Die dunkle Seite von Wikipedia

(mit Update) Als Online-Nachschlagewerk ist Wikipedia mittlerweile eine Insitituion, die für Online-Recherchen unverzichtbar und wenn es um (natur-)wissenschaftliche Fakten geht in der Qualität gedruckten Enzyklopädien durchaus ebenbürtig ist . Anders sieht es bei politischen und historischen Ereignissen wie etwa 9/11 aus, bei denen die Qualität ebenso wie die Neutralität der Wikipedia-Artikel oft zu wünschen übrig lassen. Warum das so ist, wie der Spin solcher Artikel geschaffen und welche Hierarchien innerhalb der Wikipedia diesen Spin beeinflussen, zeigen Markus Fiedler und Frank-Michael Speer in ihrer Dokumentation “Die dunkle Seite von Wikipedia” – an einem exemplarischen Beispiel, dem Eintrag über den Schweizer Historiker Daniele Ganser. Dieser ist mit Untersuchungen über die Geheimarmeen der NATO hervorgetreten und hat auch die Unstimmigkeiten der offiziellen 9/11-Geschichte und die darauf basierenden Verschwörungstheorien wissenschaftlich erforscht. Dass ihm diese Forschungen in der Wikipedia das Etikett “Verschwörungstheoretiker” eingebracht haben, obwohl er selbst keine solche Theorien verbreitet, sondern dem Wahrheitsgehalt der ihnen zugrunde liegenden Behauptungen nachgeht, kann ich sehr gut nachvollziehen, weil es mir mit meinen Arbeiten zu 9/11 nicht anders erging. Gegen den negativen Spin als “Vertreter von Verschöwungstheorien” in dem  deutschen Wikipedia-Eintrag über mich habe ich nie etwas unternommen (und die Diskussion über meine Aufnahme in die US-Version 2006 eher amüsiert zur Kenntnis genommen), Daniele Ganser aber wollte seine wissenschaftliche Reputation nicht durch diese Diffamierungsvokabel verunstaltet sehen – und versuchte, sie zu korrigieren. Aber er hatte die Rechnung ohne die dunkle Seite dieser vermeintlich freien und offenen Enzyklopädie gemacht…

Update: Gegen einen Vortrag Gansers an der Uni Witten-Herdecke protestiert ein “Bündnis gegen Verschwörungswahn”, getragen von Wittener SPD und Jusos, Wittener Bündnis90/Die Grünen und sogar der ehemals zensurkritischen Piratenpartei NRW. Als Grund für diese Hexenjagd  führen die durchgeknallten Sozis, Grünen und Piraten keine inhaltliche Argumente an, sondern Auftritte und Interviews Ganser in der “Verschwörungstheoretiker-Szene”. Die Uni-Leitung hat sich ebenso wie die Wittener Junge Union und die FDP von diesen Zensurforderungen klar distanziert. Welcher Wahn die linksalternativen Zensoren reitet bleibt mir vollstädnig unergründlich….

Patridiotismus

24.10.15 16:40-BildschirmkopieUnter Führung des ehemaligen Nachrichtenmagazins schwingt sich der investigative Journalismus unserer Qualitätsmedien derzeit zu neuen Höchstleistungen auf – mit akribischen Recherchen für den Nachweis, dass die FIFA korrupt ist und der DFB, als weltgrößter FIFA-Verband, ebenso. Wow – wer hätte das jemals geahnt ? Und welche Abgründe tun sich durch diese Enthüllungen auf, welche unfassbaren Konsequenzen drohen quasi keinen Stein mehr auf dem anderen zu lassen, wie wird unser aller Leben nach diesen abgrundtiefen Erschütterungen weiter gehen ? Die große Schland-Party 2006 war gekauft – das mus man erst mal verkraften. Mit fehlen die Worte. Ein Glück dass es noch investigativen Journalismus gibt, der solche Schandtaten  schlußendlich dann doch aufdeckt. Demnächst in diesem Enthüllungstheater: der Papst ist katholisch!

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Noch ist diesem Blog ja kein Propheten-Preis oder Forecast-Award verliehen worden, aber das kann nicht mehr lange dauern wie wir am Beispiel “Dieselgate” jetzt wieder sehen. Am 28. 9. hieß es an dieser Stelle: “Für die von diversen Konspirationisten vorgebrachte Mutmassung, dass die fiesen Amis Deutschland abstrafen wollen und deshalb VW an den Pranger stellen, gibt es keinerlei Indizien – sehr viel wahrscheinlicher ist, dass es sich um branchenüblichen, markenübergreifenden Betrug, also um organisierte Kriminalität,  handelt, und der VW-Konzern als zweitgrößter Hersteller der Welt eben nun als erster erwischt worden ist.   Auch wenn der sog. “Motor-Journalismus” notorisch korrupt ist,  sollte man schon sehr bald damit rechnen, dass auch die Abgasreinigung anderer Hersteller genauer unter die Lupe genommen wird und ähnliche Hintertüren offenbart.” Jetzt hat die “Deutsche Umwelt Hilfe” einen Opel  (eine Marke des US-Konzerns General Motors) auf den Prüfstand gestellt und – siehe da –  “Messresultate zeigen, dass das Fahrzeug sich anders verhält, wenn der Rollenprüfstand im 4- oder 2-Rad Modus betrieben wird.”  Was – höchstwahrscheinlich – für denselben Fake wie bei den VW-Dieseln spricht. Dass nach der DUH jetzt auch der lupenrein objektive Motorjournalismus unserer Qualitätsmedien diesem millionenfachen Betrug demnächst dann – langsam – auch nachgehen wird, sagen wir hier schon mal voraus….

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Dass die russische Armee im Syrienkrieg ein hoch wirksames Störungssystem einsetzt, scheint die atlantischen Truppen etwas nervös zu machen. Um die offenbar wirkungsvollen Bombardements der Russen einzuschränken erwägt man im US-Senat mittlerweile, Flüchtlinge als “menschlische Schutzschilde” einzusetzen. Während aus solchen Planspielen eher die nackte Verzweiflung spricht, mit der sich im Pentagon nach vier Jahren Bürgerkrieg die Planlosigkeit fortsetzt, mit der man z.B.  letzte Woche  Munition und Waffen für 50 Mio. Dollar über Syrien abwarf ohne zu wissen bei wem diese überhaupt landeten,  spucken die  großartigen Verbündeten Saudi-Arabien und die Emirate jetzt  große Töne und Katar – bisher nur der  Großsponsor durchgeknallter “heiliger Krieger” – droht den Russen nun mit einer eigenen Militäraktion. Womit ein weiterer Player im Krieg in Pipelinistan direkt ins Spiel käme, denn das kleine Emirat Katar ist mit Russland der Erdgas-Riese der Welt – und will (mit den Saudis und den USA) eine Pipeline ans Mittelmeer bauen. Wohingegen Assad dem Iran und den Russen, deren Blue-Stream-Pipeline schon in die Türkei führt, den Mittelmeer-Zugang zu den energiehungrigen EU-Anrainern öffnen möchte. Wegen diesen Markt,- und Machtspielen (und nicht wegen “Menschenrechten”) soll der syrische Machthaber weichen – worüber in unseren investigativen FIFA-Medien freilich wenig zu erfahren ist. Auch darüber, dass Obama höchstselbst den Irakkrieg mittlerweile als  gescheitert ansieht und weitere militärische Abenteuer in Syrien ausschließt, waren noch keine großen Schlagzeilen zu lesen.  Dass unterdessen die Zustimmungsraten für Putin auf sagenhafte  89,9 %  gestiegen sind, wird von den hiesigen Bratwurst-Journalisten vermutlich nur als weiterer Beleg für  dessen abgrundtiefe Boshaftigkeit ausgelegt.  Nichts auszudenken, wenn die russische Intervention gegen die Islamisten Erfolg hätte und eine politische Lösung in Syrien (Abgang von Assad und Neuwahlen) ermöglicht…

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“Jeder erbärmliche Tropf, der nichts in der Welt hat, darauf er stolz sein könnte, ergreift das letzte Mittel, auf die Nation, der er gerade angehört, stolz zu sein” notierte Arthur Schopenhauer  schon vor 200 Jahren, und Heinrich Heine  hielt im “Wintermärchen” fest:
“Fatal ist mir das Lumpenpack/ das, um die Herzen zu rühren/ den Patriotismus trägt zur Schau/ mit allen seinen Geschwüren.”
Diese Geschwüre bestehen nicht in der Liebe zum Eigenen – als welche gegen Patriotismus ja gar nicht einzuwenden wäre –  sondern im  Hass auf Andere, der Heimatliebe und Nationalstolz als Deckmantel für Ressentiments und Herabwürdigung dieses Anderen benutzt. Dass Deutschlands bekanntester Rechtspopulist gebürtiger Türke ist und die Hochburg des Fremdenhasses jene Region des Landes, in der am wenigsten Migranten leben, diese verkehrte Welt macht deutlich um was es bei Pegida & Co. geht: nicht um Liebe zu Deutschland und Angst vor Islamisierung, sondern um “erbärmliche Tröpfe” –  Arme, Abgehängte, Perspektivlose – die mit dem “Ausländer”, dem  “Flüchtling”, dem “Moslem” einen willkommenen Sündenbock finden.

Think For Yourself

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Als ich diesen Blog vor vielen Jahren startete und als Parole/Missionsbeschreibung/Motto die Unterzeile “Question Authority -Think For Yourself!” hinschrieb, hatte ich eigentlich vor, diesen Satz regelmäßig auszutauschen. Was dann in Vergessenheit geriet, weil mir kein passenderes Statement einfiel als diese Aufforderung, die von Tim Leary stammt. Dem einstigen „Staatsfeind Nr.1“ für den US-Präsidenten Richard Nixon, dem Hohepriester und Lehrmeister für die Gegenkultur der 1960er Jahre; dem Gejagten, Gefangenen und in Einzelhaft Gehaltenen. Er war Provokateur, Politiker und Popstar – und er war Psychologe, Philosoph und Pionier der Bewusstseinsforschung.  Für die neueste Ausgabe von Lucys Magazin habe ich über den Timothy Leary in seinen drei letzteren Eigenschaften geschrieben, über seine Zeit an der Harvard-Universität und die akademischen Schriften zu LSD und Psilocybin. Diese sind in einer sehr gut editierten Ausgabe vor kurzem erschienen ( James Penner (Hrsg.): „Timothy Leary – The Harvard Years. Early Writings on LSD and Psilocybin with Richard Alpert, Huston Smith, Ralph Metzner and others“, Park Street Press, 2014,  400 Seiten, 19,95 $ ) und ermöglichen einen Blick auf den wissenschaftlichen Forscher und mutigen Pionier Tim Leary im. Ausgelöst wurden Learys wissenschaftliche Abenteuer im Weltraum der Seele, nachdem er im Urlaub in Mexiko magische Pilze gegessen hatte, die sein Leben und seine Arbeit völlig umkrempelten: .„In diesen vier Stunden am Pool in Cuernavaca lernte ich mehr über das Bewusstsein, das Gehirn und seine Strukturen als in den fünfzehn Jahren davor als eifriger Psychologe“. Leary hatte begonnen Autoritäten zu hinterfragen und selbst zu denken – woran ich wiederum denken mußte, als mir Ben Roth von seinem Blog Door of Perception  heute dieses Bild schickte.

Lucys Magazin ist im gut sortierten Hanf,- und Hedadshop-Handel erhältlich und kann hier online bestellt werden. Mein Fazit zu dem akademischen Werk Learys dort lautet: “Von dem „wissenschaftlichen“ Leary sollte sich niemand schrecken lassen, denn auch schon aus diesen frühen akademischen Schriften atmet der Geist und die grundlegenden Prinzipen, die seine Existenz geleitet haben. In seinem nach seinem Tod 1996 erschienen „Totenbuch“ hat er es so formuliert: “Bewahren Sie Ihren Humor. Befolgen Sie die Gesetze der Leichtfertigkeit. Denken Sie. Stellen Sie Autorität in Frage. Feiern Sie das Chaotische. An Erkenntnis und Verständnis gewinnen ist ein Mannschaftssport. Sei es Leben oder Sterben… tun Sie´s immer mit Freuden.”

Frisch aus dem Archiv: Das Stahlgewitter-Syndrom

In einem Aufsatz unter dem Titel “Der letzte Deutsche” hatte der Dichter Botho Strauß letzte Woche im “Spiegel” über die „Einwanderung der Entwurzelten“ bekundet: „Ich möchte lieber in einem aussterbenden Volk leben als in einem, das aus vorwiegend ökonomisch-demografischen Spekulationen mit fremden Völkern aufgemischt, verjüngt wird, einem vitalen.“ – und damit einen kleinen Empörungssturm im Feuilleton provoziert – wie man u.a. hier, hier und hier verfolgen kann. Ich fand den Text nicht als besonderen Aufreger, weil sich Strauß als intellektuelle Kapazität  bei mir schon seit langem disqualifiziert hatte, und als ich überlegte seit wann, fand ich im  Archiv diesen Artikel – erschienen am  15.08.1995 in der taz kurz vor dem Bosnien-Krieg.  Und nach 20 Jahren durchaus wieder aktuell, nicht nur wegen der Schlusspointe…

Seit Joschka mit seinem Filius für die Schluchten des Balkan schon den Nahkampf trainiert – oder doch nur „Mortal Combat“ auf dem Computer? -, egal, seit jedenfalls der Grünenhäuptling für den Kriegspfad trommelt, hat sich die Wertedebatte im grün-alternativen Lager erhitzt. Der alte Fundi- Realo-Konflikt ist, diesesmal als Streit zwischen Pazifisten und Bellizisten, wieder da, und er ist zugespitzter denn je.

Die Ablehnung von Militarismus und Nationalismus ist ein zentraler Grundwert der Partei und eben den stellt der Obergrüne mit seiner Forderung, zum Schutz der Schutzzonen in Bosnien zu internvenieren, in Frage. Fischer setzt mit seinem Papier auch ein Ausrufezeichen hinter die unlängst in dieser Zeitung geäußerte These, daß vom Interventions- und Draufschlagfieber, einer Art Stahlgewitter-Syndrom, wohl vor allem ehemalige Vertreter der antiautoritären Linken um die 50 befallen werden. Ob Joschka und Dany, Peter Schneider oder Botho Strauß mittlerweile morgens um fünf Ernst-Jünger-mäßig ein eiskaltes Bad nehmen, wissen wir nicht, ihre Rufe nach Mobilmachung und “Blutopfern” tönen aber fast schon so ähnlich.

Auch in Frankreich hungerstreiken Intellektuelle dem Kampfeinsatz der Fremdenlegion in Bosnien entgegen, und selbst das Simulationsschlachtroß Jean Baudrillard rasselt auf die alten Tage plötzlich mit dem Säbel. Daß es nicht Militärexperten, Generäle oder Friedensforscher sind, sondern Schreibtischakteure und -artisten, die am heftigsten Militäreinsätze fordern, mag noch verständlich sein – aus der sicheren Deckung des Schreibtisches ließ es sich schon immer am stürmischsten zum Angriff blasen -, daß es aber ausgerechnet ehemalige Antiautoritäre sind, die panisch nach der ultimativen Autorität rufen, wundert dann doch. Sind’s einfach nur die Hormone (der Bauchansatz, die Glatze), ist’s der Utopieverlust (der Machtzuwachs, die Angst), die Männerphantasien derart umpolen? Dr. Theweleit – übernehmen Sie!

Der Philsoph Sun Zi (zirka 500  v. Chr.), der wegen seines Buches “Die Kunst des Krieges” zum (äußerst erfolgreichen) obersten General des Königreichs Wu ernannt wurde, schrieb: “Siegen und Kämpfen ist nicht die größte Leistung. Die größte Leistung besteht darin, den Widerstand des Feinds ohne einen Kampf zu brechen. (…) Wenn du den Feind und dich selbst kennst, brauchst du den Ausgang von hundert Schlachten nicht zu fürchten. Wenn du dich selbst kennst, doch nicht den Feind, wirst du für jeden Sieg, den du erringst, eine Niederlage erleiden. Wenn du weder den Feind noch dich selbst kennst, wirst du in jeder Schlacht unterliegen.”

Welche der drei Optionen trifft auf die aktuelle Lage in Bosnien zu? Ich fürchte, es ist nur die dritte, denn wer ist der Feind, der mordet und zerstört, und wer sind wir, als Teil der Vereinten Nationen, die dort täglich versagen? Solange im olivgrünen Wahlkampfzelt darüber noch gegrübelt wird, wäre als außenpolitisches Signal vielleicht die Forderung angebracht, die deutschen Grenzen umstandslos für alle Flüchtlinge und Deserteure zu öffnen. Für den zweitgrößten Waffendealer der Welt wäre eine solche Geste im Rahmen der Produkthaftung mehr als angemessen.

TTIP Nein Danke!

Seyfried-TTIP(Mit Update) Dass es sich in Sachen Dieselgate nicht um eine Anti-VW-Verschwörung, sondern nur um die erste Aufdeckung “eines branchenüblichen, markenübergreifenden Betrug, also um organisierte Kriminalität,  handelt, und der VW-Konzern als zweitgrößter Hersteller der Welt eben nun als erster erwischt worden ist”, hatten wir hier schon angemerkt. Jetzt berichtet der Guardian, dass auch Mercedes-Benz, Honda, Mazda and Mitsubishi im Normalbetrieb deutlich mehr Schadsstoffe emitieren als bei den offiziellen Tests.

Ebenfalls schon Thema in diesem Blog war die von der Otto-Brenner-Stiftung veröffentlichte “Querfront”-Studie, zu der ich Ende August schrieb: “Einmal mehr wird in dieser “Studie” um das Tabu “Verschwörungstheorie” alles Mögliche und Unmögliche zusammengerührt, um mit diesem Brei aus Esoterik, Mumpitz, Nationalismus und der unvermeidlichen Prise “Antisemitismus” alles zu kotaminieren, was dort dann hineingestreut wird.”   Die mißratene und mittlerweile zurückgezogene Studie wird heute in einem Artikel der “Neuen Zürcher Zeitung” wieder aufgegriffen, der sich an einer Analyse des digitalen Untergrunds versucht, die ein wenig differenzierter geraten ist. Statt alles in einen Topf rühren, legt der Autor Markus Linden zwar ein paar verschiedene an, kommt jedoch auch  dabei ohne die  kontaminierende Zugabe “verschwörungstheoretischer” Gewürze  nicht aus. Wo diese partout  nicht vorhanden sind, werden sie dann im Subtext einfach insinuiert, indem z.B. dem Historiker Daniele Ganser vorgeworfen wird “ein Meister des Subtextes” zu sein, “der es rhetorisch brillant versteht, gerade keine geschlossene Verschwörungstheorie zu präsentieren.” Unserem Buch “Wir sind die Guten” wird bescheinigt, sich “faktenorientierter Kritik” zu befleissigen, um es dann aber sogleich mit Ulfkotte zusammenzurühren, der das Gegenteil tut. Und so geht auch dieser Analyseversuch in die Hose, weil er einmal mehr ignoriert, dass der akute Zustand des Journalismus seine Kritiker und Gegner in Permanenz selbst produziert. Weil  eben  auch “faktenorientierte Kritik” – etwa an der offiziellen Version von 9/11, oder an den offiziellen Kriegsgründen in Afghanistan, Irak oder Syrien, oder an dem US-gesponsorten Oligarchenwechsel in der Ukraine, oder an der Totalüberwachung durch NSA, CIA & Co. – im Pseudo-Pluralismus des Medienmainstreams schlicht keinen Platz hat. Und wenn in dem betäubenden Talkshow-Gedröhne mal einer kurz realen Klartext redet und wie der Sänger Herbert Grönemeyer die Herren Bush und Blair als das bezeichnet was sie nach Lage der Fakten eindeutig sind – Kriegsverbrecher ! – muss ihm umgehnd der Mund verboten werden.

Nicht den Mund verbieten lassen sich die über 50.000 heute in Berlin Demostrierenden, denen ich mich gleich noch anschliesse, um das unsägliche, undemokratische, betrügerische TTIP-Abkommen zu verhindern. Dass Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel heute ganzseitige Anzeigen schaltet um den Zeitungslesern zu versichern, dass dort alles mit rechten Dingen zugeht, spricht ja allein schon Bände. Und wenn man liest, was natürlich nicht die Politik, nicht die “Qualitätsmedien”, sondern Wikileaks veröffenlicht, nämlich die geheimen TTP-Vereinbarungen zu geistigem Eigentum (intellectual property), dann wird klar, warum dies angeblich so vorteilhaften Verträge so strikt geheim gehalten werden: sie sind genau so undemokratisch und betrügerisch wie befürchtet.  Und stehen damit ganz in der Tradition nicht von allen aber von zahlrreichen Freihandels-Abkommen in der  Geschichte des kapitalistischen Weltmarkts.

 

Update (16.00):

10.10.15 15:51-Bildschirmkopie

So etwas gab es zuletzt bei der Loveparade, laut Veranstalter 250.000 Teilnehmer/innen. Wenn man den Kommentatoren des ehemaligen Narichtenmagazins folgt, handelt es sich dabei allerdings um Verrückte, die “Schauermärchen vom rechten Rand” und einer Kampagne folgen die auf “braunem Mist” gewachsen ist.  Alles Nazis quasi… womit wir wieder, siehe “Querfront” oben, bei der klassischen Kontaminierung qua Kontaktschuld sind: wenn ein paar rechte Pegidisten TTIP ablehnen, kann man auch den ganzen Rest der Demo dem braunen Sumpf zuschlagen.  Im Übrigen klärt uns eine SpOn-Propagandistin dann noch auf, dass Geheimverhandlungen normal sind und es “ganz OK ist, dass nicht jeder Bürger daran beteiligt sein muss.”  Na dann brauchen wir uns ja keine Sorgen zu machen: Onkel Sam und seine Top-Schurnalisten werden das Schiffchen von der Transatlantikbrücke schon schaukeln, und diese Viertelmillion Krypto-Nazis sind einfach nur crazy…

Nach Maßgabe der Möglichkeiten

Nachdem wir hier schon vor einiger Zeit  kurz vorgerechnet hatten, dass  ein Flüchtling auf 107 Einwohner ja nicht allzuviel ist und die sterbenden Städte, Dörfer und Regionen in Brandenburg, Meck-Pomm und anderswo durchaus wiederbelebt werden können wie es einst der Alte Fritz mit den Hugenotten vorexerzierte. Auch Thomas Fischer, seit einiger Zeit  mein Lieblingskolumnist, hat die Rechnung jetzt nochmal aufgemacht und entscheidend erweitert… was man ja wohl noch mal sagen dürfen können muss:

“Aus diesen und aus vielen anderen Gründen musste jetzt endlich einmal gesagt werden dürfen: Wenn alle armen Menschen dieser Welt (so die Staatskanzlei Bayern) oder alle Kriegsflüchtlinge dieser Welt (so Prof. Winkler) gleichzeitig zu uns (gemeint: Deutschland in den Grenzen von 1990) kämen, könnte es eng werden. Mein lieber Herr Professor! Das ist ja eine Zeitenwende der Erkenntnis! Darüber haben wir ja – außer 1975, 1983, 1992, 1998 und 2003 – praktisch noch nie nachgedacht! Lassen Sie uns überlegen: 360.000 Quadratkilometer für 82 Millionen angebliche Deutsche macht 4.300 m² pro deutschen Menschen (220 pro km²). Kämen nun, sagen wir mal 60 Millionen dazu (derzeit geschätzte Zahl der Kriegsflüchtlinge auf der Welt), blieben für jeden gerade einmal noch 2.600 m², die Dichte stiege auf 360 pro km² an. Das entspricht ziemlich genau der Bevölkerungsdichte von Israel (370), Indien (370) oder Japan (340) und liegt zwischen den Niederlanden (400) und Belgien (350). In Bangladesch (1070) gilt das als gähnende Leere; auch in Südkorea (520) ist’s ein bisschen enger. Trotzdem – und auch dies muss man einmal sagen dürfen: Die schaffen das”

Nicht nur  weil Fischer in der Folge Heinrich August Winkler,  den “Chefinterpret der deutschen Geschichte” und dessen Ansinnen Asyl nur noch  nach “Maßgabe der Möglichkeiten” zu gewähren, gnadenlos zerpflückt sind alle 5 Teile dieses Artikels unbedingt lesenswert.

Mein Lieblingsbuch

05.10.15 22:10-Bildschirmkopie

Mein Lieblingsbuch, 1998 erstmals erschienen, ist jetzt wieder als eBook erhältlich. Die freundlichen Versandhändler bieten hier eine kleine Vorschau auf das Werk, in dessen Einleitung es heißt:

»Wunder geschehen nicht im Gegensatz zur Natur, sondern im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen«, verkündete der Kirchenlehrer Augustinus im 5. Jahrhundert. Seitdem hat sich diese Erkenntnis vielfach bestätigt. Ein Mensch der Frühzeit, der mit den technischen oder medizinischen Errungenschaften unserer Tage konfrontiert worden wäre, hätte wohl kaum eine andere Auffassung von Flugzeugen, Fernsehern oder Röntgengeräten gewinnen können, als dass es sich dabei um übernatürliche Wunder handelt. Doch nicht anders als wir heute das Unwissen und die Naivität vergangener Epochen belächeln, werden die Historiker der Zukunft dereinst auf unsere Zeit zurückblicken. Dass sich der Wissensschatz der Menschheit in den vergangenen Jahrzehnten vervielfacht hat und moderne Forschungsmethoden sowohl bei der Durchdringung des Allerkleinsten als auch der unendlichen Weiten des Universums große Erkenntnisfortschritte gebracht haben, hat nichts daran geändert, dass bis heute fundamentale Bereiche der Natur im Dunkeln liegen.

Den Biologen ist es zwar gelungen, die Gen-Bausteine der Organismen zu identifizieren, doch auf die entscheidende Frage »Was ist Leben?« haben sie noch keine Antwort gefunden; den Physikern gerannen die immer kleineren Materie-Teilchen, deren geheimnisvolles Wechselspiel sie beobachteten, zu einer unfassbaren »Wahrscheinlichkeitswolke«; und die meisten Kosmologen geben offen zu, dass zu einem Urknall ein Knallgesetz gehört, dass also am Anfang des Universums eigentlich nicht der Urknall gestanden haben kann, sondern die physikalischen Gesetze, nach denen der Knall abläuft. Trotz allen Erkenntniszuwachses scheint ein allwissendes Physiklehrbuch als Anfang aller Dinge von jenem mysteriösen Schöpfergott, dem Augustinus die Sache noch zuschrieb, nicht allzu weit entfernt. Auch wenn Forscher wie der Astrophysiker Stephan Hawking die bevorstehende Entdeckung der alles erklärenden Weltformel so tollkühn annoncieren wie die Adepten früher Zeiten den quasi auf der Hand liegenden Stein der Weisen – von einem durchdringenden Verständnis des Universums, der Materie und des Lebens kann auch mit dem Anbruch des 21. Jahrhunderts keine Rede sein. Und so ereignet sich auch in unseren Tagen noch vieles im Gegensatz zu dem, was wir von der Natur wissen, beziehungsweise im Gegensatz zu dem, was die Wissenschaft als Naturtatsache gelten lässt.

Dieses Buch stellt neue Denkansätze, Hypothesen, Theorien aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen vor, die das etablierte Naturverständnis überschreiten. Es berichtet über ihre Forschungsergebnisse und Diskussionen – darunter Kosmologie, Biologie, Geologie, Quantenphysik, Evolutionsgeschichte, Katastrophentheorie und Bewusstseinsforschung – die in den vergangenen 25 bis 30 Jahren in ihren Fachbereichen für Aufsehen und Umwälzungen sorgten. Aufregend sind dabei aber nicht allein diese Forschungsergebnisse, es sind vor allem die neuen Verbindungslinien, die sich dadurch ergeben und die eine erweiterte Perspektive unseres Naturverständnisses eröffnen. (…)

Krieg in Pipelinistan

23.06.14 17:05-Bildschirmkopie

Weil der Kollege Fefe fast nur im Internet und kaum Bücher liest, stellt er  erst jetzt fest, dass in “Wir sind die Guten” auch etwas über den Hintergrund des Syrien-Konflikt steht. Nämlich über den  Krieg in Pipelinistan, in dem sich auf der einen Seite Assad, Russland und Iran und auf der anderen Katar, Saudi-Arabien und die USA gegenüberstehen. Unten zitiere ich mal einen kurzen Abschnitt dazu, denn auch für Nicht-Buch-Leser ist dieser Hintergrund interessant, zumal Russland jetzt in Syrien ebenfalls militiärisch eingreift.

Dass die ersten Berichte über die zivilen Opfer der russischen Luftschläge schon erschienen, bevor die Bomber überhaupt in der Luft waren, passt zu der desinformierenden Art und Weise der gängigen Berichterstattung über den Konflikt. Beim durchscannen der Artikel dazu war immer wieder zu lesen, dass die Russen die falschen, nämlich die von der CIA gesponsorten “moderaten” Terroristen getroffen hätten. Und nicht den IS – der freilich ebenfalls CIA-gesponsort ist, und zwar  von “Exon”-John McCain persönlich, welcher jetzt logischerweise zu den ersten gehörte, der die russischen Luftschläge scharf verurteilte.

 “Schon seit 2010 in Betrieb ist die russische Pipeline Blue Stream, die Gas durch das Schwarze Meer in die Türkei befördert und die Russland mit Blue Stream 2 verlängern möchte – nach Syrien. Dass sich Syriens Diktator Assad auf dieses Angebot eingelassen hat und das Angebot einer von den USA und der EU projektierten Pipeline, die Erdgas aus Katar durch Jordanien und Syrien ans türkische Mittelmeer befördern soll, ablehnte, ist vermutlich der eigentliche Grund für den vom Westen massiv propagierten Regimewechsel in Damaskus sowie für die Tatsache, dass Katar und Saudi-Arabien die Rebellen im syrischen Bürgerkrieg finanzieren und mit Al-Qaida-Söldnern unterstützen. Es geht dabei nicht um Demokratie oder Menschenrechte, sondern um das Milliardengeschäft mit den energiehungrigen europäischen Anrainern des Mittelmeers. Diesem Geschäft ist Assad im Weg und will zudem nicht nur russischem Erdgas Zugang zum Mittelmeer verschaffen, sondern hat auch mit dem Iran einen milliardenschweren Lieferungsvertrag geschlossen. Das – und nicht die unzweifelhaften Diktatur des Herrschers Assad – ist der Grund für den vom Westen mit Geld aus Katar und Saudi-Arabien geförderten Bürgerkrieg in Syrien und für die Unterstützung, die Assad in diesem Konflikt durch Russland erfährt. Es ist das große Spiel um Ressourcen und Marktzugänge – und hier gelten der Doppelstandard und die Gesetze des Dschungels: Täuschung, präemptive Attacken, Krieg.
Im August 2013 standen die Truppen der USA, Englands und Frankreich kurz davor, mit Bombardements in den syrischen Konflikt einzugreifen, weil nach mehreren Giftgaseinsätzen, die der Assad-Regierung zugeschrieben wurden, laut Präsident Obama eine »rote Linie« überschritten war. Nachdem am 21. August in der Stadt Ghuta erneut mehrere hundert Zivilisten durch den Einsatz chemischer Waffen ums Leben gekommen waren, legte Präsident Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September fest, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französische Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Damaskus gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI 6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen ließ – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI 6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: »Wir wurden reingelegt!« Wie dies geschah, deckte Seymour Hersh in zwei investigativen Reportagen einige Monate später auf: Als eine klassische »False-Flag-Operation« hatten die »Rebellen« selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten »Rattenlinie« zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden, was Russland verhinderte und danach einen Deal mit Assad aushandelte, sämtliche syrischen Chemiewaffen zu vernichten.
Wer nun glaubt, dass das Auffliegen der Geschichte und die Beweise, dass nicht der »Schlächter« Assad gegen sein eigenes Volk einschließlich Kindern mit Chemiewaffen vor- ging, sondern die vom Westen eingeschleusten Söldner der Al-Nusra-Front, zu einem Ende des verdeckten Kriegs in Syrien geführt haben, irrt. Die »rote Linie«, die gesetzt wurde, gilt nach dem doppelten Standard eben nur für eine Seite: Wir, die Guten, dürfen so etwas, weil wir für »Freiheit« und »Menschenrechte« unterwegs sind, weil wir »Diktatoren« beseitigen und den »Terror« bekämpfen. Und wenn unsere Helfershelfer dabei auch mal Giftgas einsetzen und einen Massenmord unter falscher Flagge veranstalten, ist das kein Grund, sich von ihnen zu trennen: Es geht um Größeres, um das große Spiel, in dem jedes Mittel erlaubt ist und in dem »wir« immer die Guten sind. (Bröckers/Schreyer: Wir sind die Guten, Frankfurt 2014, S. 58 ff.)

 

Ein ausführlicher Report über die aktuelle militärische Lage ist heute auf Telepolis erschienen: “Terrorismusbekämpfung zwischen Kuhhandel und Blockkonfrontation”