Pionier im Weltraum der Seele: Ralph Metzner R.I.P

Als ich gestern abend nach Hause kam und den Computer einschaltete fand ich die traurige Nachricht, die mein kalifornischer Freund Robert Forte eine Minute zuvor gepostet hatte:

“Ralph Metzner, friend, teacher, inspiration, for decades, has left his body, this time, for good, or so it seems. Am a little shocked to learn this a moment ago. I just pulled into a car wash, in my car was Ralph and Cathy’s Christmas card, which i just read one more time before recycling and hearing this sad news. Ralph was my guide on innumerable journeys during the early years of my inquiry into psychedelics. I loved him like a big brother. I commend and honor him for so many reasons, and I trust he’s well prepared for yet another journey he has just begun…”

Auch für mich war Ralph Metzner ein Freund, ein Lehrer, ein Anreger und vertrauensvoller Führer auf  Reisen in den inneren Weltraum. Und wie Robert bin ich sicher, dass wenn jemand für die letzte große Reise gut vorbereitet ist, dann ein Forscher, ein Schamane, ein Weiser wie Ralph einer war. Er war nach der Promotion in klinischer Psychologie in  Harvard der wissenschaftliche Assistent von Timothy Leary und Richard Alpert, schrieb mit ihnen zusammen 1963 den ersten psychedelischen Reisefüher (” The Psychedelic Experience: A Manual Based on The Tibetan Book of the Dead“), für den  – wie das bei “Hilfs-Wissenschaftlern” berühmter Professoren  oft so ist – die wesentliche Schreibarbeit bei ihm lag. Das bahnbrechende Werk legte dann auch den Grundstein für seine mehr als 50 Jahre währenden Erforschungen der Welten des Bewussteins, des Geists und der Geister, der Anthropologie, Pharmakologie und Phänomenologie erweiterter Bewussteinszustände. Zu diesen Themen veröffentlichte er mehr als 100 wissenschaftliche Papiere und zahlreiche Bücher und lehrte über 30 Jahre als Professor am California Institute of Integral Studies in San Francisco.

Mir war es dann eine große Freude, zum “HiWi” des großen Ralph Metzner zu werden und z
wei seiner Essaybände aus der Reihe Ökologie des Bewusstseins die im Nachtschatten-Verlag erschienen ist – “Die Erweiterung des Bewusstseins: Alchemistische Transformation des Individuums und der Gesellschaft” (2008), “Die Wurzeln von Krieg und Herrschaft” (2009) – ins Deutsche zu übersetzen. Diese Zusammenarbeit war auch deshalb so schön, weil Ralph sehr gut Deutsch sprach, denn es war seiner “Vatersprache”. Er wurde 1936 in Berlin, wo sein Vater ein Papierunternehmen betrieb, geboren und übersiedelte während des 2. Weltkriegs mit seiner britisch-stämmigen Mutter nach England. In Oxford begann er  sein Studium und ging 1960 zur Promotion dann an die Harvard Universität in Boston. An seiner alten deutschen Heimat blieb er aber immer sehr interessiert und schrieb mit “Der Brunnen der Erinnerung” auch ein wunderbares Buch über die wegen der Kontaminierung durch die Nazis verloren gegangenen germanischen Götter und Mythen. (Weshalb wir heute zwar an jeder Ecke Buddhas und Shivas sehen, aber die wunderbaren Geschichten von Odin, Thor oder Loki  als irgendwie “rechts” gelten.).
Zuletzt auf deutsch erschienen  ist Anfang 2018 der Erinnerungsband, den er zusammen mit Ram Dass (Richard Alpert) verfasst hat: “Geburt einer Psychedelischen Kultur – Gespräche über Leary, die Harvard-Experimente, Millbrook und die 60er Jahre“.  Als Ralph fragte, ob ich einen Prolog zu diesem Buch schreiben könnte – über die historische Vorgeschichte dieser Experimente in Deutschland und der Schweiz – sagte ich natürlich  zu. Hier ein PDF des Skripts, an dessen Ende es heißt:

“Als Tim Leary Mitte der 1980er Jahre zu einem Vortrag für zwei Tage nach Berlin gekommen war, machten wir eine Stadtrundfahrt, bei der wir auch auf die Aussichtsplattform am Potsdamer Platz stiegen um über die Mauer in den Ostteil der damals nach geteilten Stadt zu schauen. Wir sprachen über den sehr bürokratischen, irgendwie preußischen Sozialismus der DDR und als wir wieder ins Auto stiegen meinte Leary: „But Germany is also the fatherland of Rausch.“ Schließlich seien Morphin, Heroin, Kokain, Amphetamin und nur wenige Meter hinter der Grenze auch LSD hier entdeckt worden. So hatte ich Deutschland noch nie gesehen, aber es stimmte natürlich. Zumindest was die pharmakologische Entdeckungen betraf, war der deutschsprachige Raum tatsächlich die Geburtsstätte all dieser Substanzen und ohne Albert Hofmanns Isolierung der Alkaloide des Mutterkorns (LSD) und der heiligen Pilze (Psilocybin) hätte die Geburt der psychedelischen Kultur in Amerika nicht stattfinden können, von der Ram Dass und Ralph Metzner in diesem Buch erzählen. Dass aber eine weit über die pharmakologische Entdeckung hinaus gehende Kultur entstand, die bis tief in die Bereiche des Sozialen, Ästhetischen und Spirituellen wirkte und bis heute wirksam ist, dies verdankt sich vor allem diesen Pionieren und ihren Mitstreitern. Wie bedeutend ihre Arbeit war, die nach kurzem Aufblühen in Harvard in den Untergrund gedrängt wurde, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass 50 Jahre später die Psychedelika als einzigartiges Therapeutikum in vielen wissenschaftlichen Institutionen wiederentdeckt werden. Weil Tim Leary, Ram Dass und Ralph Metzner ihrer Zeit weit voraus waren, ist ihr historischer Report deshalb noch immer von höchster Aktualität.”

Das gilt auch für das gesamte Lebenswerk Ralph Metzners, der als Pionier im Weltraum der Seele Bereiche erkundet hat, deren wissenschaftliche Kartographierung und Erforschung  auch nach über 50 Jahren noch immer in den Anfängen steckt. Die Grundlagen dafür geschaffen zu haben ist das Verdienst dieses großen Forschers und wunderbaren Menschen. “Wer als Naturwissenschaftler kein Mystiker wird, ist kein richtiger Naturwissenschaftler” hat Albert Hofmann einmal gesagt und ganz entsprechend hat sich Ralph Metzner den Bereichen der Mystik zugewandt – ohne darin zu versinken und seine Profession als Wissenschaftler aufzugeben. Weil niemand in unserer Zeit den “Lebenszyklus der Menschenseele” länger und intensiver erforscht hat als eben Ralph Metzner müssen wir uns um seine Navigationsfähigkeiten nicht sorgen – die Bereiche, die die Seele nach dem Verlassen des Körpers betritt, waren für ihn alles andere als Neuland. Sorgen müssen wir uns nur, wie wir ohne einen solchen Freund und Wegweiser hienieden weiter zurecht kommen. Gute Reise, lieber Ralph!

PS: Hier noch einige Videos und Vorträge von Ralph Metzner:

Death (2010, 3 min)

Albert Hofmann, LSD und die Suche nach dem alchemistischen Stein der Weisen (2006, 60 min, deutsch)

Expansion of consciousness of the individual and Society (2011, 37 min.)

Für Putinversteher gibt’s kein Recht auf Gegendarstellung

Das Schweizer Online-Magazin “Watson” hat uns in einer Rezension Aussagen unterschoben, die nicht im Buch stehen und die wir auch ansonsten nicht getätigt haben. Die Veröffentlichung einer Gegendarstellung aber wurde verweigert. Paul Schreyer hat darauf in unserem Namen eine Replik geschrieben:  

In einer aktuellen Rezension von „Wir sind immer die Guten“ werden Mathias Bröckers und mir Aussagen unterstellt, die wir nicht getätigt haben – um uns auf dieser Grundlage um so heftiger kritisieren zu können. Eine Gegendarstellung wird verweigert.

Grundlage der Rezension des Nachrichtenportals Watson – mit 80 Millionen Klicks pro Monat eines der meistgelesenen Schweizer Online-Magazine – ist das seltsame Missverständnis, wir, die Buchautoren, seien so etwas ähnliches wie halboffizielle Sprecher des Kremls, die Putins Sicht auf die Welt als „die bessere“ verteidigten. Man nimmt den Titel „Wir sind die Guten“ also wörtlich und tut so, als bezögen die Autoren dieses Motto auf sich selbst – was man dann als „kindisch“ kritisiert.

Der Rezensent Philipp Löpfe spricht mehrfach von „den Putinverstehern“, einer vermeintlich homogenen politischen Gruppe, als deren Sprachrohr er uns ausmacht. Nun geht aus unserem Buch eigentlich klar hervor, dass wir mitnichten Parteigänger Putins sind, sondern schlicht und einfach versuchen, die Spielregeln der aktuellen Geopolitik – und zwar sowohl im Westen als auch in Russland – sachlich und transparent zu beleuchten. Schon diese Differenzierung scheint aber manchem Journalisten zu viel, vielleicht, weil sie das eigene Feindbild vom „bösen Putinversteher“ nachhaltig zu unterminieren droht.

Die Rezension baut dabei nicht allein auf dieser „Fehlinterpretation“ auf, sondern unterstellt uns mehrfach und an entscheidenden Stellen Aussagen, die wir nie gemacht haben. So heißt es, wir würden ohne jeden Beleg behaupten, die CIA, Brzezinski und Soros hätten den Putsch in der Ukraine eingefädelt. Richtig ist, dass wir deren Rolle im Land zwar intensiv beleuchten, und das auch mit zahlreichen Quellen belegen, eine direkte operative Verantwortung für den Staatsstreich aber nicht unterstellen – ganz einfach weil wir generell nichts behaupten, was wir nicht klar belegen können. Das ficht den Rezensenten jedoch nicht an, der weiter schreibt:

„Da erstaunt es nicht, dass für Bröckers und Schreyer der Abschuss des malaysischen Passagierjets MH17 – entgegen allen offiziellen Erkenntnissen – den ukrainischen Streitkräften in die Schuhe geschoben wird.“

Einmal abgesehen von der holprigen Sprache ist auch das eine Falschbehauptung. Nirgendwo im Buch schreiben wir, die Ukrainer seien für den Abschuss verantwortlich. Wir erläutern lediglich, weshalb der Fall MH17 bislang nicht abschließend geklärt ist und dass die Beweise für das gängige „Russland war´s“ bei gründlicher Prüfung eher fragwürdig erscheinen. Doch wiederum gilt: Soviel Differenzierung ist nicht drin. Wer eine Schuld Moskaus hinterfragt, der muss ein Parteigänger Putins sein. Anderes ist schlicht nicht vorstellbar. In dieses Raster passt auch folgende Unterstellung des Rezensenten:

„Zudem soll der russische Geheimdienst nichts, aber auch gar nichts, mit dem Attentat auf den ehemaligen Spion Sergei Skripal und dessen Tochter Julia zu tun gehabt haben.“

Wiederum: eine Falschbehauptung. Im Buch lassen wir bewusst offen, wer für den Anschlag verantwortlich ist, und erläutern mehrere Möglichkeiten, weisen insbesondere aber darauf hin, dass auch dieser Fall bislang ungeklärt ist.

Nun ist es eine beliebte Rhetorik-Methode, dem Gegenüber falsche Aussagen zu unterstellen, die sich dann um so schwungvoller kritisieren lassen. Doch geschieht so etwas in der Presse, dann muss sich das zumindest niemand gefallen lassen. Zeitungen und journalistische Onlineportale sind bei Falschbehauptungen auf Aufforderung zur Veröffentlichung einer Gegendarstellung verpflichtet.

Unsere Aufforderung an die Redaktion, eine solche Gegendarstellung zu veröffentlichen, zog nun eine aufschlussreiche Diskussion mit dem Chefredakteur des Portals, Maurice Thiriet, nach sich. Der Fall sei „knifflig“, so der der Watson-Chef in einer ersten Reaktion. Seiner Ansicht nach ist alles eine Frage der Interpretation:

„Dies deshalb, weil in Gegendarstellungen gemäss Rechten und Pflichten der Schweizer Journalistinnen und Journalisten nur falsche Tatsachendarstellungen richtig gestellt werden können. Ein Buch, beziehungsweise dessen Inhalt, ist jedoch keine reine Tatsache, sondern von Vornherein auch ein Interpretationsgegenstand für den Rezipienten. Ich würde deshalb von einer Gegendarstellung absehen mit der Begründung, dass die Interpretation eines Buchinhalts immer im Gesamtkontext des Werkes gesehen werden muss und deshalb eine den Autoren allenfalls missfallende oder nicht beabsichtigte Interpretation von Teilen des Inhaltes nicht als falsche Tatsachendarstellung gelten kann.“

Darauf erwiderten wir, dass es natürlich stimme, dass auf Tatsachen beruhende Interpretationen nicht gegendarstellungsfähig sind, der Fall hier allerdings anders liege:

„Die von uns bemängelten Aussagen des Rezensenten sind keine auf Tatsachen beruhenden Interpretationen, sondern gründen auf nachweislich falschen Unterstellungen. Konkret: Wir haben in unserem Buch eben NICHT behauptet, die Ukrainer seien für den Abschuss von MH17 verantwortlich. Herr Löpfe sagt an dieser Stelle die Unwahrheit. Und das ist keine irgendwie legitime Interpretation, sondern eine schlichte Falschdarstellung.“

Wir erinnerten daran, dass laut Impressum des Portals „die Journalistinnen und Journalisten von watson dem Ethik-Kodex des Schweizerischen Presserates verpflichtet“ seien. Darin aber heißt es klar:

„Keine Entstellung von Texten (…) und Meinungen – Kritisieren ja, aber aufgrund von Tatsachen“

In seiner Replik ging der Chefredakteur auf diese Argumente nicht weiter ein, sondern wechselte nun die Strategie und wurde politisch:

„Ich habe Ihr Buch leider nicht gelesen und ich werde zeitnah auch keine Zeit finden, mich vertieft mit ihrem Werk zu befassen. Ich möchte aber grundsätzlich davon absehen, eine Gegendarstellung zu veröffentlichen, in der suggeriert wird, dass irgendein anderer Akteur als Russland für den Tod von 298 Menschen verantwortlich ist. Das ist absurd.“

An dieser Stelle erscheint die Krise der Leitmedien wie in einer Nussschale komprimiert: Medienmacher wähnen sich im Besitz der Wahrheit, argumentieren politisch-moralisch und missachten journalistische Standards, weil es ja „gegen die Bösen“ geht. Eben davon handelt unser Buch.

Wie aus Fakten “Narrative” werden – und umgekehrt.

Anhand des Falles Skripal/Nowitschok haben wir in der Neuausgabe von “Wir sind immer die Guten” aufgezeigt, wie eine unbewiesene Verschwörungstheorie – und nichts anderes ist die These, dass russische Agenten diesen Anschlag verübten – zu einem machtvollen Werkzeug der Realpolitik wird. Was in diesem Fall zu der größten Ausweisungsaktion von Diplomaten seit dem 2. Weltkrieg führte. Auf den  PowerPoint-Folien, mit denen das britische Außenministerium seine europäischen Amtskollegen dazu brachte, reihenweise russische Diplomaten auszuweisen,  werden tatsächliche Beweise werden gar keine vorgebracht – außer, dass das Gift in der Sowjetunion entwickelt wurde. Den Hinweis darauf, dass die Formeln seit Jahrzehnten allgemein bekannt sind und auch andere so ein Gift herstellen können, legten die Briten ihren EU-Kollegen aber nicht vor. Stattdessen folgte eine Litanei von Behauptungen über “russische Aggression” der Vergangenheit, inklusive dem Russiagate-Märchen der “Beeinflussung der US-Wahlen”.  So wurden aus Vermutungen und Verdächtigungen Tatsachen gemacht, aus Gerüchten und Narrativen realpolitisch wirksame Fakten. Funktionieren konnte dieser Trick nur, weil die Großmedien die Fake-Fakten der britischen Regierung  – von Angela Merkel als  “fundierte Analysen” bezeichnet – ohne jede weitere Prüfung übernahmen. Was freilich auch nötig war, denn schon eine oberflächlicher Check mit gesundem Menschenverstand hätte ergeben müssen, dass es sich hier weniger um fundierte Beweise, sondern um vage Verdächtigungen handelt. Aber das passte nicht in das gewünschte Narrativ unter der Parole “Vereint gegen Russland” (“tagesschau”)…

Was aber tun mit realen Fakten, die nicht in diese Story passen ? Auch wenn man sie aus dem Menu der McMedien-Outlets heraushalten kann, verschwinden sie ja nicht einfach und tauchen in allen sozialen Ecken und Blogs weiter auf. Für dieses Problem hat jetzt die Londoner Universität King’s College in einer großen Studie eine Lösung vorgeschlagen: wir nehmen diese realen Fakten und deuten sie in “desinformierende Narrative” um, die von Russland in unsere “porösen” Medien  “inijiziert” wurden. Worum es sich dabei handelt, wird im Anhang der Studie aufgelistet:

  • Großbritannien hat Russland überstürzt beschuldigt, ohne Fakten vorzulegen
  • keine Beweise für Russlands Schuld
  • einseitige westliche Medien befeuern die Spannungen
  • britische Reaktionen sind illegal bzw. nicht ordentlichem Verfahren entsprechend
  • britische Verwendung des Wortes “wahrscheinlich” bedeutet: kein Beweis
  • Großbritannien hindert russische Behörden illegal daran, eigene Staatsbürger zu sehen
  • Ausweisung der Diplomaten durch die USA verstößt gegen internationales Recht
  • USA wollen Gelegenheit nutzen, um europäischen Gasmarkt zu übernehmen
  • Großbritannien hat kein Interesse daran, Spannungen mit Russland abzubauen
  • Russland verlangt Zugang zu Julia Skripal, den Großbritannien verweigert
  • Großbritannien versteckt die Skripals
  • Russland hat kein Motiv für die Vergiftung
  • das verwendete Nowitschok könnte aus einem westlichen Land stammen
  • Großbritannien führt einen Propagandakrieg
  • Großbritannien nutzt die Skripal-Vergiftung, um die Aufmerksamkeit von innenpolitischen Problemen abzulenken

Bei  den meisten Ereignissen auf dieser Liste handelt es sich um Fakten, die kein Beobachter mit einem IQ über Zimmertemperatur ernsthaft bestreiten kann. Doch laut den Experten der Elite-Universität  “King’s College” handelt es sich dabei komplett um Falschmeldungen, die von russischen Medien heimlich eingeschleust werden, um  Verwirrung in unseren Köpfen zu stiften: “Es handelt sich um Tatsachen, die der offiziellen westlichen Seite unangenehm sind, und gegen die man nur wenige oder gar keine Argumente vorbringen kann, da es sich eben großteils um offensichtliche und für jeden erkennbare Wahrheiten handelt. Wer nun solche Wahrheiten zu “Narrativen” erklärt und mit Spekulationen gleichsetzt, dessen Denkvermögen scheint ernsthaft getrübt,”  schreibt Kollege Paul Schreyer in seinem Artikel dazu.  Dass sich auch der “ARD Faktenfinder” dieser Einschätzung anschließt  – Parole: Warum noch recherchieren wenn man passende “Fakten”  zusammenstellen und die unpassenden einfach ausblenden kann – wundert nicht. Was aber immer wieder wundert ist, für wie unsagbar dämlich und hirngewaschen Wissenschaft und Medien ihr Publikum halten müssen, dem sie ernsthaft derartigen Schwachsinn verkaufen.

Vorsicht! Verschwörungstheoretiker sind kriminell und antisozial

Als ich im Sommer 2001  an einem Buch arbeitete, das eine Art Meta-Theorie von Verschwörungstheorien werden sollte – und eine Ergänzung von Robert Anton Wilsons “Lexikon der Verschwörungstheorien”, das ich zwei Jahre zuvor herausgegeben hatte –  stellte ich am Ende des ersten Teils einige allgemeine Thesen über deren Struktur und Funktion auf. Diese sollten dann weiter ausgeführt und belegt werden, wozu es aber nicht kam, weil die 9/11-Anschläge stattfanden und in der Folge das, was ich strukturell und historisch untersuchen wollte, live und sozusagen auf freier Wildbahn zu beobachten war. Und das in derart monströsem, welterschütternden Ausmaß, dass ich mir vorkam wie ein Saurier-Forscher, der in einen realen “Jurasic Park” versetzt wird. Denn spätestens als nach zwei Tagen bekannt wurde, dass in dem einzigen bei den Flügen hängen gebliebenen Koffer sämtliche Beweise für die Motive der Täter, inkl. Koran und Testament von Mohamed Atta gefunden wurden und in ihrem Mietauto ein Zettel mit der Telefonnummer von…..Tusch!…Osama Bin Laden,  war ziemlich klar, dass es sich hier nicht um eine Verschwörung authentischer Terroristen, sondern um einen Staatsaktion handeln muss. Derartige Dinosaurier-Spuren mussten natürlich weiter beobachtet werden, was ich dann in den folgenden Monaten auch tat und im Sommer 2002 das Buch dann unter dem erweiterten Titel  “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.” veröffentlichte. Da der Fall weiter unaufgeklärt blieb folgten 2003 und 2011 zwei weitere Bücher – und in keinem wurde irgendeine Theorie über die Täter aufgestellt, sondern stattdessen aufgezeigt und belegt, dass es sich bei der offziellen Story von Osama und den 19 Teppichmessern als Alleintätern um eine lupenreine unbewiesene Verschwörungstheorie handelt. In allen drei Büchern wurde dann eine grundlegende Neu-Ermittlung der Anschläge gefordert, sowie eine Revision des forschenden, akademischen Umgangs mit dem Thema Verschwörungen, hin zu einer rationalen wissenschaftlichen “Konspirologie”.

Von Letzterem sind wir nach wie vor genauso weit entfernt wie von einer neuen 9/11-Ermittlung, wobei hier aber mittlerweile immerhin ein Antrag bei einem New Yorker Gericht vorliegt. Die Konspirologie indessen, die akademische Befasssung mit dem Thema Verschwörungen, hat bis dato in der Regel nur Studien hervorgebracht, die – gäbe es ein Wissenschafts-Gericht – als “Bullshit-Sciene” umgehend verurteilt und bestraft werden müssten. Stattdessen aber werden sie, wie das Forschungsnetzwerk  “Comparative Analysis of Conspiracy Theories (COMPACT)” , von der EU gefördert, dessen Vizechef, ein Amerikanistik-Professor Michael Butter der Uni Tübingen,  im vorigen Jahr ein pseudo-wissenschaftliches Buch im ehemals ehrenwerten Suhrkamp-Verlag vorlegte. Jetzt ist diesem Netzwerk eine “Studie” entschlüpft, die einen Zusammenhang von “Glaube an Verschwörungstheorien und Bereitschaft zur Alltagskriminalität” ermittelt haben will: Verschwörungstheoretiker fahren bei Rot über die Ampel. Da die auf 250 Online-Interviews beruhende “Studie” nicht im “Postillon” erschien, sondern im renommierten “British Journal of Social Psychology”, ist sie offiziell zitierfähig und macht denn auch in großen Medien fröhlich die Runde. Dass es sich um Bullshit-Science handelt schadet dabei nicht – wenn die Story paßt sind die Fakten für die Relotius-Medien bekanntlich zweitranging, zumal wenn sie mit der Autorität von Forschungsinstituten und Professoren daher kommt. “Verschwörungstheorien könnten Menschen dazu bringen, sich aktiv antisozial zu verhalten”, lautet in diesem Fall ihr Fazit. “Am Ende”, so Kollege Paul Schreyer in seinem Artikel über diesen neuerlichen Tiefpunkt der Verschwörungswissenschaft, geht es einmal mehr um die Deutungshoheit: “Kriminell sind nicht etwa etablierte Kreise an der Spitze der Gesellschaft, sondern vor allem diejenigen Zweifler, die den Etablierten Böses zutrauen.”

Newtons Gespenst und Goethes Polaroid

“Die Wissenschaft hilft uns vor allem, dass sie das Staunen, wozu wir berufen sind, einigermaßen erleichtere.” Mit diesem Zitat auf der Rückseite endet mein Buch über den Anfang von Goethes lebenslanger Erforschung von Steinen und Pflanzen, Menschen und Tieren, Licht und Farben – und über den Text, der den Auftakt und das Programm für diese wissenschaftlichen Arbeiten liefert: das “Fragment über die Natur”.  Auch wenn er diese Aphorismen nicht verfasst hat und sie wahrscheinlich von Georg Christoph Tobler stammen, auch wenn Goethe sie nur bearbeitet und bei einer Zeitschrift eingereicht hatte, wo sie anonym erschienen, stehen diese hymnischen Zeilen als herausragender Schlüsseltext für das Denken Goethes über die Natur. Dass dieses Denken seiner Zeit weit voraus war, dass man den Naturwissenschaftler Goethe keineswegs als dilettantischen Amateur abtun sollte und seine Haltung gegenüber seinen Forschungsgegenständen für die Zukunft relvanter sind als je zuvor, versuche ich in diesem Essay zu zeigen.  Dass Newtons “spectre” (engl.: Gespenst), das er an der Wand seiner dunklen Kammer entdeckte als er einen Lichstrahl durch ein Prisma fallen lies, keineswegs die ganze Wahrheit über die Natur des Lichts und der Farben darstellte, wie Goethe gegen die gesamte etablierte Wissenschaft behauptete, war kein Irrtum. Doch es dauerte fast 150 Jahre, bis Goethes Erkenntnisse und Methoden wieder aufgegriffen wurden und der Physiker Edwin Land im Stile der Goetheschen Farbenlehre experimentierte und die farbige Polaroid-Fotografie erfand. Deshalb heißt das Buch “Newtons Gespenst und Goethes Polaroid” und es ist seit heute überall im Buchhandel und online  direkt beim Verlag erhältlich. Das Bild auf dem Umschlag  ist die “Tabula Smaragdina” von Matthäus Merian, auf dem der berühmte Kupferstecher im Jahr 1618 das gesamte Wissen über Mikrokosmos und Makrokosmos vereinigen wollte.

Spannend und aufrüttelnd

Im Blog des Magazins “Freitag” wurde “Wir sind immer die Guten” rezensiert:

” Ein spannendes, aufrüttelndes Buch, dessen geschichtlichen Aspekte („Konfliktreich: Eine kurze Geschichte der Ukraine“ (ab S. 31) „CIA: Sechzig Jahre Erfahrung in der Ukraine“ (ab S. 72) zum Verständnis auch entstandener gegenwärtiger Situationen und damit verbundenen Spannungen unverzichtbar sind.

Es enthält jede Menge Seiten mit auffrischenden, lehrreichen Informationen, wie sie eben leider kaum oder gar nicht in den Medien vor- und zum Tragen kommen.

Augenöffnend das Kapitel 5 „Besser als Krieg: Farb-Revolutionen und Fake-Demokratie“ (S. 65). Nicht zu verachten auch das Kapitel 9 „Schnittstelle im Machtpoker: Der Atlantic Council“ (S. 101), Kapitel 11 „Im Gleichklang: Leitmedien und Lobbynetzwerke“ (S. 116), Kapitel 13 „Instrumentalisierung statt Aufklärung: Der MH17-Absturz“ (S. 140) sowie Kapitel 14: „Instrumentalisierung statt Aufklärung II: „Nowitschok“ (S. 154).

Man möchte das Buch gar nicht wieder aus der Hand legen! Unverzichtbar in Gänze, Seite für Seite. Aber Vorsicht: die eigne Gesichtsfarbe könnte angesichts der auftauchenden Fakten abwechselnd von bleich auf tiefrot wechseln.”

Die ganze Besprechung hier. 
Einen exklusiven Auszug aus dem Vorwort des Buchs gibt’s auf Rubikon