Alles unter Kontrolle

“Bei der Festnahme von Wikileaks-Gründer Julian Assange spielte die britische Polizei eine „tragende“ Rolle. Was nun? Außerdem: NATO-Pressesprecher Klaus Kleber kündigt im ZDF das nächste große Ding an – Krieg gegen Russland. Nach der Pleite in Sachen Russiagate schlägt Donald Trump jetzt gegen den Tiefen Staat zurück. Und: Passwort oder Beugehaft – neue Gesetze ebnen den Weg zum Polizei- und Überwachungsstaat. Über all dies und mehr sprechen die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in der neuesten Ausgabe #23 des Dritten Jahrtausends!”

 

Free Julian!

Julian Assange wurde heute morgen in der ecuadoriansichen Botschaft verhaftet und einem Richter vorgeführt – wegen eines Verstosses gegen Bewährungsauflagen von 2012 und eines Auslieferungsantrags der Vereinigten Staaten. (Hier der Twitter-Thread eines BBC-Journalisten über die Anhörung) Die USA werfen  dem Wikileaks-Gründer Spionage vor, die Verhandlung über den Auslieferungsantrag soll am 2. Mai stattfinden – und sollten die britischen Richter diesem Antrag folgen, wäre ein folgenreicher Präzedenzfall geschaffen: kein Journalist – und nichts anderes war und ist Julian Assange – kann mehr vor den Klauen des Imperiums sicher sein, wenn er unerwünschte Nachrichten veröffentlicht. Egal welcher Nationialität er ist, gleich wo er lebt und welche Gesetze dort herrschen – wer die schmutzigen Geheimnisse und brutalen Verbrechen des Imperiums öffentlich macht, wird gejagt und zur Strecke gebracht. Und wer sich nicht wie Edward Snowden rechtzeitig nach Russland absetzen kann, dem drohen wenn nicht Folter und  Guantanamo, dann 35 Jahre Knast wie Chelsea Manning. Willkommen im MICIMATT-Komplex der “westlichen Wertegemeinschaft”, dem Reich der Pressefreiheit und des Rechtsstaats.

Julian Assange hat keine Verbrechen begangen, er hat die Welt über begangene Verbrechen in Kenntnis gesetzt. Eben deshalb hat der damalige Präsident Ecuadors ihm das Asyl gewährt, wo ihn sein korrupter Nachfolger jetzt verraten hat –  für einen IMF-Kredit von 4 Milliarden, der letzten Monat zugesagt wurde. Wenn die Richter, die über das Schicksal des wichtigsten Journalisten unserer Zeit  entscheiden, noch einen Rest von Anstand und Würde haben, setzen sie ihn nach Verhängung einer Geldstrafe wegen des Kautionsverstoßes auf freien Fuß und lassen ihn in ein Land seiner Wahl ausreisen.  Falls die Richter aber auch diese Reste des alt-ehrwürdigen britischen Rechtsstaats abschütteln und sich als “America’s bitch” der politischen Opportunität beugen, wie die Assange-Unterstützerin Pamela Anderson befürchtet, dann bliebe nur noch ein Aufstand der Medien gegen die Verhaftung und Auslieferung ihres hervorragendsten investigativen Kollegen. Da habe ich leider – siehe MICIMATT – wenig Hoffung. Einen spekulativen Silberstreifen am dunklen Horizont fand ich bei einer Facebook-Freundin: Das Trump-Regime könnte Julian nach einer Auslieferung mit Samthandschuhen anfassen, weil seine Aussage, dass er die geleakten emails des DNC von dessen (später ermordeten) Mitarbeiter Seth Rich und nicht über “russische Hacker” erhalten hat, sehr nützlich wäre – der ganze Russiagate-Fake wäre definitiv erledigt und das Clinton/Obama/Deep State-gate stünde weit offen für Trumps Revanche und Wiederwahl… Mmmhhh? Verlassen würde ich mich darauf nicht, deshalb kann die Parole jetzt nur lauten, es gar nicht dazu kommen zu lassen: Free Julian!

Welcome to MICIMATT

Ray McGovern hat gerade eine passende Abkürzung geprägt, die den guten alten “Military Industrial Complex” (MIC), vor dessen schleichender Machtübernahme Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede einst gewarnt hatte, zeitgemäß auf den Punkt bringt. Denn mittlerweile hat sich MIC zu einem monströsen “Military-Industrial-Congressional-Intelligence-Media-Academia-Think-Tank” ausgewachsen: welcome to MICIMATT. Klingt bisschen wie MickyMaus ist aber nichts für Kinder, sondern eher der Versuch, die diskreten politischen Strukturen zu beschreiben, die auch “deep state” genannt werden. Da kennt sich Ray McGovern, mit 27 CIA-Jahren auf dem Buckel und als Vorstand der “Veteran Intelligence Professionals for Sanity (VIPS)”, ohne Frage gut aus und gibt  einen Ausblick auf das nach dem “Russiagate”-Flop nunmehr anstehende “Deep-State-gate” . Die dunkle Allianz aus Politik, Geheimdiensten, Polizei und Medien, die schon im Wahlkampf 2016 begann mit illegalen Methoden gegen den Horrorkandidaten Trump vorzugehen und diesen Feldzug nach der Wahl mit dem “Russiagate”-Zirkus fortsetzte, wird nunmehr zumindest ein wenig ans Licht gezerrt werden. Schon hat der Geheimdienstauschuss des Kongresses in sieben Schriftsätzen an das Justizministerium Aufklärung über das Zustandekommen der Lauschangriffe auf  Trump und sein Team und angefordert.  Einen Beweis für “collusion”, “conspiracy”  und “treason”, den die Mueller-Untersuchung  in Bezug Trump und  Russland zwei Jahre lang nicht finden konnte, solche belastbaren Belege für Absprachen und Verrat liegen in Sachen Deep-State-gate schon jetzt reichlich vor. Amtierendes und ehemaliges CIA/NSA/FBI-Führungspersonal ebenso wie der demokratischen Partei werden jetzt in den Fokus von Ermittlungen und offiziellen Befragungen rücken. Nur die Großmedien sind sich nach wie nur keiner Schuld bewusst, wie Ray McGovern schreibt:

Readers of The Washington Post on Monday were treated to more of the same from editorial page chief Fred Hiatt. Hiatt, who won his spurs by promoting misleading “intelligence” about weapons of mass destruction in Iraq and suffered no consequences, is at it again.(…)
In his Monday column Hiatt warned: “Trump was elected with the assistance of Russian spies and trolls, which he openly sought and celebrated. But he did not (or so we are told) secretly conspire with them.” In effect, Hiatt is saying, soto voce: “Fie on former (now-de-canonized) Saint Robert of Mueller; we at the Post and our colleagues at The New York Times, CNN et al. know better, just because we’ve been saying so for more than two years.”
Times executive editor Dean Baquet said, about the backlash to the Times‘ “collusion” coverage: “I have no regrets. It’s not our job to determine whether or not there was illegality.” CNN President Jeff Zucker said: “We are not investigators. We are journalists.”

Genau das, nämlich Journalisten, sind diese Herren natürlich nicht, und ihre Organe keine journalistischen Institutionen mehr sondern News-Outlets des MICIMATT. Weshalb sie als Journalisten-Darsteller auch nichts dafür zu befürchten haben, zwei Jahre Fake-News als Nachrichten verkauft zu haben, schließlich haben 90% aller Medien dabei mitgemacht. Und wenn es alle machen kann es so falsch ja nicht sein.  Zumal man mit Trump-Bashing und Russen-Paranoia die Klickzahlen und Quoten wunderbar steigern konnte und die künftigen Gehaltsschecks gesichert sind. Das Geschäftsmodell stimmt also, und so kann der MICIMATT-Komplex für seine eingebettete Darsteller und eine Journalismus-Simulation sorgen, in der Fake-News nicht mehr als Sünde, sondern als Tugend gelten.

Dass der milliardenschwere Präsidentschaftswahl genannte Schönheitswettbewerb  im us-amerikanischen “Einparteisystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal) mit echter Demokratie und Volkssouveränität nicht mehr viel zu tun hat, ist keine besonders neue Erkenntnis. Das Vorgehen gegen  Trump mit “Russiagate” zeigt aber eine weitere Stufe des Verfalls. Noch Richard Nixon verwahrte sich entschieden dagegen, die ihm zugetragenen und bezeugten Bettgeschichten seines Konkurrenten John F.Kennedy auf irgendeine Weise im Wahlkampf einzusetzen – heute hingegen werden große Summen aufgewendet, um solche Geschichten und Zeugen zu erfinden und via CIA, FBI und Medien verbreiten zu lassen. Nixon lies noch ein paar Handlanger ins gegenerische Parteibüro einbrechen, um Strategien und Taktiken auszuspähen – und wurde von der Polizei erwischt. Das Clinton-Team behauptete, russische Hacker hätten auf ihrem Server eingebrochen, lies den Einbruch aber nicht von der Polizei untersuchen, die dann auch nichts unter,- sondern die Behauptung einfach über-nahm. Sie spielte mit, genauso wie die Geheimdienste und die Medien. Nixon musste damals wegen der im Watergate-Gebäude erwischten Einbrecher gehen,  das Auffliegen der konzertierten Russiagate-Aktion – ein konspirativer MICIMATT-Coup zur Beseitigung eines gewählten Präsidenten – hat bisher aber hat bisher noch keinen politischen Kopf gekostet. Ginge es den Medien um Demokratie und Rechtsstaatlichkeit müssten sie genau dafür sorgen – so unsympathisch und unerträglich dieser gewählte Präsident sein mag.

“Am farbigen Abglanz haben wir das Leben”

Und Goethe hatte doch recht ! – so lautet der Titel einer Rezension von Hartmut Fanger, die bei “schreibfertig” erschienen ist:

In dem so schmalen wie gehaltvollen Band von Mathias Bröckers wird Goethes Naturbild anhand von Farbenlehre und Forschung detailgenau und auf neuestem Stand vor Augen geführt. Dabei wird zugleich Verständnis für Goethes Polemik gegenüber Newton geweckt. Denn Goethe hatte nach heutigem Wissensstand mit den Ergebnissen seiner Farbenlehre entgegen der Meinung von Zeitgenossen und vielen Naturwissenschaftlern doch Recht. Zumindest bilden die aus dem mechanistischen Weltbild Newtons und Goethes ganzheitlichem Verständnis hervorgehenden Resultate zwei Seiten ein und derselben Medaille ab. Spannend lesen sich die Ausführungen und lassen einmal mehr darauf schließen, dass Goethe seiner Zeit als hellsichtiger Vorreiter der Ökologiebewegung weit voraus gewesen ist. Er sah die Erde zum Beispiel als ‚ein großes lebendiges Wesen an, das im ewigen Ein- und Ausatmen begriffen ist’, wie er hochbetagt 1827 gegenüber Eckermann äußerte. Seine jahrzehntelange akribische Auseinandersetzung mit der Entstehung von Farben dokumentiert dies im ganzheitlichen Sinne so polemisch, dichterisch wie wissenschaftlich. Hingegen sah Goethe in der Forschung von Newton vorgenommenen Teilung der Natur in kleine und kleinste Einheiten nur ‚Halbwahrheit’. „Natur verstummt auf der Folter“ – sein Statement. Mathias Bröckers begibt sich auf Spurensuche nach Belegen, die aufzeigen, wie aktuell das Goethische Naturverständnis bis ins 21. Jahrhundert hinein ist.”
Weiter geht’s hier.

“Newtons Gespenst und Goethes Polaroid” ist überall im Buchhandel und direkt beim Westendverlag erhältlich. Dort gibts auch schon einen Blick ins Buch und eine kleine Leseprobe.

“Was hätte *Ralph* gesagt ?”

Zum Tod von Ralph Metzner (auf dem Foto aus dem Jahr 1964 mit Timothy Leary und Nena von Schlebrugge) hatte ich hier schon am 15. März geschrieben. Als  Pionier im Weltraum der Seele und Erforscher der Grenzen des Bewusstseins war er für mich neben Albert Hofmann nicht nur einer der bedeutendsten Wissenschaftler unserer Zeit, sondern als Leiter innerer Reisen auch ein wichtiger Therapeut und Gesprächspartner. Auch über die Zustände in der äußeren Welt.  Als nach den Veröffentlichungen über die Ungereimtheiten von 9/11 ein übler Shitstrom aus den Medien über mich hereinbrach, war es eine große Hilfe, von einem gelehrten Geist wie Ralph Metzner Zuspruch zu erfahren. Dass Ralph sich dann nicht scheute, seine begründeten Zweifel am offziellen 9/11-Narrativ auch öffentlich zu äußern, hat ihm dann auch nicht unbedingt zum Vorteil gereicht. In Michael Pollans Bestseller “Verändere dein Bewusstsein – Was uns die neue Psychedelik-Forschung über Sucht, Depression, Todesfurcht und Transzendenz” lehrt, kommt Ralph Metzner deshalb kaum vor – nachdem er seine tiefe 9/11-Skepsis bei einem Treffen mit dem Autor geäußert hatte, hielt dieser ihn für einen verwirrten Verschwörungsesoteriker. Und so kam es, dass ausgerechnet der Wissenschaftler, der die Themen dieses Buchs am längsten und intensivsten erforscht, gelehrt und Dutzende von Büchern und Studien dazu veröffentlicht hat, in diesem Werk keine Rolle spielt. Ich habe das in meiner kurzen Radio-Besprechung des ansonsten durchaus ordentlichen Buchs von Michael Pollan nicht erwähnt (hier der Podcast von “Gutenbergs Welt”, Rezension ab min. 19, aber die ganze Sendung ist hörenwert), es macht aber deutlich, dass erweitertes Bewusstsein und freier Geist für Ralph Metzner keineswegs nur esoterische Formeln waren und die einst von Timothy Leary ausgegebene Parole  “Question Authority – Think For Yourself”  natürlich nach wie vor gültig und zuallererst auf die Propaganda der herrschenden Autoritäten gerichtet.

Immerhin hat ihm jetzt eine dieser Autoritäten, das paper of the record  “New York Times”, einen würdigen Nachruf zukommen lassen. Darin ein schönes Video, in dem er über seine Arbeit spricht und auch über eines seiner Bücher, das ich 2008 ins Deutsche übersetzt habe:“Die Erweiterung des Bewusstseins – Alchemistische Transformation des Individuums und der Gesellschaft”.  Nicht nur deshalb hatte ich ihm im Februar als pdf mein Büchlein über den Alchemisten Goethe geschickt – und mich gewundert, dass keine Antwort von ihm gekommen war. Wie gerne hätte  ich seinen Zuspruch und auch seine Kritik gehört – und wie traurig, dass man mit dem Älterwerden immer weniger Menschen fragen und bei immer mehr nur noch denken kann: “Was hätte *Ralph* gesagt ?”

Gespräch über Goethe

Über “Goethes Gespenst und Newtons Polaroid” und warum die Naturforschung Goethes auch nach 200 Jahren noch relevant ist, habe ich mit Dirk Pohlmann ein ausführliches Gespräch geführt. Die ersten 10 Minuten kann man sich über das Link unten anschauen, der Rest ist leider hinter einer Bezahlschranke.  Die gibts auch für das Buch, denn von irgendetwas müssen Autoren ja leben, weshalb ich alle LeserInnen dieses Blogs bitten möchte, nach diesen 10 Minuten auf das Link oben zu klicken und das Buch zu bestellen.  Obwohl es auch für Goethe-Kenner wie Dirk Pohlmann einige Überraschungen barg, kann es  für Nicht-Kenner der “Fack ju Goethe”-Generation durchaus als geeignete Einführung gelten. Und weil es als Hardcover gebunden ist und sehr schön aussieht, macht es auch als Geschenk was her.

Nach Russiagate-Fake jetzt das “wahre Russiagate”

Sie machen einfach fröhlich weiter, die Russiagater, und klammern sich, wie hier schon gesagt, krampfhaft an den Strohhalm, dass ja tatsächlich  eine russische Einmischung in die US-Wahlen stattgefunden habe, da Sonderermittler Mueller ja 13 Russen angeklagt hat. Dass es sich dabei um eine Farce wegen ein paar Facebook und Google-Anzeigen handelt, die “Putins Koch und die Wilde Dreizehn” geschaltet und laut offiziellen Angaben keinerlei Einfluss auf das Wahlergebnis hatten – dieser Hinweis fehlt dann aber bei der Erwähnung des Tatbestands. Auch wenn Trump laut Mueller nichts damit zu tun hatte  und auch die Täterschaft vermeintlicher “russischer Hacker” in der Mueller-Ermittlung gar nicht untersucht wurde, bleibt die “russische Einmischung” Bestandteil des Narrativs. “So oder so” – da sind sich der Korrespondent des ehemaligen Nachrichtenmagazins und Paul Farhi, der Medienchef der “Washington Post”  vollkommen einig:

SPIEGEL ONLINE : So oder so, die Russen haben die US-Wahlen 2016 manipuliert.

Farhi: Und das ist das wahre Russiagate. Es gab eine Verschwörung auf russischer Seite, um sich in die US-Wahlen einzumischen und diese Wahlen Richtung Trump zu lenken. Trump will das nicht zugeben.

Das “wahre Russiagate” jetzt also, nachdem das falsche geplatzt ist , das Spiegel, WaPo & Co. zwei Jahre lang wie einen Ballon mit täglichen Breaking News aufgeblasen haben. Plopp!…. aber kein Drama. Wie bei der russischen Puppe in der Puppe gibt’s bei BreakingFakeNews den Ballon im Ballon: eine “Verschwörung auf russischer Seite” um die Wahlen Richtung Trump zu lenken. Und der will das nicht zugeben. Unverschämt! Da haben wir ihn wieder, diesen unflätigen, dreisten, lügenden Präsidenten, der diese seine Eigenschaften nicht einmal zugibt – während wir, die ehrenwerte “Washington Post”, die einst Watergate aufdeckte, uns auch bei Russiagate journalistisch natürlich nichts haben zu Schulden kommen lassen. Und keineswegs zwei Jahre lang unflätig und dreist eine Verschwörung von Putin und Trump zusammengelogen haben, weshalb auch keinerlei Grund besteht, sich beim zahlenden Publikum oder gar bei diesem Unflat Trump persönlich für irgendetwas zu entschuldigen.

“Mensch Bröckers, was regste dich so auf”,  raunt mir ein Kollege entspannt zu, als ich mich am Telefon über den Niedergang unserer Branche mal wieder echauffiere, “ist doch eh komplett gescriptet, dieses ganze Politiktheater. Russiagate ist erledigt, jetzt kommt die Fortsetzung. Neue Staffel im Real Game of Thrones.” Da hat er natürlich Recht – und irgendwie scheint sich im exzeptionalistischen Königreich schon ein Sequel anzubahnen. Nach dem Motto: ok, vergessen wir den Ultrabösen, selbst wenn er aus dem Hintergrund jederzeit als Großgefahr wieder aktiviert werden kann, und wenden uns anderen Leichen aus Donalds königlichem Keller zu – zum Beispiel den angeblichen Schutzgeld-Zahlungen, die sein Schwiegersohn von dem Scheich von Katar erpresst haben soll . Gegen die Blockade Katars durch den saudischen Knochensäger MBS soll Donald erst interveniert haben, nachdem der Scheich für 1 Milliarde $ einen maroden Wolkenkratzer aus dem Familienbesitz übernahm.
Auf ein kleines “Saudi-Gate” könnte auch die neuesten Enthüllungen des kahlköpfigen Jeff deuten, dessen  Liebesbotschaften an eine heimliche Geliebte unlängst samt Bildern im größten Klatschblatt des Königreichs veröffentlicht waren. Da dem ultrareichen Jeff nicht nur “Amazon” und die “Washington Post” gehören (von Donald nur noch “Amazon Post” genannt), sondern auch die Rechenmaschinen, auf denen die unsichtbaren Meister in den Tiefen des Reichs ihre Erkentnisse speichern, war schnell heraus zu finden, wer für den Diebstahl der amourösen Post verantwortlich war. Es war der Bruder der Geliebten, der sie von ihrem Zwitschergerät kopiert und an das Klatschblatt verscherbelt hatte. Jetzt aber will Jeff ermittelt haben, dass es gar nicht der künftige Schwager, sondern der saudische Geheimdienst war.  Kommen also nach den unsichtbaren russischen Häschern jetzt solche aus dem Reich der wahabitischen Wickelmützen in’s Spiel ? Wenn sie dem reichsten Mann der Welt die Post klauen können, sind sie jedenfalls nicht zu unterschätzen, zumal mit Hazma Bin Laden, Osamas Ältestem, jetzt auch wieder ein Megaschurke von Format am Start wäre, auf den schon 1 Mio. Kopfgeld ausgesetzt ist. Nachdem eine Verbindung Donalds mit dem ultrabösen Wladimir nicht nachzuweisen war, wäre eine mafiose Connection mit dem Knochensäger und Terrorfürsten jedenfalls keine schlechte Fortsetzung.  Aber noch immer glauben 84 Prozent aller Demokraten-WählerInnen an Absprachen zwischen Donalds Lager und dem Reich des Ultrabösen, zwei Jahre Vollwaschprogramm aus Brainwashington lassen sich eben nicht von heute auf morgen rückgängig machen. Zumal die Herolde der “Amazonpost”, die für ihre Russiagate-Berichterstattung den großen “Pulitzer”-Lautsprecherpreis gewonnen haben, den mit Fake News gedopten, toten Gaul noch eine Weile weiter reiten werden. Irgendwas mit Russen wird ja  schon gewesen sein…bis Gras drüber wächst…. oder der kleine Bin Laden es demnächst  mal  -“Hazma Bisschen Terror ?”-   irgendwo amtlich krachen lässt und “Saudi-Gate” richtig hoch gefahren werden kann…
Bis dahin aber – und darüber hinaus – sollte man auf der Suche nach Informationen über das exzeptionalistische Königreich alle McMedien-Outlets ignorieren, die uns zweieinhalb Jahre mit Breaking Fake News einer Großverschwörung gefüttert haben und sich auf jenen Stamm autonomer Heretiker verlassen, die diesen Spuk vom ersten Tag an durchschauten. Man musste dazu kein Hellseher sein, sondern sich nur weigern, politischen Verstand und journalistische Handwerksehre einfach an der Propaganda-Garderobe abzugeben. Umso tiefer freilich bleibt unsere Verachtung all jener Schreiberlinge, Leitartikler, Lallbacken und Pappnasen sowie ihrer Herren und Intendanten, die ungeniert und über Jahre mit diesem Bullshit die Gehirne ihres Millionenpublikums als Mülldeponie missbraucht haben….

Mueller-Dämmerung

Die Mueller-Dämmerung ist nunmehr perfekt: 19 Juristen, 40 FBI-Agenten, 2.800 Vorladungen, 500 Zeugenverhöre, 500 Durchsuchungen, 50 Telefonwanzen, 13 Anfragen an ausländische Geheimdienste,  mindestens 25 Millionen Dollar Kosten – Ergebnis: Zero, Null, Nada, Nothing, Niente. “Mueller findet keine Russland-Trump-Verschwörung” , musste das ehemalige  paper of the record “New York Times” am Montag titeln – nachdem es mehr als zwei Jahre den Russiagate-Sturm im Medienwald angeführt hatte, der diese Verschwörungstheorie mit täglich neuen Fake News fütterte. In unserem Buch “Wir sind immer die Guten” zitieren wir den Chefkolumnisten der NYT, Thomas Friedman, der im MSNBC-Fernsehen sagte: “Russland hat unsere Wahlen gehackt, das war ein Anschlag wie der 11. September (›a 9/11-scale event‹) auf den Kern unserer Demokratie, ein Ereignis wie Pearl Harbor”. Dramatischer und kriegstreiberischer kann man eine Verschwörungstheorie kaum auftischen – und wenn ein zweiter Senior-Kolumnist der einst angesehensten Zeitung des Landes, Prof. Paul Krugman, sekundiert: “There’s really no question about Trump/Putin collusion” hat jeder brave Leser guten Grund, dies für wahr zu halten – wie die Massenverichtungswaffen des Irak, wie die Golf von Tonkin Attacke,  wie den “Überaschungsangriff” am 11. September.

Noch klammern sich die verzweifelten Russiagater an den Strohhalm, dass die smoking gun in der Gesamtfassung des nur in Auszügen veröffentlichten Mueller-Reports verborgen sein könnte und von dem korrupten (oder von Putin gesteuerten !) Justizminister geheimgehalten wird. Doch auch diese Offenlegung wird nichts enthüllen was den Kern und das Ziel der Ermittlung – die Trump/Putin-Absprachen – betrifft und allenfalls noch ein wenig “Beifang” wie die 39 Mueller-Anklagen wegen Steuerhinterziehungen, Geldwäsche, Falschaussagen usw. bescheren. Also das Übliche im Washingtoner Sumpf, aber nichts über die Trump/Putin-Connection, die mehr als zwei Jahre auf allen Kanälen beschworen wurde. Auch Muellers Anklagen gegen Putins Koch und die Wilde Dreizehn – jene ominösen “russischen Trolle” und “Hacker”, die mit Anzeigen in den sozialen Netzwerken brave Wähler verwirrten (und dafür sage und schreibe 4.000 $ bei Google und 70.000 $ bei Facebook investierten, während Clinton und Trump 2,3 Milliarden verballerten) gibt als Anschlag auf den “Kern der Demokratie” nicht mehr viel her. Aber immerhin können sich all die verzweifelten Schurnalisten, die zwei Jahre Breaking Fake News verkündet und gesendet haben, wegen solcher Peanuts jetzt darauf berufen, dass sich ja  tatsächlich irgendwelche “Russen” in den US-Wahlkampf eingemischt haben. Ein schlechter Witz, eine faule Ausrede, aber man muss das verstehen, im Zustand der kognitiven Dissonanz werden selbst Strohlame zum Fels in einer Brandung, die mit unpassenden Fakten fundamentale Überzeugungen bedroht – und jede halbwegs demokratische Partei und jedes halbwegs journalistische Medium in den Grundfesten erschüttern müsste. Wer mehr als zwei Jahre lang haltlose Anschuldigungen, vage Verdächtigungen und unbewiesene Verschwörungsgerüchte als “Nachrichten” und politische Wahrheit verkauft, ist als Politiker und als Journalist defintiv disqualifiziert – untragbar als Volksvertreter an den Schalthebeln der Macht ebenso wie als Kontrolleur derselben und “vierte Säule der Demokratie”.

Und während diese unerträglichen Pseudo-Journalisten ihre Verschwörungs-Fakenews am laufenden Band produzierten, konnte man hier schon vor zwei Jahren – und kurz darauf in “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron” – nachlesen, was da in den Tiefen des exzeptionalitischen Königreichs eigentlich ablief – und um welche Posse es sich bei “Russiagate”  handelte:

Dass Donald gegen alle Vorhersagen der Kaffeesatzleser, gegen die Gilde der Herolde und Lautsprecher und gegen Hillarys doppelt so schwere Kriegskasse den Sieg errang, hatte das unterlegend Lager so tief getroffen, dass es sich ein demokratischen Spielregeln entsprechendes Eingeständnis dieser Niederlage nicht abringen konnten. Weil Hillary mit Betrug den alten Bernie aus dem Rennen geboxt hatte, der die Massen anzog und auch Donald besiegt hätte, trug sie die eigentliche Hauptschuld. Und wie das so ist, wenn man ein Versagen vor sich selbst nicht eingestehen kann – „Das habe ich getan“ sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben — sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich — gibt das Gedächtnis nach“, hatte einst der Psychologe Nietzsche dieses Procedere beschrieben – sucht man die Schuld bei anderen. So kam König Wladimir als Watschenmann und „Ultraböser“ in Spiel: er soll Hillarys Post gestohlen, ihren Betrug öffentlich gemacht und so seine „Marionette“ Donald auf den Thron gebracht haben. Diese zwar unbewiesene und nur behauptete „Einmischung“ in das heilige Ritual der exzeptionalistischen Demokratie, die Wahlen, wurde sodann als „kriegerischer Akt“ bezeichnet, mit dem der Ultraböse das Königreich angegriffen habe und nun mittels seines Agenten Donald zerstören will. Dass das unterlegene Hillary-Lager für diese haarsträubenden Verschwörungstheorie nicht umgehend ausgelacht wurde, verdankte es nur seiner engen Verbindung mit den „Mainstreammedien“ genannten Lautsprechern, die diese Gruselgeschichte als „Nachrichten“ verbreiteten und damit am laufenden Band das produzierten, was im Königreich neuerdings „Fake News“ genannt wurde.

Da König Donald schon dafür berüchtigt war, heute dies und morgen das zu erzählen und es beim Zwitschern mit Präzision und Wahrheit nicht so genau zu nehmen, wurde auch ihm im vorgeworfen am laufenden Band „Fake News“ zu produzieren. Was dann zu der absurden Situation geführt hatte, dass auf der öffentlichen Bühne nur noch kreischende Antagonisten auftauchten, die sich gegenseitig der Lüge, der Fälschung, des Betrugs bezichtigen. Man schrieb das 21. Jahrhundert und kam sich doch vor wie bei Richard III. und Großmeister Shakespeare: „Ich tu das Böse und schreie selbst zuerst. Das Unheil, das ich angestiftet, leg ich den andern dann zu schwerer Last.“ Oder wie im Puppentheater mit einer betrügerischen Hexe („Crooked Hillary“) einem falschen Clown („Lying Donald“) und einem gar schrecklichen Krokodil („Tarantula Putin“). Sowie dem Chor der Herolde und Lautsprecher die die ganze Saga atemlos kolportierten und kommentierten, wobei ihnen aus dem Souffleurskasten von den Meistern der Intelligence stets neue Stichworte geflüstert wurden.

…die nun wirklich schaurige Pointe dieser Posse haben wir dann im Januar 2019 in “Wir sind immer die Guten”   so zusammengefasst:

“Wäre das Ganze nicht gefährlicher Ernst, könnte man über die plumpen und offensichtlichen Fälschungen, aus denen die »Russiagate«-Story gestrickt ist, nur lachen. Doch was hier geschieht, ist fatal: Um einen gewählten Präsidenten zu vertreiben, wird die Gewaltenteilung des demokratischen Systems aufgehoben: Geheimdienste (CIA, NSA, MI6), Polizei (FBI) und Medien arbeiten Hand in Hand, und die vom Horrorclown Donald Trump nachhaltig geschockten Demokraten, Liberalen, Linken feuern diese polizeistaatlichen, totalitären Methoden sogar noch an. Und so erleben wir die surreale Situation, dass es nicht der monströse Meteorit Trump ist, dessen Einschlag die Grundfesten der freiheitlichen Demokratie erschüttert, sondern seine Gegner, die abseits aller rechtsstaatlichen Regeln und mit einer nahezu uniformen Medienfront gegen ihn vorgehen.”

Das wären die Anklagepunkte, an dem eine neue Ermittlung über “geheime Absprachen” (collusion) und Einmischung in die Wahlen jetzt ansetzen müsste – es waren keine  Russen, sondern die Regierung Obama, die US-Geheimdienste, das FBI und die Großmedien, die im US-Wahlkampf mit illegalen Methoden einen unerwünschten Kandidaten bekämpften. Den rüden, großmäuligen, stillosen, unberechenbaren Horrorclown Donald loszuwerden – für diesen Zweck war für Demokraten, Liberale und Progressive offensichtlich jedes undemokratische, polizeistaatliche, totalitäre Mittel recht.
Als Trockenübung, wie man auch den “kritischen” Teil der Bevölkerung auf Linie bringen kann, war der Russiagate-Zirkus und Mueller’s Null-Ergebnis durchaus erfolgreich:  um ein Narrativ zu schaffen und zu kontrollieren braucht es keinerlei Fakten, die multimediale und dauerhafte Wiederholung von Gerüchten reicht vollkommen aus. Noch ist die Übung aber nicht abgeschlossen: als Fortsetzung steht  an, wie man diese faktenfreie Großerzählung jetzt im Erinnerungsloch verschwinden lassen kann. Um weiter als irgendwie glaubwürdiger Politiker oder unabhängiger Journalist aufzutreten, selbst wenn man bei McMedien zwei Jahre lang BreakingFakeNews serviert hat. Coaching-Kurse für “Rumeiern”, “Drehen und Winden” und “Lügen ohne Rotwerden” können mit Überbuchung rechnen, ebenso wie das bekannte “Wendehals”-Yoga. Schon zittern die Russiagater beim ehemaligen Nachrichtenmagazin vor “Trumps Rachfeldzug” und das wäre nun wirklich eine krachende Pointe dieser ganzen Farce: dass ausgerechnet der irre König mit der Eichhörnchenfrisur, dass der Lügenbold Donald die letzten Reste der Demokratie rettet, indem er die Verschwörung von Geheimdiensten, Polizei und Medien gegen einen Kandidaten und einen amtierenden Präsidenten ermittelt und die Akteure vor Gericht bringt.

Zahlreiche Indizien für eine solche “collusion” liegen schon jetzt vor – und Trump hat noch Zeit, denn etwas Besseres konnten ihm seine Gegner als Wahlkampfmunition für die zweite Amtszeit gar nicht liefern. Er muss nicht einmal lügen und braucht nur zwei Worte “Hexenjagd ” und “Fake News”.

Als Kommentar auch auf telepolis erschienen, als Podcast auf KenFM