Endlich: Fake News werden illegal

roter Hinweis-Zettel an Volksempfänger (DKE GW 110-240): “Denke daran”

Aufmerksamen Lesern dieses kleinen Blogs ist ja nicht entgangen, dass es in Syrien nicht um die Durchsetzung von “Menschenrechten” und Beseitigung eines “Diktators” geht, sondern um Öl,-und Gas-Pipelines, wie schon 2012 hier und danach zB hier und hier berichtet wurde. Und wer einem berühmt-berüchtigten Konspirologen wie yours truly nicht traute konnte es auch in der sogennanten “Qualitätspresse” nachlesen, zB am 24.7.2012 ausführlich in der FAZ. Dort wie im gesamten Mainstream hatten solche echten Hintergrundinformationen aber keine Chance und ertranken in den Fluten von “Fake News” über Fassbomben, Giftgas und die als “moderate Rebellen” verkleideten Al Qaida-Truppen. Nachdem Bashar Assad die Pipeline abgesagt hatte, mit der Kataris und Saudis ihre Rohstoffe zum Mittelmeer pumpen wollten, mutierte er vom “sympathischen Augenarzt” in Windeseile zum “Schlächter von Damaskus”, vom säkularen, weltoffenen Präsidenten zum Tyrannen eines Terrorstaats. Nachdem nun Ost-Aleppo von der Besetzung durch Al Qaida-Terroristen befreit und der von USA und Nato mithilfe ihrer arabischen Kopf-Ab-Kameraden inszenierte regime change vor dem endgültigen Scheitern steht, müssen die Medien nun ihre Erzählung erneut revidieren. Statt Fake News aus und über  Aleppo wäre wieder  wirklicher Journalismus gefragt – statt Geschwätz von Pseudo-Korrespondenten, die aus Kairo oder Beirut oder Berlin “live” über Syrien berichten, echte Journalisten vor Ort, wie etwa Robert Fisk oder Karin Leukefeld oder Eva Bartlett, statt den “Schlächter” zu beseitigen, müssen die Medien sich nun wieder mit dem “Augenarzt” arrangieren. Vorerst tut man sich aber noch  schwer mit dem zurückrudern und ballert noch mal volle Breitseiten mit Fake News über “Grausamkeiten” , die auschließlich von syrischen Truppen und nie von “unseren” salafistischen Söldnern begangen werden.

Aber, und das ist die Nachricht des Tages, mit solchen einseitig gefälschten Nachrichten wird es bald ein Ende haben, Rechtspolitiker der CDU wollen ein neues Gesetz gegen Fake News: “Gezielte Desinformation zur Destabilisierung eines Staates sollte unter Strafe gestellt werden.”  Desweiteren “müssen wir überlegen, ob es eine Art “Prüfstelle” geben soll, die Propaganda-Seiten aufdeckt und kennzeichnet.”  Bis zur  schon erwähnten WÜV-Plakette vom “Wahrheits Überwachungs Verein” wird es bis zum Wahlkampf wohl nicht mehr reichen, aber so einen offiziellen Pranger für sämtliche alternativen Nicht-Mainstream-News-Seiten und Blogs könnte die Regierung noch hinbekommen. Und damit wären wir dann fast schon wieder bei der Geschichte meines Großvaters, der in einem Schrank auf dem Dachboden ein Radio versteckt hatte und heimlich “Feindsender” hörte, um über den Krieg informiert zu sein. Aber soweit muss es nicht kommen, denn zahlreiche Ratgeber warnen die Bürgerinnen und Bürger derzeit ja quasi rund um die Uhr: “Praktischer Nebeneffekt für Leuchttürme der Glaubwürdigkeit wie Spiegel.de, Bild.de, die Tagesschau oder focus.de: Wer über Fake-News berichtet, erscheint automatisch wie ein glaubwürdiger True-News-Verbreiter.”

“It’s a leak, not a hack!”

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Hat der laufende Irrsinn seit der Trump-Wahl irgendwie den Turbo eingelegt ? Es scheint so, denn anders als mit einem bizarren Hyper-Modus kann man kaum erklären, was Medien und Politik derzeit produzieren:  Großwarnungen vor  dem “postfaktischen Zeitalter” und “Fake News” einerseits – bei gleichzeitig permanenter Großproduktion derselben durch Verbreitung der Verschwörungstheorie, dass die US-Wahlen durch russische Hacker manipuliert worden seien.  Dass die von Wikileaks publizierten emails der demokratischen Parteizentrale Hillary Clinton geschadet haben ist zwar ziemlich sicher,  aber weder handelte es sich dabei um “Fakes” – keines der von Wikileaks seit zehn Jahren publizierten Dokumente hat sich bisher als Fälschung erweisen – noch liegt bis heute irgendein Belege vor, dass die Daten gehackt wurden,  dass es sich bei den Hackern um russische Staatsbürger handelt und dass sie gar im Auftrag ihrer Regierung gehandelt haben. Die gesamte story beruht einzig auf Behauptungen von  anonymen “senior officials” der CIA  und “17 US intelligence agencies” , doch selbst wenn es nächste Woche alle 24 Schlapphut-Dienste der USA wären  und nochmal hunderte Artikel und Sendungen mit demselben Geschwalle durchgenudelt werden, wird es davon nicht wahrer. Dass der Kreml bestreitet, mit der Sache zu tun zu haben – geschenkt; dass Julian Assange mehrfach klargestellt hat, dass die Quelle der Mails keine russische sei, ist  dagegen schon deutlich schwerwiegender, zumal wenn ein weiterer, sehr glaubwürdiger Zeuge – der Universiätsprofessor und ehemalige britische Botschafter in Usbekistan Craig Murray – Assanges Aussage explizit bestätigt. Murray hat die Quelle der DNC-Mails persönlich getroffen und sagte es sei ein Insider gewesen.  Der “Guardian” brachte dieses Zitat Murrays am Sonntag für drei Stunden auf der Startseite, um den Artikel dann schnell mit einem “passenden” zu ersetzen, der die Russenstory weiterspinnt. Craig Murray sagte:

“I’ve met the person who leaked them, and they are certainly not Russian and it’s an insider. It’s a leak, not a hack; the two are different things. If what the CIA are saying is true, and the CIA’s statement refers to people who are known to be linked to the Russian state, they would have arrested someone if it was someone inside the United States. America has not been shy about arresting whistleblowers and it’s not been shy about extraditing hackers. They plainly have no knowledge whatsoever.”

Craig Murray war 2004 von seinem Job als Botschafter zurückgetreten, nachdem er den massenhaften Herointransport über die afghanisch-usbekische Grenze dokumentiert hatte, die Blair-Regierung aber nicht dagegen einschritt, weil sie ihren Warlord General Dostum damit finanzierte ( in “Die Drogenlüge” habe ich ausführlich darüber geschrieben) – der Mann kennt sich aus im “deep state”. Ebenso wie Edward Snowden, der schon im Juli mitteilte, dass die NSA den DNC-Hack durchaus attributieren kann, also weiss wohin die Datenpakete gegangen sind.  Ein weiterer NSA-Whistleblower, William Binney, sagte dasselbe.

Diese namhaften Zeugen und Sachverständigen müssen nicht zwingend recht haben, aber vertrauenswürdiger als die notorisch anonymen “senior officials”  der CIA sind sie allemal. Und wenn selbst schon der für ein Ministeramt im Trump-Team gehandelte Neocon (und somit False Flag Spezialist) John Bolton laut “False Flag” ruft, sollte man den russsichen Hack definitiv in die Tonne treten. Aber nein, die Spindoktoren sind im Hyper-Mode und stricken das Garn jetzt auch nach Europa und Deutschland weiter: der böse Dr.Putin und seine Cyberarmeen planen auch hier den Umsturz. „Es ist schon jetzt absehbar, dass von Russland gesteuerte Online-Medien Fehldeutungen und Falschinformationen verbreiten. Das ist die Spitze des Eisbergs. Damit soll unser Land destabilisiert und die AfD gestärkt werden.“ Nötig seien „Qualitätsmedien“,  so FDP-Chef-Lindner .Letzterem stimmen wir vollen Herzens zu, sobald dieselben aufhören, uns nicht nur permanent Fehldeutungen und Falschinformationen zuzumuten, sondern auch 100-prozentigen Bullshit wie diesen Russenhack für “Qualität” halten.

Die geheime Sprache der Bäume

Als Ken Jebsen und ich uns für unser Gespräch trafen, aus dem das jetzt erschienene Buch wurde – “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” ist überall im Buchhandel erhältlich und kann auch direkt beim Verlag versandkostenfrei (Code: portofreijebsen) bestellt werden – kam das KenFM-Team gerade von einem Drehtermin in Östereich zurück. Sie hatten dort Gespräche mit verschiedenen Menschen geführt, deren Arbeit in der neuen KenFM-Reihe über Pioniere und Macher porträtiert werden soll. Am meisten beeindruckt war Ken von dem Holzpionier Erwin Thoma und dessen 100% recycelfähigen und klimaneutralen Holzhäusern, die auch bei Frost im Inneren ihre Temperatur halten – ohne Heizung! Nachdem er mir bei unserem Gespräch davon berichtet hatte, besorgte ich mir sofort Erwin Thomas Buch Die geheime Sprache der Bäume: Die Wunder des Waldes für uns entschlüsselt”. Hier nun das Gespräch mit dem ehemaligen Förster und promovierten Ingenieur, der einen vergessenen “Aggregatzustand” der Bäume wiederentdeckte und für die Zukunft nutzbar gemacht hat.

Postfaktisch – Ein Kampfbegriff als Wort des Jahres

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Um die Ursprünge der modernen “Fake News” in den Blick zu nehmen, hatte ich im letzten Beitrag auf die “Operation Mockingbird” , die große Unterwanderung der “freien” Presse durch die CIA, verwiesen, mit der das “Postfaktische” von 1950 an seinen Lauf nahm – wenn auch weitgehend unbemerkt, denn das Publikum konnte ” Real News” und “Fake News” nur schwer unterscheiden.  Um z.B. schon  1964 über den Fake des  Zwischenfalls im Golf von Tonkin zu erfahren, mit dem das Massenbombardement Vietnams begründet wurde, musste man den Newsletter des Guerilla-Journalisten I.F.Stone lesen, sämtliche Großmedien hingegen verbreiteten  die CIA-Story von einem Angriff auf amerikanische Kriegsschiffe.  So wurden  auch die von der Warren Kommission produzierten und äußerst zweifelhaften Untersuchungsergebnisse des Mords an John F. Kennedy in den Medien unisono als Fakten präsentiert, bis 1967 auch juristische Zweifel  an dem angeblichen  Einzeltäter Lee Harvey Oswald zur Eröffnung eines Verfahrens  und einer ersten Überprüfung dieser Fakten führten. Die Regierung versuchte darauf, mit einer Sabotage des Verfahrens einen umfangreichen Fakten-Check zu verhindern und die CIA startete eine Mockingbird-Offensive mit jenem berüchtigten Memo, das alle Stationen dazu aufforderte, ihre Medienkontakte zu nutzen und für Kritik an der Einzeltäterthese die Bezeichnung “Verschwörungstheorie” zu lancieren.  Diese Betriebsanleitung zur Diskreditierung von Dissidenz feierte dann nach 9/11 fröhliche Urstände und führte zu einem geradezu inflationären Gebrauch des Begriffs, der seitdem zur Diskurskeule Nr. 1 geworden ist. Als Kampfbegriff mit dem jede nicht der Orthodoxie entsprechende Sichtweise aus der öffentlichen Debatte herausgehalten werden soll.

Welcher Irrsinn hat nun die “Gesellschaft für deutsche Sprache” nun geritten, “postfaktisch” nicht zum Unwort, sondern zum “Wort des Jahres” zu küren ?  Und nach der Inflation von “Verschwörungstheorie” nun gar ein ganzes “postfaktisches Zeitalter” auszurufen ?  “Immer größere Bevölkerungsschichten sind in ihrem Widerwillen gegen »die da oben« bereit, Tatsachen zu ignorieren und sogar offensichtliche Lügen bereitwillig zu akzeptieren, ” meint die  GdfS in der Begründung, fragt aber nicht, woher dieser “Widerwille” der Bevölkerung gegen die Obrigkeit kommt  – und schon gar nicht, ob dieser vielleicht damit zu tun haben könnte, dass “die da oben” und ihre Medien einfach oft genug beim Ignorieren von Tatsachen und auch beim offensichtlichen Lügen ertappt worden sind, dass ihren “Fakten” immer weniger Menschen trauen. Nicht aus dumpfem “Widerwillen”, sondern aus Erfahrung. Dies nun mit einem psychologischen Kampfbegriff, einer Diffamierungsvokabel zu kontern, die bei aller Unschärfe mit ihrem “post-“insinuiert, dass es mal ein “Prä”, eine Welt der Faktizität und “objektiv” berichtender Presse gegeben hätte – bis das böse Internet mit seinen perfiden “Fake News” dann zu lügen begonnen hat – scheint mir kein Zufall, sondern eher wie ein weiteres Aufbäumen der sterbenden Leitmedien, deren Herrschaft über die Konstruktion und Deutung von Wirklichkeit verloren gegangen ist.

“Die Rede vom “Postfaktischen” ist deshalb auch nicht einfach nur “postmoderner Unfug”, sondern die neueste Diskursstrategie im seit der letzten Jahrhundertwende tobenden Kampf um die Zuständigkeit für die Konstruktion jener Wirklichkeit  die Grundlage unserer Alltagsgewissheiten ist. Falls Niklas Luhmann (1995) mit seinen Analysen Recht hatte, haben die Massenmedien seit Entstehung der bürgerlichen Öffentlichkeit (dies wiederum beschrieb Jürgen Habermas 1962) eine zentrale Funktion: die Herstellung und Absicherung des verbindlichen Sinnhorizonts einer Kultur, also die Bestimmung all dessen, was als “wahr und wirklich” gilt. Wenn man Luhmanns These durch die wissenssoziologische Idee der Konkurrenz orthodoxer (fraglos geltender) und heterodoxer (kulturell zurückgewiesener, illegitimer) Wissensbestände ergänzt, zeigt sich, dass die Rolle der Massenmedien bei der Festlegung orthodoxen Wissens seit der Jahrtausendwende prekär geworden ist. Mit dem Aufstieg des Internets sind die traditionellen Leitmedien nicht mehr die unangefochtenen Konstrukteure von Wirklichkeit.” (Michael Schetschte:  Wider die Rede vom “Postfaktischen”)

That’s it. Weshalb  die “Washington Post”, das Ur-Biotop der CIA-Fakes, dann eben auch eine Schwarze  Liste der alternativen Konstrukteure von Wirklichkeit veröffentlicht und ganz im Stile der Inquisition “Maßnahmen” gegen deren “Fake News” fordert – und gleichzeitig selbst an diesem Wochenende wieder schwerwiegende und explosive “Fakten” produziert, die ganz offensichtlich nichts anderes sind als ein dumpfer Fake. Es gäbe, behauptet die WaPo, nun klare Indizien, dass russiche Hacker die Wahl zugunsten Trumps manipuliert hätten – und zitiert dazu ausschließlich anonyme Quellen. Die “New York Times” assistierte ebenfalls mit anonymen Geheimdienstinformationen, nach denen “Konsens” bestehe, dass die emails über russische Kanäle  an Wikileaks gegangen seien. Dem Kommentar  aus dem Trump-Transition-Team auf diese neuen Enthüllungen ist ausnahmsweise nichts hinzuzufügen: ‘These are the same people that said Saddam Hussein had weapons of mass destruction.”

Der Gesang der Spottdrossel

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Der Hype um die Invasion der Fake News läßt sich nur in historischer Perspektive  richtig verstehen.  Falsche Nachrichten und Desinformation gehören üblicherweise zum Arsenal  von  Geheimdiensten, die sich darum bemühen diese in den Medien zu lancieren und als “echte” Nachrichten erscheinen zu lassen. Dies wird vor allem in Kriegszeiten relevant, wenn es sowohl gilt, den “Feind” zu verwirren als auch die eigene Bevölkerung gegen den “Feind” zu mobilisieren – da landen dann Aluminiumröhren als angebliche Massenvernichtungswaffen Iraks auf der Titelseite der “seriösen” New York Times, ein erfundener “Hufeisenplan” in der FAZ oder das angebliche Giftgas Assads in der “Tagesschau”. Säßen in der Leitung dieser Medien nur echte Journalisten, die Verlautbarungen ihrer Regierungen grundsätzlich mißtrauen und sie nicht ohne Recherchen zur “News” machen, hätten die Kriege gegen Irak, Jugoslawien und Syrien so nicht stattfinden können. Erst die “Fakes”machten das möglich und dass sie als echt verkauft werden konnten, ermöglichten die falschen Journalisten in den Chefteagen der großen Medien.

Weil man nicht nur im heißen, sondern auch im kalten Krieg die Medien kontrollieren muss, wenn man als global intervenierende Macht ein “freiheitliches” Image bewahren wollte, betraute CIA-Chef Allan Dulles zwei seiner Spitzenleute – Frank Wisner und Cord Meyer – Anfang der 50er Jahre mit der “Operation Mockingbird” , deren Ziel war,   im In- und Ausland ein diskretes Netz aus einflussreichen Journalisten und Meinungsführern zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung aufzubauen. In einem Untersuchungsauschuss (Church-Kommitee) über illegale Aktivitäten der CIA kam 1977 ans Licht, das dieses strategische Mediennetzwerk aus über 400 Journalisten bestand. Frank Wisner hatte unter Kollegen damit geprahlt, dass ihm Leute in allen wichtigen Redaktionen “gehörten”; der für das Ausland zuständige Cord Meyer achtete bei seinen Aktionen und Akquisitionen besonders darauf, auch die “compatible left” in das CIA-Netzwerk einzubinden. Also nicht nur Bürgerlich-Konservative und Kommunistenfresser, sondern auch Liberale und Linke, sofern diese die imperialen Kriege  und “regime changes” der USA allenfalls oberflächlich kritisierten, also “kompatibel” waren.

Das Church-Kommittee kam damals zu dem Schluss, dass der Einfluß der CIA auf die Medien zwei schwere Bedenken aufwirft:  “Erstens, die Gefahr der heimlichen Einflussnahme auf die Medien um die amerikanische Öffentlichkeit durch Propaganda in die Irre zu führen. Zweitens, der Schaden an der Glaubwürdigkeit der Medien und deren Unabhängigkeit als freie Presse, durch die geheimen Verbindungen zu Journalisten und Medienhäuser.“ Das war vor 40 Jahren und auch wenn die CIA nach diesen Enthüllungen den offiziellen “Einkauf” von Journalisten per Erlass untersagte, brachen die Kontakte natürlich nicht ab. Die “Mighty Wurlitzer”, wie Frank Wisner sein Medienorchester (nach dem berühmten Orgel,-und Jukebox-Hersteller) einst genannt hatte, das der CIA  stets eine “freundliche Presse” sicherte, orgelte fröhlich weiter.

mockingbirdDer Mockingbird, die Spottdrossel, heißt Mimus polyglottos, weil sie mit ihrem Gesang die Rufe anderer Tiere und Geräusche nachahmt – und nichts anderes tat die CIA mit ihrer gleichnamigen Operation zur Manipulation der Medien: die Nachahmung echter, objektiver Berichterstattung durch Einschleusung echt und objektiv wirkender Fälschungen. Hier ist die eigentliche Geburtsstunde der modernen Fake News  zu datieren,  mit dem Gesang der Spottdrossel – und nicht erst 50 Jahre später wegen des Internets und social media – beginnt das “postfaktische” Zeitalter:  die zum wahrheitsgetreuen Report von Fakten verpflichtete “freie Presse” wird von Spindoktoren unterwandert und gibt deren Fiktionen als Fakten aus.

Dass ausgerechnet das Ur-Biotop der Spottdrossel-Operation, das CIA-Hausblatt “Washington Post” ( siehe dazu: Deborah Davis: Katharine the Great : Katharine Graham and Her Washington Post Empire, 1991) jetzt eine Kampagen gegen “Fake News” anführt und eine schwarze Liste von 200 Webseiten propagiert, um vor falschen Nachrichten zu warnen, entbehrt nicht einer gewissen Komik. Auch wenn die hiesigen Pfeifen der großen Wurlitzer-Orgel – die auf der Atlantikbrücke versammelten Journalisten – in ihren Anstalten und Organen vor Fake News warnen sollte jedem klar sein, dass da Böcke als Gärtner auftreten.  Und zwar solche, die eben dank des Internets und social media mittlerweile immer öfter als Fälscher erwischt werden, weil das Publikum auf alternative Informationen zurückgreifen kann. Deshalb aber nun die Anbieter solcher Informationen – die politisch von ganz rechts bis ganz links und was die Qualität des Journalismus betrifft von sehr solide bis völllig daneben reichen – pauschal an den Pranger zu stellen, riecht dann doch schon arg nach McCarthy-Ära und Bücherverbrennung. Zum Wahrheitsministerium zur Kontrolle von Fake News ist es dann nicht mehr weit…

Die unwahrscheinliche Unperson

ken-facebook-02Unter dem Titel: “Die unwahrscheinliche Unperson Ken Jebsen” hat der Wirtschaftsjournalist und Buchautor Norbert Häring das Buch besprochen, das ich mit Ken Jebsen gerade gemacht habe:

“Der Kopf hinter dem erfolgreichen Videoportal KenFM, Ken Jebsen, hat einen sehr zweifelhaften Ruf. Nach einer Auswertung von Twitter-Aktivitäten der Anti-Querfront-Szene ist Ken Jebsen der schlimmste “neurechte” Verschwörungstheoretiker und Antisemit im deutschsprachigen Raum. Weil ich sehr neugierig war, ob daran vielleicht doch irgendetwas Wahres ist, las ich das Buch „Der Fall Ken Jebsen“ von der ersten bis zur letzten Seite. Es lohnte sich.

Als mich Ken Jebsen im Frühjahr zu einem Interview über das Thema meines Buches „Die Abschaffung des Bargelds und die Folgen“ einlud, riet mir mein Buchverlag trotz der großen Reichweite des Videoportals KenFM ab. Damit würde ich meiner Positionierung als Autor schaden. Auch ein bekannter investigativer Journalist war sehr skeptisch und riet ab. Jebsen sei ein Verschwörungstheoretiker mit Hang zu durchgeknallten Theorien, wie der Chemtrail-Verschwörung. Ich schaute mir die Website von KenFM, einige Texte und Videos an, und was man auf die Schnelle so im Internet über Ken Jebsen lesen kann. Ich fand nichts, was unseriös auf mich wirkte, dafür sehr viel was darauf hindeutete, dass hier ein unbequemer Zeitgenosse gezielt und kampagnenhaft diskreditiert werden sollte. Die Kritiker führen nämlich selten etwas an, was er sagt oder tut, sondern fast nur angebliche oder tatsächliche Fehltritte oder Defizite von Leuten, mit denen er geredet hat oder auch nur früher mal auf der gleichen Veranstaltung aufgetreten ist. Also sagte ich zu, weil ich es unerträglich finde, wenn Menschen durch vielstimmiges Geraune zu Aussätzigen gemacht werden, zu Unpersonen, mit denen man – bei Strafe eigenen Ausschlusses aus der Gemeinschaft- nicht reden darf.

Jebsen war sehr gut auf das Interview vorbereitet, das etwa 90 Minuten dauerte und soweit ich sehen konnte, ungekürzt auf KenFM erschien. Im Vorgespräch fragte ich ihn, was er von den Chemtrail-Theorien halte. Er sagte, diese Theorien würden ihm immer wieder angetragen, aber weil ihm bisher noch keiner irgendwelche Belege oder starke Indizien präsentierte, habe er noch nichts dazu gemacht. Später erinnerte ich den investigativen Journalisten, mir die versprochenen Links zu Chemtrail-Videos mit Jebsen zu schicken, vergebens.

Umso mehr habe ich das Buch „Der Fall Ken Jebsen“ mit großem Interesse gelesen, das der Journalist Mathias Bröckers auf Basis eines langen Gesprächs mit Jebsen veröffentlicht hat, alle 256 Seiten, damit mir auch kein Hinweise auf problematische Gesinnung Jebsens entgehen würde. Das ganze Buch zu lesen war ein unerwartetes Vergnügen. Jebsen ist ein Mensch mit sehr interessantem Lebenslauf und  interessanten Gedanken, die er auch noch in einer lebhaften Sprache ausdrückt. Liest man das Buch, wird sehr deutlich, was für ein Mensch das ist. Ich will ihn für sich selbst sprechen lassen.” Weiter gehts hier.

“Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann” (256 S., 18,00 Euro) ist ab sofort im Buchhandel und direkt beim Verlag erhältlich.

Yankee and Cowboy War 2.0 – 6. Folge

coz_b_9xeaattrl-646x437Dass Donald Trump, auch wenn er während es Wahlkampfs stets gegen das “Establishment” wetterte, natürlich ein Teil desselben ist und “Yankees” und “Cowboys”  nur verschiedene Clubs derselben Eliteliga hatten wir in den vorhergehenden Folgen schon betont. Dass er nun sein Kabinett mit bekannten Figuren der Wallstreet und von Goldman Sachs besetzt, die er als Wahlkämpfer noch dem “Sumpf” zugeordnet hatte, den er “trocken legen” wollte, macht das ebenso deutlich, wie die Börsen, die nach dem Wahlsieg sofort auf neue Höchststände sprangen. Was kein Wunder ist, wenn man das finanzstarke rechtskonservative Netzwerk der Männer hinter Trump betrachtet, deren marktradikale, gewerkschaftsfeindliche Haltung die Börsen logischerweise stimuliert.  Ebenso wie die angekündigte Senkung der Unternehmenssteuer von 35% auf 15%, mit denen eine weiterer Abzug von Arbeitsplätzen ins Ausland gestoppt und neue im Inland gefördert werden sollen. Weil Konzerne und Milliardäre geschont werden können die Steuereinnahmen dann natürlich nicht reichen, schon gar nicht für das große Infrastrukturprogramm, das Trump angekündigt hat. Zu erwarten ist also, dass die “Trumponomics” analog zu den berüchtigten “Reaganomics” verlaufen werden: mit einem gigantischen Anstieg der ohnehin astronomischen Staatsschulden.

Während hier also eher business as usual zu erwarten ist, verspricht die Ära Trump außenpolitisch eine deutliche Wende: den Bruch mit der von CIA und Militär seit den 80er Jahren geopolitischen Strategie der Aufrüstung islamistischer Söldner und Terroristen:

“Wir möchten eine starke Armee – und wir wollen sie nicht einsetzen müssen. Idealerweise werden wir sie nicht einsetzen müssen. Aber wir werden ISIS zerstören. Gleichzeitig werden wir eine neue US-Außenpolitik verfolgen, die endlich aus den Fehlern der Geschichte lernt. Wir werden mit dem Versuch aufhören, Regime zu Fall zu bringen und Regierungen zu stürzen. Erinnern Sie sich: Sechs Billionen Dollar haben wir an Kosten im Nahen Osten ausgeben. Unser Ziel ist Stabilität, nicht Chaos. Denn wir wollen unser Land aufbauen – es ist an der Zeit“, sagte Trump bei einer Rede am Donnerstag in Ohio.

Dies sagte Trump ohne Not, denn der Wahlkampf  ist vorüber. Man kann also davon ausgehen, dass die neue US-Regierung diese Wende tatsächlich vollziehen will.  Die Nominierung seines Sicherheitsberater,  des Ex-Generals Michael Flynn, der als Chef des Militärgeheimdiensts DIA seiner Regierung 2012 dringende Massnahmen gegen das im Aufbau befindliche”Kalifat” des IS empfahl –  was Obama ignorierte und ihn 2014 feuerte –  scheint ebenfalls dafür zu sprechen, dass es mit der einst von Zbigniew Brzezinski (Zbig To Jail) entworfenen Strategie eines radikalisierten und militarisierten Islam zur gewaltsamen Durchsetzung amerikanischer Interessen tatsächlich zu Ende gehen könnte. Gerade wo jetzt die letzten “Rebellen” (= islamistische USA/NATO Söldner) aus Ost-Aleppo vetrieben werden  und  der Stellvertreterkrieg in Syrien eine Ebene nach oben rückt – schon rufen kinderfressende Monster-Falken wie Madeleine Albright zum letzten Bombengefecht – wäre es für eine solche Wende der amerikanischen Außenpolitik allerhöchste Zeit.

Lückenpresse

Dass der aktuelle “Fake-News”-Hype, bei dem die sogennannten “Qualitätsmedien” den schlechten Journalismus ausschließlich bei anderen entdecken, zu einem Wiedergewinn von Glaubwürdigkeit führt, ist nicht zu erwarten. Denn der Grund für diese Glaubwürdigkeitskrise sind natürlich nicht die Fehler der anderen, sondern die eigenen. Für Ulrich Teusch sind das vor allem zwei Defizite:  die Unterdrückung wesentlicher Informationen und das Messen mit zweierlei Maß. Über sein Buch Lückenpresse – Das Ende des Journalismus wie wir ihn kannten hat Ken Jebsen mit ihm gesprochen: