Immer radikal, niemals konsequent – Jörg Schröder zum 75.

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Werber, Vertriebsmann, Verleger, Gestalter, Hersteller, Herausgeber, Aktionskünstler, Autor, Erzähler, Blogger… Dies sind  nur einige der Tätigkeitsfelder, die sich als Berufe oder Berufungen dieses Mannes aufzählen lassen, und für viele, ja für die meisten Menschen, reicht ein Leben für die Bewältigung dieser multiplen Tasks vermutlich nicht aus –  Jörg Schröder aber, der am 24. Oktober  seinen 75. Geburtstag feiert, hat sie nicht nur schon alle mit Bravour (und der hohen Kunst des erfolgreichen Scheiterns) gemeistert, er ist auch nach wie vor munter dabei. Gerade ist mit “Kriemhilds Lache” sein neuestes Buch erschienen, mit Auszügen aus dem kulturhistorischen Mammutwerk “Schröder erzählt”,  an dem er mit seiner Kooperateurin und Lebenspartnerin Barbara Kalender seit 1990 arbeitet.

1311_LViermal im Jahr erreichen die im Desktop-Publishing liebevoll hergestellten Folgen  etwa 350 Subskribenten der Serie, die mittlerweile auf  über 3.000 Seiten angewachsen ist. Dass sie im Buchhandel nicht erhältlich ist, hat einen guten Grund, denn Schröder erzählt nichts Fiktionales, sondern Realgeschichte, er deutet nicht an, sondern nennt Ross und Reiter beim Namen – und das brachte ihm, nachdem er Ernst Herhaus 1972 in “Siegfried” erzählt hatte, wie es unter der Gürtellinie des hochmögenden Literatur- und Kulturbetriebs zugeht, eine Masse an Unterlassungsklagen und Zensurforderungen ein, deren Akten ganze Regalmeter füllten. Sachlich und zurückhaltend zu bleiben, wo es doch auch direkt und persönlich geht, war Schröders Sache nicht – und so erfand er für “Schröder erzählt” den literarischen Direktvertrieb und ist seitdem von Gerichtsklagen verschont geblieben. Die ersten Geschichten unter diesem Titel erschienen schon ab November 1982 gelegentlich  in der taz, die von Schröder damals vor einer Klage bewahrt wurde, die sein Ko-Autor Uwe Nettelbeck angedroht hatte. Der Grund: wir hatten eine Schröder-Geschichte über amerikanische Atomwaffen in Vogelsberger Wasserwerken nachgedruckt, die in Uwe Nettelbecks Zeitschrift “Republik” erschienen war – und dies nicht nur ungefragt, sondern auch mit so zahlreichen Sazzfehlern gespickt, dass der penible Republik-Herausgeber schier ausrastete und mit dem Kadi drohte. Der ebenfalls im Vogelsberg lebende taz-Autor Helmut Höge schaltete Schröder als Vermittler ein, der uns das Copyright nachträglich gewährte. So kamen wir nicht nur mit einem fehlerfreien Zweitdruck davon, sondern fuhren in der Folge  auch öfter nach Fuchstal-Leeder, um uns Schröders Geschichten direkt für die taz erzählen zu lassen. Jörg-Schröder.jpg

Kurz zuvor hatte er den von ihm am 18. März 1969 gegründeten legendären “März”-Verlag, den Karl-Heinz Bohrer 1972 als “den kulkturrevolutionären Verlag der BRD”  beschrieben hatte, und der dennoch (oder deswegen?) schon zweimal in die Insolvenz gegangen war, zum dritten Mal wieder gegründet – und hätten Schröders Hyper-Aktivismus und der bukowskische Lebensstil seiner frühen Jahre 1987 nicht ihren Tribut in Form von zwei Herzinfarkten gefordert, gäbe es den Verlag wohl noch heute. Denn seine Nase und sein Händchen für avantgardistische Literatur, Pop  und Politik hat Jörg Schröder ebensowenig verloren wie seinen wachen Geist,  sein Mundwerk und seinen Humor, mit denen er in seiner seriellen Biographie dem Zeitgeist und der Realität aufs Maul schaut.  So war es selbstverständlich, dass ich, als  zum Blogwart mutierter ehemaliger taz-Kulturredakteur den ehemaligen Verleger (das Foto oben zeigt uns beide auf der Buchmesse 1983) sofort zum Blogger machen wollte, als die taz 2006 ihre Blogs einrichtete, und es war klar, dass ein alter Medienfuchs wie Schröder die Möglichkeiten dieses neuen Mediums sofort erkennen würde. Seitdem schreibt er mit  Barbara Kalender einen der meist gelesenen Blogs auf taz.de. Schon deshalb sind wir dem Jubilar zu Dank verpflichtet, darüber und weit über die taz hinaus haben aber auch Literatur und Kultur in Deutschland dem Lebenswerk Jörg Schröders viel zu verdanken – und so verbeugen wir uns vor dem Geburtstagskind, wünschen Gesundheit, Glück und Segen  und singen im Chor: Ad multos annos!

(Fotos: Barbara Kalender)

Journalismus ? War da mal was…?

Glenn Greenwald, der mit Edward Snowden die wichtigsten Nachrichten der letzten Jahre publiziert hat – neben Bradley Manning und Julian Assange, die dafür im Gefängnis sitzen bzw. damit bedroht sind – wird seinen Job beim “Guardian” aufgeben, und in eine neues, noch nicht näher bekanntes publizistisches Online-Projekt einsteigen, das der millionenschweren ebay-Gründer Pierre Omidyar finanzieren will. Das klingt gut, auch wenn es nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein könnte, denn auch mit vielen Millionen wird gegen den milliardenschweren Mainstream des Bullshit-Infotainments nur schwer anzukommen sein. Wie arg das, was sich mal unabhängiger Journalismus nannte, auf den Hund gekommen ist, hat Greenwald gerade am Beispiel einer Kolumne eines Redakteurs des britischen “Independent” beschrieben, der meint, dass er Ed Snowdens Informationen über die NSA nicht veröffentlicht hätte, weil die Sicherheitsbehörden meinten, dies sei nicht im öffentlichen Interesse.  Ein perfekteres Armutszeugnis kann man sich als “Journalist” eigentlich nicht ausstellen – und es auch noch ungeniert in die Zeitung zu schreiben zeigt, wie hemmungslos  die “unabhängige”, “freie” Presse zur reinen Pre$$titution – zu Stenographen der Staatsmacht, zu Lohnschreibern und Lautsprechern von Konzerninteressen, zum lügenden Gewerbe –  mutiert ist. So verständlich das einerseits ist – der Redakteur muß schließlich seine Miete oder die Raten für’s Häuschen bezahlen, die Ausblidung der Kinder, den Urlaub, das Auto usw. usf.  – so traurig und bitter ist es gleichzeitig. Denn was dafür auf der Strecke bleibt –   die Suche nach Wahrheit, der Einsatz für Gerechtigkeit, die Kontrolle der Macht – das war und ist ( zumindest auf dem Papier ) der Kern dessen, was sich Journalismus nennt. Und der ist nur dann ein Zuckerschlecken, wenn man ihn nicht ernst nimmt. Tut man das, landet man, wie die oben Genannten,  im Gefängnis oder im Exil oder führt, im besten Falle, eine Existenz als Außenseiter und Freak, denn die Meute der Pre$$titutes hat es nun mal nicht gern, wenn ihnen jemand den Spiegel vorhält und die heißen Eisen anpackt, deren Bearbeitung eigentlich ihnen obläge, wären sie noch echte Journalisten. Das solche in dem neuen Projekt von Omidyar und Greenwald zum Zuge kommen kann man nur wünschen und hoffen…

P.S.: Über eines der heißen Eisen, das Politiker und Journalisten in der Regel erst dann anfassen, wenn sie mit ihrer Karriere abgeschlossen und nichts mehr zu verlieren haben  – die brutale Kontraproduktivität und Permanenz des “war on drugs” – werde ich am Wochenende auf dem “cultiva”-Kongress in Wien sprechen, unter dem Titel meines letzten Buchs zum Thema: Die Drogenlüge – warum Drogenverbote den Terrorismus fördern und der Gesundheit schaden.

Holy Shit (2)

16.10.13 09:16-BildschirmkopieNach der Buchmesse in Frankfurt besuchte ich am Wochenende meine alte Heimatstadt Limburg und pilgerte natürlich auch auf den Domberg, um die weltweit Aufsehen erregende Residenz des “Protz-Bischofs” Tebartz-van Elst anzuschauen. Protzig wirkt diese allerdings gar nicht, sondern von außen betrachtet – mehr ist einem Normalsterblichen derzeit ja nicht möglich – durchaus gelungen. Dass es dennoch absehbar ist, dass TvE, der derzeit in Rom weilt, nicht mehr lange im Amt sein wird, liegt insofern nicht an den Baumaßnahmen und auch nicht an den investierten Millionen, auch ein Erster-Klasse-Flug nach Indien ist für einen kirchlichen Würdenträger im Range eines Staatssekretärs nicht wirklich ein Skandal – dass  Tebartz weltweit als “Skandal-Bischof” zum Thema geworden ist, liegt einzig und allein daran, wie er mit dem Bau und seinem Flug umgegangen ist, nämlich tarnend, tricksend und täuschend. Das – und nicht die Luxusbadewanne – macht ihn als Oberhirten untragbar. Mein kleiner Bericht über den Besuch auf dem Domberg, auf dem ich einen Teil meiner Kindheit verbrachte,  ist heute in der taz erschienen – und weist, wie der letzte Blogbeirtag hier, darauf hin, dass man sich zur Aufklärung dieser Provinzposse nicht weiter auf den offensichtlich an einer narzistischen Persönlichkeitsstörung leidenden TvE konzentrieren muß, sondern auf seinen Verwaltungschef und Generalvikar Kapsar, der nicht nur die Bonusmeilen für den Flug nach Indien spendierte, sondern als Geschäftsführer des “bischöflichen Stuhls” auch für die wunderbare Geldvermehrung beim Bau der Residenz zuständig war.

Holy Shit

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Mindestens 31 Millionen Euro hat der Bischof von Limburg – Dr. Franz-Peter Tebartz van Elst – verbraten, um sich einen Wohnsitz herrichten zulassen. Zuvor war seine Eminenz schon unangenehm aufgefallen, weil er mit seinem Generalvikar Dr. Franz Kaspar in der First Class nach Indien geflogen war, um armen Slumkindern zu helfen, was er gegenüber einem “Spiegel”-Reporter aber abgestritten hatte – und der Zeitschrift hernach verbieten wollte, dies zu behaupten und eine eidesstaatliche Versicherung abgab, so etwas nie geagt zu haben. Weil aber ein Mitschnitt seiner Aussage existierte wird gegen den Bischof nun in Hamburg wegen eidlicher Falschaussage ermittelt. Denn Tebartz war tatsächlich First Class geflogen, auch wenn er nur ein Bussines-Class-Ticket bezahlte – sein Generalvikar hatte das Upgrade über “private” Bonusmeilen spendiert. Wie der Geschäftsführer einens kleinen Bistums privat zu derartigen Mengen Bonusmeilen kommt, die er sich auf häufigen Flügen nach Bombay und Bangkok erworben hat, ist im Zuge der Affäre bis dato kaum gefragt worden – und wird es wohl auch nicht mehr, den unlängst wurde der Generalvikar mit Dank für sein “segensreiches” Wirken verabschiedet. Wie er freilich die wunderbare Geldvermehrung des auf 5 Millionen veranschlagten Bischofssitzes zustande gebracht und an Kontrollgremien vorbei mindestens 31 Millionen locker machte, um neben der Renovierung von zwei Fachwerkhäusern auch noch eine Privatkapelle samt unterirdischen Gängen und Reliquienschrein auf den Limburger Domberg zu zaubern, dieser Verantwortung  wird sich der Vielflieger Kaspar vermutlich noch stellen müssen. Oder auch nicht – denn dieser Herr ist ein Meister des Tricksens und Vertuschens und hat dies als jahrzehntelanger Leiter des katholischen Kinderheims “Vincenzstift” in Aulhausen bei Rüdesheim häufig unter Beweis gestellt. Seinen dortigen Vorgänger Rudolf Müller wollte er noch 2006 mit einem “Rudolf Müller Haus” auf dem Gelände für sein “segensreiches” Wirken ehren – dieser hatte sich das Leben genommen, nachdem seine jahrelangen Kinderschändungen an die Öffentlichkeit gekommen waren. Dass sein Nachfolger Kaspar mit der berüchtigten “schwarzen Pädagogik” in Aulhausen aufgeräumt hätte – wie das Bistum Limburg behauptet –  ist insofern nichts als fromme PR. Als das Buch des ehemaligen Inssassen Alexander Homes  (“Prügel vom lieben Gott”) 1981 erschien, ging Kaspar mit rechtlichen Mitteln dagegen vor; Eltern, die sich über die Mißhandlung ihrer behinderten Kinder beschwerten, zog er ebenfalls vor Gericht. Tarnen, Täuschen und Abstreiten im Namen Gottes ist die Profession dieses sauberen Ex-Generalvikars und insofern darf man auf die weitere Entwicklung des Falls gespannt sein – denn weniger der durchgeknallte Bischof, den sie wegen seines irren Blicks in Limburg “Bambi” nennen, sondern eher sein Geschäftsführer und Verwaltunsgratsvorsitzender Franz Kaspar ist für die Millionensünde auf dem Domberg verantwortlich. (Und nur ein Schelm denkt Böses dabei, dass der große Beender der schwarzen Pädagogik in Aulhausen bei Kindern in Thailand und Indien permanent Bonusmeilen sammelt.)

Warum mich diese Provinzposse interessiert ? Ich bin in Limburg groß geworden, mein Großvater, der für die Musik im Dom zuständig war und die große Orgel spielte,  wohnte in dem weißen Haus links auf dem Bild ( Foto:  Bistum Limburg), das in den 50ern genauso heruntergekommen war wie das jetzt prachtvoll restaurierte Fachwerkhaus daneben, in dem der Küster wohnte und das größtenteils leer stand. Den schwarzen Klotz dahinter hat sich Tebartz als Privatkapelle errichten lassen, sowie noch weitere Gebäude und einen mit edlen Teichen und Wandelpfaden designeten Privatgarten. Dort hatte mein späterer Religionslehrer, der Pfarrer Vali Löhr, einst seinen Gemüsegarten mit Unmengen Erdbeeren, Möhren, Kohlrabi; Salat usw , die ich zur Erntezeit öfter abholen ging. So kam der auf Kirchenland gewachsene Segen den Schäfchen zu Gute. Jetzt kann der “Luxusbischof” dort noch ein wenig um sein Seelenheil beten, bevor er abtritt – um dann vielleicht in der Bahnhofsmission von “Stuttgart 21” oder auf dem Flughafen BER tätig zu werden. Mit Bausünden kennt er sich ja Bestens aus…

Buchhaltung

Buecher

Bevor ich morgen wie alle Jahre zur Buchmesse nach Frankfurt fahre hatte ich am Wochenende meine eigene, weitaus anstrengendere “Buchmesse”. Denn wegen eines Umbaus der Wohnung mußten zehn laufende Meter randvolle Buchregale in ein anderes Zimmer geschafft werden. Das Ergebnis nach zwei Tagen Schufterei paßt nicht einmal ganz auf das Foto und während ich die Stapel ausräumte und einräumte kam mir mehr als einmal der Gedanke, ob ich diese ganzen Bücher eigentlich noch brauche. In den letzten Jahrzehnten hatte ich schon mehrfach radikal ausgemistet und nur behalten, was durch die strenge Qualitätskontrolle kam – aber auch das stand ja jetzt schon wieder viele Jahre unberührt und staubte nur noch vor sich hin und das wäre doch wirklich ein Grund….brauche ich die 137 Bände Goethe tatsächlich  noch ? Ääh… – jein. Aber schon wegen des kleinen “Fragments über die Natur”, meinem absoluten Lieblingstext, bleiben sie komplett da – auch wenn man ihn online lesen kann  (und Goethe ihn nur redigiert aber nicht geschrieben hat.) Weil es mir bei fast allen anderen Autoren so ähnlich ging hörte ich bald auf mit der Selbstbefragung und wuchtete die Brechts und Borges und Benjamins und Nietzsches und Schopenhauers ungefragt von A nach B. Und dauch den dicken Schinken mit Bob Dylans Lyrics, die ja nun wirklich mal den Literaturnobelpreis verdient haben, obwohl der Meister – “It ain’t me, babe!” – ihn wahrscheinlich gar nicht will. Aber verdient hätte er ihn allemal eher als all die Schnarchsäcke und Tränendrüsen, für die die Stockholmer Pappnasen bei ihrer Auswahl irgendwie ein Händchen haben.

Traditionell bringe ich mir von der Messe nur ein oder zwei Neuerscheinungen mit, eine davon wird dieses Mal Michel Serres’ “Erfindet euch neu!” sein. Serres’ “Der Parasit” hatte mich Anfang der 80er schwer begeistert, danach war mir vieles von ihm zu langweilig/enzyklopädisch, aber mit diesem neuen Bändchen scheint er Lust auf Neues zu machen und verteidigt, anders als die meisten älteren Großdenker, die digitale Welt, anstatt sie mit dümmlicher Häme zu übergiessen. Da bin ich gespannt – denn auch wenn ich mich von meinen Büchern nicht trennen kann ist mir schon klar, dass meine Enkelkinder sie nur noch  als etwas Museales aus Großvaters Zeiten wahrnehmen werden. Entsprechend werde ich von Mittwoch bis Freitag am Stand der taz dem Publikum die Zeitung von Morgen- als  e-Paper und App – erklären, und einen Stock tiefer beim Westend-Verlag nicht müde werden, mein gedrucktes Werk über JFK als wichtige, spannende und unverzichtbare Neuerscheinung anzupreisen. Irgendwie muss ja das Geld für neue Bücher wieder reinkommen…

Back in the USSR

Broeckers_JFK_web-1Im Jahr 2000 war ich das letzte Mal in den USA. Nachdem ich mich seit dem September 2001 in zahlreichen Artikeln und Büchern kritisch über die offizielle Legende der 9/11-Anschläge geäußert hatte, mußte ich in den folgenden Jahren leider auch zwei Einladungen zu Konferenzen ausschlagen, weil ich nicht riskieren wollte, bei der Einreise am Flughafen festgesetzt und zurückgeschickt zu werden. Als Westberliner, der jahrelang dem rigiden Einreise,- und Transit-Regiment der DDR ausgesetzt war – nicht nur, als einer meiner Mitfahrer auf die Standardfrage: “Haben sie Funkgeräte, Schußwaffen oder Munition dabei” – einmal antwortete: “Wieso? Braucht man das hier?” – reagiere ich allergisch auf  Grenzschikanen, die über die Identitätsfeststellung hinausgehen. Dass dem Autor Ilja Trojanow , der sich kritisch zur NSA-Ausspähung und dem Nichtstun der Bundesregierung geäußert hatte, diese Woche die Einreise in die USA verweigert wurde,  zeugt einmal mehr vom Niedergang des einstigen Land of the Free in einen stalinistischen Polizeistaat: (Roll-)Back in the USSR. Wobei es ja selbst in der alten Sowjetunion zumindest ein öffentliches Gesundheitssystem gab, dessen Einführung die Republikaner und “Tea-Party”-Fanatiker in den Staaten jetzt bekämpfen, weil sie es für eine Ausgeburt des Kommunismus halten. Was wiederum zeigt, mit welch grotesker Propaganda die Gehirne einer Bevölkerung kontaminiert sein müssen, wenn sie Krankenkassen und Sozialversicherung für eine Erfindung von Lenin und Stalin hält.

In meinem Buch über John F.Kennedy belege ich die These, dass dies der letzte US-Präsident war, der eine Reform der bestehenden innen,- und außenpolitschen Verhältnisse der Vereinigten Staaten anstrebte – und der ermordet wurde, weil er sich ernsthaft daran gemacht hatte, eine solche Reform zu realisieren: außen durch eine Beendigung des Wettrüstens und des Kalten Kriegs und innen durch Stärkung der Bürgerrechte und der sozialen Gerechtigkeit. JFK wollte etwas ändern an der Einschätzung der USA, wie sie der eminente britische Historiker Arnold Toynbee 1961 konstatiert hatte:

»Amerika ist heute der Führer einer weltweiten antirevolutionären Bewegung zur Verteidigung seiner Besitzinteressen. Es steht für das, für was einst Rom stand. Rom unterstützte in allen fremden Gesellschaften, die unter seinen Bann fielen, die Reichen gegen die Armen; und da die Armen überall sehr viel zahlreicher waren als die Reichen, sorgte Roms Politik für Ungleichheit, Ungerechtigkeit und für das geringste Glück der Allermeisten.«

Als Kennedy seinen jungen Assistenten Dick Goodwin zum Chefberater für Lateinamerika machte, sagte er ihm:

»Wir können nicht jeden großmäuligen Diktator umarmen, der uns erzählt, er sei antikommunistisch, und der seiner eigenen Bevölkerung im Nacken sitzt. Und die Regierung der Vereinigten Staaten ist auch nicht der Repräsentant von Privatunternehmen. Wissen Sie, dass in Chile die amerikanischen Kupferunternehmen 80 Prozent des Außenhandels kontrollieren? Dafür stehen wir nicht. Und es gibt keinen Grund, warum sie dafür stehen müssen. Alles, was die Bevölkerung dort will, ist eine Chance für ein anständiges Leben – und wir haben sie denken lassen, dass wir auf der Seite von denen stehen, die sie unterdrücken. Dort unten ist eine Revolution im Gange, und ich will auf der richtigen Seite stehen. Verdammt, wir stehen auf der richtigen Seite. Aber wir müssen sie wissen lassen, dass die Dinge sich verändert haben.«

Mit den Schüssen in Dallas wurde sichergestellt, dass sich nichts in dieser Richtung veränderte – und seitdem geht es abwärts mit den USA, auch wenn sich ihr Imperium mit vielen Dutzend Kriegen immer weiter aufgebläht hat. Doch weil es, wie Toynbee sagt, nur  “für das geringste Glück der Allermeisten” sorgt, ist es wie Rom zum Niedergang verurteilt.

The Substance

2909_the_substance003_481x270Dass ich mit Albert Hofmann befreundet war und mit ihm zusammen arbeiten durfte, zähle ich zu den großen Glücksfällen meines Lebens. Sein letztes Buch, das ich 2006 mit Roger Liggenstorfer herausgab, enthält seine Essays und Vorträge aus den beiden letzten Jahrzehnten seines Lebens, sowie Beiträge von Kollegen und Freunden zu seinem 100. Geburtstag: Albert Hofmann und die Entdeckung des LSD. Einmal während der Arbeit an diesem Buch ging ich mit ihm über die große Wiese vor seinem Haus auf der Rittimatte hinauf zum “Bänkli”, das sein Enkel ihm an der höchsten Stelle des Grundstücks gebaut hatte und von dem man einen traumhaften Ausblick auf die Vogesen auf der einen und die Alpen auf der anderen Seite hatte. Es war ein herrlicher Sommertag und während wir langsam zu der kleinen Bank hinauf spazierten, fragte ich ihn: “Hast du eigentlich Angst vor dem Tod ?” Da blieb er stehen und sah mich etwas verwundert an, als ob ich eine dumme Frage gestellt hätte – auch wenn mir sie für einen fast 100-jährigen ziemlich naheliegend schien – und sagte: “Mathias, schau dich doch mal um, die Wiese, die Büsche, die Blumen, die Bienen, die wunderbare Landschaft – ich bin doch ein Teil von ihr. Und ich werde es immer bleiben. Es gibt doch auf der Erde gar kein Ende. Es gibt nur Transformation.” Das war Albert wie er leibte und lebte – und für mich einmal mehr eine Lektion von diesem großen Weisen unserer Zivilisation, die ich nie vergessen werde. Und es ist keine Frage, dass diese Art seines Denkens, seiner tiefen Verbundenheit mit der Natur und mit allem was lebt, mit seiner Entdeckung des Mutterkorn-Alkaloids und dessen bewußtseinsverändernder Wirkung zu tun hat. “Ein Tropfen verändert alles” – das ist der Untertitel des Dokumentarfilms von Martin Witz, der heute abend um 21.45 Uhr auf 3 Sat gezeigt wird. Und denn ich nur allerwärmstens empfehlen kann. Es gibt  wohl kaum eine Substanz, über die soviel Horrorpropaganda verbreitet wird wie LSD – und in aller Regel kommt diese von Leuten, die keinerlei Erfahrung damit haben und nur nachplappern, was ihnen andere Blinde über Farben erzählt haben. In diesem Film aber kommen solche Pseudo-Experten nicht zu Wort – sondern neben Albert Hofmann selbst auch viele andere, die fundiert und sachlich über die Gefahren und über das unglaubliche Wunder der LSD-Erfahrung aufklären. Wer den Film schon im Kino gesehen hat – hier mein Posting zum Filmstart – , sollte ihn ruhig nochmals anschauen, für alle anderen heute abend Pflichtprogramm: The Substance.

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Lügen – Grundnahrungsmittel der Medien

Es gibt ja immer noch eine Menge Menschen, die die offizielle Legende der 9/11-Anschläge für die historische Wahrheit halten. Das kann man ihnen nicht verübeln, denn die Geschichte von Osama und den “Hijackern”, denen es mit 19 Teppichmessern gelang, die US-Luftabwehr zwei Stunden lang am Boden zu halten und mit zwei Flugzeugen drei Wolkenkratzer zu pulverisieren, wurde (und wird) über nahezu sämtliche Medienkanäle seit 12 Jahren massiv verbreitet. Zweifel daran werden als gefährliche “Verschwörungstheorie” diskriminiert – und wer sie äußert, muß damit rechnen, zum Außenseiter, Spinner, Verrückten abgestempelt zu werden. Selbst wenn er oder sie diese Zweifel nicht aus Dummheit oder Böswilligkeit äußert, sondern sie aufgrund rationaler und logischer Betrachtung gewonnen hat. In meinen Büchern zum Thema habe ich mehrfach behauptet, dass jeder, der sich nur ein, zwei Stunden mit den offenen Fragen und den Ungereimtheiten des Falls beschäftigt,  zu dem Schluß kommen muß, dass die offizielle Version der Ereignisse eine Lüge ist. Wer nicht lesen will kann sich in derselben Zeit auch die Statements von 40 Experten anhören. Oder sich kurz in diesem Video anschauen, dass selbst die Mitglieder der 9/11-Untersuchungskommission wissen, dass ihr Abschlußbericht nicht der Wahrheit entspricht.

Unterdessen schreibt Seymour Hersh, einer der letzten US-Journalisten, die diese Berufsbezeichnung noch verdienen, an einem Buch, in dem er u.a. belegen wird, dass an der Story über die Ergreifung und Erschießung Osama  Bin Ladens “kein Wort wahr ist”.  Zudem fordert Hersh, dass 90% aller Redakteure entlassen werden müssten, weil sie schlicht ihrem Job nicht mehr nachkommen, nur noch Wasserträger für die Mächtigen sind oder irrelevanten Bullshit verzapfen,  –  und sagt über die Obama-Regierung und die Medien: “Lügen ist ihr Grundnahrungsmittel”. Solange das 9/11-Märchen weiter als Realität verkauft wird, bleibt diese Diät an der Tagesordnung.

 

Mutti allein zu Haus

Dass Merkel weiter regiert war ja zu erwarten, aber wie, das wird nach der bravourösen Abwahl der FDP jetzt interessant. Die Grünen werden nicht so dumm sein und in die FDP-Rolle schlüpfen, denn dann geht es ihnen wie soeben den Liberalen und sie fliegen beim nächsten Mal aus dem Bundestag. Die SPD ziert sich zwar und behauptete den ganzen Wahlabend lang, dass der Ball jetzt bei Frau Merkel und der CDU liegt – letztlich aber sind es die Sozialdemokraten, die sich bewegen müssen. Entweder in eine große Koalition, oder in Richtung der Linken zu Rot-Rot-Grün. Rein rechnerisch ist Letzteres ja sowohl im Bund als auch in Hessen möglich und spätestens 2017 wird die alberne Auschliesseritis der SPD ohnehin obsolet, aber wie wir unsere Sozis kennen, werden sie sich jetzt noch Mal unter Muttis Hosenanzug flüchten und nach ein bißchen Rumgezicke den braven Juniorpartner spielen. Dabei wäre es doch zu schön, wenn man Mutti mit der knapp verfehlten absoluten Mehrheit jetzt die Gefolgschaft verweigern und sie allein im Regen stehen lassen würde. Indem man ihr bei der Kanzlerwahl ein paar Stimmen abgibt und sie in eine Minderheitsregierung schickt – und währenddessen an einem Kompromiss strickt, der für Sozis,  Linke und Grüne akzeptabel ist. Denn schließlich hat eine Mehrheit des Wahlvolks NICHT eine Merkelregierung gewählt, sondern Rot-Rot-Grün…