Ostrakismos sagt “Oxi” !

Bürger, die zu reich und zu mächtig geworden waren und dem demos, dem Volk,  “Unrecht tun”, konnten im Athen des 5. Jahrhunderts v.Chr. dem “Ostrakismos” unterzogen und mit zehnjähriger Verbannung aus der Stadt bestraft werden. Weil bei dieser Volksabstimmung der Name des zu Verbannenden auf Tontäfelchen geritzt wurde  – teilnehemen durfte jeder, der schreiben konnte – heißt das Verfahren bis heute Scherbengericht. Anders als bei Gerichtsverfahren behielt der Verurteilte seine Rechte und sein Eigentum,  jegliche Einmischung in öffentliche Angelegenheiten und ein Wohnsitz in der Stadt aber waren verboten. Es scheint, als hätte sich die junge Demokratie mit dieser besonderen Methode eine Art Immunsystem verschafft, mit dem sie zu starke Einmischungen der Reichen in das politische System ebenso abwehrte wie lähmende Flügelkämpfe zwischen verschiedenen Parteien durch die Verbannung eines Streithahns. Auch grundlegende Richtungsentscheidungen – wie etwa die Aufrüstung der Flotte – wurden per Scherbengericht getroffen.

Soeben  (19:24)  meldet dpa, dass bei dem aktuellen Referendum zum Troika-Angebot  59,6 % mit “Nein” gestimmt haben. Selbst mit dem Unsicherheitsfaktor einer ersten Hochrechnung scheint das ein glasklares Votum – nicht gegen die EU und den Euro, aber gegen die katastrophale Politik die in Griechenland durchexerziert werden sollte. Nicht Europa und die Demokratie haben heute abend die rote Karte bekommen, sondern die Finanz-Oligarchie und ihre politischen Handlanger. Jetzt wird neu gemischt und neu verhandelt – und die Botschaft aus  Berlin kann nur lauten: Griechenland hat mindestens denselben Schuldenschnitt verdient wie ihn die Griechen Deutschland vor 50 Jahren gewährten. Wird Zeit, dass Mutti Merkel zur Urenkelin Adenauers mutiert…

 

…und die Stimmen zählt: Goldman-Sachs

“Die Leute, die die Stimmen abgeben, entscheiden nichts. Die Leute, die die Stimmen zählen, entscheiden alles.” Die dem Diktator Josef Stalin zugeschriebene Erkenntnis sollten wir im Hinterkopf behalten, wenn Griechenland morgen… nicht über den Austritt aus der EU oder dem Euro abstimmt, sondern über die Annahme oder Ablehnung des Austeritäts-Diktats der Troika. Denn die Auszählung der Stimmen wird von “Singularlogic” übernommen – einer US-Firma mit engsten Verbindungen zu Goldman-Sachs. Also zu eben jenen Bankern, die seinerzeit unter Mario Draghi die Bilanzen Griechenlands so manipulierten, dass der Eintritt in die Euro-Gruppe überhaupt erst möglich wurde:
“Zwischen 1998 und 2009 unterstützte Goldman Sachs mittels undurchsichtiger Buchhaltungstricks Griechenland dabei, die Hälfte seines öffentlichen Defizits zu verstecken. Diese finanziellen Konstrukte verhalfen Griechenland zum Beitritt in die Eurozone. Daraufhin spekulierte Goldman Sachs allerdings gegen griechische Staatsanleihen. Als die Tricks aufflogen, war Goldman Sachs reicher, Griechenland hingegen war ruiniert. Goldman Sachs unmittelbarer Gewinn aus diesem Geschäft belief sich auf mindestens 600 Millionen US-$. Griechenland hingegen schuldet der Bank 400 Millionen US-$ pro Jahr bis 2037.”
Dass eine mit Goldman verbandelte Firma jetzt die Zählung des Referendums durchführt  zeigt, wie weit sich die Macht der Finanzinstitutionen erstreckt. Die Griechen sind ihnen in jeder Hinsicht ausgeliefert. Und wenn es nicht reicht, dass derselbe Mario Draghi via EZB nun dafür sorgte, dass die griechischen Geldautomaten dicht gemacht und Angst und Panik im Lande verbreitet wurden, wenn die Griechinnen und Griechen sich nicht irre machen lassen von diesen Erpressungsmethoden, weil sie das Rechnen nicht verlernt haben, wenn also viele mit “Oxi” stimmen, dann wird bei einem knappen Ergebnis das Zünglein an der Wage von höchster Relevanz. Und die Leute, die die Stimmen zählen, entscheiden alles… Also könnte eine knappe Mehrheit für ein Ende mit Schrecken möglicherweise nicht einmal reichen, weil die Freunde der Schockstrategie, die auf Schrecken ohne Ende setzen die Zahlen genauso frisieren wie damals, als sie Griechenland in ihre Falle lockten…

Demokratie ist Ramsch

-crisis_0Dass die griechische Regierung ihr Volk befragen will, bevor sie den Konditionen der ehemaligen Troika zustimmt, wurde von der hiesigen Regierung und ihren öffentlich-rechtlichen Lautsprechern als Unverschämtheit gewertet – das Wort “Demokratie” in den Mund zu nehmen gilt mittlerweile als Majestätsbeleidigung. Schon vor vier Jahren, als die vorherige Regierung das Volk befragte und die Majestäten – die internationalen Finanzinstitutionen – verstimmt reagierten, konnte Frank Schirrmacher in der FAZ nur konstatieren was unter der Diktatur der Finanzmärkte aus der besten aller Regierungsformen geworden ist: “Demokratie ist Ramsch”. Die massiven Diffamierungen, denen ein demokratisch gewählter Präsident ausgesetzt werden kann, weil er seinem Wahlvolk (hier die TV-Rede von von Alexis Tsipras vom Wochenende) die Vertrauensfrage stellt,  deuten an, dass  “Ramsch” mittlerweile  noch zu positiv klingt und durch “Schrott”; “Müll” oder dgl.  ersetzt werden sollte.Continue reading →

Eine schrecklich nette Familie

13.05.15 23:20-Bildschirmkopie

Das nach wie vor positive Image der Königsfamilie ist nur durch ein gehobenes Maß an Ignoranz und Selbstbetrug der Öffentlichkeit zu erklären, meint der britische Dramatiker und Autor Heathcote Williams. Die Fragen von Telepolis beantwortet er mit Passagen aus seinem investigative poem “Royal Babylon – The Criminal Record of The British Monarchy”, das jetzt auf Deutsch erschienen ist ( Die Windsors – Eine schrecklich nette Familie, Westend-Verlag). Ein notwendiges Antidot für das anschwellende Pomp,-und Popgedröhne anläßlich des Staatsbesuchs.

Die Queen und ihr Gemahl besuchen Deutschland und stehen einmal mehr im Fokus der Aufmerksamkeit. Sie aber sind not amused?

Heathcote Williams: Die Windsors sind ein Schandfleck im kulturellen Erbe Großbritanniens. Die Monarchie ist das Schmierfett der Kriege Großbritanniens, denn sie überzeugt ihre Soldaten, allzeit pflichtbewusst fürs Vaterland zu sterben.


Um schließlich, nach Ehrung der Opfer staatlichen Gemetzels, die Profite der Waffenhändler zu vermehren. Waffenhersteller und ihre Kunden werden auf Schloss Windsor gern zum Tee geladen – Flugschauehrung inklusive – denn Monarchie und Militärgeschäft sind eng verwoben. In Großbritannien ist “Rüstungsindustrie” ein royaler Markenname..

Die Majestäten profitieren die ganze Zeit auch selbst vom Geschäft mit Waffen,
 dank ihrer Kronagenten, die ihre Unternehmensbeteiligungen verwalten und mit Lockheed und BAE Systems ungerührt Anteile
 an Streubomben-, Uranmunition und Landminenproduzenten halten.”

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Ich bin Verschwörungstheoretiker – und das ist gut so!

18.06.15 19:09-Bildschirmkopie-2Was Verschwörungen sind ( A und B verabreden sich hinter dem Rücken von C um sich einen Vorteil zu verschaffen), dass sie im Alltag der  Wirtschaft, der  Politik und vor allem im Liebesleben regelmäßig vorkommen und  auf Indizien beruhende Annahmen über  solche Verschwörungen – Verschwörungstheorien – eine rationale vernünftige Heransgehensweise  an dieses alltägliche Phänomen darstellen – diese  simplen, unwiderlegbaren Tatsachen sind aus dem Blick geraten, seit der Begriff “Verschwörungstheorie” als Kampfbegriff in der psychologischen Kriegsführung eingesetzt wird. Nachdem unlängst in der Gesprächsrunde bei Ken FM die Geschichte dieser Aufrüstung eines neutralen Begriffs zur Diffamierungswaffe im Zusammenhang mit dem ungeklärten Mord an John F. Kennedy kurz angeschnitten wurde, habe ich dazu einige Anfragen nach weiteren Informationen erhalten. Pro domo empfehle ich dazu natürlich das Buch “JFK – Staatsstreich in Amerika” , in dem auch das historische Dokument zitiert ist, mit dem die CIA ihren Stationen weltweit  den Begriff empfahl, um die Zweifel an der offiziellen Version des Kennedy-Mords zu kontern – und darlegte, dass es sich bei den Kritikern  der von der  “Warren Kommission” verkündeten Theorie des Einzeltäters Lee Harvey Oswald um “Verschwörungstheoretiker” handelt, Staatsfeinde, die nur von kommerziellen oder kommunistischen Interessen motiviert seien.

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Lügenpressepanorama

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Dass dem sich kritisch und investigativ gerierenden  NDR-Magazin “Panorama” propagandistischer Pseudo-Journalismus nicht fremd ist, mußte ich schon 2003 lernen, als ich einem Reporter ein 20-minütiges Interview zu dem gerade erschienen Buch “Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.” gegeben hatte. Aus dem landeten dann drei Sätze in einem desinformierenden und  diffamierenden Beitrag , der das  Buch mit dem rechten Gedankengut des “Reichsdeutschen” Horst Mahler zusammenrührte.  Am 22.8.2003 hatte ich hier dazu  notiert:

Noch eine kleine verschwörungstheoretische Anmerkung: Zum Interview mit dem Panorama-Reporter hatte ich mich vor vierzehn Tagen auf dem Hackercamp des Chaos Computer Clubs in Altlandsberg verabredet. Als ich eine Vorbesprechung für den abendlichen Vortrag kurz unterbrach, weil die Fernsehleute angekommen waren, meinten die CCC-Leute: “Panorama? – Du weißt hoffentlich, dass die mit dem Verfassungsschutz zusammenarbeiten…” Da kennen sich die Hacker ein bißchen aus, aber ich nahm die Bemerkung nicht weiter ernst – erst gestern nach dem Beitrag fiel sie mir wieder ein. Von dem NPD-Gründer und Agenten des britischen Geheimdiensts MI-6,  Adolf von Thadden, bis zu dem aktuell vom deutschen Verfassungsschutz unterwanderten Vorstand der heutigen NPD scheint in der Bundesrepublik eine stramme Linie geheimdienstlicher Rechtsaußen-Aktivitäten zu existieren, die sich offenbar auch bis zu einem Typen wie Mahler erstreckt. Denn dass einem derart durchgeknallten  “Reichsdeutschen” in der ARD bereitwillig Sendezeit eingeräumt wird, kann eigentlich nur mit einem dezenten Wink der Schlapphüte zu tun haben. Eine Nebelkerze sollte produziert werden, die ernstzunehmende kritische Fragen zum 11.9. – auch & vor allem zur Rolle westlicher Geheimdienste – bis zur Unkenntlichkeit verzerrt.

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NATO nein danke

stopnatoAuch wenn Umfrageergebnisse stets mit Vorsicht zu geniessen sind, hier ist eines, das Hoffnung machen könnte: 58 Prozent Deutschen sagen, dass Deutschland im Falle eines “ernsthaften militärischen Konflikts” zwischen Russland und einem benachbarten Nato-Land dem Verbündeten nicht militärisch zur Hilfe kommen sollte. Auch in anderen Ländern ist die Bereitschaft der in Artikel 5 des Nato-Vertrags festgelegten Beistandsverpflichtung nachzukommen nicht sehr hoch, nirgends jedoch sitzt die Skepsis gegenüber der Nato tiefer als in Deutschland.

Dieser Vertrauensverlust hat gute Gründe und die sind weniger in der Seele des deutschen Michels zu suchen, als in der Wandlung der Nato von einem Verteidigungsbündnis im Kalten Krieg zu einer internationalen Eingreiftruppe. Der völkerrechtswidrige Angriff auf Jugoslawien, dem die rot-grüne Bundesregierung mit  der Beschwörung des Hitler-Gespensts Legitimiät verschaffen wollte, muß als Beginn dieses Wandels festgehalten werden. Und wer das Ergebnis dieser “Befreiung des Kosovo” heute besichtigt – und kaum mehr als einen gigantischen US-Militärstützpunkt und einen Mafiastaat mit Drogenhandel vorfindet – muß sich eigentlich nicht wundern, dass es mit dem Ansehen der Nato nicht mehr so weit her ist. Es geht diesem Verein nicht um Demokratie/Freiheit/Menschenrechte, sondern um Macht,- und Geschäftsinteressen – was die Vereinigten Staaten nach dem Jugoslawienkrieg auch freimütig bekundeten: es sei darum gegangen, das strategische Versäumnis Eisenhowers am Ende des 2. Weltkriegs zu korrigieren  einen US-Stützpunkt zur Kontrolle Osteuropas einzurichten. Diese “Korrektur” wurde seitdem mit der Nato-Expansion in viele weitere osteuropäische Länder fortgesetzt und ist in der Ukraine noch in Arbeit.

Dass die Deutschen nun mehrheitlich nicht mehr bereit sind, diesem aggressiven “Verteidigungsbündnis” Beistand zu leisten, hat deshalb auch weniger mit einem Mangel an Hilfsbereitschaft oder einem Übermaß an Feigheit zu tun, als mit einer realistischen Einschätzung der Lage. Eine Erhebung zu der Frage, ob man die Nato nicht auflösen und in europäisches Militärbündnis unter Einbeziehung Russlands verwandeln sollte, wäre vermutlich ebenso mehrheitsfähig.

Die Weltbeherrscher

WeltbeherrscherDass der Rechtsstaat gegen die massenhafte Ausspähung durch die NSA ebenso machtlos ist wie gegen von deutschen US-Stützpunkten koordinierten Drohenkrieg da die Bundesrepublik nur über eine limitierte staatliche Souveränität verfügt, ist keine Phantasie von durchgeknallten “Reichsbürgern”, sondern ein realpolitisches Faktum.  Dass die Regierenden nur ungern davon reden – wer gibt schon gerne zu, dass er nicht Herr im eigenen Haus ist – ist verständlich, zumal eine solche Fremdherrschaft den Regierten nur schwer vermittelbar ist. Umso wichtiger scheint es da, sich über den Herren im Haus, seine Absichten und seine Vorgehensweise,  kundig zu machen, über die “unter Freunden” stets beschworene “Wertegemeinschaft” hinaus. Hier kann das Kompedium hilfreich sein, das Armin Wertz, langjähriger Auslandskorrespondent u.a. für “Stern” und “Spiegel” jetzt vorgelegt hat: “Die Weltbeherrscher – Militärische und geheimdienstliche Operationen der USA”.  Ein Lexikon amerikanischer Auslandseinsätze, “das neben seiner Nüchternheit allein schon durch seinen Umfang beeindruckt. In kurzen Abschnitten schildert er in chronologischer Reihenfolge hunderte (!) militärische und geheimdienstliche Operationen der USA im Ausland, die mal mehr, mal weniger verdeckt, die Politik in den jeweiligen Staaten in die gewünschte Richtung lenken sollten,” so Paul Schreyer in seiner Rezension des Buchs. Dass die Vereinigten Staaten  von den 239 Jahren ihres Bestehens in 222 Jahren Krieg geführt haben, könnte dem historisch durchschnittlich informierten Leser als maßlose Übertreibung vorkommen – in Armin Wertz’ Chronologie indessen ist diese Kontinuität der Kriegsführung akribisch aufgelistet.  Gerade in Zeiten, in denen von der “russischen Aggression” so häufig die Rede ist wie aktuell, kann diese sachliche historische Dokumentation als notwendiges Antidot dienen, um durch die Propagandanebel hindurch einen realistischen Blick auf die Weltlage zu behalten.

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Von lümmelnden Senatoren und anderen Schlampigkeiten

WSDG-Cover2Die Rezensentin Elisabeth Binder widmet unserem Buch aktuell einen flott geschriebenen Verriss. “Wir sind die Guten” sei “ein journalistisches Projekt, das an seinem Ehrgeiz scheitert”. Zwar lese es sich “sehr flüssig und kurzweilig”, doch das wiege die Fehler nicht auf. So wird bemängelt, das Buch enthalte “relativ wenig Hintergrundmaterial” und insbesondere zu wenige Fußnoten, mit deren Hilfe der Leser sich tiefer mit der komplexen Materie vertraut machen könne. Nun haben die Autoren diesbezüglich noch einmal den Anhang ihres Werkes studiert und finden dort auf 10 Seiten ausgebreitet insgesamt 127 Verweise auf weiterführende Literatur und verwendete Quellen – für die Rezensentin offenbar bei weitem nicht genug Lesestoff.

Zum Inhalt heißt es, dass zwar unsere Medienkritik berechtigt sei, aber, großer Minuspunkt an die Autoren: “Allerdings verlassen sie sich auch hier hauptsächlich auf die Forschungsergebnisse anderer als auf eigene Recherchen.” Das ist natürlich ein großer Makel. Wo kämen wir denn da hin, wenn Journalisten bei Ihrer Medienkritik vor allem die Forschungsergebnisse von anderen Medienwissenschaftlern zitieren – und nicht erst einmal selbst Jahre lang forschen? Wahrlich skandalös.

Kollege Paul Schreyer nimmt diesen “Skandal” auf unserer Webseite zum Buch genauer unter die Lupe.