Betr.: John S. Cooper

OK, der “Spiegel” hat uns enttarnt – aber was soll man machen ? Wenn zwei Autoren wegen einer Dokumentation über 9/11 zusammenstoßen, nach Durchsicht der Fakten feststellen, dass man darüber eigentlich nur noch einen Thriller schreiben kann, und zwar am besten einen amerikanischen –   fast, dark, hard-boiled – ; und dass man angesichts der haarsträubenden Fakten nicht viel Phantasie braucht um einen überzeugenden Plot finden. Wenn sich  dann beim Pingpong des ersten Brainstormings  gleich eine spannende Storyline abzeichnet – fiktiv, aber weitaus realistischer als das als  Realität verkaufte Osama-Märchen – und  sich beim Erstellen eines Exposés und der ersten Probekapitel heraustellt, dass das Pingpong nicht nur bei den Ideen, sondern auch in Stil und Schreibe prima funktioniert und die Lektüre bei einigen Verlagen auf großes Interesse stößt, dann muß man dieses Buch eigentlich schreiben.

Blieb nur noch das Problem, dass die Typen, die amerikanische Thriller schreiben, James Ellroy heißen oder John Grisham oder Stephen King, aber nicht Sven Böttcher & Mathias Bröckers, aber das beschlossen wir  zu vertagen Continue reading →

Der Taliban-Hauptmann von Köpenick

Dass Frieden in Afghanistan und ein Abzug der NATO-Truppen nur möglich sei, wenn man mit den aufständischen Taliban verhandelt – diese “moderate” Position war in der Vergangenheit häufig zu hören. Dass der Talibanführer Mullah Omar derlei Gespräche stets abgelehnt hat und weiter auf Zermürbungskrieg setzt, hat die afghanische Regierung und ihre Unterhändler nicht davon abgehalten solche Gespräche zu suchen – und  Verhandlungen mit der angeblichen Nr 2 der Taliban, Akthar Mohammad Mansour, zu führen. Doch wie sich jetzt herausstellt, war dieser Vize-Taliban eine ebensolche Fiktion wie “Nr. 2 von Al Qaida”, die alle Nase lang unter anderem Namen durch die westlichen Medien rauschen bzw. von einer Drohne zielgenau eliminiert werden:Continue reading →

Church Of Fear

Markus Klöckner zeigt in einem analytischen Artikel sehr schön auf, wie die Prediger der Church of Fear auf die Pappkartonbombe in Namibia reagierten – nicht die Angst,- und Scharfmacher von BILD & Co., sondern Blätter wie Süddeutsche, Handelsblatt oder Stern. Sogenannte seriöse Zeitungen, doch auch hier wird mittlerweile mit  alarmistischer Hysterie  der Horror des Terrors beschworen. Dabei ist seit langem bekannt, dass  es für die Innere Sicherheit weit Gefährlicheres gibt als Terror: der Horror der Haushaltsleiter. Continue reading →

Reichstagsbrand reloaded

Uuuuhhh…schlotter…zitter, ich glaub ich geh jetzt nicht mehr aus dem Haus:

“Es wäre ein Sturmangriff auf das Herz der Demokratie: Islamisten planen nach SPIEGEL-Informationen angeblich einen Anschlag auf den Reichstag. Dabei sollen Geiseln genommen und möglichst viele Menschen getötet werden. Die ersten mutmaßlichen Terroristen sollen bereits in Berlin sein.”

Auch wenn man dem ehemaligen Nachrichtenmagazin in Sachen Verschwörungen nur soweit traut, wie man seine Waschmaschine werfen kann –  der  “Spiegel” vertritt ja nicht nur beim Kennedymord gegen jede (mittlerweile regierungsamtliche) Evidenz weiterhin die wirre Verschwörungstheorie des “kommunistischen” Einzeltäters Lee Harvey Oswald, auch in Sachen Reichtagsbrand hält das ehemalige Nachrichtenmagazin sturheil an der von Goebbels & Co. in die Welt gesetzten und lange widerlegten Verschwörungstheorie vom “anarchistischen” Einzeltäter van der Lubbe fest – aber jetzt scheint es ja wirklich ernst zu sein: die Islamisten planen einen “Sturmangriff”. Continue reading →

Die Alarmismus-Skala

Uuuuh, die Wickelmützen führen mal wieder Übles im Schilde. Zwar wissen wir mal wieder nichts Genaues, aber mal ein paar Polizisten mehr auf Bahnhöfen verteilen, bewaffnet versteht sich, steigert die gefühlte Unsicherheit – und schreckt Terroristen ab. Vielleicht hat das  damit zu tun, dass den Brüdern nach einer offiziellen Terrorwarnung des Bundesinnenministers derart der Turban schlackert, dass sie das Bombenlegen lieber sein lassen. Wie auch immer, auf der nach oben offenen Alarmismus-Skala – den in Schäuble-Grad gemessenen sinnlosen Terrorwarnungen – hat Thomas de Maiziere jetzt auf Platz zwei aufgeschlossen. Mehr dazu im Blog open-taz.
Update: Berlins Innensenator Körting schlägt hier dem Faß die Krone ins Gesicht:

„Wenn wir in der Nachbarschaft irgendetwas wahrnehmen, dass da plötzlich drei etwas seltsam aussehende Menschen eingezogen sind, die sich nie blicken lassen oder ähnlich, und die nur Arabisch oder eine Fremdsprache sprechen, die wir nicht verstehen, dann sollte man glaube ich schon mal gucken, dass man die Behörden unterrichtet, was da los ist.“ Das gleiche gelte für stehen gelassene Koffer oder Aktentaschen.”

Neues von der Unschärfe.

“Das Atom ist kein Ding!” –  Heisenbergs Entdeckung, dass die Bahn eines Elementarteilchens erst dadurch entsteht, dass man nach ihr Ausschau hält, war schockierend. Licht erschien als im Raum ausgebreitetes Wellenphänomen, wenn es als Frequenz beobachtet wurde – beobachtete man aber konkrete Teilchen, schien Licht aus einzelnen Photonen, und nicht aus Wellen zu bestehen.  Im unbeobachteten Zustand existieren sowohl Teilchen als auch Wellen  in einer Art “Wahrscheinlichkeitswolke”, einem virtuellen Set von Möglichkeiten “zwischen Idee und Faktum” (Heisenberg), das erst im Augenblick der Beobachtung aus seinem halb-realen Dämmerzustand in eine konkrete Form springt. Plötzlich fand sich so die “objektive”, harte   Wissenschaft Physik erkenntnistheoretisch auf einer Ebene mit dem idealistischen Bischof  und Wissenschaftler Berkeley, der 1710 sein “esse est percipii” –  Sein heißt Wahrgenommen werden – verkündet hatte. Die Heisenbergsche Unschärferelation, nach der ein Beobachter  die physikalische Realität niemals ganz erkennen kann, sondern das Meßinstrument (die Wahrnehmung, das Bewußtsein) des Beobachters darüber entscheidet, welcher Zustand der Realität sich manifestiert, hat einen  ganzen Berg erkenntnistheoretischer Probleme aufgeworfen, oder besser gesagt: ins Rutschen gebracht. Denn die Physiker haben darüber ihre Grundlage verloren, den Halt in der Wirklichkeit. Sie wurden aus einem jahrtausende alten, dualistischen Denkmuster gerissen, der Annahme einer außerhalb des Bewußtseins existierenden “objektiven Realität.”Continue reading →

Das sogenannte Übernatürliche

Was das sogennannte Übernatürliche betrifft halte ich es nicht erst seit meinem gleichnamigen Buch mit der These, dass es  eigentlich nichts “Übernatürliches” gibt, sondern wir Menschen schlicht  “unternatürlich” sind. Unser Gehirn ist als Wahrnehmungs,-und Projektionsapparat nicht in der Lage, den Gesamtzusammenhang der Natur und des Kosmos zu checken. Wir wurden  auf dem Raumschiff Erde ausgesetzt und mit Gehirnen ausgestattet – ob von “Aliens” oder der “Evolution” spielt keine Rolle –  doch eine Betriebsanleitung wurde nicht mitgeliefert, weder für das Raumschiff noch für die Gehirne. Deshalb  sind wir als domestizierte Primaten munter dabei, den Planeten in Schutt und Asche zu legen und uns  gegenseitig abzuschlachten. Continue reading →

Die Enzyklopädie des Desasters

Sie schicken keine Bekennerschreiben. Sie streiten alles ab. Ihre Namen werden uns nichts sagen. Während Bürger in Stuttgart und Bauern im Wendland vor den Fernsehkameras rebellieren, pflegen die Strategen linker Militanz eine neue Unsichtbarkeit. Umso konstanter ist ihre subversive Aktion: Autos brennen, Züge werden gestoppt, Strommasten gefällt, ohne dass die Täter gefasst werden oder dass dafür auch nur eine realistische Chance bestünde.

Doch das ist erst der Anfang: „Nie war das Gefühl eines unmittelbar bevorstehenden Zusammenbruchs so lebhaft!“ So steht es in „Der kommende Aufstand“, einem französischen Buch, das dieser Tage abseits der Buchhandlungen und Bestsellerlisten stetig an Lesern und Relevanz gewinnt. Glenn Beck, der einflussreiche rechtsanarchistische amerikanische Fernsehprediger, hat schon vor Monaten eine ganze Sendung lang gegen das Werk monologisiert. An britischen und französischen Universitäten wird es als kanonischer Text studiert und besprochen.

In der Frankfuter Allgemeinen am Sonntag  war die ausführliche Rezension von Nils Minkmar schon erschienen, jetzt kann man sie auch online nachlesen: “Seid faul und militant!” Das Buch “L´insurrection qui vient” erschien 2007 in Frankreich und 2009 in englischer Übersetzung, eine deutsche Version  gibt es hier, die deutsche Fassung erschien als Buch im August 2010, Unsichtbares Kommitee: Der kommende Auftstand. :

“Nach Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde es von der französischen Regierung als einziges Beweisstück eines mittlerweile international bekannten »Terrorismusfalls« gehandelt, als ein »Handbuch des Terrorismus« und Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Tatsächlich enthält des Buch eine pointierte, situationistisch geprägte Analyse der Reaktionen von Regierungen auf die verschiedenen Unruhen und Volksaufstände in den letzten Jahren. Continue reading →

Die Legende vom sicheren Atommüll

Heute morgen ist der längste und teuerste Atommülltransport aller Zeiten in Gorleben angekommen. Fast 20.000 Polizisten waren seit Freitag im Einsatz, um die Blockaden und Demonstrationen entlang der Strecke aufzulösen, während der Protestaktionen nahm die Polizei nach eigenen Angaben 1.316 Atomkraftgegner in Gewahrsam und erteilte 306 Platzverweise. Außerdem stellte sie 117 Traktoren von protestierenden Bauern sicher. Ein Sprecher der Gewerkschaft der Polizei betonte heute morgen im Radio, dass die auf 20 Millionen Euro bezifferten Kosten für diesen Einsatz nicht den Steuerzahlern, sondern den Betreibern der Atomkraftwerke in Rechnung gestellt werden müßten. Tatsächlich könnten RWE & Co  bei ihren Milliardengewinnen derlei aus der Portokasse bezahlen. Sie via Justiz den Demonstrierenden aufzuhalsen, wie das u.a. die Springer(-stiefel)-Presse fordert, ist dagegen  reine Demagogie. Die “Zeit” unterdessen hält den Protest für irrelevant und dumm, weil CO-2-Anstieg und Klimawandel viel schlimmer seien als für Millionen Jahre strahlender Müll (  Die Atom-Lüge ) – ein Vergleich von Äpfel und Birnen bzw. Teufel und Beelzebub. Denn was die Bauern und Bürger im Wendland seit 30 Jahren antreibt, gegen Atomkraft zu demonstrieren, ist die Legende vom sicheren Zwischen,- und Endlager für den Atommüll. Ein Mythos, dessen Haltlosigkeit auch bei der umfangreichen Berichterstattung über den aktuellen Castor-Transport nicht entzaubert wurde.

Kleines Quiz für ökologisch aufgeklärte LeserInnen:  Wo werden die seit Jahrzehnten nach Gorleben gekarrten Castor-Behälter mit radiokaktivem Müll aufbewahrt ? A) In einem unterirdischen Salzstock B) In Kühlhallen neben der Straße ? Ok, ich hätte nicht gefragt, wenn A) richtig wäre. Aber hätten Sie’s gewußt ?

“Es ist kein Castor im Salzstock. Es gibt zurzeit nicht einmal ein Verfahren, wie die Castoren in 30 Jahren geöffnet werden sollen, damit der Müll in die Pollux-Behälter wandert. Dieses Verfahren wird nun in den nächsten Jahrzehnten erst entwickelt werden müssen”

Das ist kein Witz, sondern die Legende vom Salzstock