Bei einer Explosion auf dem Weihnachtsmarkt in Aleppo hatte die Bevölkerung der umkämpften Stadt gestern keine Opfer zu beklagen, in Berlin indessen ringen die Ärzte immer noch um das Leben zahlreicher Verletzter und die Angehörigen trauern um die bisher 12 Menschen, die auf dem Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz ums Leben kamen. Auch wenn das Bekenntnis des “IS”, dass es sich bei demTäter um einen “Bruder” gehandelt habe, keinerlei Beweiskraft hat, würde es in das Muster der dem “Islamischen Staat” und seinen Sympathisanten zugeschriebenen Attacken passen. Dass diese Terroristen jetzt nicht mehr nur in Syrien aktiv werden, sondern auch zunehmend in Europa, enstpricht der Gefechtslage “vor Ort”, wo es dank der Erfolge der syrischen und irakischen Armeen für das “Kalifat” immer enger wird. Und so erreicht der “Heilige Krieg” nicht nur die Weihnachtsmärkte in Aleppo, sondern auch die in Berlin.
Als heute Nachmittag die Nachricht kam, dass in dem Tatfahrzeug Papiere eines Tunesiers gefunden wurde, der Kontakte zur salafistischen Szene und auch zu einem dort tätigen V-Mann des Verfassungsschutzes gehabt haben soll, kam mir natürlich sofort die “Ausweispflicht für Terroristen” in den Sinn, die seit 9/11 dafür sorgt, dass Identitätspapiere der Täter regelmäßig an den Tatorten gefunden werden. Diesesmal soll es sich um eine in Fussraum des Lkws entdeckte “Duldungsbescheinigung” handeln.
Dass dieser Fund und die öffentliche Fahndung nach dem Verdächtigen namens Anis Amri erst 36 Stunden nach der Tat erfolgte, nachdem die Medien zuvor 1,5 Tage in Endlosschleife Nachrichten ohne Nachrichten über das Ereignis sendeten, ist sehr merkwürdig, denn Tatfahrzeuge werden wie jeder Tatort-Zuschauer weiß, nicht erst am nächsten Tag im “Labor”, sondern schon vor Ort untersucht. Ein zerknülltes Dokument im Fußraum des Wagens hätte also spätestens nach einer Stunde auffallen und der Verdächtige sofort zur Fahndung ausgeschrieben werden müssen. Warum also so spät ? Ein Experte in Polizei,- und Ermittlungssachen, den ich dazu befragte, sagte: “Ich kann mir ja gut vorstellen, dass du – Stichwort “Gladio”, staatlich organisierter Terror – gleich wieder eine Großverschwörung witterst. Es könnte aber auch eine kleinere sein: über den als “Gefährder” schon polizeibekannten Verdächtigen lagen Erkenntisse von Geheimdiensten vor, gegenüber V-Leuten hat er über sein Vorhaben möglicherweise schon gesprochen, für den Richter reichen solche Geheimdiensthinweise aber als Gründe für einen Haftbefehl oft nicht aus. Die Dienste erzählen bekanntnlich viel und längst nicht alle Richter folgen diesen Geschichten. Wenn die Erkenntnisse aus illegalen Telefonüberwachungen von NSA oder BND stammen sind sie gerichtlich ohnehin nicht verwertbar. Die Polizei hat also durchaus Erkenntnisse über den Verdächtigen, kriegt ihn aber damit nicht zu fassen. Also läßt man das Fahrzeug nochmal vom BKA untersuchen – und “findet” dann das Dokument, das man vorher schnell kopiert hat.” – Und das Muster der immer wieder bei Terroranschlägen gefundenen Ausweise ? – “Das allein sagt eigentlich noch nichts. Der IS und auch die Hamas und andere islamistische Organisationen unterstützen die Familien der Selbstmordattentäter, die deshalb ein Interesse an Identifizierung haben.”
Dass jetzt alle auf dem Terror ihr Süppchen kochen, von Seehofer über das Innenministerium bis zu den rechtsextremen Geiern, macht das Terror-Bingo komplett. . Als ob irgendeine “Obergrenze” für Flüchtende verhindern könnte, dass Terroristen mit Sattelschleppern in Menschenmengen rasen, als ob sich “Sicherheit” herstellen liese, indem man nur noch blonde und blauägige Asylbewerber zuläßt, als ob man in einer globalisierten Welt mit Bomben und Drohnen fröhlich Kriege führen kann ohne dass zu Hause irgendetwas zurückschlägt. Innenpolitisch läßt sich gegen solchen Terror nur sehr wenig machen; nur eine außenpolitische Wende, ein Stop des “war on terrors”, der die Welt mit Terror überzieht, kann ihn eindämmen. Bis dahin bleibt die Autobombe die Airforce des kleinen Mannes.
UPDATE: Zu der oben zitierten These, dass mit Beweisen “nachgebessert” wurde, spricht die heutige Meldung, dass der Pegida- Gründer Lutz Bachmann schon zwei Stunden nach der Tat von einem tunesischen Verdächtigen twitterte und sich auf Ermittlungen der Berliner Polizei berief.












