Bekenntnisse eines Garderobenkomikers


Das Gespräch über “König Donald” und “JFK”, das ich mit Ken Jebsen führte, hatte  in den ersten zwei Wochen schon über 70.000 Zuschauer. Das ist eine schöne Quote und weil ich von der KenFM-Redaktion weiß, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei diesen Sendungen bei über 30 Minuten liegt, haben sich viele die zwei Stunden  sogar komplett angeschaut. Mir selbst fällt das immer schwer. Als ich damals mit Radio anfing, ging ich beim Abhören der Aufnahme am liebsten aus dem Studio weil ich Stimme und Aussprache zum Weglaufen fand. Schon gar nicht wollte ich  dann die Sendungen anhören, außer wenn wunderbare professionelle Sprecher meine Texte vortrugen, die hörte ich dann manchmal mit leicht geschwellter Autorenbrust sogar mehrfach.
Fernsehen ist natürlich noch schlimmer, zumal wenn die KenFM-Crew mit ihren ehrlichen HD-Kino-Kameras da einen alten Mann während der allmählichen (“äh”, “mmmh”, “sozusagen”…)  Verfertigung von Gedanken beim Reden zeigt. Und beim Fuchteln. Darauf hatten mich meine Kinder schon in den 90ern nach irgendeiner TV-Talkrunde aufmerksam gemacht – “Du fuchtelst dauernd mit den Händen, Papa.” – und jetzt muss ich feststellen, dass es nicht besser geworden ist. Im Gegenteil. Kann der Kerl nicht einfach mal ruhig sitzen, die Hände vorm Bauch (Raute?) und gelassen und ruhig sprechen, ein bißchen langsamer vielleicht, bedächtiger… die Stimme klingt ja durchaus sonor, seriös…aber dieses Gefuchtel und Gezappel ?? Ich finde es zum Weglaufen…
In weiser Voraussicht hatte ich einst dem Drängen meines Meisters und Lehrers Wolfgang Neuss  widerstanden, mit Kabarett selbst aufzutreten, worauf er mich – wenn Besuch kam – manchmal als “Garderobenkomiker vorstellte: “Macht Witze nur hinter der Bühne”. Das stimmt bis heute. Und es liegt nicht an Lampenfieber oder Versagensängsten; wenn die Lampe angeht, Mikro oder Kamera laufen, bin ich innerlich eigentlich immer ruhig, aber kaum sprudelt der spontane Text entgleiten Gestik und Mimik völlig und Opa fuchtelt und rudert was das Zeug hält. Ich finde das unmöglich, zum Weglaufen und konnte die zwei Stunden daher nur schwer durchhalten.
Den Zuschauern auf youtube ging es offenbar ganz anders, die meisten der über 200 Kommentare sind sehr positiv, wenn überhaupt wird Ken gerügt, weil er mir dauernd dazwischenquatscht, was mich aber kaum störte. So wenig wie sich das Publikum an meinem Gezappel stört. Mir aber gefällt das gar nicht weshalb ich auch künftig lieber hinter als auf einer Bühne tätig bin. Natürlich mit der Hoffnung, auch so ein paar Leute zu erreichen, die dann die Läden stürmen und meine Bücher kaufen, denn von irgendwas müssen ja auch Garderobenkomiker leben. Danke!

Nackter als im Sonnenbad

Die “Neue Rheinische Zeitung” schreibt über “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron”:

“Die Botschaft des Autors ist gelungen: Er zeigt nicht nur den König nackt und nicht ohne Warnung, sondern auch jene, die ihn hassen und bekämpfen. Ihre wahren Absichten, ihre Machtansprüche. Ihre Lügen und Verleumdungen. Ihr Schüren von Angst. Darüber hinaus versetzt er das in diesem Wirrwarr-Theater zuschauende und das Lesepublikum in einen Zustand der nach Brecht genannten Verfremdung. Eine entlarvende Sicht auf eine sich als „Friedensengel“ und „Verteidiger der Menschenrechte“ ausgebende hochstilisierte Elite mit den USA an der Spitze, die alles unternimmt, ihre aggressiven Weltherrschaftspläne zu kaschieren und sowohl von der „Terrorbekämpfung“ als auch von der hochgeschraubten militärischen Rüstung profitiert. Das Buch sei jenen empfohlen, die das Nachdenken nicht verlernt haben, neugierig geblieben sind und mit zum Gegenwind blasen. So hat Nacktheit, das Herunterreißen von Masken, seine herausfordernden Vorteile. Wer nach der Aufführung den Saal verlässt, sollte ein anderer sein…”

Mehr über “König Donald” hier und im Gespräch mit KenFM

“Kauft nicht beim Russen!”

Selten hat ein Beitrag hier im Blog so viele “Likes” bekommen, wie mein letztes Posting mit der Empfehlung von Oliver Stones Interview mit Wladimir Putin. Und ich hoffe, dass einige sich die Zeit genommen haben, diese Gespräche anzusehen. Der Beitrag war ja mit “Der amerikanische Partner” überschrieben, weil Putin diese Bezeichnung sehr oft als Synonym für die USA verwendete. Seitdem habe ich mir die Frage gestellt, warum eigentlich eine Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Russland nicht möglich ist, und warum Europa und Deutschland in fast schon hündischer Vasallentreue an einer Spaltung festhalten. An ehrlichen Offerten – von Gorbatschow über Putins Rede im Bundestag 2001 bis zur Münchner (Un-)Sicherheitskonferenz 2007 – hat es in der Vergangenheit von russischer Seite ja nicht gefehlt und wie jetzt beim Streit um eine zweite Erdgaspipeline durch die Ostsee deutlich wird, ist es ein vitales Interesse der rohstoffarmen EU-Länder und allen voran Deutschlands, zuverlässig mit Energie versorgt zu werden. Ebenso ist es ein vitales Interesse des Rohstoffriesen Russland, diese Versorgung möglichst direkt und kostengünstig zu gewährleisten – eben durch die Ostsee, statt auf dem Landweg, wo die Anrainer mit Transitgebühren die Hand aufhalten oder, wie die Ukraine, den Stoff illegal gleich selbst abzapfen. Für Westeuropa und für Russland ist “Nord Stream 2” deshalb eine Win-Win-Situation – so wie es auch “South Stream” durchs Schwarze Meer gewesen wäre, deren Bau gestoppt wurde, nachdem Onkel Sam den armen Anrainern wie Bulgarien die Pistole auf die Brust gesetzt hatte.

Dass Kanzlerin Merkel und  Vize Gabriel wegen des Streits um die zweite Ostseeröhre es nun wagten, in Richtung Washington lautstark zu kläffen, zeigt, wie essentiell die Sache für den Industriestandort Deutschland ist.
Zur Lage in Pipelinistan hatte ich zuletzt hier und  hier etwas gebloggt – und das dort gezogene Resümee beantwortet die Frage, warum ein partnerschaftliches Verhätniss US/EU/RU so schwer möglich ist : “Dass die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet.”  That’s it. “Kauft nicht beim Russen!” lautet die geopolitische Parole, kauft beim Kopf-Ab-Saudi und den wahabitischen Wickelmützen oder, noch besser, lasst euch direkt von uns versorgen: mit Fracking-Gas per Schiff – aber keinesfalls direkt und kostengünstig von eurem Osteee-Nachbarn Russland.

Dass selbst ökologisch und ökonomisch aberwitzige Projekte wie die Fracking-Gas-Verschiffung ernsthaft diskutiert werden, zeigt wie wichtig die Sache für die “einzige Weltmacht” ist: es kann und darf zwischen Europa und Asien, zwischen Deutschland und Russland, keinen friedlichen Handel und “Wandel durch Annäherung” (Willy Brandt) geben, weil dieses kontinentale Zusammenwachsen im ost-mitteleuropäischen “Herzland” – wie es einst der britische Geo-Stratege Mackinder nannte und sein jetzt verstorbener Schüler Zbig Brzeziński fortschrieb –  die unipolare Vormachtstellung der Vereinigten Staaten verhindert.
Um die und um nichts anderes gehts auch bei dem Streit um “Nord Stream 2”, sowie bei der gesamten grotesken Legende von russischen Aggressionen, Hackern, Wahlbeeinflussungen und der “Bedrohung” unserer “Demokratie” durch Putin – ein Spektakel, das nur dazu dient, eine gefährliche militärische Aufrüstung voranzutreiben. Dass sich schon die Kaiser Napoleon und Wilhelm sowie Herr Hitler äußerst blutige Nasen geholt haben als sie sich mit Mütterchen Russland anlegten scheint dem Westen als historische Lektion offenbar nicht genug, er ist gerade dabei – siehe dazu die lesenswerte Analyse von Dmitry Orlov – schlafwandelnd in einen nuklearen Konflikt zu geraten, den er ebenfalls niemals gewinnen kann. Die “Titanic” hatte das mit ihrem Titel im Mai 2017 schon sehr schön erfasst…

Der amerikanische Partner

Schon im Vorfeld wurde Oliver Stone als “Schoßhund der Diktatoren” geschmäht, schließlich hatte er schon Venezuelas Hugo Chavez und Fidel Castro porträtiert, und jetzt das: ein vierstündiges Interview mit der Ausgeburt des Ultrabösen, dem großen Manipulator der US-Wahlen, dem neuen “Hitler” (H.Clinton) und Teufel persönlich, Wladimir Putin. Nun ist Oliver Stone nicht nur einer der bedeutendsten Filmschaffenden unserer Zeit, sondern seit je auch politischer Kopf, der sich von derlei “Kritik” genanntem Geschwätz wenig beeindrucken läßt.  Und so ist er zwei Jahre lang immer wieder nach Moskau gereist, um insgesamt 20 Stunden lang mit dem russischen Präsidenten zu sprechen. Und der spricht nicht nur frank und frei, sondern Stone stellt auch alle wichtigen Fragen – zu russischen Hackern, zum Krieg in Syrien, zur Ukraine, zu den Rechten von Homosexuellen, zur Krim, zu Trump. Und Putin antwortet: unaufgeregt, konkret,  mal mit historischen Beispielen und Bögen, mal mit ganz aktuellen,  klar, kompetent, informiert, stets in sehr diplomatischen Ton. Und bestimmt hundert Mal, fast immer wenn von den USA die Rede ist, spricht er von “unseren amerikanischen Partnern”. Selbst wo es einmal um John McCain geht, einen der führenden Kriegstreiber und Hetzer im US-Senat, der ihn als “Verbrecher” beschimpft, sagt Putin: “Ach wissen sie, ich mag ihn irgendwie, das ist kein Witz.” Auch wenn es im Senat “unglücklicherweise” noch ein paar mehr solcher Senatoren gäbe, würde er diese Leute verstehen, sie glaubten, dass sie sich auf diese Weise für ihr Land einsetzten,  aber das sei  “Politik der alten Welt”.

Und Putin ist nicht nur “Neocon-Versteher”, in den vier Stunden, in den Stone ihn zu Wort kommen lässt wird deutlich, dass er grundsätzlich ziemlich viel verstanden hat  – auch darüber, dass  die aktuelle “Russiagate”-Affäre” letztlich nichts anderes ist, als ein innenpolitisches Werkzeug um Trump loszuwerden. Aber schon das – den als diabolischen Buhmann und aggressive Ausgeburt der Hölle deklarierten Präsidenten einfach mal zu Wort kommen, sich erklären zu lassen, ist den neuen kalten Kriegern, die Stone durch die Bank kritisieren, schon zuviel.

Am Ende der Gespräche fragt der Interviewte sein Gegenüber dann: „Wurden Sie schon mal in Ihrem Leben geschlagen?“ Stone gab zu, dass es schon mal passiert sei. „Dann sind sie bereit“, sagt Putin „Denn Sie bekommen eins ab“ und Stone antwortet: „Falls das zu mehr Frieden und Selbstbesinnung auf der Welt führt, dann lohnt es sich“.

Es lohnt in der Tat, sich diese vier Stunden anzusehen – und sich nicht dumm machen zu lassen,  etwa von der FAZ, die hier nur “einen Eishockey spielenden Macho, den sein Interviewer erfolgreich bei Laune halten kann” sieht, oder dem stets transatlantizistischen “Tagesspiegel”, der die Rezension des 4-Stunden-Films mit dem Hinweis schließt, dass schließlich auch Oliver Stones Sohn für “rt” arbeite, also ein “Sprachrohr des Kremls” sei. Wozu natürlich auch yours truly als  diplomierter Putinversteher zählt, der nach Ansicht dieses Fims zugeben muss, dass sein Verständnis für den russischen Präsidenten zwar nicht in Verehrung umgeschlagen ist, aber doch in Hochachtung. Gäbe es eine Castingshow “Planet Erde sucht den Superpräsidenten” , bei der alle Regierenden der G-20-Staaten von einem informierten Interviewer wie Oliver Stone so  ausführlich befragt würden,  wäre ziemlich sicher, dass Wladimir Putin die globale TED-Abstimmung haushoch gewinnen würde. Und das nicht wegen der Allgegenwart russischer Hacker…

Die Dokumentation wird in Deutschland auf Sky ausgestrahlt, mit englischen Untertiteln ist sie auf youtube zu finden

Blackout is beautifull

Gerade  hatte ich im Buch über “König Donald” noch über ihn geschrieben, als historisches Beispiel im Zusammenhang mit Donalds Boykott bestimmter Presseorgane –  “… König Obama ignorierte zum Beispiel “Fox” und auch der berühmte King Kohl, der Ziehvater von Königin Angela, den man “Birne” nannte und der mit “Bimbes” gefüttert werden musste, sprach nie mit dem “Spiegel”…  – da ist es passiert:  Helmut Kohl, der “Kanzler der Einheit” ist tot. Zuletzt schrieb ich 1999 über ihn und gelobte  mich künftig “in Abgesängen auf unseren Oggersheimer Mega -Kanzler” zu hüten. Möge er nunmehr in Frieden ruhen:

“Ist er nicht klasse, unser Bimbeskanzler ? – wie er die beleidigte, nein, die entrüstete Pfälzer Leberwurst gibt, wenn er auf seine Kontenführung und justiziable Kleinigkeiten wie Bestechlichkeit oder Steuerhinterziehung angesprochen wird. Am liebsten – so schien es letzte Woche im ZDF beim freundlichen Verhör durch Klaus Bresser – würde er seine Hosentaschen nach außen krempeln, um zu beweisen, dass nix drin ist. Weil er nie was in die eigene Tasche gesteckt hat. Das glauben wir unbesehen – und auch, daß sein Oggersheimer Häuschen kein Luxusschloß ist oder er sich anderswo so was zugelegt hat, von all den Korruptions-Millionen. Nein, nein – die sind alle, bis auf den letzten Pfennig der Firma, der Partei, der Demokratie, der Bundesrepublik Deutschland,dem Wohl der Menschen „draußen im Lande“ zu gute gekommen. Wer etwas anderes als derlei blühende Unschuld vermutet, der ist an einem „Feldzug“ (Kohl) gegen den Kanzler der Einheit beteiligt und zieht dessen „historischen Verdienste“ (Schäuble) in den Schmutz. So einfach ist das. Von Unrechtsbewußtsein keine Spur, daß es ein „schlimmer Fehler“ eine Million von einem Waffenschieber anzunehmen, hat Kohl eingeräumt, aber kriminell und korrupt, darf das kein Journalist nennen, da geht der schwarze Riese in die Luft – und seine Günstlinge üben sich in Denkmal-Restauration. „Alles was ich bin, bin ich durch Helmut Kohl“, kündete des Kanzlers „Mädchen“ Angela Merkel noch bei ihrer Wahl zur Generalsekretärin – von ihr und den anderen Nespoten zu erwarten, daß sie den Mythos des Riesenstaatsmanns entzaubern, ist zu viel verlangt. Und auch gar nicht notwendig- Kohl beamt sich durch sein Verhalten selbst auf das Niveau zurück, dem er entstammt und das er nie verlassen hat: das des machtbesessenen, aber intelektuell und charakterlich unterbelichteten Provinzfürsten. Dass er den „Mantel der Geschichte“ im rechten Moment erhascht hat und ihm, wie dem dümmsten Bauer die dickste Kartoffel, die Wiedervereinigung in den Schoß fiel, hat diese Wahrheit nur ein paar Jahre verstellt. Als am Tag des Mauerfalls vor zehn Jahren Kohl und die Seinen beim Absingen des Deutschlandlieds vor dem Schöneberger Rathaus hundertausendfach ausgepfiffen wurden, schrieb ich in der taz einen Kommentar, daß damit die Ära Kohl nun wohl endgültig und gottseidank beendet sei. Das war weit gefehlt und seitdem hüte ich mich in Abgesängen auf unseren Oggersheimer Mega -Kanzler. Immerhin ahnte ich schon, als vier Wochen später Schalk-Golodokowski sowie Korruption und Schwarzarbeit in der DDR Thema zum Thema wurde, daß unter dem dem Flick-Skandal-gestählten Kohl auch alles wie geschmiert weiter laufen könnte. (…) Mittlerweile wissen wir , wo unter anderem diese kriminelle Wiedervereinigung stattfand: auf den Schwarzkonten des Herrn Weyrauch, der die Millionen mit Seriosität schwängerte und gewaschen an Kohl weitergab. Die Firma CDU, die 1989 noch mit über 40 Millionen in der Kreide stand, war innerhalb kürzester Zeit saniert. Aber daran kann sich Kohl – jede Wette!,– nicht mehr erinnern. Spendenbelege müssen nur sechs Jahre lang aufbewahrt werden. Für alles, was vor 1993 lief, gilt das alte Kohl-Motto: Blackout is beautifull.”

Die Hanfpioniere aus der Uckermark

Die Genossenschaft „Hanffaser Uckermark“ will Hanf wieder als Baustoff etablieren – was auch zwanzig Jahre nach der Relegalisierung des Nutzanbaus 1996 noch schwere Pionierarbeit ist. Ein Besuch.

Auf 430 Hektar reckt sich in diesem Juni eine Pflanze in den Himmel der Uckermark, die nicht nur größer wird als alle anderen Nutzpflanzen auf den Feldern ringsum, sondern im Unterschied zu ihnen auch keinerlei Herbizide oder Pestizide benötigt. Die Rede ist natürlich von Hanf, der zur Ernte im September bis zu vier Meter in die Höhe gewachsen sein wird, um dann geschnitten auf den Feldern zu trocknen. „Dann brauchen wir ein paar Tage Regen und einen goldenen Oktober“, sagt Rainer Nowotny, der Chef der Genossenschaft „Hanffaser Uckermark“, mit Blick auf die Ernte und den Rohstoff, der dann in die Hanffabrik am Ortseingang von Prenzlau eingefahren wird.
Mit den Landwirten der Region haben die Hanfgenossen auch in diesem Jahr wieder Verträge geschlossen, wobei sie nicht nur die Abnahme der Hanfernte garantieren, sondern die Bauern auch bei den immer noch aufwendigen notwendigen Formalitäten, beim Bezug genehmigten Saatguts und bei den technischen Aspek­ten der Ernte unterstützen.
Letzteres stellte nach der Relegalisierung des Nutzhanfanbaus in Deutschland 1996 das größte Problem dar: Um die robusten, hohen Pflanzen zu ernten, reichten herkömmliche Mäh- und Schneidegeräte nicht aus. Dies war die Geburtsstunde der großen Hanferntemaschine, die Rainer Nowotny und seine Leute entwickelten und die heute auf allen Feldern der Genossenschafts,- und Vertragsbauern das Mähen übernimmt.

Bis zu 12 Tonnen getrocknete Biomasse erbringt ein Hektar Hanf, und wie zum Niedermähen des grünen Dschungels braucht es auch zur Gewinnung der Fasern besondere Kraft. Die in gepressten Ballen bei der Hanffabrik angelieferten Stängel müssen gebrochen und durch Schwingen und Schaben von Resten des Stängelkerns, den Schäben, befreit werden. In früheren Zeiten geschah dies per Hand mit einfachen hölzernen Geräten – und wenn den Fasern dann noch hölzerne Reste anhafteten, sahen die daraus gewonnen Textilien eben „schäbig“ aus. Heute erledigt das Brechen und Schwingen des Hanfs ein Koloss von Maschine, 2 Meter breit und fast 100 Meter lang. In der ersten Etappe werden die Stängel gebrochen, danach auf vielen Metern gebürstet und geschüttelt, wobei die herausfallenden hölzernen Reste auf der ganzen Strecke abgesaugt werden. Am Ende der lauten und staubigen Prozedur liegen dann die beiden Endprodukte der Hanffabrik Uckermark vor: Hanffasern und Schäben – Baustoffe par exellence.

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Hanf im Glück – live

Als ich vor vielen Jahren einmal meinen Freund Gerhard Seyfried besuchte, der eine Anzeige gezeichnet hatte, mit der wir die ersten Hanf-Jeans bewerben wollten, die das HanfHaus gerade importiert hatte, war in einer Ecke der Anzeige noch etwas Platz. “Da kann noch ein schöner Slogan hin”, sagte ich und er antwortete: “Willst du deine Haut liebkosen trage HanfHaus Unterhosen”, worauf ich mit einem anderen Reim aufwartete… und wir für die nächsten Stunden in eine Art Reimzwang verfielen. Unversehens und wohl gefördert durch die linguistische Tiefenwirkung des magischen Krauts sahen wir uns in ein lyrisches Ping Pong verstrickt, dessen Emanationen wir zwischen den teilweise heftigen Kicherattacken auf Papier festhielten.  “Am Anfang stand, ihr wißt es ja/Zuerst die Drogen-Razzia/ Als Gott der Herr des Paradies/die Menschen aus dem Garten wies/weil sie dort verbot’ner Weise/ genossen von der Götterspeise…” Dies war der Anfang des “Hohen Lieds vom Hehren Hanf”, an dem wir dann im Email-Ping-Pong und bei ein paar weiteren Sessions weiter dichteten – bis die ganze Geschichte dieser wunderbaren Pflanze und ihrer Prohibition in Reime gegossen war. Stets im strengen Blick auf die Fakten, die ich mit Jack Herer ein paar Jahre zuvor dokumentiert hatte, aber auch immer mit Anschluß an den kosmischen Kicherfaktor und strenger Vorfahrt für den irrwitzigen Verkehr aus der Gegend von Kalau. “Hanf im Glück” erschien dann erstmals 1996 bei “Zweitausendeins”, erlebte dort eine weitere Auflage und ist mittlerweile in vierter Auflage im Nachtschatten-Verlag und überall im Buchhandel erhältlich – sowohl gedruckt mit herrlichen Zeichnungen und Vignetten, wie auch als Hörbuch.

Am kommenden Sonntag, 18.6., um 12.00,  werden Gerhard Seyfried und ich im Rahmen der Berliner Hanfmesse Mary Jane  aus “Hanf im Glück” lesen.

Freie Rede zum Fall JFK bleibt erlaubt

Robert Groden war in den 1960er Jahren als Fototechniker auf die Vergrößerung von den damals bei Amateuren verbreiteten 8 mm-Filmen spezialisiert. In dieser Eigenschaft bekam er 1969 Zugriff auf einen Amateurfilm von Abraham Zapruder, der die Schüsse auf John F.Kennedy im November 1963 gefilmt hatte. Außer der Warren-Kommission, die den Mord untersuchen sollte und der nur eine schlechte schwarz-weiß-Kopie präsentiert wurde, war der Film zu diesem Zeitpunkt der Öffentlichkeit noch unbekannt. Das LIFE-Magazin hatte Abraham Zapruder den Film abgekauft, nur wenige Standbilder daraus publiziert und ihn dann im Tresor gebunkert.

Robert Groden gelang es, eine Kopie zu ziehen, die er JFK-Forschern zur Verfügung stellte und 1975 in der populären TV-Sendung Good Night America präsentierte. Ab diesem Zeitpunkt war eigentlich klar, warum man der Warren-Kommission nur eine mangelhafte Kopie zeigen wollte und LIFE-Chef Henry Luce, der eng mit der CIA und deren von JFK gefeuerten Chef Allan Dulles verbunden war, den Streifen unter Verschluss gehalten hatte: es ist auf diesem Film völlig klar zu sehen (hier: ca. ab Sekunde 29) dass JFK durch einen Schuss von vorne rechts getroffen wird. Zusammen mit der im Warren-Report dokumentierten Aussage des hinter der Limousine fahrenen Motorad-Polizisten Bobby Hargis, dass sein Visier “von Blut und Gehirnteilen” getroffen wurde beweisen diese Bilder eindeutig, dass der tödliche Schuss nicht aus dem 6. Stock des schon 80 Meter hinter der Limousine liegenden Schulbuchlagers gekommen sein kann. Robert Groden beriet dann Regisseur Oliver Stone bei  “JFK” (1991), der das Zapruder-Dokument in seinen Film einbaute und in einen Kontext stellte, der die Öffentlichkeit aufrüttelte. Ein Jahr später erließ der US-Kongress den “JFK Records Act” und verpflichtete sämtliche Behörden zur Veröffentlichung aller mit dem Mord zusammenhängenden Unterlagen – diese Frist läuft im Oktober 2017 ab.

Auch dann wird Robert Groden wieder an der Dealey Plaza in Dallas demonstrieren und mit seinem Info-Stand  auf dem “Grassy Knoll” gegen die Desinformation protestieren, die das “6th Floor Museum” in dem ehemaligen Schulbuchlager betreibt, wo das “Snipers Nest” des angeblichen Einzeltäters Oswald nachgebaut ist. Nach 82 Verwarnungen durch die Stadt Dallas und einem Strafverfahren, das jetzt mit einem Vergleich endete,  – freie Rede zum Fall JFK kann nicht verboten werden – wird er seine Mahnwache dort fortsetzen.  Da kann man nur sagen: Hut ab, für soviel Engagement und Einsatz für die historische Wahrheit.  Als Aluhutträger und Verschwörungstheoretiker können Aktivisten wie Robert Groden  deshalb auch nur von blinden und/oder kognitiv dissonanten Ignoranten denunziert werden, die diesen wichtigsten Dokumentarfilm aller Zeiten sehen und danach immer noch ganz fest daran glauben, dass ein dummer kleiner Kommunist allein von hinten geschossen hat.

Viele weitere Belege und Argumente, warum JFK nicht von einem einsamen Irren ermordet wurde, sondern einem “regime change” von innen zum Opfer, fiel in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”

Memories

Falls mal irgendwer nach frühen schriftlichen Zeugnissen für mein Schaffen fahndet kann ich die Arbeit hiermit wesentlich erleichtern – mit einem Eintrag im Poesiealbum meiner Cousine Christa aus dem Jahr 1963. Üblicherweise malte ich in solche Alben immer eine dicke Linie und schrieb: “Dieser dicke Strich erinnert dich an mich” Hier aber hatte ich mir offenbar mehr Mühe gegeben und mich nicht nur in Schönschreiben versucht – eine meiner schwersten Übungen, wie man an dem Gekrakel nach den “zu” sieht – und einen exquisiten Sticker organisiert, sondern auch schwer in die Poesiekiste gegriffen. Wahrscheinlich aus einem anderen Album abgeschrieben, aber auch das war Arbeit, man mußte etwas Passendes suchen, weshalb ich mit dem schnellen Spruch und dem Strich gerechnet hatte, als das Poesiealbum bei einem Treffen mit Cousins und Cousinen jetzt herumging. Unter Großmeister Goethe wollte es der 8-jährige Mathias B.  aber damals offenbar nicht machen  – doch weil es ein ganz wunderbares Gedicht ist, war es eine gute Wahl. Und vielleicht ein Vorzeichen darauf, dass er auch noch mehr als 50 Jahre später beim Schreiben von Blogs und Büchern stets die 147 Bände der Weimarer Ausgabe im Rücken hat…und “nichts zu suchen” im Sinn.