False Flag auf dem Maidan? (2)

Ich war ein paar Tage offline und bei der Nachrichtenversorgung auf Radio,  TV und eine Provinzzeitung mit dpa-Berichten beschränkt. Es ist schon sagenhaft,  wie in Sachen Ukraine die große Medienmaschine ihr Geschäft der Manipulation, Propaganda, und Gehirnwäsche betreibt. Da wird zum Beispiel behauptet, Russland habe die Krim besetzt, Begriffe wie  “Besetzung” , “Invasion” ,”Annektion”, “Einmarsch” usw. fallen zwar ununterbrochen, aber in irgendeiner Weise konkretisiert wird diese “Invasion” nicht. Dass Russland laut Staatsvertrag mit der Ukraine 25.000 Soldaten auf der Krim stationiert hat bleibt durchweg ohne Erwähnung und da offenbar keine westliche Drohne in den letzten Tagen größere Truppenbewegungen der Russen beobachtet hat, ist dieses Kontingent vermutlich bisher nicht überschritten. Wenn das der Fall wäre, könnte von einem “Bruch des Völkerrechts” gesprochen werden, der freilich in den Medien schon als völlig selbstverständlich gilt und von Kreti und Pleti so behauptet wird.

Aber mal gesetzt den Fall, Russland hätte dieses Kontingent überschritten und damit völkerrechtliche Verträge schon gebrochen. Was unbedingt zu verurteilen wäre – es sei denn es liegt ein rechtfertigender Notstand vor. Hier wissen wir aus vergangenen Konflikten, wie derlei Notstände (Massenvernichtungswaffen Irak, Hufeisenplan Serbien usw.) gefaked wurden und verglichen damit scheint Russlands Bergründung, warum die in der Ukraine stationierten Soldaten aus ihren Kasernen beordert wurden, zumindest halbwegs nachvollziehbar. Ein von einem Bankster-Scientologen als Präsidenten und einem Neonazi als Sicherheitsminister geführtes Regime, das als erste Amtshandlung Russisch als zweite Amtssprache abschafft könnte jedenfalls auf eine nicht frei erfundene “Schutzbedürftigkeit” der russischstämmigen Bevölkerung schliessen lassen. Dass das Parlament der Krim das ähnlich sieht und jetzt eine Volksabstimmung zum Anschluß an Russland durchführen läßt deutet ebenfalls darauf hin, dass die Angst vor dem neuen Regime bei vielen Ukrainern durchaus real und kein Fake von Putins Propgandapparat ist.

Was die Scharfschützen auf dem Maidan betrifft, sind der estnische Außenminister Paet und die von ihm befragte prominente Ärztin Olga Bogomolets mittlerweile beide zurückgerudert – die Wunden von erschoßenen Polizisten habe sie nicht untersucht, sagt sie, nur die von Demonstranten, weshalb sie nichts darüber sagen könne, ob auf beide Gruppen mit denselben Waffen gefeuert wurde. Sie fordert, wie viele, eine internationale Untersuchung des Maidan-Massakers, um die Identität und die Auftraggeber der Scharfschützen zu ermitteln. Die Klärung dieser Frage  scheint in der Tat essentiell für die Einschätzung der Legitimität der neuen Regierung und des gesamgen Putschs in der Ukraine – wobei Agenturen wie “AP” mittlerweile eher weitere Nebelkerzen werfen und außer dem zuvor bezichtigten Janukovitsch und der von Paet wiedergegebenen Äußerung, dass die Opposition dahinter steckt, nun russische Provokateure beschuldigen, die mit den Massenmorden einen Einmarsch Russlands legitimieren wollten. Dieser hat, siehe oben, bis dato nicht stattgefunden, weshalb diese Hypothese  auch am wenigstens Sinn macht.  Und wenn man sich das untenstehende Video anschaut, dass die tagelange Duldsamkeit der unkrainischen Sicherheitskräfte und die Aggression der “friedlichen” Demonstranten zeigt, scheint auch die Janukovitsch-Theorie wenig haltbar. Die Demonstration zuerst tagelang hinnehmen und dann den Platz nicht mit Tränengas und Wasserwerfern zu räumen, wie es bei der “Aufstandsbekämpfung” weltweit üblich ist, sondern vermummte Sniper wahllos in die Menge feuern zu lassen, macht keinen Sinn – schon gar nicht wenn man zuvor mit den EU-Ministern und Oppositionellen wie dem “Bild”-Kolumnisten Klitschko einen Vertrag über Neuwahlen gemacht hat.

Man muß kein Fan von Janukovitsch oder Putin sein, um dem Verdacht, dass die Scharfschützen aus Kreisen der Opposition angeheuert wurden, die größte Wahrscheinlichkeit zuzusprechen. Die Antwort auf die Frage “Cui bono” scheint jedenfalls recht eindeutig, denn mit dieser Eskalation ist genau das eingetreten, was sich die “Fuck EU”-Diplomatin Nuland am 6.2. gewünscht hat: “Ich denke, Jats (der nunmehr amtierende Präsident Jatsenuk) ist der Mann, der die wirtschaftliche Erfahrung hat, die Regierungserfahrung. Er ist der Mann. Was er braucht, sind Klitsch und Tjagnibok draußen.” Also den Boxer und den Faschisten für die “hearts & minds” auf der Straße, und eine US-Marionette auf dem Präsidentenstuhl.

False Flag auf dem Maidan?

Wenn es stimmt, was “Russia Today” soeben meldet – das Leak eines Telefonats zwischen der EU-“Außenministerin” Catherine Ashton und Estlands Außenminister Urmas Paet, der am 24. 2. in Kiew war – dann müssen die Vorgänge in der Ukraine anders bewertet werden, als es bisher: die Scharfschützen auf dem Maidan feuerten nicht im Auftrag vom Präsidenten Janukovich, sondern wurden von der “neuen Koalition” angeheuert. Es wurden sowohl auf Demonstranten wie auf Polizisten geschossen und nach Auskunft einer Ärztin, mit der Urmas Paet sprach, waren es dieselben Geschütze: ““There is now stronger and stronger understanding that behind the snipers, it was not Yanukovich, but it was somebody from the new coalition,” – sagt Paet – und Ashton antwortet: “I think we do want to investigate. I mean, I didn’t pick that up, that’s interesting. Gosh.” – Dass diese Untersuchung dann bis heute nicht stattfand scheint für die Wahrheit dieser Geschichte zu sprechen. Ebenso wie die schon während der Auseinandersetzung auf dem Maidan zu beobachtende Merkwürdigkeit, dass zur Räumung des Platzes nicht wie überall polizeiüblich Tränengas eingesetzt wurde, sondern gleich scharf geschossen wurde.
Auch wenn der durch und durch korrupte Janukovich damit nicht zum braven Waisenknaben wird – das Bild des “brutalen Diktators”, der auf friedliche Protestierende schiessen läßt, das in den Westmedien kolportiert wurde, muß möglicherweise revidiert werden. Nicht die Bürger haben ihn vertrieben – auch wenn die veramte Bevölkerung natürlich gegen ihn protestierte – sondern bezahlte und bewaffnete Putschisten, die das Maidan-Massaker inszeniert haben. Just nachdem Steinmeier und die EU-Minster einen friedlichen Übergang inkl. Neuwahlen vereinbart hatten. Die Vermutung, dass dahinter das State Department und die CIA stecken, ist nicht allzuweit hergeholt: Wer “Fuck EU” sagt, dem ist auch zuzutrauen, dass er zu rabiateren Mitteln greift, wenn diese EU verhandelnd und diplomatisch Lösungen präsentiert. Wie ?  So etwas machen unsere amerikanischen Freunde doch nicht, die hören doch nur unsere Telefone und die unserer Regierenden ab, um uns vor böööhsen Terroristen zu schützen ? Ach so, na klar – der finstere  Zar Putin muß  das geleakte Telefonat gefälscht haben!

(Das Gespräch zwischen Ashton und Paet beginnt ab 1: 50, vorher wird durchgestellt und verbunden)

 

Update: Nur noch einmal zur Klarstellung: Wenn es erwiesen wäre, etwa durch ballistische Untersuchungen, was Minister Paet unter Berufung auf eine Ärztin hier sicher nicht leichtfertig der EU-Kommisarin erzählt – dass die Schüsse nicht von Janukovich angeordnet wurden –  müßte die Maidan-Geschichte in der Tat umgeschrieben werden. Und dann liegt der Verdacht, dass die CIA dahinter stecken könnte jedenfalls sehr  nahe: anders als die EU hat USA keine direkten ökonomischen Verbindungen mit Russland und Ukraine, sondern nur ein geopolitisches Interesse an Destabilisierung von Putins Machtbereich.
Wenn also eine von Steinmeier und der EU ausgehandelte friedliche Übergangslösung umgehend gewaltsam sabotiert wird – und die Schüsse tasächlich nicht von Janukovich kamen – wer hat sie dann angeordnet ?  Intereassant ist in diesem Zusammenhang ein weiteres Gerücht: dass der von George Soros gesponsorte neue Präsident Scientologe sein soll.

Kein Krieg auf der Krim!

Vom letzten großen Krieg um die  Krim existiert in unserer Familie eine Postkarte, die mein Vater 1944 aus dem Lazarett in Odessa an seine Eltern schrieb. Das Minensuchboot, mit dem er als Oberfgefreiter der Marine auf dem Schwarzen Meer unterwegs war, war von einem britischen Bomber getroffen worden und gesunken. Elf Mitglieder der Besatzung konnten sich auf irgendwelche Schiffsteile retten und trieben einige Kilometer vor der Küste im Wasser. Als nach mehr als einem Tag noch immer kein Rettungsboot gekommen war,  entschlossen sich mein Vater und ein Kamerad um ihr Leben zu schwimmen und schafften es an Land. Doch erreichten sie nicht, dass die deutsche Marine ein Rettungsboot losschickte – wegen der Lufthoheit der Allierten liessen die Befehlshaber keine Schiffe mehr auslaufen. Dass mein Vater ein Anti-Militarist wurde, der nie ein positives Wort über die “Wehrmacht” verlor, hat mit dieser Geschichte zu tun, dem Trauma eines Überlebenden, der sich als Davongekommener schuldig fühlt am Tod seiner Kameraden.

An diese Geschichte mußte ich in den letzten Tagen denken, seit in den Nachrichten von einem möglichen Krieg in der Ukraine immer wieder die Rede ist – und die hiesigen Laptopbomber und Bellizisten ihn aus der sicheren Deckung ihres Schreibtischs herbeischreien. Weil die Lage aber komplexer ist, als diesen Hau-Drauf-Idioten in ihrem dumpfen Schwarz-Weiß-Raster dämmert, halten die amtierenden Politiker sich derzeit mit martialischem Kriegsgetrommel noch halbwegs zurück – zum Glück. Wobei es freilich einer zynischen Komik nicht entbehrt, wenn allenthalben  die  “territoriale Integrität” der Ukraine ausgrechnet von denen betont wird, die sich in Jugoslawien, Afghanistan, Pakistan, Irak, Libyen usw.  einen Dreck um derlei Völkerrecht scheren – und dann, wie der Skull&Bones-Außenminister John Kerry, auch noch verkünden:  “YOU JUST DON’T INVADE A COUNTRY ON PHONY PRETEXT IN ORDER TO ASSERT YOUR INTEREST!”

Wobei Putin aber nicht blöde ist und die verstärkte militärische Präsenz Russlands in der Ukraine natürlich mit den “Menschrechten” der russischen Bevölkerung auf der Krim begründet. Und natürlich nicht einfach zuschauen kann, wenn in seinem Hinterhof die Regierung weggeputscht wird  – nachdem EU und NATO mit “unverantwortlichen Gesprächen” (so der einstige britische Botschafter in Moskau) über die Mitgliedschaft und USA/CIA nach Aussagen der “Fuck-EU”-Diplomatin Nuland mit 5 Milliarden Dollar den regime change vorangetrieben haben –  wenn das neue Regime dann auch noch einen lupenreinen Faschisten als Armee,-und Sicherheitschef einsetzt, und Henry Kissinger auf CNN äußert, wie Putin das auffassen muß:  “als Generalprobe für das, was wir in Moskau vorhaben.”  

Wer sich vorstellt, wie die USA reagieren würden, wenn die Russen in Mexiko einen solchen Putsch vorangetrieben hätten, kann die bisherige Reaktion Putins eigentlich nur als moderat bezeichnen. Und so wird das hoffentlich auch bleiben, denn die eigentlichen Machthaber in der Ukraine sind nach wie vor die Oligarchen – und die haben kein Interesse an einem Bürgerkrieg oder an stockenden Geschäften sowohl mit Russland wie mit der EU. Eine Zerschlagung der Ukraine in Zwergstaaten, wie sie USA/NATO auf dem Balkan betrieben haben, werden sie genausowenig zulassen wie Putin. Die Halbinsel Krim, die Chrustschow der Ukraine 1954 schenkte, wird russisch dominiert bleiben, schon weil die Schwarzmeerflotte seit dem 18. Jahrhundert dort stationiert ist – und der Rest des riesigen, heruntergewirtschafteten Landes wird sich hoffentlich bald besinnen, dass es ohne ein gutes Verhältnis mit dem starken Nachbarn Russland  UND mit der EU und dem Westen niemals auf die Beine kommen kann.

Hanfdampf und seine Kriegsgewinnler

28.02.14 18:05-Bildschirmkopie-2

Die Zeitschrift “Transatlantik” (1980-1991) , mit der Hans Magnus Enzensberger versucht hatte, ein Essay,- und Reportage-Magazin im Stile des “New Yorker” in Deutschland zu etablieren, gehörte nicht nur als Leser zu meinen Favoriten. Als gelegentlicher Autor schätzte ich es noch viel mehr, denn außer guten Honoraren gab es dort ein in der alten Gutenbergwelt  äußert rares Gut: Platz. War ein Text gut, gab es keine Zeilen, – oder Seitenbeschränkung – man konnte so viel schreiben wie man wollte. Und so sagte ich natürlich freudig zu, als Reinhard Hesse im Sommer 1988 einen Transatlantik-Beitrag über Hanf bei mir bestellte – denn hier bot sich die Möglichkeit außer einem Report über die Szene, die Kiffer, Dealer und Drogenarbeiter auch die Informationen zu recherchieren, die mir kurz zuvor in Form eines kopierten  Buchs auf den Tisch gekommen waren – die Urfassung von Jack Herers “The Emperor wears no clothes – Hemp and the Marijuana Conspiracy”, deren umfangreich erweiterte deutsche Ausgabe ich dann 1993 herausbrachte. Sie liegt aktuell in der 42. Auflage vor.

Die Keimzelle für dieses Buch und der Anfang meiner Recherchen zum Thema war die 10-seitige Reportage für “Transatlantik” (3/1988) , in der die Geschichte der ordnungs-und industriepolitischen Hintergründe der Hanf-Prohibition erstmals erzählt wird. Als sie neulich  in einem Stapel wieder auftauchte, in dem ich etwas ganz anderes gesucht hatte,  fand ich sie beim Wiederlesen nach über einem  Vierteljahrhundert  immer noch spannend und durchaus aktuell. Deshalb hier aus der Reihe “Olide But Goldie” : Hanfdampf & seine Kriegsgewinnler (PDF, 3,8, MB) (Achtung: Seiten 5 und 6 sind vertauscht)

Der Gender,- und Homo- und PC-Hype nervt!

Tourette

Als Old Urban Professional (Oppie) geht mir der aktuelle Gender,- und Homo-Hype langsam  auf den Zeiger: die Mädels sollen ihre Quote kriegen, und zeigen dass sie als CEOs/Aufsichtsrätinnen etc. weniger korrupt sind als die Kerle, die Schwulen sollen heiraten und zeigen, dass sie als alte Ehepaare genauso boring und spießig sind wie Heteros – und gut ist, Ende der Debatte, denn: es gibt Wichtigeres. Ob z.B. Putin “gut” oder “böse” ist hat mit der Frage nach dem Umgang Russlands mit Homosexualität nur äußerst wenig zu tun – auch die BRD war  bis Anfang der 60er Jahre kein “Unrechtsstaat”, weil  Schwule nach § 175 StGB noch in den Knast gesteckt wurden, die Schweiz keine komplett patriarchale Autokratie weil sie erst 1971 das Frauenwahlrecht einführte – und die Auslandseinsätze der Bundeswehr verstossen noch immer gegen den Wortlaut der Verfassung auch wenn die Truppe  jetzt von einer Angela und ihrer Panzer-Ursel geführt wird.
Unlängst sprengten durchgeknallte Genderisten und politisch Hyper-Korrekte eine Vorlesung an der Humboldt-Universität, weil dort “Rassisten” wie Kant, Hegel und Rousseau besprochen werden sollten. Wenn das so weiter geht werden irgendwelche rasenden Philosemiten demnächst noch Marx und Luther wg. “Antisemitismus” als diskriminierend auf den Index setzen, von Platon werden künftige Generationen nichts mehr erfahren, denn auch wenn er nichts gegen Schwule hatte war er doch ein elitärer Herrenmensch. Wenn dann auch noch Operhäuser und Philharomien durchgequotet sind und Bach, Mozart, Beethoven et. al. nur noch zu 50 % auf den Spielplänen stehen weil der Rest von Frauen komponiert sein muß, wäre die Kakophonie der Anti-Diskriminierung perfekt. Muß die Berliner “Mohrenstraße”, die so heißt, weil Friedrich Wilhelm I. im 17. Jahrhundert dort afrikanische Armeemusiker untergebracht hatte, umbenannt werden, weil sie die Würde schwarzer Menschen verletzt ? Darf deshalb auch im “Struwwelpeter”  kein “Mohr” mehr vorkommen und in Pippi Urin Langstrumpf kein “Negerkönig” ?
Tatsächlich könnte ich beleidigt sein und mich als  Mensch zweiter Klasse fühlen, wenn ein Chinese mich  als “Langnase” bezeichnet – bin ich aber nicht und wenn es irgendwo im Reich der Mitte eine “Langnasenstraße” gibt, würde das mich in meiner Würde auch nicht verletzen, wenn ich dort wohnte. Dass Witze über Ostfriesen südlich von Leer und Emden  wg. Diskriminierung verboten werden müssen, dass über sexistische Witze (Politesse zum auf dem Behindertenplatz parkenden Autofahrer: “Was haben Sie denn für eine Behinderung?” – “Tourette, du Fotze!” ) nicht mehr gelacht und über schrille Schwuletten nicht mehr gespottet werden darf… Also meine Damen und Herren, liebe “Neger” (jederlei sexueller Orientierung und Abstammung) : das geht doch an der Alltagswirklichkeit im globalen Dorf wirklich meilenweit vorbei.  Dass der Moslem gleich die Kalaschnikow entsichert, wenn jemand Scherze über Herrn Mohamed macht, der Jude gleich “Holocaust” schreit, wenn jemand Israel kritisiert, der Christ zum Kadi rennt, wenn jemand Fanta-Flecken auf der Papstkutte veröffentlicht – diese Unkultur des permanenten Beleidigtseins, weil man sich in seinem Bekenntnis, seiner Weltanschauung, seinem Lebenstil, Geschlecht oder Herkunft herabgewürdigt fühlt,  führt zu einer Mimosengesellschaft, in der der Humanismus derart auf die Spitze getrieben ist, dass er inhuman wird.
Woher dieser Hype um Gender, Homos und Political Correctness kommt ? Ich habe den Verdacht, dass das etwas mit dem  Trend zur “humanitären Intervention”, den man auch  Menschenrechts-Bellizismus nennen kann, zu tun haben könnte – also mit der Tarnung unter der die alten imperialen, kolonialen Kriege heutzutage fortgesetzt werden. Wir sind dann als NATO und Bundeswehr nicht wegen einer Öl-Pipeline in Afghanistan, sondern weil dort endlich  auch “Mädchenschulen” eingerichtet werden müssen, wir beseitigen unpassende “Diktatoren”, weil sie die “Menschenrechte” mißachten (und liefern passenden, wie zB den Saudis, fröhlich Waffen, damit sie das weiter tun können), wir bashen Putin als unmenschlichen Autokraten, weil er ein paar Pussi-Tussis einsperrt und Schwulsein nicht legalisiert, finden aber die 1a Faschisten auf dem Maidan in Kiew als “Oppositionelle” durchaus unterstützenswert. Also immer da, wo’s paßt, wird die Gender,- und PC-Kiste hochgekocht und damit ein “Nebenwiderspruch”  – und angesichts von Kriegen, Welthunger, Fukushima etc.pp.  sind Gender,- Homo- und PC-Fragen in der Tat nichts anderes – zu einer  medialen Hauptsache gemacht.

Comeback der Gasprinzessin

25.02.14 23:36-Bildschirmkopie-3Während die Gewalttäter des “rechten Blocks” in vielen Großmedien eher als antikommunistische “Patrioten” rüberkommen und nicht als das was sie sind: Faschisten –  wird mit Julia Timoschenko eine der erfolgreichsten Ganovinnen der Gegenwart gerade als Comeback einer “Demokratin” gefeiert. Dabei scheint die Tatsache, dass die korrupte Oligarchin im Knast saß, so ziemlich das einzige zu sein, was in der Ukraine noch stimmte. Hier zur Erinnerungserfrischung noch einmal der Blogeintrag aus dem April 2012 über “Die Gasprinzessin”:

Weil angeblich ein Bandscheibenvorfall von Julia Timoschenko im Gefängnis nicht korrekt behandelt wurde, veranstalten ihre Anhänger derzeit großen Menschenrechtsalarm. Die pünktlich zur kommenden Europameisterschaft einsetzende PR-Kampagne ist insofern bererechtigt, als natürlich auch Mafiabräute im Knast ein Recht auf menschenwürdige Behandlung haben. Ob die rechtmäßig verurteilte Dame deshalb nun wirklich in die Berliner Charité ausgeflogen werden muss, weil es in der Ukraine keine Orthopäden gibt, darf indessen bezweifelt werden. Zumal wenn man den Hintergrund von Julia Timoschenko kennt. Zur Erinnerung hier noch mal unser Blogeintrag vom 2.Dezember 2004 über die “Gasprinzessin”:

“Ikone des Widerstands“, „Heldin der Opposition“, „Prinzessin der Revolution“ – die Medien überschlagen sich gerade mal wieder im Hochjubeln einer politischen Figur, die als Heilsbringerin und Passinonara der Ukraine aufgeblasen wird. Die Töne erinnern fatal an den Sound, mit dem unlängst in den USA mit Achmed Chalabi ein verurteilter Finanzbetrüger zum Retter des Irak stilisiert werden sollte. Mit Julia Timoschenko wird nun erneut eine „demokratische“ Oppositions-Kandidatin auf den Schild gehoben, gegen deren kriminelle Aktivitäten sich Chalabis Bankschwindel vergleichsweise bescheiden ausnimmt. Ihr Patron, der einstige ukrainische Premier Pavlo Lazarenko, wurde in den USA verurteilt, 613 Millionen $ des Weltwährungsfonds (IMF) außer Landes geschafft und gewaschen zu haben; außerdem, so schrieb die „Financial Times“ erhielt Lazarenko „mindestens 72 Millionen an Bestechungsgeldern vom Gasimporteur UESU. Im Gegenzug half Lazarenko der UESU eines der führenden Unternehmen der Ukraine mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden $ zu werden.“ Geleitet wurde die UESU von niemand anderem als Julia Timoschenko, als Chef der ukrainischen Zentralbank firmierte zu dieser Zeit Viktor Juschtschenko, dem der IMF später in einem Gutachten bescheinigte, den Währungsfonds systematisch getäuscht zu haben. Einer Verurteilung entging er ebenso wie Julia Timoschenko, die nur kurz verhaftet wurde, sich aber – mittlerweile die reichste Frau der Ukraine – erfolgreich als „politische Gefangene“ positionieren konnte und straflos davon kam. Jetzt steht die kurzfristig erblondete Oligarchin – „Ihren geflochtenen Haarzopf hat sie wie einen Heiligenschein um das Haupt gewunden“ (Tagesspiegel) – gleichsam vor der Heiligsprechung. In seinem Buch „Casino Moscow“ (2001) schreibt der Autor Matthew Brzezinski über seinen Besuch bei der „11 Milliarden Dollar Frau“
“…she was guarded by an entire platoon of ex-Soviet special forces bodyguards. She once sent a plane to collect Brzezinski from Moscow, fly him to Dnipropetrovsk to meet her for lunch, and drop him off back at Moscow in the evening. When Brzezinski said he didn’t want to tie up the company plane, Tymoshenko said: “Don’t worry. I have four of them.” According to Brzezinski, as a result of Lazarenko’s patronage, “Tymoshenko gained control over nearly 20% of Ukraine’s gross national product, an enviable position that probably no other private company in the world could boast.”
Keine Frage, Prinzessin Julia ist eine der coolsten Ganovinnen der Gegenwart – und keine Frage auch, dass sie mit einem Milliardenkapital im Rücken Eindruck auf die „Kollegen“ im Westen macht, denen sie das Spielfeld in der Ukraine öffnen will. Und kein Wunder, dass die Konkurrenz im heimischen Groß-Gangstertum ihre Argus-Augen auf die coole Prinzessin wirft, die Revolutionärin spielt. Blonde Heldin, finstre Russen-Patriarchen, smarte Ami-Oligarchen… fehlt nur noch Schwarzenegger mittenmang und Hollywood könnte die Schmonzette übernehmen!

Statt Arnold ist jetzt Boxer Klitschko in Kiew am Start, der aber “Hollywood” – der “Fuck EU”-Produzentin Nuland – nicht so recht behagt und weil die Amis da jetzt “Cold War 2.0” durchspielen und sich nach in den letzten Jahren in den Regimechange investierten 5 Milliarden $ das Heft nicht mehr aus der Hand nehmen lassen wollen, hat Klitschko wohl schlechte Karten….

Sucht und Ordnung (2)

Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert, weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge” habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

Teil 1 von “Sucht und Ordnung” ist gestern erschienen und endete mit der Beschreibung der Drogenfachgeschäfte der Zukunft. Hier folgt Teil 2:

Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte. Anders als in den anderen Abteilungen der Drogenfachgeschäfte, wo erwachsene Erstkonsumenten nach einem Beratungsgespräch die Droge ihrer Wahl sofort kaufen können, müssen sie hier an einem Einführungskurs teilnehmen. Wie bei den Mysterien von Eleusis, deren Teilnehmer sich einer mehrwöchigen Vorbereitung unterziehen mussten, werden die Initianten auch heute auf die überwältigenden, möglicherweise mystischen Erfahrungen vorbereitet, die eine Sitzung mit LSD, Psilocybin oder Ayahuasca mit sich bringen kann. Sie werden über die Bedeutung von »set & setting« für eine solche innere Reise informiert – die psychische Befindlichkeit der eigenen Person, eine geeignete Umgebung sowie erfahrene, liebevolle Begleitung– und über alles, was für die Navigation im Weltraum der Seele wichtig ist. So ausgestattet, werden sie zum Abschluss dieses »Führerschein«-Kurses auf die verschiedenen Möglichkeiten verwiesen, die erste Erfahrung in einer Zeremonie mit anderen zu teilen.
Trotz Proteste der etablierten Kirchen gegen diese »neo-gnostischen Verirrungen« sind die Behörden dazu übergangen, öffentliche Räume für die immer größeren Zulauf findenden Einweihungsrituale zur Verfügung zu stellen, denen sich am Tag der Demeter zur Herbstsonnenwende mehrtägige Open-Air-Partys anschließen.
Aus der Entheogen-Abteilung der Drogenkaufhäuser werden seit einiger Zeit auch die vom Justiz- und Gesundheitsministerium geförderten »Leary«-Programme versorgt, die sich jetzt erfolgreich der Rehabilitation von Strafgefangenen und der Therapie von Alkoholikern widmen können, nachdem Professor Timothy Learys »Harvard Psilocybin Project« 1963 trotz vielversprechender Ergebnisse vom Bannstrahl der Drogeninquisition gestoppt worden war.
Da die Verkaufspreise in den Drogenfachgeschäften generell unter denen des Schwarzmarktes liegen, aber bei den unter legalen Bedingungen in der Regel sehr preiswert herzustellenden Substanzen dennoch gute Handelsspannen erzielt werden, können die Geschäfte trotz ihres hohen Personal- und Beratungsaufwands nicht nur kostendeckend geführt werden, sie werfen dank der in sämtlichen Drogenpreisen enthaltenen »Vergnügungssteuer« jährlich Milliarden für die öffentliche Hand ab.

Doch noch viel erfreulicher als die Mafiosi und Terroristen vorenthaltenen Milliarden ist die Tatsache, dass die Zahl der unfreiwilligen »Drogentoten« nach dem Ende der Prohibition fast auf null zurückgegangen ist. Ebenso wird in ganz Europa ein deutlicher Rückgang von Straßenkriminalität, Diebstählen und Einbrüchen registriert, seit die Distribution von Drogen über die Fachgeschäfte läuft.
Das von den Verteidigern der Prohibition jahrzehntelang mit Inbrunst an die Wand gemalte Horrorszenario der Drogenlegalisierung – eine in Sucht, Elend und Gewalt niedergehende Gesellschaft – ist natürlich ausgeblieben. Ähnlich wie die westlichen Gesellschaften, die die zuvor jahrhundertelang tabuisierte Sexualität erst in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zum Thema der allgemeinen Aufklärung und Bildung machten!– und damit für deutlich freiheitlichere, entspanntere Verhältnisse sorgten–, hat auch die mit der Aufhebung des Drogentabus einhergehende Bildungsoffensive in der ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts Wirkung gezeigt. Und so wie man den sexuell aufgeklärten Achtklässler nicht mehr mit Schreckgespenstern wie drohendem »Masturbationswahnsinn« beeindrucken kann, lässt sich auch der neuropharmakologisch aufgeklärte Jugendliche von heute nicht mehr mit haltlosen Warnungen vor »Killerdrogen« erschrecken. Aber er hat gelernt, dass das »Mmmmh« beim Genuss von Zucker vom Gehirn immer noch mit einer kleinen Wohlfühldosis körpereigener Drogen belohnt, weil sich das Millionen Jahre alte Steuerungssystem noch nicht auf die menschlich erzeugte Zuckerschwemme der letzten Jahrzehnte ein- gestellt hat– zur Freude von Zahnarztinnung und Insulinproduzenten, doch zum Ärger der Krankenkassen, die für die gigantischen Schäden der Zuckersucht aufkommen müssen und deshalb dafür plädieren, das Werbeverbot für Drogen auch auf Süßwaren auszuweiten.

Die Friedensdividende, die Milliarden an Einsparungen, die das Ende des Kriegs gegen Drogen mit sich gebracht hat und die vor allem im Bereich öentlicher Bildungs-, Erziehungs- und Gesundheitsangebote investiert wurde, hat die Lebensqualität spürbar verbessert. Erwartungsgemäß ist es damit zwar nicht gelungen, problematischen Drogenkonsum vollständig zu verhindern, doch die negativen Folgen wurden sowohl für die Betroffenen als auch für ihre Umgebung extrem reduziert. Durch die überall angebotenen Entzugs- und Rehabilitationsprogramme und die in den Drogenfachgeschäften zur Verfügung stehenden Alternativen an weniger schädlichen Drogen oder Darreichungsformen nimmt die Zahl der Konsumenten mit »harten« Konsummustern weiterhin ab. Vor allem die Jugendlichen, die über die neurobiologischen und neurochemischen Zusammenhänge ihres Wahrnehmens, Fühlens und Denkens und über die Wirkung bewusstseinsverändernder Substanzen aufgeklärt sind, entscheiden sich – wie die jüngsten Studien übereinstimmend ergeben haben– sehr viel bewusster für eine bestimmte Droge und ihre Wirkung und nicht mehr wie noch im ersten Jahrzehnt des Jahrhunderts nur fürs Komasaufen.

Auch für die drogenproduzierenden Agrarnationen wie Afghanistan oder Kolumbien, Bolivien, Peru und Mexiko in Mittelamerika hat das Prohibitionsende die Situation entscheidend verbessert: Die Bauern erhalten für die Ernte von Opium oder Kokablättern den- selben oder sogar etwas höheren Preis, den sie auch in der Illegalität bekommen haben, denn der Endverkaufspreis der Drogen in den reichen Ländern ist nur um zehn bis zwanzig Prozent gesunken– die gigantischen Gewinne dazwischen allerdings, die zuvor Warlords und Mafiosi eingestrichen haben, kommen nunmehr der Allgemeinheit zugute. Nachdem sich die internationalen Kontroll- und Prohibitionsbehörden, die über Jahrzehnte den Krieg gegen Drogen ge- führt hatten, zu einer Transformation unfähig zeigten, wurde die internationale Koordination und Aufsicht über der Drogen der UNESCO übergeben; auf nationaler Ebene haben Justiz und Polizei nur noch bei der Überwachung des Straßenverkehrs mit Drogen zu tun, ansonsten obliegt das Thema ausschließlich den Gesundheits-, Kultur- und Bildungsbehörden. (…)

Wenn das natürliche Paradies innerhalb des je eigenen Gehirns zu finden ist – welche Macht kann sich dann herausnehmen, über die Zustände dieses Gehirns zu entscheiden und über die Mittel und Wege, die zu diesen Zuständen führen? Welche Autorität kann sich die Entscheidung darüber anmaßen, wie die Milliarden Neuronen eines individuellen Gehirns schalten und walten? Welche Diktatur kann mein Bewusstsein kontrollieren? Nur eine, an die ich meine Rechte als Steuermann und Navigator des Bewusstseins abgetreten habe – und damit das Recht, über meinen inneren Zustand, über Ruhe oder Schmerz oder Freude oder Erregung autonom und selbst zu entscheiden. Diese individuelle Freiheit zurückzuerobern von den Patriarchen, Priestern, Pharmakraten, Politikern, Polizisten muss Leitbild und Ziel jeder neuro-biologischen Aufklärung und zivilgesellschaftlichen Reform der Drogenpolitik sein.
Hundert Jahre Prohibition haben eindringlich gezeigt, dass dieses Ziel mit Verboten nicht zu erreichen ist. Sie haben stattdessen Probleme heraufbeschworen, die ein friedliches Zusammenleben der Völker in vielen Teilen der Welt immer massiver bedrohen. Ein Ende dieser Spirale von Kriminalität, Krieg und Terror – und damit der zynischen Absurdität, dass deutsche Soldaten die Drogenprofite verbündeter Terrorbrigaden in Afghanistan sichern – kann erst in Sicht kommen, wenn die Ursache dieser Profite, die Prohibition, beseitigt ist. Der Anfang zu dieser internationalen Anstrengung muss in den Köpfen gemacht werden: durch Aufklärung statt Dämonisierung, Fakten statt Desinformation, Risikoabwägung statt Panikmache und präventiver Erziehung statt prohibitiver Repression.

Die Erkenntnis, dass die Prügelstrafe keine geeignete Methode ist, um die Befähigung zum Rechnen, Lesen und Schreiben zu beför- dern, wurde erst in den letzten Jahrzehnten an den Schulen (und in der Rechtsprechung) umgesetzt. Dass für die Erziehung des Umgangs einer Gesellschaft (und jedes einzelnen) mit Drogen dasselbe gilt, diese Umsetzung steht noch aus. Sie ist der erste Schritt, einen nunmehr hundertjährigen barbarischen Krieg endlich zu beenden. Jeder einzelne Staat – unabhängig von allen internationalen Drogenkonventionen!– kann ihn für sich alleine tun, und er kann sofort – unabhängig von langwierigen globalen Verhandlungen über das Ende der Prohibition – damit beginnen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.

Sucht und Ordnung (1)

Drogenlüge-Cover-1In Italien hat das höchste Gericht  die in den 90er Jahren verschärften Gesetze gegen Cannabis für verfassungswidrig erklärt, tausende danach Verurteilte müssen jetzt aus den Gefängnissen entlassen werden. In Uruguay und  den ersten beiden US-Bundesstaaten ist Cannabis vollständig legalisiert,  weitere Staaten werden in den USA und auf der Welt in absehbarer Zeit folgen. Das Zeitalter der Prohibition scheint nach einem Jahrhundert  langsam aber sicher zu Ende zu gehen. In meinem 2010 erschienen Buch “Die Drogenlüge”  habe ich über die Ursachen geschrieben, die wider alle Vernunft  den “Krieg gegen Drogen” weiter am Laufen halten – und im letzten Kapitel unter dem Titel “Sucht und Ordnung” einen Ausblick auf eine Welt jenseits der Prohibition gewagt, die im 19. Jahrhundert ja schon einmal schon existierte und im 21. Jahrhundert wieder geschaffen werden muss:

 

 

Kann die in einem Jahrhundert zu einem mörderischen Moloch aufgeblähte Prohibitionsmaschinerie mit Appellen an die Vernunft zur Räson gebracht werden? Wir haben gesehen, welche Rolle die durch Prohibition generierten Profite für die imperiale Weltpolitik, die globalen Börsenkurse und das Wachstum der Militär-, Sicherheits-und Pharmaindustrie bedeuten und wie leicht es für das politische Geschäft ist, offene Türen im kollektiven Unbewussten einzurennen und mit der seit fast 4000 Jahren geprägten Angst vor Drogen auf Stimmenfang zu gehen. Angesichts dieser tiefen zivilisationshistorischen Prägungen und der aktuellen Wirtschaftsmacht der Prohibitionsprofiteure wird ein Friedensschluss, ein Ende des Kriegs gegen Drogen, nicht leicht zu erreichen sein. Doch die Katastrophen, die der Drogenkrieg in Afghanistan und im Nahen und Mittleren Osten, in Mexiko und in Südamerika anrichtet, sind mittlerweile so unübersehbar, dass eine internationale Reform des Prohibitionsregimes immer mehr Befürworter findet!– quer durch alle Parteien und weltanschaulichen Lager. Der erste Schritt muss fraglos jener sein, den die Regierung in Portugal seit 2001 gegangen ist: die vollständige Entkriminalisierung des Besitzes und Konsums von Drogen.
Ein Jahrhundert weltweite Prohibition hat gezeigt, dass die Nachfrage nach bewusstseinsverändernden Substanzen mit Strafgesetzen nicht zu verhindern ist, genauso wenig wie ihr Angebot. Theoretisch mag es in einem totalen Überwachungsstaat möglich sein, den Konsum irgendeiner Substanz vollkommen zu verhindern, praktisch ist eine solche gesellschaftliche Entwicklung aber weder vorstellbar noch wünschenswert. Stattdessen gilt es, die einer Zivilgesellschaft angemessene Balance zwischen individueller Freiheit und sozialer Verantwortung zu finden.Dass dies kein aussichtsloses Unterfangen ist, zeigt schon ein kurzer Rückblick in das 19. Jahrhundert, in dem Cannabis, Opium, Morphin, Heroin und Kokain frei verkäuflich und für jedermann erschwinglich waren. Schon unsere Anwesenheit heute zeugt davon, dass unsere Vorfahren damals nicht massenweise der Sucht und dem Elend anheim gefallen sein können, in der zeitgeschichtlichen Literatur des 19. Jahrhunderts findet sich über Drogenprobleme wenig bis nichts. Als »Schlummersaft« und zur Schmerzlinderung stand in jeder Hausapotheke des 18. und 19. Jahrhunderts ein Fläschchen Opiumtinktur bereit. Zur Anregung in besseren Kreisen sorgte der mit Kokain (und einer Empfehlung von Papst Leo) angereicherte Bordeauxwein »Vin Mariani« oder mit Haschisch gemischte Orientzigaretten der Marke Harem, die bis 1920 in Tabakläden erhältlich waren. Auch der Kinder- und Jugendschutz war offensichtlich gewährleistet, dass derart »starker Tobak« den erwachsenen Männern vorbehalten blieb. Dass er dagegen kleinen Jungs nur Angstträume beschert, zeigte zum Beispiel Wilhelm Busch in seinem Comicstrip von »Krischan mit der Piepe« (1864).
Es gibt also durchaus Belege für eine funktionierende, zivilisierte Welt ohne Prohibition, und das in Sachen Zucht und Ordnung ansonsten nicht sehr zimperliche 19. Jahrhundert kann in Sachen Sucht und Ordnung hier als tolerantes Vorbild gelten. Wobei eine erste Einschränkung genau da gemacht werden muss, wo mit der in Schwung kommenden Industrialisierung auch das Zeitalter der massenmedialen Beeinflussung durch Werbung beginnt und Hersteller und Händler Drogen massiv bewerben. Die Massenblätter des US-amerikanischen Zeitungsmagnaten William Randolph Hearst wimmelten nur so von Anzeigen von Mixturen aller Art, deren wirksame Stoffe in der Regel aus nichts anderem als Opiaten, Kokain oder Cannabis bestanden. Langjährige Werbeverträge mit den Zeitungsverlagen verschonten die Hersteller dabei vor jeder kritischen Berichterstattung über ihre mit massiver Reklame gegen jedes Wehwehchen unter das Volk gebrachten Wundermittel. Der derart provozierte Massengebrauch vor allem von opiumhaltigen Mixturen machte eine staatliche Kontrolle nahezu unausweichlich, und diese historischen Erfahrungen zeigen, dass mit einer Entkriminalisierung als zweiter Schritt unbedingt ein Werbeverbot für sämtliche Drogen einhergehen muss.Die Enttabuisierung der natürlichen Paradiese, die Aufklärung und Auflösung der Drogenlügen, muss auf andere Weise erfolgen als durch die Penetration mit Werbelügen und Verführungen zum Konsum.

Auch wenn es dem Leitmotiv der Gier und des permanenten Wachstums in unserem gesellschaftlichen System zuwiderläuft: Dass sportbegeisterten Kindern per Fernsehen tausendfach eingetrichtert wird, dass Fußball erst zusammen mit Alkohol von Warsteiner, Bitburger und anderen »ein richtiger Genuss« ist, kann eine verantwortungsbewusste Drogenpolitik künftig genauso wenig dulden wie die (mittlerweile immerhin schon stark eingeschränkte) Werbung für Tabak. Ein verantwortungsvoller, mündiger Gebrauch bewusstseinsverändernder Substanzen kann in einer Gesellschaft, die auf ständige Konsumsteigerung ausgerichtet ist, nur erreicht werden, wenn diese Substanzen dem Zugriff der Marketing- und Werbeindustrie entzogen bleiben – eine Forderung, die angesichts künftiger Neuro-Enhancement-Präparate ohnehin zur Debatte steht. Jede Entkriminalisierung, die die Willkür einer Trennung in legale und illegale Drogen aufhebt, muss Regelungen und Altersbeschränkungen für sämtliche nunmehr legal erhältlichen Drogen schaffen und sie der Willkür freier Vermarktung und somit zwangsläufig aggressiven Wettbewerbs entziehen.

Werfen wir also einen kühnen Blick in die Fachgeschäfte der Zukunft, die in den Fußgängerzonen der Republik für die Beratung und den Verkauf von Drogen zuständig sein werden. Dank der nach dem Ende der Prohibition eingesparten Milliarden, die von der öffentlichen Hand unter anderem in umfassende Aufklärungs- und Drogenerziehungsprogramme investiert wurden, wundert sich schon seit einiger Zeit niemand mehr über die in den Städten dicht gestreuten unauffälligen Läden und die über Land verteilten »Drogenstützpunkte«. Neben der Beratung und dem Verkauf durch ausgebildete Fachverkäufer steht den Kunden ein angeschlossener psychologischer und medizinischer Service zur Verfügung, der ebenso wie die Kurse zum »nichtpharmakologischen Enhancement« (Meditation, Musik, Yoga, Sport, Spiel, Spannung) von den Kommunen und Krankenkassen finanziert wird.
In großen Drogenkaufhäusern wie dem in Berlin-Mitte ist das gesamte Erdgeschoss diesen Informations- und Beratungsdiensten gewidmet, den einzigen Angeboten des Hauses, für die mit üblichen Mitteln geworben werden darf. Ansonsten regiert neben freundlicher Atmosphäre in allen Abteilungen der nüchterne Beipackzettel, der jeder Verkaufseinheit beiliegt, sowie kompetente und freundliche Fachverkäufer, die über Wirkungen, Nebenwirkungen, »Safer Use« und Schadensminimierung ausführlich Auskünfte geben. Sie werden nicht nach Umsatz bezahlt und stehen, wie die Drogenfachgeschäfte insgesamt, nicht unter dem Diktat der Gewinnmaximierung. Im Gegenteil wird ihnen bei Umsatzrückgängen ein Bonus ausbezahlt, denn das Ziel dieser Fachgeschäfte ist es nicht, den Konsum zu fördern, sondern den existierenden Konsum in risikoarme und sozialverträgliche Bahnen zu lenken.
Die hier verkauften Drogen sind nicht verunreinigt, die Informationen auf jeder Packung ermöglichen eine korrekte Dosierung und reduzieren so mögliche Gesundheitsschäden auf ein Minimum. Der Verkauf ist zudem auf bestimmte Maximalmengen pro Tag beschränkt und wird auf einer Kundenkarte registriert. Wenn die registrierten Mengen auf einen problematischen Konsum schließen lassen, werden die Kunden zu einem Beratungsgespräch gebeten und erhalten konkrete Angebote zur medizinischen oder therapeutischen Betreuung.
Die Cannabisabteilung im ersten Stock des Kaufhauses verkauft importiertes Fair-Trade-Haschisch aus marokkanischen, libanesischen und afghanischen Landwirtschaftskooperativen und eine große Auswahl Hanfblüten aus heimischem Bio-Anbau. Der Gehalt von THC, CBD und anderen Cannabinoiden ist bei den jeweiligen Sorten angegeben. Um den Schäden des Rauchens in der Mischung mit Tabak vorzubeugen, werden den Hanfkunden preisgünstige Vaporizer angeboten. Die kleinen Verdampfer im Handyformat heizen den Hanf auf 190 Grad auf, inhaliert werden nur Cannabinoide und Aromastoffe, aber kein Rauch.
Auch zwei Etagen weiter oben, in der Abteilung für Stimulanzien, stehen die kleinen Apparate hoch im Kurs, seit Kunden, die nach Amphetaminen verlangten, als milde Alternative die Inhalation von Meerträubel (Ephedra) entdeckt haben; auch der aus den Blättern der Pflanze hergestellte ephedrinhaltige »Mormonentee« erfreut sich wachsender Beliebtheit.
Ein ähnlicher Trend ist bei den Kokainkonsumenten zu beobachten, die zunehmend auf die natürlichen Produkte aus Kokablättern zurückgreifen und den konzentrierten Alkaloid-Turbo nur noch gelegentlich verwenden. Auch der wieder erhältliche »Vin Mariani« und die nach dem »Coca-Cola«- Originalrezept mit einem leichten Kokaingehalt gebrauten Softdrinks haben dazu geführt, dass viele vormalige Kokser jetzt hier zugreifen und auf das Schnupfen verzichten.
Einen vergleichbaren Effekt hatte auf Heroinkonsumenten die in den Drogenfachgeschäften erhältliche Auswahl von milderen Alternativen wie Rauchopium, Laudanum und anderen opiumhaltigen Zubereitungen, deren unproblematische Verfügbarkeit vielen injizierenden Abhängigen den problemlosen Abschied von der Spritze ermöglichte. Da zurückgehende Umsätze vor allem bei den schnell zur Gewöhnung führenden Drogen wie Heroin und Kokain mit Bonuszahlungen belohnt werden, sind die Fachberater motiviert, ihre Kunden auf leichtere und weniger riskante Alternativen aufmerksam zu machen. In der großen Alkoholabteilung im Untergeschoss des Drogenkaufhauses wird langfristigen Dauerkunden zum Beispiel der Umstieg auf weniger gesundheitsschädliche Cannabisprodukte schmackhaft gemacht.
Der oberste Stock des Drogenkaufhauses in Berlin-Mitte wird nicht nur wegen des gläsernen Halbrunds seiner Dachkuppel »Tempel« genannt, denn hier geht es um die entheogenen Drogen, die Pflanzen der Götter, deren Ächtung durch das monotheistische Patriarchat einst den Beginn des Kriegs gegen Drogen markierte….

“Sucht und Ordnung” Teil 2   folgt morgen.
Das Buch “Die Drogenlüge” ist im nächsten Buchladen oder hier erhältlich.