Zur Lage der Detonation

Walter Lübcke – der Kasseler Regierungspräsident wurde offenbar von einem Rechtsradikalen aus dem Umfeld des NSU ermordet. Nun muss sich der Verfassungsschutz unangenehmen Fragen stellen. Außerdem: Nach dem Abschuss einer US-Drohne ist der Iran knapp einem Angriff der Amerikaner entgangen. Doch der wird wohl nicht lange auf sich warten lassen – genauso wenig wie ein geplanter Cyberangriff auf Russland. Auch Deutschland will mitmischen und plant vor der Küste Chinas Stress zu machen. In Brasilien erschüttert ein ungeheuer Skandal die Regierung. Und Julian Assanges Gesundheitszustand im Hochsicherheitsgefängnis verschlechtert sich immer mehr. Über all dies und mehr sprechen die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in der neuesten Ausgabe #28 des Dritten Jahrtausends! Alle Links zur Sendung auf Exomagazin.tv

KenFM im Gespräch mit Sven Böttcher

“Wir schreiben das Jahr 2005, als der Journalist Sven Böttcher seinen Hausarzt aufsucht, weil seine kalten Füße ihm Sorgen bereiten. Nach einer Reihe medizinischer Tests wird ihm eine Diagnose übermittelt, die fortan sein ganzes Leben auf den Kopf stellen würde: MS – multiple Sklerose oder auch „die Krankheit mit den tausend Gesichtern“. Eine Krankheit, die sich in unvorhersehbaren Schüben äußert und als chronisch sowie in der Schulmedizin als unheilbar gilt.Böttcher verbrachte daraufhin einige Zeit im Krankenhaus. Dort wollte trotz „großzügiger“ Cortison-Verabreichung partout keine Besserung einsetzen. Im Gegenteil: In Böttcher wuchs das Gefühl heran, dass sich mit jedem Tag, den er länger in der Klinik bliebe, sein Gesundheitszustand nur weiter verschlechtern würde. Also wagte er etwas, wovon ihm seine behandelnden Ärzte strengstens abrieten: Er entließ sich selbst.”

Auf das Buch meines Freunds und Ko-Autors Sven Boettcher über das verheerende Wirken unserer Krankheitsbranche – “Rette sich wer kann – Das Krankensystem meiden und gesund bleiben” – hatte ich schon öfter hingewiesen. Jetzt hat er mit Ken Jebsen ausführlich darüber gesprochen.

Zu schön um falsch zu sein

Spielt die Schönheit eines physikalischen Experiments eine Rolle? War die Ästhetik von Einsteins Relativitätstheorie entscheidend für ihren Erfolg? Spielen Kriterien, die wir an Kunstwerke anlegen, bei der Bewertung physikalischer Errungenschaften eine Rolle?

Diesen Fragen ist Olaf L. Müller, Professor für Wissenschaftstheorie an der Humboldt Universität, in seinem neuen Buch „Zu schön, um falsch zu sein“ (Fischer Verlag) nachgegangen – auf der Spur von Ästhetischem in der Wissenschaft von Kopernikus und Kepler bis zu Goethe.

Über dessen Naturforschung hat Mathias Bröckers in diesem Frühjahr ebenfalls ein Buch veröffentlicht, „Newtons Gespenst und Goethes Polaroid“ (Westend Verlag) und aufgezeigt, dass auch „Schöngeist“ Goethe etwa mit seiner Forschung über Farben zu wertvollen und wegweisenden physikalischen Erkenntnissen kam.

In einem Gespräch über die Rolle des Schönen in der Wissenschaft stellen die Autoren ihre Bücher vor.

Wann: 27. Juni 2019, 19 Uhr

Wo: taz Kantine, Friedrichstraße 21, 10969 Berlin-Kreuzberg

Der Eintritt ist frei.

Hier noch ein Link zu dem Gespräch über Goethe als Naturforscher, das ich unlängst mit Dirk Pohlmann geführt habe.

 

Im persischen Golf von Tonkin

Mitten im Kalten Krieg – am 4. August 1964 –  fuhr der US-Zerstörer Maddox vor der nordvietnamesischen Stadt Haiphong in den Golf von Tonkin. Es sollte, so schrieb der Geheimdienst-Historiker James Bradford, “als Provokateur zur See seinen scharfen, grauen Bug und die amerikanische Flagge so nahe wie möglich in den Bauch Nordvietnams stecken”. Und wurde dann auch prompt von nordvietnamesischen Schnellbooten mit Torpedos beschossen – so jedenfalls meldete es der Kommandeur der pazifischen Flotte und der  Militärgeheimdienst. Daraufhin Präsident Johnson schickte umgehend Bomber zu einem Vergeltungsschlag und erhielt zwei Tage später vom Kongress den Blankoscheck für weitere Bombardements. In der Folge eskalierte der Vietnamkrieg dann zu einem Desaster mit Millionen Toten auf vietnamesicher Seite und 60.000 getöteten US-Soldaten.

Den Torpedobeschuss im Golf von Tonkin aber hatte es nie gegeben, als  Beweis für den Angriff des kommunistischen Feinds, diente ein Foto mit drei unidentifizierbaren Schiffen (Foto: Wikipedia). Mit derartigen Wackelbildern kommt man aber heute nicht mehr ohne weiteres durch – wie die Reaktionen auf das von den USA veröffentlichte Video, auf dem sich ein angebliches Boot angeblicher iranischer Revolutionsgarden angeblich an dem in Brand geratenen Tanker zu schaffen machen und eine angeblich nicht gezündete Mine entfernen. Selbst die “Tagesschau”, eigentlich stets Seit an Seit mit Nato und Pentagon, äußerte deutliche Zweifel an der Beweiskraft der Bilder und an der eindeutigen Zuschreibung durch die USA. Auch andere Medien fühlten sich durchaus an die falschen Massenvernichtungswaffen des Irak, die falschen Brutkastenbabys des Kuweit-Feldzugs und an den Fake des Tonkin-Zwischenfalls erinnert.

Was genau vor der iranischen Küste geschah und wer für die Brände auf den beiden Tankern verantwortlich war, darüber kann nur spekuliert werden.  Gehen wir die üblichen Verdächtigen einmal durch:

1. Donald Trump

In Vietnam war 1964 ein Angriff  lange geplant und vorbereitet worden, der Tonkin-Zwischenfall wurde erfunden, um einen plausiblen Grund für seine Durchführung vorzuweisen. Dazu taugen die beiden aktuellen Attacken nicht, zumal kein Eigentum der USA, sondern einer japanischen und einer deutschen Reederei angegriffen wurde. Zudem haben einflussreiche Militärs und Generäle umgehend vor einem Krieg mit dem Iran gewarnt, der keinesfalls ein “cakewalk” werden würde. Bei einem Planspiel des Pentagon, das vor einigen Jahren einen Angriff auf Iran simulierte, waren in kürzester Zeit acht US-Kriegsschiffe und ein Flugzeugträger von iranischen Torpedos versenkt worden, mit etlichen Toten auf amerikanischer Seite – worauf man den simulierten Angriff abbrach. Dem US-Militär ist also ziemlich klar, dass ein Krieg mit einem Bombenhagel auf Teheran nicht schnell gewonnen werden kann, zumal Russland und China den Iran heute noch stärker unterstützen als es in dem “Millenial Challenge” genannten Planspiel vorgesehen war. Und ihr Commander in Chief Donald Trump, der gerade den Wahlkampf 2020 startet, kann aktuell allenfalls ein wenig Säbelrasseln gebrauchen – das macht sicher immer gut –  ein langwieriger, desaströser Krieg allerdings wäre jetzt Gift für seinen Wahlkampf.

2.Iran

Dass sich die Eliteeinheiten der iranischen Revolutionsgarde – von den USA unlängst als Terrororganisation eingestuft – mit billigen Schlauchbooten an japanischen Tankern just an dem Tag zu schaffen machen, an dem der japanische Präsident Abe zum Staatsbesuch in Teheran weilt – das scheint dann doch eher wie ein plumper Versuch, diplomatische Gespräche zu unterminieren. Wollte der Iran die Straße von Hormuz vor seiner Haustür – die wichtigste Tanker-Autobahn des globalen Ölhandels – wirklich blockieren, hätte er dazu ganz andere Mittel. Zudem steht die iranische Regierung nach der Kündigung der Nuklearverinbarungen durch die USA und der weiteren Verschärfung der internationalen Sanktionen unter starkem Druck und sollte wenig Interesse daran haben, diesen Konflikt jetzt mit solchen Anschlägen weiter anzuheizen. Immerhin hatte Teheran aber gedroht, dass bei einer Blockade iranischer Exporte auf diesem Weg niemand mehr Öl exportieren wird

3. Das “B-Team”

Mit Trumps Sicherheitsberater Bolton, Israels Bibi Netanyahu, Bin Salman aus Saudi Arabien und Bin Zayed aus den Emiraten wäre das “B-Team” der führenden Kriegstreiber im Mittleren Osten benannt. Dieser unheiligen Allianz, der ihr Debakel im Syrienkrieg noch nicht genug ist und die weiter gegen Iran marschieren wollen, wären Aktionen wie diese Angriffe auf die Tanker am ehesten zuzutrauen. Sie können immer Iran in die Schuhe geschoben werden und wenn sie weiter gehen und alsbald dann auch einmal richtige Schäden bis zum Versenken eines Schiffs angerichtet werden, kann der eher kriegsunwillige US-Präsident immer weiter unter Druck gesetzt werden. Zudem wird der Ölpreis sofort in die Höhe schiessen und wenn sich dann bis zum nächsten Sommer die Benzinpreise verdoppeln, dürfte es schwer werden für den Wahlkämpfer Trump. Die jüngsten Veröffentlichungen der New York Times über geplante Cyberattacken auf das russische Stromnetz um Putin von Unterstützung des Irans abzuhalten, wurden von Trump umgehend zurückgewiesen und als unwahr bezeichnet. Sie zeigen aber, dass auch  die führende Zeitung auf Seiten des “B-Teams” steht und den Konflikt weiter anheizen möchte.

Wer nun für diese Zwischenfälle im Golf von Oman konkret verantwortlich war, läßt sich aufgrund der derzeitigen Faktenlage nicht sagen. Dass Trump aber am allerwenigsten von einem Krieg mit Iran profitieren würde scheint ziemlich sicher. Die Lage aber bleibt weiter brenzlig: schon haben die Saudis amerikanischen Begleitschutz für ihre Öltanker angefordert. Wenn dann ein US-Schiff attackiert wird, könnte ganz schnell die Hölle los sein…

Auch als Podcast auf KenFM

Die Rache des Mainstreams an sich selbst

Die Anstalt ist eine Institution im deutschen Fernsehen: Anlaufstelle für Andersdenkende, Rettungsanker für Rebellen und das Medium für Mainstream-Muffel. Max Uthoff, Claus von Wagner und ihr Redakteur und Mitautor Dietrich Krauß wollen Stimme sein für Unerhörtes und Ungehörtes.

Bei der Wahl ihrer Mittel kennt sie keine Tabus: Es gibt knallharte Recherchen mit angeklebten Bärten, Komik im Kollektiv und Tafelunterricht als Unterhaltungsprogramm. Die Sendung mit der Maus für Erwachsene. Die Anstalt-Satire schafft einen barrierefreien Zugang zur Politik für alle. Nach 45 Minuten ist man oft schlecht gelaunt, aber immer gut unterhalten.

Zum 5. Geburtstag haben Macher und Mitstreiter, Fans und Kritiker jetzt ein Buch über das Phänomen Anstalt geschrieben. Darüber werde ich mit dem Herausgeber Dietrich Krauss (Die Anstalt), Mely Kiyak (Die Zeit) und Arnulf Rating (Kabarettist) sprechen.

Mi., 12.06.2019, 19 Uhr
taz Kantine  Friedrichstraße 21, 10969 Berlin-Kreuzberg
Eintritt frei

 

UFOS? Echt jetzt!

UFOs mit erstaunlichen Flugeigenschaften registriert das US-Militär immer häufiger und alle US-Leitmedien berichten plötzlich darüber. Was steckt hinter den neuesten Enthüllungen? Außerdem: Rezo hat die Europawahl und auch unsere Kommentarspalten ordentlich durcheinandergewirbelt. Wurde er etwa doch von den Grünen bezahlt? Ein UNO-Sonderberichterstatter stellt bei Julian Assange Anzeichen von Folter fest und fordert dessen Freilassung. Das deutsche Außenministerium hat zur großen Lateinamerika- und Karibikkonferenz geladen – wir waren für Euch dabei. Und im Ruhrpott steht neuerdings ein Denkmal für einen sowjetischen Offizier. Hä? Über all dies und mehr sprechen die Journalisten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in der neuesten Ausgabe #27 des Dritten Jahrtausends!

 

Don’t Kill The Messenger!

So, das Skript ist fertig, das Lektorat hat die Arbeit aufgenommen, nach Pfingsten werden letzte Korrekturen gemacht und am 2. Juli wird das Buch im Handel sein.

“Am 11. April 2019 wurde der Wikileaks-Gründer Julian Assange aus der ecuadorianischen Botschaft, wo er Asyl gefunden hatte, in ein britisches Hochsicherheitsgefängnis verschleppt. Jetzt werden britische Gerichte über einen Auslieferungsantrag der USA entscheiden, die Assange eine Verschwörung mit Chelsea Manning zum Einbruch in Pentagon-Computer und Spionage vorwerfen. Falls er ausgeliefert wird, könnten ihm weitere Anklagen nach dem „Spionage Act“ und die Todesstrafe drohen. Und das nicht weil er kriminelle Taten begangen hat, sondern weil er solche enthüllt hat - im Irak, in Afganistan und anderswo. „Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, dann werden wir von Verbrechern regiert“ hat sein “brother in crime” Edward Snowden gesagt. Der Ausgang des Verfahrens von Julian Assange wird zeigen, ob es wirklich schon so weit ist und die Presse- und Meinungsfreiheit am Ende ist.”

Vorbestellungen nimmt der Westendverlag ab sofort entgegen.

Der Naturforscher Goethe

Über “Newtons Gespenst und Goethes Polaroid” und warum die Naturforschung Goethes auch nach 200 Jahren noch relevant ist, hatte ich mit Dirk Pohlmann ein im  März einausführliches Gespräch geführt.  Jetzt kann es über das Link unten ganz angeschaut werden,  bisher war es hinter einer Bezahlschranke.  Die gibts auch für das Buch, denn von irgendetwas müssen Autoren ja leben, weshalb ich alle LeserInnen dieses Blogs bitten möchte, auch auf das Link oben zu klicken und das Buch zu bestellen.  Obwohl es auch für Goethe-Kenner wie Dirk Pohlmann einige Überraschungen barg, kann es  für Nicht-Kenner der “Fack ju Goethe”-Generation durchaus als geeignete Einführung gelten. Und weil es als Hardcover gebunden ist und sehr schön aussieht, macht es auch als Geschenk was her.