Medien im Krieg

titel-17“Vertreter der traditionellen Medien brandmarken die Kritiker als “Putinversteher” und stempeln sie allzu oft allgemein als Verschwörungstheoretiker ab. In aller Deutlichkeit geben meinungsführende Journalisten zu verstehen, dass sie das Monopol auf die legitime Deutung der gesellschaftlichen und politischen Wirklichkeit innehaben, wie es der französische Soziologe Pierre Bourdieu einmal sinngemäß in seinen Analysen des journalistischen Felds ausgedrückt hat. Der Konflikt zwischen den traditionellen Medien und ihren Rezipienten, das ist festzustellen, ist vor allem ein Kampf um die Deutungshoheit.”

In diesem Kampf stellt das Online-Magazin “Telepolis”  eine wichtige Bastion des Widerstands gegen das Meinungsmonopol der Großmedien dar, was sich schon vergangenen Krisen und Kriegen gezeigt hat und auch im Zuge der Auseinandersetzungen in und um die Ukraine wieder deutlich geworden ist. Wenn der Mainstream den Kriegsmodus einschaltet  werden  journalistische Standards ausgeschaltet – für die gute Sache, versteht sich, denn wir kämpfen ja immer nur für das Gute – oder nur noch simuliert. Wo und wie das geschieht  – und dafür gesorgt hat, dass der Graben zwischen öffentlicher und veröffentlichter Meinung selten so auseinanderklafte  wie im verganenen Jahr –  machen die gesammelten Interviews, Artikel und Analysen von Telepolis-Autoren deutlich. Sie sind jetzt, herausgegeben von Florian Rötzer,  für 4,99 Euro als eBook erschienen: “Medien im Krieg –  Krise zwischen Leitmedien und ihren Rezipienten”

Armes Europa – “South Stream” versiegt

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Im Mai 2014 waren us-amerikanische Armdrücker und IWF- “Hitmen” nach Bulgarien und Ungarn gereist, um die Regierungen zum Ausstieg aus dem Pr0jekt  der “South-Stream” – Pipeline zu zwingen.  Das hatte jetzt Erfolg – Russland hat das Ende des Projekts bekanntngegeben. In der Legende zu der Grafik über die verschiedenen Pipelineprojekte heißt es in unserem Buch :

“Die North-Stream-Pipeline liefert seit 2013 Erdgas direkt von Russland nach Deutschland durch die Ostsee. Die South-Stream-Pipeline befindet von russischer Seite im Bau und führt durch das Schwarze Meer über Bulgarien und Ungarn nach Österreich, mit einem Abzweig nach Italien. Die USA üben Druck auf die EU aus, die vertraglich vereinbarte Fertigstellung zu verhindern. Die Gazprom-Pipeline Blue Stream läuft bereits bis in die Türkei, ihre geplante Verlängerung nach Syrien und ans Mittelmeer spielt unter anderem auch für den dortigen Konflikt eine Rolle. Die Nabucco-Pipeline, von einem europäischen Konsortium unter Beteiligung der deutschen RWE projektiert, gilt seit 2013 als gestorben, weil Kasachstan seine Gasreserven an China und Russland verkauft hat. Mit der Eskalation des Russland-Konflikts machen sich die Planer aber wieder Hoffnungen. (…) Die durch das Schwarze Meer laufende (South Stream) Pipeline soll bis nach Österreich führen, ist von Russland mit den Transitstaaten vertraglich vereinbart und für den wachsenden Energiebedarf Europas ebenfalls sinnvoll. Dass die USA dagegen vorgehen und Brüssel zu ihrem Handlanger machen, liegt definitiv nicht im europäischen Interesse, sondern ist allein dem geopolitischen Ziel der einzigen Weltmacht geschuldet.”

That’s it.  “Eine persönliche Niederlage für Putin” freut sich die FAZ  –  ganz  auf dem Kindergartenniveau des transatlantischen Trendsports “Putin-Bashing”, und ohne eine Erwähnung, dass das Ende dieses Projekts eine politische Niederlage Europas bedeutet, das auf eine zuverlässige Energieversogrung angewiesen ist und deshalb schon mit der Sowjetunion und dann mit Russland seit Jahrzehnten einträglichen Öl,-und Gashandel treibt. Nach den von Washington angezettelten und durchgesetzten Sanktionen, mit denen sich die EU ins eigene Fleisch schneidet, ist das Ende von “South Stream” nun ein weiterer Schritt, mit dem sich Europa schwächt um der anglo-amerikanischen Dominanzdoktrin – Konfrontation und Kontrolle Russlands – Folge zu leisten.

Dass diese Politik nicht nur dumm, sondern auch gefährlich ist – gerade und vor allem für Europa, das 25 Jahre nach Fall der Berliner Mauer  mit den USA eine neue Mauer an der russischen Grenze hochzieht und im Falle eines Kriegs zum nuklearen Schlachtfeld zu werden droht – hat Pepe Escobar in einem aktuellen Artikel deutlich gemacht – und einen interessanten Vorschlag gemacht ( den Lars Schall dankeswerterweise gleich mal übersetzt hat), wie man dieses Problem zivilisiert lösen könnte:

Ein bescheidener Vorschlag

Der Spin in den USA ist unerbittlich gewesen; Russland expandiert zu einem Imperium des 21. Jahrhunderts.

Hier erklärt der russische Außenminister Sergej Lawrow im Detail, dass das unverdünnter Müll ist. Was tatsächlich passierte, ist, dass Moskau den Brzezinski-inspirierten Bluff in der Ukraine – mit all seinen Obertönen – geschickt durchschaute. Kein Wunder, dass das Reich des Chaos (Empire of Chaos) wütend ist.
Und doch gibt es eine Lösung, um den derzeitigen, hysterischen Sturm der Kriegslogik zu entschärfen. Hier habe ich im Detail untersucht, wie Washington russisches Roulette spielt. Jetzt ist es an der Zeit, einen bescheidenen Vorschlag vorzubringen – wie er von einigen besorgten Analysten aus den USA, Europa und Asien diskutiert wurde.
Im Wesentlichen ist es sehr einfach. Es liegt an Deutschland. Und es dreht sich alles darum, Stalin rückgängig zu machen.

Stalin nahm zu Beginn des Zweiten Weltkriegs Ostpreußen aus Deutschland heraus und zog den östlichen Teil Polens in die Ukraine. Die Ostukraine kam ursprünglich aus Russland; sie ist ein Teil von Russland und wurde von Lenin der Ukraine gegeben.

Lassen Sie uns also Ostpreußen an Deutschland zurückgeben; der östliche Teil Polens geht an Polen zurück; und der Osten der Ukraine sowie die Krim – die Chruschtschow der Ukraine gab – kehren nach Russland zurück.

Jeder bekommt seinen Anteil. Kein Stalin mehr. Keine willkürlichen Grenzen. Das ist, was die Chinesen als “Triple-Win-Situation” definieren. Natürlich würde das Empire of Chaos diese Lösung bis zum Tode bekämpfen; es gäbe kein Chaos mehr, das sich manipulieren ließe, um einen Kreuzzug gegen eine fingierte russische “Aggression” zu rechtfertigen.

Der Ball ist in der Spielhälfte Deutschlands. Jetzt liegt es an den Ostpreußen, Angela Merkel die Fakten zu präsentieren. Mal sehen, ob sie in der Lage ist, die Nachricht zu verstehen.

Von Rumorkliniken und Gerüchteküchen

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Auf Telepolis ist heute ein längeres Stück erschienen – “Von Rumorkliniken und Gerüchteküchen – Wie sich der Graben zwischen Publikum und Presse vertieft und warum aus Küchen wieder Kliniken werden müssen” – , das ganz nebenbei und schon in der Überschrift den ebenso simplen wie subversiven Lösungsvorschlag enthält, wie sich die “Zeitungskrise” doch noch zum Guten wenden könnte: durch die Einrichtung von investigativen Intensivastationen, die Tatsachen von Gerüchten, Realität und Fiktion auf  “klinische” Weise auseinanderhalten. (Foto: Life-Magazin 1942 – Rumor Clinic des “Boston Herald”).

PS: Ein  erschreckendes Beispiel wie es nicht geht  – und eine intelektuelle Bankrotterklärung – liefert der Yale-Professor und Osteuropa-Experte Timothy Snyder in diesem Vortrag über “Propaganda und Wirklichkeit” am Beispiel des Ukraine-Konflikts, wobei erstere natürlich nur die Bösen, die Russen,  betreiben – und Prof. Snyder keine Sekunde auf den Gedanken zu kommen scheint, dass das, was  er ex cathedra als  Wirklichkeit des Konflikts reklamiert nicht weniger aus Behauptungen und Gerüchten besteht als das, was die perfiden Bösen da angeblich in die Welt setzen….

Ein Putinversteher im taz Café

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Veranstaltungshinweis – heute abend im taz-Café:

„Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie uns die Medien manipulieren” von Mathias Bröckers und Paul Schreyer ist eines der meistverkauften Sachbücher dieses Herbstes.
Seit der Westen sich im Kampf mit Putins Russland um die Ukraine wähnt, werden auch in Deutschland längst vergessene Kriegsängste wieder wach. Doch worum geht es in diesem Spiel wirklich? Und welche Rolle spielen die Medien? Irritiert spüren viele Leitartikler, wie ein wachsender Teil der Leserschaft ihnen nicht mehr länger folgt. Öffentliche und veröffentlichte Meinung gehen drastisch auseinander.
Im Gespräch mit taz-Redakteur Jan Feddersen erläutert Mathias Bröckers, wie er zum „Putinversteher” wurde, warum Verstehen nicht Verehren bedeutet und die Krise in der Ukraine nicht als Schwarz-Weiß-Film dargestellt werden sollte.

Ich schwör!

weapons-of-mass-destruction-700x4374Das “Funkhaus Europa” (WDR) hat mich für seine Reihe “Ich schwöre” zu Verschwörungstheorien befragt. Eigentlich kein Thema für eine Unterhaltungssendung und für fünf Minuten – aber ich hatte davor schon einen anderen Termin im Studio und hab dann noch ein paar Minuten dran gehängt, die hier zu hören sind.

Wer sich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen will, dem sei hier nochmals der von Andreas Anton, Michael Schechtsche und Michael Walter herausgegebene Band “Konspiration – Soziologie des Verschwörungsdenkens”. Eine wissenschaftlich fundierte Auseinnandersetzung mit dem Phänomen Verschwörungstheorien scheint angesichts des inflatorischen Gebrauchs des Begriffs mehr als überfällig. Als  Instrument der Diffamierung, Ridikuliserung und Pathologisierung von Kritik ist er zur Allzweckwaffe der Verteidigung jedweder Orthodoxie geworden, zur eliminatorischen Diskurskeule Nummer Eins. Wer Skepsis und Zweifel an einer orthodoxen “Wahrheit” hat und alternative Hypothesen ins Spiel bringt, wird als  gefährlich, lächerlich oder gaga klassifiziert: Ende der Diskussion.

Waren die Hoffnungen, mit denen ich Juli 2002  im Vorwort zu “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.”  für eine kritische Konspirologie plädierte, vielleicht zu optimistisch ? :

“Dieses Buch ist eine Einladung zur Anti-Conspiracy-Conspiracy, zur Gegen-Verschwörungs-Verschwörung. Es versucht eine Einübung in den konspirologischen Blick und begreift auch die makroskopische Welt als Bündel von Wahrscheinlichkeiten, aus dem erst durch den individuellen Akt der Beobachtung (Wahr-Nehmung) Realität entsteht. Es plädiert dafür, die Konspirologie aus der Verbannung als schmutzige, unscharfe Erkenntnistheorie zu befreien und als kritische Wahrnehmungswissenschaft ernst zu nehmen. Wenn es vor einigen Jahrhunderten naiv war und als Aberglauben galt, hinter den Dingen unsichtbare Drahtzieher und Interessen anzunehmen, sollte es im vor uns liegenden Jahrhundert als naiv gelten, hinter der Wirklichkeitssimulation der Medien keine Drahtzieher und Interessen zu vermuten. (…)

Hätten sich die Medien, um ihrem verfassungsgemäßen Auftrag zu genügen, mit dem Instrumentarium einer kritischen Konspirologie, einer skeptisch-paranoiden Wahrnehmung ausgestattet, wäre der nahezu flächendeckende Ausfall eines investigativen, recherchierenden, um Objektivität bemühten Journalismus zu vermeiden gewesen. Nur weil verschwörungstheoretisches Denken als Tabu galt, dröhnte aus allen Kanälen unhinterfragt dieselbe Propaganda. Doch ich wage die These, dass sich dies nach der Erfahrung mit der Rezeption des 11.9. ändern wird und die »schmutzige« Erkenntnistheorie des Verschwörungsdenkens als Werkzeug eines »sauberen« Journalismus zunehmend unverzichtbar wird.”

Update: Die derzeit orthodoxe, offizielle Verschwörungstheorie vom Superschurken Osama Bin Putin erreicht in der sog. Qualitätspresse mittlerweile höchstes Kabarett-Niveau:  “Putins Tiger reißt fünfzehn chinesische Ziegen”.  War’s damals die “Pardon” oder die Schülerzeitung die textete “Deutscher Schäferhund leckt Sorayas Brustkrebs weg!” – es war jedenfalls Satire. Die FAZ aber meint’s mit solchen Verschwörungsheadlines ernst: selbst unschuldige Zicklein in China sind vor Vladimir dem Schrecklichen nicht mehr sicher….

“Kann Europa noch über seinen Tellerrand schauen?”

Knapp drei Monate nach Erscheinen ist nun auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen auf unser Buch aufmerksam geworden. 3Sat sendete in seinem Magazin “Kulturzeit” ein Interview mit Mathias Bröckers und fragte im Einspieler dazu kritisch an die Adresse des Westens: “Kann Europa noch über seinen Tellerrand schauen?”.

Auszug aus dem Interview:

“Wir fordern letztlich nichts anderes, als eine Rückkehr zu der Ostpolitik, die Deutschland mal sehr erfolgreich gemacht hat. Da war das Stichwort unter Willy Brandt ‘Wandel durch Annäherung’. Damals hat man versucht, mit der Sowjetunion, obwohl die Systeme konträr gegeneinander standen, zu verhandeln. Ich verstehe nicht, warum das mit Russland jetzt nicht auch möglich sein soll.”

Zum vollständigen Interview hier.

Neulich beim Feindsender

Es war schon dunkel um halb fünf und die Hausnummer hatte ich auch vergessen – aber da vorne standen zwei Sicherheitsmänner mit Bärenfellmützen, da mußte er sein, der Eingang zu „Putins Propagandakanal“ (FAZ) „rt“. Am Tor stellte ich mich vor: „Ich bin zu einem Interview eingeladen“. Der Wachmann nickt, öffnet eine kleine Tür und deutet mir an, ihm zu folgen. Gleich rechts in der Hofeinfahrt betreten wir einen kahlen Raum, in dem ein Tisch, eine Bank, zwei Stühle und ein Metalldetektor standen, wie man ihn vom Flughafen kennt. Der Wachmann legt seine Kalaschnikow auf die Bank: „Kleiner Sijcherheitscheck“, sagt er mit russischem Akzent, und zeigte auf die Plastikkiste, in die mich meinen Tascheninhalt legen sollte. Auch mein Rucksack wird akribisch untersucht, die Schuhe immerhin darf ich anbehalten und als der Detektor nicht piepst, sagt er: “Okay, folgen Sie mir.” Durch einen langen, spärlich beleuchteten Gang, vorbei an zwei weiteren Sicherheitsposten gelangen wir zu einer Metalltür, die der Wachmann mit einem Chip öffnet, mich einläßt und hinter mir schließt. “Herr Bröckers, guten Abend” sagt eine ältere Dame mit Brille und Dutt, die mir hinter ihrem Schreibtisch zunickt, “der Chefredakteur erwartet Sie schon.” Sie drückt einen Knopf, die Tür neben mir springt auf und ich trete ein. In einem Großraumbüro hätten in diesem Raum mindestens zehn Schreibtische Platz, hier aber steht nur einer, mindestens drei Meter breit. Der Stuhl dahinter ist leer, bevor ich aber die seitlich auf dem Schreibtisch stehende Büste aus hellem Gestein untersuchen kann – ist das wirklich Putin? – erheben sich aus der Sitzecke rechts neben mir mindestens drei Zentner Lebendgewicht auf mindestens zwei Meter Raumhöhe: “Ah, unser Studiogast, ich begrüße sie”. Die Hand, die mir der Chefredakteur mit breitem Grinsen entgegenstreckt, könnte mein Handy zerbröseln wie einen Spekulatiuskeks, “nehmen Sie Platz!” Auf dem Tischchen vor uns eine Flasche Wodka, zwei Gläser und ein Briefumschlag. “Das ist für Sie, wie vereinbart, 2000 Euro in bar, und noch einmal die Liste, die wir ihnen schon gemailt haben. Wie gesagt, sie können frei und locker über alles sprechen, sie haben 10 Minuten, tun Sie sich keinen Zwang an, nur die Stichworte auf der Liste sollten auf keinen Fall thematisiert werden, aber….” –  der Chefredakteur reicht mir das Kuvert und füllt die beiden Gläser –  …”zu ihrer und unserer Sichehrheit haben wir ja auch bewaffnetes Wachpersonal im Studio.” Er erhebt das halbvolle Wasserglas und grinst:  “Also – wir verstehen uns, auf gutes Gelingen. Nastrovje!”

Dass ich beschliesse, es meinem Gegenüber nicht gleich zu tun und den mindestens vierfachen Schnaps auf einen Hieb runterzukippen, ist das Letzte, an das ich mich erinnere. Schon nach dem ersten vorsichtigen Schluck wird mir schummrig. Ich höre noch die Stimme des freundlichen Kollegen, der mich vor dem “Feindsender” warnte und dem ich geantwortet hatte, dass doch  “Wehrkaftzersetzung” seit je zu meinen edelsten Zielen zählt. Dann wird alles schwarz. Ich höre nur noch ein zischendes Geräusch und bin plötzlich in einem hell erleuchteten Raum, um mich herum wuseln lauter junge Leute mit iPads, durch die offenen Bürotüren sieht man weitere vor Bildschirmen und  Reglern sitzen und ein Blick aus dem Fenster zeigt: wir sind am Potsdamer Platz mitten in Berlin. Die Redakteurin begrüßt mich, eine Assistentin bringt Mineralwasser, die Moderatorin kommt auf Heels in Bleistiftlänge zum Vorgespräch, wird über Knopf im Ohr aber erst noch zu einer Stellprobe gerufen, alle scheinen ein bißchen aufgeregt. Dann beginnt der Vorspann und während der Nachrichtenüberblick noch läuft winkt mich der Produktionsleiter auf einen Plastikhocker ins Studio:

 

 

Die Putin-Nichtversteher

Julian Augstein schreibt über die “Putin-Nichtversteher” im  “Freitag”

“Fast schon trotzig bekennen sich die Autoren Mathias Bröckers und Paul Schreyer, die jüngst das Buch Wir sind die Guten veröffentlicht haben, ausdrücklich zur Fraktion der Putin-Versteher, um der propagandistischen Diskreditierung dieses Begriffs entgegenzuwirken. Was hat es nun jedoch damit auf sich, Putin verstehen zu wollen? Bröckers und Schreyer verweisen auf den US-Sicherheitspolitiker Zbigniew Brzeziński, der bereits 1997 in seinem Buch Die einzige Weltmacht. Amerikas Strategie der Vorherrschaft die Metapher vom „eurasischen Schachbrett“ geprägt hat. Die Ukraine wurde darin zum Schlüsselstaat erklärt. Ohne dieses Land könne Russland kein Eurasisches Reich sein. Seitdem mag sich einiges verändert haben. So hat sich das Bruttoinlandsprodukt Russlands mehr als verdoppelt. Ende September bohrte der staatliche Konzern Rosneft ein gigantisches Ölreservoir in der Karasee im arktischen Ozean an, was auf weitere Ölvorkommen in der arktischen Region schließen lässt, sodass diese zu einem der wichtigsten Rohölfördergebiete der Welt werden könnte. Der Status Russlands als Energiemacht scheint sich damit weiterhin zu festigen. Und als Abnehmer stehen nicht nur die EU, sondern auch Indien oder China vor der Tür. Die Volksrepublik könnte ab 2017 mit einer eigenen Pipeline von Russland aus versorgt werden.” (Weiter gehts hier.)

Für alle Nichtversteher hier noch das Putin-Porträt einer Versteherin. Die Off-Stimme des Videos ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, was gezeigt und gesagt wird aber durchaus aufschlussreich. Genehmigt euch bei Gelegenheit mal eine Stunde zum Anschauen – zumal dieses Blog jetzt für zwei Wochen in Urlaub geht und es in dieser Zeit hier nichts Neues zu Lesen gibt.