Charlie Chaplin hatte am Mittwoch seinen 125. Geburtstag – in seinem Film “Der große Diktator” (1940) hielt er eine der ergreifendsten Reden, die je gehalten wurden. Hier der Original-Filmauschnitt in deutscher Fassung:
R.I.P. Michael C. Ruppert
Michael C.Ruppert hat sich in der Nacht zum Montag das Leben genommen – er war einer der wichtigsten Whistleblower und investigativen Autoren unserer Tage. Seine Website From The Wilderness war nach 9/11 eine der wenigen Informationsquellen, die Hintergrundinformationen lieferte und das tat, was eigentlich jeder Journalist hätte tun müssen: die Regierungsverlautbarungen zu diesem Verbrechen nicht einfach zu übernehmen, sondern sie zu hinterfragen und nach zu recherchieren. Sein Buch “Crossing The Rubicon- The Decline of the American Empire at the End of the Age of Oil” gehört zu den besten, die über 9/11 geschrieben wurden. Mike kam aus einer konservativen Familie, viele seiner Verwandten waren beim Militär oder beim Geheimdienst. Er studierte Politik und machte Karriere bei der Polizei in Los Angeles. Als er in seiner Funktion als Drogenfahnder angehalten wurde, von der CIA orchestrierte Schmuggeloperationen zu ignorieren und mit in diese Geschäfte im Namen des Staats einzusteigen, wurde er zum Whistleblower und aus dem Polizeidienst gefeuert. In einer öffentlichen Anhörung konfrontierte der 1996 den damaligen CIA-Chef John Deutch mit den Fakten, die er über die tiefe Verstrickung des Geheimdiensts in den Drogenhandel recherchiert hatte – einen Monat später wurde Deutch auf seinem Posten von George Tenet abgelöst. Und Mike Ruppert startete “aus der Wildnis” seine Webseite und einen Newsletter, die vor allem nach dem 11. Spetmeber 2001 von Millionen gelesen wurden. Ich lernte ihn 2003 kennen, als wir ihn zu einer Konferenz nach Deutschland eingeladen hatten, 2004 trafen wir uns auf der großen 9/11 Konferenz in Toronto wieder, danach kam er noch einmal nach Deutschland und besuchte u.a. Andreas von Bülow. 2006 wurden bei einem Einbruch in das “From The Wilderness” – Büro sämtliche Computer und Festplatten zerstört. 2008 fühlte er sich persönlich bedroht und wanderte zeitweilig in die wirkliche Wildniss nach Kanada aus. 2009, als ein Filmmacher über den CIA-Drogenschmuggel recherchierte und Mike Ruppert interviewen wollte, erzählte dieser viel mehr als nur diese Geschichte – so entstand die Dokumentation “Collapse”, die 2010 auf der Berlinale gezeigt wurde. Und in der Mike Ruppert den Fake des “war on drugs” und des “war on terror” in den größeren Zusammenhang von der Finanzkrise, Peak Oil und der ökologischen Katatstrophe stellt. Eine ebenso finstere wie wohl begründete Untergangsprophezeiung – die er in einer Sendung im Internet-Radio ” The Lifeboat Hour” bis zum vergangenen Sonntag fortsetzte. Nunmehr wieder aus der Wildnis, einem Tal hoch in den Rocky Mountains, wohin er sich 2012 zurückgezogen hatte. Noch ist über die genaueren Umstände seines Todes nichts bekannt, sein Freund und Anwalt Wesley T. Miller wird der Autopsie beiwohnen und berichten – und bittet bis dahin von Spekulationen abzusehen. Falls sich die Nachricht seines Freitods bestätigt, könnte man dies zynisch als typisches Ende für einen “Schwarzseher” bezeichnen, tatsächlich aber scheint mir, das Mike Ruppert nicht an den furchtbaren Fakten über die Welt zerbrochen ist, sondern eher an der Ignoranz und Diskriminierung, die ihn als durchgeknallten “9/11 Truther” und “Verschwörungstheoretiker” abstempelte. Obwohl er doch als Publizist genauso akribisch, ehrenwert und unbestechlich arbeitete, wie er zuvor als Polizist gearbeitet hatte. Dass ihm die Institutionen diese Arbeit nicht gedankt haben sollte uns umso mehr Verpflichtung sein, nicht nur sein Andenken hoch zu halten, sondern auch, die Pfade, die er in der Wildnis geschlagen hat, weiter zu verfolgen.
Die NATO-Versteher
NATO-Chef Sprecher Rasmussen hat sämtliche Mitgliedsländer aufgefordert, wegen des Beitritts der Krim zu Russland mehr in ihre “Verteidigungs”-Ausgaben zu investieren. Eine solche Aufrüstung scheint ja auch dringend nötig – im Jahr 2012 betrugen die Budgets der NATO insgesamt 990 Milliarden $, wovon 700 auf die USA entfielen. Die russischen Militärausgaben betrugen im selben Zeitraum 90 Milliarden – der Westen ist also militärisch nur 10-fach überlegen. Da muß natürlich dringend etwas geschehen, die Gefahr vom russischen Bären überrollt zu werden ist einfach riesig….uuuuaaaahh.
Wen wundert es da eigentlich noch, dass die Bevölkerung diesen Alarmismus nicht ernst nimmt, und in Putin mehrheitlich auch keine Gefahr sieht. Kann sie evtl. noch ein wenig rechnen und Kriegsspropaganda von realen Gefahren unterscheiden? Oder anders herum: sind 95 % aller Journalisten und Politiker schlicht nur irregeleitete NATO-Versteher, die der Propaganda der USA aufgesessen sind ? Wie sonst kann man dazu kommen, in diesem bis an die Zähne bewaffneten Bündnis tatsächlich eine Art Friedensbewegung zu sehen. Oder so was wie Greenpeace. Es klingt fast so, wenn man die großartige Headline des ehemaligen Nachrichtenmagazins liest: Zwischenfall im Schwarzen Meer: Russischer Kampfjet näherte sich US-Zerstörer. Als hätte Wladimir der Schreckliche schon wieder ein Schlauchboot mit braven Naturschützern angegriffen. De facto hat die russische Luftwaffe im internationalen Luftraum vor ihrer Küste ein feindliches Kriegsschiff beobachtet, was völlig normal ist. Für NATO-Versteher aber ein quasi aggressiver “Zwischenfall” , denn für sie ist völlig normal, dass US-Zerstörer im Schwarzen Meer kreuzen.
” … In der Regierung müssen wir uns in unserem Denken vor dem Eindringen von unberechtigten Einflüssen des militärisch industriellen Komplexes hüten, seien sie gewollt oder auch nicht. Die Gefahr eines unheilvollen Anwachsens unbefugter Macht existiert und wird fortdauern. Wir dürfen nicht zulassen, dass das Gewicht dieser Kombination unsere Freiheiten und demokratischen Prozesse gefährdet. Wir sollten nichts als gesichert ansehen. Nur eine wachsame und kenntnisreiche Bürgerschaft kann eine ausgeglichene Verbindung der gewaltigen industriellen und militärischen Maschinerie der Verteidigung mit unseren friedlichen Methoden und Zielen gewährleisten, so dass Sicherheit und Freiheit gemeinsam gedeihen können ….” -sprach General Dwight D. Eisenhower in seiner Abschiedesrede, bevor er sein Amt im Januar 1961 dem neuen Präsidenten John F. Kennedy übergab.
Eisenhower war ein Militär durch und durch und alles andere als ein Peacenik. Wie real der Moloch war, vor dem er warnte, sehen wir ein halbes Jahrhundert später – 700 Milliarden $ allein in Amerika müssen ihm pro Jahr zum Opfer gebracht werden, 38 Milliarden in Deutschland. Und er verlangt mehr und mehr. Und weil er immer mehr Geld und immer mehr Macht bekam, hat der Moloch des militärisch-industriellen Komplexes auch die Politik und die Medien nahezu komplett unterwandert. Und weil “Wess’ Brot ich ess, dess’ Lied ich sing” bei den domestizierten Primaten nach wie vor zu den Gen-Merkmalen zählt, wurde den NATO-Verstehern die Empathie für diese “Friedensbewegung” für Demokratie und Menschenrechte quasi mit der Muttermilch eingegeben. Weshalb die Bürgerschaft zwar nicht wirklich “kenntnisreich” ist, weil ihnen permanent ein Putin/Saddam/Osama/Taliban/Vietcong – Schurke als Bedrohung vorgeführt wird – “wachsam” aber ist sie schon noch ein bißchen. Und läßt sich von den bedauernswerten gehirngewaschenen NATO-Verstehern jedenfalls nicht im Handumdrehen verarschen….
Das Experiment
Warum die Dinge so sind wie sie sind ? Weil wir sie so sein lassen. Weil wir behaupten sie seien “alternativlos”. Und wenn wir es nur lange genug behaupten, glauben wir es selbst. Und dann sind sie alternativlos, weil niemand auf die Idee kommt, sie zu ändern. Und wer es doch tut, der wird sofort abgestraft. Weil die Dinge nun mal so sind wie sie sind… Dazu fand ich neulich im Netz die schöne Geschichte eines Experiments:

False Flag auf dem Maidan ? (3)
Was wir an dieser Stelle – hier und hier – schon beschrieben haben – dass es sich bei den Scharfschützen, die am 21. 2. auf dem Maidan in Kiew wahllos in die Menge feuerten um eine Operation handelte, die streng nach “False Flag” riecht, wird jetzt auch von Recherchen des ARD-Magazins-Monitor bestätigt: “Sieben Wochen nach den tödlichen Schüssen von Kiew, die zum Sturz der Regierung von Präsident Viktor Janukowitsch führten, mehren sich Hinweise, die erhebliche Zweifel an der offiziellen Version der Ereignisse aufkommen lassen. Nach Recherchen des WDR-Magazins Monitor ist es unwahrscheinlich, dass die Schüsse auf Demonstranten ausschließlich von Seiten der damaligen ukrainischen Führung unter Janukowitsch ausgingen.”
Offenbar gehören die Monitor-Redakteure, die diese Recherche durchführten, nicht zu den Mainstream-Journalisten, die sich wie das ZDF und viele andere ihre Berichte von einer us-amerikanischen PR-Agentur, dem Ukrainian Crisis Media Center, diktieren lassen, sondern das getan haben, was jeder echte Journalist zu tun hätte: selbst denken, nachfragen, recherchieren. Mein Verdacht, dass es sich bei den Snipers auf dem Maidan-Platz um eine CIA-gesteuerte Operation gehandelt hat, beruhte auf recht einfacher Logik : wenn der damals amtierende Präsident Janukowitsch wochenlang von seiner Polizei nur das Regierungs,-und Parlamentsgebäude schützen lies, ohne dass diese den Befehl bekamem scharf zu schiessen, warum sollte er diesen Befehl ausgerechnet dann geben, wenn er gerade mit den EU-Ministern einen Vertrag über Neuwahlen abgeschlossen hat ? Wer hat ein Interesse, die Situation eskalieren zu lassen, wo die Tinte auf einem Vertrag über einen friedlichen Regierungswechsel kaum trocken ist ? Sicher nicht der, der sich auf solche Verhandlungen einlässt und diesen Vertrag schliesst. Weder Janukowitsch noch Steinmeier und seinen EU-Kollegen konnte an einer Provokation gelegen sein, die ihren Vertrag nach wenigen Stunden zur Makulatur machte. Die CIA aber, die schon 5 Milliarden in den Umsturz in der Ukraine investiert hatte, sah offenbar ihre Felle davon schwimmen und schickte – “Fuck EU!” – ihre “Blackwater”-Söldner ans Werk. Das beweist der Monitor-Bericht zwar nicht, aber die Logik ist meines Erachtens zwingend, nicht nur weil sie dem Muster entspricht, das schon bei Dutzenden regime changes angewendet wurde.
Auch – und das passt ja durchaus zusammen – in Syrien, wo die “rote Linie” von Assad angeblich überschritten wurde, weil er angeblich Giftgas gegen seine eigene Bevölkerung eingesetzt hat. Worüber die hiesigen Medien von taz bis FAZ im Inbrunst des Abscheus über den “Schlächter von Damaskus” zwar ausführlich berichteten, eigene Recherchen aber auch da für unnötig hielten. Seymour Hersh, einer der letzten verbliebenen echten Journalisten, hat jetzt herausgefunden, dass das Giftgas definitiv nicht von syrischer Seite eingesetzt wurde, sondern von den “Rebellen”, die es über eine von der CIA installierte “Rattenlinie” der Waffenlieferungen von der Türkei erhalten hatten. Seymour Hershs ausführlicher Artikel lohnt die Lektüre, hier spricht er im Video darüber.
Fünfhundert Zwischenrufe
Während der vielen Jahre, in denen ich jede Woche Kolumnen für Zeitungen geschrieben haben, war ich in der Themenwahl meistens völlig frei – nur ein absolutes “no go” hatte ich mir selbst gesetzt, nämlich die Bankrotterklärung jedes Kolumnisten: eine Kolumne über das Kolumnenschreiben schreiben. Weil Bloggen in meinen Augen nichts anderes ist – bis auf den Unterschied, dass die Zeilen nicht begrenzt sind – gilt diese eiserne Regel hier auch. Dass sie heute mal kurz gebrochen wird, hat mit einem Jubiläum zu tun, denn dieses ist der 500. Beitrag in diesem Blog, der im September 2010 erstmals online ging. Davor lagen schon 6 Jahre “Writersblog” beim Verlag Zweitausendeins womit nunmehr schon 10 Jahre Blogging-History zusammenkommen, was in diesem jungen und kurzlebigen Genre mehr als eine Ewigkeit scheint. Dass es mir weiter Spaß macht hat natürlich auch mit dem Zuspruch zu tun: in Form von 5.327 Kommentaren – mehr als 10 zu jedem Posting im Schnitt – und mit der im März 2014 genau 20.773 Visitors zählenden “Gemeinde”, die hier vorbeigeschaut und 98.557 Seitenaufrufe getätigt hat. Das scheint mir einerseits ziemlich viel, ist aber andererseits viel zu wenig um das Bloggen werbefinanziert hauptamtlich zu betreiben – unlängst bekam ich die Mail eines Werbeanbieters, der vorrechnete, dass mein Blog etwa 200,00 EURO im Monat einbringen könnte, wenn ich Werbeanzeigen dort platziere. Wäre an dem Betrag noch eine Null mehr dran, würde ich das vielleicht ernsthaft überlegen und hier hauptberuflich jeden Tag schreiben – so aber bleibt es eine Nebentätigkeit, wenn gerade mal Zeit ist und irgendwas anliegt. Und als einzige Einnahme bleibt die Provision, wenn jemand über eines der Amazon-Links ein Buch oder andere Produkte kauft, was etwa ca. 15 EURO im Monat einbringt und immerhin die Provider-Kosten für den Server deckt.
Soviel zu den Zahlen. Was die Inhalte betrifft kam gerade heute ein Kommentar, der sich beschwert, dass “9/11” hier nicht weiter aufgeklärt wird. Ein Blick auf die aus Stichworten generierte Themenliste (rechts, in der mittleren Spalte) zeigt aber, dass die meisten aller 500 Beiträge genau dies zum Thema hatten. Das ist, neben den drei 9/11-Büchern und einem Thriller, schon eine ganze Menge – aber auch, wie man an der Nicht-Aufklärung bis heute sieht, permanent gegen den Wind gepinkelt. Sicher ist 9/11 die Mutter aller aktuellen Kriege und verdient mehr als alles andere “brutalst mögliche” Aufklärung – von einem kleinen Schreiberling ist das aber schlicht nicht zu leisten. Wenn die Historiker der Zukunft irgendwann Ende dieses Jahrhunderts herausfinden, dass es definitiv ein “inside job” war, können meine Ur-Enkel diese mehr als 1.000 Seiten immerhin noch mal veröffentlichen, als Beweis, dass man das schon gleich hätte wissen können, doch dass die Inquisition des Imperiums dieses Wissen unterdrückt und das Märchen von “Osama & den 19 Teppichmessern” und den “war on terror” zur Staatsreligion gemacht hat. Am Beispiel JFK, dessen unaufgeklärte Ermordung mein letztes Buch behandelt, kann man sehen, dass solche Märchen auch noch 50 Jahre später Bestand haben. Das gilt auch für ein weiteres hier öfter behandeltes Thema: die Prohibition und das Märchen, dass sich mit dem Strafrecht und dem “war on drugs” ein angemessener gesellschaftlicher und individueller Umgang mit Drogen erzwingen läßt. Dies wird hier im Blog in nächster Zeit vielleicht häufiger thematisiert, weil ich gerade an einer kleinen Streitschrift zum Thema Hanf sitze, die im Sommer als Buch erscheinen wird. Da pinkele ich ja nunmehr seit mehr als einem Vierteljahrhundert mit Veröffentlichungen gegen den Wind, aber die Richtung hat sich seitdem wenigsten ein bißchen gedreht.
Weiterhin ein Thema bleiben wird auch der Niedergang des echten Journalismus und die Allgegenwart der Pre$$titution, die in Sachen Ukraine ja gerade einmal mehr fröhliche Urstände feiert. Auch dies eigentlich ein Thema, mit dem man sich full time beschäftigen müßte, aber als one-man-army und nur bewaffnet mit einem Blog der Horde von Mietmäulern und Schreibsöldnern ohnehin hoffnungslos unterlegen ist. Auch da bleibt es also bei gelegentlichen Zwischenrufen. Dasselbe gilt für ein anderes Mega-Thema – Finanzmärkte, Schulden, Zinsen, “Fiat”-Money und der Großbetrug der Zombie-Bankster – das mich umtreibt, seit ich vor 20 Jahren Margit Kennedy interviewte und mich mit Silvio Gesell beschäftigte. Völlig zu kurz kommt auch das sogenannte Übernatürliche und die spannendste Forschungsfrage überhaupt – Was ist eigentlich Bewusstsein ? – die allein ein ganzes Online-Magazin wert wäre. Aber wie soll man das alles mit einem 15-Euro-Budget schaffen ? Es bleibt also an dieser Stelle bei Zwischenrufen – ohne Wahrheitsanspruch, nach bestem Wissen und Gewissen, mit Dank für die Aufmerksamkeit und mit der steten Mahnung an das vom Tim Leary entlehnte Motto dieses Blogs: Laßt euch nicht verarschen, denkt selbst!
20 Jahre “Jack Herer”: Der beste Bud der Welt.

Die am meisten ausgezeichnete Cannabis-Sorte der Welt, benannt nach dem “Emperor of Hemp” Jack Herer (1939-2010) wird 20 Jahre alt, was die Züchter von der Sensi Seed Bank natürlich nicht ungefeiert verstreichen lassen. Bei vierzehn verschiedenen Wettbewerben hat diese Pflanze Preise gewonnen – den ersten bei der Mutter aller Marihuana- Wettbewerbe, dem Cannabis Cup in Amsterdam im November 1994. Die Jury bei diesem Wettbewerb, zu dem über Thanksgiving jedes Jahr ein Jumbo Jet voller Hippies und Hanf-Afficionados aus den USA einfliegt, bildet ein Gruppe ausgewählter Experten, sowie alle Besucher der Veranstaltung, die in den teilnehmenden Coffeeshops die nur mit Nummern benannten Marihuana-Soften testen und auf Fragebögen bewerten können. Jack Herer selbst, mit dem ich zuvor eine Tour durch ganz Deutschland unternommen hatte, auf der wir die deutsche Ausgabe seines bahnbrechenden Buchs (Herer/Bröckers: Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf ) präsentiert hatten, war in diesem Jahr Mitglied der Jury – und als wir im Hotel angekommen waren, brachte einer der Veranstalter des Cups sieben große Tüten mit den zur Beurteilung stehenden Hanfblüten vorbei. Jack wollte gleich in der Lobby des feinen Hotels mit seiner Jurytätigkeit beginnen, wo wir mit einigen seiner Freunde saßen, ließ sich aber – da sooo liberal selbst die Niederlande nicht sind – zum Rückzug aufs Zimmer bewegen. Dort führten wir die fein “manükierten”, harztriefenden Buds nach und nach ihrer Verwendung zu, was naturgemäß nach der dritten oder vierten Pfeife nicht mehr zu wirklich objektiven Urteilen führt, aber wir hatten ja noch drei Tage die verschiedenen Nummern zu testen.
Am Ende entschieden wir uns, wenn ich mich recht entsinne, für die Nr. 4. – und das sahen offenbar auch die anderen Juroren und das Publikum so, denn diese Sorte gewann den ersten Preis. Es war eine Züchtung der Sensi Seed Bank, deren Gründer und Patron Ben Dronkers den Cup in Empfang nahm – und danach zu Jack kam, und fragte, ob er gegen ein angemessenes Honorar diese Sorte nach ihm benennen könne. Er konnte und so kam die zu 55% von Cannabis Sativa und zu 45% von Cannabis Indica-Eltern abstammende Pflanze zu ihrem Namen und dank ihrer besonderen Qualität weltweit zu Auszeichnungen.
Dass Jack Herer, dessen rastlosem Engagement die Renaissance des Hanfs als Medizin, Rohstoff und Genusssmittel in erster Linie zu verdanken ist – hier eine Interview und eine Video-Dokumentation über sein Leben – nicht in irgendeiner Hanfsorte, sondern im besten Bud der Welt geehrt wird, hat der “Hempster des Jahrhunderts” (High Times) mehr als verdient. Ein Jahr nach seiner Patenschaft half ich ihm bei einem Besuch in L.A. an seinem Infostand an der Promenade von Venice beim Verteilen von Flugblättern für die Volksabstimmung zur Legalisierung medizinischen Marihuanas, die 1996 in Californien (als erstem von mittlerweile 19 US-Staaten) erfolgreich war. Und es nicht zuviel wenn man sagt, dass dieser “major victory” ohne einen Kämpfer wie Jack Herer nicht erreicht worden wäre. Insofern ist es nur passend, wenn auch Patienten, die medizinisches Cannabis über ihre Apotheke beziehen (was in D nur mit Ausnahmegenehmigung des Bundesamts für Arzneimittel möglich ist) unter anderem Namen letzlich nichts anderes zu sich nehmen als “Jack Herer”.
(Bild oben: Jack Herer, die Pflanze; unten: Jack The Man, die Uhr stand immer auf 4:20!)
Der durchgeknallte Hefezopf

Für die taz schrieb ich heute ein Porträt der wahnsinnigen Julia T.:
“Das schaffen nur ausgewiesene Spagatkünstler, sehr trainierte Spreizschrittartisten oder eben Julia T. Erst kündigt sie zünftig an, dem „Bastard“ Wladimir eine Kugel in den Kopf zu jagen, dann seine in der Ukraine lebendenden acht Millionen Russen „mit Atombomben“ zu vernichten, um schließlich in Russland nur noch „verbrannte Erde“ zu hinterlassen. Anschließend behauptet Julia T., das mit den Atombomben sei ihr untergeschoben worden von einem Stimmenimitator in russischen Diensten. Sie habe natürlich gesagt, dass alle Ukrainerinnen und Ukrainer von ihr vereint werden. Schon klar, als ehemalige Vizekanzlerin und Energieministerin hat man natürlich das Wohl des ganzen Landes und besonders seiner Minderheiten stets im Auge. Doch so etwas authentisch in die Kameras sülzen, während die ungefälschte Aufnahme der eigenen Vernichtungsfantasien weltweit kursiert, ist hohe PR-Kunst – nur hochflexible Janusköpfe kriegen so etwas hin, ohne rot zu werden. Julia T. ist eine Meisterin dieses Fachs und als Januskopf mit Hefezopf prädestiniert für allerhöchste Ämter.”
Weiter gehts hier.
Hat Putin Hörner ?
Viele Jahre, notierte einst Karl Kraus, habe er damit verbracht, “den Journalismus und die intellektuelle Korruption, die von ihm ausgeht, mit ganzer Seelenkraft zu verabscheuen.” Wenn man liest, hört und sieht wie derzeit der Coup in Kiew zur “Revolution” hochgejazzt und Moskau als Hort des Bösen dämonisiert wird, kann man diese Abscheu aktuell und mit ebenso tiefer “Seelenkraft” nachvollziehen: “Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen.” Und da fragt sich zum Beispiel, wer den “Heute”-Moderator Claus Kleber derart geleimt hat, dass er das schon im letzten Beitrag verlinkte Interview mit dem aus Russland zurückgekehrte Siemens-Chef wie ein exaltierter Inquisitor führte, der einen vom Leibhaftigen Besessenen verhört. Es fehlte nicht mehr viel bis zu der Frage, ob Putin Hörner hat und es im Kreml nach Schwefel riecht. Auch Frank Schirrmacher, der Kleber in der FAZ abwatschte, zitiert dazu den Pionier der Medienkritik: “Es sei egal, so hatte Karl Kraus als Erster ein Kennzeichen der Massenmedien definiert, ob man eine Operette oder einen Krieg lanciert. Gemeint war: Die dramaturgischen, auf Kunden oder Klicks zielenden Strukturen von Konflikt, Eskalation, Krise und Katastrophe, mit denen man über die Welt redet, verändern die Welt beim Reden.”
Dass ich mir vor Abscheu über das Mediendesaster des Jahrhunderts – die Nicht-Aufklärung von 9/11 – angewöhnt hatte, Journalisten als “Pre$$titutes” zu bezeichnen, war in gewisser Weise ebenfalls der Schule von Karl Kraus geschuldet, der schrieb: “Die Prostitution des Leibes teilt mit dem Journalisten die Fähigkeit, nicht empfinden zu müssen, hat aber vor ihm die Fähigkeit voraus, empfinden zu können.” Und in der Tat scheint die erregte Propaganda-Vorführung des ZDF-“Anchorman” ein Paradebeispiel für das, was sendende und schreibende Laptop-Bomber und Ledercouch-Bellizisten derzeit demonstrieren: intelektuelle Korruption im hochgradigen Bereich und teilnahmslose Kälte für das, was sie anrichten. Als amerikanische Industrielle 1898 einen Anlaß suchten, die Spanier aus Kuba zu vertreiben, schickte der Pressemagnat Hearst seinen Reporter und Zeichner Frederic Remington auf die Insel, um über den angeblichen Aufstand der Rebellen und den dort tobenden Bürgerkrieg zu berichten. Als dieser nichts davon vorfand und kabelte: “Hier ist kein Krieg. Ich möchte wieder zurückkehren”, kam von Hearst die berühmt gewordene Antwort: “Bleiben Sie. Sorgen Sie für die Bilder, ich sorge für den Krieg.” Diesem Auftrag kommt die Journallie derzeit nahezu flächendeckend nach…
Und niemand erinnert daran, dass die Prussen und die Russen doch direkte Verwandte sind, ein Volk (!), wobei die Russen etwas nördlicher wohnten und die alten Preußen “po” (=unterhalb) von ihnen, weshalb sie die Porussen waren – aber wer weiß das heute noch in Dortmund oder Gladbach ? Hallo Südkurve und Borussen-Fans, hallo Gazprom Schalke 04 ! Beim Lokalderby wäre da nun wirklich eine gemeinsame Choreographie für gute Beziehungen mit Mütterchen Russland und Väterchen Wladimir angebracht. Schon um es der gleichgeschalteten Medien-Operette zu zeigen: unter Verwandten, Nachbarn, Blutsbrüdern ist man sich vielleicht nicht immer einig, aber man führt auf gar keinen Fall Krieg ! Im übrigen wäre ich dafür, England und seiner Geldwaschanlage City of London die EU-Mitgliedschaft zu kündigen und Russland eine Assoziation /Mitgliedschaft anzubieten.