Curt Weldon ist Lehrer, Feuerwehrmann und war 20 Jahre US-Kongressabgeordneter, er saß in vielen wichtigen Kommissionen im Parlament und war für den Vorsitz des wichtigen Verteidigungsausschusses vorgesehen, als er 2006 plötzlich abserviert wurde und sein Mandat verlor. Nicht weil er sich irgendetwas hatte zu Schulden kommen lassen, sondern weil er in Sachen 9/11 den Mund machte und die betrügerischen Nicht-Untersuchungen der offiziellen 9/11-Untersuchungskommission angeprangert hatte. Vor allem gestützt auf die Aussagen von Offizieren des Militärischen Geheimdiensts, die im Rahmen der Überwachungsoperation “Able Danger” die spätere “Terrorzelle” um den “Ringleader” Mohammed Atta mehr als ein Jahr vor den Anschlägen identifiziert und im Auge hatte. Doch weder CIA noch FBI wollten etwas davon hören; stattdessen wurde das “Able Danger”-Programm von Regierungsseite gestoppt und nichts von den recherchierten Daten wurde der 9/11-Untersuchungskommission gegeben. Über diesen Skandal schrieb Curt Weldon dann 2006 ein Buch und fordert jetzt von der Trump-Regierung die Einsetzung einer Untersuchungskommission. Tucker Carlson arbeitet an einer Dokumentation, die dieses Vorhaben unterstützen soll. Dass analog zum JFK-Fall jetzt Aktentransparenz zu 9/11 verordnet werden könnte, klingt zu schön um wahr zu werden. Zumal eine entsprechende Untersuchung auf die Vorarbeit von 1192 Seiten zurückgreifen könnte, die yours truly mit Kollegen zum Mythos 9/11 geleistet haben, einschließlich der Listen vorzuladender Zeugen.
An solchen und weiteren Verdächtigen hat auch Curt Weldon noch einige zu bieten, wie in dem Gespräch deutlich wird. So wie Lee Harvey Oswald kein verrückter, überraschend zuschlagender Einzeltäter war, der auf Kennedy schoss, sondern – wie wir neuerdings wissen – eine 180-seitige Akte über ihn existierte, so tauchte auch der “Terrorchef” Atta nicht aus heiterem Himmel auf, sondern war wohlbekannt und wohlbehütet. Von der CIA. Der dann die DIA – der Militärgeheimdienst – mit seiner “Able Danger”-Aufdeckung dazwischen funkte und gestoppt wurde. Als Oswald in New Orleans von der Polizei wegen einer Rauferei beim Flugblattverteilen verhaftet wurde, gab er dem Beamten im Revier eine Telefonnummer, die er anrufen solle – und kam dann gleich wieder frei. Ein Fall fürs Protokoll, für die Präparation eines dokumentierbar “kommunistischen” Sündenbocks. Nach diesem Muster wurden auch die präpariert “Hijacker” als “islamistische” Sündeböcke präpariert und durften nicht durch Ermittlungen anderer Behörden oder Dienste enttarnt werden.
Hier zu der Able Danger Geschichte ein Auszug aus dem Sammelband “11.9. – 20 Jahre danach – Einsturz einer Legende”:
“Unser Dossier über Mohammed Atta, den vermeintlichen »Ringleader« der Hijacker, ist über 300 Seiten dick und enthält noch ein Vielfaches davon an Links und Quellen. Ein Grund für die Massen an Material zu Atta ist unter anderem, dass Wohnung und Umfeld der Hamburger Marienstraße, wo er mit einigen Freunden residierte, seit 1998 observiert worden waren – von der CIA, vom Landesamt für Verfassungsschutz, vom Bundesamt für Verfassungsschutz, vom BKA, vom Mossad … Die Schlapphüte gaben sich dort quasi die Klinke in die Hand. Einmal, berichtete der Spiegel, marschierte gar ein CIA-Mann in das Büro der deutschen Verfassungsschützer, um klarzustellen, wer in diesem Nest in der Marienstraße denn nun wessen Agent, V-Mann oder Spitzel sei. Was Atta betrifft, bekunden die deutschen Geheimdienstler bis heute, wäre ihnen in Hamburg nichts aufgefallen, was auf die 9/11-Planung hätte schließen lassen.
Ähnliches bekamen wir ((der 2024 leider verstorbene Daniel Hopsicker und ich bei unseren Recherchen 2003 in Hamburg)) auch von den Stadtplanern und Mitarbeitern des Büros zu hören, bei denen Mohammed Atta über vier Jahre als Bauzeichner gejobbt hatte. Sie bezeichneten ihn als scheuen, zurückhaltenden Mann. Als wir seinem ehemaligen Chef von den Sex- und Drogeneskapaden Attas in Florida berichteten, für die es zahlreiche Zeugen gibt und die der Investigativjournalist und Autor Daniel Hopsicker umfassend dokumentiert hat, schüttelte er den Kopf: »Das kann nicht unser Mohammed sein. Wissen Sie, ich erwarte eigentlich immer noch, dass er hier zur Tür hereinkommt und sich das alles als Missverständnis aufklärt.« Das war im Sommer 2003.Und aufgeklärt über den angeblichen Anführer der Hijacker ist bis heute so gut wie nichts, vielmehr haben sich seitdem noch weitere Unklarheiten ergeben – allen voran die 2005 aufgetauchten Berichte über ein geheimes Militärprogramm des United States Special Operations Command (SOCOM) namens »Able Danger«, das seit Oktober 1999 untersuchte, wie möglichen Terrorgefahren durch Analyse von Datenströmen zuvorzukommen ist. Nach Aussagen verschiedener Beteiligter und des Kongressab- geordneten Curt Weldon tauchte schon Ende 1999 auf der Able-Danger-Verdächtigenliste der Name Mohammed Atta auf. Auch die späteren »Hijacker« Marwan Al-Shehi, Khalid Al-Midhar und Nawaf Al-Hazmi sollen durch diese Datenrecherche als Mitglieder einer »Brooklyn Cell« identifiziert worden sein. Nachdem Weldon wegen dieser Aussagen kritisiert wurde, outete sich Lt. Col. Anthony Shaffer als Weldons Quelle und führte weitere hochrangige Mitglieder des Able-Danger-Teams als Zeugen dafür an, dass Mohammed Atta auf einem der von ihnen erstellten Diagramme aufgetaucht war – und dass er, Shaffer, das FBI im September 2000 über die aufgedeckten Zusammenhänge informieren wollte, aber von Regierungsanwälten daran gehindert wurde.
Auch vor der 9/11-Commission machte Oberstleutnant Shaffer diese Aussage, und darüber hinaus deutlich, dass diese Verhinderung mit der Abwehrhaltung der CIA zu tun hatte. »Die CIA wird euch … niemals die besten Informationen liefern, denn wäret ihr erfolgreich bei dem Vorhaben, Al-Qaida zu identifizieren, würdet ihr uns die Show stehlen. Deswegen werden wir das nicht unterstützen«, zitierte Shaffer einen CIA-Repräsentanten.
Nachdem 2005 sämtliche Daten der Operation Able Danger, insgesamt 2,5 Terabyte, und auch die privaten Unterlagen Shaffers vernichtet worden waren, existierten nur noch Augenzeugen, die Mohammed Atta auf dem Diagramm potentieller Terroristen identifiziert hatten. Und die können bekanntlich auch mal irren, so dass das Verteidigungsministerium in seinem Abschlussbericht zu der Affäre 2006 erleichtert feststellte, es lägen keine Beweise vor, dass Able Danger einen Mohammed Atta oder einen anderen der 9/11-Terroristen identifiziert hätte – und die Sache diskret unter den Teppich kehrte: Der Karriereoffizier Anthony Shaffer wurde vom militärischen Geheimdienst DIA ehrenhaft entlassen – weil er für 67 Dollar Privatgespräche auf seinem Diensthandy geführt hatte. Er hat seitdem in zahlreichen Interviews und Stellungsnahmen die Vertuschung der Able-Danger-Erkenntnisse öffentlich gemacht und kritisiert.
Man könnte den Able-Danger-Fall als weiteren Beleg dafür lesen, dass es bürokratische Hemmnisse und Barrieren waren, die ein connecting the dots, die Verbindung aller Informationen über die Terroristen, im Vorfeld der Anschläge verhinderten – oder aber, wozu wir zugegebenermaßen neigen, als ein weiteres und eklatantes Beispiel für die Protektion, die die späteren »Hijacker« genossen. Denn merkwürdigerweise ähneln Personal und Umfeld der »Hamburger Zelle«, die seit 1997 in der Marienstraße von diversen Diensten observiert wurde, ziemlich genau jener »Brooklyn Cell«, die von Able Danger 1999 identifiziert wurde, inklusive Mohammed Atta. Wie die Able-Danger-Mitarbeiter durch Recherchen in öffentlichen und nichtöffentlichen Datenmengen die Kandidaten möglicher Terrorgefahren fanden, ist nicht bekannt.
Diese Frage ist insofern entscheidend, als Atta & Co. zum Zeitpunkt ihrer Identifizierung als Mitglieder einer potentiellen Terrorzelle in Brooklyn offiziell noch nie US-Boden betreten hatten. Umso erstaunlicher (oder verständlicher?), dass der Leiter der 9/11-Commission, Philip Zelikow, nichts davon wissen wollte, als ihm Anthony Shaffer darüber Informationen und (die zu diesem Zeitpunkt noch vorhandenen) Unterlagen dazu an- bot. Über Able Danger wisse man ausreichend Bescheid, beschied das Büro Zelikows dem verdutzten Oberstleutnant.
Warum will eine Untersuchungskommission der 9/11-Verbrechen von Erkenntnissen und der möglichen Vorgeschichte des angeblichen Anführers und Bandenchefs nichts wissen? Für die Generallinie ihres Abschlussberichts, 9/11 habe nur wegen einer Serie institutioneller Pleiten, Pech und Pannen stattfinden können, wäre die Erwähnung der frühen Identifizierung Attas und der bürokratischen »Wand« zwischen Diensten und Institutionen, die eine Verwertung dieser Informationen verhinderte, nur ein weiterer, in den Gesamttenor passender Punkt gewesen. Seine Vertuschung indessen weist eher auf ein Funktionieren der Bürokratie hin als auf deren Versagen: Die »Assets«, die verdeckten Mitarbeiter der einen Institution (CIA), fallen den unabhängigen Datenschnüfflern einer anderen Institution (DIA) als Verdächtige auf – und werden sodann mit bürokratischen Mitteln vor einer Enttarnung geschützt.”
Bröckers ,Hauss, Walther: 11.9. – 20 Jahre danach-Einsturz einer Legende, Westend Verlag 2021, S. 848 ff.
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Erschienen am 10. Juni 2024
Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall, Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro






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