Über das Phantom einer “Querfront”, in der sich Rechtspopulisten und Pegida-Fans mit Linksradikalen und “Verschwörungstheoretikern” vereinen, wird derzeit wieder viel fabuliert und im Zusammenhang mit einer mißratenen (und zurückgezogenen) Studie zum Thema hatte ich meine 2 Cent zu diesem halluzinierten “Netzwerk” eigentlich schon abgeliefert. In einem Artikel, der in der “Berliner Zeitung” und der “Frankfurter Rundschau” erschien, ist dieser Unsinn jetzt aus Anlass des Rücktritts von Wolfgang Lieb aus der Redaktion der Nachdenkseiten wieder aufgewärmt worden. Wie üblich wird auch hier wieder zusammengerührt, was nicht zusammengehört, um Leute wie etwa den Nachdenkseiten-Chef Albrecht Müller, den Journalisten Ken Jebsen oder yours truly mit völkisch-brauner Soße zu kontaminieren. Weil Argumente dafür in den Arbeiten der Genannten nicht zu finden sind, müssen sie in freier Assoziation konstruiert werden – was in meinem Fall zu unfreiwilliger Komik führte:
“Der einstige taz-Journalist Mathias Bröckers (61) verkauft heute seine Bestseller über den 11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung und seine „Ansichten eines Putinverstehers“ an Linken- wie AfD-Anhänger.”
Außer der Altersangabe stimmt an diesem Satz nichts: ich bin nach wie vor Journalist und arbeite (seit 2007) als Berater wieder für den taz-Verlag; Bestseller über den 11. September 2001 “als Terrorwerk der US-Regierung” habe ich nie geschrieben, sondern drei Bücher, die die offizielle Legende des 11.September in Frage stellen, und diese wurden wie auch die „Ansichten eines Putinverstehers“ keineswegs nur von “Linken- und AfD-Anhängern” gelesen, sondern definitiv auch von Mitgliedern von CDU/SPD/FDP/Grünen. Sogar dass der eine oder andere Nazi sie in die Hände bekam (und mit Gewinn gelesen hat) kann ich nicht auschliessen. Und somit von Glück sagen, dass der Autor des FR-Artikels den nicht ausfindig gemacht hat, weil sonst…uuuaaah. Nazis lesen Bröckers und verstehen Putin… da ham wir’s mal wieder.
Auch wenn es bisweilen schwer sein mag, Rinks & Lechts & Quer & Queer zu unterscheiden und es sich angesichts von Überschneidungen einen Reim auf die verschiedenen Bewegungen und Gruppen zu machen, mit nur ein wenig Recherche etwa auf den Nachdenkseiten, bei Ken FM oder in diesem Blog könnte man ermitteln, wes Geistes Kind die Macher sind, und Belege, Zitate, Beispiele für ihre Haltung beibringen. Weil sich da aber auf weiter Flur nicht “Völkisches”, “Rechtspopulistisches” oder sonstwie Reaktionäres finden läßt müssen, muss der Rufmord via Kontaktschuld konstruiert werden. Oder mit schlichten Falschbehauptungen (“11. September 2001 als Terrorwerk der US-Regierung”) ein Extremismus insinuiert werden, der allein den linken wie den rechten Rand begeistert.
Da wundert es nicht, dass nach einer neuen repräsentativen Umfrage 44 % der Deutschen dem Vorwurf “Lügenpresse” zustimmen (aber nur 10 % den anderen Pegida-Parolen) – die meisten Journalisten aber nach wie vor überzeugt sind, dass sie an diesem gravierenden Vertrauensverlust vollkommen unschuldig sind und nur ein paar üble Demagogen der Bevölkerung diesen Unglauben eingeimpft haben. Aber, liebe Kolleginnen und Kollegen in den “Leitmedien”: dem ist nicht so! Die Leute sind nicht so blöd wie ihr glaubt oder sie gerne hättet. Und ihr werdet sie nicht zurückgewinnen, wenn ihr euren Medienzirkus weiter “as usual” betreibt und jede Kritik daran als rechtspopulistische Verschwörungstheorie abwatscht. Nicht nur die Massenvernichtungswaffen des Irak waren eine große Lüge, auch Osama Bin Laden und seine 19 Teppichmesser als 9/11-Alleintäter sind eine solche, ebenso wie die Alleinschuld des “Aggressors” Putin am Ukraine-Konflikt. Wer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen will, muss da ran…
Update: Authentischer Linkspoulismus – Ken Jebsens Rede in Plauen ( ungeschnitten auf Youtube )




