
Während die hiesigen Transatlantiker, TTIP-Verkäufer und NATO-Lobbyisten wg. Trump immer noch in Schnappatmung verharren, die Cornell-Universität den von der Hillary-Niederlage “traumatisierten” Studierenden ihre Therapie-Hunde zur Verfügung stellt und die weniger Kuschelbedürftigen lautstark gegen das Wahlergebnis (und den möglichen Ausfall eines Kriegs gegen Russland ?) demonstrieren, kam mir beim Blick auf die Vereinigten Staaten der “Yankee and Cowboy War” in den Sinn. Unter diesem Titel hatte der Politiologe Carl Oglesby 1976 die Zeit vom Kennedy Mord bis Watergate beschrieben. Nach C. Wright Mills “Theory of the Power Elite” und Carroll Quigleys “Tragedy and Hope” lieferte Oglesbys Buch eine der ersten Analysen des us-amerikanischen Tiefenstaats, als Kampf zwischen dem alten Ostküsten-Geldadel und den neuen Cowboy-Oligarchen aus dem Süden. Letztere sorgten im Verbund mit Mafia,-und CIA-Typen dafür, dass JFK 1963 in Dallas umgelegt wurde, erstere kickten dann 1974 Nixon mit Watergate etwas eleganter aus dem Amt.
Tricky Dick Nixon hatte damals versucht, sich mit der Gründung der “DEA” (Drug Enforcement Agency) am lukrativsten Topf im tiefenstaatlichen Geschäft zu bedienen, dem von der CIA kontrollierten Drogenhandel, was die “Yankees” nicht zulassen konnten. CIA-Chef George Bush lies dann als Ronald Reagans Vizepräsident das Geschäft direkt aus dem Weissen Haus, von Oli North, organisieren. Zu dieser Zeit war es auch, dass der Chefpilot der “Iran-Contra”-Flotte, Barry Seal, mit Säcken voll Kokain und Dollars auf seinem “Heimatflughafen” in Mena/Arkansas von einem un-informierten Zollbeamten versehentlich kontrolliert und festgenommen wurde, aber zwei Tage später aus dem Gefängnis frei kam – nachdem Bush senior einen Anruf bei dem aufstrebenden Generalstaatsanwalt von Arkansas getätigt hatte, einem jungen Mann namens William Clinton. Spätestens seit dieser Zeit sind auch Bill und Hillary Clinton im Geschäft mit dem Tiefenstaat und trotz anderer Parteifarben keine Opponenten der Bushs, sondern partners in crime. Eines Syndikats, das seit Jahrzehnten im Weissen Haus an den Schalthebeln des Imperiums sitzt.
Auch wenn die geographischen Zuschreibungen in der 2.0 Version dieses Kampfs innerhalb der Machteliten nicht mehr hinhauen und ein gebürtiger New Yorker und polternder Yankee par excellence – Donald Trump – gerade die Wahl gewonnen hat: es geschah im Cowboy-Stil und nicht nur im Süden sondern wider Erwarten auch im rust belt des Nordens. Und schaut man sich seine Wahlspots an, sind die Gegner in Bild und Ton eindeutig definiert: die Clintons, Goldman-Boss Blankfein, Oligarch Soros, Obama, die “Globalisten”, das “Washington-Establishment”. Wenn “Cowboy” Trump gegen diese Fraktion wirklich antritt – und etwa die Bankenregulierung wieder einführt (den Glass Steagall-Act, den Roosevelt als Antwort auf den Crash 1929 initiiert und der “Finanzkrisen” wirksam verhindert hatte bis Clinton ihn 1996 abschaffte und so den Crash 2008 ermöglichte) – wenn Trump also diesen Eliten ernsthaft ans Eingemachte geht, dann lebt er gefährlich. Auch wenn er wiederholt, was er unter den Buh-Rufen der Republikaner auf dem Parteitag der Bush-Fraktion in Sachen Irak ins Stammbuch schrieb: “I want to tell you. They lied. They said there were weapons of mass destruction, there were none. And they knew there were none. There were no weapons of mass destruction.” Und falls dann wieder ein “einsamer Irrer” die Kugel feuern sollte – was einige traumatisierte Hillary-Fans sich derzeit wohl klammheimlich wünschen – können wir ziemlich sicher sein: es waren die “Yankees”.
“Gab es vielleicht nicht nur einen Kampf Trump vs. Establishment, sondern einen Kampf Trump + x vs. Establishment (ohne x)? Wer aber könnte x sein?”, fragt Norbert Haering in seinem “Geostrategischen Erklärungsversuch” der Wahlüberraschung. Damals waren “x” die texanischen Ölmagnaten und Rüstiungsindustriellen (Hughes), heute wären es möglicherweise Figuren wie die Koch-Brothers (Finanziers u.a. der Tea Party und der Anti-Klimaschutz-Bewegung, obwohl sie Trump nicht mögen; oder weitblickende Geostrategen, wie sie Norbert Haering anführt, die eine Kooperation mit Russland suchen weil sie in China den entscheidenden “Endgegner” sehen. Dann wäre Trumps Erfolg kein Zufall, kein unvorhergesehner Fehler in der von der Clinton-Maschine und ihren Medien durchorchestrierten Wahlkampfshow, die er eigentlich knapp verlieren sollte, vielmehr wäre der Erfolg Trumps von längerer Hand geplant:
“Holzschnittartig formuliert wäre das ein Machtkampf zwischen langfristig geostrategisch orientierten Kräften und eher am eigenen kurz- bis mittelfristigen ökonomischen Gewinn orientierten Kräften. Wenn das so wäre, und man das letzte Jahr Revue passieren lässt, so müsste man wohl zu dem Schluss kommen, dass die erste Gruppe schon seit geraumer Zeit an entscheidenden Fäden zieht (TTIP-Aufgabe, Brexit, Verzicht auf Forderung nach Assad-Rücktritt, Rücknahme der Rebellenunterstützung). Bleibt die skeptische Frage, ob man wirklich, selbst wenn der skizzierte geopolitische Schwenk beabsichtigt ist, einen wie Trump ins Präsidentenamt hieven muss. Geht das nicht auch mit einem vernünftigen Menschen? Wohl schon. Aber mit Trump geht es besonders gut. Eine solche Wende gegen starke ökonomische und ideologische Beharrungskräfte durchzusetzen, braucht einen autokratisch auftretenden Typ. ” (Norbert Haering)
Aktuell glaube ich eher an den oben zitierten Fehler als eine sinistre Planung von langer Hand – aus dem von Wikileaks publiziertem Schriftverkehr von Clintons Wahlkampfteam geht hervor, wie ihre Medienkontakte instruiert wurden, die schrägen Vögel (Pied Pipers) wie Trump und nicht die eher seriösen republikanischen Kandidaten zu pushen. Schon seit dem Frühjahr hatten die Demokraten den kompromitterenden “Pussygrabscher”- Beweis im Arsenal, der im Oktober dem Macho-Kandidaten den definitiven Todesstoß versetzen sollte. Was dann mißlang, weil weder die sexistischen noch die rassistischen Töne Trumps letztlich auschlaggebend waren: 53 % der weißen Frauen wählten ihn, ebenso wie eine große Anzahl von Latinos, die man sämtlich dem Clinton-Lager zugeschlagen hatte. Dass aber hinter den kompromittierenden Wikileaks-Mails nicht “die Russen” steckten, wie es Hillary und ihr Medienchor ad nauseam wiederholen, sondern sehr viel wahrscheinlicher rogue agents der US-Geheimdienste, wie es CIA-Veteran Steve Piecznik behauptet, scheint wiederum für die Existenz einer “Fraktion x” in diesem Kampf der Machteliten zu sprechen. Wie auch immer, die Charaketerisierung aus meinem ersten Artikel über den künftigen POTUS bleibt weiter richtig: Springteufel Trump. Die ersten drei Mitglieder seines “Transition-Teams”, waren eine Frau, ein Schwarzer und ein Schwuler. Der Bedarf an Therapiehunden für College-Kids wird wohl anhalten….
(To be continued)



