Wer mit wem gegen wen ?

 

29.11.15 20:06-Bildschirmkopie

Auf der Pressekonferenz mit Präsident Hollande hat Präsident Putin nochmals klargestellt, dass Russland die Routen und Ziele aller geplanten Angriffsflüge in Syrien vereinbarungsgemäß den Amerikanern mitteilt: “The US-led coalition, which includes Turkey, was aware of the time and place where our planes would operate. And this is exactly where and when we were attacked.” Damit sollte das Propaganda-Gedröhn von 17 Sekunden “Luftraumverletzung” nun wirklich ein Ende haben: der Abschuss war ein Hinterhalt, den Erdogans Luftwaffe ohne US-Unterstützung nicht hätte legen können. Dass der US-Syrien-Koordinator General John Allen (Obama-Feind und Neocon) den Hit genehmigte ist wahrscheinlich.  Aber kaum hat  Erdogan den schmutzigen Job für den großen Bruder – und für die IS-Öl-Geschäfte seines Sohnes Bilal  –  absolviert, kriegt der Sultan kalte Füße. Präsident Obama setzt ihn  laut War  Wall Street Journal  massiv unter Druck, die Grenze zu Syrien zu schliessen, die Russen haben sofort massive Wirtschaftsanktionen eingeleitet, Frankreich ist ebenfalls nicht entzückt – doch die EU-Kommission stellt der Türkei beschleunigte Beitrittsverhandlungen in Aussicht, sowie sofort  Milliarden Euro für die Flüchtlinge. Dass Erdogan als entscheidender Unterstützer des IS selbst zu den Hauptverantwortlichen der Flüchtlingskatastrophe gehört, scheint bei den Verhandlungen gar keine Rolle zu spielen. Solange die Hauptschlagader für die Logistik des Islamischen Staats weiter völlig ungehindert in die Türkei läuft,  kann der Krieg in Syrien nie zu Ende gehen – und solange die Türkei diesen Korridor nicht dicht macht, sollte sie keinen Cent von der EU bekommen.

Dass Erdogan mit der mafiosen Attacke letztlich weder der Türkei, noch den NATO – Allierten einen wirklichen Gefallen getan hat, zeigt auch eine weitere Entwicklung: nicht die USA, wie es Erdogan wünschte, sondern Russland hat jetzt faktisch eine “No-Fly-Zone” über Syrien eingerichtet, indem es seine S-400 Flugabwehr dort stationiert hat. Das als derzeit weltbeste Flak geltende System kontrolliert einen Umkreis von 400 Kilometern. Bevor unsere Tornado-Uschi also die ersten “Aufklärer” losschickt sollte sie unbedingt Putin Bescheid sagen. Der hat sicher nichts dagegen, weil er mit Frankreich gerade eine echte Anti-IS- Koalition schmiedet – sonst hätten die Franzosen auch gar nicht ihren Flugzeugträger “Charles de Gaulle” in die Krisenregion schicken können. Dort taucht schon länger das russische Monster- U-Boot”Dmitri Donskoy” mit 200 Nuklearsprengköpfen an Bord. Was den “Schutz der Charles de Gaulle”, zu dem die Bundesregierung jetzt eine “Fregatte”  in den Krieg schicken will, unmittelbar als Lachnummer erweist.

Abgesehen davon, dass es für diesen Bundeswehr-Einsatz noch kein UN-Mandat gibt und es sich somit um einen grundgesetz,- und völkerrechtswidrigen Kriegseinsatz handelt, müßte vor einem solchen Mandat ja die Frage geklärt werden, wer hier überhaupt mit wem gegen wen kämpft. Wenn ich aus der sicheren Deckung meines Schreibtischs die Lage auf dem geopolitischen Schachbrett analysiere, sieht es auf den ersten Blick so aus wie in dem Cartoon oben oder  unter diesem Posting. Etwas sortiert ergibt sich folgendes Bild:

– der Großplan des US-Imperiums sieht nach der Zerstörung Libyens und des Irak vor,  Syrien und Iran unter Kontrolle zu bekommen. Um einen regime change in Damaskus zu erzwingen wurden die salafistischen Milizen zu einem “Islamischen Staat” und die syrische Opposition zu einer “Befreiungsarmee” aufgerüstet, die im Kern ebenfalls aus islamistischen Söldnern (Al Qaida /Al Nusra) besteht. Finanziert und unterstützt wird diese “Armee” von Saudi-Arabien und Katar auf der einen und von der Türkei auf der anderen Seite, sowie generell auch von den USA. Der IS ist also kein zufällig entstandenes Monster, sondern ein gezielt herangezüchtetes Werkzeug in diesem Krieg.

– vor dem Eingreifen der von der Assad-Regierung zur Hilfe gerufenen Russen, war der Kampf des Westens “gegen den IS” ein Schaukampf. Außer der regulären syrischen Armee und den Kämpfern der Peshmerga und der PKK, die ihre kurdischen Gebiete verteidigten, kämpfte niemand gegen das “Kalifat”, das seine Einflusszonen weitgehend ungehindert ausdehnte. Erst der Einsatz der russischen Luftwaffe, der gezielt gegen die Versorgungswege des IS vorging, brachte eine Änderung. Das Millionengeschäft mit gestohlenem Öl, das der IS der Firma von Erdogans Sohn liefert, geriet ins Stocken – und damit auch der von der Türkei geförderte Kampf der Islamisten gegen die Kurdengebiete im Norden Syriens. Dass Russland nach dem türkischen “Dolchstoss” die kurdische Autonomie nun noch stärker mit Waffen unterstützt als bisher – und damit indirekt auch die Todfeinde des Sultans, die PKK  – scheint nach dieser ausführlichen und sehr lesenswerten Analyse der “Oriental Review” recht wahrscheinlich.

– und so liest sich, auf FB bei Pepe Escobar – wie die syrischen Kurden auf Twitter Daesh/IS/ISIL einschätzen: “Housed in Turkey, trained in Jordan, logistics by Pakistan, literature from Saudi Arabia, funding from Qatar and Saudi Arabia, on the ground day to day running by Israel, weapons by the US, intelligence by the British, Germans and French, original weapons from Muslim Brotherhood helping them take it out of Libya.” Also wäre,  wenn es denn dem barbarischen IS tatsächlich an den Kragen gehen soll,  außer mit der Türkei und den Saudis auch noch mit einigen anderen “Verbündeten” (von der aktiven Beteiligung Israels wird bis dato mehr gemunkelt als dass handfeste Belege vorliegen) sehr ernsthaft zu sprechen. Deutsche Tornados und Fregatten braucht es dazu defintiv nicht.

– Weil jeder weiß, dass der “Islamische Staat” nicht mit Bomben besiegt werden kann, und jeder der noch bei Verstand ist einsehen muss, dass der Großplan des Imperiums mit dieser Bande die Hegemonie im Mittleren Osten zu erobern nur noch um den Preis eines Weltkriegs “erfolgreich” durchgeführt werden kann, ist nach einer Viertelmillion Leichen und 10 Millionen Geflohenen eine internationale politische Lösung jetzt unausweichlich: D.h. 1) Isolierung der Finanz,-und Waffenströme in das Kalifat 2.)  Vertreibung der IS-Kämpfer durch reguläre irakische und syrische Bodentruppen mit internationaler Unterstützung  3.) Einsatz einer robusten Blauhelmtruppe aller fünf Vetomächte zur Friedenssicherung und  Gewährung von Autonomierechten für die unterdrückten religiösen und kurdischen Minderheiten in Syrien und Irak. 4) Neuwahlen

Solange wir über 1) nichts Konkretes erfahren ist davon auszugehen, dass die wahabitischen Kopf-Ab-Milizen des Islamischen Staats weiterhin als unsere (un-)heimlichen Verbündeten agieren.

Tornados für oder gegen Terror ?

24.10.15 16:40-BildschirmkopieIrgendwie scheint mal wieder alles nach Drehbuch zu laufen: schrecklicher Terror-Anschlag bei gleichzeitiger Anti-Terrorübung,  tote Attentäter mit überlebenden Ausweisen, ungeklärte Bekennerschreiben, unkonkrete Ermittlungen…klare Schuldzuweisungen…. Ausnahmezustand…. Kriegserklärung…Beistandsersuchen. Und jetzt, man konnte es ahnen, eben auch deutsche Tornados. Dass deren Einsatz in Syrien ohne UN-Mandat völkerrechtswidrig ist, dass von allen fremden Streitkräften in  Syrien allein Russland legal dort operiert, weil es von der  Regierung des Landes zu Hilfe gerufen wurde, ist “in der Stunde der Not” erstmal zweitranging… und die eingebetteten Nato-Postillen stimmen die Bevölkerung schon mal ein. Es gibt ja auch noch nicht genug Kampfflugzeuge in der Region und da muß man in “Solidarität gegen den Terror” dem Franzosen natürlich beistehen. Dass der mit seinen britischen und amerikanischen Freunden dort schon seit Jahren rumbombardiert, Libyen in ein Dschihadisten-Paradies verwandelt hat und Terrorismus nicht eingedämmt sondern produziert hat; dass der Islamische Staat ein Geschöpf der US-Geheimdienste ist, das mit saudischem Geld und Support durch die Türkei, Israel und die NATO  am Leben gehalten wird – und benutzt, weil die Türkei ihre Grenzen gerne 35 Kilometer nach Syrien ausdehnen will und Israel die seinen auf die schon besetzten syrischen Golan-Höhen. All das und noch einiges mehr müßte öffentlich diskutiert werden bevor das Parlament darüber abstimmt, ob ein Bundeswehreinsatz gegen dieses selbstgeschaffene Monster gerechtfertigt und rechtmäßig ist.

Dass es strategisch ohne große Bombardements ein Leichtes wäre, dem Islamischen Staat den Saft abzudrehen, haben zahlreiche Beobachter ad infinitum betont: wenn die Grenze zur Türkei geschlossen und die Zufuhr von saudischem Geld und Waffen gestoppt wird –  beide Staaten sind enge Verbündete des Westens in diesem Krieg ! – geht im “Kalifat” sofort das Licht aus. Dies aber war bis dato nicht im Sinne des Erfinders, der diese salafistischen Wahnsinnigen bis an die Zähne bewaffnet hat. Was geschieht wenn man ernsthaft gegen ihre Versorgungslinien vorgeht mußte vor drei Tagen der russische Bomber erfahren. Auch wenn die hiesigen Großmedien nach wie vor von “Luftraumverletzung” fabulieren, sollte mittlerweile vollkommen klar sein, dass es sich bei diesem Abschuss um einen kriminellen Akt handelte – ausgeführt von der tükrischen Luftwaffe im Auftrag des Erdogan-Mobs. Der Sohn des Sultans, Bilal Erdogan, ist dick im Geschäft mit dem IS und verschifft das gestohlene Öl, das wegen der russischen Attacken auf die Tanklastwagen-Flotte nun auszubleiben droht.

Soll die Bundeswehr jetzt in einer Koalition mit den Kopf-Ab-Saudis und der islamistischen Erdogan-Mafia weiter Schaukämpfe gegen den IS führen, um letztlich doch nur den vom netten Augenarzt zum “Schlächter” mutierten Assad zu beseitigen, wie es der Großplan des US-Imperiums vorsieht ? Dann stünden deutsche Soldaten mit den nunmehr zu netten “moderaten Rebellen” mutierten Al Qaida/Al Nusra-Brigaden in einer Front – um gegen “4+1” (Russland, Syrien, Iran, Irak plus Hiszbollah) Damaskus, Teheran und den gesamten Mittleren Osten zu unterwerfen. Oder soll  es wirklich gegen den Terror des IS gehen ? Dann braucht es keine Tornados und keine Kriegsschiffe, sondern politische Maßnahmen gegen die Türkei und Saudi-Arabien. Sonst bleibt jeder Kampf gegen den IS ein Fake. Falls es Frankreich gelingt, eine große militärische Koalition (inkl “4+1”) zu schmieden, ist der Islamische Staat in wenigen Tagen Geschichte. Viele Flüchtlinge könnten zurückkehren, unter internationaler Aufsicht könnten Neuwahlen stattfinden – und Assads Baaht-Partei würde sehr wahrscheinlich  gewinnen. Das ist das Problem. Die syrische Bevölkerung wird solange bombardiert bis sie endlich “richtig” wählt. Sollte das Grundgesetz noch irgendetwas wert sein, dürfte sich die Bundeswehr an solchen Angriffskriegen natürlich nicht beteiligen. Wie’s ausschaut kann unsere Panzer-Ursel aber kaum abwarten zur Tornado-Uschi promoviert zu werden…

27.11.15 09:02-Bildschirmkopie

Von der dunklen Seite des US-Imperiums

25.11.15 22:24-Bildschirmkopie

Tommy Hansen hat für Free 21 einen meiner historischen telepolis-Artikel im PDF-Format neu produziert:

“Als dem großen Erzähler Mark Twain gegen Ende seines Lebens nicht mehr zum Lachen war, wollte sein Publikum das nicht hören. Seit ihn die Zeitung „Alta California“ 1866 für eine Reportage auf die damaligen Sandwich-Inseln, das heutige Hawaii, geschickt hatte, liebten die Amerikaner den Satiriker und Spaßmacher, der Sitten und Gebräuche der Eingeborenen ungeniert verspottete – so auch als er später die erste US-amerikanische Reisegruppe auf einer Tour durch das alte Europa begleitete. Dessen „kultivierte Barbaren“ und ihre Gebräuche waren für Twain kaum weniger exotisch als die Bewohner Hawaiis – und in seinem berühmt gewordenen Reisebericht „The Innocents Abroad“ (Die Arglosen im Ausland) ließ er es Spott nicht fehlen.
Von Palästen und Prachtbauten fühlte er sich als überzeugter Demokrat abgestoßen, Kathedralen, Kunst und Kirchenprunk des alten Europa lehnte er als „nutzlosen Plunder“ ab, der zur Unterstützung der Armen besser verkauft werden sollte. Und für die „schreckliche deutsche Sprache“, die er zu lernen versuchte, verfasste er einen Katalog von Verbesserungsvorschlägen („Zuallererst würde ich den Dativ abschaffen!“).
So naiv-satirisch Twains Vorschläge daher kamen, so ernst waren sie letztlich gemeint: Dass allein die Segnungen des modernen, pragmatischen Amerika der rückständigen Menschheit aufhelfen, konnten war für ihn vollkommen selbstverständlich. Spätestens mit der amerikanischen Eroberung der Philippinen (1899) aber wandelte sich der humorige Weltenbeglücker und Prediger des amerikanischen Fortschritts zu einem radikalen Kritiker seines Landes.
Dass die amerikanischen Ideale von Demokratie und Freiheit nur als Mäntelchen benutzt würden, um Geschäftsinteressen, Eroberungen und Ausbeutung durchzusetzen, gehörte bis zu seinem Tod (1910) zu Twains festen Überzeugungen – und er wurde nicht müde gegen Imperialismus, Kolonialismus, Korruption und Rassentrennung anzuschreiben, um „sein“ Amerika wieder auf den rechten Weg zurückbringen. Doch wenn er auf die Bühne kam, lachten die Leute kaum, dass er nur das Wort erhob. So vermutlich auch bei seinem Vorschlag, mit dem er das Banner seiner demokratischen Ideale, die amerikanische Flagge, vor dem Missbrauch durch die Imperialisten retten wollte: „Wir nehmen einfach unsere übliche Flagge, übermalen nur die weißen Streifen schwarz und ersetzen die Sterne durch einen Totenkopf mit gekreuzten Knochen.“

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Unterstützt die NATO den IS ?

23.06.14 17:05-Bildschirmkopie

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die türkische Luftwaffe hat der Konflikt im syrischen Grenzgebiet zur Türkei – der Heimat des IS – eine neue Qualität erreicht. Dass die Türkei das “Kalifat” unterstützt, dass die Öllieferungen des IS täglich in die Türkei rollten und Waffen und neue Kämpfer über die türkisch-syrische Grenze in den “Islamistischen Staat” eingeschleust werden ist lange bekannt, neu ist, dass Sultan Erdogan jetzt auch militärisch gegen die aktiven Gegner des IS, die Russen, vorgeht. Die Begründung, dass man damit nur die Verletzung des türkischen Luftraums ahnde, ist natürlich nur heiße Luft. Enstprechend scharf  fiel die Stellungnahme von Präsident Putin aus, den die Agentur TASS zitiert:

“Das, was heute passiert ist, ist ein Dolchstoß in den Rücken von Russland, der von Komplizen der Terroristen durchgeführt wurde. Ich kann das nicht anders charakterisieren. Die Türkei verhält sich so, als ob wir einen türkischen Jet abgeschossen hätten und fordert eine Sondersitzung der Nato ein. Heißt das, dass die Türkei von der Nato verlangt, den IS zu unterstützen?“

Gute Frage. Und tatsächlich mag es in der NATO  sogar ein paar Wahnisnnige geben, die ihr Mantra “Assad muss weg” immer noch Seit an Seit mit den Kopf-Ab-Islamisten durchziehen wollen. Das NATO-Kampfblatt “Bild” titelt schon mal präemptiv: “Putin attackiert Türkei”.  Tatsächlich gingen die Maschine und die beiden Piloten per Fallschirm aber auf syrischem Boden nieder. Wenn nun also allenthalben von “Luftraumverletzung” und legitimer Verteidigung “territorialer Souveränität” fabuliert wird, ist das Propaganda. Fakt ist, dass die Türkei, die seit Jahren das vom IS gestohlene Öl aufkauft, nunmehr mit Gewalt gegen die Kräfte vorgeht, die als einzige wirksam gegen diese Geldader des IS kämpfen: die russischen Bomber, die in den letzten Tagen hunderte von Tanklastern zerlegten, die seit Jahren täglich in die Türkei rollen.

So wie kein Zweifel daran bestehen kann, dass das Monster IS ein Produkt aus der Frankenstein-Küche der CIA ist – ein unlängst freigegebenes Strategiepapier des US-Militärgeheimdiensts DIA skizziert schon 2012 das künftige “salafistische Hoheitsgebiet” in Irak/Syrien und die Al Qaida/Al Nusra – Milizien als die entscheidenden Anti-Assad-Kämpfer – so wenig kann Zweifel daran bestehen, dass die Russen derzeit die einzigen sind, die ernsthaft gegen den IS vorgehen. Da Sultan Erdogan diese Attacke vermutlich nicht ohne das OK von His Masters Voice geritten hat, könnte es sich auch um eine Falle handeln, um die sich nach Paris anbahnende Anti-IS-Koalition von Franzosen und Russen zu torpedieren.

“Gnade für Terroristen gewährt Gott, ich bin dafür zuständig, sie zu ihm zu bringen,” hat Putin unlängst bekundet. Das sieht das Imperium in Washington derzeit wohl noch anders und hält die monströse Züchtung eines wahabitischen Terrorkalifats weiter am Leben – mit Waffen von Saudis und Qataris, mit dem Franko-Britisch-NATO-“befreiten” Libyen als Jihadisten-Paradies und jetzt auch mit Luftunterstützung der Türkei. Ohne die Waffen der Saudis und ohne den Support über die offene türkische Grenze – ohne die sauberen Verbündeten des Westens also und die schützende Hand des NATO-Staats Türkei –  wäre die Krake IS in der Wüste längst ausgetrocknet. Wird sie weiter gemästet, um sie auf Damaskus und dann auf Teheran zu hetzen – nichts anderes ist ja der perverse Plan  des Imperiums – wird es unvermeidlich sein, dass ihre Terrorarme bis nach Paris und weiter reichen….

ISIS come ISIS go

15.11.15 21:39-Bildschirmkopie

Die Einführung der Ausweispflicht für Terroristen hat die “Aufklärungs”-Geschwindigkeit von Terroranschlägen wesentlich beschleunigt – so auch jetzt wieder in Paris, wo der bei einem der Selbstmordbomber gefundene “syrische Ausweis” in kaum einen Nachrichtenreport der letzten 36 Stunden fehlte. Die Nachricht, dass es sich dabei um einen Fake  handelt wird dann aber wohl kaum in die Wiederholungsschleifen der News aufgenommen werden, weshalb wir zumindest hier darauf hinweisen wollen. Einmal mehr erleben wir gerade, wie ein Narrativ innerhalb kürzester Zeit festgeklopft wird – die Frage, was ein Bekennerschreiben von ISIS wert ist, wenn es keine Insider-Informationen enthält, wird schon gar nicht mehr gestellt. Wenn aber das Kalifat sich mit diesem Anschlag nicht nur brüstet, sondern ihn tatsächlich organisiert hat, dann verfügen die ISIS-Dschihadisten mittlerweile über eine erschreckend effektive Logistik, ihre Feinde zu treffen: ein gesprengter Passagierjet aus Russland auf dem Sinai, ein verheerender Anschlag in Beirut, mitten in einem Kiez der Hizbollah und jetzt ein Angriff auf die NATO mitten in Paris. Nicht schlecht für einen zusammengewürfelten Haufen von Kopf-ab-Söldnern aus aller Herren Länder. Wie schaffen die das ? Nun haben wir diese Truppe hier seit Jahr und Tag als Rocky Horror Kalifat Show   porträtiert, die als CIA-Outfit – manchmal mit falschen Fahnen, aber ansonsten nicht nur mit chicen Toyota-Pickups, sondern auch mit Kriegsgerät betstens ausgestattet – an der Leine von “Exon-John” McCain ihr Unwesen treiben. IS/ISIS/Daesh ist also nicht vom Himmel gefallen und agiert auch nicht dank himmlischer  “Allah Hu Snackbar”- Kräfte wie ein globaler Konzern. Vielmehr lassen sich multiple internationale Attacken wie die oben genannten nur mit Hilfe sehr irdischer Geister erfolgreich ausführen.  In welche Richtung diese lief könnte deutlich werden, wenn sich bestätigt was Paul Craig Roberts von gewöhnlich gut informierten Greisen berichtet wurde: eine massive Hackerattacke, die 48 Stunden vor und während der Anschläge Mobilnetze und polizeiliche Überwachungssysteme betraf. Dies könnte immerhin einige der Merkwürdigkeiten in der Zeitleiste der Polizeireaktion erklären.Weil ich auf anderen Baustellen zu tun haben, werde ich dem auch in den nächsten Tagen nicht nachgehen, Kommentare mit interessanten Neuigkeiten oder Links aber freischalten.

Eben wird gemeldet, das Obama und Putin am Rande des G-20 Treffens miteinander gesprochen haben. Vielleicht ein hoffnungsvolles Zeichen ? Anders als die Neocons in USA soll Obama ja nicht abgeneigt sein, was bis dato allein Russland in Angriff genommen hat: dem ISIS-Spuk militärisch ein Ende zu bereiten. Doch dazu müssen die wichtigsten Unterstützer – die Saudis und Sultan Erdogan – auf Linie gebracht werden, und Obama sich zu Hause gegen die Neocon-Kriegstreiber, die ISIS erfunden haben, durchsetzen….

“Krieg gegen Terror” produziert Terror

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Der “Krieg gegen Terror” verhindert Terrorismus nicht, sondern produziert ihn. Die 1,5 Millionen Menschen, die diesem Krieg bisher zum Opfer gefallen sind – in Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen, Syrien… – sind nicht für eine friedlichere Welt gestorben, denn ihre Ermordung hat in diesen Ländern Chaos und Rechtslosigkeit geschaffen und den Boden nicht für weniger, sondern für mehr Terrorismus bereitet. Jedes zivile Opfer unter diesen 1,5 Millionen Toten hat bei seinen überlebenden Anghörigen einen Samen der Wut und des Hasses hinterlassen, auf die unsichtbaren Herren der Drohnen und Raketen, die ihre Ländern angreifen. Bei weitem nicht alle aber einige dieser Samen sind aufgegangen und haben Kämpfer wachsen lassen, die bereit sind, für ihren Hass und ihre Rache ihr Leben geben.  Die Autobombe  ist “die Air Force des kleinen Mannes” (Mike Davis) und  der  Selbstmordattentäter mit Kalaschnikow und Sprengstoffgürtel eine Waffeneinheit: “Terrorismus ist der Krieg der Armen gegen die Reichen… und Krieg ein Terrorismus der Reichen gegen die Armen.” (Peter Ustinov) Diese Unterscheidung gilt es festzuhalten, wenn jetzt über Konsequenzen aus der schrecklichen Anschlagserie in Paris nachgedacht wird – und die Frage, ob und wie und wie verschärft  man weiterhin nur die Symptome des Terrorismus bekämpfen oder die Ursachen der Krankheit angehen will. Oder anders ausgedrückt: wer die täglichen Drohnenmorde in aller Welt für notwendig und moralisch vertretbar hält und an der Zerstörung des Irak, Libyens und Syriens nichts auszusetzen hat, weil die Invasoren “Menschenrechte” auf ihre Fahnen geschrieben haben, der sollte sich über Mordanschläge  in Pariser Cafés, Stadien und Konzertsälen nicht wundern.  Diesen Zusammenhang gilt es ebenfalls festzuhalten, wenn nach der Schockstarre über 120 unschuldige Opfer Konsequenzen gefordert werden. Dass Eliten und Funktionsträger sich wie nach der Charlie Hebdo-Attacke zu einer gefakten Foto-Op versammeln um “gegen Terrorismus” Flagge zu zeigen macht nur dann Sinn, wenn sie nicht nur mit dem Finger auf den Wahnsinn dieser Anschläge zeigen, sondern sich endlich des Wahnsinns ihrer eigenen Politik und des “war on terror” bewußt werden. Wer diesen Krieg weiter führt – jetzt mit noch größerer Anstrengung/Härte/Entschlossenheit blablabla – tut nichts anderes,  als neue Terroristen zu schaffen, für die nächsten Anschläge, in Berlin, Rom Brüssel..

14.11.15 11:15-Bildschirmkopie

Rinks & Lechts & Quer & Queer

weapons-of-mass-destruction-700x4374Über das Phantom einer “Querfront”, in der sich Rechtspopulisten und Pegida-Fans mit Linksradikalen und “Verschwörungstheoretikern” vereinen, wird derzeit wieder viel fabuliert und im Zusammenhang mit einer mißratenen (und zurückgezogenen) Studie zum Thema hatte ich meine 2 Cent zu diesem halluzinierten “Netzwerk” eigentlich schon abgeliefert. In einem Artikel, der in der “Berliner Zeitung” und der “Frankfurter Rundschau” erschien, ist dieser Unsinn jetzt aus Anlass des Rücktritts von Wolfgang Lieb aus der Redaktion der Nachdenkseiten wieder aufgewärmt worden. Wie üblich wird auch hier wieder zusammengerührt, was nicht zusammengehört, um Leute wie etwa  den Nachdenkseiten-Chef Albrecht Müller, den Journalisten Ken Jebsen oder yours truly mit völkisch-brauner Soße zu kontaminieren. Weil Argumente dafür in den Arbeiten der Genannten nicht zu finden sind, müssen sie in freier Assoziation konstruiert werden – was in meinem Fall zu unfreiwilliger Komik führte:

“Der einstige taz-Journalist Mathias Bröckers (61) verkauft heute seine Bestseller über den 11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung und seine „Ansichten eines Putinverstehers“ an Linken- wie AfD-Anhänger.”

Außer der Altersangabe stimmt an diesem Satz nichts: ich bin nach wie vor Journalist und arbeite (seit 2007) als Berater wieder für den taz-Verlag; Bestseller über den 11. September 2001 “als Terrorwerk der US-Regierung” habe ich nie geschrieben, sondern drei Bücher, die die offizielle Legende des 11.September in Frage stellen, und diese wurden wie auch die „Ansichten eines Putinverstehers“ keineswegs  nur von “Linken- und AfD-Anhängern” gelesen, sondern definitiv auch von Mitgliedern  von CDU/SPD/FDP/Grünen. Sogar dass der eine oder andere Nazi sie in die Hände bekam (und mit Gewinn gelesen hat) kann ich nicht auschliessen. Und somit von Glück sagen, dass der Autor des FR-Artikels den nicht ausfindig gemacht hat, weil sonst…uuuaaah. Nazis lesen Bröckers und verstehen Putin… da ham wir’s mal wieder.

Auch wenn es bisweilen schwer sein mag, Rinks & Lechts & Quer & Queer zu unterscheiden und es sich angesichts von Überschneidungen einen Reim auf die verschiedenen Bewegungen und Gruppen zu machen, mit nur ein wenig Recherche etwa auf den Nachdenkseiten, bei Ken FM oder in diesem Blog könnte man ermitteln, wes Geistes Kind die Macher sind, und Belege, Zitate, Beispiele für ihre Haltung beibringen. Weil sich da aber auf weiter Flur nicht “Völkisches”, “Rechtspopulistisches” oder sonstwie Reaktionäres finden läßt müssen, muss der Rufmord via Kontaktschuld konstruiert werden.  Oder mit schlichten Falschbehauptungen (“11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung”) ein Extremismus insinuiert werden, der allein den linken wie den rechten Rand begeistert.

Da wundert es nicht, dass nach einer neuen repräsentativen Umfrage 44 % der Deutschen dem Vorwurf “Lügenpresse” zustimmen (aber nur 10 % den anderen Pegida-Parolen) – die meisten Journalisten aber nach wie vor überzeugt sind, dass sie an diesem gravierenden Vertrauensverlust vollkommen unschuldig sind und nur ein paar üble Demagogen der Bevölkerung diesen Unglauben eingeimpft haben. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen in den “Leitmedien”: dem ist nicht so! Die Leute sind nicht so blöd wie ihr glaubt oder sie gerne hättet. Und ihr werdet sie nicht zurückgewinnen,  wenn ihr euren Medienzirkus weiter “as usual” betreibt und jede Kritik daran als rechtspopulistische Verschwörungstheorie abwatscht. Nicht nur die Massenvernichtungswaffen des Irak waren eine große Lüge, auch Osama Bin Laden und seine 19 Teppichmesser als 9/11-Alleintäter sind eine solche, ebenso wie die Alleinschuld des “Aggressors” Putin am Ukraine-Konflikt. Wer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will, muss da ran…

Update: Authentischer Linkspoulismus – Ken Jebsens Rede in Plauen ( ungeschnitten auf Youtube )

Hetze ok, Holocaust geht zu weit

islamgefahr

Stefan Niggemeier hat die Berichterstattung über die “KZ-Rede”  des Katzenbuch-Autors Akif Pirinçci analysiert, der einst von Henryk Broders Blog “Achse des Guten” als politischer Haßprediger rekrutiert wurde und sich nun mit einer hetzerischen Pegida-Rede definitiv ins Abseits katapultiert hat. Nicht weil er sich wie sein Mentor Broder gern  mal fäkaler Gossensprache befleißigt, und auch nicht, weil er dumpfe, niederträchtige Klischees bedient, sondern weil er deutschen Politikern unterstellte, sie würden Kritiker der aktuellen Asylpolitik am liebsten in Konzentrationslager stecken. Eben das hat er gesagt, doch quer durch alle Qualitätsmedien wurde behauptet, er hätte KZs für Flüchtlinge gefordert. Da seine Rede umgehend im Netz anzusehen und nachzulesen war, kann es sich bei der flächendeckenden sinnentstellenden Wiedergabe eigentlich nicht um ein Versehen handeln und nur wenige Medien haben ihre vorherigen Falschdarstellungen später noch korrigiert. Was zu der leicht surrealen Frage führt, ob  unsere  sog. Qualitätsmedien ein solches Armutszeugnis abliefern, weil sie für die Pegida-Pauschaldiffamierung “Lügenpresse” eigentlich dankbar sind und Belege dafür liefern wollen ? Oder wird die rote Linie in diesem Fall so rabiat gezogen, weil man in der Rede Pirinçcis plötzlich die Spitze eines islamophoben, menschenverachtenden Eisbergs erkannt hat, den es jetzt auf jeden Fall  – und notfalls auch mit einer Notlüge –  zu stoppen gilt ?

Dabei hätten all die Medien und Buchhändler und Verleger, die sich jetzt so lautstark von diesem Haßprediger distanzieren eigentlich nur mal lesen müssen, was dieser in seinen Blogbeiträgen oder zuletzt in seinem Machwerk “Deutschland von Sinnen” auftischte. Es braucht wahrlich keine aus dem  Zusammenhang gerissene KZ-Metapher um sich von diesen hetzerischen, spaltenden, brandstiftenden Tiraden gegen Minderheiten  zu distanzieren – zumal deren Kammerton, die Warnung vor dem angeblich unzivilisierten, aggressiven und barbarischen Islam, seit Jahren flächendeckend vorgebetet worden ist. Von einer Mainstream-Querfront, die von den sog. Qualitätsmedien über die Organe der Springer-Verlags, Autoren wie Sarrazin bis zu Blogs wie “PI” oder der “Achse” von Broder reicht, dessen Panikmache vor den islamischen Horden ja auch schon den norwegischen Nazi und Massenmörder Breivik inspirierte. So wie jetzt Pirinçci die johlenden Pegidioten… (Update: Ich hatte bei “Pegidioten”  erstmal gezögert, es dann aber stehen lassen. Wer einen Typen wie Pirrinci als Festredner einlädt und seiner dumpfen Hetze zujubelt ist definitiv ein Idiot.)

Hinterher freilich geben die Brandstifter sogleich wieder den Biedermann: Pirinçci will Schmerzensgeld wegen Rufschädigung einklagen – was wegen der offensichtlichen Falschmeldungen sein gutes Recht ist –  und Broder jammert beim Chefredakteur des “Tagesspiegel” darüber, dass sein Blog dort  “in der Grauzone zwischen rechts und rechtsradikal” eingestuft worden sei.  Was ziemlich zutreffend ist, auch wenn Pirinçci dort seit 2013 nicht mehr schreibt. 2009 hatte ich dazu notiert: “Wenn heute in Deutschland die Gefahr einer “Islamisierung” wieder so propagandistisch an die Wand gemalt werden kann wie einst die “Verjudung”, verdankt sich das nicht zuletzt publizierenden Paranoikern wie Broder, die sich von eingebildeten Massenvernichtungswaffen im Irak ebenso bedroht fühlen wie von fiktiven Atombomben im Iran und dem Dämon Al-Qaida in jeder Mülltonne.”

Dass wir heute nicht nur “Pegida” haben, sondern auch einen fanatisierten Mob, der muslimische Flüchtlinge angreift sollte also niemanden wundern. Das Feindbild, der neue Untermensch “Moslem”, wurde jahrelang und systematisch aufgebaut, durch eben jene,  von Bertelsmann und Springer abwärts, die sich jetzt eilfertig von einem Pirinçci distanzieren, weil der das KZ-Wort in den Mund nahm. Merke: Hetze gegen neuen Untermenschen ok, Holocaust geht zu weit.