Notizen vom Ende der unipolaren Welt -12

Während mit fragwürdigen Bildern aus Buschta einmal mehr Schuldzusweisungen vor jeder Sachaufklärung stehen, deutet auch bei diesem Schaustück von  Gräueltaten einiges darauf hin, dass sie alsbald – wie schon die aus Mariupol kolportierten “Massaker” (“Kinderkrankenhaus” /”Theater”) – der Abteilung FN (FakeNews) und FF (FalseFlag) zugeschlagen werden müssen.
“Liefert die Bilder, ich sorge für den Krieg” hatte Medienzar Hearst einst seine Leute in Kuba angewiesen, als der amerikanisch-spanische Krieg um die Insel angezettelt werden sollte und nicht anders halten es die Medienkonzerne bis heute. Gräuelpropaganda über die Bestialität des Feinds gehört seit je zum Standard-Repertoire der Kriegsführung, in neuerer Zeit waren es die falschen Brutkastenbabys im Irak oder das falsche Giftgas in Syrien, mit denen die Feinde des Westens als brutale Tyrannen in die Schublade “Untermenschen” verfrachtet werden sollten. Bringt Auflage, macht Klickzahlen, heizt die Stimmung an und macht klar, dass der Feind schlicht barabarisch ist. Und “wir” somit auf jeden Fall die Guten. Jedenfalls solange der UN-Sicherheitsrat unter Vorsitz Großbritanniens  die Prüfung einer Gegendarstellung Russlands ablehnt   und die Präsidenten ungeprüft reihum das ukrainische Narrativ übernehmen, von dem man  selbst im Pentagon nichts weiß. Willkommen im Nebel des Propagandakriegs und seinen Psychologischen Operationen.

Ich habe in den letzten Tagen von Freunden und Feinden einige Beschwerden erhalten, dass meine Notizen es an Empörung über Russlands Einmarsch und Empathie gegenüber den Opfern fehlen lassen. Das mag so scheinen. Aber ich habe mein Rolle als Journalist und Autor schon immer eher darin gesehen, nicht zu wiederholen, was sowieso schon in jeder Zeitung steht, sondern stattdessen zu schauen, was dort nicht steht und warum. Insofern fehlen in diesen Notizen die regelmäßigen Hinweise auf brutale Russen, sympathische Ukrainer oder die friedliebende NATO. Und da ich kein Opersänger, Sportler oder Bühnenstar bin und keine russischen Eltern habe, laufe ich auch nicht Gefahr “gecancelt” zu werden, weil meine “Distanzierung von Putin” nicht weit genug geht… oder weil ich mir im Kaufland noch kein blau-gelbes Fähnchen mit “solidarischen” SS-Symbolen besorgt habe. (UPDATE: Kein Fake aber mittlerweile aus dem Sortiment entfernt)


Meine persönliche “Politisierung” begann im Alter von 14 oder 15 mit den Bildern des Vietnam-Kriegs und der Verständnisschwierigkeit, dass man Reisbauern in Asien bombardieren muss um die “Freiheit im Westen” zu verteidigen. Das wollte mir irgendwie nicht in den Kopf, obwohl es überall in den Nachrichten verkündet wurde. Genausowenig wie einige Jahre später der erste Putsch, den ich bewusst wahrnahm, als in Chile ein sozialdemokratischer Präsident von faschistischen Militärs ermordet wurde und die Zeitungen von einem begrüßenswerten “Regierungswechsel” schrieben. Dieses frühe Misstrauen in die Berichterstattung über Kriege und Militäroperationen hat sich in den Jahrzehnten danach immer wieder bestätigt und meinen Blick auf die dahinter stehenden geo,- und machtpolitischen Interessen gelenkt. Auf das historische “Great Game”, das die großen imperialen Mächte seit Jahrhunderten spielen, auf dem geopolitischen Schachbrett. Distanziert auf ein “Spiel” zu schauen, das blutiger Ernst ist, kann kalt und emotionslos wirken, ist aber zum Erkennen der Lage notwendig. Wer keinen Schritt zurücktritt um Kontexte und Zusammenhänge zu erfassen, kann aktuelle Vorgänge nicht richtig begreifen, wer sich von Emotionen leiten läßt keine realistischen Einschätzungen treffen, wer nur auf den Schrecken und Auswirkung des Kriegs starrt, seine Ursachen und Logik nicht verstehen. Wer aber Kriege beenden will – und als “Stammhalter” meines vorgestern 100-jährigen Vaters will ich das unbedingt – muss ihre Ursachen verstehen und beseitigen. “Aufhören!” zu schreien hilft nicht. Zumal in einem historischen Moment, der mir als Anfang vom Ende der unipolaren Welt vorkommt, ein Umbruch und Paradigmenwechsel von epochaler Bedeutung und weit mehr als ein blutiger “Nachbarschaftsstreit” ukrainischer und russischer Nationalisten. Alystair Crooke, Ex-Diplomat und Konfliktforscher, hat die aktuelle geopolitische Lage “in der Europa und die USA vereint wie selten sind und paradoxerweise der “Westen” allein wie nie” mit einer Schach-Anekdote beschrieben:


Es kommt sehr oft vor, dass eine einzige Anekdote einen historischen Moment fast vollständig zusammenfasst. Und das ist hier der Fall: Im Jahr 2005 setzte sich Zbig Brzezinski, der Architekt Afghanistans als Sumpf für die Sowjetunion und Autor des Buches The Grand Chessboard (das das Mackinder-Diktum “Wer das asiatische Kernland kontrolliert, kontrolliert die Welt” in die US-Außenpolitik einbettete), in Washington mit Alexander Dugin, dem russischen politischen Philosophen und Verfechter einer kulturellen und geopolitischen Renaissance des “Kernlandes”, zusammen.
Brzezinski hatte bereits in seinem Buch geschrieben, dass Russland ohne die Ukraine nie zur Kernlandmacht werden würde, aber mit ihr kann und würde es das. Das Treffen wurde mit einer Fotoreportage eines Schachbretts zwischen Brzezinski und Dugin inszeniert (um für Brzezinskis Buch zu werben). Dieses Arrangement mit einem Schachbrett veranlasste Dugin zu der Frage, ob Brzezinski Schach als ein Spiel für zwei Personen betrachte: “Nein, Zbig schoss zurück: Es ist ein Spiel für einen. Sobald eine Schachfigur bewegt wird, dreht man das Brett um und bewegt die Schachfiguren der anderen Seite. In diesem Spiel gibt es ‘keinen anderen'”, beharrte Brzezinski.
Natürlich war das einhändige Schachspiel in Mackinders Doktrin implizit enthalten: Das Diktum “Wer das Kernland kontrolliert” war eine Botschaft an die englischen Mächte, niemals ein geeintes Kernland zuzulassen.

20.03.14 09:19-BildschirmkopieProfessor Dugin, hierzulande gern als rasputin-artiger Einflüsterer Putins porträtiert, kommt in seinem aktuellen Vortrag zum Ukraine-Konflikt auf dieses Erlebnis zu sprechen und sagt, dass mit dem russischen Einmarsch jetzt jemand aufgestanden sei und mitspielen würde. Und noch ein Dritter – China – bereitstehe, der es leid ist, immer nur das Brett vorgesetzt zu bekommen auf dem nur einer ziehen darf. Willkommen beim multipolaren 3-D-Schach der künftigen Geopolitik, in der NATOStan mit seinem Monopoly-Spiel nicht weiterkommt. Weil Russland sich weigert, direkt vor seiner Haustür atomare “Hotels” aufstellen zu lassen. Könnte man, mit Blick auf den Spielplan zwar verstehen, tun die Monopolysten aber nicht.
Deshalb jetzt dieser Krieg, bei dem die Historiker dereinst noch streiten werden, wer für den ersten Schuß eigentlich verantwortlich ist: Kiew, das seit 2014 auf seine Bürger im Donbass feuert (und am 14. Februar 2022 eine große Offensive startete, siehe OSCE-Grafik oben),  oder Moskau, das seit dem 24.2. 22 “zurückschießt”….weil Wladimir der Schreckliche sich die alte Sowjetunion wieder einverleiben will…oder weil das Imperium mit seinem greisen Kaiser “Sleepy Joe” zum regime change auf Moskau vorrückt, um China matt zu setzen.

“Auf dem großen Schachbrett des Imperiums ist Russland die Dame, aber China ist der König. So wie es beim Schach hilft, die stärkste Figur des Gegners auszuschalten, um leichter Schachmatt zu setzen, wäre das US-Imperium gut beraten, zu versuchen, Chinas nuklearen Supermacht-Freund zu stürzen….” schreibt Caitlin Johnstone, und zitiert zu den gescheiterten Sanktionsforderungen an China den Tweet:  “Can you help me fight your friend so that I can concentrate on fighting you later?” Dass Russland nicht allein steht sondern  mit China einen mächtigen Partner zur Seite hat – dass Dame und König sich gegenseitig schützen und enger zusammenstehen als je zuvor – war die erste Lektion im multipolaren Schach, die die Monopoly-Strategen lernen mussten. Die zweite war, dass der Angriff auf den Rubel nicht zu seinem Ruin, sondern zum Bumerang des Gasrubels geführt hat, der nach Ansicht von Goldman Sachs jetzt die globale Dominanz des Dollars bedroht. Und die dritte wird sein, dass auch weitere Sanktionen Russland ökonomisch zwar schmerzen, politisch aber nicht davon abbringen werden, das existenziell empfundene Ziel einer militärisch neutralen Ukraine durchzusetzen. Auch die Welle an rassistischem Hass und Diskriminierung, die russischstämmigen Menschen derzeit entgegenschlägt,  wird nicht dazu führen, dass sie sich gegen ihre Regierung wenden (die Zustimmung für Putin liegt derzeit bei 81% !), sondern gegen den Westen, der “woke” und “divers” zu sein behauptet  und sich hemmungslos als Imperium des Hasses geriert. 

Auch wenn mit PsyOps ein Krieg am Boden nicht zu gewinnen ist, ist demnächst noch einiges aus dieser Richtung zu erwarten, da die ukrainische Armee  zu keinen strategischen Manövern mehr fähig ist und nur noch versuchen kann, mit Gräuelpropaganda den Rest der Welt aktiv in diesen Krieg hineinzuziehen. Weil Russland gedroht hat, auf ein Eingreifen der NATO mit seinen hypersonischen Raketen zu reagieren und anders als in der Politik im Pentagon niemand mehr davon ausgeht, dass Putin blufft, wird es dazu wohl aber nicht kommen. Es ist also damit zu rechnen, dass im Westen Emotionen und Hysterie weiter hochgekocht werden, während die “De-Militarisierung” am Boden  systematisch weitergeht. Russland hat die “Operation Z” bisher mit einer kleinen Streitkraft von etwa 150.000 Soldaten durchgeführt, die gegen die etwa dreimal so starken ukrainischen Truppen schon über 40% des Landes  und nahezu sämtlich Luft-und Seestreitkräfte unter ihre Kontrolle gebracht haben. Und sie werden die methodische Zerstörung von Militäreinrichtungen Tag für Tag fortsetzen, bis in Kiew die Weisse Fahne geschwungen wird. Wie schon gesagt, ist dies für die Russen ein existenzieller Krieg, den sie nicht verlieren können ohne unterzugehen. Mit dem Einmarsch in die Ukraine ist Mütterchen Russland “All in” gegangen und wird notfalls sein gesamtes Arsenal an Waffen und Truppen (800.000 Mann) einsetzen, um eine neue jelzin-artige US-Marionette im Kreml und Exxon/BP/Shell-Fähnchen über seinen Öl,-und Gasfeldern zu verhindern. Es wird sich seinen angestammten Platz im “Kernland” von den anglo-amerikanischen Mackinder-Jüngern nicht nehmen lassen.

Ich hatte hier unlängst schon auf das äußerst lesenswerte  Hintergrundgespräch mit Jacques Baud verwiesen, der als Oberst des Schweizer Militärgeheimdiensts als Waffeninspektuer für die UN und die NATO  in der Ukraine und Russland gearbeitet hat. Hier ein weiterer aktueller Text dieses Experten, der im Unterschied zu den ahnungslosen Sessel-Strategen, Laptop-Bombern und unverantwortlichen Kriegshetzern in den Medien weiß, wovon er redet und wie die militärische Situation in der Ukraine realistisch einzuschätzen ist. (UPDATE: Free21 hat den  Text von Jacques Baud übersetzt)

(wird fortgesetzt)

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Notizen vom Ende der unipolaren Welt -11

“Der Westen hat die Welt nicht durch die Überlegenheit seiner Ideen oder religiösen Werte erobert (zu denen nur wenige Angehörige anderer Zivilisationen bekehrt wurden), sondern durch seine Überlegenheit bei der Anwendung organisierter Gewalt. Westler vergessen diese Tatsache oft, Nichtwestler nie”, schrieb Samuel Huntington in seinem Klassiker “The Clash of Civilizations”. 
Da die hypersonischen Kollegen Kinzhal und Zirkon dieser militärischen Überlegenheit nun auf absehbare Zeit beendet haben  – und mit  Überlegenheit im “totalen” Informations,-und Propagandafeuer kein Krieg zu gewinnen ist –  wird NATOstan, der hochgerüstete aber tödlich verwundbare Goliath, in der Ukraine nicht eingreifen.
Und im Rest der Welt stößt das Propagandageorgel  von “Angriffskrieg” und “Kriegsverbrechen” auf weitgehend taube Ohren weil jeder Nichtwestler weiß, dass bei uns Kriegsverbrecher frei und hochgeehrt herumlaufen, selbst wenn sie Millionen Menschenleben auf dem Gewissen haben. Säßen Gewalttäter wie Bush, Blair, Clinton, Schröder, Fischer & Konsorten hierzulande im Knast, würde die internationale Gemeinschaft von 85  Prozent der Weltbevölkerung (oben grau markiert) diesen Krieg und Putin sicher anders beurteilen, so aber sieht sie in der Verdammung und dem Boykott Russlands nur einmal mehr die übliche transatlantische Doppelmoral am Werk. Wie übrigens auch bei der jetzigen blau-gelben Solidaritätswelle mit den Ukrainer:innen, für deren Leid sich acht Jahre lang niemand interessierte, als sie im Donbass unter Beschuß standen und 14.000  Menschen das Leben liesen, was Kriegskanzler Scholz bekanntlich “lächerlich” findet und den Tätern weiter Waffen liefern will. Jetzt auch 56 alte DDR-Panzer, mit denen für die “Freiheit” bis zum letzten Ukrainer gekämpft werden soll, denen  zusätzlich für 300 Mio. Kleinwaffen zur Verfügung gestellt werden. Ganz im  Sinne der US-Strategie, mit einem möglichst  langen Guerillakrieg den regime change in Moskau vorzubereiten.

Weil dieser  militärisch jetzt nicht zu machen ist, kamen die  “Sanktionen aus der Hölle”  zum Zuge – und schon nach vier Wochen als Bumerang zurück. Sowie als rollender Rubel. Schon muss Joe Biden die unantastbare “Strategic Petroleum Reserve”  anzapfen (und heimlich weiter russische Crude Oil importieren), weil seine Sanktionen sich als Turbo für  Energiekosten und Inflation erweisen, Energieminister Habeck ruft die erste Gas-Notfallstufe aus und in manchen Leipziger Wohnungen  sind die Heiz,- und Nebenkosten schon jetzt höher als die Miete. Auch wenns gerade schneit draußen können wir uns bei den Russen eigentlich für die Konzilianz bedanken, die “Rubelisierung” ihrer Öl,-und Gaslieferungen  im Frühjahr vorgenommen zu haben – sodass unvermeidliche Holprigkeiten bei so einer Umstellung nicht gleich echte Notsituationen schaffen. Europäische Hardcore-Sanktionisten, die kein einziges Hydrocarbon russischer Abstammung mehr ins Land lassen wollen haben so zumindest den Sommer über Zeit, sich auf den Abstieg ins prä-industrielle Zetialter ein wenig vorzubereiten. Die Amish sollen ja sehr glückliche Menschen sein, sagt man….

Unterdessen heißt Pepe Escobar für die Welt jenseits von NATOstan und seiner Vasallen (oben rot markiert) schon eine neue rohstoff-basierte gloable Reservewährung willkommen:

“Während die transatlantische herrschende Klasse völlig durchgedreht ist, aber immer noch bis zum letzten Europäer um den verbleibenden, greifbaren Reichtum der EU kämpft, gibt sich Russland gelassen. Moskau war sogar recht nachsichtig und drohte damit, im Frühjahr kein Gas mehr zu liefern  statt im Winter. Die russische Zentralbank hat die Deviseneinnahmen aller großen Exporteure verstaatlicht. Es gab keinen Zahlungsausfall. Der Rubel steigt weiter – und ist jetzt wieder ungefähr auf dem gleichen Stand wie vor der Operation Z. Russland ist nach wie vor Selbstversorger was Lebensmittel angeht. Die amerikanische Hysterie über das “isolierte” Russland ist lächerlich. Alle wichtigen Akteure in Eurasien – ganz zu schweigen von den anderen vier BRICS-Staaten und praktisch dem gesamten globalen Süden – haben Russland nicht verteufelt und/oder mit Sanktionen belegt. Als zusätzlicher Bonus ist der wohl letzte einflussreiche Oligarch in Moskau, Anatoli Tschubais, verschwunden. Nennen wir es eine weiteren historischen Trick : Die westliche Sanktionshysterie hat die russische Oligarchie – Putins Lieblingsprojekt seit 2000 – de facto zerlegt. Das bedeutet die Stärkung des russischen Staates und die Konsolidierung der russischen Gesellschaft.

Noch liegen nicht alle Fakten vor, aber man kann davon ausgehen, dass sich Putin nach jahrelanger sorgfältiger Abwägung dazu entschlossen hat, wirklich aufs Ganze zu gehen und dem Westen das Genick zu brechen – wobei er diese Dreierkonstellation (bevorstehender Blitzkrieg im Donbass, US-Biowaffenlabors, ukrainische Arbeiten an Atomwaffen) als casus belli nutzte. Das Einfrieren der Devisenreserven musste vorhergesehen werden, insbesondere weil die russische Zentralbank seit November letzten Jahres ihre Reserven an US-Staatsanleihen aufgestockt hatte. Außerdem besteht die ernsthafte Möglichkeit, dass Moskau auf “geheime” Offshore-Devisenreserven zugreifen kann – eine komplexe Matrix, die mit Hilfe chinesischer Insider aufgebaut wurde.

Die plötzliche Umstellung von Dollar/Euro auf Rubel war knallhartes geoökonomisches Judo auf olympischem Niveau. Putin verleitete den kollektiven Westen dazu, seine wahnwitzige Hysterie als Sanktionsangriff zu entfesseln – und wendete sie mit einem einzigen, raschen Schachzug gegen den Gegner. Und nun versuchen wir alle, die vielen synchronen, spielverändernden Entwicklungen zu verarbeiten, die auf den als Waffe benutzten Dollar folgen: der Rupien-Rubel mit Indien, der saudische Petroyuan, die von russischen Banken ausgegebenen Mir-Union Pay-Karten, die russisch-iranische SWIFT-Alternative, das EAEU-China-Projekt eines unabhängigen Währungs-/Finanzsystems. Ganz zu schweigen von dem großen Coup der russischen Zentralbank, 1 Gramm Gold an 5.000 Rubel zu koppeln, die bereits bei 60 Dollar liegen, Tendenz steigend. In Verbindung mit No Rubles No Gas haben wir es hier mit einer de facto an Gold gekoppelten Energie zu tun. Die Chihuahuas in der EU und die japanische Kolonie müssen eine Menge Rubel in Gold kaufen oder eine Menge Gold kaufen, um ihr Gas zu bekommen.”

Aus dem Westen, wo man den Game Changer im  Weltfinanzsystem noch nicht richtig verstanden hat, wird vom Rest der Welt  weiterhin und erfolglos gefordert, sich an der Wirtschaftsblockade Russlands zu beteiligen. China Daily hatte dazu einen netten Cartoon. Etwas Vergleichbares gab es zuletzt vor  200 Jahren, als Napoleon mit einer “Kontinentalsperre” das britische Empire vom Handel abschneiden wollte – vor allem von dem für Flotte der Seemacht England unverzichtbaren Hanf, dem wichtigsten Exportgut Russlands. Obwohl Zar Alexander sich nach dem Vertrag von Tilsit verpflichtet sah, an den Sanktionen teilzunehmen, konnte er sich den Verzicht auf den Rohstoffhandel mit England nicht leisten und versuchte mit “neutralen” Handelschiffen weiter zu exportieren, was französische Spione  aber schnell herausfanden.
Nachdem Russland auf die Abmahnungen Frankreichs nicht reagierte, marschierte die “unbesiegbare” Grande Armeé 1812 ein  und Napoleon erlitt eine vernichtende Niederlage, die dann zu seinem Sturz führte.
Auch wenn die meisten Think-Tanker NATOstans noch immer ein Russlandbild aus den James Bond Filmen der 1980er hegen, kennen sie doch ein wenig Geschichte und wissen, dass man sich mit dem nuklearen Bären besser nicht direkt anlegt. Doch Proxy-Kriege, bei denen man andere kämpfen und bezahlen läßt, sind nach wie vor das Mittel der Wahl – sie rechnen sich für das Imperium, auch wenn  sie verloren gehen. Was – mal abgesehen von Grenada und Panama – in den letzten Jahrzehnten ja auch stets  der Fall war und in der Ukraine nicht anders sein wird. Auch wenn die Propagandamaschinen ihre Konsumenten nach wie vor für dumm verkaufen und Durchhalteparolen verbreiten, obwohl die Lage aussichtslos ist. 
Der Kern der ukrainischen Armee – etwa 50.000 der besten und gut ausgestatten Truppen – ist im Osten nahezu eingeschlossen und von der Versorgung abgeschnitten. Die russischen Streitkräfte setzen die Umkesselung dieser Region fort und dann wird es wohl oder übel – falls nicht Kiew doch noch die Weiße Fahne schwenkt – dazu kommen, dass Russland die größte Schlacht seit dem 2. Weltkrieg kämpfen wird. Nicht weit von der Stelle,  wo 450 Kilometer östlich  in Stalingrad vor 79 Jahren die Rote Armee der deutschen Wehrmacht die entscheidende Niederlage beibrachte. Dass  die anschließende  “De-Nazifizierung” bis in den Führerbunker nach Berlin durchgeführt wird, ist aber nicht zu erwarten. Genauso klar ist aber auch, dass Russland diese Schlacht in der Ostukraine auf gar keinen Fall verlieren wird. Für das US-Imperium ist dies nur einer von den Dutzenden Kriegen, für die Russen ist er existenziell. Nur eine Kapitulation der Ukraine kann ein schreckliches Blutbad an der Donbass-Front noch verhindern.

(wird fortgesetzt)

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Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

 

 

“Nur am Rande” – Zum 100. Geburtstag von Walter Bröckers

Morgen, am 4. April 2022 hätte mein Vater Walter Bröckers seinen 100. Geburtstag gefeiert. Doch aus heiterem Himmel – einen Tag nachdem er von einem Freund und Chefarzt einer Klinik untersucht und „o.k.“ befunden worden war – starb er im Sommer 1993 an einem Herzinfarkt. Direkt neben einer Intensivstation, auf der er trotz sofortiger Bemühungen nicht ins Leben zurückgeholt werden konnte. Für meine Mutter, meine vier Geschwister und mich war dieser plötzliche Tod ein schwerer Schock, doch für mich war er auch mit einer bedeutenden Erfahrung verbunden.
Zwei Stunden nachdem ich mich von seiner noch warmen Hülle verabschiedet hatte, saß ich weinend in meinem Zimmer und hatte gerade ein Stoßgebet an alle Götter und Geister gesendet, seiner Seele auf dieser Reise beizustehen, weil er ein Guter war und dass ich das als ältester Sohn ja wohl am besten beurteilen könnte, was einen weiteren Schwall von Tränen hervorrief… und plötzlich war er da. Nicht als Person, Erscheinung oder geisterhaftes Wesen, sondern in eindeutiger, unzweifelhafter Präsenz in meinem Bewusstsein – mit seiner Stimme und mit einer klaren Botschaft: „Du musst nicht weinen, Mathias, mir geht es gut. Geh zur Mutti, geh zu den anderen und sag ihnen, dass sie nicht traurig sein müssen um mich, mir geht es gut.“  Auf mein „Ja, aber…“ kam dieselbe Botschaft mit anderen Worten und als der Dialog beendet war, waren meine Tränen verschwunden.
Ich hatte mich schon mit der Nahtodforschung beschäftigt und auch selbst mit außergewöhnlichen Bewusstseinszuständen experimentiert, sodass ich von dieser Erfahrung nicht verwirrt war und keinen Zweifel daran hatte, dass es sich um eine tatsächliche Begegnung und Kommunikation mit meinem Vater – seinem Bewusstsein, seinem Geist, seiner Seele –  gehandelt hat.
Auch Walter hatte eine außergewöhnliche Erfahrung an der Grenze zum Tod gemacht, über die er später nur ungern erzählte. Als ich ihn mit jugendlich erwachtem kritischem Geist fragte, wie viele von den 20 Millionen ermordeten Russen er eigentlich auf dem Gewissen hätte, meinte er: „Ach, ich hab den ganze Krieg eigentlich nur Kartoffeln geschält.“ Als Gefreiter der Marineartillerie war er von 1942-1944 auf der Krim, in der Hafenkommandatur 17 in Sewastopol, stationiert und auf einem Minensuchboot (er nannte es „Himmelfahrtskommando“) im Schwarzen Meer unterwegs. Ihm war die Kombüse zugeteilt worden, wo er für die 11-köpfige Besatzung kochte – bis im Frühjahr 1944 ihr Schiff von einem britischen Bomber getroffen wurde und sank. Die Besatzung, die noch einen SOS-Funkspruch und ihren Standort nicht weit von der Küste durchgeben hatte, wartete auf Wrackteilen ihres  Boots schwimmend auf Rettung – die aber nicht kam. Nach vielen Stunden sagte Walter zu einem Kameraden: „Die lassen uns hier verrecken, wir müssen zur Küste schwimmen.“

Nur weil sie das tatsächlich schafften, konnte ich zehn Jahre später auf die Welt kommen und mir als kleiner Junge den wandernden Bombensplitter in seinem Oberschenkel angucken. Dass der Kommandierende des Hafens, zu dem sie sich geschleppt hatten, dann (wegen der britischen Lufthoheit) verweigerte, ein Rettungsboot zu den havarierten Kameraden zu entsenden, machte aus dem damals 22-jährigen Walter Bröckers einen Anti-Militaristen. Und bescherte ihm, was man das „Trauma des Überlebenden“ nennt, der sich unterbewusst schuldig fühlt, weil er seine Kameraden nicht retten konnte.
Wenn später bei Familienfesten oder Geburtstagstafeln die Onkels oder andere Freunde nach ein paar Gläsern Wein begannen, ihre Kriegserlebnisse zu erzählen, fiel ihnen mein Vater freundlich, aber bestimmt ins Wort: “Ihr Lieben, bitte ein anderes Thema.”  Einmal, erinnere ich mich, fügte er in einer solchen Situation hinzu: “Lasst uns was singen.”  Gesungen wurde bei solchen Familienfesten oft – meine Eltern hatten sich im Chor kennengelernt, wo auch viele ihrer Freunde und Verwandten sangen, mein Großvater leitete neben seiner Hauptverpflichtung an der großen Orgel des Limburger Doms mehrere Chöre und gab Klavierunterricht, und Walter – wenn er es sich hätte aussuchen können – wäre wohl am liebsten Dirigent geworden. Seit Weihnachten 1958, als eine Grundig-Musiktruhe ins Haus gekommen war, sehe ich ihn mit geschlossenen Augen vor dem Apparat sein imaginäres Orchester dirigieren – und lernte so schon früh die Musik von Beethoven, Mozart, Bach oder Bruckner  unterscheiden.  Und ich lernte Kochen, denn sonntags kochte Walter und während aus dem Wohnzimmer “Zauberflöte” oder “Pastorale” klangen, zeigte er mir, wie man Kotelett paniert oder Frikadellen macht. Dass er Kochen gelernt hatte, war für ihn das einzig Positive, das er aus dem Krieg mitgebracht hatte.

Als ich mich später entschloss, den Kriegsdienst zu verweigern, unterstützte er dieses Vorhaben und war damit in einer Minderheit. Die meisten Väter meiner Freunde fanden ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende immer noch (oder schon wieder?), dass militärische Zucht und Ordnung für langhaarige Studenten und “Gammler” genau das Richtige sei und sie gefälligst Soldat werden müssten.  Auch Walter gefielen meine langen Haare und die bunten Batik-T-Shirts, die ich am liebsten trug, überhaupt nicht – genauso wenig wie viele meiner Ansichten und Meinungen über die Welt; aber dass man Krieg nur verhindern kann, wenn man ihn nicht vorbereitet und dafür rüstet, darin waren wir uns einig. Als ich ihn im Deutschen Herbst 1977 mit sehr radikalen Pamphleten traktierte, schenkte er mir ein Abo der „Frankfurter Rundschau“ zum Geburtstag. Als Chef einer katholischen Wochenzeitung hatte er gute Beziehungen in Presse und Rundfunk und hätte es gern gesehen, wenn ich mich nach dem Studium auf diesem Ticket als Volontär verdingt hätte. Dass ich mich lieber den Leuten anschloss, die in Berlin gerade eine neue Tageszeitung gründen wollten, stieß bei ihm auf Kopfschütteln und Kritik, aber später auch auf Respekt, als wir daraus die berühmt-berüchtigte „taz“ gemacht hatten.

Zu seinem 100. Geburtstag wäre ich gerne auf die Krim gereist, wo er um sein (und mein) Leben geschwommen ist, was durch einen schrecklichen Krieg aber verhindert wird. Meine Schwester schrieb vor einigen Tagen: „Gut, dass Papa das nicht mehr erlebt.“ Ja, er hat Krieg gehasst und er wollte nicht, dass irgendjemand ihn irgendwo erleben muss. Und wenn es geschah, gründete und förderte er gleich Hilfskomitees um Betroffene zu unterstützten, was er wahrscheinlich auch jetzt wieder getan hätte – doch gleichzeitig hätte er auch meine Argumente respektiert, dass dieser Krieg provoziert war und man Russland nicht die Alleinschuld zuschieben darf… und wir hätten gestritten und diskutiert.

Als ihm ein Freund aus dem Haus der Landesregierung telefonisch mitteilte, dass er das „Bundesverdienstkreuz am Bande“  für seine Verdienste als Journalist bekommen sollte, hatte er geantwortet, dass ihn das „nur am Rande“ interessiert und man sich Orden doch „an den Hut stecken könnte”. Was am anderen Ende der Leitung als Unzufriedenheit mit dem Grad der Auszeichnung interpretiert wurde. Einige Tage später ein weiterer Anruf: „Du, Walter, wir haben das klargemacht, du kriegst das `Bundesverdienstkreuz Erster Klasse`!“ Welch selbiges ich geerbt habe und hüte. Er hat sich nichts daraus gemacht. Ehrgeiz war nie sein Ding und stolz war er allenfalls darauf, es in fünf Jahren Krieg mit Kartoffelschälen nur zum Obergefreiten der Marine gebracht zu haben. Oder, um es mit einem seiner Lieblingsphilosophen Blaise Pascal zu sagen, dessen „Gedanken“ er 1947 gelesen hat und deren zerfledderte Ausgabe ich ebenfalls hüte: „Alles Unheil dieser Welt kommt aus der Ursache, dass die Menschen nicht still in ihrer Kammer sitzen können.“

3. JT #76: Der Rubel rollt

Von jetzt an wird russisches Gas in russischer Währung abgerechnet. Was bedeutet das für unsere Wirtschaft und das Weltfinanzsystem?

_weitens: _ur _erstörung un_ulässiger Propaganda _ieht Deutschland alle Register und verbannt den let_ten Buchstaben aus dem Alphabet. Was wohl Präsident _elensky da_u sagt? Außerdem: Der Sohn des US-Präsidenten Hunter Biden soll die US-Biolabore in der Ukraine finanziert haben. Und es gibt endlich mal schöne Neuigkeiten von Julian Assange. Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #76 des 3. Jahrtausends!
UPDATE: Ganz aktuell zum Rollenden Rubel und der neuen Welt-Reserve-Währung hier auch Pepe Escobar:
Meet the New, Resource-Based Global Reserve Currency

Zu den vom russischen Verteidigungsminsterium veröffentlichen Dokumenten der US-Biowaffenforschung in der der Ukraine und ihrem Investor Hunter Biden – die wir im Gespräch erwähnen –  hat Thomas Röper eine Übersetzung gemacht

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -10

“Amerika spielt Monopoly, Russland spielt Schach”…. diese alte Wahrheit bestätigt sich jetzt einmal mehr: die “Sanktionen aus der Hölle”, mit denen NATOstan die russische Ökonomie und – mit dem “Einfrieren” genannten Diebstahl der Dollarreserven – den Rubel in die Knie zwingen wollte, sind schon nach einem Monat gescheitert – der Rubel ist gegenüber Dollar und Euro nach starkem Absturz mittlerweile  mehr wert als vor vier Wochen.   Dumm  gelaufen, kann man da nur sagen, was sich der selbsternannte Wirtschaftsexperte Olaf Scholz mit seinen “lange vorbereiteten” Sanktionsmaßnahmen da ausgedacht hat, die  laut seiner Außenministerin “Russland ruinieren”  werden. Mit einem einzigen Schachzug – Rohstoffe an feindliche Länder nur noch gegen Rubel – hat Russland die transatlantischen Monopolisten ausgebremst. Ab morgen heißt es: entweder Rubel oder kein Gas mehr. Da es keine großen Reserven mehr gibt und 40% des Energiebedarfs fehlen, könnte die Ruinierung bald einsetzen: nicht in Russland, sondern in Deutschland und Europa. 

Soeben wird  aus Moskau gemeldet, dass Deutschland weiter in Euro zahlen kann, aber auf ein Konto der Gazprom-Bank in Moskau, die es dann in Rubel konvertiert. “Energieminister” Habeck muss also bei der Russischen Zentralbank keinen Bückling mehr machen, damit sie ihm die Rubel fürs Gas verkaufen. Das Gefasel vom “Vertragsbruch” der Russen – mit denen man sämtliche Verträge einseitig gebrochen hat –  wird dann sicher  auch bald aufhören.  Wir sind gespannt. Denn wenn kein Gas mehr  kommt sind die Tage der rot-grünen Regierung genauso gezählt wie die ihrer Kollegen in den anderen europäischen Ländern. Ein bißchen Kaltduschen und “Frieren gegen Putin”, wie es einige Schwachköpfe empfehlen, kann den Niedergang ihrer Industrien und der gesamten Ökonomie nicht aufhalten. Wie wir hier schon gesagt hatten: “The Return Of The Yellow Vests” wird für die europäischen Regierenden ein Horrorfilm. Die Lieferungen via Yamal-Europe-Pipeline gingen am  Dienstag schon auf Null , wenn Nordstream 1 und die Ukraine-Pipeline auch leer laufen wirds  Zappenduster. Schon hat die BASF in Ludwigshafen – der größte Chemiestandort der Welt – einen Produktionsstopp angekündigt:  Falls  kein Gas mehr komme, drohe „ein katastrophaler Zusammenbruch unserer Produktionsnetzwerke“ . Willkommen beim Ex-Exportweltmeister, der de-industrialisierten US-Kolonie Deutschland, deren Gouverneure nicht einsehen wollten, dass 2022 die unipolare, von Washington und London kontrollierte Finanzwelt an ihr Ende gekommen ist.

Noch vor ein paar Tagen in Warschau hatte Joe Biden geprahlt, dass ein US-Dollar jetzt 200 Rubel wert sei (es waren tatsächlich 177), heute sind es nur noch 83… und die Talfahrt des Dollars ist sicher noch nicht zuende: “Der Rubel ist die stärkste Währung der Welt – zumindest gerechnet vom 7. März 2022 an,” schreibt die “Wirtschaftswoche”. Willkommen in der neuen Welt des Gas-Rubels, der zudem noch goldgedeckt sein wird. Die russische Zentralbank hat gestern begonnen, Gold zum Festpreis von 5000 Rubel/Gramm anzukaufen – wer Rohstoffe nicht bar in Rubel kaufen will, kann zu diesem Tarif dann auch in Gold zahlen. Wie hier am 16.3. schon angekündigt: Bretton Woods III – die Rückkehr zu einer rohstoff-und gold-gedeckten Währung als Alternative zum Petro-Dollar und dem FIAT-money des Westens ist auf dem Weg. In den nächsten Tagen  werden China, Russland und die Mitgliedsstaaten der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAEU) den Entwurf ihres neuen internationalen Währungs- und Finanzsystems vorstellen, das wahrscheinlich auf einer Verrechnungseinheit basieren wird, die ähnlich wie der ECU als Vorläufer des Euro aus einem paritätischen Topf der beteiligten Währungen gebildet wird. Und sie wird für die ca. 7 Milliarden Erdbewohner, die sich nicht an den NATOstan-Sanktionen beteiligen,  höchst attraktiv.  Denn welche Nation wird ihre Reserven künftig noch in Dollar halten, wenn sie vom US-Imperium nach gusto beschlagnahmt werden können – wie zuletzt Venezuelas Gold, Afghanistans Reserven und zuletzt die 300 Milliarden Russlands ?

Ich hatte es hier schon öfter geschrieben: nicht nur militärisch ist dieser Krieg für NATOstan verloren, auch der Wirtschaftskrieg kann nicht gewonnen werden, weil die Gegner – der globale Rohstoffriese Russland und der Produktionsriese China – am längeren Hebel sitzen. Der feuchte Traum des US-Imperiums – zuerst regime change in Moskau via Ukraine-Guerillakrieg und danach in Peking – wird nicht aufgehen, denn die Monopoly-Spieler haben es mit Schach- (und Go-)Großmeistern zu tun, die ihnen im komplexen Denken überlegen sind.
Über all das und mehr habe ich mit den Kollegen Robert Fleischer und Dirk Pohlmann heute in der 76. Ausgabe des 3. Jahrtausends gesprochen (live ab 20:00)

(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 9  (28.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 8 (26.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 7 (24.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 6 (22.03.22)28.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  5 (19.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 9

Wird es nicht langsam Zeit, den faschistischen Botschafter der Ukraine Andrij Melnyk des Landes zu verweisen, der ein vom Bundespräsidenten veranstaltetes Soldiaritätskonzert einen “Affront” nennt, weil dort auch russische Musiker mitspielten ? Wieviel offen rassistische Hetze darf dieser Rechtsradikale, der aus seiner Verehrung des SS-Schergen Stefan Bandera keinerlei Hehl macht, hierzulande noch betreiben, bis ihm Politik und/oder Justiz den Stecker ziehen ? Muss er sich erst von jüdischen Pianisten oder Geigerinnen distanzieren, um definitiv rauszufliegen – und wenn er das noch nicht tut, ist es dann  in Ordnung,  wenn er “nur” gegen russische Musiker hetzt ? Also gegen die “slawischen Untermenschen”, deren Vernichtung  durch seinen Held Bandera nunmehr die Asow-Brigaden übernommen haben. Hier einer ihrer Kommandeure, Artem Bonow, der Polizist in Kiew gewesen und sich mittlerweile nach Polen abgesetzt haben soll, weil ihm die “Operation Z” auf den Fersen ist. 
Deren Symbol wird allerdings in Deutschland jetzt verboten, denn: “Der Buchstabe ist eine Kampfansage an die freiheitliche Demokratie” , die von “Helden” wie Herrn Bonow in der Ukraine geschaffen werden soll. Schließlich ist jetzt Putin = Hitler und Deutschland mit den Asow-Brigaden führend in der Anti-Hilter-Koalititon. Mein Kollege Dirk Pohlmann hat auf Facebook darauf hingeweisen, dass das Verbot von “Z”  im Rahmen der NATO-Kooperation mit Faschisten keine Neuigkeit ist:

Übrigens war der Buchstabe “Z” schon einmal verboten. In der Obristen-Militärdiktatur der 70er Jahre in Griechenland. Z bedeutet “Er lebt” und war der Titel eines Films von Costa Gavras (Ich verneige mich), ein Meisterwerk des politischen Films und tatsächlich für mich unauslöschlich, der Film, mit dem mein Erwachsenenalter begann.
Im Abspann des Films, dessen Ende bereits Grund genug ist (!), ihn anzugucken, einfach genial, erfahren wir, was die faschistische griechische Militärdiktatur nach ihrem Putsch, der -natürlich, wie immer- mit freundlicher Unterstützung der NATO stattfand, alles verbot:Lange Haare bei Männern, Miniröcke, Sophokles, Tolstoi, Euripides, das Gläserwerfen nach Trinksprüchen, Streiks, Aristophanes, Ionesco, Sartre, Albee, Pinter, Pressefreiheit, Soziologie, Beckett, Dostojewski, Popmusik, Volksmusik, moderne Mathematik und den Buchstaben „Z“.
Denn im Griechischen bedeutet Ζεί, gesprochen Zi, „er lebt“. Der Buchstabe Z wurde von den Anhängern des dissidenten linken Politikers Lambrakis nach dessen Ermordung durch Faschisten als Parole benutzt.
Ich rufe also dazu auf, erneut den Buchstaben Z als Symbol gegen Faschisten und Neonazis zu verwenden.
Egal ob sie sich in deutschen Parlamenten herumtreiben, in den mit ihnen befreundeten und von ihnen unterstützten Asow-Nazi-Bataillonen oder in der NATO selbst, die eigentlich immer auf der Seite von Faschisten tätig war, wenn die irgendwo regieren wollten.

Diesem Aufruf kann ich mich von A bis Z  nur anschließen. Und wer noch bezweifelt, dass das russische Vorgehen gegen die Ukro-Nazis berechtigt  ist, schaue sich (mit sehr starken Nerven) die Videos des britischen Reporters Patrick Lancaster an, der seit einer Woche live aus Mariupol, einer Hochburg der Asow-Brigaden, berichtet. Diese animalischen Killer, die ermordeten Frauen ein Hakekreuz auf den Bauch brennen, werden von  Deutschland und seinem transatlantischen Scholzomat weiter mit Waffen beliefert und wer sich  mit dem Symbol ihrer Jäger solidarisiert, begeht eine Straftat. Willkommen im Vierten Reich, in dem Nazis und ihre rassistischen Botschafter wieder salonfähig sind….und die politischen Führer alles dafür tun, ihre Wähler:innen und ihr Land zu ruinieren.
Dass jetzt “Energieminster” Habeck in Übereinstimmung mit seinen G-7 Kollegen verkündet, dass eine Zahlung russischer Öl,-und Gaslieferungen in Rubel “nicht hinnehmbar” ist, weil es ein Bruch bestehender Verträge sei, macht klar, wie vollkommen hirnlos die politische Führung NATOstans agiert: einerseits in einer Sanktions-Orgie  – laut Scholz lange vor Kriegsbeginn “haarscharf geplant” – sämtliche Verträge mit Russland brechen und seine Dollarreserven stehlen “einzufrieren”, und dann darauf zu bestehen, dass Russland alle Verträge einhält. Wo leben diese Leute, die offenbar so  tief im Auspuff des Imperiums versackt sind,  dass ihnen jedes Denkvermögen abhanden gekommen ist. Denn es ist vollkommen klar, dass weder die arabischen Feudalherrscher, bei denen Habeck jetzt den Bückling macht, noch die Schiffchen mit überteuertem US-Flüssiggas die europäischen Industriestaaten über die nächsten Winter bringen können.Von ihrem Realitätsverlust können diese Politiker  wohl erst kuriert werden, wenn aus Russland wirklich kein Öl und Gas mehr kommt und die ökonomische Katastrophe dafür sorgt, dass sie mit Schimpf und Schande aus ihren Ämtern gejagt werden.

Unterdessen hat  der semi-debile Joe Biden seinen Kollegen Putin als “Schlächter” bezeichnet und seine Rede in Warschau mit der Forderung beschlossen, dass er “um Gottes Willen nicht an der Macht bleiben darf” – worauf seine Betreuer sich umgehend zu der Präzisierung genötigt sahen, dass er damit Putins “Macht über Nachbarstaaten” gemeint hätte, und nicht den regime change in Moskau. “Never underestimate Joe’s ability to fuck things up”, hatte Friedhofsnobelpreisträger Barack Obama über seinen ehemaligen Vize gesagt. Diese Fähigkeit hat Biden erneut bewiesen und das eigentliche Kriegsziel ausgeplaudert statt einfach vom Teleprompter abzulesen. De-Eskalation sieht jedenfalls anders aus. Und die Aussichten unter einem solchen geriatrisch eingeschränkten “Commander in Chief” eine Krieg gegen Russland und China zu gewinnen sind gleich Null. Deshalb und weil es gegen Kinzahl und seine Freunde  keinen Verteidigung gibt, wird das Imperium  die Freiheit in der Ukraine auch nur bis zum letzten Ukro-Nazi verteidigen und nicht selbst eingreifen.
Obwohl “Sleepy Joe” sehr persönliche Gründe hätte, dies zu tun, denn sein Sohn Hunter steckt noch tiefer im ukrainischen Sumpf als bisher bekannt war. Aus Dokumenten, die von russischen Streitkräften in den geheimen Bio-Labors in der Ukraine aufgefunden wurden, geht nach Angaben des Verteidigungsninisteriums hervor, dass Hunter Bidens Investmentfirma “Rosemont Seneca Technology Partners” ein führender Finanzier dieser Einrichtungen war, die an tödlichen Pathogenen forschten – in Zusammenarbeit mit dem Pentagon und der Eco Health Foundation, die in den Wuhan Labors in China Coronaviren  “Gain of Funtion”-mäßig  “scharf machen” lies. Nachdem Staatssekretärin Victoria “F*ck EU” Nuland die Existenz dieser Labore  am 8.März unter Eid bestätigen musste, hat sich das Standard-Argument “russische Desinformation” erledigt. Mit diesem Argument hatten 50 ehemalige Geheimdienst-Mitarbeiter schon 2020 versucht, die emails von Hunter Bidens Laptop herunterzuspielen, die jetzt auch für die New York Times als “authentisch” gelten. Womit  klar ist,  was noch im Wahlkampf von den Medien massiv unterdrückt wurde – die “New York Post”, die berichtet hatte, wurde auf Twitter und Facebook gesperrt, Glen Greenwalds Artikel dazu wurden auf der von ihm gegründeten Plattform “The Intercept” zensiert und er gefeuert:, weil sie Fakten mitteilten: Bidens Junior hat große Korruptionsummen aus der Ukraine und  auch aus China bezogen – mit “10% for the big guy”, Papa Joe. Wäre von solchen Beweisen statt Joe Biden Donald Trump betroffen gewesen, hätte man ihn “in Handschellen” aus dem Weissen Haus entfernt, wie es im Zuge von “Russiagate” oft gefordert wurde, so aber wurden sie als “russische Desinformation” deklariert und  konnte als solche in das seit fünf Jahren konstruierte und propagierte Fake-News-Narrativ übernommen werden.

(wird fortgesetzt)
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Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 8

Angesichts des geopolitischen game changers, der die Vereinigten Staaten  abhält, das zu tun, was sie  in normalerweise tun würden  – nämlich das Land in Schutt und Asche bombardieren – sturheil weiter zu fordern, einem ukrainischen Volkssturm Waffen zu liefern und gegen die haushoch überlegene russische Armee kämpfen zu lassen, ist skrupellos. Das ehemalige Nachrichtenmagazin “Spiegel” indessen hat das volle Rollback zum “Stürmer” vollzogen und läßt seine Kommentoren nicht nur behaupten “die Kapitulationsaufforderung ist absurd”, sondern dazu den Vergleich heranziehen, dass die Russen beim Einmarsch von Hitlers Armee 1941 ja schließlich auch nicht gleich aufgegeben hätten.  Ja klar – und einige Russen haben auch durchgehalten, als die Wehrmacht 1941-43 Leningrad belagerte und sind nicht gleich verhungert (warten aber noch immer auf eine Entschädigung Deutschlands)  – aber diesen Vergleich heben wir uns auf, bis Öl, Gas und Weizen knapp werden und  Durchhalteparolen für die Heimatfront gefragt sind. Bis dahin aktivieren wir “Warfluencer”, die mit Gräuel-Clips und Ruinen-Pornos in den social media auch die Tik-Tok-Kids richtig kriegsgeil und wie Kiews Botschafter in Berlin  zu Fans der Neonazi-Brigaden machen,  schließlich kämpfen sie wie damals auf der richtigen Seite: gegen “slawischen Untermenschen”. Am Ende braucht es nur eine kleine Differenzierung im Sprachgebrauch – wenn die  Al Qaida Kopf-Ab-Islamisten, die für NATOstan in Bosnien, Libyen, Syrien kämpften  als “moderate Terroristen” durchgingen, wird sich für die rassistischen Asov-Bataillone, die gern mal zum Mord an russischen Babys aufrufen, sicher auch noch ein aktzeptabler Claim finden lassen. Und bis dahin behaupten wir einfach, dass sie gar nicht so schlimm und eigentlich gar nicht da sind, sondern ein Fake von Putin.
Wahrscheinlich wird so ein neues Branding aber nicht mehr gebraucht, weil die russischen Armee den Kern dieser Truppe  in der Ostukraine schon von der Versorgung abgeschnitten hat und  eine ihrer Hochburgen, das große Stahlwerk in Mariupol, von den gefürchteten Spezialisten im Häuser,-und Straßenkampf, tschtschenischen “Spetsnaz”, umstellt ist. Während für reguläre Mitglieder der ukrainischen Armee das Angebot gilt “Wer die Waffen niederlegt, kann nach Hause gehen”, wird kein Neonazi dort lebend raus kommen. Dass das nicht schade ist, sondern höchste Zeit, macht Pepe Escobars kurzer Rückblick auf diese Bande klar ( “Make Nazism Great Again”)  :

“Inzwischen wissen nur noch die Hirntoten in NATOstan – und davon gibt es Horden – nichts vom Maidan im Jahr 2014. Doch nur wenige wissen, dass es der damalige ukrainische Innenminister Arsen Awakow war, ein ehemaliger Gouverneur von Charkow, der grünes Licht dafür gab, dass eine 12.000 Mann starke paramilitärische Truppe aus Sektenmitgliedern und Fußballhooligans, die Dynamo Kiew unterstützten, gebildet werden konnte. Das war die Geburtsstunde des Asow-Bataillons im Mai 2014, angeführt von Andriy Biletsky, auch bekannt als “Weißer Führer” und ehemaliger Anführer der Neonazi-Bande “Patrioten der Ukraine”. Zusammen mit dem NATO-Agenten Dmitro Jarosch gründete Biletsky die Organisation “Pravy Sektor” (Rechter Sektor), die vom ukrainischen Mafia-Paten und jüdischen Milliardär Ihor Kolomoysky finanziert wurde (der später die Metawandlung von Zelensky vom mittelmäßigen Komiker zum mittelmäßigen Präsidenten finanzierte).
Pravy Sektor war ein fanatischer EU-Gegner – erzählen Sie das mal Ursula von der Leyen – und politisch davon besessen, Mitteleuropa und die baltischen Staaten in einem neuen, geschmacklosen Intermarium zu vereinen. Entscheidend ist, dass der Pravy Sektor und andere Nazibanden von NATO-Ausbildern entsprechend geschult wurden.
Biletsky und Yarosh sind natürlich Jünger des berüchtigten Nazi-Kollaborateurs Stepan Bandera aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, für den reine Ukrainer proto-germanisch oder skandinavisch und Slawen Untermenschen sind. Asow absorbierte schließlich fast alle Neonazi-Gruppen in der Ukraine und wurde in den Kampf gegen den Donbass entsandt – wobei ihre Gefolgsleute mehr Geld verdienten als reguläre Soldaten. Biletsky und ein weiterer Neonazi-Führer, Oleh Petrenko, wurden in die Rada gewählt. Der Weiße Führer stand allein da. Petrenko beschloss, den damaligen Präsidenten Poroschenko zu unterstützen. Bald wurde das Asow-Bataillon als Asow-Regiment in die ukrainische Nationalgarde eingegliedert. Sie begaben sich auf eine Rekrutierungskampagne für ausländische Söldner – mit Leuten aus Westeuropa, Skandinavien und sogar Südamerika. Dies war durch die von Frankreich und Deutschland garantierten (und inzwischen de facto außer Kraft gesetzten) Minsker Vereinbarungen streng verboten. Azov richtete Ausbildungslager für Jugendliche ein und erreichte bald 10.000 Mitglieder. Erik “Blackwater” Prince schloss 2020 einen Deal mit dem ukrainischen Militär ab, der es seiner umbenannten Organisation Academi ermöglichte, Asow zu beaufsichtigen.(…)
Als Putin einen “Haufen Neonazis” anprangerte, die in Kiew an der Macht seien, antwortete der Comedian, das sei unmöglich, weil er Jude sei. Das ist Unsinn. Zelensky und sein Gönner Kolomoysky sind praktisch gesehen Zio-Nazis. Selbst als Zweige der US-Regierung zugaben, dass sich Neonazis im Kiewer Apparat verschanzt hatten, ließ der exzeptionalistische Apparat  den täglichen Beschuss des Donbass über acht Jahre hinweg einfach verschwinden. Diese Tausende von zivilen Opfern haben nie existiert.”

Wie ja auch heute, wir schreiben den 24.März, sämtliche Erinnerungen gelöscht sind, dass vor 23 Jahren das NATO-Bombardement Jugoslawiens begann, das 78 Tage andauerte, die Infrastruktur landesweit zerstörte und Tausende zivile Opfer forderte. Dies war der erste Angriffskrieg in Europa und NATOstans Sündenfall. Solange diese Kriegsverbrechen  und die Straffreiheit der Verantwortlichen (Clinton, Blair, Schröder, Fischer) im Westen akzeptiert wird, bleiben Forderungen, Russlands Kriegsverbrechen in der Ukraine anzuklagen, nur hohle Doppelmoral. Doch die Zeiten des  “quod licet iovi…” sind vorbei und sie werden nicht zurück kommen. 
Und während die Schreibtischtäter vom Stürmer-Spiegel noch dabei sind, mit Durchhalte-Propaganda mehr Kanonenfutter zu generieren und die Mainstream-Medien insgesamt (wie bei Corona) eine hysterische Horrorshow abziehen, in der die Rolle des”Killervirus”  quasi nahtlos von “Killerrussen” übernommen wurde, sind sie jetzt vom Pentagon  höchstselbst zurückgepfiffen worden – mit dem Hinweis, das von einem “Angriffskrieg” Russlands keine Rede sein kann: “Wenn wir uns nur selbst davon überzeugen, dass Russland wahllos bombardiert oder nur deshalb nicht mehr Schaden anrichtet, weil seine Soldaten der Aufgabe nicht gewachsen sind, oder weil Russland technisch nicht dazu in der Lage ist, verkennen wir den wahren Konflikt.” Die USA, so setzte der Pentagon-Analyst hinzu, hätten am ersten Tag der Irak-Invasion 2003 mehr Zerstörung angerichtet als Russland in 24 Tagen: „Ich weiß, es ist schwer zu schlucken, dass das Blutbad und die Zerstörung weit schlimmer sein könnten, als es der Fall ist. Aber genau das zeigen die die Fakten. Für mich sieht es danach aus, dass Putin nicht absichtlich Zivilisten angreift….”.

Während die Propaganda-Maschine, die sich mit  “Vernichtungskrieg” und anderen Horrorvokabeln überschlägt, weiter grobe Desinformation betreibt,  bestätigt das Pentagon damit, was Russland von Beginn an gesagt hat: dass es keinen Angriff auf Land und Leute durchführt und  auch keine Invasion oder Eroberung,  sondern eine “militärische Operation” um die Angriffe auf die Donbass-Region zu stoppen. Angriffe, die von der Regierung in Kiew und ihrem korrupten Präsidentendarsteller befohlen und ausgeführt werden, und die die Russen jetzt beenden – methodisch und konsequent. Wie dieses Vorgehen aus militärischer Sicht zu beurteilen ist, hat Scott Ritter (Ex-US-Marine und UN-Waffeninspekteur) in einem ausführlichen Gespräch mit Max Blumenthal und Aaron Maté erörtert. Sich diesen Lagebrericht eines echten Fachmanns anzuhören, der sowohl die USA wie auch Russland kennt und weiß, wie Kriege geführt werden, kann ich allen empfehlen, die ein realistisches Bild des Konflikts gewinnen wollen. Anstatt sich sich die nächste Oscar-Verleihung zu geben,  mit dem Hauptdarsteller des  Comedian persönlich, während seine  Regisseure – die Produzenten der Blockbuster “Irak”, “Afghanistan” und “Syrien” – wahrscheinlich nicht auftreten werden. Die sind mit der Verängerung des Kriegs und dem geplanten follow up “Regime Change Moskau” zu  sehr beschäftigt. Und schon gar nicht wird der bekannteste Intellektuelle des Landes,  Noam Chomsky, um seine Meinung gebeten:

“Ein NATO-Beitritt der Ukraine wäre wie jeder weiß nichts anderes, als würde Mexiko einem von China geführten Militärbündnis beitreten, gemeinsame Manöver mit der chinesischen Armee veranstalten und Waffen auf Washington bereithalten. Auf dem souveränen Recht Mexikos zu beharren, dies zu tun, würde an Idiotie grenzen (und glücklicherweise wird dies von niemandem angesprochen). Washingtons Beharren auf dem souveränen Recht der Ukraine, der NATO beizutreten, ist sogar noch schlimmer, da es ein unüberwindbares Hindernis für eine friedliche Lösung einer Krise aufbaut, die bereits ein schockierendes Verbrechen ist und bald noch viel schlimmer werden wird, wenn sie nicht gelöst wird – durch die Verhandlungen, denen sich Washington verweigert.”

Solange diese Verweigerung anhält – Frieden ist “uncomfortable” – wird der Krieg weitergehen und je länger die Medien den ukrainischen “Volkssturm” im Stürmer-Stil ins Verderben treiben, desto mehr Opfer wird er fordern. Die russischen Streitkräfte werden sich von  mit MPs und Panzerfäusten bewaffneten Truppen – und viel mehr haben die ukrainischen Kämpfer  nicht mehr zu bieten, Großwaffen kommen kein mehr rein, weil sie zerstört werden – nicht von einem Rückzug überzeugen lassen. Und allein mit Fake News und Propaganda gewinnt man keinen Krieg am Boden. Wer Frieden will muss verhandeln. Und wer in den Krieg zieht, muss sich fragen, wofür – sollte aber im Zuge der verordneten Ukrainophilie nicht ganz vergessen, was vor der “Pandemie der Killerrussen” noch in der Zeitung stand:

 

(wird fortgesetzt)
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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 7

Vor ein paar Tagen fragte ein Bekannter, der meine Notizen gesehen hatte, warum ich mir so sicher bin, dass der Krieg für die Ukraine verloren ist. Wenn die NATO wirklich eingreift, meinte er, hat Russland “gegen das 10-fache an Manpower und Waffen” doch keine Chance. Er hatte meine Hinweise und Links auf die technische Überlegenheit der russischen Streitkräfte sowohl in der Luftverteidigung als auch bei den Offensivwaffen übersehen. Eben die ist aber der Grund, warum NATOstan nicht eingreifen wird. Es ist zwar materiell massiv überlegen, aber ebenso massiv und empfindlich verwundbar. Weshalb jetzt die Ukrainer in eine aussichtslose Schlacht gehetzt werden müssen, gegen eine russische Armee die ihnen 10-fach überlegen ist. Ein zynischer, mörderischer Wahnsinn, doch das ficht das Imperium nicht an, es entspricht der Tradition, mit der es seine Kriege führen lässt, von Vasallen und fern der Heimat. Aber diese Zeiten sind vorbei, zumindest was das “Fern der Heimat” betrifft. Am Wochenende haben die russischen Streikräfte zwei große Miltärdepots im Süden und Westen der Ukraine zerstört und dazu zum ersten Mal in der “Operation Z” die hyperschnelle “Kinzhal”-Rakete eingesetzt. Diese ist Lesern dieses Blogs schon seit 2018 bekannt (Dont mess around with Ivan!), als wir sie als game changer im geopolitischen Schach und der globalen militärischen Balance beschrieben haben, mit einem Zitat von Andrei Martyanov, dem Autor von “The (Real) Revolution in Military Affairs”:

“Dies ist geopolitisch, strategisch, operativ, taktisch und psychologisch ein game changer. Es war bereits seit einiger Zeit bekannt, dass die russische Marine eine revolutionäre M=8-fähige 3M22 Zircon-Schiffsabwehrrakete einsetzt. So beeindruckend und praktisch von keiner Luftabwehr angreifbar die Zircon auch ist, die Kinzhal ist einfach schockierend in ihren Fähigkeiten. (..)Kein Luftverteidigungs- oder Raketenabwehrsystem der Welt ist heute in der Lage, irgendetwas dagegen zu unternehmen, und es wird wahrscheinlich Jahrzehnte dauern, ein Gegenmittel zu finden. Genauer gesagt kann kein modernes oder perspektivisches Luftverteidigungssystem, das heute von einer NATO-Flotte eingesetzt wird, auch nur eine einzige Rakete mit solchen Eigenschaften abfangen. Eine Salve von 5-6 solcher Raketen garantiert die Zerstörung eines Flugzeugträger-Kampfverbands oder eines anderen Verbands – und das alles ohne Einsatz von Nuklearmunition.”

Als Wladimir Putin in seiner Rede zum Beginn des Einmarschs sagte, dass jeder, der Russland bei dieser “Operation” behindert mit Reaktionen rechnen muss “wie er sie noch nie erlebt hat”, war nicht die Drohung mit einem Nuklearkrieg gemeint, sondern mit einem konventionellen Einschlag von “Kinzhal”. Dem “Dolch”, der nicht abgefangen werden kann und aus 2000 Kilometern Entfernung auf den Meter genau nicht nur Flugzeugträger treffen und zerstören kann, sondern bei Bedarf auch das Pentagon, Downing Street 10 oder das Kanzleramt. Was sogleich die Frage aufwirft, wofür wir eigentlich weiter Schutzgeld an die NATO und die US-Truppen in Deutschland zahlen, wenn sie nicht einmal den Sitz der Bundesregierung verteidigen können und alles andere genauso wenig.
Hallo Olaf, bitte mal herhören: was nützt eigentlich ein “Verteidigungsbündnis”, das weder Dich noch mich noch das ganze Land verteidigen kann ? Sollte man sich da – aus Sicherheitsgründen – nicht besser mit jemanden zusammentun, der in der Lage ist, uns wirklich zu schützen ? Oder anders herum: wenn ein starker Beschützer nicht zur Hand ist, lege ich mich dann als “Kriegskanzler” mit jemandem an, der mich mit einem einfachen Knopfdruck ins Jenseits befördern kann ?
Doch eher nicht, aber solche Fragen scheint sich in der Bundesregierung niemand zu stellen, weshalb man im Rahmen der “wertebasierten Außenpolitik” jetzt lieber 100 Milliarden Euro in Aufrüstung und Waffen investiert. Die gegen Kinzhal, Zircon & Co   rein gar nichts ausrichten können. Auch nicht das ultrateure Prachtstück von Lockheed-Martin, der Kampfjet F-35, von dem man jetzt drei Dutzend zum Stückpreis von 8o Millionen Dollar kaufen will, weil er laut Angaben des Herstellers über Tarneigenschaften verfügt, die ihn für die gegnerische Luftabwehr unsichtbar machen. Freilich nur, wenn der Gegner nicht über ein IADS (Integrated Air Defense System) wie das russische S400 /S500 verfügt, die den anfliegenden “Tarnkappenbomber” schon aus 200 km Entfernung sichten und abschiessen kann. Um nur eine einzige S-400 Batterie auszuschalten bräuchte es nach Schätzungen den Angriff von mindestens einem Dutzend F-35, von denen dann 10 oder 11 nicht mehr nach Hause kommen. Kriegskanzler Scholz hat also die Chance, seine chice F-35-Flotte locker an einem Tag zu verschrotten, was wiederum die Frage aufwirft, warum eine Regierung für derart potentiellen Schrott überhaupt Geld ausgibt ?
Das fragt aber niemand, weil die westliche Debatte derzeit ausschließlich moralisch und emotional geführt wird und und die militärischen und technischen Gegegebenheiten “on the ground” einfach ausblendet. Was in der Folge, wenn die Ukie-Armee mal einen russischen Panzer getroffen hat, sofort zu haltlosen Jubelartikeln über “Russlands Scheitern” oder “Putins Untergang” führt. Wozu die ernüchternde Statistik, die das Russische Verteidgungsministerium täglich aktualisiert, dem westlichen Publikum freilich vorenthalten werden muss: “Insgesamt wurden bei der Operation 230 unbemannte Luftfahrzeuge, 181 Flugabwehrraketensysteme, 1.528 Panzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge, 154 Mehrfachraketenabschussanlagen, 602 Feldartillerie- und Mörseranlagen sowie 1.312 Einheiten von militärischen Spezialfahrzeugen der ukrainischen Streitkräfte zerstört.”
Willkommen auf den Schrottplätzen der ukrainischen Armee, deren Ausmaß wir aber nicht schildern oder zeigen, weil dies den Kampfgeist der Ukrainer schwächen würde, die schließlich bis zum letzten Mann und zur letzten Patrone kämpfen sollen. Da lassen wie lieber Zelensky im US-Kongreß mal eine kämpferische Rede halten, der Mann ist schließlich Schauspieler:

“Zelenskys Worte und sein Video hatten in den westlichen Hauptstädten eine starke emotionale Wirkung, die eindeutig darauf abzielte, eine aufgeheizte Atmosphäre der Emotionen zu schüren, die fast zum Erliegen gekommen war. Diese emotionale Aufladung verstärkt die Angst vor dem Niedergang Amerikas und die Anzeichen dafür, dass sich immer weniger Länder instinktiv den USA beugen, so wie sie es in der Vergangenheit getan haben. Das ist beunruhigend. Es kann aggressive Gefühle auslösen, die darauf abzielen, es demjenigen heimzuzahlen, der die Vorstellung von einer Nation mit einem einzigartigen Schicksal herabwürdigt. Dieser emotionale Inhalt macht westliche Kommentatoren bereits blind für die militärischen Realitäten vor Ort, die von den täglichen Berichten über herzzerreißende Gräueltaten ignoriert und verdrängt werden. Im heutigen Westen ist die Analyse zu einem bloßen Ausdruck der korrekten Kultur geworden, und jede Erwähnung der Realitäten vor Ort ist fast ein Verbrechen. Dies ist der perfekte Rahmen, um Fehler zu begehen.” (Alastair Crooke: The Potential Catastrophe of Misperceiving ‘Total War’ as Tactical War)

Das ist der Punkt: die hysterische Emotionalisierung des Konflikts, das Ausblenden der Realität vor Ort und ihre Reduktion auf herzreißende Gräueltaten, böse Russen und teuflischen Putin erstickt jede rationale Analyse im Keim. Eine solche ist aber Voraussetzung für das Finden rationaler Lösungen. Wer Leid reduzieren und den Krieg beenden will, darf sich nicht von Emotionen leiten lassen, sondern muss die Lage erkennen und Auswege suchen. Das US-Imperium hat daran kein Interesse, denn für sein Kriegsziel – Regime Change in Moskau – ist ein möglichst langer, Russland schwächender Guerillakrieg in der Ukraine das Mittel der Wahl. Doch dieser Kontext ist wie jeder Hintergrund und Zusammenhang dieses Kriegs unter einem in dieser Form nie dagewesenen anti-russischen Propaganda-Tsunami nahezu verschwunden. Die westlichen Medien senden nur noch in manichäischem Schwarz/Weiß – wir sind die Guten, Russland ultraböse – und da die “Feindsender” abgeschaltet und zensiert werden, ist das Publikum zwecks Meinungsbildung allein auf den “Volksempfänger” angewiesen. Weil er dem nicht traute, hatte mein Großvater  im 2. Weltkrieg auf dem Speicher ein Radio versteckt, über das er BBC und andere “Feindsender” hörte, um sich – audiatur et altera pars – im Propaganda-Nebel des Kriegs selbst ein Bild über die Lage “on the ground” zu machen.

Solche Recherchen scheinen auch heute wieder sehr nötig, um sich übergrundlegende Daten und Fakten zu informieren. Dazu gehören bei einer militärischen Auseinandersetzung zuallerst die Informationen über die Stärke, die manpower und firepower, des Gegners:”Kenne deinen Feind!” – wozu im aktuellen Fall die Kenntnis des einschneidenden, historischen Paradigmenwechsels der Militärtechnik gehört, der die Geopolitik des 21. Jahrhunderts prägen wird: das Erscheinen von “Kinzhal” und weiterer hypersonischer Waffen markiert das Ende der “einzigen Weltmacht” USA und seiner Vision globaler “Full Spectrum Dominance”. Ihr unipolares Zeitalter “billiger Kriege”, die weit weg und risikofrei geführt werden, ist vorüber. Jeder US-Krieg kann ab sofort direkte Konsequenzen in der Heimat haben
Was bedeutet: Wäre Wladimir Putin tatsächlich der ultraböse Wahnsinnige, als der er derzeit in unseren “Qualitätsmedien” erscheint, könnte er morgen – stinkwütend über die neuesten Beleidigungen – mal kurz die Büros von Biden oder Johnson oder der BBC und New York Times ins Kinzhal-Visier nehmen lassen und Rummms! wär da einiges kaputt – ganz konventionell, ohne Nuklearkatastrophe und Kollateralschäden. Und vor allem: ohne dass es irgendeine Verteidigung dagegen gibt, dass es morgen wieder passiert. Lassen Sie diesen geopolitisch revolutionären Paradigmenwechsel mal sacken und denken Sie darüber nach.
Dem exzeptionalistischen Imperium und seinen eingebildeten Think-Tankern fällt das schwer, sie glauben in ihrer Hybris immer noch, mit NATOstan über die größte und beste und unschlagbarste Armee aller Zeiten zu verfügen und mit der Verbreitung von “Freiheit”, “Demokratie” und “Menschenrechten” (wie zuletzt in Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien) dem Rest der Welt ihren Willen aufzwingen zu können. Aber diese Zeiten sind definitiv vorbei. Wie die Hiroshima-Bombe einst ein neues “Gleichgewicht des Schreckens” zwischen den Weltmächten diktierte, wird das Bedrohungsszenario der hyperschnellen Raketen neue militärische Balancen definieren, in der kommenden multipolaren Welt.
(wird fortgesetzt)

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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt (6)

Sie ist nicht alles…und schon gar nicht die Welt, diese “internationale Gemeinschaft”, in deren Namen die Zurückweisung und Verurteilung Russlands jetzt in jeder zweiten Rede beschworen wird. Genau genommen umfasst sie nur etwa ein Viertel der Menschheitsfamilie und ist auch als NATOstan bekannt. Weil es sich den anderen drei Vierteln gegenüber in den letzten Jahrzehnten meist sehr unfreundlich verhalten und wehrlose Länder angegriffen hat, ist es dort nicht sonderlich beliebt. Die Behauptung ein “Verteidigungsbündnis” zu sein nimmt ihm kaum noch jemand und viele sehen darin nichts anderes als die Schlägertruppe und Schutzgeldeintreiber des US-Imperiums. Die eiserne Faust, die auf dem regelbasierten “freien Markt” die Regeln bestimmt und durchsetzt, der Pitbull, der jeden fertig macht, der an die Fleischtröge will, den hochgerüsteten Goliath der “Full Spectrum Dominance” auf dem ganzen Planeten anstrebt.  Und der sich deshalb gern “internationale Gemeinschaft”  nennt, obwohl er eigentlich  nur aus  Vasallen und Söldnern des Imperiums besteht. Auf dieses Mißverhältnis sollte offenbar auch die obenstehende Karte mit Kommentar hinweisen, die Zhao Lijian, der stellvertretende Sprecher des chinesischen Außenministeriums, getwittert hat. Nachdem das Gipfelgespräch China-USA das erwartbare Ergebnis gebracht hatte und sich China selbstverständlich  nicht an der Boykott-Orgie gegen Russland beteiligen wird. Bezeichnend und klar auch die chinesische Antwort auf eine Frage in der Pressekonferenz

Frage: “NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, dass jede Unterstützung Russlands, sei es militärisch oder in anderer Form, Russland dabei helfen würde, einen brutalen Krieg gegen eine unabhängige, souveräne Nation, die Ukraine, zu führen und den Krieg fortzusetzen, der Tod, Leid und ein enormes Maß an Zerstörung verursacht.”

Zhao Lijian:  “Das chinesische Volk kann den Schmerz und das Leid anderer Länder voll und ganz nachempfinden, denn wir werden nie vergessen, wer unsere Botschaft in der Bundesrepublik Jugoslawien bombardiert hat. China braucht keine Belehrung über Gerechtigkeit von dem, der das Völkerrecht missbraucht. Als Überbleibsel des Kalten Krieges und größtes Militärbündnis der Welt weitet die NATO ihre geografische Reichweite und ihr Einsatzspektrum immer weiter aus. Welche Rolle hat sie für den Weltfrieden und die Stabilität gespielt? Die NATO muss darüber nachdenken.”

Auch der Kommentar der Radio-Journalistin Liu Xin  zur Abfuhr Joe Bidens war deutlich – und zeigt einmal mehr, das man selbst von Sun Tzus erster, uralter Regel der Kriegsführung – Kenne deinen Feind! – in den USA  absolut nichts verstanden hat.


Statt den US-Forderungen nachzukommen,  sind die Chinesen jetzt zusammen mit den Russen und weiteren asiatischen Ländern dabei, eine rohstoff-und goldgedeckte globale Alternativwährung auf die Beine zu stellen (siehe “Notizen- 3”) und das Monopol des US-Dollars als globale Leitwährung zu brechen. Selbst in der alten Heimat des “Petro-Dollar”-Kartells, in Saudi-Arabien, hat man scheinbar die Zeichen der neuen Zeit erkannt: Prinz Mohamed Bin Salman – der “Knochensäger” – will einen Ölvertrag mit China zur Bezahlung in Landeswährung abschliessen. Um das Ende des Petrodollars noch zu verhindern, so ein Kommentator, “müsste Joe Biden jetzt eigentlich in Saudi-Arabien einmarschieren”… und dann auch noch in Indien, denn das hat gerade einen Deal von  russischem Öl gegen Rupien abgeschlossen. Willkommen im Wirtschaftskrieg  der neuen multipolaren Welt, in der dem Hegemon die Felle davonschwimmen, weil seine Think-Tank-Bullshiter ihr NATOstan noch immer mit der  ganzen Welt verwechseln und die Phantastillarden ihrer Rüstungsbudgets mit Unbesiegbarkeit.

Dass sich zum Beispiel der Politologe Francis Fukuyama jetzt sicher ist, dass Russland diesen Krieg verliert, ist ein typischer Fall dieser ignoranten Ahnungslosigkeit, die von der Hyperschall-Revolution im Militärbereich noch nie gehört hat –  weil sie nicht in den Waffenschmieden von NATOstan stattfand – und noch gar nichts davon weiß, dass die alten Zeiten von MAD – “Mutually Assured Destruction” – vorbei sind. Was nichts anderes bedeutet, als dass Russland und China im Falle eines ultimativen nuklearen Schlagabtauschs die weitaus besseren Chancen haben, weil sie sowohl über die bessere Luftverteidigung als auch über Angriffsraketen verfügen, die mit ihrer 10-Mach Geschwindigkeit nicht abgefangen werden können.
Von gefährlicher Kenntnislosigkeit zeugt auch Fukuyamas Idee,  den Krieg mit NATO-Bodentruppen zu gewinnen, denn er weiß offensichtlich nicht, gegen wen er die Boys&Girls, die gerade von einer Barfußarmee mit alten Kalaschnikows aus Afghanistan verjagt wurden, da in den Krieg schickt. Für Russland geht es bei der Militäroperation in der Ukraine um seine Existenz – und anders als die Söldner und Stellvertreter, die das Imperium für seine Geschäftsinteressen kämpfen läßt,  hat Russland wirklich etwas zu verlieren. Und außer überlegenen Waffen mit Sicherheit auch einen überlegenen Kampfgeist und Teamspirit, sowie nicht zuletzt historische Erfahrung mit existenzbedrohenden Kriegen gegen (scheinbar) überlegene Mächte. Die Armeen Napoelons, der dem Zaren den Export seines wichtigsten Rohstoffs (Hanf!) an die britische Navy verbieten wollte, wurden ebenso verjagt wie Hitlers Nazi-Wehrmacht, deren geistigen Erben man sich jetzt in Form der Asov-Brigaden gegenüber sieht, die von NATOstan unterstützt werden. Und das nicht erst seit vorgestern oder seit 2014. Wie wir in “Wir sind die immer  Guten” aufgezeigt haben, arbeitete die CIA in der Ukraine seit Jahrzehnten am Aufbau anti-russischer Gruppen. Es ist deshalb keineswegs Paranoia, wenn sich Moskau durch das Vorrücken der NATO und Angriffswaffen in den Händen offen faschistischer Milizen bedroht sieht.

Das erklärte Ziel der “Operation Z” – eine de-militarisierte neutrale Ukraine, die die Ost-Provinzen als autonome Republiken und den Krim-Beitritt zu Russland akzeptiert – ist aus dieser Perspektive ebenso nachvollziehbar, wie von Seiten des Imperiums nach wie vor  unverhandelbar. Es will diesen Krieg, und sein Ziel ist nicht die Rettung der “Demokratie” – die es in der korrupten Oligarchen-Republik Ukraine ohnehin nie wirklich gab –  sondern die Unterwerfung Moskaus und die Kontrolle der größten Rohstoffreserven des Planeten.

Allein darum geht es, und nicht um einen –  mittlerweile als Kriegsheld und Rockstar gefeierten –  korrupten Präsidentendarsteller und seine pseudo-demokratische Regierung, die gerade alle Oppositionsparteien und Medien verboten hat, es geht nicht um das “Selbstbestimmungsrecht” der Ukraine, die seit acht Jahren von Washington gesteuert und zum ärmsten Land Europas heruntergewirtschaftet wurde, und schon gar nicht um die Menschen, die dort leben und in einem Bürgerkrieg verheizt werden, um ihr Land zum Aufmarschgebiet zu machen. Für die Schlacht mit dem Endgegner, der mit “Sanktionen aus der Hölle” und einem Guerillakrieg so lange geschwächt werden soll, bis seine Regierung unter Ressourcenmangel und Protesten zusammenbricht.
Der CIA-Lautsprecher der Washington Post – David Ignatius – verkündete im Dezember 2021:

“Das grundlegende Ziel der Regierung ist es, (den Russen) schwerwiegenden Schaden zuzufügen, falls Putin in die Ukraine einmarschiert, aber ohne direkte Beteiligung amerikanischer Truppen. Diesen Schritt hat Präsident Biden ausgeschlossen. Beamte des Weißen Hauses glauben, dass es ein Fehler wäre, (den Russen) mit einer direkten militärische Intervention zu drohen, weil Biden nicht bereit ist, einen umfassenden Krieg um die Ukraine zu riskieren. Grauzonen-Taktiken sind besser.”

Soviel zum  “grundlegenden Ziel” des Imperiums und seiner “Grauzonen-Taktik”, rassistische Braunhemden für sich kämpfen zu lassen,  um den Russen schwerwiegenden Schaden zuzufügen ohne dabei irgendetwas zu riskieren. Aber der Plan wird nicht aufgehen, auch wenn die Propagandaschleudern im Turbomodus operieren und  jetzt nach drei Wochen behaupten lassen,  dass “Putin die Kugeln ausgehen”, die “Armee steckenbleibt” , “Russlands Offensive scheitert” und die “Niederlage Putins” absehbar ist  – von denselben Experten, die 20 Jahre Afghanistan- und 8-Jahre Irak-Invasion”begleitet” haben. Dass Russland anders vorgeht als NATOstan bei seinen Überfällen, dass es nicht Land und Leute angreift, sondern gezielt Militäreinrichtungen zerstört, dass es dabei nicht viel redet und keine PR-Shows (“Mission acclompished!”) abzieht, sondern handelt,  langsam, aber sicher – dieser modus operandi stößt bei Desktop-Strategen zwar auf Unverständnis, ist aber ziemlich effektiv. Auch wenn sich diese Aufstellung der Verluste der ukrainischen Armee nicht überprüfen läßt, scheint sie mir doch näher an der Realität als die Berichte über alsbald besiegte Russen, die in drei Wochen außer dem Luftraum und der gesamten Schwarzmeerküste 40 % des Landes – eine Fläche in der Größe Englands – unter ihre Kontrolle gebracht haben. Laut UN Menschenrechtskommission sind durch den Militäreinsatz in den ersten drei Wochen 861 Zivilpersonen ums Leben gekommen – ein vergleichsweise geringer Kollateralschaden, vor dem ausgewiesene Militärfachleute wie Scott Ritter (Ex-US-Marine, Ex-UN-Waffeninspekteur) den Hut ziehen:

So wird es kommen. Russland wird die geplante De-Militarisierungskampagne durchführen und sich dabei von niemandem abhalten lassen. Hinter diese Ansage wurden am Wochenende zwei Ausrufezeichen gesetzt und  nach Angaben des Verteidigungsministeriums mit  hyperschnellen Kinzhal-Raketen (5-fache Sprengkraft und  13-fache Geschwindigkeit einer US-Tomahawk) zwei große Depots der ukrainischen Armee zerstört. Strategisch wäre der Einsatz der “unbesiegbaren” Wunderwaffe unnötig gewesen –  da die Ukraine über keine intakte Luftabwehr mehr verfügt hätten auch handelsübliche “cruise missiles”  gereicht – als praktische Demonstration, was NATOstan blüht, wenn es die “Operation  Z” ernsthaft verhindern will, ist die Botschaft bei den kommandierenden Militärs aber mit Sicherheit angekommen. Sie wissen, dass sie die systematische De-Militarisierung nicht aufhalten können.
Das Zelensky-Regime allerdings hat  jederzeit die Möglichkeit, die Operation zu stoppen, wenn es in Verhandlungen eintritt, was seine Dienstherren derzeit allerdings nicht erlauben und ihn noch weitere chancenlose Ukrainer in eine aussichtslose Schlacht treiben lassen. Spätestens aber wenn die nächste Stufe der “Flüchtlingsrakete” zündet und noch ein paar Millionen Ukrainer:innen das zunehmende Kriegschaos nutzen, um in die EU zu flüchten, wird man sich auch in Europa fragen, was eigentlich  – verdammt noch mal – gegen eine militärisch neutrale Ukraine spricht?  Außer einem semi-debilen Imperator in Washington,  der seine Kolonien im alten Europa zwingt, sämtliche Lasten für seinen ausichtslosen Krieg gegen Russland zu tragen….
(wird fortgesetzt)

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