Yankee and Cowboy War 2.0

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Während die hiesigen Transatlantiker, TTIP-Verkäufer und NATO-Lobbyisten wg. Trump immer noch in Schnappatmung verharren, die Cornell-Universität den von der Hillary-Niederlage “traumatisierten” Studierenden ihre Therapie-Hunde zur Verfügung stellt und die weniger Kuschelbedürftigen lautstark gegen das Wahlergebnis (und den möglichen Ausfall eines Kriegs gegen Russland ?) demonstrieren, kam mir beim Blick auf die Vereinigten Staaten  der “Yankee and Cowboy War” in den Sinn. Unter diesem Titel hatte der Politiologe Carl Oglesby 1976 die  Zeit vom Kennedy Mord bis Watergate beschrieben. Nach C. Wright Mills “Theory of the Power Elite” und Carroll Quigleys “Tragedy and Hope” lieferte Oglesbys Buch eine der ersten Analysen des us-amerikanischen Tiefenstaats, als Kampf zwischen dem alten Ostküsten-Geldadel und den neuen Cowboy-Oligarchen aus dem Süden. Letztere sorgten im Verbund mit Mafia,-und CIA-Typen dafür, dass JFK 1963 in Dallas umgelegt wurde, erstere kickten dann 1974 Nixon mit Watergate etwas eleganter aus dem Amt.

Tricky Dick Nixon hatte damals versucht, sich mit der Gründung der “DEA” (Drug Enforcement Agency) am lukrativsten Topf im tiefenstaatlichen Geschäft zu bedienen, dem von der CIA kontrollierten Drogenhandel, was die “Yankees” nicht zulassen konnten. CIA-Chef George Bush lies dann als Ronald Reagans Vizepräsident das Geschäft direkt aus dem Weissen Haus, von Oli North,  organisieren. Zu dieser Zeit war es auch, dass der Chefpilot der “Iran-Contra”-Flotte, Barry Seal, mit Säcken voll Kokain und Dollars auf seinem “Heimatflughafen” in Mena/Arkansas von einem un-informierten Zollbeamten versehentlich kontrolliert und festgenommen wurde,  aber zwei Tage später aus dem Gefängnis frei kam – nachdem Bush senior einen Anruf bei dem aufstrebenden Generalstaatsanwalt von Arkansas getätigt hatte, einem jungen Mann namens William  Clinton. Spätestens seit dieser Zeit sind auch Bill und Hillary Clinton im Geschäft mit dem Tiefenstaat und trotz anderer Parteifarben keine Opponenten der Bushs, sondern partners in crime.  Eines Syndikats, das seit Jahrzehnten im Weissen Haus an den Schalthebeln des Imperiums sitzt.

Auch wenn die geographischen Zuschreibungen in der 2.0 Version dieses Kampfs innerhalb der Machteliten nicht mehr   hinhauen und ein gebürtiger New Yorker und polternder Yankee par excellence – Donald Trump –   gerade  die Wahl gewonnen hat: es geschah im Cowboy-Stil und nicht nur im Süden sondern wider Erwarten auch im rust belt des Nordens. Und  schaut man sich   seine  Wahlspots an,  sind die Gegner in Bild und Ton eindeutig definiert:  die Clintons, Goldman-Boss Blankfein, Oligarch Soros, Obama,  die “Globalisten”, das “Washington-Establishment”. Wenn “Cowboy” Trump gegen diese Fraktion wirklich antritt – und etwa die Bankenregulierung wieder einführt (den Glass Steagall-Act,  den Roosevelt als Antwort auf den Crash 1929 initiiert und der “Finanzkrisen” wirksam verhindert hatte  bis Clinton ihn 1996 abschaffte und so den Crash 2008 ermöglichte) –  wenn Trump also diesen Eliten ernsthaft ans Eingemachte geht, dann lebt er gefährlich.  Auch wenn er wiederholt, was er unter den Buh-Rufen der Republikaner auf dem Parteitag der Bush-Fraktion in Sachen Irak ins Stammbuch schrieb: “I want to tell you. They lied. They said there were weapons of mass destruction, there were none. And they knew there were none. There were no weapons of mass destruction.” Und falls dann wieder ein “einsamer Irrer” die Kugel feuern sollte – was  einige traumatisierte Hillary-Fans sich  derzeit wohl klammheimlich  wünschen –  können wir ziemlich sicher sein: es waren die “Yankees”.

“Gab es vielleicht nicht nur einen Kampf Trump vs. Establishment, sondern einen Kampf  Trump + x  vs. Establishment (ohne x)? Wer aber könnte x sein?”, fragt Norbert Haering in seinem “Geostrategischen Erklärungsversuch” der Wahlüberraschung. Damals waren “x” die texanischen Ölmagnaten und Rüstiungsindustriellen (Hughes), heute wären es möglicherweise Figuren wie die Koch-Brothers (Finanziers u.a. der Tea Party und der Anti-Klimaschutz-Bewegung, obwohl sie Trump nicht mögen; oder weitblickende Geostrategen, wie sie Norbert Haering anführt, die eine Kooperation mit Russland suchen weil sie in China den entscheidenden “Endgegner” sehen. Dann wäre Trumps Erfolg  kein Zufall, kein unvorhergesehner Fehler in der von der Clinton-Maschine und ihren Medien durchorchestrierten Wahlkampfshow, die er eigentlich knapp verlieren sollte, vielmehr wäre der Erfolg Trumps von längerer Hand geplant:

“Holzschnittartig formuliert wäre das ein Machtkampf zwischen langfristig geostrategisch orientierten Kräften und eher am eigenen kurz- bis mittelfristigen ökonomischen Gewinn orientierten Kräften. Wenn das so wäre, und man das letzte Jahr Revue passieren lässt, so müsste man wohl zu dem Schluss kommen, dass die erste Gruppe schon seit geraumer Zeit an entscheidenden Fäden zieht (TTIP-Aufgabe, Brexit, Verzicht auf Forderung nach Assad-Rücktritt, Rücknahme der Rebellenunterstützung). Bleibt die skeptische Frage, ob man wirklich, selbst wenn der skizzierte geopolitische Schwenk beabsichtigt ist, einen wie Trump ins Präsidentenamt hieven muss. Geht das nicht auch mit einem vernünftigen Menschen? Wohl schon. Aber mit Trump geht es besonders gut. Eine solche Wende gegen starke ökonomische und ideologische Beharrungskräfte durchzusetzen, braucht einen autokratisch auftretenden Typ. ” (Norbert Haering)

Aktuell glaube ich eher an den oben zitierten Fehler als eine sinistre Planung von langer Hand – aus dem von Wikileaks publiziertem Schriftverkehr von Clintons Wahlkampfteam geht hervor, wie ihre Medienkontakte instruiert wurden, die schrägen Vögel (Pied Pipers) wie Trump und nicht die eher seriösen republikanischen Kandidaten zu pushen. Schon seit dem Frühjahr hatten die Demokraten den kompromitterenden “Pussygrabscher”- Beweis im Arsenal,  der im Oktober dem Macho-Kandidaten den definitiven Todesstoß versetzen sollte. Was dann mißlang, weil weder die sexistischen noch die rassistischen Töne Trumps letztlich auschlaggebend waren: 53 % der weißen Frauen wählten ihn, ebenso wie eine große Anzahl von Latinos, die man sämtlich dem Clinton-Lager zugeschlagen hatte. Dass aber hinter den kompromittierenden Wikileaks-Mails nicht “die Russen” steckten, wie es Hillary und ihr Medienchor ad nauseam wiederholen, sondern sehr viel wahrscheinlicher rogue agents der US-Geheimdienste, wie es CIA-Veteran  Steve Piecznik behauptet, scheint wiederum für die Existenz einer “Fraktion x” in diesem Kampf der Machteliten zu sprechen. Wie auch immer, die Charaketerisierung aus meinem ersten Artikel über den künftigen POTUS bleibt weiter richtig: Springteufel Trump. Die ersten drei Mitglieder seines “Transition-Teams”, waren eine Frau, ein Schwarzer und ein Schwuler. Der Bedarf an Therapiehunden für College-Kids wird wohl anhalten….

(To be continued)

Epidemische Trumpophobie

image-1071026-thumbflex-qjkn-1071026Das ehemalige Nachrichtenmagazin hat in Zeiten des galoppierenden Medienschwachsinns mal wieder einen Favoriten ins Rennen geschickt. Es beschwört  “Das Ende der Welt (wie wir sie kennen)” und macht Trump zu einem Himmelsereignis, das als feuriger Meteorit auf die Erde zusteuert. Dabei kam der Oligarch Trump so wenig aus heiterem Himmel wie das Goldman-Girl Hillary, sie entstammen beide der amerikanischen Plutokratie und markieren  in deren “Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal) lediglich verschiedenen Fraktionen.  So konnte Clition denn auch im Wahlkampf  ein Horrorbild von Trump als “unserem Hitler” an die Wand malen – und nach ihrer Niederlage dazu aufrufen, mit dem neuen Führer zusammenzuarbeiten. Doublespeak aus Brainwashington in Reinkultur. Kein Wunder, dass die Schreibknechte in den Redaktionen kaum hinterherkommen und erstmal in Schockstarre verharren. Eine Art Trumpophobie scheint ausgebrochen, was dann zu Titelseiten führt, wie sie sonst nur die “Zeugen Jehovas” oder die “Adventisten der Letzten Tage” verbreiten. Irgendein Schwachkopf der Bild-Zeitung halluzinierte schon, wie der Dämon Trump und das Biest Putin demnächst gemeinsam Europa verschlingen und für den  “Spiegel” fällt Mutter Erde jetzt komplett dem Monster mit der Eichörnchenfrisur zum Opfer.

Am Mittwoch berichtete ein Kollege, dass er die Mitarbeiter seiner Redaktion am Morgen geschockt hätte: “Habt ihr schon gehört – Trump will 9/11 neu ermitteln?”  Starres Staunen, atemlose Stille, man hätte eine Stecknadel fallen hören, dann: befreites Lachen, war ja nur ein Witz, zum Glück….  Was mit 9/11 begann – der Verkauf der großen Lüge der Bush-Administration und des “war on terror” – könnte nach 11/9 tatsächlich beendet werden, wäre Trump nicht nur ein rechter, sondern auch ein rechtschaffener Reformer. Aber soweit wird es nicht kommen – in  seinem Schattenkabinett und “Transition”-Team tummeln sich bereits  soviele Namen aus dem alten, bellizistischen Neocon-Lager wie auch berüchtigte Gestalten der Wallstreet/Goldman-Bankster-Szene, dass von seiner massiven “Anti-Establishment”- Offensive (man schaue sich seinen letzten Wahlspot an ) nicht viel übrigbleiben wird. Wie auch von anderen seiner Ankündigungen, etwa der Abschaffung der Krankversicherung Obamacare, die er heute nach einem Gespräch mit Obama schon zurückgenommen hat.

Was sich The Donald aber wohl kaum bieten lassen dürfte ist,  von einer hiesigen Hillary-Darstellerin mit Betonfrisur zurechtgewiesen zu werden: “Donald Trump muss sehr klar sagen, auf welcher Seite er ist: ob er auf der Seite des Rechtes, der Friedensordnung, der Demokratien steht, oder ob ihm das egal ist und er so eine Art Männerfreundschaft macht,” dekretierte Panzer-Uschi von der Leyen bei Maybritt Illner. Auch Chefdiplomat Steinmeier glaubte, sich eine förmliche Gratulation an den gewählten Präsidenten verkneifen zu können  und Mutti Merkel verband ihre Glückwünsche mit Mahnungen an die Menschenrechte. Peinliche Nummer. Haben unsere Volksvertreter nicht kapiert, dass man einem neuen Imperator Reverenz erweisen sollte, wenn man für seinen Vasallenstaat günstige Verhältnisse schaffen will ? Wieso hat man dem neuen Kaiser, der die Auslandseinsätze seiner Armeen herunterfahren will, nicht sofort die Schließung der Drohnenmord-Zentrale Ramstein angeboten, samt Umwandlung in einen Donald Trump Vergnügungspark  der deutsch-amerikanischen Freundschaft ? Sind nicht nur die transatlantischen Medienfritzen, sondern auch alle Politiker und ihre Spindoktoren von trumpohobischen Schüben derart geplagt, dass sie keinen klaren Gedanken mehr fassen können. Wie lang dauert es, bis NATO-Sprechpuppen wie unsere Möchtegern-Hillary mit neuen Textbausteinen upgedatet werden ?

Dass sich an amerikanischen Universiäten Widerstand gegen das neue Trump-“Regime” (darf man “Regime” jetzt schon sagen, ohne “antiamerikanisch” zu sein? ) regt, ist sicher eine gute Sache, die Frage aber, warum diese Demonstranten Obamas Drohnenmorde, Clintons  Zerstörung Libyens usw. usf. schweigend akzeptierten, muß gestellt werden. Ebenso wie die nach ihrer schweigenden Akzeptanz der globalen neoliberalen Wirtschaftsdiktatur, deren einheimische Opfer, die “weiße Arbeiterklasse” Trump jetzt hinter sich versammeln konnte. Und warum ?  Nicht weil er “Rassist” oder “Sexist” ist, sondern weil die Linken und Liberalen in ihrem multimedialen Wolkenkuckucksheim, das sie für die Wirklichkeit halten, diese Leute schlicht vergessen haben.   Seit Clinton, Blair & Schröder  mit Wallstreet und den Konzernen ins Bett schlüpften ist die traditionelle Wählerbastion der Sozialdemokraten verwaist. Wer einen Trump in Deutschland verhindern will bräuchte also nur einen Bernie Sanders importieren.

Zu mittelalterlicher Kometenangst besteht somit kein Anlass. Die Trumpophoben beim ehemaligen Nachrichtenmagazin aber, die den Untergang der Welt beschwören, scheinen unterbewußt doch irgendwie geahnt zu haben, dass gerade ein ganz anderer Untergang stattfindet. Die ersten Bilder von der Abdankung sind bereits erschienen.

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Echt jetzt, Trump?

Die meisten Menschen, mit denen ich seit Mittwoch früh über das Wahlergebnis sprach, fanden es ganz furchtbar und schlimm, dass ein Typ wie Trump jetzt US-Präsident wird. Weil ich dieses Entsetzen nicht teilte, fragten sie mich: “Findest du den etwa gut ? Das kann doch nicht sein….”. Ist es auch nicht. Aber ich finde gut, dass eine korrupte Kriegsverbrecherin, die Abertausende Menschenleben auf dem Gewissen hat, nicht wiedergewählt wird. Ich finde gut, dass die War Party/Neocon-Neoliberalcon/Wall Street/Think Tank/Corporate Media-Maschine sich mit ihrem  milliardenteuren Brainwashing nicht durchsetzen konnte und die Wähler eine pseudo-demokratische, pseudo-liberale, pseudo-soziale Kandidatin abwählten. Und mir gefällt, wie die von den Großmedien konstruierte Parallelwelt von dieser Wahl wie auch schon vom Brexit desavouiert wird: die Leute lassen sich vom Mainstream immer weniger täuschen, sie besorgen sich anderswo ihre Informationen und wählen anders, als es ihnen die Hohepriester in Funk und Fernsehen vorgeben. Neben dem Würgreiz kann ich mir eine klammheimliche Freude nicht verkneifen, das Gefasel und Gestammel der “geschockten” Qualitätschurnalisten zur Kenntnis zu nehmen, die noch immer nicht gecheckt haben, dass sie nicht die Wirklichkeit abgebildet haben, sondern eine Scheinwelt aus der Echokammer Medienmaschine.

Ja aber dafür kann man doch keinen Donald Trump und seinen sexistischen, rassistischen, diskriminierenden Anhang in Kauf nehmen, einen Despoten, der angekündigt hat, 2 Millionen Ausländer zu deportieren. Okay, in der Haut  eines illegal arbeitenden Mexikaners möchte man jetzt nicht stecken. Andererseits: wenn Trump diese Drohung umsetzt, bricht der Alltag nicht nur in Kalifornien sofort zusammen: es gibt plötzlich keine Kindermädchen, Gärtner, Mechaniker, Handwerker  mehr. Seinen Deportationsplan wird sich Trump also noch schwer überlegen müssen, ebenso wie die schwachsinnige Mauer. Seinen Plan, die Infrastruktur des maroden Landes wieder aufzubauen und so Arbeitsplätze zu schaffen kann man hingegen nur begrüßen, ebenso wie die Ablehnung von TTIP und die Ankündigung, die Ausgaben für die NATO und militärische Auslandsabenteuer herunter zu fahren. In der Wahlnacht sagte er: “I want to tell the world community that while we will always put America’s interests first, we will deal fairly with everyone, with everyone — all people and all other nations. We will seek common ground, not hostility; partnership, not conflict.” Wie das konkret aussehen wird, bleibt abzuwarten, aber es klingt deutlich besser als das Kriegsgeheul, von dem  Clinton auch im Wahlkampf nicht lassen wollte.

Kleines Fast Forward: Bei ihren dreitägigen Verhandlungen in Camp David haben die Präsidenten Trump,  Putin und Xi die geoplitschen Probleme erörtert und Lösungen für die wichtigsten Konflikfelder gefunden: zum gemeinsamen Vorgehen gegen den IS und islamistischen Terror in Syrien und dem Mittlern Osten, zu einem Minsk III -Vertrag für die Ukraine unter Anerkennung des de facto Status der Krim sowie zu einer Beilegung der Auseinandersetzungen im Süd-Pazifik. China hat Unterstützung angeboten, falls die einheimischen Arbeitskräfte zum Wiederaufbau der Straßen, Brücken und Tunnel des Landes nicht ausreichen – wie schon im 19. Jahrhundert beim Eisenbahnbau, diesesmal aber zum Mindestlohn! Weitere solcher Treffen zur Festigung der amerikanisch-russisch-chinesischen Zusammenarbeit sollen künftig jedes Jahr stattfinden.

Okay, man kann sich ja mal was wünschen  – die Probleme, ob weiße Männer Dreadlocks tragen dürfen oder Transgender-Menschen Mädchenklos benutzen dürfen, wären dann immer noch nicht gelöst, der Klimawandel dräute noch immer, der Kapitalismus und das Patriarchat wären nicht abgeschafft. Aber den Menschen in Amerika wäre sehr geholfen, wenn das monströse Militärbudget statt in Zerstörung in Wiederaufbau fliessen würde – und für den Rest der Welt könnte es kaum etwas Besseres geben als dass sich America first mal eine Weile mit sich selbst beschäftigt.

Trumpokalypse

Im “Frühkommentar” von heute morgen hatte ich schon geschrieben, dass  die Demokraten die Niederlage allein sich selbst zuzuschreiben haben, weil sie mit Bernie Sanders ihren populären Kadidaten ausmanvörierten und die Wall-Street-Hexe Hillary durchboxten. Dass dabei betrogen und getrickst wurde und Bernie der Sieg bei den Primaries gestohlen wurde, war schon vor den Wikileaks-Veröffentlichung der DNC-emails klar, die es nochmals schwarz auf weiß bestätigten – doch es war kein Thema für die Großmedien. Und damit sind wir beim Thema, dem eigentlichen Verlierer des Tages, dessen dramatischer Niedergang schon lange zu beobachten ist und nunmehr einen kaum zu unterbietenden Tiefpunkt erreicht hat: dem “Qualitätsjournalismus”. Also jenen sich “seriös” und “liberal” nennenden Medien, deren Vertreter man seit heute früh um 6.00 beim betroffenen Stammeln und hektischem Zurückrudern beobachten kann. Und die meisten haben scheinbar noch immer den Schuß nicht gehört, sie leben weiter in den Echokammern ihrer medialen Parallelwelt, die sie für die Realität halten. Eben etwa hörte ich im Autoradio eine ARD-Korrespondentin, die den Trump-Triumph darauf zurückführte, dass die Amerikaner “eben immer noch keine Frau im höchsten Amt akzeptieren können, einen Schwarzen ja, wie man mit Obama gesehen hat, aber keine Frau.” In der Realität haben zwar 53% der weißen Frauen Trump und nur 43% Clinton gewählt, was im Phantasialand solcher Journalisten aber keine Rolle spielt. Die Dame faselte dann noch irgendetwas von “Populismus” und dass Trump  den latenten”Rassismus” der Amerikaner mobilisiert hätte – tatsächlich aber hat er die Swing-States erobert, deren “Rassisten” die letzten beiden Male Obama gewählt hatten.

Das ist nur eine Momentaufnahme, aber eine typische: natürlich hat Trump mit seiner großmäuligen, xenophoben Attitüde sowohl Rassisten als auch dumpfe Macker bedient, aber das ist nicht der reale Grund für seinen Wahlsieg mit  Mehrheiten bei Frauen und den Siegen in Florida, Ohio, Michigan, Pennsylvania, Iowa und Wisconsin. Wahlentscheidend sind diese Super-Macker, Pussy-Grabscher  und Hardcore-Rassisten nur in der Parallelwelt, die unsere Qualitätsschurnalisten konstruieren und auch am Tag danach noch immer nicht verlassen können. Träumt ruhig weiter, Kollegen, konstruiert weiter die Welten, die das War Party/Neocon-Neoliberalcon/Wall Street/Think Tank/Corporate Media Establishment anrührt, aber glaubt nicht, dass euch noch jemand abnimmt, dass es sich dabei um die Wirklichkeit handelt. Etwa der Umfragen, die ihr täglich herbeitzitiert habt, um den souveränen Sieg Clintons zur selbsterfüllenden Prophezeiung zu machen. Warum hat die “Meinungsforschung” versagt ? Weil die Medien jeden Wahlkampffurz von Trump zum krassen Großskandal aufgeblasen haben, während Korruption und Kriegstreiberei Clintons harmlos unterm Teppich blieben – mit dem Ergebnis, dass sich viele Befragte in face to face Interviews nicht trauten, sich zu diesem Trump-Freak zu bekennen. Die solide Internet Umfrage der University of Southern California’s (USC) hingegen hatte Trump schon seit Monaten vorn, blieb aber ebenfalls unter dem Teppich der Mainstreammedien. Tja, und dann wacht man eben am Morgen auf und kann nur von “Schock”, “Tragödie”, “Trumpokalypse” stammeln…

Update: Kleine Presseschau des gesammelten Gestammels der transatlantischen Leitartikler hier

Mit Bernie wär das nicht passiert

Trump hat gewonnen. Die Demokraten haben die Quittung dafür bekommen, dass sie ihren populären Kandidaten Bernie Sanders ausgebootet und mit Hillary Clinton die unbeliebstetste Kandidatin aller Zeiten installiert haben. Mit Bernie wäre das nicht passiert, das zeigten schon vor Monaten die Umfragen, aber die Clinton-Maschine mit nahezu dem gesamten Medienapparat an ihrer Seite glaubte, ihn schadlos aus dem Rennen boxen zu können. So stand dann Establishment vs. Anti-Establishment zur Wahl und auch wenn Trump als Milliardär durchaus zu Ersterem gehört gelang es ihm, diese Karte erfolgreich zu spielen mit der er gegen Bernie keine Chance gehabt hätte. Mit Clinton aber stand nichts anderes als  ein “Weiter so” zur Wahl – und Trump konnte fast alle unzufriedenen Protestwähler einsammeln. Nur 1% wählten meine Lieblingskandidatin Jill Stein.

Was lernen wir daraus ? Die Macht der Mainstreammedien ist  unterminiert, die Brexit-Überraschung war keine Ausnahme sondern wird zur Regel. Dass die Großmedien auch noch den letzten Rest ihrer Pflicht zur objektiven Berichterstattung in die Tonne traten und notorisch Pro-Clinton und Anti-Trump berichteten, scheint kein Rezept Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. Die über Wochen gefahrene Kampagne, dass Russland die Wahlen mit Hackern manipuliert, wurde in ihrer Lachhaftigkeit so schnell durchschaut, dass die ideologische Holzhammerparole “Lugenpresse” in den US-Wortgebrauch einziehen konnte. Ob die Arroganz, mit der Clinton von Trump-Wählern als “Haufen von Erbärmlichen” sprach, jetzt heruntergefahren wird, bleibt ebenso abzuwarten wie das, was Trump von seinen großen Sprüchen im Wahlkampf als Präsident tatsächlich einlösen wird. Ein Trost bleibt den Amerikaner/innen immerhin: neun Bundesstaaten haben gestern Marihuana legalisiert  – das  kann das Land jetzt in der Tat brauchen…

 

Der Fall Ken Jebsen: Ein journalistisches Lehrstück

der-fall-ken-jebsen-coverPaul Schreyer hat das neue Buch für die Nachdenkseiten rezensiert:

Fällt der Name Ken Jebsen, dann schrillen bei vielen Menschen die Alarmglocken. Ist das nicht dieser „nach Antisemitismusvorwürfen entlassene frühere RBB-Moderator“ und „neurechte Demagoge“, der „Verschwörungstheorien zum 11. September vertritt“? So oder ähnlich lauten zumindest einige medial häufig verbreitete Einschätzungen. Was ist dran an den Vorwürfen? Fest steht: Mit KenFM betreibt Jebsen eines der mittlerweile erfolgreichsten crowdfinanzierten Medienportale Deutschlands – sein Youtube-Kanal hat mehr Zuschauer als der des WDR, auf Facebook hat sein Portal mehr Likes als die ARD.

Auch ich war schon bei KenFM als Interviewgast eingeladen – und registrierte bei dieser Gelegenheit zunächst einmal die immens gründliche inhaltliche Vorbereitung des Gastgebers auf das Gespräch, was im journalistischen Geschäft keineswegs die Regel ist. Alles zusammen Grund genug, ein in diesen Tagen erschienenes Buch unter die Lupe zu nehmen, in dem Jebsen nun auf gut 250 Seiten ausführlich vom Kollegen Mathias Bröckers interviewt wird.

Vorab: Das Buch ist spannend. Die wesentlichen Kontroversen zur Person werden erörtert, außerdem das facettenreiche Leben des 50-jährigen geschildert. Jebsen hat nicht nur über zehn Jahre für den RBB gearbeitet und dort eine der populärsten Radiosendungen verantwortet, außerdem bei ZDF und Pro7 moderiert, sondern war vorher zunächst so medienfern, wie man es sich nur denken kann: als Seemann bei der Handelsmarine und dann als Niedriglohnjobber in verschiedenen Firmen, zum Beispiel auch an einer Stanze für Gussteile eines Automobilzulieferers.

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Gefallsüchtige und Verblöder

Wolfgang Herles, langjähriger TV-Journalist hat ein recht vernichtendes Buch über unsere Branche geschrieben, “Die Gefallsüchtigen”. Ken Jebsen hat ihn dazu befragt. Mehr zu diesem Thema, den Niedergang des klassischen politischen Journalismus  – “Wir  stehen fassungslos vor einem Verblödungsprozess von dem die Verblöder selbst betroffen sind” (Herles) –    und die Alternativen auch in unserem gerade erschienen Buch “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann”.

Sex, Lügen, Emails – Das Clinton-Trump-Debakel

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Dass die politische Struktur der Vereinigten Staaten, das “Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal), immer weniger einer Demokratie und immer mehr einer Oligarchie oder Plutokratie gleicht, ist keine wirklich neue Erkenntnis. Aber in den geleakten Clinton-Mails zu lesen, wie verrottet das System tatsächlich ist, kann dann doch erstaunen. Etwa wie Hillarys Gegenkandidat Bernie Sanders ausmanöveriert wurde, der nicht nur die Mehrheit der demokratischen Wähler überzeugt, sondern auch locker gegen Trump gewonnen hätte. Da schreibt zum Beispiel ein Senior-Berater des Wahlkampfchefs Podesta, Joel Johnson, im Februar 2016 :  “Bernie needs to be ground to a pulp. We can’t start believing our own primary bullshit. This is no time to run the general. Crush him as hard as you can.” Er sei ein “Obama betrayer (Wh will affirm). Hapless legislator (Senators/members will affirm). False promiser (policy elites will affirm). Can’t win (black people will affirm).” Worauf Podesta zurückfragt:“I agree with that in principle. Where would you stick the knife in?” Neben solchen Interna der Demokraten sind aber vor allem die  Belege für die vielfältigen Bestechungen interessant, die über zweistellige Millionenzahlungen an die Clinton-Stiftung liefen. So zahlte der König von Marokko 12 Mio. $ für eine Audienz bei Hillary  (und durfte dann mit Waffen für 120 Mio. beliefert werden). Auch die Saudis, Katar und die Emirate gehören zu den Großfinanziers – sowohl der Clinton Inc. als auch von Al Qaida, ISIS & Co.

Mehr noch als durch die Beweise einer zutiefst bananenrepublikanische Korruptions,-und Gefälligkeitswirtschaft dürfte die Clinton-Maschine durch die geleakten Informationen  ins Stottern geraten, die die Aktionen nach Bekanntwerden des gehackten Privatservers von Hillary Clinton dokumentieren: die Versuche, belastetende mails verschwinden zu lassen, ihre Header und Absender zu manipulieren und die Lügen und Eide gegenüber Kongress und FBI, sämtliches Material den Behörden ausgehändigt zu haben. Alles außer den 650.000 Mails, die auf dem privaten Laptop von Huma Abedin, Hillarys engster Mitarbeiterin, gefunden wurden, von dem ihr (nunmehr Ex-) Gatte Anthony Weiner Sexnachrichten mit Minderjährigen austauschte. Diese Passion hatte den Ex-Abgeordneten, der zur Behandlung seiner Sexsucht jetzt in einer Reha-Klinik  in Tennesee abgetaucht ist, schon 2013 seine Kadidatur zum Bürgermeister von New York gekostet – und könnte jetzt auch die Karriere seiner Frau und ihrer Chefin zerstören. Denn selbst wenn Hillary die Wahl gewinnen sollte sind die Ermittlungen des FBI nicht aus der Welt – und es geht dabei nicht nur um Korruption und Geldwäsche, sondern auch um Geheimnisverrat, Spionage und um einen weiteren Sexskandal Bill Clintons, der 26 mal den “Lolita-Express” zur Privatinsel des pädophilen Milliardärs Jeffrey Eppstein genutzt haben soll.

Während das Clinton-Lager in dieser Schlammschlacht mit Schweinkram schon das Gegenfeuer eröffnet hat – mit einer Klage gegen Donald Trump und Jeffrey Eppstein wegen sexuellen Mißbrauchs einer Minderjährigen – wird es in Sachen Spionage und Verrat für das Glamour-Paar Abedin/Weiner eng. Denn was 650k Mails mit Staatsgeheimnissen auf dem privaten Rechner eines perversen Halodris zu suchen haben, der auch als radikaler Pro-Israel-Lobbyist agiert und  das Laptop mit seiner Gattin teilt, die als “saudische Prinzessin” familiäre Verbindungen zur Muslimbruderschaft hat, dürfte schwer zu erklären sein. Ebenso wie die Frage, warum sie über 10.000 mails aus ihrer Zeit als Bürochefin der Außenministerin Clinton in einem Ordner namens “Life Insurance” gebunkert hat. Wenn diese mails ihr Leben jetzt retten, müsste  ihre Karriere wohl ebenso beendet sein wie die von Hillary Clinton. Unterdessen behauptet der Gründer des privaten Militärkonzerns “Blackwater” unter Berufung auf Quellen der New Yorker Polizei, dass Huma die Seiten gewechselt habe und eng mit den Behörden kooperieren würde.  Dazu würde passen, dass Hillary ihre bisherige “zweite Tochter” mittlerweile nur noch  als “eine meiner Helferinnen” bezeichnet.

Und wer ist schuld an dem ganzen Debakel ? Während die US-Presse wird nach wie vor nicht müde wird, die faktenfreie Story von russischen Hackern und Putin als großem Wahl-Manipulator durchzuleiern, teilt der Chef der “Homeland Security” mit, Clintons Privatserver sei auch von China, Iran und anderen Ländern gehackt worden, denn auch im Ausland habe Hillary gegen jeden Rat ihre privaten Gerätschaften genutzt.  Und das alles, weil die zickige Vizepräsidentin nicht so ein  super-gesichertes POTUS-Blackberry  bekam und deshalb die Computer in ihrem Büro im State Department laut Aussage von Huma gar nicht nutzte. Wahrscheinlicher als Putin oder andere fremde Böslinge als Quelle für die Wikileaks -Mails ist deshalb die Behauptung des Ex-CIA und Statedepartment Whistleblowers Steven Pieceznik,  dass es “brave men in the CIA, FBI and the intelligence community” gewesen seien, die Wikileaks diese Mails zugespielt haben. Wer auch immer es war, fest steht: der Gewinner des Trump-Clinton-Debakels am Dienstag wird umgehend zivile Klagen, strafrechtliche Klagen und Impeachments an der Backe haben. Und falls Obama die Siegerin Hillary wie einst Gerald Ford seinen Vorgänger Nixon noch schnell begnadigen sollte, gibt es einen Aufstand in den USA. Verglichen mit den sich offenbarenden Clinton-Skandalen war Watergate nur eine kleine Lachnummer…

Bestseller Nr. 1 in “Medien”

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Der offizielle Erstverkaufstag läßt sich gut an – bei amazon wird das Buch bereits als “Bestseller Nr.1” in der Rubrik Medien gelistet. Auf den Nachdenkseiten ist ein ausführliches und lesenswertes Interview mit Ken erschienen:
“Er sagt, was er denkt. Redet Tacheles und ist oft sogar wütend dabei. Interviewt Christdemokraten ebenso wie Linksradikale und gelegentlich sogar Spinner. Er kritisiert bedingungslos jede Kriegstreiberei, agitiert gegen Sozialabbau und die AfD – und wird dennoch von einigen als „Rechter“, „Neurechter“ oder „rechtsoffen“ diskreditiert. Er polarisiert. Doch wer ist dieser Ken Jebsen eigentlich? Was treibt ihn an? Welchem Weltbild entspringt sein Engagement? Und worum geht es im soeben erschienenen Buch „Der Fall Ken Jebsen“? Jens Wernicke hat nachgefragt.