“Eigentlich ist der 2.Weltkrieg noch nicht zu Ende, wir hatten nur seit 1945 einen Waffenstillstand.” Als diese Bemerkung unlängst in einer Runde fiel, hatten wir nicht weiter darüber gesprochen, als ich später darüber nachdachte schien mir die Perspektive aber gar nicht so falsch. Nicht zufällig wurde diese lange Waffenstillstandsphase “Kalter Krieg” genannt, denn ein Krieg war es ja durchaus, nur dass man entlang der Frontlinie und ihren Hotspots wie der Berliner Mauer nicht mehr dauernd herumfeuerte. Dank der vernünftigen Außenpolitik von Willy Brandt und Egon Bahr (“Wandel durch Annäherung”) waren für die eingeschlossenen Westberliner bald auch gefahrloser Transit und Besuche im “Feindesland” gegen Eintrittsgeld (“Zwangsumtausch”) möglich; und dank Gorbatschow konnte dann 1989 die gesamte Front begradigt und die Grenze abgeschafft werden.
Ein “Weltfrieden” war damals greifbar nahe, aber das US-Imperium hatte leider andere Pläne. Ein Friedensvertrag zwischen Deutschland und Russland wurde nicht geschlossen, stattdessen die osteuropäischen Länder in Windeseile mit Geld und EU-Beitritt geködert, um sie dann zwecks Fortsetzung des Kriegs zu NATO- Frontstaaten aufzurüsten. Bis Russland vor einem Jahr diesen Vormarsch mit seiner “Speziellen Militäroperation” in der Ukraine stoppte. Seitdem geht an der neuen Frontlinie in der Ostukraine der Krieg weiter. Und wie vor 100 Jahren, als die anglo-amerikanischen Eliten zuerst Mussolini und dann Hitler finanzierten und förderten, um sie gegen die Sowjetunion in Stellung zu bringen – und militärisch erst nach vier Jahren Krieg ernsthaft eingriffen, weil die Rote Armee sonst bis zum Rhein durchmarschiert wäre – werden auch jetzt wieder Vasallen in die Schlacht gehetzt. Anders als damals stehen sich aber im Hintergrund zwei Atommächte mit dem Potential globaler nuklearer Zerstörung gegenüber, sodass es, denke ich, zu einem finalen Showdown nicht kommen wird, weshalb das Artillerie-Gemetzel in der Ukraine dann auch eher wie die “Stahlgewitter” im Ersten Weltkrieg anmutet. Wobei die aktuelle anti-russische Koalition des kollektiven Westens sogar noch auf das Jahr 1901 zurückgeht, wie wir schon im letzten April hier (Notizen # 18) anhand der Grafik des US-Satiremagazins “Puck” notiert hatten. Mit dem Hinweis, dass sich heute nicht mehr blanker Säbel und Gewehre gegenüberstehen, sondern der Bär über mindestens gleichwertige, wenn nicht sogar überlegene Waffen verfügt. Doch nach wie vor gibt sich der kollektive Westen der Illusion hin, Russland auf dem Schlachtfeld besiegen zu können, wenn man nur noch ein paar Panzer mehr liefert – bis auch der letzte Ukrainer sein Leben gelassen hat. Und dann ?
Da Wladimir Putin in seiner jüngsten Rede das “NEW START”-Abkommen zur Begrenzung strategischer Atomwaffen gekündigt (UPDATE: suspendiert, d.h.ausgesetzt ) hat und somit nach den seitens der USA gekündigten Verträgen – dem ABM (Anti-Ballistsic-Missile)-Vertrag 2002 von George W. Bush und dem INF (Intermediate-Range Nuclear Forces)-Vertrag 2019 von Donald Trump – die wichtigsten Abkommen zur Vermeidung nuklearer Kriege außer Kraft sind, ist die Welt einer atomaren Apokalypse – der Gefahr, dass angesichts der unausweichlichen Niederlage auf dem Schlachtfeld ein Dr.Strangelove den roten Knopf drückt – fraglos ein Stück näher gekommen. Und man kann nur hoffen, dass die Verrückten von den roten Knöpfen ferngehalten und rechtzeitig von freundlichen Pflegern in weißen Kitteln in die Psychiatrie geschafft werden können; und dass M.A.D. (Mutually Assured Destruction) – die gegenseitige sichere Vernichtung – als Drohung in der Luft bleibt und nicht real wird. Was indes bedeutet: das mörderische “Stahlgewitter”, der Bodenkrieg in der Ukraine, wird weiter gehen – und je mehr weiterreichende Waffen und Raketen der Westen anliefert, desto weiter wird dann auch Russland feuern.
Mit den Gesprächen des chinesischen Außenministers Wang Yi in dieser Woche in Moskau und dem angekündigten Besuch des Präsidenten Xi werden Russland und China ökonomisch und militärisch noch enger zusammenrücken als bisher. Dass aus dem Pentagon sofort Drohungen von “Konsequenzen” kamen, falls China Waffen an die Russen liefern sollte, zeigt nur einmal mehr die Hybris und Arroganz des Imperiums, dem Rest der Welt Vorschriften zu machen, welche Waren oder Waffen wem geliefert werden dürfen. Und mit wem man über Handelsverträge hinaus auch gegenseitige Verteidigungsbündnisse schließen darf. Letzteres – ein Verteidigungspakt zwischen Russland und China – könnte beim Gipfeltreffen von Xi und Putin möglicherweise schon auf der Tagesordnung stehen. Damit wäre der über ein Jahrhundert alte Alptraum der anglo-amerikanischen Geopolitiker von Mackinder bis Breszinski Realität und der aktuelle NeoCon-Plan, zuerst Russland zu zerschlagen, um dann gegen den Endgegner China vorzugehen, definitiv Makulatur. Schon jetzt ist NATOstan mit dem regionalen Konflikt im Donbass ziemlich überfordert, obwohl Russland nur einen Bruchteil seiner Streitkräfte und Feuerkraft eingesetzt hat. Wenn da jetzt – im Ernstfall – auch noch der chineschische Drache dem Bären Rückendeckung bietet, ist jedes militärische Vorgehen gegen diese Koalition ein Selbstmordkommando.
Der Sprecher des chinesischen Außenministeriums Wang Wenbin sparte auf einer Presskonferenz nicht mit Klartext zur Sache (übersetzt mit deepl.com):
CCTV: Die USA sind besorgt, weil China und Russland eine gemeinsame Vision haben, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums Ned Price. Was ist Ihr Kommentar?
Wang Wenbin: Die Beziehungen zwischen China und Russland beruhen auf der Grundlage der Blockfreiheit, der Nicht-Konfrontation und der Nicht-Zielgerichtetheit auf eine dritte Partei. Sie sind ein Faktor, der dem Weltfrieden und der Stabilität förderlich ist und keinen Anlass zur Sorge gibt. Wirklich besorgniserregend ist die zerstörerische Rolle, die die USA für den Frieden und die Stabilität in der Welt gespielt haben.
Die USA sind der Kriegstreiber Nr. 1 in der Welt. In ihrer mehr als 240-jährigen Geschichte waren die USA nur 16 Jahre lang nicht im Krieg. Die USA waren für etwa 80 Prozent aller bewaffneten Konflikte nach dem Zweiten Weltkrieg verantwortlich.
Die USA sind auch die Nummer eins bei der Verletzung der Souveränität und der Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder. Berichten zufolge haben die USA seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs versucht, mehr als 50 ausländische Regierungen zu unterwandern, sich in mindestens 30 Ländern grob in Wahlen eingemischt und auf mehr als 50 ausländische Staatsoberhäupter ein Attentat verübt.
(…) Solange der Hegemonismus und die Kriegstreiberei der USA fortbestehen, wird der Rest der Welt kaum den Frieden bekommen, den er verdient.
Auch auf die letzte Frage von “Reuters” – “Das Wall Street Journal berichtete, dass die Regierung Biden möglicherweise Geheimdienstinformationen veröffentlicht, aus denen hervorgeht, dass China überlegt, ob es Waffen zur Unterstützung des russischen Krieges in der Ukraine liefern soll. Was sagt China dazu? – brachte Herr Wang seine Antwort sehr gut auf den Punkt:
Apropos Veröffentlichung geheimer Informationen: Die USA könnten Informationen über die Wahrheit hinter der Nord-Stream-Explosion veröffentlichen. Wir hoffen, dass die USA so schnell wie möglich eine ernsthafte und verantwortungsvolle Antwort auf die Enthüllungen geben werden, anstatt sich darüber hinwegzusetzen.
Nach dem Einmarsch vor einem Jahr hatte ich hier zehn Gründe notiert, warum ich noch immer Putinversteher bin. Damals ging ich davon aus, dass die “Militäroperation” in kurzer Zeit beendet sein wird und es zu Verhandlungen kommt, zu denen sowohl Kiew wie auch Moskau auch bereit waren. Schließlich hatte Zelensky bei den Wahlen eine große Mehrheit gewonnen, weil er sich explizit für Frieden und eine Einigung mit den Donbass-Regionen aussprach und auch Russland hatte sich acht Jahre lang engagiert, eine interne Einigung voranzubringen und die offizielle Anerkennung der selbsternannten Republiken verweigert. Dass es nicht schon nach den ersten Tagen und Wochen zu Friedensverhandlungen kam, lag nicht an dem ukrainischen Ex-Komiker und auch nicht an dem Ultrabösen im Kreml – hauptverantwortlich und federführend für die Fortsetzung und Eskalation des Krieges waren ein struppiger Ex-Journalist in London und eine Wander-Mumie in Washington: Boris Johnson und Joe Biden. Sie zogen Europa am Nasenring in den Konflikt – außer Polen und den baltischen Giftzwergen wollte anfangs eigentlich keiner wirklich mitziehen, Deutschland unter Scholz galt als Wackelkandidat und wurde dann per Nordstream-Sprengung an die Kandare genommen und die Propaganda – Wurlitzer in den Turbomodus überführt.
Wieder ganz ganz vorn beim Boostern von Bellizismus und Gewalt ist das ehemalige Nachrichtenmagazin, dem sich Jens Berger jetzt mal einen Tag lang ausgesetzt hat: “Ein Tag mit SPIEGEL Online – die totale Meinungsmache ist möglich”:
“Wenn Sie diesen Text lesen, sind Sie wahrscheinlich ein „Friedensschwurbler“, „Vulgärpazifist“, „Rechts- oder Linksnationalist“, „Putin-Fan“, „Russland-Romantiker“, „Illiberaler“, „Propagandaopfer“, „Verschwörungstheoretiker“ oder „schlicht realitätsavers“, „selbstbesoffen“ und „egoistisch“. So tituliert zumindest der SPIEGEL-Kolumnist Sascha Lobo diejenigen, die sich
Verhandlungen und Frieden für die Ukraine wünschen.”
Ob Lobotomie angewendet werden kann um bei solchen Pre$Stitutes irgendein Restgehirn einzuschalten, ist unbekannt, sicher ist nur, dass das Niveau unter Bordsteinkante in der Gosse liegt und unsere sogenannten Qualitätsmedien mittlerweile was Russen betrifft im “Stürmer”-Sound tönen. Die “Zeit” veröffentlicht zum 80. Jahrestag der berüchtigten Goebbels Rede im Sportpalast am 18.Februar einen Gastbeitrag mit dem Titel “Ich wünsche mir einen totalen Sieg” und die Instanz Jürgen Habermas – noch gelobt, weil er in Sachen Covid vom Krieg “Species gegen Species” irrlichterte und den Ausnahmezustand rechtfertigte – wird nun gebasht und gecancelt, weil er zu Verhandlungen aufruft. Dass in Deutschland geächtet wird, wer nicht zu den Waffen ruft und zum Krieg bläst, konnte ich mir nicht vorstellen. Der 2. Weltkrieg ist offenbar tasächlich noch nicht zu Ende…
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Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , Fifty-Fifty (2022), 288 Seiten, 20 Euro
Der internationale Bestseller über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:








