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“The public must be satisfied”

Dass die Warnung “Beware of Brainwashington!” vor dem Jahrestag des JFK-Mordes angebracht war, zeigten die in den letzten Tagen gedruckten und gesendeten Beiträge, in der die nach wie vor so genannten “Qualitätsmedien” durch die Bank die Geschichte des Einzeltäters Oswald und den Befund der Warren-Kommission von 1964 nachbeteten. Die Befunde der beiden späteren offiziellen Kommissionen, des “House Select Commitee of Assassinations” (HSCA), das 1977 eine Verschwörung für wahrscheinlich hielt, und des “Assassination Records Review Board” (ARRB), das 1998 eine solche Verschwörung u.a. anhand der manipulierten Autopsiefotos bewiesen hat, wurden durchweg ignoriert. Stattdessen feierten neue pseudo-wissenschaftliche “Beweise” der magischen Kugel fröhliche Urstände, wurde der obskure Bestseller des TV-Moderators Bill O’Reilly “Killing Kennedy” als Beweisschrift für den Einzeltäter Oswald angeführt und durchweg suggeriert, dass die (Nicht-)Ermittlung der Warren-Kommission auch nach 50 Jahren der Wahrheit am nächsten kommt und daneben nur unbewiesene Verschwörungstheorien existieren.
Dass Dutzende bewiesener Fakten gegen einen “lone gunman” sprechen, dass Oswald angesichts dieser Fakten in einer ordentlichen Gerichtsverhandlung mit ziemlicher Sicherheit freigesprochen worden wäre – all dies war den den Schurnalisten von FAZ bis Spiegel, von SZ bis ARD & ZDF keine Erwähnung, geschweige denn ein paar eigene Recherchen wert. Was kein Wunder ist, denn diese hätten schnell dazu geführt, dass Oswald nichts anderes als ein weitgehend ahnungsloser Sündenbock – ein “sheep-dipped patsy” – war, was dann selbstverständlich zu der Frage führt, wer denn als Hirte dieses verwirrten Schafs fungierte. Wobei diese Frage schon nicht gestellt werden darf, weil sie in vermintes Gelände (Militär, CIA, FBI) führt… und dahin wagen unsere Schurnalisten auch nach 50 Jahren keinen Schritt und verabreichen ihrem Publikum auch nach einem halben Jahrhundert weiter ungeniert Beruhigungspillen wie die “magische Kugel”. Wo aber selbst bei einem uralten Fall wie dem JFK-Mord die Fakten wie eine heiße Kartoffel nicht einmal mit der Kneifzange angefasst werden, kann man sich ausrechnen, wie sich die Medien bei aktuellen “Staatsverbrechen gegen die Demokratie” verhalten.
Heute vor 50 Jahren wurde John F. Kennedy beerdigt – und Bundesanwalt Katzenbach sandte ein Schreiben ans Weisse Haus: “The public must be satisfied that Oswald was the assassin; that he did not have confederates who are still at large; and that evidence was such that he would have been convicted at trial.” 72 Stunden nach dem Mord waren die Ermittlungen abgeschlossen, der Angeklagte durch den Mafia-Handlanger Ruby erschossen und dank der Kooperation der Medien, die keine weiteren Fragen und das Publikum zufrieden stellten, sind die Täter (bzw.ihre Nachfolger) bis heute unter uns.
Magic Bullet – Das lange Leben einer Zauberkugel
Die Legende des Kennedy-Mörders Lee Harvey Oswald als Einzeltäter steht und fällt mit dem Glauben an eine “magische Kugel”, die den Präsidenten durchschlug und bei dem vor ihm sitzenden Gouverneur Conally zahlreiche Wunden verursachte. Bis heute wird diese Zauberkugel der Öffentlichkeit verabreicht – als Beruhigungspille, um jede Aufregung über eine Verschwörung zur Ermordung Kennedys zu verhindern. Dass sich der Glaube an die Absurdität einer Zauberkugel so lange halten konnte, hat mit den im National Archiv lagernden Autopsiefotos und Röntgenbildern zu tun – diese wurden, wie eine vom US-Kongress eingesetzte Kommission 1999 feststellte, nachträglich manipuliert.
Zum heutige Jahrestag hat Telepolis einen Auszug aus dem Kapitel über die magische Kugel gebracht.
Auf taz.de ist ebenfalls ein Beitrag von mir erschienen: Was heißt hier Verschwörungstheorie ?
Das rätselhafte Attentat

Filmbeitrag über das Buch aus der heutigen Sendung von “Lexi TV” – in der Mediathek des MDR.
Der heutige 30-Minuten-Talk bei SWR “Leute” ( läuft Montag Nacht um 2.00 im SWR Fernsehen, Videolink folgt) steht schon als Audio-Podcast zum Download zur Verfügung (MP3 , 26 MB)
Schon am gestrigen Donnerstag lief auf Servus TV die Talkshow über JFK, die am Dienstag in Salzburg aufgezeichnet wurde, und kann in der Mediathek angeschaut werden.
Beware of Brainwashington!
In den Massen von Infontainement-Müll, Pseudo-Dokumentationen und Un-Journalismus kommen zum 50. Jahrestag der JFK-Ermordung hier und da auch Dinge zum Vorschein, die man noch nicht gehört hat. Wie die Aussage eines der Notfallärzte im Parkland-Hospital in Dallas, Dr. Don Curtis, die in der texanischen Zeitung “Canyon News” zitiert wird – über den Zustand von Kennedys Schädel bei seiner Einlieferung ins Krankenhaus: “The posterior part of his head was blown out”. Dass viele andere Zeugen des medizinischen Personal in Dallas dassselbe gesehen haben und die Kommission des ARRB in den 90er Jahren zweifelsfrei beweisen konnte, dass die im Nationalarchiv lagernden Autopsie,-und Röntgenaufnahmen JFKs manipuliert wurden und keinen Schädel zeigen, dessen hinterer Teil nicht herausgesprengt sondern nahezu komplett ist – diese Fakten allein reichen aus, um die aktuelle JFK-Berichterstattung als Schlammflut der Desinformation zu diskreditieren. Ebenso wie das haltlose Geschwätz darüber, dass wegen der vielen “Verschwörungstheorien” die Wahrheit wohl nie ans Licht kommen wird. Denn nicht diese Theorien verhindern das, sondern die Ignoranz, das bewußte Ausblenden, die gezielte Unterschlagung von Tatsachen. Wie eben solcher medizinischer Fakten, die einen Schuß von hinten, eine Eintrittswunde am Hinterkopf – und damit Oswald als Todesschützen – defintiv auschliessen. Damit wissen wir noch nicht, wer es war, aber wir wissen, wer es nicht war – und so hätte jede seriöse kriminalistische Suche nach dem Täter zu beginnen. Selbst wenn die mangels faktischer Beweise überbordende Psychologisierung der gestörten Persönlichkeit und der Motive Oswalds, die schon der Warren Report und nach ihm ein Wust von Literatur ad infinitum auswalzt – selbst wenn das alles zuträfe: die Fakten schliessen aus, dass er der Mörder Kennedys war! Allein der oben zitierte medizinische Befund, zu dem noch ein Dutzend weitere Beweise kommen (fehlende Schmauchspuren an seinen Wangen, Zeugen, die ihn vor und nach den Schüssen im Pausenraum sahen, die falsch identifizierte Tatwaffe usw. usf. ) hätten jeden Wald-und-Wiesen-Strafverteidiger in die Lage versetzt, vor Gericht einen Freispruch für den Angeklagten Lee Harvey Oswald zu erreichen. Dass noch 50 Jahre später kaum ein Schurnalist die Eier in der Hose hat, zumindest das klar und deutlich zu benennen – ohne sich deshalb in Spekulationen oder Hypothesen zu ergehen – wirft ein bezeichnendes Licht auf die gesamte Medienbranche, deren Vertreter deshalb mit Fug und Recht mehreitlich asls Pre$$titutes bezeichnet werden müssen. Sie lügen für Geld und vermüllen die Gehirne ihres Publikums – und morgen gibt es die volle Dröhung, weshalb die Parole nur lauten kann: Beware of Brainwashington!
JFK Termine
Gestern abend war ich in Salzburg Gast bei einem JFK-Talk von Servus TV. Zugeschaltet war u.a. der Sohn von Sergej Chruschtschow, der Sohn von Nikita. Die Sendung wird am Donnerstag um 22.15 ausgestrahlt (in Deutschland über DVB-T empfangbar).
Überall im TV empfangbar ist Wissensmagazin “Lexi TV” vom MDR, dem ich für die Sendung “Kennedy – Tod eines Hoffnungsträgers” ausführlich Rede und Antwort gestanden habe. Die Sendung läuft am Freitag, 22.11., um 15.00.
Ebenfalls am Freitag bin ich Gast bei “Leute” vom Südwestfunk in Stuttgart. Das Gespräch läuft morgens von 10.00 – 12.00 im Radio SWR1, und in der Nacht auf Leute Night im Fernsehen (SWR3).
Schon vor einigen Tagen hat der Deutschlandfunk das JFK-Buch rezensiert (MP3 hier), in einem längeren Kennedy-Feature auf WDR 5 am Freitag (20.05) wird es ebenfalls Erwähnung finden.
JFK-Märchenstunde in der “Welt”
Da man als Knecht der Springer(-stiefel)-Presse laut Arbeitsvertrag der Politik der NATO verpflichtet ist, kann aus diesem Hause auch in Sachen Kennedy keine kritische Auseinandersetzung mit der Doktrin des Einzeltäters Lee Harvey Oswald erwartet werden. Insofern ist die Behauptung des “Welt”-Redakteurs Alan Posener, dass diese Doktrin ausschließlich auf Tatsachen beruht, während alle Andersdenkenden – und das ist die weit überwiegende Mehrhheit der Bevölkerung, in den USA und im Rest der Welt – nur Mythen aufgesessen sind und “Pseudo-Wahrheiten kolportieren”, zwar erwartbar, strotzt aber ihrerseits vor Pseudo-Wahrheiten en gros.
So zählt Posener zu den “erdrückenden Beweisen” für die Täterschaft Oswald unter anderem das von ihm im Versandhaus für 19,95 $ (inkl. Zielfernrohr) bestellte Gewehr. In den Protokollen der Dallas-Police taucht dieses aber anfangs gar nicht auf. Die vier Polizisten, die nach der Tat ein Gewehr im 6. Stock das Schulbuchlagers sicherstellen, identifizieren dieses als Mauser. Erst zwei Tage später verwandelt sich das deutsche Präzisonsgewehr in den italienischen Schießprügel “Mannlicher-Carcano” ( den der heimtückische Präsidentenmörder wohl per Versand bestellte, um eine Elefantenspur zu hinterlassen). Einen “Cottontest”, ob aus dieser Waffe kürzlich geschossen wurde, nahm die Polizei nicht vor, sehr wohl aber testete sie Oswalds Wangen auf Schwefelspuren, wie sie beim Feuern eines Gewehrs unvermeidlich sind – das Ergebnis war negativ. An seinen Händen befanden sich Spuren, die auf den Kontakt mit Büchern und Kartons zurückgeführt werden konnten – gewaschen hatte er sich also nicht. Ein Anwalt wurde ihm während der insgesamt 7-stündigen Verhöre verweigert, Protokolle seiner Aussagen existieren nicht, weil angeblich in Dallas kein Tonbandgerät zur Hand war, auch Stenographen hatte man gerade keine da (!!??). Als er zu einer Pressekonferenz geführt wird, streitet er ab, auf irgendwen geschossen zu haben (“Ich bin der Sündenbock hier”) – Posener indessen behauptet, Oswalds Motiv sei gewesen “durch eine historische Tat Unsterblichkeit zu erlangen”.
Die nächste vollmundige Pseudo-Wahrheit folgt: “Die Verletzungen am Schädel sind unvereinbar mit einem Schuss von vorn. Kurzum: Es gab nur einen Schützen. Er feuerte drei Schüsse von hinten und oben. Einer war tödlich.” Nur wer die letzte offizielle Untersuchung des JFK-Mordes durch das “Assassination Records Review Board”, die u.a. zweifelsfrei belegt, dass die Autopsiefotos von Kennedys Schädel manipuliert wurden, einfach ignoriert, kann solche Pseudo-Wahrheiten noch in die Zeitung schreiben. Ebenso wie die Warren-Kommission nur zu ihrem Ergebnis kommen konnte, weil sie die Aussagen der hinter der Limousine fahrenden Motoradpolizisten ignoriert, die aussagten, sie seien von Blut und Gehirnteilen des Präsidenten getroffen worden – und das ist physikalisch unvereinbar mit einem Schuss “von hinten und oben”. Das macht aber nichts, wenn man wie Posener ein Anhänger der Glaubensgemeinschaft der magischen Kugel ist, die ja gar nicht magisch war, weil Conally ein bißchen anders gesessen hat. Klar – so wie die Jungfrau Maria eben ein bißchen anders lag, als sie vom Heiligen Geist geschwängert wurde…
Jack Rubinstein (alias Ruby), der Oswald im Polizeirevier von Dallas erschoss, tat dies nicht um Oswald zum Schweigen zu bringen – “Ruby war auch nicht, wie kolportiert wird, Mitglied oder Handlanger der Mafia”- sondern weil er als “paranoid-psychotischer” Jude glaubte, “der Kennedy-Mord würde das Fanal zu einem Pogrom gegen die Juden sein, den nur er durch die Tötung des Mörders abwenden könne.” Schon wieder eine Pseudo-Wahrheit über einen Täter, der historische Untserblichkeit erlangen will. Tatsächlich sind die Mafia-Kontakte Rubys seit seiner Jugend in Chicago dutzendfach belegt, an den zwei Tagen nach Oswalds Festnahme telefonierte er mit mehreren einschlägig bekannten Mobstern – und seine damalige Geliebte, die Jeff Morley 2013 ausfindig machte sagte aus, dass Ruby “keine Wahl” hatte, denn “seine Bosse” hätten ihm die Tat befohlen.
Von dem Mumpitz, den Posener in seiner “Faktencheck” genannten Märchenstunde dann über die Verwicklungen von CIA und Mafia in die Welt posaunt, könnte man jeden zweiten Satz zerpflücken. Doch die Mühe lohnt nicht, denn: “Da bewiesen ist, dass Oswald die Tat verübte, sind alle Verschwörungstheorien ohnehin bodenlos.” Bodenlos ist indessen nur die Ignoranz, mit der hier haltlose Beweise als historische Wahrheit ausgegeben und dokumentierte Fakten, die nicht in dieses Konzept passen, als “Theorie” oder “Mythen” hingestellt werden: “Kennedy wollte die US-Streitkräfte aus Vietnam abziehen (…) Dies ist die Theorie, die der mysteriöse Herr X in Oliver Stones Märchenfilm “JFK” vertritt.” Dass Oliver Stones Spielfilm der Realität sehr viel näher kommt als der drittklassige Märchenonkel Posener lassen wir mal dahingestellt, JFKs Anweisung des Abzugs aus Vietnam aber ist keine “Theorie” sondern ein Dokument, namentlich das “National Security Action Memorandum” Nr. 263, das sein Generalstabschef Maxwell Taylor am 4. Oktober 1963 an die Joint Chiefs of Staff wie folgt weiter gab: “All planning will be directed towards preparing RVN forces (die vietnamische Armee) for the withdrawal of all U.S. special assistance units and personnel by the end of calendar year 1965.” Etwa zur selben Zeit hatte JFK seinen engsten Vertrauten angekündigt, nach seiner Wiederwahl nach Moskau zu reisen um einen Friedensvertrag mit Chruschtschow anzugehen. Dass der Vietnamkrieg mit Milllionen Toten und vieles mehr der Welt erspart geblieben wären, hätte Kennedy weiter gelebt, ist keine “Theorie”, sondern sehr wahrscheinlich. Johnson hingegen soll, während JFKs Sarg in Washinton noch aufgebahrt war, bei seinem ersten Treffen mit den kriegslüsternen Top-Militärs gesagt haben: Seht zu, dass ich nächstes Jahr gewählt werde, und ihr bekommt euren Krieg… und so kam es dann auch.
Das dümmste und das klügste JFK-Buch
Das dümmste und das klügste Buch zum 50. Jahrestag der Ermordung John F. Kennedys wird heute in einer ausführlichen Rezension in “Neues Deutschland” gekürt. Über letzteres schweige ich mich aus verständlichen Gründen hier aus, ersteres ist zu Recht Bill O’Reillys “Killing Kennedy. Das Ende des amerikanischen Traums”. Der rechts-extreme Moderator O’Reilly, der von seinem Werk in den USA schon über 1 Million Exemplare losschlug, ist ein klassischer Vertreter der Verschwörungsdementierungs-Industrie, die nach fünf Jahrzehnten noch immer das Märchen des Einzelschützen Lee Harvey Oswald verkauft – und die in den nächstenTagen auf Hochtouren läuft. CBS zum Beispiel entblödet sich nicht, die Wiederauffrischung der Legende von der magischen Kugel, die JFK und Gouverneur Conally insgesamt sieben Wunden beibgebracht haben soll, als “Wissenschaft” anzupreisen. Die These vom Einzelschützen Oswald basiert auf dem Glauben an das physikalische Wunder dieser Zauberkugel und ist insofern zutiefst irrational, was die Vertreter dieses Glaubens dazu zwingt, sich selbst als höchst vernünftig, aufgeklärt und wissenschaftskonform zu gerieren – und ihre Kritiker lautstark und mit Schaum vor dem Mund als verrückte, paranoide Verschwörungsspinner abzukanzeln. In dem Buch von O’Reilly ist dieser Mechanismus ebenso gut zu beobachten wie in dem 1.600-Seiten Buch des renommierten Juristen Vicent Bugliosi (“Reclaiming History”), das von der Glaubensgemeinschaft der magischen Kugel als Standardwerk gepriesen wird. Mit einer offenen Diskussion über die Ungereimtheiten und offenen Fragen rund um diesen Mord hat das nichts zu tun – doch diese Bücher werden verfilmt und ihre irre Botschaft massenweise unter das Volk gebracht. Auch 50 Jahre nach dem Tod von JFK läuft “Brainwashington” auf allen Kanälen…
