17
Apr, 2016

28 Nebelkerzen

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Obama reist nächste Woche mit mit schweren Waffen im Verkaufsgepäck nach Riad und die Saudis drohen mit 750 Milliarden Dollar Liebesentzug, falls in den USA ein neues Gesetz durchkommt, das Gerichtsklagen gegen saudische Regierungsmitglieder im Zusammenhang mit 9/11 zuläßt. Hintergrund ist die geforderte Veröffentlichung von bisher geheim gehaltenen “28 Seiten” des 9/11-Commission-Reports, für die sich vor allem der Senator Bob Graham stark gemacht hat – was uns schon 2011 etwas fishy vorkam, weil es nach “limited hangout” roch. Weshalb sich von dem aktuellen Hype um die  “Saudi-Connection”  der 9/11-Anschläge auch niemand benebeln lassen sollte, denn saudische Agenten wie die späteren “Hijacker” Al-Midhar und Al-Hazmi taten in den USA keinen Schritt ohne den großen Bruder CIA. In “11.9 – zehn Jahre danach” haben wir diese Zusammenhänge ausführlich dokumentiert. So sehr  die Drohung, Prinz Bandar und seine Frau als Geldgeber der “Hijacker” gerichtlich  mit Milliardenstrafen zu erpressen im diplomatischen Armdrücken durchaus  steroidartige Wirkung entfalten könnte, so wenig ist realiter damit zu rechnen. Denn dieser Prinz heißt nicht zufällig “Bandar Bush”, sondern ging bei seinem Kumpel George W. tatsächlich ein und aus. Und diese Kiste macht man doch besser nicht auf, wie schon dieser kurze Auszug (S.84/85) deutlich machen sollte:

“Fassen wir die Akte Khalid Al-Midhar noch einmal kurz zusammen: Seit 1998 wurde das Haus seines Schwiegervaters im Jemen observiert, in dem er ein und aus ging; 1999 wurde er von Omar Al-Bayoumi in Kalifornien empfangen, einem Saudi mit Geheimdienstverbindungen (von dem der Commission Report verharmlosend vermerkt, er sei ein »unwahrscheinlicher Kandidat für klandestine Beziehungen mit islamistischen Extremisten«); im Januar 2000 nahm er an einem Al-Qaida-Planungstreffen in Kuala Lumpur teil, das vom malaysischen Geheimdienst auf Video aufgezeichnet und den US-Behörden übermittelt wurde; er und seine »Studien«-Kollegen in San Diego erhielten über ihren Mentor monatliche Schecks von der Frau des saudischen US-Botschafters Prinz Bandar; im September 2000 nahmen Al-Midhar und Al-Hazmi eine neue Wohnung in San Diego, im Haus des FBI-Informanten Abdussattar Shaikh. Danach reiste Al-Midhar in den Jemen, wo im Oktober 2000 der Anschlag auf das US-Schlachtschiff “Cole” erfolgte, für das sowohl Gäste des safehouse seines Schwiegervaters als auch Teilnehmer des Malaysia-Treffens verdächtigt wurden. Zum selben Zeitpunkt wurde der oberste Terroristenjäger des FBI, John O’Neill, davon abgehalten, im Jemen zu ermitteln und erhielt von Bushs Botschafterin Barbara Bondine Einreiseverbot. Stattdessen wurde Khalid Al-Midhar im Juni 2001 ein frisches Einreisevisum für die USA erteilt. (…) Wir unterdessen fragen uns, ob die Logistik und die Verbindungen des Khalid Al-Midhar nicht sehr stark darauf hindeuten, dass es sich bei ihm um ein »Asset«, einen »IM«, einen Agenten handelte, der in den USA tun und lassen konnte, was er wollte, weil er im Auftrag eines Geheimdiensts unterwegs war. Der zwar auf der Watchlist der CIA stand, weil er engste Verbindungen zu einem Al- Qaida-Nest im Jemen unterhielt, der aber von den saudischen Royals alimentiert und von saudischen Agenten umsorgt wurde und der bei einem FBI-Mitarbeiter zur Untermiete wohnte – kein einsamer Terrorist under cover im Feindesland, sondern ein Agent mit besten Kontakten. Der Autor Lawrence Wright sprach mit einigen der Beamten der FBI-Einheit I-49, die für Al-Midhar und Al-Hazmi zuständig gewesen wäre, hätte sie denn von seiner Rolle erfahren. Dass sie davon nicht erfuhren, so glaubt »mindestens die Hälfte der Jungs im Büro«, hatte damit zu tun, »dass die CIA Al-Midhar und Al-Hazmi schützte, weil sie hoffte, die beiden zu rekrutieren«. Oder, können wir hinzufügen, dass die CIA sie im Joint Venture mit den saudischen Kollegen schon rekrutiert hatte als V-Männer (oder Agents Provocateurs?) in der »Logistikzentrale« von Al-Qaida …”

2
Oct, 2015

Krieg in Pipelinistan

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23.06.14 17:05-Bildschirmkopie

Weil der Kollege Fefe fast nur im Internet und kaum Bücher liest, stellt er  erst jetzt fest, dass in “Wir sind die Guten” auch etwas über den Hintergrund des Syrien-Konflikt steht. Nämlich über den  Krieg in Pipelinistan, in dem sich auf der einen Seite Assad, Russland und Iran und auf der anderen Katar, Saudi-Arabien und die USA gegenüberstehen. Unten zitiere ich mal einen kurzen Abschnitt dazu, denn auch für Nicht-Buch-Leser ist dieser Hintergrund interessant, zumal Russland jetzt in Syrien ebenfalls militiärisch eingreift.

Dass die ersten Berichte über die zivilen Opfer der russischen Luftschläge schon erschienen, bevor die Bomber überhaupt in der Luft waren, passt zu der desinformierenden Art und Weise der gängigen Berichterstattung über den Konflikt. Beim durchscannen der Artikel dazu war immer wieder zu lesen, dass die Russen die falschen, nämlich die von der CIA gesponsorten “moderaten” Terroristen getroffen hätten. Und nicht den IS – der freilich ebenfalls CIA-gesponsort ist, und zwar  von “Exon”-John McCain persönlich, welcher jetzt logischerweise zu den ersten gehörte, der die russischen Luftschläge scharf verurteilte.

 “Schon seit 2010 in Betrieb ist die russische Pipeline Blue Stream, die Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei befördert und die Russland mit Blue Stream 2 verlängern möchte – nach Syrien. Dass sich Syriens Diktator Assad auf dieses Angebot eingelassen hat und das Angebot einer von den USA und der EU projektierten Pipeline, die Erdgas aus Katar durch Jordanien und Syrien ans türkische Mittelmeer befördern soll, ablehnte, ist vermutlich der eigentliche Grund für den vom Westen massiv propagierten Regimewechsel in Damaskus sowie für die Tatsache, dass Katar und Saudi-Arabien die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg finanzieren und mit Al-Qaida-Söldnern unterstützen. Es geht dabei nicht um Demokratie oder Menschenrechte, sondern um das Milliardengeschäft mit den energiehungrigen europäischen Anrainern des Mittelmeers. Diesem Geschäft ist Assad im Weg und will zudem nicht nur russischem Erdgas Zugang zum Mittelmeer verschaffen, sondern hat auch mit dem Iran einen milliardenschweren Lieferungsvertrag geschlossen. Das – und nicht die unzweifelhaften Diktatur des Herrschers Assad – ist der Grund für den vom Westen mit Geld aus Katar und Saudi-Arabien geförderten Bürgerkrieg in Syrien und für die Unterstützung, die Assad in diesem Konflikt durch Russland erfährt. Es ist das große Spiel um Ressourcen und Marktzugänge – und hier gelten der Doppelstandard und die Gesetze des Dschungels: Täuschung, präemptive Attacken, Krieg.
Im August 2013 standen die Truppen der USA, Englands und Frankreich kurz davor, mit Bombardements in den syrischen Konflikt einzugreifen, weil nach mehreren Giftgaseinsätzen, die der Assad-Regierung zugeschrieben wurden, laut Präsident Obama eine »rote Linie« überschritten war. Nachdem am 21. August in der Stadt Ghuta erneut mehrere hundert Zivilisten durch den Einsatz chemischer Waffen ums Leben gekommen waren, legte Präsident Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September fest, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französische Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Damaskus gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI 6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen ließ – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI 6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: »Wir wurden reingelegt!« Wie dies geschah, deckte Seymour Hersh in zwei investigativen Reportagen einige Monate später auf: Als eine klassische »False-Flag-Operation« hatten die »Rebellen« selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten »Rattenlinie« zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden, was Russland verhinderte und danach einen Deal mit Assad aushandelte, sämtliche syrischen Chemiewaffen zu vernichten.
Wer nun glaubt, dass das Auffliegen der Geschichte und die Beweise, dass nicht der »Schlächter« Assad gegen sein eigenes Volk einschließlich Kindern mit Chemiewaffen vor- ging, sondern die vom Westen eingeschleusten Söldner der Al-Nusra-Front, zu einem Ende des verdeckten Kriegs in Syrien geführt haben, irrt. Die »rote Linie«, die gesetzt wurde, gilt nach dem doppelten Standard eben nur für eine Seite: Wir, die Guten, dürfen so etwas, weil wir für »Freiheit« und »Menschenrechte« unterwegs sind, weil wir »Diktatoren« beseitigen und den »Terror« bekämpfen. Und wenn unsere Helfershelfer dabei auch mal Giftgas einsetzen und einen Massenmord unter falscher Flagge veranstalten, ist das kein Grund, sich von ihnen zu trennen: Es geht um Größeres, um das große Spiel, in dem jedes Mittel erlaubt ist und in dem »wir« immer die Guten sind. (Bröckers/Schreyer: Wir sind die Guten, Frankfurt 2014, S. 58 ff.)

 

Ein ausführlicher Report über die aktuelle militärische Lage ist heute auf Telepolis erschienen: “Terrorismusbekämpfung zwischen Kuhhandel und Blockkonfrontation”

30
Mar, 2015

Kooperative Existenz

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Vor einigen Tagen hat Egon Bahr, einer der Architekten der deutschen Entspannungs-und Ostpolitik, im Deutsch-Russischen Forum eine Rede gehalten. Als ich Anfang März mit ihm sprach  – er hatte unser Buch “Wir sind die Guten” gelesen und es, zu meiner großen Freude, für gut befunden – war er sich noch nicht sicher, ob er diese Rede halten würde, falls sich die Lage in der Ukraine weiter zuspitzt. “Auf dem Trümmerhaufen der Ostpolitik will ich nicht mehr reden”, meinte er. Doch “Minsk II” hat zumindest halbwegs gehalten – und Egon Bahr geht davon aus, “dass ein unberechenbarer Gewaltausbruch vermieden werden kann”. Er hat deshalb seine Rede gehalten – über die Verantwortungspartnerschaft mit Moskau und Washington. (pdf).

Ich kann diese wichtige Rede nur allen zur Lektüre empfehlen  – wem die neun Seiten zuviel sind: auf  Telepolis gibt es eine gute Zusammenfassung – und man kann nur wünschen, dass diese Weitsicht und realpolitische Klugheit in vielen Gehirnen amtierender Politiker ankommt und umgesetzt wird. Auch und gerade wo Deutschland auf den Jahrestag der Befreiung vom Faschismus zu geht, die Moskau und Washington vor 70 Jahren mit vereinten Kräften erreichten. Nicht nur den Amerikanern, auch den Russen, gebührt dafür unser Dank – und eine besondere Verantwortung sowohl den USA als auch Russland gegenüber. “Die Realität verbietet Antiamerikanismus. Er ist dumm”, sagt Egon Bahr. Doch er sagt auch: “Wie können Russland nicht aufgeben weil es Amerika nicht gefällt.” Und steht mit seiner Forderung zu einer “kooperativen Existenz” durchaus in der Tradition eines anderen großen deutschen Staatsmanns.

bismarck

4
Mar, 2014

Kein Krieg auf der Krim!

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Vom letzten großen Krieg um die  Krim existiert in unserer Familie eine Postkarte, die mein Vater 1944 aus dem Lazarett in Odessa an seine Eltern schrieb. Das Minensuchboot, mit dem er als Oberfgefreiter der Marine auf dem Schwarzen Meer unterwegs war, war von einem britischen Bomber getroffen worden und gesunken. Elf Mitglieder der Besatzung konnten sich auf irgendwelche Schiffsteile retten und trieben einige Kilometer vor der Küste im Wasser. Als nach mehr als einem Tag noch immer kein Rettungsboot gekommen war,  entschlossen sich mein Vater und ein Kamerad um ihr Leben zu schwimmen und schafften es an Land. Doch erreichten sie nicht, dass die deutsche Marine ein Rettungsboot losschickte – wegen der Lufthoheit der Allierten liessen die Befehlshaber keine Schiffe mehr auslaufen. Dass mein Vater ein Anti-Militarist wurde, der nie ein positives Wort über die “Wehrmacht” verlor, hat mit dieser Geschichte zu tun, dem Trauma eines Überlebenden, der sich als Davongekommener schuldig fühlt am Tod seiner Kameraden.

An diese Geschichte mußte ich in den letzten Tagen denken, seit in den Nachrichten von einem möglichen Krieg in der Ukraine immer wieder die Rede ist – und die hiesigen Laptopbomber und Bellizisten ihn aus der sicheren Deckung ihres Schreibtischs herbeischreien. Weil die Lage aber komplexer ist, als diesen Hau-Drauf-Idioten in ihrem dumpfen Schwarz-Weiß-Raster dämmert, halten die amtierenden Politiker sich derzeit mit martialischem Kriegsgetrommel noch halbwegs zurück – zum Glück. Wobei es freilich einer zynischen Komik nicht entbehrt, wenn allenthalben  die  “territoriale Integrität” der Ukraine ausgrechnet von denen betont wird, die sich in Jugoslawien, Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen usw.  einen Dreck um derlei Völkerrecht scheren – und dann, wie der Skull&Bones-Außenminister John Kerry, auch noch verkünden:  “YOU JUST DON’T INVADE A COUNTRY ON PHONY PRETEXT IN ORDER TO ASSERT YOUR INTEREST!”

Wobei Putin aber nicht blöde ist und die verstärkte militärische Präsenz Russlands in der Ukraine natürlich mit den “Menschrechten” der russischen Bevölkerung auf der Krim begründet. Und natürlich nicht einfach zuschauen kann, wenn in seinem Hinterhof die Regierung weggeputscht wird  – nachdem EU und NATO mit “unverantwortlichen Gesprächen” (so der einstige britische Botschafter in Moskau) über die Mitgliedschaft und USA/CIA nach Aussagen der “Fuck-EU”-Diplomatin Nuland mit 5 Milliarden Dollar den regime change vorangetrieben haben –  wenn das neue Regime dann auch noch einen lupenreinen Faschisten als Armee,-und Sicherheitschef einsetzt, und Henry Kissinger auf CNN äußert, wie Putin das auffassen muß:  “als Generalprobe für das, was wir in Moskau vorhaben.”  

Wer sich vorstellt, wie die USA reagieren würden, wenn die Russen in Mexiko einen solchen Putsch vorangetrieben hätten, kann die bisherige Reaktion Putins eigentlich nur als moderat bezeichnen. Und so wird das hoffentlich auch bleiben, denn die eigentlichen Machthaber in der Ukraine sind nach wie vor die Oligarchen – und die haben kein Interesse an einem Bürgerkrieg oder an stockenden Geschäften sowohl mit Russland wie mit der EU. Eine Zerschlagung der Ukraine in Zwergstaaten, wie sie USA/NATO auf dem Balkan betrieben haben, werden sie genausowenig zulassen wie Putin. Die Halbinsel Krim, die Chrustschow der Ukraine 1954 schenkte, wird russisch dominiert bleiben, schon weil die Schwarzmeerflotte seit dem 18. Jahrhundert dort stationiert ist – und der Rest des riesigen, heruntergewirtschafteten Landes wird sich hoffentlich bald besinnen, dass es ohne ein gutes Verhältnis mit dem starken Nachbarn Russland  UND mit der EU und dem Westen niemals auf die Beine kommen kann.

5
Oct, 2013

Back in the USSR

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Broeckers_JFK_web-1Im Jahr 2000 war ich das letzte Mal in den USA. Nachdem ich mich seit dem September 2001 in zahlreichen Artikeln und Büchern kritisch über die offizielle Legende der 9/11-Anschläge geäußert hatte, mußte ich in den folgenden Jahren leider auch zwei Einladungen zu Konferenzen ausschlagen, weil ich nicht riskieren wollte, bei der Einreise am Flughafen festgesetzt und zurückgeschickt zu werden. Als Westberliner, der jahrelang dem rigiden Einreise,- und Transit-Regiment der DDR ausgesetzt war – nicht nur, als einer meiner Mitfahrer auf die Standardfrage: “Haben sie Funkgeräte, Schußwaffen oder Munition dabei” – einmal antwortete: “Wieso? Braucht man das hier?” – reagiere ich allergisch auf  Grenzschikanen, die über die Identitätsfeststellung hinausgehen. Dass dem Autor Ilja Trojanow , der sich kritisch zur NSA-Ausspähung und dem Nichtstun der Bundesregierung geäußert hatte, diese Woche die Einreise in die USA verweigert wurde,  zeugt einmal mehr vom Niedergang des einstigen Land of the Free in einen stalinistischen Polizeistaat: (Roll-)Back in the USSR. Wobei es ja selbst in der alten Sowjetunion zumindest ein öffentliches Gesundheitssystem gab, dessen Einführung die Republikaner und “Tea-Party”-Fanatiker in den Staaten jetzt bekämpfen, weil sie es für eine Ausgeburt des Kommunismus halten. Was wiederum zeigt, mit welch grotesker Propaganda die Gehirne einer Bevölkerung kontaminiert sein müssen, wenn sie Krankenkassen und Sozialversicherung für eine Erfindung von Lenin und Stalin hält.

In meinem Buch über John F.Kennedy belege ich die These, dass dies der letzte US-Präsident war, der eine Reform der bestehenden innen,- und außenpolitschen Verhältnisse der Vereinigten Staaten anstrebte – und der ermordet wurde, weil er sich ernsthaft daran gemacht hatte, eine solche Reform zu realisieren: außen durch eine Beendigung des Wettrüstens und des Kalten Kriegs und innen durch Stärkung der Bürgerrechte und der sozialen Gerechtigkeit. JFK wollte etwas ändern an der Einschätzung der USA, wie sie der eminente britische Historiker Arnold Toynbee 1961 konstatiert hatte:

»Amerika ist heute der Führer einer weltweiten antirevolutionären Bewegung zur Verteidigung seiner Besitzinteressen. Es steht für das, für was einst Rom stand. Rom unterstützte in allen fremden Gesellschaften, die unter seinen Bann fielen, die Reichen gegen die Armen; und da die Armen überall sehr viel zahlreicher waren als die Reichen, sorgte Roms Politik für Ungleichheit, Ungerechtigkeit und für das geringste Glück der Allermeisten.«

Als Kennedy seinen jungen Assistenten Dick Goodwin zum Chefberater für Lateinamerika machte, sagte er ihm:

»Wir können nicht jeden großmäuligen Diktator umarmen, der uns erzählt, er sei antikommunistisch, und der seiner eigenen Bevölkerung im Nacken sitzt. Und die Regierung der Vereinigten Staaten ist auch nicht der Repräsentant von Privatunternehmen. Wissen Sie, dass in Chile die amerikanischen Kupferunternehmen 80 Prozent des Außenhandels kontrollieren? Dafür stehen wir nicht. Und es gibt keinen Grund, warum sie dafür stehen müssen. Alles, was die Bevölkerung dort will, ist eine Chance für ein anständiges Leben – und wir haben sie denken lassen, dass wir auf der Seite von denen stehen, die sie unterdrücken. Dort unten ist eine Revolution im Gange, und ich will auf der richtigen Seite stehen. Verdammt, wir stehen auf der richtigen Seite. Aber wir müssen sie wissen lassen, dass die Dinge sich verändert haben.«

Mit den Schüssen in Dallas wurde sichergestellt, dass sich nichts in dieser Richtung veränderte – und seitdem geht es abwärts mit den USA, auch wenn sich ihr Imperium mit vielen Dutzend Kriegen immer weiter aufgebläht hat. Doch weil es, wie Toynbee sagt, nur  “für das geringste Glück der Allermeisten” sorgt, ist es wie Rom zum Niedergang verurteilt.

10
Jul, 2013

Stasi global

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stasi-im-erika-angela-merkelMutti Merkel hat in Sachen NSA klargestellt, dass sie es  in Ordnung findet, wenn Telefonate und Mails der gesamten Bevölkerung ausgespäht werden :

“Für mich gibt es überhaupt keinen Vergleich zwischen der Staatssicherheit der DDR und der Arbeit der Nachrichtendienste in demokratischen Staaten. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge, und solche Vergleiche führen nur zu einer Verharmlosung dessen, was die Staatssicherheit mit Menschen in der DDR angerichtet hat.”

Großartig – und letztlich auch nicht anders zu erwarten von einer ehemaligen FDJ-Sekretärin, die Karriere im Auspuff von Helmut Kohl gemacht hat. Was die Stasi mit  IM Erika  angerichtet hat würde man  da ja gerne mal wissen, aber sooo schlimm kann es nicht gewesen sein. Und wahrscheinlich deshalb hat sie auch nichts dagegen, wenn die USA jetzt ein bißchen  “Horch & Guck” auf globaler Ebene veranstalten, was etwas gaaanz anderes, weil eben “demokratisch”, ist. Denn:

“Die Arbeit von Nachrichtendiensten in demokratischen Staaten war für die Sicherheit der Bürger immer unerlässlich und wird es auch in Zukunft sein.”

Na dann. Warum es freilich für meine Sicherheit “unerlässlich” sein soll, dass die USA und die Briten und wer sonst noch “auch in Zukunft” meine Telefonate und emails speichert und liest, kann Mutti weder mir noch sonst jemandem erklären. Hätte ohne “die Arbeit von Nachrichtendiensten” der Iwan, der Chinamann oder sonstwer schon längst Berlin erobert ? Hätten die Islamisten schon Deutschland übernommen und alle unsere Frauen in die Burka gesteckt ? Wahrscheinlich – und allein die globale Stasi der amerikanischen Freunde hat uns davor gerettet und muß das auch in Zukunft tun. Meint jedenfalls Mutti und fordert:

“Dass wir die notwendige Diskussion mit den Vereinigten Staaten von Amerika in einem Geist führen, der bei allen mehr als berechtigten Fragen nie vergisst, dass Amerika unser treuester Verbündeter in all den Jahrzehnten war und ist.”

Okay. Was macht man aber mit einem “treuesten Verbündeten”, von dem bekannt wird, dass er einen von vorn bis hinten ausspioniert, belügt und betrügt ? In welchem “Geist” diskutiert man mit ihm ? Welche “berechtigten Fragen” darf man stellen ?  Dürfte man zB fragen ob ein Staat mit einem mafiosen Zweiparteiensystem und einem korrupten Kongress, den nur jemand regieren kann, der zuvor bei den Plutokraten hunderte Millionen  für den Wahlkampf eingesammelt hat, noch wirklich demokratisch ist ? Dürfte man fragen, ob es sich bei einem Land, das Lager wie Guantanamo betreibt, das mit ferngsteuerten Drohnen weltweit Menschen ermordet, das seine Gefängnisse privatisiert hat und mehr Bürger  einsperrt als jede andere Nation, noch wirklich um einen Rechtsstaat handelt ? – Wohl eher nicht. Denn dann käme man ja darauf,  dass die Stasi und das ganze Unrecht der DDR  noch eher bescheiden waren verglichen mit dem hemmungslosen Imperialismus und der “Homeland Security” unseres “treuesten Verbündeten” USA. Und solche Verharmlosung geht ja nun gar nicht…

12
Jan, 2012

Der neue 9/11-Schuldige: Iran

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Kurz vor Weihnachten hat ein Gaga-Richter eines Bezirksgerichts in Manhattan ein Urteil gefällt, das Iran 100 Milliarden Dollar Schadensersatz aufbrummt – wegen Mittäterschaft/Mitwisserschaft der 9/11-Verbrechen. Handfeste Beweise für diese steile Theorie gab es zwar nicht, aber ein paar dubiose Zeugen und “Experten” reichten dem Richter, um sein Urteil zu sprechen. Und den Medien, um die Kriegstrommel  ein bißchen lauter zu schlagen. Für einen unerklärten Krieg, der, wie der höchstwahrscheinlich  vom Mossad ermordete iranischen Atomphysiker zeigt, auch schon mit Bomben geführt wird.
Gleichzeitig wird gemeldet, dass die US-Armee in Georgien im Eiltempo Militärhospitale bauen läßt, was darauf hindeutet, dass noch mehr folgen wird als nur Mordanschläge. Obwohl der US-Verteidigungsminister gestern in der “New York Times” mit seiner Antwort auf die Frage, ob der Iran an Atomwaffen arbeitet, zitiert wird .- sie lautete “No”! -; und obwohl auch schon zwei Sicherheitsberichte  aus den Jahren 2007 und 2010 zu demselben Ergebnis kommen. Aber Fakten – seit den WMD des Irak offensichtlich – tun bekanntlich nichts zur Sache.  Denn die Pre$$titues machen alles mit, was der militärisch-industrielle Komplex vorgibt.  Die gigantischen Umsatzuwächse seit 9/11  können nicht gehalten werden, der Koloss giert weiter nach Futter, also muß in der Church of Fear jetzt von allen Kanzeln gepredigt werden: wer der Feind ist und dass man ihn nur mit Krieg los wird. Und wenn er keine Atomwaffen hat, und auch in zehn Jahren keine haben wird, dann hängen wir ihm medial einfach 9/11 an. Hat bei Saddam  doch auch schon 1a geklappt…

16
May, 2011

Das “Plan B Budget” zur Rettung des Planeten

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Die USA sind pleite, sie wirtschaften griechischer als die Griechen und jeder der bis drei zählen kann, weiß woran das liegt: “Demokraten wie Republikanern ist klar, dass der Militärhaushalt in keiner Relation zu irgendwelchen Gefahren steht. Ohne erkennbaren staatsgefährdenden Gegner ist das Budget seit 2000 um 80 Prozent gewachsen. Unter Obama gibt das Pentagon inflationsbereinigt mehr aus als zu Zeiten der Hochrüstung unter Ronald Reagan.”   Wie man ohne erkennbaren Gegner ein derartiges Wachstum des Rüstungsbudgets erzeugt, hatte der Think-Tank  Project for a New American Century im Sommer 2000 angeregt: nur “ein neues Pearl Harbourkönne die Bürger derart in Schrecken versetzen, dass sie eine solche Aufblähung des Rüstungsetats hinnehmen, so die  Autoren der Studie Rebuilding Americas Defenses (Paul Wolfowitz  et.al.), die dann kurz darauf an die Regierung kamen und – 9/11 sei Dank – ihre Pläne umgehend umsetzen konnten. Read more

4
Mar, 2011

Freiheit für Bradley Manning!

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Im Dezember und im Januar hatte ich hier schon einen Appell für Bradley Manning gepostet: Kriegsverbrechen anzuzeigen ist kein Verbrechen! – und auf die perversen Einzelhaftbedingungen hingewiesen, denen der eigentliche Held der Wikileaks-Veröffentlichungen ausgesetzt ist. Jetzt berichtet die “New York Times” von den Foltermethoden, mit denen die US-Army den Gefangenen gefügig machen und zu einer Aussage gegen Julian Assange bringen will. Am vergangenen Mittwoch mußte er nach Angaben seines Anwalts sieben Stunden lang nackt in seiner Zelle verbringen. Ebenfalls am Mittwoch wurde die Anklage gegen Bradley Manning auf 22 Punkte erweitert, darunter “aiding the enemy” (Unterstüzung des Feinds), worauf die Todesstrafe verhängt werden kann. Wofür ? Manning hat Dokumente weitergegeben, die Kriegsverbrechen im Irak aufgedeckt haben, darunter das “Collateral Murder”-Video und sich über seine Motive dafür deutlich  geäußert
:

(..)well, it was forwarded to [WikiLeaks] – and god knows what happens now – hopefully worldwide discussion, debates, and reforms – if not, than [sic] we’re doomed – as a species – i will officially give up on the society we have if nothing happens – the reaction to the video gave me immense hope; CNN’s iReport was overwhelmed; Twitter exploded – people who saw, knew there was something wrong . . . Washington Post sat on the video… David Finkel acquired a copy while embedded out here. . . . – i want people to see the truth . . . regardless of who they are . . . because without information, you cannot make informed decisions as a public.

Um weltweite Diskussionen, Debatten und Reformen auszulösen und weil er die Wahrheit für alle Menschen ans Licht bringen wollte “weil man ohne Informationen als Öffentlichkeit keine begründeten Entscheidungen treffen kann”  hat Mannings seinen Schritt gewagt – und die Weltöffentlichkeit muß ihm dafür dankbar sein. Nicht nur, weil er auf das grausame Morden im Irak aufmerksam gemacht hat, sondern auch weil  die Publikation der US-Diplomatenpost auf Wikileaks und die veröffentlichten Informationen über das gigantische Ausmaß der Korruption in Tunesien den Volksaufstand dort gefördert haben. Bradley Mannings ist ein Held und die Brutalität, mit der das US-Imperium diesen vorbildlichen Bürger in Uniform foltert und mit dem Tod bedroht, nur noch ekelerregend…