Während mit fragwürdigen Bildern aus Buschta einmal mehr Schuldzusweisungen vor jeder Sachaufklärung stehen, deutet auch bei diesem Schaustück von Gräueltaten einiges darauf hin, dass sie alsbald – wie schon die aus Mariupol kolportierten “Massaker” (“Kinderkrankenhaus” /”Theater”) – der Abteilung FN (FakeNews) und FF (FalseFlag) zugeschlagen werden müssen.
“Liefert die Bilder, ich sorge für den Krieg” hatte Medienzar Hearst einst seine Leute in Kuba angewiesen, als der amerikanisch-spanische Krieg um die Insel angezettelt werden sollte und nicht anders halten es die Medienkonzerne bis heute. Gräuelpropaganda über die Bestialität des Feinds gehört seit je zum Standard-Repertoire der Kriegsführung, in neuerer Zeit waren es die falschen Brutkastenbabys im Irak oder das falsche Giftgas in Syrien, mit denen die Feinde des Westens als brutale Tyrannen in die Schublade “Untermenschen” verfrachtet werden sollten. Bringt Auflage, macht Klickzahlen, heizt die Stimmung an und macht klar, dass der Feind schlicht barabarisch ist. Und “wir” somit auf jeden Fall die Guten. Jedenfalls solange der UN-Sicherheitsrat unter Vorsitz Großbritanniens die Prüfung einer Gegendarstellung Russlands ablehnt und die Präsidenten ungeprüft reihum das ukrainische Narrativ übernehmen, von dem man selbst im Pentagon nichts weiß. Willkommen im Nebel des Propagandakriegs und seinen Psychologischen Operationen.
Ich habe in den letzten Tagen von Freunden und Feinden einige Beschwerden erhalten, dass meine Notizen es an Empörung über Russlands Einmarsch und Empathie gegenüber den Opfern fehlen lassen. Das mag so scheinen. Aber ich habe mein Rolle als Journalist und Autor schon immer eher darin gesehen, nicht zu wiederholen, was sowieso schon in jeder Zeitung steht, sondern stattdessen zu schauen, was dort nicht steht und warum. Insofern fehlen in diesen Notizen die regelmäßigen Hinweise auf brutale Russen, sympathische Ukrainer oder die friedliebende NATO. Und da ich kein Opersänger, Sportler oder Bühnenstar bin und keine russischen Eltern habe, laufe ich auch nicht Gefahr “gecancelt” zu werden, weil meine “Distanzierung von Putin” nicht weit genug geht… oder weil ich mir im Kaufland noch kein blau-gelbes Fähnchen mit “solidarischen” SS-Symbolen besorgt habe. (UPDATE: Kein Fake aber mittlerweile aus dem Sortiment entfernt)
Meine persönliche “Politisierung” begann im Alter von 14 oder 15 mit den Bildern des Vietnam-Kriegs und der Verständnisschwierigkeit, dass man Reisbauern in Asien bombardieren muss um die “Freiheit im Westen” zu verteidigen. Das wollte mir irgendwie nicht in den Kopf, obwohl es überall in den Nachrichten verkündet wurde. Genausowenig wie einige Jahre später der erste Putsch, den ich bewusst wahrnahm, als in Chile ein sozialdemokratischer Präsident von faschistischen Militärs ermordet wurde und die Zeitungen von einem begrüßenswerten “Regierungswechsel” schrieben. Dieses frühe Misstrauen in die Berichterstattung über Kriege und Militäroperationen hat sich in den Jahrzehnten danach immer wieder bestätigt und meinen Blick auf die dahinter stehenden geo,- und machtpolitischen Interessen gelenkt. Auf das historische “Great Game”, das die großen imperialen Mächte seit Jahrhunderten spielen, auf dem geopolitischen Schachbrett. Distanziert auf ein “Spiel” zu schauen, das blutiger Ernst ist, kann kalt und emotionslos wirken, ist aber zum Erkennen der Lage notwendig. Wer keinen Schritt zurücktritt um Kontexte und Zusammenhänge zu erfassen, kann aktuelle Vorgänge nicht richtig begreifen, wer sich von Emotionen leiten läßt keine realistischen Einschätzungen treffen, wer nur auf den Schrecken und Auswirkung des Kriegs starrt, seine Ursachen und Logik nicht verstehen. Wer aber Kriege beenden will – und als “Stammhalter” meines vorgestern 100-jährigen Vaters will ich das unbedingt – muss ihre Ursachen verstehen und beseitigen. “Aufhören!” zu schreien hilft nicht. Zumal in einem historischen Moment, der mir als Anfang vom Ende der unipolaren Welt vorkommt, ein Umbruch und Paradigmenwechsel von epochaler Bedeutung und weit mehr als ein blutiger “Nachbarschaftsstreit” ukrainischer und russischer Nationalisten. Alystair Crooke, Ex-Diplomat und Konfliktforscher, hat die aktuelle geopolitische Lage “in der Europa und die USA vereint wie selten sind und paradoxerweise der “Westen” allein wie nie” mit einer Schach-Anekdote beschrieben:
Es kommt sehr oft vor, dass eine einzige Anekdote einen historischen Moment fast vollständig zusammenfasst. Und das ist hier der Fall: Im Jahr 2005 setzte sich Zbig Brzezinski, der Architekt Afghanistans als Sumpf für die Sowjetunion und Autor des Buches The Grand Chessboard (das das Mackinder-Diktum “Wer das asiatische Kernland kontrolliert, kontrolliert die Welt” in die US-Außenpolitik einbettete), in Washington mit Alexander Dugin, dem russischen politischen Philosophen und Verfechter einer kulturellen und geopolitischen Renaissance des “Kernlandes”, zusammen.
Brzezinski hatte bereits in seinem Buch geschrieben, dass Russland ohne die Ukraine nie zur Kernlandmacht werden würde, aber mit ihr kann und würde es das. Das Treffen wurde mit einer Fotoreportage eines Schachbretts zwischen Brzezinski und Dugin inszeniert (um für Brzezinskis Buch zu werben). Dieses Arrangement mit einem Schachbrett veranlasste Dugin zu der Frage, ob Brzezinski Schach als ein Spiel für zwei Personen betrachte: “Nein, Zbig schoss zurück: Es ist ein Spiel für einen. Sobald eine Schachfigur bewegt wird, dreht man das Brett um und bewegt die Schachfiguren der anderen Seite. In diesem Spiel gibt es ‘keinen anderen'”, beharrte Brzezinski.
Natürlich war das einhändige Schachspiel in Mackinders Doktrin implizit enthalten: Das Diktum “Wer das Kernland kontrolliert” war eine Botschaft an die englischen Mächte, niemals ein geeintes Kernland zuzulassen.
Professor Dugin, hierzulande gern als rasputin-artiger Einflüsterer Putins porträtiert, kommt in seinem aktuellen Vortrag zum Ukraine-Konflikt auf dieses Erlebnis zu sprechen und sagt, dass mit dem russischen Einmarsch jetzt jemand aufgestanden sei und mitspielen würde. Und noch ein Dritter – China – bereitstehe, der es leid ist, immer nur das Brett vorgesetzt zu bekommen auf dem nur einer ziehen darf. Willkommen beim multipolaren 3-D-Schach der künftigen Geopolitik, in der NATOStan mit seinem Monopoly-Spiel nicht weiterkommt. Weil Russland sich weigert, direkt vor seiner Haustür atomare “Hotels” aufstellen zu lassen. Könnte man, mit Blick auf den Spielplan zwar verstehen, tun die Monopolysten aber nicht.
Deshalb jetzt dieser Krieg, bei dem die Historiker dereinst noch streiten werden, wer für den ersten Schuß eigentlich verantwortlich ist: Kiew, das seit 2014 auf seine Bürger im Donbass feuert (und am 14. Februar 2022 eine große Offensive startete, siehe OSCE-Grafik oben), oder Moskau, das seit dem 24.2. 22 “zurückschießt”….weil Wladimir der Schreckliche sich die alte Sowjetunion wieder einverleiben will…oder weil das Imperium mit seinem greisen Kaiser “Sleepy Joe” zum regime change auf Moskau vorrückt, um China matt zu setzen.
“Auf dem großen Schachbrett des Imperiums ist Russland die Dame, aber China ist der König. So wie es beim Schach hilft, die stärkste Figur des Gegners auszuschalten, um leichter Schachmatt zu setzen, wäre das US-Imperium gut beraten, zu versuchen, Chinas nuklearen Supermacht-Freund zu stürzen….” schreibt Caitlin Johnstone, und zitiert zu den gescheiterten Sanktionsforderungen an China den Tweet: “Can you help me fight your friend so that I can concentrate on fighting you later?” Dass Russland nicht allein steht sondern mit China einen mächtigen Partner zur Seite hat – dass Dame und König sich gegenseitig schützen und enger zusammenstehen als je zuvor – war die erste Lektion im multipolaren Schach, die die Monopoly-Strategen lernen mussten. Die zweite war, dass der Angriff auf den Rubel nicht zu seinem Ruin, sondern zum Bumerang des Gasrubels geführt hat, der nach Ansicht von Goldman Sachs jetzt die globale Dominanz des Dollars bedroht. Und die dritte wird sein, dass auch weitere Sanktionen Russland ökonomisch zwar schmerzen, politisch aber nicht davon abbringen werden, das existenziell empfundene Ziel einer militärisch neutralen Ukraine durchzusetzen. Auch die Welle an rassistischem Hass und Diskriminierung, die russischstämmigen Menschen derzeit entgegenschlägt, wird nicht dazu führen, dass sie sich gegen ihre Regierung wenden (die Zustimmung für Putin liegt derzeit bei 81% !), sondern gegen den Westen, der “woke” und “divers” zu sein behauptet und sich hemmungslos als Imperium des Hasses geriert.
Auch wenn mit PsyOps ein Krieg am Boden nicht zu gewinnen ist, ist demnächst noch einiges aus dieser Richtung zu erwarten, da die ukrainische Armee zu keinen strategischen Manövern mehr fähig ist und nur noch versuchen kann, mit Gräuelpropaganda den Rest der Welt aktiv in diesen Krieg hineinzuziehen. Weil Russland gedroht hat, auf ein Eingreifen der NATO mit seinen hypersonischen Raketen zu reagieren und anders als in der Politik im Pentagon niemand mehr davon ausgeht, dass Putin blufft, wird es dazu wohl aber nicht kommen. Es ist also damit zu rechnen, dass im Westen Emotionen und Hysterie weiter hochgekocht werden, während die “De-Militarisierung” am Boden systematisch weitergeht. Russland hat die “Operation Z” bisher mit einer kleinen Streitkraft von etwa 150.000 Soldaten durchgeführt, die gegen die etwa dreimal so starken ukrainischen Truppen schon über 40% des Landes und nahezu sämtlich Luft-und Seestreitkräfte unter ihre Kontrolle gebracht haben. Und sie werden die methodische Zerstörung von Militäreinrichtungen Tag für Tag fortsetzen, bis in Kiew die Weisse Fahne geschwungen wird. Wie schon gesagt, ist dies für die Russen ein existenzieller Krieg, den sie nicht verlieren können ohne unterzugehen. Mit dem Einmarsch in die Ukraine ist Mütterchen Russland “All in” gegangen und wird notfalls sein gesamtes Arsenal an Waffen und Truppen (800.000 Mann) einsetzen, um eine neue jelzin-artige US-Marionette im Kreml und Exxon/BP/Shell-Fähnchen über seinen Öl,-und Gasfeldern zu verhindern. Es wird sich seinen angestammten Platz im “Kernland” von den anglo-amerikanischen Mackinder-Jüngern nicht nehmen lassen.
Ich hatte hier unlängst schon auf das äußerst lesenswerte Hintergrundgespräch mit Jacques Baud verwiesen, der als Oberst des Schweizer Militärgeheimdiensts als Waffeninspektuer für die UN und die NATO in der Ukraine und Russland gearbeitet hat. Hier ein weiterer aktueller Text dieses Experten, der im Unterschied zu den ahnungslosen Sessel-Strategen, Laptop-Bombern und unverantwortlichen Kriegshetzern in den Medien weiß, wovon er redet und wie die militärische Situation in der Ukraine realistisch einzuschätzen ist. (UPDATE: Free21 hat den Text von Jacques Baud übersetzt)
(wird fortgesetzt)
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