wir zu Sylvester gerade im Glas hatten: Veuve Cliquot. Marie -Luise Wolf erzählt in “Die Unbeirrbare” nicht nur vom abenteuerlichen Leben der Nicole Cliquot, die die Zarenfamilie und  auch Napoleon mit ihrem Champagner belieferte, sondern auch über das Erstaunen des großen Feldherrn über das vollkommen leere und bald  brennende Moskau. So hatte er sich den “Sieg” nicht vorgestellt, der dann ja auch keiner war, sondern in einer vernichtenden Niederlage endete. Zum Jahresbeginn werde ich weiter in diesen 200 Jahre alten Geschichten lesen – und weiterhin auf jeder zweiten Seite erstaunt feststellen, wie aktuell sie sind.
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein gutes neues Jahr, bedanke mich für die Aufmersamkeit und hoffe, dass ihr mir weiter gewogen bleibt.

Kleine Weihnachtsmusik

In der gerichtsmäßigen Verhandlung über die Anerkennung meiner Kriegsdienstverweigerung hatte ich es nicht erwähnt, aber eine wichtige Rolle bei meinem Entschluss, den “Dienst an der Waffe” zu verweigern, hatte ein Lied gespielt, das ich einige Jahre zuvor zum ersten Mal und dann immer wieder gehört hatte: “Universal Solider” von Donovan. In Kombination mit den schrecklichen Bildern aus dem Vietnamkrieg, wo Reisbauern bombardiert wurden um “unsere Freiheit” zu verteidigen,  machte die Botschaft dieses Songs mir klar, dass es in Sachen Krieg eigentlich nur eine Lösung gibt: nicht mitmachen. Das Stück, geschrieben von der Kanadierin Buffy Sainte Mary , war in der Version von Donovan in den deutschen Hitparaden gelandet, seine “philosophische” Message hatte sich als kategorischer Imperativ meinem jugendlichen Hirn unmittelbar erschlossen. Ich weiß nicht, ob es für die heutigen 15/16-jährigen, die ja in noch größerem Ausmaß mit Kriegsbildern und mit Popmusik bombardiert werden, auch noch solche Songs gibt, die sie bei ihrem aktuellen Nachdenken über die Welt begleiten und beeinflussen. Wahrscheinlich schon, auch wenn “Krieg” aktuell kein Thema zu sein scheint für diese Altersgruppe. Wir hatten die Reste des letzten Kriegs noch vor Augen, in Form von Ruinen und Bombenkratern und in Form von schwach re-sozialisierten Nazi-Lehrern als nunmehr Oberstudienräten und waren empfänglich und dankbar für Alternativen, deren Botschaften in Form von Musik kamen und zum Denken anregten, wie Bob Dylans “Back Pages – I was so much older then,  I`m younger than that now” . Oder wie Joe Cockers “With a little help from my friends” 1969 in Woodstock – eine der besten Live-Performances des 20. Jahrhunderts – Visionen einer bessern, friedlicheren Welt evozierten. Die machbar ist. Dachten wir. Wenn wir nur die Arschlöcher einfach rausschmeißen: Kick out the Jams! Die Pioniere aus der MotorCity Detroit – MC5 – haben damals den Punk erfunden und traten im “Beat Club” bei Radio Bremen auf.  Heute jünger als 1969  bleibt die Feststellung: ist nicht so einfach mit dem Rausschmeißen. Aber wir ließen uns nicht mehr verarschen: Won`t get fooled again! Und selbstverständlich: Keine Macht für niemand!
Manchmal kommt es mir so vor, als ob es zu jeder Stimmung, die einen in dieser Zeit erfasste, den passenden Song gab,  der kreative Boom in der Popmusik ab Mitte der 1960er, die “Demokratisierung” des Radios mit dem Casettenrecorder als Plattensammlung des kleinen Mannes… man musste taub sein, um da nicht “seine” Musik zu finden – Who do you love? – oder “unsere”: “Do you feel like I do?“. Was  Beatles, Stones, Kinks, Cream u.a. vorgelegt hatte, erstrahlte in einem Feuerwerk musikalischer Facetten, Nuancen, Varianten, mit Can bis hinein in die kleinste Krautrock-Nische… Kann es sein, dass gigantische kleine Live-Bands  heute nicht mehr gebacken werden, wir also das Glück hatten, mit dem Gold-Standard der Livemusik groß zu werden (Drums, Gitarren, Bass und drei Verstärker) bevor sie zum Stadionrock aufgeblasen wurde: Did you hear about the Midnight Rambler? Nicht nur Performance, sondern auch Töne (der junge Mick Taylor ab 7:20) zum Niederknien. Finden in Kantinen noch Jamsessions statt wie die von “Traffic”: Gimme Some Lovin ? Werden 3-Akkord-Songs noch von epischen Intros eingeführt, symphonischen Präludien, die dann  beethovenartig in einen Hammer-Riff münden – wie hier von Steve Hunter 1970 live zelebriert für Lou Reeds “Sweet Jane” ? Ich weiß es nicht – es waren aufbrechende revolutionäre Zeiten, während es 50 Jahre später eher stagnierend und schwer restaurativ zugeht, und entsprechend dumpf tönt es, wenn ich mal kurz die aktuellen Hitparaden anklicke. Nichts wie weg hier…und back to the Sixties, als es noch kryptische Nazareth-Geschichten mit kommunitären Weihnachtsbotschaften gab:  – ein jeder trage des anderen Last. Seit das Stück von The Band im “Easy Rider”-Soundtrack verewigt wurde zählt es zu meinen All-Time-Favoriten. Und wurde 50 Jahre nach seinem Erscheinen von einer All-Star-Band nochmals eingespielt: Take a Load off Any, take a Load For Free.
Und jeden Tag pfadfindermäßig eine gute Tat. In diesem Sinne, liebe Leserinnen und Leser, Frohe Weihnachten, Happy Holidays und einen Guten Rutsch ins Neue Jahr!

3. JT # 86: Real – Irreal – Hyperreal

Bei dem, was uns die Massenmedien täglich um die Ohren hauen, wird es immer schwieriger, sich ein Bild zu machen. Dabei ist alles noch komplizierter, als man glaubt: Denn neben den irrealen Sachen, die uns als real verkauft werden, gibt es noch jede Menge reale Sachen, die uns völlig irreal erscheinen. Und dabei haben wir noch gar nicht darüber geredet, was Realität überhaupt ist. Fangen wir also an – jetzt in unserer Weihnachts-Sondersendung Das Dritte Jahrtausend #86. Alles Links zur Sendung auf exomagazin.tv

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 63

Auch wenn das Jahrhundertverbrechen vom 11. September 2001 zu meinen “Fachgebieten” gehört und ich  über die Suche nach der Wahrheit drei Bücher mit mehr als 1.000 Seiten geschrieben habe, gibt es einige Forscher, die sich noch weitaus hartnäckiger mit der Dekonstruktion der offiziellen Legende – dem Räubermärchen von Osama und den 19 Teppichmessern als Alleintätern – beschäftigt haben. Der hervorragendste unter ihnen, David Ray Griffin, hat am 26.  November im Alter von 83 Jahren die Erde verlassen. Als Professor der Religionsphilosophie und Theologie in Clearmont hatte er vor 50 Jahren mit einem Kollegen ein “Zentrum für Prozess Studien” gegründet, das in Anlehnung an die Philosophie von Alfred North Whitehead die Abkehr von einem mechanistischen Materialismus winziger, statischer Bauklötze propagierte, zu einem Denken der Welt in zusammenhängenden, ereignishaften “Prozessen”. Metaphysischen Problemen- den Fragen nach “Wahrheit”, nach “Gott” – auf rationale, kohärente Weise näher zu kommen, war das Ziel von “Prozess-Theologen” wie David Ray Griffin. Und so methodisch wie an derart “letzte Fragen”, so wissenschaftlich strukturiert ging er dann nach 9/11 auf die Suche nach den Fakten hinter dem 9/11 Mythos der Alleintäterschaft von “Al Qaida”, die er wie viele anfangs gar nicht bezweifelt hatte.
Dann aber, aufgerüttelt von den ersten Blogs und Publikationen über die haarsträubenden Ungereimtheiten und Nicht-Ermittlungen in diesem Fall, hat David Griffin wie kein anderer daran gearbeitet, sie zu dokumentieren – in mehr als einem Dutzend Büchern, die auch auf deutsch erschienen sind , und 2018 als Leiter des 9/11 “Consensus Panel”mit 23 Forschern die  Kategorien auflistete, in denen die Faktenlage der offiziellen Version klar widerspricht:

Die Zerstörung der Twin Towers (1),
Die Zerstörung des WTC 7 (2),
Der Angriff auf das Pentagon (3),
Die 9/11-Flüge (4),
Die Anrufe aus den 9/11-Flügen (5),
Die Militärübungen (6),
Das Verhalten der Militär- und Politikführung (7),
Osama Bin Laden und die »Hijacker« (8)
Das Insider Trading an den Börsen (9).

Die Indizien zu jedem dieser Punkte entlarven das offizielle 9/11-Narrativ als gigantischen Schwindel, als schicksalhafte Mutter aller Fake News des 21. Jahrhunderts, die fruchtbarer denn je scheint und aus deren Schoß immer neue Lügen-Monster kriechen (“Killervirus”, “Killerrussen”) und die Welt in den Krieg treiben. Umso wichtiger sind unbestechliche Aufklärer, die sich von Diffamierungen als “Verschwörungstheoretiker” nicht irre machen lassen. Und nicht daran verzweifeln, dass sie als Forscher und Dokumentaristen nicht mehr tun können, als die Indizien für den “Inside Job” 9/11 und die Spuren zu den Tätern und Hintermännern offenzulegen, doch keine Möglichkeit haben, sie weiter zu verfolgen, zu ermitteln und zur Anklage zu bringen. Das können nur Staatsanwälte, Polizei und Gerichte und so lange sie es nicht tun, wird der Massenmord vom 11.9.2001 ungesühnt bleiben und die Ermittlung der Wahrheit über 9/11 den Historikern der Zukunft vorbehalten. Dass sie dabei zuallererst auf das umfangreiche und bestens dokumentierte Werk eines gelernten Theologen und Philosophen zurückgreifen werden, wäre keine Überraschung: schon in den vorigen Jahrhunderten waren es Wahrheitssucher aus diesem Berufsstand, die die großen Tabus und Dogmen erschütterten. Und im 21. Jahrhundert hat an dem Glaubensbekenntnis des sogenannten “freien Westens”, am 9/11-Tabu und den Dogmen der “Church of Free Fall” niemand heftiger gerüttelt als David Ray Griffin. 
Ein Nachruf auf einen führenden 9/11-Forscher passt also Notiz vom “Ende der unipolaren Welt” : 9/11 fungierte als Schlachtruf für das letzte Aufbäumen des US-Imperiums, als Fanal  für die letzte große Schlacht zur  Erringung der Weltherrschaft.  Für die Behauptung, dass es sich dabei um einen “gerechten” Verteidigungskrieg handelt, ist das Märchen eines überraschenden äußeren Angriff unabdingbar und muss als Wirklichkeit herhalten, solange dieser imperialitische Krieg…gegen Terroristen/Islamisten/Russen/Chinesen/name it…weiter geht.


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Nach der Partei der Linken hatte auch die AfD eine Anfrage an die Bundesregierung über den Anschlag auf die Nordstream-Pipeline gestellt, doch das merkwürdige Desinteresse an Ermittlung und Aufklärung der Täterschaft hält an. Hier zwei aktuelle Beiträge dazu:

Wer verübte Nord-Stream-Anschlag? Bundesregierung mauert noch immer und verweist auf „Geheimhaltungsinteresse“

Bundesregierung verweigert Antworten auf Fragen zur Nord-Stream-Sprengung

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 62

Präsident Putin hat  Kanzler Scholz am Freitag am Telefon noch einmal erklärt, dass die Raketenangriffe auf die ukrainische Energieversorgung als Antwort auf die Angriffe ziviler russischer Infrastruktur wie die Krim-Brücke und die Nordstream-Pipelines zu verstehen sind. Auf der Berliner Sicherheitskonferenz sagte  Scholz dennoch, dass Russland „diesen Krieg nicht mehr gewinnen“ kann und kündigte den Einkauf von F-35 Kampfjets an. Woher er diese Siegeszuversicht nimmt ist unklar, an den überteuerten Stealth-Kampfjets  kann es eigentlich nicht liegen. Um eine russische S-400 Abwehrbatterie zu eliminieren braucht es etwa ein Dutzend F-35 von denen 11 nicht wieder nach Hause kommen, las ich unlängst in einem Military-Blog, aber selbst wenn nur 8 oder 9 von 12 Jets getroffen werden: eine F-35 kostet jetzt 100 Millionen Dollar (im vergangenen März waren es angeblich noch 80 Mio.), und das gesamte Paket von 35 Maschinen inklusive Munition und Support, das Scholz kaufen will,  soll laut Haushaltsausschuss mit  schlappen 9,9 Milliarden zu Buche schlagen. Da Russland über mindestens 50 “IADS” (Integrated Air Defense Systeme) verfügt, die den vermeintlichen Tarnkappen-Bomber schon in 200 km Entfernung sichten, würde die F-35-Flotte der Bundesluftwaffe bei einem Einsatz in der Ukraine in zwei, drei Tagen verschrottet. Auch wenn die Maschinen sicherer fliegen als der einstige “Witwenmacher” F-104 scheint dieser Deal ein wenig zu riechen wie seinerzeit die “Starfighter”-Affäre….

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Das Ursula von der Leyen die dümmste Verteidigungsministerin in der Geschichte der Bundeswehr war, ist weitgehend unbestritten, insofern wundert es nicht, dass sie diese Top-Platzierung nun auch in der Rolle der EU – Kommissarin einnimmt. John Helmer berichtet dazu aus Moskau:

“Seit Beginn des Krieges im Februar hat von der Leyen bis zum 30. November kein einziges wahres Wort gesagt, bis sie bekannt gab, dass die Zahl der ukrainischen militärischen Todesopfer mehr als 100.000 und die der zivilen Todesopfer mehr als 20.000 betragen hat. Innerhalb weniger Stunden wurden diese Zahlen aus dem veröffentlichten Protokoll ihrer Rede entfernt. Von der Leyens Eingeständnis implizierte, dass die Zahl der ukrainischen Verwundeten mehr als 300.000 beträgt und dass die Summe der militärischen und zivilen Opfer bereits eine halbe Million erreicht hat. Von der Leyen bestätigte damit die russischen Schätzungen und widersprach der Propaganda des Kiewer Regimes.
Im September kündigte von der Leyen ihre Unterstützung für eine Preisobergrenze für den internationalen Handel mit russischem Pipelinegas und Flüssigerdgas (LNG) an. Im vergangenen Monat erklärte sie, die Europäische Union sei “bereit, eine Preisobergrenze für russische Ölexporte einzuführen”.
Der europäische und asiatische Gas- und Ölhandel widerspricht jedoch nicht nur den Behauptungen von der Leyens, sondern zeigt auch, dass er von ihren öffentlichen Lügen profitiert. Auf dem Gasmarkt gibt es neue Beweise dafür, dass die französische, die niederländische und die belgische Regierung den Kauf von Rekordmengen an importiertem russischem Flüssiggas (LNG) und den Reexport dieses Gases mit Gewinn in andere europäische Staaten, darunter auch Deutschland, zulassen. Die Arbitrage – d. h. der Gewinn aus dem Kauf von russischem LNG zum russischen Verkaufspreis und dem anschließenden Weiterverkauf mit einem Aufschlag an europäische Verbraucher – ist so lukrativ, dass die Chinesen ihre vertraglich vereinbarten Mengen an russischem LNG nach Europa umleiten. Olga Samofalova, die Energiemarktanalystin von Vzglyad , berichtete gestern darüber, wie die Märkte die Sanktionen überwinden. (weiterlesen hier)

Dass der “Ölpreisdeckel”, den von der Leyen propagiert und der heute in Kraft tritt ebenso nach hinten losgeht (d.h. nicht Europa, sondern vorallem den USA nützt),wie die anderen EU-Sanktionen “aus der Hölle”,  ist absehbar.

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Was im Krieg gegen Russland schon den Truppen Napoleons und Hitlers widerfuhr, scheint jetzt auch den unter NATO-Regie operierenden Soldaten in der Ukraine zu blühen: wenn Väterchen Frost und General Winter das Regiment übernehmen, taugt diee westliche Ausrüstung nicht mehr. Der Telegram-Kanal Intelslava meldet:

“Aufgrund des Temperatursturzes im Bezirk Bakhmut hat sich das Problem mit Ersatzteilen und Gummi für ausländische Ausrüstung für die Streitkräfte der Ukraine verschärft, worüber die Militärchronik bereits berichtete. Tagsüber wird der unpassierbare Schlamm durch starken Frost ersetzt, was den Einsatz der gepanzerten Radfahrzeuge MaxxPro, Bushmaster, Sisu und Kirpi erschwert. Für die Lieferung von Munition, Medikamenten und Lebensmitteln an die Garnison der Stadt verwenden die ukrainischen Bodentruppen sowjetische gepanzerte Mannschaftstransportwagen MT-LB, die in den Regionen Dnepropetrowsk und Charkow ausgelagert waren.”

Aber nächste Woche soll es etwas tauen, dann soll laut NATO wieder angegriffen werden. Auf dass ein weiterer “ukrainischer Sieg” verkündet werden kann. Über diese Siege im “Goldlöckchen-Krieg” hat Dmitry Orlov, dessen “Lehre vom Kollaps” ich vor zwei Jahren übersetzt habe, gerade einen  sehr schönen Essay geschrieben. Hier ein kleiner Auszug:

Fairerweise muss man sagen, dass das taktische Katz-und-Maus-Spiel der Russen in diesem Konflikt nichts weniger als ärgerlich war. Die Russen haben einige Zeit damit verbracht, Kiew zu umzingeln, um die ukrainischen Truppen vom Donbass wegzulocken und einen ukrainischen Angriff auf den Donbass zu verhindern; als das geschafft war, zogen sie sich zurück. Ein großer ukrainischer Sieg! Sie verbrachten auch einige Zeit damit, die Schwarzmeerküste bei Odessa zu umrunden und mit einer Invasion auf dem Seeweg zu drohen, um die ukrainischen Truppen in diese Richtung abzulenken, griffen aber nie ein. Ein weiterer ukrainischer Sieg! Die Russen besetzten einen großen Teil der Region Charkow, den die Ukrainer weitgehend unverteidigt ließen, und zogen sich dann, als die Ukrainer endlich auf sie aufmerksam wurden, teilweise hinter einen Fluss zurück, um Ressourcen zu sparen. Ein weiterer ukrainischer Sieg! Die Russen besetzten/befreiten die Regionalhauptstadt Cherson, evakuierten alle Menschen, die evakuiert werden wollten, und zogen sich dann in eine verteidigungsfähige Stellung hinter einem Fluss zurück. Wieder ein Sieg! Bei all diesen ukrainischen Siegen ist es wirklich ein Wunder, dass es den Russen gelungen ist, etwa 100 km2 des wertvollsten Grundbesitzes der ehemaligen Ukraine zu erobern, über 6 Millionen Einwohner zu gewinnen, einen Landweg zur Krim zu sichern und einen lebenswichtigen Kanal zu öffnen, der die Krim mit Bewässerungswasser versorgt und den die Ukrainer vor einigen Jahren blockiert hatten. Das sieht ganz und gar nicht wie eine Niederlage aus, sondern wie ein hervorragendes Ergebnis einer einzigen, begrenzten Sommerkampagne.
Russland hat bereits mehrere seiner strategischen Ziele erreicht; der Rest kann warten. Wie lange sollten sie warten? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir über den begrenzten Rahmen von Russlands Sondereinsatz in der Ukraine hinausblicken. Russland hat größere Fische zu braten, und Fische zu braten braucht Zeit, weil der Verzehr von unzureichend gekochtem Fisch unangenehme Parasiten wie Bandwürmer und Leberegel verursachen kann. Deshalb möchte ich Sie in die geheime Küche Mütterchen Russlands einladen, um zu sehen, was auf dem Schneidebrett liegt, und um abzuschätzen, wie viel thermische Verarbeitung nötig ist, um daraus eine sichere und nahrhafte Mahlzeit zu machen.”

Wer zu wenig Englisch kann, sollte den ganzen Text in automatischer Übersetzung lesen. Es lohnt sich….

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Wäre der Skandal um das Laptop und die Korruption von Hunter Biden von den Großmedien nicht als “russische Desinformation” verkauft und verfälscht worden und hätte “Twitter” den ausführlichen Bericht der “New York Post” nicht gnadenlos zensiert, wäre sein Vater Joe Biden heute wahrscheinlich nicht Präsident. Weil soviel Sex, Drugs & Crime in der Familie eines Staatsoberhaupts eigentlich nur  nur noch in 110-prozentigen Bananenrepubliken durchgeht. So aber wurde der Fall in den Russiagate-gestählten Großmedien ohne mit der Wimper zu zucken als Fake-News deklariert und unter dem Teppich gehalten, bis “Sleepy Joe” gewählt war. Jetzt hat der neue Twitter Chef Elon Musk Dokumente freigegeben, die belegen, wie die Zensur vonstatten ging. Es war anfangs gar nicht die Geschäftsleitung, es war die Schere im Kopf der “liberalen” Mitarbeiter, die zensierten, weil sie den mißliebigen Kandiaten Trump verhindern wollten. Vom FBI hatte Twitter ebenso wie  Facebook zuvor die “Warnung”  erhalten, dass es sich bei der Laptop-Story um russische Propaganda handelt.

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Seit Chile 1962 verfolge ich die Weltmeisterschaften im Fußball und dass sie dieses Mal in einer korrupten Feudalmonarchie stattfinden, kann daran nichts ändern. Dass die Deutschen nur mit ihrer affigen Mundhalte-Geste statt mit gutem Fußball auffielen und schnell ausschieden, war nach der kläglichen Performance bei der WM 2018 und der EM 2020 keine Überraschung. Auch wenn Manuel Neuer komplett in Regenbogenfarben und “One Love”-Röckchen eingelaufen wäre hätte es nichts geholfen. Wer im Vorfeld als  Mannschaft  mehr mit Armbinden und Wokeness zu tun hat als mit dem nächsten Spiel, fliegt halt raus. Ganz so, wie Deutschland bei den geopolitischen Weltmeisterschaften mit seiner “feministischen Außenpolitik” gerade rausfliegt und  hinter dem Eisernen Vorhang als Kolonie künftig nur noch in der zweiten US-Liga kicken kann. Die WM-Gastgeber –  wie die Abbildung oben zeigt – haben die woke Gurkentruppe aus Germany immerhin politisch korrekt verabschiedet….

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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , ‎ Fifty-Fifty (2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

3. JT #85: China Zero

Die Chinesen haben es satt und protestieren nicht nur gegen die Corona-Maßnahmen sondern sogar gegen die Kommunistische Partei. Wie geht das weiter? Außerdem: Das deutsche Außenministerium setzt in Zukunft auf Krawall mit China und verschärft den Konflikt um Taiwan. Währenddessen bauen die nicht-westlichen Nationen weiter an einem internationalen Zahlungssystem jenseits des US-Dollars. Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer und Mathias Bröckers in Ausgabe #85 des 3. Jahrtausends.

Abschied von der unipolaren Welt

Auf Rubikon ist vergangene Woche ein Auszug aus meinem neuen Buch erschienen:

“Ob Moralpredigten ankommen, hängt sehr stark auch von der Glaubwürdigkeit der Moralisten ab. Das westliche Bündnis hat nach unzähligen Kriegen, die allesamt in den betroffenen Ländern Chaos und Leid verursacht haben, sehr viel an Kredit eingebüßt. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks träumte man teilweise von einem Ende der Geschichte. Gemeint war eine stabile, nicht mehr veränderliche Ordnung, die auf dem einseitigen Diktat der „freien Welt“ beruhen sollte. Eine solche sei durch die Überlegenheit westlicher Werte, aber auch durch die Unbesiegbarkeit des NATO-Bündnisses gewährleistet. Für eine solche Zukunftsvision sind spätestens mit dem Russland-Ukraine-Krieg die Grundlagen weggebrochen. Nicht nur die Moralvorstellungen des Westens sind obsolet geworden, auch die Fähigkeit des Bündnisses, diese global durchzusetzen, schwindet. Der Autor erklärt hier in acht knappen Thesen schlüssig, warum gerade die Geschehnisse des aktuellen Krieges in dieser Beziehung einen historischen Wendepunkt markieren. Exklusivabdruck aus der Einleitung des Buches „Vom Ende der unipolaren Welt: Warum ich gegen Krieg, aber noch immer ‚Putinversteher‘ bin“.

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„Das Glück ist immer auf der Seite der großen Bataillone“ — die auch vom Preußenkönig Friedrich II. überlieferte französische Redensart muss im 21. Jahrhundert umformuliert werden. Nachdem The (Real) Revolution in Military Affairs stattgefunden hat, so das gleichnamige Buch von Andrei Martyanov (2019), ist das Kriegsglück jetzt auf der Seite der „hypersonischen Waffen“: Präzisionsraketen, die aufgrund ihrer extremen Geschwindigkeit von keinem Luftabwehrsystem abgefangen werden können und ihr Ziel aus Tausenden Kilometern Entfernung auf den Meter genau treffen. Da nur Russland (und demnächst auch China) über solche Waffen verfügt — und ganz abgesehen davon, dass diese Raketen auch mit Nuklearsprengköpfen ausgestattet sein können —, sind USA und NATO in jeder direkten militärischen Auseinandersetzung unterlegen. Auch ihre vielfach größeren Bataillone können da nicht helfen. Selbst ein massiver nuklearer „Erstschlag“ auf Moskau und Sankt Petersburg kann eine durchschlagende Antwort auf Washington, New York oder London nicht verhindern — gegenseitige Vernichtung ist garantiert. Oder besser: war garantiert. Denn die überlegenen Luftverteidigungssysteme (S-400/S-500) können den russischen Luftraum für ballistische Raketen schließen und den „Erstschlag“ höchstwahrscheinlich abfangen. Doch auf den russischen Gegenschlag gibt es im Westen keine Verteidigung. Deshalb kann und wird die NATO in der Ukraine militärisch nicht direkt eingreifen.

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Mit der Ankunft hypersonischer Präzisionswaffen auf dem Schlachtfeld — im Rahmen der russischen „Militäroperation“ in der Ukraine wurden solche „Kinschal“-Raketen erstmals eingesetzt — verändert sich die militärische Lage für das US-Imperium grundsätzlich und dramatisch. Nicht nur ist die Doktrin militärischer „Full Spectrum Dominance“ des Globus haltlos geworden, erstmals in seiner Geschichte ist das „Homeland“ der USA selbst nicht mehr sicher. Aus ihrer günstigen Lage — „Die Amerikaner sind ein sehr glückliches Volk. Sie sind im Norden und Süden von schwachen Nachbarn umgeben und im Osten und Westen von Fischen“, hatte sie einst Otto von Bismarck angeblich mal umschrieben — können sie keinen Gewinn mehr ziehen. Das Zeitalter der „billigen Kriege“ und von Gegnern, vor denen man zu Hause nichts zu befürchten hatte, ist vorbei und wird nicht wiederkehren. Deshalb wird Russland mit seinen wohl noch auf längere Zeit unbesiegbaren Waffen seine im Dezember 2021 in Washington vorgebrachten Sicherheitsinteressen — militärische Neutralität der Ukraine, Rückzug von NATO-Mittelstrecken Raketen aus Osteuropa — so lange mit „militärisch-technischen Mitteln“ durchsetzen, bis wasserdichte und schusssichere Verträge darüber vorliegen. Die USA können diesen Prozess in die Länge ziehen, indem sie weiter „bis zum letzten Ukrainer“ (oder Europäer) kämpfen lassen, doch verhindern sie können sie ihn nicht.

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Die geopolitische Strategie des kollektiven Westens — mit dem Ukrainekonflikt und wirtschaftlichen Sanktionen einen Regime Change in Moskau herbeizuführen und dann den „Endgegner“ China anzugehen — ist zum Scheitern verurteilt. Die Sanktionen haben sich schon jetzt als gefährlicher Bumerang erwiesen, weil sie Europa stärker treffen als Russland, das international keineswegs isoliert, sondern jenseits von NATOstan (in etwa 15 Prozent der Weltbevölkerung) mit dem Rest der Welt weiter bestens im Geschäft ist und mit China wirtschaftlich und militärisch so eng zusammenarbeitet wie nie zuvor. Gegen den Rohstoff-Giganten Russland — es verfügt über mehr als ein Drittel aller fossilen Energien und Rohstoffe der Erde — und die mit ihm vereinte weltgrößte Hightech-Werkstatt China einen Krieg gewinnen zu wollen, ist eine selbstmörderische Illusion.

Mit der absehbaren militärischen Niederlage in der Ukraine ist ein entscheidender geopolitischer Wendepunkt markiert: das Ende einer von Washington diktierten und militärisch durchsetzbaren „regelbasierten internationalen Ordnung“. Und damit auch ein Ende der Rolle des „Petrodollars“ als erzwungener internationaler Reservewährung sowie des US-Dollars als „billigem Geld“, das in Unmengen gedruckt werden konnte, ohne an Wert zu verlieren, weil die ganze Welt, um ihr Öl und Gas zu bezahlen, für stetige Dollar-Nachfrage sorgte. Die letzten beiden Staatsmänner, die das Petro-Dollar-Monopol brachen und ihr Öl gegen Landeswährung anboten — Iraks ehemaliger Staatspräsident Saddam Hussein und Libyens ehemaliges Staatsoberhaupt Muammar al-Gaddafi — konnten von NATOstan noch weggebombt werden. Das ist jetzt nicht mehr möglich. Schon zahlt etwa Indien sein Öl in Rubel gegen Rupien und weitere Länder werden dem Beispiel folgen. Ein alternatives globales Geld- und Finanzsystem mit einer rohstoff- und goldgedeckten internationalen Währung ist im Entstehen begriffen, das die globale Alleinherrschaft des Dollars und des westlichen Finanzkapitals beenden wird.

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Eine Europäische Union (EU), die sich auf Befehl der USA selbst stranguliert und von billiger Energiezufuhr aus Russland abschneidet, gibt nicht nur ihre wirtschaftliche Zukunft auf, sondern auch jede Souveränität. Sobald der Bumerangeffekt der Sanktionen richtig zuschlägt — bisher hat Russland seine „Energiewaffe“ noch gar nicht eingesetzt und beliefert Deutschland über die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1 vertragsgemäß weiter — müssen sich vor allem die großen europäischen Nationen fragen, ob sie sich einem Schicksal als abgehängte Kolonien des US-Imperiums wirklich ergeben wollen. Und wenn ja, wie sie als Regierende ihren arbeitslosen, verarmenden, frierenden Bürgern eine derart aussichtslose Zukunft verkaufen können, ohne mit Schande aus dem Amt gejagt zu werden. Dass „Freiheit und Demokratie“ jetzt für die nächsten 20 Jahre statt am Hindukusch am Donbass verteidigt werden müssen, wird ihnen niemand mehr abkaufen. Eine EU ohne billige russische Rohstoffe ist global nicht wettbewerbsfähig und wird auseinanderfallen. Die Nationen werden sich entscheiden müssen: für den permanenten Krieg als Vasallen Washingtons, mit dem Ziel Regime Change in Moskau und Peking; oder für Handel und Wandel mit Russland und Eurasien, mit dem Ziel eines neuen Sicherheits- und Friedensvertrags in Europa.

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Weil im ersten Kalten Krieg die militärischen und wirtschaftlichen Fähigkeiten der Sowjetunion im Westen regelmäßig überschätzt wurden, kam ihr Zusammenbruch 1990/91 völlig überraschend. Der Kreml-Propaganda war es über Jahre gelungen, negative Entwicklungen schlicht unter dem Teppich zu halten. Im nunmehr neuen Kalten Krieg hat sich die Lage grundlegend verändert: Russland wird militärisch und wirtschaftlich heftig unterschätzt und die USA sind in einen Modus permanenter Erschaffung „alternativer“ Realitäten verfallen, gegen den die gute alte Sowjetpropaganda geradezu verblasst. „Russiagate“ zum Beispiel, die von A bis Z erfundene Story, dass Donald Trump von Wladimir Putin erpresst und die US-Wahl von unsichtbaren „russischen Hackern“ manipuliert wird, wurde fünf Jahre lang über alle Kanäle als Wirklichkeit präsentiert, samt Hillary Clinton, die so die „Putin = Hitler“-Gleichung schon 2016 in die Welt setzen konnte. Nicht nur die Medien waren in tragender Rolle als „Lügenpresse“ in die Scharade involviert, auch Geheimdienste, FBI und der US-Kongress spielten ungeniert mit. Mit dieser faktenfreien Fake-News- Kampagne wurde der Grundstein für das antirussische Narrativ gelegt, das mit der Zuspitzung des Ukrainekonflikts dann in den Turbomodus überführt wurde. In dem dann die beispiellose Sanktionskampagne startete, die aber auf einer weiteren Fehleinschätzung der Fähigkeiten Russlands beruhte. Dieses Mal einer groben Unterschätzung: Völlig überraschend für die US-Thinktanker und „Experten“ stellte sich heraus, dass sich die russische Wirtschaft und der Rubel nicht durch „Einfrieren“ (vulgo: Diebstahl) der russischen Dollar- und Euro-Reserven einfach ruinieren lässt. Russland hat trotz Sanktionen in den ersten fünf Monaten 2022 um 50 Prozent mehr mit dem Export von Öl und Gas eingenommen als im Vorjahreszeitraum und wird auch fortan unter den Sanktionen weitaus weniger leiden als der Westen. Und der Rubel, den Joe Biden zu „Rubble“ (deutsch: „Schutt“) zertrümmern wollte, ist die stärkste Währung des Jahres 2022.

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Dass die NATO schon lange kein „Verteidigungsbündnis“ mehr ist, sondern seit 1999 mit Angriffskriegen mehr Verwüstung und Katastrophen gestiftet hat als jedes andere Militärbündnis, ist keine russische Verschwörungstheorie, sondern historische Tatsache. Wie von Jugoslawien gingen auch vom Irak, von Libyen, Syrien oder zuletzt Afghanistan keine Gefahren für die USA oder Europa aus — und dennoch „verteidigte“ die NATO dort kräftig mit, als Vasall der geopolitischen Interessen des US-Imperiums.

Diese angeblich zwecks Verbreitung von „Demokratie“, „Freiheit“ und „Menschenrechten“ geführten Kriege haben nichts als mörderisches Chaos angerichtet und dazu geführt, dass es etwa in Libyen — dem zuvor prosperierendsten Land Afrikas — mittlerweile wieder offene Sklavenmärkte gibt.

Und jetzt in der Ukraine Bataillone lupenreiner Nazis, die von der NATO trainiert und aufgerüstet wurden, um als Speerspitze den Kampf gegen Russland und gegen die russischsprachigen Ukrainer in der Donbass-Region zu führen. Diese Angriffe, die seit 2014 mehr als 13.000 zivile Opfer gefordert haben, zu beenden, ist das erklärte Ziel der sogenannten russischen „Militäroperation“, das mutmaßlich bald erreicht sein wird, da die ukrainische Armee derzeit (Mitte Juni 2022) täglich 500 getötete oder verletzte Soldaten verliert. Für die NATO, die diese Armee und den Krieg mit allen Mitteln (außer mit Bodentruppen) unterstützt und sich — gerade von einer Barfußtruppe aus Afghanistan vertrieben — dank der russischen Intervention wieder „vereint wie nie“ fühlt, würde dies eine weitere, demütigende Niederlage bedeuten. Weil Russland seine Sicherheitsinteressen nicht nur in der Ukraine, sondern auch in den Nachbarländern notfalls „militärisch-technisch“ durchsetzen wird — und die NATO nichts dagegen unternehmen kann —, macht sie sich als „Schutzmacht“ definitiv überflüssig. Und damit macht sie zugleich den Weg frei für eine neue Sicherheitsarchitektur für Europa und Asien, die von Lissabon bis Peking reicht.

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Nicht die „Ostpolitik“ von Willy Brandt und Egon Bahr („Wandel durch Annäherung“), die von dumpfen Bellizisten derzeit als „historischer Fehler“ beschimpft wird, war falsch, sondern die Politik der USA, ihre Raketen um jeden Preis, auch um den eines Kriegs, in der Ukraine aufzustellen. Nicht Russlands Drängen auf eine Wiedervereinigung nach den Minsk-Abkommen war der historische Fehler, sondern die Ignoranz gegenüber russischen Sicherheitsbedenken und die Aufrüstung der Ukraine. Und nicht die zuverlässige, nahe liegende und günstige Versorgung Deutschlands mit russischem Öl und Gas ist der „Jahrhundertfehler“ (Der Spiegel), sondern die angloamerikanische Strategie das Zusammenwachsen Eurasiens, besonders eine deutsch-russische Kooperation, zu verhindern. Zweimal ist das im vergangenen Jahrhundert gelungen, um den Preis zweier Weltkriege.

Wenn Europa nicht erneut zum Schlachtfeld eines Weltkriegs werden will, darf es sich nicht länger vor den Karren dieser geopolitischen Strategie spannen lassen. Ihr Scheitern ist mit dem russischen Einmarsch in der Ukraine evident geworden.

Es markiert das Ende der unipolaren Welt und dem von den amerikanischen Neokonservativen seit drei Jahrzehnten betriebenen Projekt, in jeder Region der Welt über die militärische Vormachtstellung zu verfügen, die jede aufstrebende Macht zur Unterwerfung zwingt. Damit ebenfalls beendet wird die Hegemonie des von der Wall Street und der City of London kontrollierten Finanzkapitals und der globalen Währungspolitik. Mit der gold- und rohstoffgedeckten Verrechnungseinheit auf Rubel/Yuan-Basis entsteht für 85 Prozent der Welt eine höchst willkommene Alternative zum schuldenbasierten FIAT-Money, den Dollars und Euros der westlichen Hemisphäre.

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„Ich bin nicht sicher, mit welchen Waffen der dritte Weltkrieg ausgetragen wird, aber im vierten Weltkrieg werden sie mit Stöcken und Steinen kämpfen“, hat Albert Einstein gesagt. Heute, da wir über das verfügbare Arsenal ziemlich sicher sind, ist seine Warnung dringlicher denn je. Wem es um ein Ende des Konflikts geht, darf keine Waffen liefern, wer das Leid der Menschen in der Ukraine beenden will, muss verhandeln statt schießen, wer Frieden will, darf nicht dem Plan der angloamerikanischen Geostrategen folgen, den Russen in der Ukraine „ihr Afghanistan“ zu bereiten und sie in einen endlosen Guerillakrieg zu verwickeln. Und schon gar nicht darf er sich dazu — zumal als Deutscher — mit lupenreinen Nazis des Asow-Regiments verbünden. Und sollte sich fragen, was eigentlich verdammt noch mal gegen die Sicherheitsforderungen Russlands — eine militärisch neutrale Ukraine — spricht. Und warum man diese nicht ernst nehmen und um des lieben Friedens willen endlich akzeptieren kann. Bis es so weit ist, bleibe ich „Putinversteher“ und bitte alle NATO-Versteher und Freunde der Jugoslawien-, Irak-, Libyen-, Syrien- und Afghanistan- Kriege, ihre Position zu überdenken. Peace!

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Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , ‎ Fifty-Fifty (2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

Mathias bröckers