Echt jetzt, Trump?

Die meisten Menschen, mit denen ich seit Mittwoch früh über das Wahlergebnis sprach, fanden es ganz furchtbar und schlimm, dass ein Typ wie Trump jetzt US-Präsident wird. Weil ich dieses Entsetzen nicht teilte, fragten sie mich: “Findest du den etwa gut ? Das kann doch nicht sein….”. Ist es auch nicht. Aber ich finde gut, dass eine korrupte Kriegsverbrecherin, die Abertausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, nicht wiedergewählt wird. Ich finde gut, dass die War Party/Neocon-Neoliberalcon/Wall Street/Think Tank/Corporate Media-Maschine sich mit ihrem  milliardenteuren Brainwashing nicht durchsetzen konnte und die Wähler eine pseudo-demokratische, pseudo-liberale, pseudo-soziale Kandidatin abwählten. Und mir gefällt, wie die von den Großmedien konstruierte Parallelwelt von dieser Wahl wie auch schon vom Brexit desavouiert wird: die Leute lassen sich vom Mainstream immer weniger täuschen, sie besorgen sich anderswo ihre Informationen und wählen anders, als es ihnen die Hohepriester in Funk und Fernsehen vorgeben. Neben dem Würgreiz kann ich mir eine klammheimliche Freude nicht verkneifen, das Gefasel und Gestammel der “geschockten” Qualitätschurnalisten zur Kenntnis zu nehmen, die noch immer nicht gecheckt haben, dass sie nicht die Wirklichkeit abgebildet haben, sondern eine Scheinwelt aus der Echokammer Medienmaschine.

Ja aber dafür kann man doch keinen Donald Trump und seinen sexistischen, rassistischen, diskriminierenden Anhang in Kauf nehmen, einen Despoten, der angekündigt hat, 2 Millionen Ausländer zu deportieren. Okay, in der Haut  eines illegal arbeitenden Mexikaners möchte man jetzt nicht stecken. Andererseits: wenn Trump diese Drohung umsetzt, bricht der Alltag nicht nur in Kalifornien sofort zusammen: es gibt plötzlich keine Kindermädchen, Gärtner, Mechaniker, Handwerker  mehr. Seinen Deportationsplan wird sich Trump also noch schwer überlegen müssen, ebenso wie die schwachsinnige Mauer. Seinen Plan, die Infrastruktur des maroden Landes wieder aufzubauen und so Arbeitsplätze zu schaffen kann man hingegen nur begrüßen, ebenso wie die Ablehnung von TTIP und die Ankündigung, die Ausgaben für die NATO und militärische Auslandsabenteuer herunter zu fahren. In der Wahlnacht sagte er: “I want to tell the world community that while we will always put America’s interests first, we will deal fairly with everyone, with everyone — all people and all other nations. We will seek common ground, not hostility; partnership, not conflict.” Wie das konkret aussehen wird, bleibt abzuwarten, aber es klingt deutlich besser als das Kriegsgeheul, von dem  Clinton auch im Wahlkampf nicht lassen wollte.

Kleines Fast Forward: Bei ihren dreitägigen Verhandlungen in Camp David haben die Präsidenten Trump,  Putin und Xi die geoplitschen Probleme erörtert und Lösungen für die wichtigsten Konflikfelder gefunden: zum gemeinsamen Vorgehen gegen den IS und islamistischen Terror in Syrien und dem Mittlern Osten, zu einem Minsk III -Vertrag für die Ukraine unter Anerkennung des de facto Status der Krim sowie zu einer Beilegung der Auseinandersetzungen im Süd-Pazifik. China hat Unterstützung angeboten, falls die einheimischen Arbeitskräfte zum Wiederaufbau der Straßen, Brücken und Tunnel des Landes nicht ausreichen – wie schon im 19. Jahrhundert beim Eisenbahnbau, diesesmal aber zum Mindestlohn! Weitere solcher Treffen zur Festigung der amerikanisch-russisch-chinesischen Zusammenarbeit sollen künftig jedes Jahr stattfinden.

Okay, man kann sich ja mal was wünschen  – die Probleme, ob weiße Männer Dreadlocks tragen dürfen oder Transgender-Menschen Mädchenklos benutzen dürfen, wären dann immer noch nicht gelöst, der Klimawandel dräute noch immer, der Kapitalismus und das Patriarchat wären nicht abgeschafft. Aber den Menschen in Amerika wäre sehr geholfen, wenn das monströse Militärbudget statt in Zerstörung in Wiederaufbau fliessen würde – und für den Rest der Welt könnte es kaum etwas Besseres geben als dass sich America first mal eine Weile mit sich selbst beschäftigt.

Trumpokalypse

Im “Frühkommentar” von heute morgen hatte ich schon geschrieben, dass  die Demokraten die Niederlage allein sich selbst zuzuschreiben haben, weil sie mit Bernie Sanders ihren populären Kadidaten ausmanvörierten und die Wall-Street-Hexe Hillary durchboxten. Dass dabei betrogen und getrickst wurde und Bernie der Sieg bei den Primaries gestohlen wurde, war schon vor den Wikileaks-Veröffentlichung der DNC-emails klar, die es nochmals schwarz auf weiß bestätigten – doch es war kein Thema für die Großmedien. Und damit sind wir beim Thema, dem eigentlichen Verlierer des Tages, dessen dramatischer Niedergang schon lange zu beobachten ist und nunmehr einen kaum zu unterbietenden Tiefpunkt erreicht hat: dem “Qualitätsjournalismus”. Also jenen sich “seriös” und “liberal” nennenden Medien, deren Vertreter man seit heute früh um 6.00 beim betroffenen Stammeln und hektischem Zurückrudern beobachten kann. Und die meisten haben scheinbar noch immer den Schuß nicht gehört, sie leben weiter in den Echokammern ihrer medialen Parallelwelt, die sie für die Realität halten. Eben etwa hörte ich im Autoradio eine ARD-Korrespondentin, die den Trump-Triumph darauf zurückführte, dass die Amerikaner “eben immer noch keine Frau im höchsten Amt akzeptieren können, einen Schwarzen ja, wie man mit Obama gesehen hat, aber keine Frau.” In der Realität haben zwar 53% der weißen Frauen Trump und nur 43% Clinton gewählt, was im Phantasialand solcher Journalisten aber keine Rolle spielt. Die Dame faselte dann noch irgendetwas von “Populismus” und dass Trump  den latenten”Rassismus” der Amerikaner mobilisiert hätte – tatsächlich aber hat er die Swing-States erobert, deren “Rassisten” die letzten beiden Male Obama gewählt hatten.

Das ist nur eine Momentaufnahme, aber eine typische: natürlich hat Trump mit seiner großmäuligen, xenophoben Attitüde sowohl Rassisten als auch dumpfe Macker bedient, aber das ist nicht der reale Grund für seinen Wahlsieg mit  Mehrheiten bei Frauen und den Siegen in Florida, Ohio, Michigan, Pennsylvania, Iowa und Wisconsin. Wahlentscheidend sind diese Super-Macker, Pussy-Grabscher  und Hardcore-Rassisten nur in der Parallelwelt, die unsere Qualitätsschurnalisten konstruieren und auch am Tag danach noch immer nicht verlassen können. Träumt ruhig weiter, Kollegen, konstruiert weiter die Welten, die das War Party/Neocon-Neoliberalcon/Wall Street/Think Tank/Corporate Media Establishment anrührt, aber glaubt nicht, dass euch noch jemand abnimmt, dass es sich dabei um die Wirklichkeit handelt. Etwa der Umfragen, die ihr täglich herbeitzitiert habt, um den souveränen Sieg Clintons zur selbsterfüllenden Prophezeiung zu machen. Warum hat die “Meinungsforschung” versagt ? Weil die Medien jeden Wahlkampffurz von Trump zum krassen Großskandal aufgeblasen haben, während Korruption und Kriegstreiberei Clintons harmlos unterm Teppich blieben – mit dem Ergebnis, dass sich viele Befragte in face to face Interviews nicht trauten, sich zu diesem Trump-Freak zu bekennen. Die solide Internet Umfrage der University of Southern California’s (USC) hingegen hatte Trump schon seit Monaten vorn, blieb aber ebenfalls unter dem Teppich der Mainstreammedien. Tja, und dann wacht man eben am Morgen auf und kann nur von “Schock”, “Tragödie”, “Trumpokalypse” stammeln…

Update: Kleine Presseschau des gesammelten Gestammels der transatlantischen Leitartikler hier

Mit Bernie wär das nicht passiert

Trump hat gewonnen. Die Demokraten haben die Quittung dafür bekommen, dass sie ihren populären Kandidaten Bernie Sanders ausgebootet und mit Hillary Clinton die unbeliebstetste Kandidatin aller Zeiten installiert haben. Mit Bernie wäre das nicht passiert, das zeigten schon vor Monaten die Umfragen, aber die Clinton-Maschine mit nahezu dem gesamten Medienapparat an ihrer Seite glaubte, ihn schadlos aus dem Rennen boxen zu können. So stand dann Establishment vs. Anti-Establishment zur Wahl und auch wenn Trump als Milliardär durchaus zu Ersterem gehört gelang es ihm, diese Karte erfolgreich zu spielen mit der er gegen Bernie keine Chance gehabt hätte. Mit Clinton aber stand nichts anderes als  ein “Weiter so” zur Wahl – und Trump konnte fast alle unzufriedenen Protestwähler einsammeln. Nur 1% wählten meine Lieblingskandidatin Jill Stein.

Was lernen wir daraus ? Die Macht der Mainstreammedien ist  unterminiert, die Brexit-Überraschung war keine Ausnahme sondern wird zur Regel. Dass die Großmedien auch noch den letzten Rest ihrer Pflicht zur objektiven Berichterstattung in die Tonne traten und notorisch Pro-Clinton und Anti-Trump berichteten, scheint kein Rezept Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die über Wochen gefahrene Kampagne, dass Russland die Wahlen mit Hackern manipuliert, wurde in ihrer Lachhaftigkeit so schnell durchschaut, dass die ideologische Holzhammerparole “Lugenpresse” in den US-Wortgebrauch einziehen konnte. Ob die Arroganz, mit der Clinton von Trump-Wählern als “Haufen von Erbärmlichen” sprach, jetzt heruntergefahren wird, bleibt ebenso abzuwarten wie das, was Trump von seinen großen Sprüchen im Wahlkampf als Präsident tatsächlich einlösen wird. Ein Trost bleibt den Amerikaner/innen immerhin: neun Bundesstaaten haben gestern Marihuana legalisiert  – das  kann das Land jetzt in der Tat brauchen…

 

Der Fall Ken Jebsen: Ein journalistisches Lehrstück

der-fall-ken-jebsen-coverPaul Schreyer hat das neue Buch für die Nachdenkseiten rezensiert:

Fällt der Name Ken Jebsen, dann schrillen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Ist das nicht dieser „nach Antisemitismusvorwürfen entlassene frühere RBB-Moderator“ und „neurechte Demagoge“, der „Verschwörungstheorien zum 11. September vertritt“? So oder ähnlich lauten zumindest einige medial häufig verbreitete Einschätzungen. Was ist dran an den Vorwürfen? Fest steht: Mit KenFM betreibt Jebsen eines der mittlerweile erfolgreichsten crowdfinanzierten Medienportale Deutschlands – sein Youtube-Kanal hat mehr Zuschauer als der des WDR, auf Facebook hat sein Portal mehr Likes als die ARD.

Auch ich war schon bei KenFM als Interviewgast eingeladen – und registrierte bei dieser Gelegenheit zunächst einmal die immens gründliche inhaltliche Vorbereitung des Gastgebers auf das Gespräch, was im journalistischen Geschäft keineswegs die Regel ist. Alles zusammen Grund genug, ein in diesen Tagen erschienenes Buch unter die Lupe zu nehmen, in dem Jebsen nun auf gut 250 Seiten ausführlich vom Kollegen Mathias Bröckers interviewt wird.

Vorab: Das Buch ist spannend. Die wesentlichen Kontroversen zur Person werden erörtert, außerdem das facettenreiche Leben des 50-jährigen geschildert. Jebsen hat nicht nur über zehn Jahre für den RBB gearbeitet und dort eine der populärsten Radiosendungen verantwortet, außerdem bei ZDF und Pro7 moderiert, sondern war vorher zunächst so medienfern, wie man es sich nur denken kann: als Seemann bei der Handelsmarine und dann als Niedriglohnjobber in verschiedenen Firmen, zum Beispiel auch an einer Stanze für Gussteile eines Automobilzulieferers.

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Gefallsüchtige und Verblöder

Wolfgang Herles, langjähriger TV-Journalist hat ein recht vernichtendes Buch über unsere Branche geschrieben, “Die Gefallsüchtigen”. Ken Jebsen hat ihn dazu befragt. Mehr zu diesem Thema, den Niedergang des klassischen politischen Journalismus  – “Wir  stehen fassungslos vor einem Verblödungsprozess von dem die Verblöder selbst betroffen sind” (Herles) –    und die Alternativen auch in unserem gerade erschienen Buch “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann”.

Sex, Lügen, Emails – Das Clinton-Trump-Debakel

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Dass die politische Struktur der Vereinigten Staaten, das “Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal), immer weniger einer Demokratie und immer mehr einer Oligarchie oder Plutokratie gleicht, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Aber in den geleakten Clinton-Mails zu lesen, wie verrottet das System tatsächlich ist, kann dann doch erstaunen. Etwa wie Hillarys Gegenkandidat Bernie Sanders ausmanöveriert wurde, der nicht nur die Mehrheit der demokratischen Wähler überzeugt, sondern auch locker gegen Trump gewonnen hätte. Da schreibt zum Beispiel ein Senior-Berater des Wahlkampfchefs Podesta, Joel Johnson, im Februar 2016 :  “Bernie needs to be ground to a pulp. We can’t start believing our own primary bullshit. This is no time to run the general. Crush him as hard as you can.” Er sei ein “Obama betrayer (Wh will affirm). Hapless legislator (Senators/members will affirm). False promiser (policy elites will affirm). Can’t win (black people will affirm).” Worauf Podesta zurückfragt:“I agree with that in principle. Where would you stick the knife in?” Neben solchen Interna der Demokraten sind aber vor allem die  Belege für die vielfältigen Bestechungen interessant, die über zweistellige Millionenzahlungen an die Clinton-Stiftung liefen. So zahlte der König von Marokko 12 Mio. $ für eine Audienz bei Hillary  (und durfte dann mit Waffen für 120 Mio. beliefert werden). Auch die Saudis, Katar und die Emirate gehören zu den Großfinanziers – sowohl der Clinton Inc. als auch von Al Qaida, ISIS & Co.

Mehr noch als durch die Beweise einer zutiefst bananenrepublikanische Korruptions,-und Gefälligkeitswirtschaft dürfte die Clinton-Maschine durch die geleakten Informationen  ins Stottern geraten, die die Aktionen nach Bekanntwerden des gehackten Privatservers von Hillary Clinton dokumentieren: die Versuche, belastetende mails verschwinden zu lassen, ihre Header und Absender zu manipulieren und die Lügen und Eide gegenüber Kongress und FBI, sämtliches Material den Behörden ausgehändigt zu haben. Alles außer den 650.000 Mails, die auf dem privaten Laptop von Huma Abedin, Hillarys engster Mitarbeiterin, gefunden wurden, von dem ihr (nunmehr Ex-) Gatte Anthony Weiner Sexnachrichten mit Minderjährigen austauschte. Diese Passion hatte den Ex-Abgeordneten, der zur Behandlung seiner Sexsucht jetzt in einer Reha-Klinik  in Tennesee abgetaucht ist, schon 2013 seine Kadidatur zum Bürgermeister von New York gekostet – und könnte jetzt auch die Karriere seiner Frau und ihrer Chefin zerstören. Denn selbst wenn Hillary die Wahl gewinnen sollte sind die Ermittlungen des FBI nicht aus der Welt – und es geht dabei nicht nur um Korruption und Geldwäsche, sondern auch um Geheimnisverrat, Spionage und um einen weiteren Sexskandal Bill Clintons, der 26 mal den “Lolita-Express” zur Privatinsel des pädophilen Milliardärs Jeffrey Eppstein genutzt haben soll.

Während das Clinton-Lager in dieser Schlammschlacht mit Schweinkram schon das Gegenfeuer eröffnet hat – mit einer Klage gegen Donald Trump und Jeffrey Eppstein wegen sexuellen Mißbrauchs einer Minderjährigen – wird es in Sachen Spionage und Verrat für das Glamour-Paar Abedin/Weiner eng. Denn was 650k Mails mit Staatsgeheimnissen auf dem privaten Rechner eines perversen Halodris zu suchen haben, der auch als radikaler Pro-Israel-Lobbyist agiert und  das Laptop mit seiner Gattin teilt, die als “saudische Prinzessin” familiäre Verbindungen zur Muslimbruderschaft hat, dürfte schwer zu erklären sein. Ebenso wie die Frage, warum sie über 10.000 mails aus ihrer Zeit als Bürochefin der Außenministerin Clinton in einem Ordner namens “Life Insurance” gebunkert hat. Wenn diese mails ihr Leben jetzt retten, müsste  ihre Karriere wohl ebenso beendet sein wie die von Hillary Clinton. Unterdessen behauptet der Gründer des privaten Militärkonzerns “Blackwater” unter Berufung auf Quellen der New Yorker Polizei, dass Huma die Seiten gewechselt habe und eng mit den Behörden kooperieren würde.  Dazu würde passen, dass Hillary ihre bisherige “zweite Tochter” mittlerweile nur noch  als “eine meiner Helferinnen” bezeichnet.

Und wer ist schuld an dem ganzen Debakel ? Während die US-Presse wird nach wie vor nicht müde wird, die faktenfreie Story von russischen Hackern und Putin als großem Wahl-Manipulator durchzuleiern, teilt der Chef der “Homeland Security” mit, Clintons Privatserver sei auch von China, Iran und anderen Ländern gehackt worden, denn auch im Ausland habe Hillary gegen jeden Rat ihre privaten Gerätschaften genutzt.  Und das alles, weil die zickige Vizepräsidentin nicht so ein  super-gesichertes POTUS-Blackberry  bekam und deshalb die Computer in ihrem Büro im State Department laut Aussage von Huma gar nicht nutzte. Wahrscheinlicher als Putin oder andere fremde Böslinge als Quelle für die Wikileaks -Mails ist deshalb die Behauptung des Ex-CIA und Statedepartment Whistleblowers Steven Pieceznik,  dass es “brave men in the CIA, FBI and the intelligence community” gewesen seien, die Wikileaks diese Mails zugespielt haben. Wer auch immer es war, fest steht: der Gewinner des Trump-Clinton-Debakels am Dienstag wird umgehend zivile Klagen, strafrechtliche Klagen und Impeachments an der Backe haben. Und falls Obama die Siegerin Hillary wie einst Gerald Ford seinen Vorgänger Nixon noch schnell begnadigen sollte, gibt es einen Aufstand in den USA. Verglichen mit den sich offenbarenden Clinton-Skandalen war Watergate nur eine kleine Lachnummer…

Bestseller Nr. 1 in “Medien”

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Der offizielle Erstverkaufstag läßt sich gut an – bei amazon wird das Buch bereits als “Bestseller Nr.1” in der Rubrik Medien gelistet. Auf den Nachdenkseiten ist ein ausführliches und lesenswertes Interview mit Ken erschienen:
“Er sagt, was er denkt. Redet Tacheles und ist oft sogar wütend dabei. Interviewt Christdemokraten ebenso wie Linksradikale und gelegentlich sogar Spinner. Er kritisiert bedingungslos jede Kriegstreiberei, agitiert gegen Sozialabbau und die AfD – und wird dennoch von einigen als „Rechter“, „Neurechter“ oder „rechtsoffen“ diskreditiert. Er polarisiert. Doch wer ist dieser Ken Jebsen eigentlich? Was treibt ihn an? Welchem Weltbild entspringt sein Engagement? Und worum geht es im soeben erschienenen Buch „Der Fall Ken Jebsen“? Jens Wernicke hat nachgefragt.

“Schnell, manchmal laut, immer deutlich”

der-fall-ken-jebsen-coverKollege Paul Schreyer hat das Buch nicht nur schon gelesen, sondern auch die erste Rezension verfasst und schon mal  bei amazon gepostet:

“Kaum ein Journalist polarisiert so wie Ken Jebsen. Er ist schnell, manchmal laut, immer deutlich und hält mit seinen Ansichten nie hinterm Berg. Bei den etablierten Medien steht er in schlechtem Ruf. Er sei, so heißt es dort, ein „nach Antisemitismusvorwürfen entlassener früherer RBB-Moderator“ und „neurechter Verschwörungstheoretiker“. Was ist dran an diesen Vorwürfen? Im Buch werden viele Fakten und Details genannt, ohne Schönfärberei aber auch ohne grobe Auslassungen, wie sie in vielen Medien heute leider üblich geworden sind. Mathias Bröckers schreibt im Vorwort des Buches zum Erfolg von Jebsen (dessen Youtube-Kanal inzwischen mehr Zuschauer hat, als der des gesamten WDR):

„Nicht, weil er `rechts’ ist, sondern weil er echt ist. Als Kriegsgegner und Antimilitarist, als extremer Vertreter sozialer Gerechtigkeit und scharfer Kritiker des neoliberalen `Jeder gegen jeden’, als Antirassist und strikter `Anti-Antisemit’, der Israel oft bereist und seine Verwandten dort besucht – und mit 545 Folgen `RückblickKEN’ den ARD-Rekord im Warnen vor Faschismus und Holocaust hält. Als einer, der weiß, wovon er spricht, wenn es um Rassismus geht, der im niederrheinischen Krefeld geboren ist und den iranischen Namen seines Vaters abgelegt hat, weil er nicht immer gefragt werden wollte, wann er denn wieder zurückgeht. Und der sich, eben weil er für dieses Thema von klein auf sensibilisiert ist, das Recht nimmt, die rassistische Politik Israels als solche zu benennen und zu kritisieren. Nicht weil er Juden hasst, sondern weil ihm diese Politik zutiefst zuwider ist, wie übrigens auch vielen jüdischen Menschen innerhalb und außerhalb Israels. Und weil er in Israel einen Freund sieht, an dem ihm etwas liegt. Dass er seine Empörung darüber nicht vornehm zurückhält, wie es die hiesigen Diskurskonventionen (und NATO-Interessen) vorschreiben, auch das ist nicht `rechts’, sondern echt – humanistisch nämlich.“

Und viel mehr müsste man dazu vielleicht gar nicht sagen, denn wer einmal ein paar Stunden lang Jebsens Reden und Interviews gelauscht hat (Anmerkung: Der Autor dieser Zeilen war selbst schon Interviewgast bei KenFM), der weiß um die Absurdität des Vorwurfs, Jebsen habe eine rechte Gesinnung. Das Gegenteil ist der Fall. Was nicht heißt, das man an diesem Journalisten nichts kritisieren könnte. Nur fair und belegbar sollte die Kritik dann eben schon sein.

Was in den Medienberichten zur Person Jebsen in der letzten Zeit zudem völlig unter den Tisch fällt, ist seine berufliche Vergangenheit, die von den etablierten Medien seinerzeit noch hochgelobt wurde. 2007 etwa bekam Jebsen für eine seiner Reportagen den renommierten und von der ARD mitgetragenen Europäischen Civis Hörfunkpreis. Wer weiß das noch, wann wird es mal erwähnt? Und 2004 schrieb die „taz“ – die ihn heute meidet – über seine damals noch vom RBB ausgestrahlte Radiosendung KenFM lobend: „Das ist das Schöne und Außergewöhnliche an Ken FM, der Sound ist schräg, aber er baut sein Spiel auf Wissenschaft, auf Geschichte, Philosophie, Technik. Hirnforschung und Atomphysik statt Supergewinnspiel und sinnlosem Werbeclaim. (…) Als Gast eingeladen wird nur, wer wirklich etwas zu erzählen hat oder zumindest ungewöhnlich ist. (…) Man fragt sich, warum der RBB die Ken-FM-Show nicht längst ins Fernsehen transferiert hat.“

Die Antwort auf diese Frage könnte man im Politischen finden. Denn Jebsen macht beim RBB nicht nur originelles, unterhaltsames und lehrreiches Radio, sondern rührt auch heiße Eisen an, von denen die meisten Kollegen aus guten (Karriere-)Gründen die Finger lassen. So produziert er etwa 2011 eine lange und gründlich recherchierte Sendung, in der die offizielle Darstellung von 9/11 umfassend hinterfragt wird. Nach den Bombardements in Gaza wiederum kritisiert er die Politik der israelischen Regierung als „zionistischen Rassismus“. Beides, so schreibt es Mathias Bröckers nun im Vorwort des Buches, „ist in Deutschland verboten und wird von den Inquisitoren des politischen Diskurses mit Verbannung in die Schmuddelecke des Verschwörungswahns bestraft“.

Der vermeintliche Antisemitismus-Vorwurf, auf den sich einige Medien bis heute beziehen, wurde vom Arbeitgeber RBB beim Rauswurf Jebsens 2011 auch nicht erhoben. Dieser Vorwurf kam von dritter Seite (Henryk M. Broder), wurde aber nie sauber belegt. Der Sender selbst verteidigte seinen Mitarbeiter auch nach der Trennung noch gegen diese Anschuldigung. Zugleich behauptete der RBB, Grund des Rauswurfes seien „nicht eingehaltene journalistische Standards“. Auf Nachfrage wollte der Sender dann aber – skandalöserweise – keine Einzelheiten zu diesen „Standards“ nennen. Der Eindruck, den man somit haben musste: Jebsen war offenbar schlicht politisch unbequem, da er sich nicht „kontrollieren“ ließ.

Und genau das ist nun die Wurzel seines Erfolgs als freier Journalist, der per Crowdfunding seit einigen Jahren einfach da weitermacht, wo viele etablierte Medien bis heute die politischen Konflikte scheuen. Und so könnte das vorliegende Buch auch ein wichtiger Anstoß dazu sein, die Debatte zur Vertrauenskrise des Journalismus ein Stück voranzubringen. Spannend geschrieben ist es allemal.”

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

In die Tür und Exit (3)

der-fall-ken-jebsen-coverHier ein weiterer Auszug aus meiner Einleitung zum Buch “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann”, das diese Woche neu erschienen ist.

Das autoritative Privileg der Presse, also die Deutungshoheit und Meinungsführerschaft über die Wirklichkeit, existiert so nicht mehr, das Monopol von einer Handvoll Nachrichtenagenturen und Großverlage zur Herstellung von öffentlicher Meinung ist geknackt. Niemand muss mehr Punkt 20 Uhr Uhr vor der Tagesschau sitzen, um zu erfahren, was in der Welt geschieht. Die Empfänger von Nachrichten und Kommentaren zum Weltgeschehen können es weitgehend selbst in die Hand nehmen, wann, von wem und wie sie sich die Welt erklären lassen und welchen Journalisten, Reportern und Experten sie vertrauen. Und dafür, das zeigt der Erfolg des nutzerfinanzierten Projekts KenFM, dann auch bereit sind, sie freiwillig zu finanzieren.

Warum gelingt das ausgerechnet einem Ken Jebsen? Einem rasenden Reporter, der schnell denkt und noch schneller spricht, der lieber zuspitzt und polarisiert, als zurückhaltend und ausgewogen zu formulieren, und der mit dem Stakkato und dem Speed seiner Sätze manchen schon einmal überfordert? Die Antwort ist einfach: Der Mann ist echt. Er verstellt sich nicht, obwohl er mal auf einer Schauspielschule war, um seine Schüchternheit und Bühnenangst zu überwinden, und er trägt sein Herz auf der Zunge, auch wenn er für die Arbeit als Radiomoderator eine Sprechausbildung machen musste. Er war nämlich Musikredakteur und wollte gar nicht ans Mikro, bis eines Nachts der Moderator ausfiel. Er wollte beim Fernsehen auch nur hinter der Kamera Reportagen machen, bis er einmal aus Versehen durchs Bild lief und der Chef ihn zum »Reporter des Wahnsinns« ernannte. Und er wollte auch kein KenFM im Netz senden, bis ihn ein mieser rbb-Hörer diffamierte und ein notorischer Denunziant, Wichtigtuer und Springer-Journalist seine Netzwerke mit dieser Diffamierung fütterte und den Sender unter Druck setzte. Weil Ken Jebsen aber Fallschirmspringen gelernt hat und weiß, dass der Aufruf »In die Tür und Exit« zwar den freien Fall, aber nicht das Ende bedeutet, erreicht er heute mit KenFM mehr Menschen denn je.

Und das nicht, weil er »rechts« ist, sondern weil er echt ist. Als Kriegsgegner und Antimilitarist, als extremer Vertreter sozialer Gerechtigkeit und scharfer Kritiker des neoliberalen »Jeder gegen jeden«, als Antirassist und strikter »Anti-Antisemit«, der Israel oft bereist und seine Verwandten dort besucht – und mit 545 Folgen »RückblickKEN« den ARD-Rekord im Warnen vor Faschismus und Holocaust hält. Als einer, der weiß, wovon er spricht, wenn es um Rassismus geht, der im niederrheinischen Krefeld geboren ist und den iranischen Namen seines Vaters abgelegt hat, weil er nicht immer gefragt werden wollte, wann er denn wieder zurückgeht. Und der sich, eben weil er für dieses Thema von klein auf sensibilisiert ist, das Recht nimmt, die rassistische Politik Israels als solche zu benennen und zu kritisieren. Nicht weil er Juden hasst, sondern weil ihm diese Politik zutiefst zuwider ist, wie übrigens auch vielen jüdischen Menschen innerhalb und außerhalb Israels. Und weil er in Israel einen Freund sieht, an dem ihm etwas liegt. Dass er seine Empörung darüber nicht vornehm zurückhält, wie es die hiesigen Diskurskonventionen (und NATO-Interessen) vorschreiben, auch das ist nicht »rechts«, sondern echt – humanistisch nämlich.

Fortsetzung folgt

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.