Die meisten Menschen, mit denen ich seit Mittwoch früh über das Wahlergebnis sprach, fanden es ganz furchtbar und schlimm, dass ein Typ wie Trump jetzt US-Präsident wird. Weil ich dieses Entsetzen nicht teilte, fragten sie mich: “Findest du den etwa gut ? Das kann doch nicht sein….”. Ist es auch nicht. Aber ich finde gut, dass eine korrupte Kriegsverbrecherin, die Abertausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, nicht wiedergewählt wird. Ich finde gut, dass die War Party/Neocon-Neoliberalcon/Wall Street/Think Tank/Corporate Media-Maschine sich mit ihrem milliardenteuren Brainwashing nicht durchsetzen konnte und die Wähler eine pseudo-demokratische, pseudo-liberale, pseudo-soziale Kandidatin abwählten. Und mir gefällt, wie die von den Großmedien konstruierte Parallelwelt von dieser Wahl wie auch schon vom Brexit desavouiert wird: die Leute lassen sich vom Mainstream immer weniger täuschen, sie besorgen sich anderswo ihre Informationen und wählen anders, als es ihnen die Hohepriester in Funk und Fernsehen vorgeben. Neben dem Würgreiz kann ich mir eine klammheimliche Freude nicht verkneifen, das Gefasel und Gestammel der “geschockten” Qualitätschurnalisten zur Kenntnis zu nehmen, die noch immer nicht gecheckt haben, dass sie nicht die Wirklichkeit abgebildet haben, sondern eine Scheinwelt aus der Echokammer Medienmaschine.
Ja aber dafür kann man doch keinen Donald Trump und seinen sexistischen, rassistischen, diskriminierenden Anhang in Kauf nehmen, einen Despoten, der angekündigt hat, 2 Millionen Ausländer zu deportieren. Okay, in der Haut eines illegal arbeitenden Mexikaners möchte man jetzt nicht stecken. Andererseits: wenn Trump diese Drohung umsetzt, bricht der Alltag nicht nur in Kalifornien sofort zusammen: es gibt plötzlich keine Kindermädchen, Gärtner, Mechaniker, Handwerker mehr. Seinen Deportationsplan wird sich Trump also noch schwer überlegen müssen, ebenso wie die schwachsinnige Mauer. Seinen Plan, die Infrastruktur des maroden Landes wieder aufzubauen und so Arbeitsplätze zu schaffen kann man hingegen nur begrüßen, ebenso wie die Ablehnung von TTIP und die Ankündigung, die Ausgaben für die NATO und militärische Auslandsabenteuer herunter zu fahren. In der Wahlnacht sagte er: “I want to tell the world community that while we will always put America’s interests first, we will deal fairly with everyone, with everyone — all people and all other nations. We will seek common ground, not hostility; partnership, not conflict.” Wie das konkret aussehen wird, bleibt abzuwarten, aber es klingt deutlich besser als das Kriegsgeheul, von dem Clinton auch im Wahlkampf nicht lassen wollte.
Kleines Fast Forward: Bei ihren dreitägigen Verhandlungen in Camp David haben die Präsidenten Trump, Putin und Xi die geoplitschen Probleme erörtert und Lösungen für die wichtigsten Konflikfelder gefunden: zum gemeinsamen Vorgehen gegen den IS und islamistischen Terror in Syrien und dem Mittlern Osten, zu einem Minsk III -Vertrag für die Ukraine unter Anerkennung des de facto Status der Krim sowie zu einer Beilegung der Auseinandersetzungen im Süd-Pazifik. China hat Unterstützung angeboten, falls die einheimischen Arbeitskräfte zum Wiederaufbau der Straßen, Brücken und Tunnel des Landes nicht ausreichen – wie schon im 19. Jahrhundert beim Eisenbahnbau, diesesmal aber zum Mindestlohn! Weitere solcher Treffen zur Festigung der amerikanisch-russisch-chinesischen Zusammenarbeit sollen künftig jedes Jahr stattfinden.
Okay, man kann sich ja mal was wünschen – die Probleme, ob weiße Männer Dreadlocks tragen dürfen oder Transgender-Menschen Mädchenklos benutzen dürfen, wären dann immer noch nicht gelöst, der Klimawandel dräute noch immer, der Kapitalismus und das Patriarchat wären nicht abgeschafft. Aber den Menschen in Amerika wäre sehr geholfen, wenn das monströse Militärbudget statt in Zerstörung in Wiederaufbau fliessen würde – und für den Rest der Welt könnte es kaum etwas Besseres geben als dass sich America first mal eine Weile mit sich selbst beschäftigt.


