Über das Buch von James Risen, einem der führenden Investigativ- Reporter der USA – „Krieg um jeden Preis – Gier, Machtmissbrauch und das Milliardengeschäft mit dem Kampf gegen den Terror“ – hatte ich bei seinem Erscheinen im September letzten Jahres hier berichtet. Dirk Pohlmann hat mit ihm gesprochen:
Springteufel Trump
Im Kasperltheater der amerikanischen Vorwahlen punktet der Springteufel Donald Trump am Wochenende erneut, auch der nette Opi Bernie Sanders holt sich weitere zwei Bundeststaaten und bleibt der Wall-Street-Hexe Hillary auf den Fersen. Alle anderen Figuren spielen schon kaum eine Rolle mehr und vor allem den Republikanern geht mittlerweile der Arsch auf Grundeis: der irre Donald watscht die beiden vom Partei-Establishment favorisierten Wettbewerber – den frömmelnden Hardliner Ted Cruz und den blassen Bush-Zögling Rubio – nach Belieben ab. Und schwafelt nicht nur einen Haufen rassistisches, nationalistisches, obszönes Zeug, sondern sagt auch Sachen, die ans Eingemachte gehen – wie etwa, dass er mit Putin schon klar käme und sich überhaupt mit auswärtigen Ländern einigen würde, statt permanent Militärisches zu finanzieren und Krieg zu führen. Was dem militärisch-industriellen Komplex und den Neokonservativen schon einen so gewaltigen Schrecken einjagte, dass sie Trump in einem offenen Brief als nationales Sicherheitrsrisiko bezeichnen; die liberale “Washington Post” befürchtet gar, dass der Springteufel das ganze Theater ruinieren könnte: “…we are two or three bad elections away from the end of NATO, the end of the European Union and maybe the end of the liberal world order as we know it.”
Uuuuhhh…. dann doch lieber Generalissima Killary Clinton , die “die liberale Welt wie wir sie kennen” unlängst so wunderbar nach Libyen exportiert hat – wo sich jetzt der “Islamische Staat” ausbreitet. Mit dem würde er kurzen Prozess machen, kündigte “The Donald” indessen schon mal an, und ihn so lange bombardieren, dass danach keine großen Bodentruppen mehr gebraucht würden. Rustikal ist nach wie vor Trumpf bei Trump – und wenn er sich bei seinen Tiraden mal vergallopiert nimmt ihm das unter seinen Fans keiner sonderlich übel. Ihn als “Flip-Flop”-Kandidaten zu outen, der heute dies und morgen das Gegenteil erzählt – üblicherweise das Ende für jeden Kandidaten – hilft gegen den Springteufel nicht.
Dass sie ihn nicht zu fassen kriegen, macht den Strippenziehern und Spindoktoren hinter den Kulissen ernste Kopfschmerzen. Trump ist ein Dem/Rep-Hybrid: für Geburtenkontrolle, Sozialgesetzgebung und Medicare – das Geld dafür will er der Pharmaindustrie abknöpfen, der er überhöhte Preise vorwirft; gegen TTP und aufgeblasene Militäbudgets – den Vertragsfirmen des Pentagon wirft er Abzocke vor: Positionen die der Parteilinie der Republikaner ziemlich zuwiderlaufen; andererseits setzt er mit seiner Zustimmung zur Folter, der Abwertung von Muslimen und dem Gestus der “weissen Überlegenheit” im Kern auf klassische republikanische Themen:Donald Trump’s Policies Are Not Anathema to U.S. Mainstream but an Uncomfortable Reflection of It.
Auch was die heiße Kartoffel Israel betrifft, ist Springteufel Trump nicht zu fassen: einerseits lobt er Bibi Netanjahu in höchsten Tönen, redet dann aber auch einer Zwei-Staaten-Lösung mit neutralem Jerusalem das Wort, was die Likudniks im Dreieck springen läßt. Zudem verkörpert er eine weitere Hybridform: er ist als Millionenerbe, Casino,-und Baulöwe Teil des 0,1,% Establishments und gleichzeitig “Anti-Establishment” – unabhängig vom politischen Filz im Beltway Washingtons und den Einflüsterungen des “Council of Foreign Relations” kann er den Frust seiner Wähler gegen “die da oben” bedienen, obwohl er selbst dazu gehört. Insofern wird er kaum zu stoppen sein und weil die Republikaner ihn nach seinem Durchmarsch bei der Kandidaten-Kür im Juli nur noch mit bürokratischen Tricks verhindern können, ruft der “Tea-Party” – Moderator Glenn Beck schon nach dem Krokodil, welches im Kasperltheater für die gewaltsame Beseitigung von Figuren zuständig ist. Nachdem er Trump mit Hitler verglichen hatte machte Beck dann auch gleich den Stauffenberg und sagte, dass er ihn mit dem Messer erstechen würde falls sich die Gelegenheit ergibt, weshalb jetzt das FBI gegen ihn ermittelt.
In die Schublade zu dem bösen Mann mit dem kleinen Bart gesteckt zu werden, dürfte dem Schreihals mit der schrillen Orange-Tolle wohl noch öfter passieren – aber da gehört er gnausowenig hin wie etwa Sozialdemokrat Bernie Sanders in eine Schubalde mit Karl Marx. Der fordert nur mehr Mindestlohn und höhere Steuern für die Superreichen und wäre eigentlich der passende Gegenkandidat für den superreichen Trump.Doch dass es zu einem Duell der beiden kommt, werden Clinton und ihre Supporter in der Finanz,-und Rüstungsindustrie zu verhindern wissen, sodass es auf der Zielgeraden im November dann Hillary vs. Donald heißen wird. Wenn der Springteufel bis dahin mit seiner xenophoben Rhetorik ein wenig zurückrudert und ein “ein echtes A-Team” (Trump) als Schattenkabinett versammelt, könnte es sogar eng werden für die “Hexe”. Die Seifenoper im “Einparteiensystem mit zwei rechten Flügeln” (Gore Vidal) bleibt also spannend…
(Erschienen am 7.3.2015 bei telepolis)
“Hitler-Droge” zurück in die Apotheken!
Ob es stimmt, was die Bildzeitung heute behauptet, weiß man noch nicht – die Polizei hat sich zu der Art der 0,6 Gramm illegaler Drogen, die bei dem Grünen-Politiker gefunden wurden, als er am Nollendorfplatz von zwei Zivilfahndern kontrolliert wurde, noch nicht geäußert. Auf “Hitler-Droge” muss man aber erst mal kommen, um die Kleinstmenge eines Aufputschmittels zum holocaust-artigen Horror aufzublasen. Richtig ist, dass Methamphetamin seit den 30ern in Deutschland hergestellt und unter dem Markennamen “Pervitin” zu einem wichtigen “Antriebsstoff” der Wehrmacht wurde, Hitler selbst aber wurde von seinem Leibarzt Dr.Morell, dem “Reichsspritzenmeister”, eher mit feineren Sachen – wie Opiaten und Kokain – versorgt und nicht nur mit dem billigen “Speed” für die Massen. (Mehr dazu in in Werner Piepers 2-bändiger Dokumentation “Nazis on Speed” und in Norman Ohlers Der totale Rausch).
Als mir gestern abend die erste Nachricht über den Fall unterkam, postete ich sie bei Facebook mit dem scherzhaften Kommentar: “Da kann doch nur Putin dahinter stecken – einem führenden olivgrünen Nato-Freund und Russland-Feind Drogen unterjubeln und ihn dann hops nehmen lassen…” – weil ich mir nicht vorstellen konnte wie man so blöd sein kann. Zivilstreifen am Nollendorfplatz kontrollieren nämlich in der Regel keine normalen Fussgänger, woraus man schließen muss, dass sie Beck auf der Straße beim Einkauf der Drogen beobachtet haben. Was man an einem Ort, der seit 100 Jahren ein Hotspot der Berliner Homo,.- und Drogenszene ist, schlicht nicht tun sollte. Dumm gelaufen…. aber so blöd darf man sich zumal als Parlamentarierer auch wirklich nicht anstellen.
Andererseits ist es natürlich ein absurder Witz, dass der Besitz von 0,6 Gramm einer Substanz, die wie “Pervitin” als verschreibungspflichtiges Medikament bis 1988 in jeder Apotheke erhältlich war, das Ende einer politischen Karriere bedeutet, während die Alkoholiker – von denen es unter den 631 Mitgliedern des Bundestags definitiv nicht wenige gibt – weiter fröhlich ihrem Volksvertretertum nachgehen. Was nicht immer, siehe “Whisky” Willy Brandt et.al., zum Schaden des Volkes sein muss, denn es gibt keine “harten” und “weichen” Drogen, es gibt nur richtigen und falschen Umgang damit. Das gilt für Alkohol ebenso wie für Pervitin, Heroin und Kokain. Stoffe, die erst echte Probleme machten, als sie illegal wurden, weshalb sie wieder dahin zurück müssen, wo sie herkamen. Auch die “Hitler”-Droge muss wieder zurück in die Apotheken !
Die ganze Wahrheit – Sneak Preview
Noch ist das Werk nicht aus der Druckmaschine, aber eine Leseprobe – das Vorwort und Inhaltsverzeichnis – hat der Westendverlag auf seiner Website dankenswerter Weise schon zur Verfügung gestellt:
“Die ganze Wahrheit über alles ist, dass wir die Welt problemlos paradiesisch verbessern könnten; dass kein Mensch mehr verhungern müsste; dass es nicht einmal in der kurzen Übergangsphase von unserem derzeitigen zum kommenden System zu Blutvergießen, Not oder Elend kommen müsste. Die ganze Wahrheit ist, dass wir alles zum Guten wenden könnten, im Handumdrehen. Und dass neun von zehn Men- schen das auch gern täten, selbst wenn sie dafür ein paar Opfer bringen müssten.
Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch, dass wir das nicht mehr schaffen – wir, die über 25-Jährigen, die Alten. Weil wir verwirrt sind und abgelenkt, gehetzt und desillusioniert; weil wir nicht mehr daran glauben, dass wir die Zukunft positiv gestalten können; weil wir meinen, neun von zehn Menschen seien unsere Konkurrenten und wollten uns ans Leder; weil wir Angst haben, vor allem.
Deshalb ist im Folgenden ständig die Rede von »wir« und von »ihr« – wenn wir euch meinen, unsere Kinder und Enkel. Dabei ist uns bewusst, dass ihr jedes »ihr werdet« als Zumutung empfindet, denn wieso solltet ihr euch ausgerechnet von Gescheiterten wie uns erzählen lassen, was ihr tun werdet. Oder solltet.
Wir können nur hoffen, dass ihr diesen Impuls nachsichtig ignoriert, indem ihr doppelt mildernde Umstände walten lasst. Erstens nämlich ist uns nichts Besseres eingefallen als »Was ihr daraus machen werdet«, um in den nachfolgenden, durchgehend konsequent formatierten Kapiteln die →Zukunft als tatsächlich machbar zu beschreiben, zweitens habt ihr zwar recht, wenn ihr uns als gescheitert betrachtet, aber das bedeutet ja nun noch lange nicht, dass wir bloß alte Besserwisser sind. Wir sind allerdings alt, tatsächlich, und wir sind ein bisschen müde. Sowie umzingelt von alten Leuten, mit denen einfach kein Staat mehr zu machen ist und erst recht kein Paradies. Aber ihr könnt das. Oder könntet. Mal sehen….”
Weiter im Text gehts (als pdf) hier.
Weltpolitik durch Drogenhandel
Ein Frachtflugzeug auf dem Weg von München nach Durban (Südafrika) , muß wegen eines Defekts in Harare (Zimbabwe) zwischenlanden. Als es die Parkposition erreicht, fällt dem Bodenpersonal auf, dass aus dem Frachtraum Blut tropft, wo dann nicht nur eine Leiche gefunden wird, sondern Paletten mit Geldscheinen – 57 Tonnen südafrikanischer “Rand”. Was klingt wie aus einem Jason Bourne Thriller geschah Mitte Februar und wäre – da die “South African Reserve Bank” den Fund als “diplomatische Fracht” deklarierte und es sich bei dem Toten “wahrscheinlich” um einen blinden Passagier handelte – auch keiner größeren Beachtung wert, zumal die zimbawischen Behörden der Maschine nach einigen Tagen den Weiterflug gestatteten. Doch weil mein Freund und Kollege Daniel Hopsicker nun einmal der Biograph von Barry Seal ist, dem CIA-Piloten u.a. der “Iran-Contra”-Drogenflotte, klingelte es bei ihm, als er entdeckte, dass der Flieger einer Gesellschaft namens “Western Global Airlines” gehörte. Der Nachfolgerin der “Southern Air Inc.”, die zuvor als “Southern Air Transport” firmierte – und unter sämtlichen Namen für die CIA Drogen, Waffen und andere Schmuggelware transportierte. So wie Barry Seal in den 70ern und 80ern, der einst auf seinem Zielflughafen in Mena (Arkansas) mit einer Ladung Koks und Säcken voller Dollarscheinen landete und aus Versehen verhaftet wurde – zwei Tage später war er wieder frei, nachdem Vizepräsident Bush den jungen Generalstaatsanwalt von Arkansas, einen gewissen Bill Clinton, eingeweiht hatte. Insofern ist es kein Wunder, dass sich bei Daniel Hospicker gewisse Parallelen auftaten und er über diesen merkwürdigen Zwischenfall einen Beitrag in seinem Blog verfasste.
Und wie es der Zufall will bringt am Tag, wo ich dies lese, die Post das Buch vorbei, das mir vor einem Vierteljahrhundert die Augen für eine Realität öffnete, die ich bis dahin für ein unbestätigtes Gerücht, eine Verschwörungstheorie gehalten hatte: die Drogengeschäfte der CIA. Doch “The Politics of Heroin: CIA Complicity in the Global Drug Trade” von Professor Alfred McCoy belehrte mich eines Besseren. Nicht nur wegen seiner peniblen Dokumentation der Drogengeschäfte in Laos, Kambodscha und Vietnam einschliesslich des Transports durch die CIA-eigene “Air Amercia”, sondern auch wegen der massiven Behinderungen der Veröffentlichung durch den Geheimdienst. 2003 brachte Zweitausendeins eine stark erweiterte Fassung der einstigen Dissertation des Yale-Studenten Alfred McCoy auf Deutsch heraus, die zu einem Jahrzehnte überspannenden Lebenswerk dieses Historikers gewachsen ist. Von den Opiumkriegen in China über Vietnam bis zum aktuellen Drogenhandel in Afghanistan und Mexiko zeichnet er das gigantische globale Geschäft nach und die Rolle die es bei der Finanzierung von Warlords, Milizien und Terroristen spielt. Seit langer Zeit vergriffen ist dieser Klassiker jetzt im Westendverlag wieder erschienen. Wer den Wahnsinn des internationalen “War On Drugs” verstehen will muss dieses Buch lesen. Alfred Mc Coy: “Die CIA und das Heroin – Weltpolitik durch Drogenhandel”, Westendverlag, 760 Seiten, 24,00 Euro
(Update: Ein längerer Auszug aus dem Buch auf telepolis)
Das Unwort des Jahrhunderts
“You should see the world as a conspiracy run by very closely-knit group of nearly omnipotent people – and you should think of these people as yourself and your friends.”
Robert Anton Wilsons “Lexikon der Verschwörungstheorien”, das ich im Jahr 2000 auf Deutsch herausgegeben hatte, war die erste Monografie, die sich hierzulande einem Thema widmete, das mittlerweile geradezu inflationäre Verbreitung gefunden hat. An einer Fortsetzung, die sich der Verlag damals wünschte, konnte Bob Wilson wegen seiner Erkrankung nicht mehr arbeiten, also machte ich mich alleine daran, den Strukturen von historischen Verschwörungen und den Behautpungen/Hypothesen/Theorien weiter nachzugehen. Sowie dem Einsatz solcher Theorien zum Zwecke der Propaganda und als immer wiederkehrendes Strickmuster zur Konstruktion von Sündenböcken/Feinden/Kriegsgegnern. Aus dieser Beschäftigung mit der Geschichte und Struktur des Verschwörungswesens riss mich dann der 11. September 2001 und seine Folgen, die mein aktuelles Studienobjekt nun gleichsam live und auf freier Wildbahn präsentierten. So entwickelte sich die geplante Fortsetzung und Vertiefung des “Lexikons der Verschwörungstheorien” zum Tagebuch der Beobachtung einer Verschwörung – zuerst auf Telepolis im Netz und dann im Sommer 2002 als Buch: “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.”
“Es ist an der Zeit, das Verschwörungsdenken, dieses Schmuddelkind der Erkenntnistheorie, in den Status einer kritischen Wahrnehmungswissenschaft zu erheben. Und eine allgemeine Theorie der Verschwörungstheorien zu entwerfen, die als Wegweiser in diesem Minenfeld dienen kann”, hatte ich dort geschrieben und dann einige Thesen über Verschwörungen und Verschwörungstheorien formuliert – in der Hoffnung auf den Einzug von ein wenig analytischer Vernunft: dass reale Verschwörungen unbestreitbar existieren und dass die anhand von Indizien erfolgende Bildung von Hypothesen über solche möglichen Verschwörungen ein vollkommen rationales Verhalten darstellen. Verschwörungstheorien also keineswegs und per se “verrückt”, “irrational”, “paranoid” sind, sondern auch ein unverzichtbares Werkzeug der Aufklärung – etwa für jeden Kriminalisten, der anhand von Spuren, Indizien, Hinweisen nach möglichen Tätern suchen muss. Wie auch immer – die Hoffnungen, die ich auf die Vernunft und die Entwicklung wissenschaftlichen “Konspriologie” setzte, waren naiv, stattdessen entwickelte sich “Verschwörungstheorie” zum Unwort des Jahrhunderts und machte Karriere als universell verwendbare Diskurskeule, mit der jeder Zweifel an “offiziellen” Verlautbarungen unmittelbar eliminiert kann.
Der inflationäre Gebrauch des Begriffs in den Medien hat zu einer Flut von Publikationen geführt, wobei das Niveau einer objektiven wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit dem Phänomen aber erschreckend niedrig geblieben ist. Wie etwa naive mathematische Modelle, nach denen ein größere Menge Beteiligter nie etwa länger geheimhalten können, oder die im Dutzend vorliegenden küchenpsychologischen Erklärungen, dass die Normalbürger die komplexe Welt von heute einfach überfordert und sie deshalb anfällig sind für den Glauben an geheime übermächtige Strippenzieher und Sündenböcke. Und kaum eine Veröffentlichung spart mit Scherzen über die Pathologie dieser irren Gläubigen, die aufgrund sektenartiger Hermetik auch längst widerlegten Verschwörungstheorien anhängen. Seltenst erwähnt wird indessen die lange Liste bestätigter realer Verschwörungen (von Air America bis ZR-Rifle), was indessen auch Sinn macht, denn was fängt man zB mit den noch gestern als “paranoide Anti-Amerikaner” klassifizierten Verschwörungsspinnern an, wenn sich heute die flächendeckende NSA-Spionage als wahr herausstellt ? Da wird auch das an der Uni Tübingen jetzt eingerichtete “Forschungsnetzwerk” überfragt sein, das sich mit der Realität von Verschwörungen, verdeckten Operationen, Geheimdiensten usw. denn auch gar nicht weiter beschäftigt, sondern nur den “Theorien” auf den Grund gehen will. Man muß kein Verschwörungstheoretiker sein um vorherzusagen, dass dabei nichts Vernünftiges herauskommen kann…. keine Abkehr vom Kampfbegriff, sondern eher ein Update der psycholgischen Kriegsführung
Da war RAW vor 20 Jahren fraglos schon weiter – und schon deshalb freue ich mich hier kund zu tun, dass sein schon länger vergriffener Klassiker, das “Lexikon der Verschwörungstheorien”, im Herbst 2016 in einer Neuauflage im Westenverlag erscheinen wird. Darin auch das Gespräch, das ich mit ihm im Herbst 1999 führte ( hier ein Auszug ).
Im Druck!
Heute morgen wurden die alleralllerletzen Feinheiten im Umbruch noch abgestimmt – und dann ging „Die ganze Wahrheit über alles“ in die Druckerei. Im Blog zum Buch gibts schon mal eine Sneak-Preview des Covers (die sich auf Klick vergrößert). Noch knapp drei Wochen, dann wird die Wahrheit schwarz auf weiß vorliegen, auf dass jede/r sie gestrost nach Hause tragen kann. Und nicht nur das: er oder sie bekommt sogar deutlich mehr, als in der Vorschau des Verlags ursprünglich angekündigt wurde. Statt 224 hat das Buch jetzt 334 Seiten – obwohl wir für die umfangreichen Anmerkungen, Quellen,-und Literaturangaben schon eine etwas kleinere Schrift gewählt haben. Was die Quantität betrifft, schenken wir den Leserinnen und Lesern also deutlich „überm Strich“ ein, denen wir in Sachen Qualität natürlich das letzte Urteil überlassen. Dass wir aber in Sachen Klarheit und Stringenz der Gedankenführung auf jeden Fall unser bestes Tennis geliefert haben, sei hier schon mal versichert.
Der neue Kalte Krieg
Auch zum zweiten Jahrestag des Scharfschützen-Massakers auf dem Maidan in Kiew ist das Blutbad, dem über 100 Demonstranten und Polizisten zum Opfer fielen, nicht nur nicht aufgeklärt, der amtierende ukrainische Generalstaatsanwalt bestreitet sogar die Anwesenheit anonymer Todeschützen auf und in den umgebenden Häusern – darunter ein “gekapertes” Hotelzimmer des ZDF, das die Schützen sogar filmte – weshalb mit weiteren Ermittlungen auch nicht zu rechnen ist. Die Tatsache, dass es sich bei diesen Massenerschiessungen um das Ereignis handelt, das zum Regierungsumsturz in der Ukraine führte und in der Folge zu den Aufständen in den Ostprovinzen des Landes und zur Abspaltung der Krim – auch diese eminente historische Bedeutung macht es ziemlich unwahrscheinlich, dass eine rechtsstaalichen Kriterien entsprechende Untersuchung des Verbrechens jemals stattfinden wird. (UPDATE: in einem gerade in der Ukraine anlaufenden Dokumentarfilm berichtet einer der Schützen, dass er zwei Polizisten mit einem Schuß “ins Genick” tötete – ohne juristische Konsequenzen)
Ähnliches scheint für den Mord an den Insassen des Fluges MH-17 zu gelten, wo die im letzten Beitrag zitierte Aussage des niederländischen Geheimdienstchefs (“Nur die Ukraine hatte ein BUK-System”) erwartungsgemäß keine Erwähnung in den Großmedien fand. Auch der Angriff auf das Flugzeug und der Tod von 300 Menschen hatte “historische” Bedeutung, weil er der Auslöser für die Sanktionen gegen Russland war. Und daran soll nicht gerütteltet werden, weshalb unpassende Informationen nicht in die Wiederholungsschleifen der Medien kommen und damit nicht in den Rang einer anerkannten Tatsache. Wenn weder die Russen noch die von ihnen unterstützten “Rebellen” der Ost-Ukraine etwas mit dem Absturz zu tun hatten, und wenn die Todesschützen auf den Maidan-Dächern nicht im Auftrag der Janukowitsch-Regierung feuerten, sondern rechtsradikale Söldner waren, würde sich die große Geschichte vom “demokratischen” Umsturz auf der einen und “aggressiven” Russen auf der anderen Seite als haltlos erweisen. Und das darf nicht sein. Warum ? Pepe Escobar hat es dieser Tage auf den Punkt gebracht:
“The industrial-military complex needs a powerful, «imperial» enemy; towel heads in Afghan caves or a fake «Caliphate» are a joke. Eurasian integration – Russia / China / Iran allying with Germany – must be prevented at all costs.”
That’s it. Ein paar wilde Wickelmützen in Höhlen und ein Möchtegern-Wüstenstaat taugen nicht wirklich zum Großfeind, der eine gigantische Aufrüstung vom Baltikum bis nach Nordafrika rechtfertigt, die Legende eines mega-gefährlichen “Reich des Bösen” mit hitler-artigem Herrscher ist unabdingbar um mehr “Sicherheit” zu verkaufen. Und so kommt es zu der grotesken Dämonisierung des russischen Präsidenten – “Putin will die Weltmacht!” gab der transatlantische Bauchredner Joschka Fischer 2014 den Kammerton vor – die zwar kein Mensch mit einem IQ über Zimmertemperatur ernst nehmen kann, die aber dank permanenter Wiederholung als Tatsache implementiert wird. Um zu verhindern, dass das “Herzland”, wie es der britische Geostratege Mackinder 1904 benannte, zusammenwächst und Westeuropa mit Asien verbindet, was auch Mackinders geostrategischer Nachfolger Brezinski fürchtet wie der Teufel das Weihwasser.Weil eine von Paris über Berlin und Moskau nach Peking kooperierende Achse für das US-Imperium als “einzige Weltmacht” ebenso unkontrollierbar wäre wie damals für das britsche Empire.
Deshalb wurde schon 1953 Stalins Angebot eines wiedervereinigten aber militärisch neutralen Deutschlands abgelehnt und die BRD zum Frontstaat im Kalten Krieg aufgerüstet, und folgerichtig dann seit den 1990ern auch alle Angebote Gorbatschows, Jelzins und Putins nach einem “gemeinsamen Haus” Europa und eines Friedenspakts von Lissabon bis Waldiwostok ignoriert. Und stattdessen die NATO immer weiter nach Osten vorgeschoben und was im Wege stamd – wie Jugoslawien – überfallen und beseitigt. Bis die russischstämmige Bevölkerung des Donbass-Gebiets, das einst von Lenin der Ukraine zugeschlagen wurde, sowie die Bewohner der Krim, die Chrustschow der Ukraine 1954 “geschenkt” hatte, rebellierten. Gegen den nach dem Maidan-Massaker verfassungswidrig zustande gekommenen Regierungsumsturz in Kiew, der dem Land seitdem denn auch keine Demokratisierung oder mehr Rechtsstaatlichkeit gebracht hat, sondern weiter wachsende Korruption und Bürgerkrieg. Zwei Jahre nach dem Umsturz ist das Land nicht auf dem Weg nach Europa sondern am Abgrund zum “failed state”….
Dass der Internationale Währungsfond (IWF) seine noch im Falle Griechenland eisernen und auf ewig unverrückbaren Kreditregeln in Sachen Ukraine jetzt über Nacht geändert hat, hat den Kalten Krieg auch auf den Finanzsektor ausgedehnt – und wie der Ökonom und Historiker Michael Hudson darlegt – die Welt nunmehr in zwei Hälften geteilt: den U.S. Dollar orbit, “and countries that the U.S. cannot control and whose officials are not on the U.S. payroll.”
Die Konstellation im geopolitischen Ring: In der blauen Ecke der militärisch-finanz-industrielle Riese (USA + NATO+WallStreet+ City of London) und in der roten Ecke der Wirtschafts,- Bevölkerungs,- und Rohstoffriese (China +Russland+Indien + der Rest der Welt). Da beide Seiten über nukleare Overkill-Kapazitäten verfügen besteht keine unmittelbare Gefahr, dass die Riesen direkt aufeinander losgehen. Die Ziele aber scheinen klar: die Blauen wollen globale “Full Spectrum Dominance” , die Roten eine multipolare Welt. Und darum geht es auch in den Stellvertreterkriegen in der Ukraine und im Nahen Osten, deren Opfer nicht für “Demokratie” und “Freiheit” sterben, sondern weil sie zufällig vor der russischen Haustür wohnen, wo die Blauen ihre Raketen aufstellen möchten, oder zufällig in Syrien, durch das die Roten und die Blauen Pipelines zum Mittelmeer bauen wollen… (Update dazu: Robert F.Kennedy: Ein Krieg aus energiepolitischen Gründen)
MH 17: Nur die Ukraine hatte ein BUK-System!
Zu dem nach wie vor nicht aufgeklärten Absturz der MH 17 über der Ukraine am 17. Juli 2014 haben wir im Buch “Wir sind die Guten” und hier im Blog schon ausführlich geschrieben. Dies war eines der Schlüsselereignisse des Ukraine-Konflikts, der Auslöser der Sanktionen gegen Russland und der Mutation des ehemaligen Nachrichtenmagazins zur anti-russischen Frontkämpfer-Postille. Dass trotz der Schwierigkeiten der Bergung wegen des Absturzes in einem Kriegsgebiet eine eindeutige Ermittlung der Ursachen unter nomalen Umständen längst erfolgt wäre und die Nicht-Aufklärung nach nunmehr eineinhalb Jahren nicht forensischen, sondern politischen Gründen geschuldet ist, wäre normalerweise ein Polit-Skandal erster Güte. Einen Mord an 298 Menschen einfach so geschehen lassen ohne die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen sollte in Rechtsstaaten eigentlich unmöglich sein. Doch einmal mehr scheint es hier “höhere” Güter und Werte zu geben, weshalb es sich die Ukraine erlauben kann, ihre Funkdaten des Unglückstags verschwinden zu lassen und die USA ihre Satelliten,- und AWACS-Daten zurückzuhalten. Da kann man nichts machen. Wenn der große Bruder und seine Marionettenregierung in Kiew nicht wollen, dass der Massenmord auf ihrem Staatsgebiet aufgeklärt wird, dann kann auch das internationale Untersuchungsteam in Holland nur zu Zwischenergebnissen und Annäherungen kommen.
Eines dieser “offiziellen” Zwischenergebnisse war im Oktober letzten Jahres, dass die Boeing höchstwahrscheinlich von einer BUK-Rakete getroffen worden ist, wobei noch unklar sei, von wo diese abgefeuert worden ist. Diese Unklarheit hielt die Medien freilich nicht davon ab, die Schuld in monotonem Gleichklang zuzuweisen: »Die Spur führt zu Putins Schergen« (Bild), »So zweifelhaft sind die Argumente Russlands« (Spiegel), »Rakete mit russischer Spur« (Neue Zürcher Zeitung) usw. Da wundert es dann auch nicht, dass gegenteilige Meldungen ignoriert werden. Wie etwa Ende Januar eine interessante Information, die der niederländische Parlamentarier und Abgeordnete der Christdemokraten Pieter Omtzigt in einem Tweet aus der Sitzung der niederländischen Geheimdienstaufsicht veröffentlichte:
“CTIVD (Leiter der Geheimdienste) bestätigt: Laut den Ermittlungen hatte nur die Ukraine am 17. Juli im Osten des Landes ein funktionierendes BUK-System.”
Es mag ja sein, dass der Chef des niederländischen Geheimdiensts, der den Fall seit 18 Monaten untersucht, sich irrt (oder von Putin gekauft ist!) , schließlich hatten Spiegel & Co. mit Recherchen von Top-Phostoshoppern wie Bellingcat und den Konjunktiv-Dokumentaristen von CorrecT!V das Gegenteil “bewiesen”. Aber ehe man nachfragt oder gar recherchiert – und dann möglicherweise die gesamte Berichterstattung in die Tonne treten müsste – verschwindet halt die unpassende Information im Erinnerungsloch. Lückenpresse at work.



