Ich habe ja schon 2018 davor gewarnt, sich mit Russland militärisch anzulegen, weil es über Waffen verfügt, gegen die es keine Verteidigungsmöglichkeit gibt (Don`t mess around wich Ivan! ). Natürlich vergeblich, weil solche Hinweise nicht bei der Regierung, sondern nur bei den Lesern dieses Blogs ankommen – und bei den Großmedien als “Putinpropaganda” sofort im Giftschrank landen. Auch einige meiner Freunde fragten, nachdem ich 2019 und 2022 noch einmal auf Kinzhal & Co. aufmerksam gemacht hatte, warum ich neuerdings von “Wunderwaffen schwärmen” würde, wobei ich nicht Schwärmerisches darin erkennen konnte auf eine Neuerung hinzuweisen, die möglicherweise kriegsentscheidend ist. Mit einem Gegner zu kämpfen, der über einen Punch verfügt, den man nicht verteidigen kann, wäre so dumm, dass nur Masochisten sich darauf einlassen – oder Unwissende, die ihm einen solchen Schlag gar nicht zutrauen. Und wenn doch, sich keinerlei Sorgen machen, weil sie schließlich über die beste und teuerste Abwehrtechnik der Welt verfügen.
Nachdem Anfang der Woche in Kiew zwei “Patriot”-Luftabwehrsysteme (Stückpreis 300-500 Mio. Dollar) von hyperschnellen Kinzhal-Raketen eliminiert wurden
– laut CNN wurden sie nur “beschädigt”, sind de facto aber mit ziemlicher Sicherheit aber hinüber – dürfte beim NATOstan-Coach in der blau-gelben Ecke ziemliches Kopfkratzen darüber eingesetzt haben, ob und wie lange man den ukrainischen Fighter noch im Ring lassen kann. Oder ob sich möglichst elegant und profitabel das Handtuch werfen lässt, weil man einen solchen Gegner nicht weiter ärgern sollte. Denn am Ende des Tages haben wir über dem Weissen Haus, der Downing Street, dem Kanzleramt und den NATOstan-Quartieren ja auch nichts anderes als die formidable “Patriot”-Airdefence. Sowie unsere “Geparden”, die in Kiew zum Schutz der “Patriots” vor Drohnen und “normalen” Raketen platziert waren und auch ein 1a Feuerwerk veranstalteten – ohne irgend etwas auszurichten. Und wären nicht – siehe Grafik der Fantasy-Abteilung der ukrainischen Air Force – nicht mindestens drei mal so viele russische Raketen abgefangen worden wie überhaupt geflogen sind in dieser Nacht, wäre schon alles aus. Der “Ghost of Kiev”, der schon ganz zu Anfang des Kriegs die russische Luftwaffe quasi vernichtete, hat zumindest die Propaganda gerettet. Was höchstwahrscheinlich tatsächlich geschehen ist, erfahren wir in der oben verlinkten “Anatomy of MIM-104 Patriot Destruction + Primer on Kinzhal Hypersonic Missile” auf dem Blog von Simplicius.
Während auf “MoonOfAlabama” gerade gemeldet wird, dass die “Festung Bakhmut” (V.Zelensky) gefallen und in russischer Hand ist, gab es im Forum dort gestern eine interessante Analyse aus russischer Sicht, die ich mit deepl.com übersetzt habe.
Die russische Armee war keine unaufhaltsame Kraft, wie ich anfangs dachte, aber sie hat sich bisher auf wundersame Weise durchgesetzt. Zu einem hohen Preis. Sie hat sich im Eiltempo neu erfunden und musste dies zuweilen unter dem Eindruck sehr scharfer und spitzer Kritik tun.
Geschrieben von: uncle tungsten | 18. Mai 2023 10:58 utc | 246
Lieber Onkel:
Ihr Beitrag enthält Punkte, die für das Verständnis des aktuellen Konflikts entscheidend sind.Die RF begann die SMO mit einer relativ kleinen Truppe, die gegen die größte Armee Europas kämpfte, eine Armee, die von 8 Jahren NATO-Ausbildung profitierte (Kanada hatte seine Ausbilder in 404 im Einsatz, bevor das Blut vom Maidan Nezalezhnosti, dem Unabhängigkeitsplatz, abgewaschen war)
Helmuth von Moltke, Chef des preußischen Generalstabs und der Mann, der für den deutschen Sieg im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 verantwortlich war, lehnte die Ehre ab, mit Napoleon und Friedrich dem Großen verglichen zu werden, “denn ich habe noch nie einen Rückzug, das schwierigste aller militärischen Manöver, durchgeführt”. Die RF hat zwei dieser “heikelsten aller militärischen Manöver” durchgeführt. Das erste war der Rückzug aus Cherson, bei dem nicht nur die gesamten Streitkräfte der RF, sondern auch der größte Teil der Zivilbevölkerung befreit wurde. Beim gleichzeitigen Rückzug aus Charkow hat sich die leichte Infanterie der RF erfolgreich gegen eine in Größe und Ausrüstung überlegene UAF-Truppe zurückgezogen.
Wie Sie richtig bemerken, hat sich die RF “auf der Flucht neu erfunden”. Meines Erachtens haben sie die Battalion Tactical Group (BTG) als ineffektiv empfunden und sind zu einer neu gestärkten Divisionsstruktur übergegangen, die eine Reihe von Ressourcen wie AD-, EW- und ISR-Drohnenkräfte zusammen mit einer normalen Ergänzung von Artillerie, Panzern und Infanterie vereint.
Was weitgehend unbemerkt geblieben ist, ist die Tatsache, dass in den letzten sechs Monaten alle Vorstöße der RF in erster Linie von Wagner, einer leichten Infanterietruppe, erzielt worden sind. Dies wirft die Frage auf, was geschehen wird, wenn die neu erfundene(n) “schwere(n) Division(en)” der RF endlich ins Feld ziehen.
Ich glaube, dass die folgenden Aussagen zutreffend sind:
1) Wagner wurde eingesetzt, um der RF eine Atempause zu verschaffen, damit sie sich in einer Form neu formieren kann, die für den gegenwärtigen Konflikt besser geeignet ist. Obwohl es sich um leichte Infanterie handelt, hat das Orchester einige der besten UAF-Einheiten besiegt.
2) Die “Theatralik” von Wagner diente dem Zweck, die Aufmerksamkeit auf Wagner zu lenken (haben Sie etwas über die regulären Streitkräfte der RF gehört? Über die Umrüstung und Umschulung?) und den Eindruck von Konflikten und Inkompetenz in den höheren Rängen der RF zu erwecken (maskirovka, um den Westen zu veranlassen, den Gegner zu unterschätzen und zu glauben, die NATO stehe kurz vor dem Sieg).
3) Da NATOstan aufgrund von Bestätigungsfehlern glaubt, sie stünden kurz vor dem Sieg, lehnten sie eine direkte Beteiligung an dem Konflikt ab. Im Wesentlichen schuf die Reaktion NATOstans eine “Atempause”, die es der RF ermöglichte, ihre Streitkräfte umzustrukturieren, ihre militärische Produktion zu erhöhen, eine langwierige kombinierte Waffenausbildung sowohl für neue Soldaten als auch für die Offiziersriege durchzuführen und gleichzeitig sowohl die Streitkräftestruktur als auch die Logistik zu schaffen.
4) Ich glaube, dass die jüngste Zerstörung der Patriot-Batterie ein wichtiger Wendepunkt in diesem Konflikt ist. Ob sie es zugeben oder nicht, die hochrangigen Entscheidungsträger der NATOstans müssen sich der Tatsache stellen, dass die RF bewiesen hat, dass sie in der Lage ist, die modernsten Waffen, die die NATO-Staaten liefern können, zu kastrieren. Die führenden Politiker NATOstans denken jetzt: “Wir werden den herannahenden “Dolch” nicht sehen. Wir werden erst wissen, dass er da ist, wenn Big Ben zusammenbricht, unsere Rüstungsfabriken zusammenbrechen, unsere Flüssiggas-Häfen zu Feuerbällen werden und unsere Flotten auf den Grund unserer Häfen sinken.”
5) Es ist wahrscheinlich, dass NATOstan bald eine Friedensregelung anstreben wird. Die RF wird darauf antworten, dass sie niemanden finden kann, mit dem eine solche Einigung ausgehandelt werden kann. NATOstan ignoriert die UN-Charta, es ignoriert die Bestimmungen der NATO-Charta, es hat an den Minsker Vereinbarungen unter falschen Voraussetzungen teilgenommen, es hat den Sturz und die Zerstörung Russlands befürwortet, es hat keine Probleme mit Erklärungen über völkermörderische Absichten wie die Tötung aller Russen, wo immer sie zu finden sind, geäußert. Russland wird wahrscheinlich erklären, dass es erst dann in Friedensverhandlungen eintreten wird, wenn eine unabhängige, blockfreie Staatengruppe den MH-17-Zwischenfall, die Zerstörung von Nord Stream, die Skripal-Affäre, das Kriegsverbrechen von Buka, das Massaker von Odessa, die Verwicklung der USA in die Morde auf dem Maidan, den Sturz einer demokratisch gewählten ukrainischen Regierung durch die USA, die Nichteinhaltung früherer Zusagen des Westens in Bezug auf die NATO-Erweiterung und das Vordringen von NATOstan an die russisch-finnische Grenze untersucht und sich dazu äußert (….)
Stay safe.
Cheers.Posted by: Sushi | May 18 2023 18:53 utc
https://www.moonofalabama.org/2023/05/ukraine-open-thread-2023-119.html#comments
Da Bakhmut eine Art Dominostein ist, dessen Fall mehr als nur eine taktische Niederlage bedeutet, wird es spannend werden, ob und wie NATOstan jetzt Verhandlungen einzufädeln versucht. Oder – wie ein ahnungs,- und hemmungsloser ZDF-Waffenverkäufer (“Militärexperte”) vorschlägt – noch ein paar F-16-Jets (Stückpreis 60 Mio.) in die Schlacht wirft, um die S-400 ein wenig zu füttern. Den Russen dürfte es recht sein – “Demilitarisierung” ist ja ihr primäres Kriegsziel….
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