Auf TED werden seit vielen Jahren Vorträge und Diskussionen aus Technologie, Entertainment und Design präsentiert. Unter dem Motto “Ideas Worth Spreading” werden Wissenschaftler, Querdenker, Innovatoren und Forscher aus diesen Bereichen eingeladen, um ihre Ideen vorzustellen und zu verbreiten – und schon oft habe ich mir dort äußerst interessante Vorträge angeschaut. Unlängst aber wurden zwei TED-Vorträge von der Videoseite verbannt, weil sie angeblich wissenschaftlichen Standards nicht genügen, und sie stammen ausgerechnet von zwei Autoren, die ich sehr schätze: Graham Hancock und Rupert Sheldrake. Sheldrake, zu dem ich anläßlich des Erscheinenes seines jüngsten Buchs “Der Wissenschafts-Wahn” hier zuletzt geschrieben hatte, wird vorgeworfen, dass er in seinem Vortrag die Konstanz der Lichgeschwindigkeit angezweifelt hätte; und Graham Hancock wurde für die Behauptung abgestraft, dass zum Problem des Bewusstseins keine wissenschaftliche Forschung stattfände. Das ist sicher falsch, ebenso wie es gute Gründe gibt, an Einsteins universellen Tempolimit der Lichtgeschwindigkeit festzuhalten – und dennoch liegen Sheldrake und Hancock völlig richtig mit ihrer Kritik und tun nichts anderes, als aus den Erkentnissen ihrer Forschungs,- und Erfahrungsgebieten logische Konsequenzen zu ziehen.
Der Biologe Sheldrake hat in jahrzehntelanger Forschung empirische Belege für seine Hypothese gesammelt, dass lebende Organismen über ein Kommunikations,- und Übertragungsfeld verfügen, das jenseits der klassischen, elektromagnetischen Felder funktioniert. Zwar gelten die von ihm postulierten “morphogenetischen Felder” noch als unbewiesen, gleichwohl können mit ihnen einige ungelöste Rätsel der Naturwissenschaft, wie etwa die Kristallbildung, äußerst elegant erklärt werden. Freilich um den Preis, dass dafür einige klassische Parameter, wie eben das Tempolimit der Lichtgeschwindigkeit, über Bord geworfen werden müßten. Nun ist die Lichtgeschwindigkeit ja keineswegs so eine ausgemachte Sache wie ihre Defintion als “Naturkonstante” behuaptet, wie die schon in den 1920er Jahren entdecken rätselhaften – weil überlichtschnellen – Verschränkungen der Quantenwelt zeigten. Diese “spukhafte Fernwirkung” (Einstein) ist bis heute ein Mysterium und die von Sheldrake ins Spiel gebrachten Bewußssseinsfelder könnten dafür einen möglichen Erklärungsansatz bieten. Dass seine Thesen dazu vom Bannstrahl des szientifischen Mainstreams getroffen werden ist weder neu noch ungewöhnlich, denn sie rütteln an den Grundfesten des wissenschaftlichen Materialismus. Und dies ist wohl auch der Grund für die Verbannung der Thesen von Hancock aus der TED-Community- wegen seiner Zweifel daran, dass Bewusstsein nichts anderes als ein Nebenprodukt der Gehirntätigkeit und auschließlich in der dunkeln Kammer des Schädels stattfinden soll. Hancock hat eines der besten Bücher über das “Bewußtseinsmolekül” DMT (Dimethyltriptamin) geschrieben ( Supernatural: Meetings with the Ancient Teachers of Mankind ), den psychokativen Wirkstoff des Ayahuasca, des jahrtausende alten Sakraments der Amazonas-Indiander. Und wer die absolut erstaunliche DMT-Wirkung je erfahren hat, kann Hancock nur zustimmen, wenn er sagt, dass eine wissenschaftliche Bewusstseinsforschung den Namen nicht verdient, wenn sie diese Aspekte nicht berücksichtig. Dass Graham Hancock Journalist und Autor, aber kein Wissenschaftler ist, ändert nichts an der Berechtigung dieser Aussage, die im übrigen auch von Professor Benny Shanon ( The Antipodes Of The Mind: Charting the Phenomenology of the Ayahuasca Experience ) und seiner höchst soliden empirischen Untersuchung über die DMT-Wirkung gestützt wird. Aber auch Hancock rüttelt damit am Paradigma des Materialismus als über jeden Zweifel erhabene Welterklärung – und wird deshalb vom selben Bannstrahl getroffen wir Sheldrake. Würden die akademischen Sesselpuper, die derlei veranlassen, sich aber mal wie Hancock in den Urwald aufmachen oder sich in ein psychonautisches Labor begeben, um das Phänomen DMT am eigenen Leibe zu erfahren, würden ihnen die Beschränktkeit, Einfältigkeit und Dumpfheit ihrer materialistischen Modelle schlagartig klar. Und sie müßten sie Abenteurer Hancock oder Pioniere wie Sheldrake eher zu Ehrendoktoren küren als sie aus dem Diskurs zur wichtigsten aller ungelösten wissenschaftlichen Fragen zu verbannen: Was ist Bewusstsein?
UPDATE: Nach den zahlreichen Protesten gegen die Zensurmaßnahme hat TED die beiden Videos wieder eingestellt.