27
May, 2016

The Bern vs. The Donald

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Bernie Sanders und Donald Trump werden noch vor dem Wahlgang in Kalifornien am 7. Juni debattieren – nachdem Hillary Clinton ihrem Mitbewerber um die Kandidatur eine öffentliche Debatte im bevölkerungsreichsten Bundesstaat ausgeschlagen hatte. Im Fußball nennt man das “mauern” – Clinton hofft ihren Vorsprung über die Zeit zu retten und will Sanders, der deutlich gewinnen müßte um mit ihr noch gleich zu ziehen, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Beim Publikum hat Bernie die weitaus größere Fan-Basis,  Anfang der Woche  füllte er in Irvine ein Stadion mit 20.000, in dem sich bei einer Clinton-Rede höchstens ein paar Hundert  verlaufen würden. Obwohl die bestbezahlte Rednerin der USA  – seit 2001 hat sie zusammen mit ihrem Gatten 153 Millionen Dollar Vortragshonorare kassiert – wird Clinton für ihre Auftritte vorallem von Wallstreet-Bankstern und der Rüstungsindustrie, nicht aber von Wahlvolk geliebt.

Und auch nicht vom FBI, das jetzt eine Ermittlung in Clintons Email-Skandal führen will. Dass die Außenministerin des Landes Staatsgeschäfte jahrelang über ihr unverschlüsseltes privates Mailkonto abwickelt, darüber auch “Top Secret”-Informationen versendet und als das auffliegt und sie zur Herausgabe der “amtlichen” Emails gezwungen wird, die Hälfte davon löscht, weil es sich angeblich um Privates handelt, ist nicht nur einmalig in der Geschichte – einfache Staatsbedienstete (wie etwa Chelsea Manning) landen für solche Vergehen auch langjährig im Zuchthaus. So sieht sogar Clintons Hausblatt “Washington Post” nach dem Untersuchungsbericht des Generalinspekteurs jetzt große Probleme auf Hillary zurollen. Eine Präsidentschafts-Kandidatin, gegen die eine akute FBI-Ermittlung läuft, gabs schließlich noch nie.

Paul Thompson, der nach 9/11 eine unverzichtbare Timeline  ins Leben rief, hat jetzt auch eine  Timeline des “Clinton Email Scandals” aufgestellt – der unter anderem zu entnehmen ist, wie alles anfing: Präsident Obama hatte von der NSA ein abhörsicheres Blackberry bekommen, Außenministerin Hillary wollte auch eins, bekam es aber nicht und spielte dann Prima Donna: “Dann benutze ich eben mein eigenes.” Sämtliche Einsprüche von Sicherheitsbeamten bügelte sie ab und so kam der Stein ins Rollen. Sollte er sie jetzt einholen und die fast sichere Kandidatur verhageln wäre es einmal mehr ein kleiner Treppenwitz der Weltgeschichte: Zicke scheitert an Zickenhaftigkeit.

Unterdessen hat  Springteufel Trump Großes angekündigt: er will  nach seiner Wahl die Partei in eine “worker’s party” verwandeln.   Steht The Donald  also außer für  Xenophobie und Sexismus künftig auch für eine Art  National Republikanische Arbeiterpartei ? Er kündigt jedenfalls an, die “Social Security” zu retten und liegt damit durchaus auf der Linie von Sanders – aber auch nur damit. The Bern vs. The Donald wird also die eigentlich spannende Debatte, während Clinton nur für ein “Weiter so” mit Kriegen und Finanzkrisen steht, die keiner mehr will – außer den Plutokraten, die sie am Ende doch noch ins Amt hieven – stehen die beiden “Volkstribune” für eine Richtungsentscheidung. Mit dem sozialdemokratischen Aktivisten Sanders zu einem “New Deal” a la Roosevelt oder mit dem nationalistischen “Arbeiterführer” Trump zu einem mussolini-artigen Korporatismus.

UPDATE 28.5.: Trump hat die Debatte abgesagt. Er würde gern mit Sanders diskutieren, aber nur, so sagte er am Donnerstag, wenn der übertragende TV-Sender 10-15  Millionen an die Wohlfahrt spendet. Am Freitag zog er auch diese Bedingung zurück, wenn überhaupt wolle er mit der “betrügerischen Clinton” (crooked Hillary) debattieren. Auch Trump hat guten Grund gegen Bernie zu mauern – bei den bundesweiten Umfragen liegt er deutlich hinter Sanders.

26
May, 2016

9/11 und die Saudis

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!!atta-Die “28 pages” – die unveröffentlichten 28 Seiten aus dem 9/11 Commission Report – machen mal wieder Schlagzeilen –  doch es bleiben, wie vergangenen Monat hier schon notiert, 28 Nebelkerzen, denn das, was sie “enthüllen”, – die “schützende Hand”  des saudischen Geheimdienstes und der CIA über den späteren “Hijackern” Al-Midhar und Al-Hazmi, ist lange bekannt. Dass unlängst von ein amerikanisches Gericht verkündet wurde, dass Klagen von 9/11-Opfer-Angehörigen gegen saudi-arabische Roaylitäten zulassungsfähig sind, hatte schon zu einigen diplomatischen Verwerfungen bei Obamas jüngstem Besuch in Riad geführt. Jetzt wurde das Thema auch im Auswärtigen Auschuß des US-Parlaments angesprochen – und der republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher fragte die Sachverständigen, wer von ihnen ernsthaft glaube, dass die saudischen Royals nichts von den Vorbereitungen der 9/11-Attacken gewußt hätten. Zwei hoben die Hand, ein weiterer, Tim Roehmer, Leiter der der 9/11-Commission, widersprach: das sei zu schwierig um es mit Handzeichen zu klären. Worauf ihm Rohrabacher kräftig Contra gab (Video ab 1:19:00).

Und doch wird es auch nach einer Veröffentlichung der 28 Seiten nicht dazu kommen, dass etwa der ehemalige saudische Botschafter Prinz Bandar, wegen seiner Nähe zu George W. gern “Bandar Bush” genannt,  vor amerikanischen Gerichten verklagt wird, weil seine Frau den “Hijacker” Al-Midhar finanziell unterstützt hat. Denn dann müßte zum Beispiel auch zur Sprache kommen, dass Al-Midhar in San Diego bei einem inoffiziellen Mitarbeiter des Geheimdiensts zur Untermiete wohnte und warum die Beamten des zuständigen FBI-Distrikts, die über die  Top-Terroristen von der CIA im Dunkeln gelassen wurden, glauben, dass er selbst ein “IM” war. Und diese Pandorabüchse machen wir dann lieber doch  nicht auf. Auch wenn die Kopf-ab-Monarchen und Terror-Exporteure in Riad jetzt ein wenig Panik schieben, ihr großer Bruder in Washington kann sie nicht allein im Regen stehen lassen, dazu steckt er selbst zu tief mit drin…

22
May, 2016

Der “Panzerbär” ist wieder da

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Das Vorwahl-Spektakel in den USA bleibt spannend: Donald Trump führt bei den Republikanern haushoch, Hillary Clinton hat in Oregon, West Virginia und Indiana verloren, liegt aber wegen des dubiosen “Superdelegierten”– Systems immer noch deutlich vor Bernie Sanders. Der müßte alle ausstehenden  Abstimmungen mit 90% Abstand gewinnen, um  mehr Stimmen zu bekommen als Clinton, was unwahrscheinlich ist. Doch auch wenn Bernie das nicht schafft, könnte der demokratische Konvent ihn am Ende zum Kandidaten machen – weil nur er  in der Lage ist, gegen Trump zu gewinnen. Denn Clinton liegt schon aktuell in den verschiedenen Umfragen hinter Trump, ein Rückstand,  an dem sich wenig ändern wird, wenn sie weiterhin einen Wahlkreis nach dem anderen gegen Sanders verliert – oder wie zuletzt in Nevada nur mit Tricks so hauchdünn gewinnt, dass es stark nach Schiebung riecht. Dass Bernie nicht aufgibt, hat einen guten Grund: er ist in nahezu allen demographischen Schichten beliebter als Hillary und würde Trump klar schlagen. Die von den Clintons auf “War” und “Wallstreet” getrimmte demokratische Partei könnte das freilich ebenso zerreißen wie bei den Republikanern die Nominierung von Trump. In diesem Fall haben die ersten Hardcore-Neocons schon angekündigt bei der Wahl für Clinton zu stimmen. Zwei Außenseiter von rechts und links mischen also das Parteienestablishment mächtig auf, und ginge es bei diesem Spekatkel um echte Demokratie wären Sanders und Trump eindeutig die Kandidaten. Geht es aber nicht, weshalb wir uns traurig abwenden, um in den Untiefen der deutschen Lückenpresse zu entdecken:

Der “Panzerbär” ist wieder da. Das in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs in sieben Ausgaben erschienene “Kampfblatt für die Verteidigung Gross-Berlins” wurde zwar nicht neu aufgelegt, doch jetzt hat es die FAZ übernommen, Gastbeiträge im Geiste dieser Frontzeitung unredigiert zu drucken. “Wann raffen wir uns endlich auf ?” fragt ein Landser der ganz alten Schule, Wolf Poulet, und führen statt “perpetuierter Gutmenschlichkeit” und „2.0-Abbitte für Adolf Hitler“ endlich wieder ordentliche Angriffskriege ? Wer in unserer “friedensverstiegenen Generation” sorgt dafür, dass die Bundeswehr endlich ihre  “ca. 4500″ Panzer wieder kriegt, die sie im Kalten Krieg vor 1989 befehligte: “Heute sind es noch zwischen 225 und 300″. Klar, dass Gross-Berlin damit nicht zu halten sein wird, gegen die aggressive Übermacht der  Roten Armee von Stalin aka Putin.  Und gegen die Islamisten überall, und die ganzen Flüchtlinge. Halb Afrika sitzt schon auf gepackten Koffern! Und das nur, weil Westerwelle und Merkel “durchdrungen von ihrer Friedensneigung” den Libyen-Einsatz verweigerten, und an der “Seite von Russen und Chinesen für Enthaltung stimmten.” Was soll man von einer Pfarrerstochter und einem Homo auch erwarten, außer dass sie mit dem Iwan und den Schlitzaugen paktieren und  die Alliierten “desavouieren” – bei ihrem großartigen Libyen-Einsatz, dank dem jetzt der IS und Al Qaida in Tripolis regieren. Mit 4500 Bundeswehr-Panzern (Rommel 2.0!) wär’ das natürlich nicht passiert.  Zudem würde der “Abbau der unspezifischen Friedensverstiegenheit” zu Hause zum Aufbau  der  “nationalen Verteidigungsfähigkeit” beitragen und verhindern, dass  “Parteien mit verquaster chauvinistischer Heilslehre” an die Regierung kommen. Wer also Pegida & AfD verhindern will, muss die Abbitte für Adi einfach mal stecken lassen und wieder ein paar ordentliche “Kampfeinsätze” hinlegen.  Mit Hitlary als voraussichtlicher Präsidentin wird es auf jeden Fall reichlich Gelegenheit geben…

17
May, 2016

Where to invade next ?

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Auch wenn Europa kein wirkliches Paradies und Amerika nicht der Vorhof der Hölle ist – wie Michael Moore in seinem jüngsten Film die Differenzen herausarbeitet, trifft mehr als nur holzschnittartig den Punkt und ist auch in voller Länge ein Vergnügen (oops, das Link funkt nicht mehr, aber hier gibts diverse Trailer & Clips – und die DVD überall im Handel.)

15
May, 2016

Lexikon der Verschwörungen

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Vor 16 Jahren erschien “Everything under control” von Robert Anton Wilson erstmals auf Deutsch, übersetzt von Gerhard Seyfried, herausgegeben von mir. Das “Lexikon der Verschwörungstheorien” erlebte mehrere Auflagen , war aber jetzt schon seit einigen Jahren vergriffen. Am 1.  August wird es  nun wieder in einer unveränderten Neuausgabe im Westend Verlag erscheinen – einschließlich des langen Gesprächs, dass ich mit RAW dazu geführt habe, Auszüge daraus hier. Beim Titel allerdings haben wir uns für eine kleine Änderung entschieden, die aufgrund der inflationären Abnutzung des Begriffs “Verschwörungstheorien” sicher nachvollziehbar ist.

15.05.16 15:41-Bildschirmkopie-2

9
May, 2016

Einladung zum Vortrag in Wien

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dgw-cov-2DIE GANZE WAHRHEIT ÜBER ALLES
Vortrag von Mathias Bröckers

Was geht Deutschland die Ukraine an? Und wie kommt es, dass ein gescheitertes Abkommen mit der EU zu einer der gefährlichsten Krisen geführt hat, die Europa in den vergangenen Jahrzehnten erlebte? Alles Putins Schuld? Oder ist die Wahrheit hinter diesem Konflikt, der nun den Frieden eines ganzen Kontinents bedroht, doch komplexer? Und welche Rolle spielen eigentlich die Medien? Sind sie noch unabhängige Berichterstatter oder längst selbst zur Partei geworden? Bestseller-Autor Mathias Bröckers schaut hinter die Kulissen eines politischen Spiels, das tödlicher Ernst geworden ist.

Mit im Gepäck hat er auch sein neues Buch „Die ganze Wahrheit über alles – Wie wir unsere Zukunft doch noch retten können“, gemeinsam mit Sven Böttcher publiziert. Er wird versuchen uns zu zeigen, dass alles ganz und gar nicht so kompliziert ist, wie die wenigen Gewinner im globalen Optimierungsspiel uns nur allzu gern glauben lassen. Die Menschheit ist in den letzten 5.000 Jahren gut vorangekommen – sie hat Ideen, Technologien und Gesellschaftsformen entwickelt, die den gesamten Planeten in einen paradiesischen Ort verwandeln könnten. Doch stattdessen ist sie dabei, daraus eine lebensfeindliche Wüste zu machen. Denn aus den gut gemeinten Ideen – von Agrarrevolution über Demokratie und Marktwirtschaft bis Wachstum und Zuwanderung – haben wir, die Generation der 1945 bis 2000 Geborenen, nicht nur ein Riesendesaster gemacht. Wir bekommen auch dauernd zu hören, dass daran nichts zu ändern ist, weil alles viel zu komplex und der eingeschlagene Holzweg daher „alternativlos“ ist. Weshalb man am besten gleich alle Hoffnung fahren lässt, weil man ja doch nichts ändern kann. Mathias Bröckers wird dies in seinem Vortrag eindrucksvoll widerlegen.

Aktionsradius Wien , 1200 Wien, Gaußplatz 11, Di. 10. Mai 2016, Beginn: 19.30 Uhr, Einlass: 19.00 Uhr. Eintritt: Spenden erbeten!
Anmeldung erforderlich!

8
May, 2016

Freetrade vs. Fairtrade

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41a4zGHKsEL._“Meine Damen und Herren, Geheimhaltung ist abstoßend in einer freien und offenen Gesellschaft. Als Volk haben wir eine natürliche und historische Abneigung gegen Geheimgesellschaften und Geheimbünde. Die Nachteile einer übermäßigen Geheimhaltung übersteigen die Gefahren, mit denen diese Geheimhaltung gerechtfertigt wird. Es macht keinen Sinn, einer unfreien Gesellschaft zu begegnen, indem man ihre Beschränkungen imitiert. Das Überleben unserer Nation hat keinen Wert, wenn unsere freiheitlichen Traditionen nicht ebenfalls fortbestehen. Es gibt eine sehr ernste Gefahr, daß der Vorwand der Sicherheit mißbraucht wird, um Zensur und Geheimhaltung auszudehnen. (..) Wir haben es mit einer monolithischen und ruchlosen weltweiten Verschwörung zu tun, die ihren Einfluß mit verdeckten Mitteln ausbreitet: mit Infiltration statt Invasion, mit Umsturz statt Wahlen, mit Einschüchterung statt Selbstbestimmung, mit Guerillakämpfern bei Nacht, statt Armeen am Tag. Es ist ein System, das mit gewaltigen menschlichen und materiellen Ressourcen eine komplexe und effiziente Maschinerie aufgebaut hat, die miltärische, diplomatische, geheimdienstliche, wirtschaftliche, wissenschaftliche und politische Operationen verbindet. Ihre Pläne werden nicht veröffentlicht, sondern verborgen, ihre Fehlschläge werden begraben, nicht publiziert, Andersdenkende werden nicht belobigt, sondern zum Schweigen gebracht, keine Ausgabe wird in Frage gestellt, kein Gerücht wird gedruckt, kein Geheimnis enthüllt. (..)

Kein Präsident sollte die öffentliche Untersuchung seines Regierungsprogramms fürchten, weil aus der genauen Kenntnis sowohl Unterstützung wie auch Opposition kommt, und beides ist notwendig. Ich bitte Ihre Zeitungen nicht, meine Regierung zu unterstützen, aber ich bitte Sie um Ihre Mithilfe bei der enormen Aufgabe, das amerikanische Volk zu informieren und zu alarmieren, weil ich vollstes Vertrauen … (Applaus) …. in die Reaktion und das Engagement unserer Bürger habe, wenn sie über alles uneingeschränkt informiert werden. Ich will die Kontroversen unter Ihren Lesern nicht ersticken, ich begrüße sie sogar. Meine Regierung wird auch offen zu ihren Fehlern stehen, weil ein kluger Mann einst sagte, Irrtümer werden erst zu Fehlern, wenn man sich weigert, sie zu korrigieren. Wir haben die Absicht, volle Verantwortung für unsere Fehler zu übernehmen, und wir erwarten von Ihnen, daß sie uns darauf hinweisen, wenn wir das versäumen. Ohne Debatte und Kritik kann keine Regierung und kein Land erfolgreich sein, und keine Republik kann überleben.(…)”

Diese Rede hielt John F. Kennedy am 27. April 1961 vor Zeitungsverlegern im Waldorf-Astoria in New York (der gesamte Text hier , der Audio-Mitschnitt hier ). Sie ist nicht nur wegen der geheimen Betrugsmanöver in Sachen “Freihandel” und der unsäglichen TTIP-Verhandlungen – der Vizechef der CDU-Budestagsfraktion fordert mittlerweile die Bestrafung der Whistleblower von Greenpeace, die die geheimen Dokumente geleakt haben – äußerst aktuell. Sondern auch einer der Gründe, warum ich meinem Buch über JFK und seine Ermordung den Untertitel “Staatsstreich in Amerika” gegeben habe. Wie weit sich Amerika seitdem von jener “freien und offenen Gesellschaft” entfernt hat, wie Kennedy sie forderte, wird deutlich, wenn wir den Klartext von Barack Obama zum “Freihandel” hören: “America should write the rules. America should call the shots. Other countries should play by the rules that America and our partners set, and not the other way around.”

4
May, 2016

Hanf auf Rezept

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DrPoppys

Meinen Nimbus als “Verschwörungstheoretiker” verdanke ich vor allem den Recherchen über reale Verschwörungen, die trotz akribischer Dokumentation von Fakten und Belegen so unglaublich schienen, dass sie nur einem verrückten Gehirn entsprungen sein konnten. Wie etwa die Behauptung, dass es sich bei Cannabis um eine der wertvollsten Nutz,-und Arzneipflanzen überhaupt handelt. Nach dem Erscheinen des Buchs “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf”, dessen deutsche Ausgabe ich mit Jack Herer 1993 herausgebracht hatte, erreichten mich etliche Anfragen von Ärzten und Pharmazeuten, die das Kapitel über die erstaunlichen und einzigartigen medizinischen Eigenschaften von Cannabis für Fiktion hielten: sie hatten davon während ihrer gesamten Ausbildung kein Sterbenswort gehört und in ihren aktuellen Handbüchern keine Zeile darüber gefunden. Eine der ältesten Heilpflanzen der Menschheit war nicht nur zur »flora non grata« geworden, auch das medizinische Wissen darüber war nahezu verschwunden.  Warum dies kein Zufall war, wer aus welchen Gründen an der umfassenden Prohibition der Hanfpflanze gedreht hatte und warum diese destruktive Politik schleunigst geändert werden sollte – all das war in unserem Buch zwar ausführlich dokumentiert. Doch in der Politik geschah nicht nur nichts, die Gesetze und die Jagd auf Hanfnutzer wurden in der Folge sogar noch verschärft; in “Die Drogenlüge” (2010) und “Kein Angst vor Hanf” (2014) habe ich diese weiteren Entwicklungen beschrieben. Und darauf hingewiesen, dass ein ein Gesetz zu Cannabis als Medizin, welches das Bundeskabinett heute verabschiedet hat und das die Verkehrs-, Verschreibungs- sowie Erstattungsfähigkeit von Cannabismedikamenten herstellen soll, nur ein erster Schritt sein kann. Nachdem nicht zuletzt unser Buch erreicht hatte, dass der  Hanfwirkstoff Tetra-Hydro-Cannabinol (THC) 1996 wieder in das Arzneimittelregister aufgenommen wurde und in der Folge in Form (halb-)synthetischer Tropfen (“Dronabinol”) wieder verschrieben werden konnte, war es nicht politische Einsicht, sondern allein der Druck der Patienten, die mit Gerichtsklagen dafür sorgten, dass auch die gesamte Hanfblüte als Arzneimittel rehabiliert wurde. Diese waren bis dato nur mit aufwändigen Ausnahmegenehmigungen erhältlich, künftig reicht ein normales Betäubungsmittel-Rezept des Hausarztes. Der Selbstanbau bleibt aber auch für Patienten nach wie vor verboten. Wo kommen wir auch hin, wenn Kranke sich mit einem Kraut, das ihnen hilft, im Garten oder auf der Fensterbank selbst versorgen…?  Vorallem wenn sich weiter  herumspricht, dass es sich um ein jahrtausendelang bewährtes und gut verträgliches Anti-Depressivum und Sedativum handelt, welches den “Gute Laune”- und “Gute Nacht”-Bestsellern der Pharmaindustrie den Rang ablaufen könnte: Da sind wir  dann  schon wieder mitten in der verschwörungspraktischen Frage, welche Lobby eigentlich an den Gesetzen feilt, die eine der ältesten Heilpflanzen der Erde nach wie vor der Prohibition unterwirft…

1
May, 2016

TTIP ist tot

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13010708_1075751985778922_690207305466803068_nDass es sich bei TTIP um einen unsäglichen, undemokratischen und betrügerischen Vertrag handelt, hatten wir hier schon im vergangenen Oktober festgehalten, als 250.000 Menschen in Berlin dagegen auf die Straße gegangen waren.  Den großen Medien war dieser massive Protest letzten Herbst nur eine Randmeldung wert und  Sigmar  Gabriel schaltete großflächig Anzeigen, dass es eine “Absenkung der erreichten Standards” etwa beim Verbraucherschutz natürlich nicht geben werde, genausowenig wie  die “privaten Schiedsgerichte”. Was jetzt die “Süddeutsche” in ihrer Monatgsausgabe enthüllt zeigt indessen, dass es den US-Verhandlern genau darum geht: sie wollen ihre Genfood,- und Hormon-Produkte hier auf den Markt bringen und drohen bei  Nicht-Erlaubnis mit Strafzöllen für die europäische Autoindustrie. Auch die 1328 Chemikalien, die in Europa auf der Verbotsliste für Kosmetik stehen, sollen künftig erlaubt und nur verboten werden können, wenn nicht nur ein Verdacht, sondern ein Beweis für Krebserregung vorliegt. Usw. usf….. und der europäischen Forderung keine Privatgerichte zuzulassen, verweigern sich die USA nach wie vor. “Es bestätigen sich in den Texten bisher so ziemlich alle unsere Befürchtungen”, sagt der Vorstand des Bundesverbands der Verbraucherzentralen, Klaus Müller dazu. Die Realität, so Heribert Prantl, “übertrifft alle dunklen Ahnungen” Was heißt: nichts ist so, wie es der Vizekanzler und Wirtschaftsminister, die Großkonzerne und Transatlantiker verkünden. Und was der Arbeitgeberverband “Niedersachsen Metall” und die Bertelsmann-Stiftung “Neue (A-)Soziale Marktwirtschaft”(anläßlich des Besuchs von Häuptling Big Ear auf der Hannovermesse) plakatierten, gehört  nach den aktuellen Enthüllungen nun umgehend ins Museum für Kommunikation – als Musterbeispiel für Desinformation und neo-faschistoiden Orwellianismus.

30
Apr, 2016

Panzer-Uschi in der Wolfsschanze

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historyIn den Bestsellerlisten notiert der “Rassist der Herzen” (taz) Thilo Sarrazin derzeit auf Platz 1,  knapp  vor Adolf Hitlers “Mein Kampf” –  und Deutschland läßt wieder Truppen gen Moskau marschieren. Zwar ist die Oberkommandierende, unsere Panzer-Uschi,  noch nicht in der Wolfsschanze einquartiert, aber was nicht ist, kann die Leyen-Spielschar ja schon mal üben. Zumal unsere Altvorderen unter Adolf wie schon zuvor Wilhelm und Napoleon bei ihren Auswärtsspielen gegen Russland  stets schwer auf die Mütze bekamen. Sportlich gesehen sind der Iwan und Mütterchen Russland so etwas wie der Angstgegner westlicher Champions-League-Aspiranten, da herrscht also fraglos verschärfter Trainingsbedarf. Dass seit  ’45 Atomwaffen am Start sind, die beim Eindringen in den Strafraum gezündet werden – was für das Mittelfeld (Deutschland) die nukleare Apokalypse bedeutet – läßt solche Truppenbewegungen als  geschichtsvergessene Gymnastikübungen zwar geradezu lächerlich erscheinen. Sie sind aber durchaus ernst gemeint, denn den Chefcoach Uncle Sam juckt es im Ernstfall wenig, wenn das Mittelfeld zum Schlachtfeld wird. Es geht, wie einst unter Adi,  um Höheres, Größeres,  es geht um Absolutes und Totales, um Full Spectrum Dominance,  da müssen einfach Opfer gebracht werden. Dass  sich 95 % der deutschen Bevölkerung eine politische Annäherung an Russland wünschen darf da keine Rolle spielen. So wie es ja auch keine Rolle spielt,  dass 95 % aller Fußballfans eine Wüsten-WM bei 40 Grad in Katar absurd finden, wenn die FIFA das so beschließt – bzw. die NATO, als ihr geopolitsches Pendant und ebenso korrupt und überflüssig. Freilich eine Idee mehr transparent, denn Freundschaft mit Russland ist pures Gift für die Auftragsbücher, nur das Schreckensbild des aggresiven Bären garantiert steigende Budgets.

Wer sich an die Geschichte nicht erinnert, muß sie wiederholen. Und diese Nachrichten könnte man durchaus als einen solchen geschichtsvergessenen Retro-Trip deuten. Die Tragödie des zweiten Weltkriegs läuft jetzt als Farce. Für den Horror vor einer “jüdisch-bolschewistischen Weltverschwörung”, mit dem zu Krieg getrommelt wurde, sind nunmehr  der Islam und einmal mehr die Russen zuständig.  »Spätestens seit den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln kommen selbst grüne Professoren zu mir, die sagen: Ich habe zwei blonde Töchter, ich sorge mich, wenn jetzt 60 arabische Männer in 200 Meter Entfernung wohnen,« bekundete unlängst der grüne Bürgermeister von Tübingen. Und Otto Köhler fand auf Seite 1344 des Hitler-Werks das Originalzitat: »Der schwarzhaarige Judenjunge lauert stundenlang, satanische Freude in seinem Gesicht, auf das ahnungslose Mädchen, das er mit seinem Blute schändet und damit seinem, des Mädchens Volke raubt. Mit allen Mitteln sucht er die rassischen Grundlagen des zu unterjochenden Volkes zu verderben.« Da wäre dann auch “Türken-Thilo” wieder dabei, wenn auch etwas vornehmer formulierend. Einmal mehr lauert also ein heimtückischer Feind im Inneren – schwarzhaarig, krummnasig, satanisch – unseren blonden Töchtern und damit uns allen auf; und droht von außen der unberechenbare Iwan bis nach Paris vorzustossen, mindestens: “Putin will die Wetmacht!” (Joschka Fischer). Da ist ein kleines Reenactment an der Wolfsschanze das Mindeste.  Zum 75. Jahrestag des letzten Überfalls wird man mit 250 Bundeswehr-Soldaten an der Grenze ja wohl noch ein wenig die Backen aufblasen dürfen  – im Namen von Freiheit, Demokratie und Menschenrechten, versteht sich…

23
Apr, 2016

Welchen Anteil am Elend hat der Zins?

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Anfang des 20. Jahrhunderts stellte der Soziologe Max Weber fest: »Kein normaler Konsument weiß heute auch nur ungefähr um die Herstellungstechnik seiner Alltagsgebrauchsgüter. Nicht anders aber steht es mit sozialen Institutionen wie dem Geld. Wie dieses eigentlich zu seinen Sonderqualitäten kommt, weiß der Geldgebraucher nicht, da sich ja selbst die Fachgelehrten streiten.« An dieser Situation hat sich  in den 100 Jahren, die seitdem vergangen sind, wenig geändert. Dabei reichen eigentlich schon die drei Stunden dieses kleinen Symposions – Christiane Reymann,Herrmann Ploppa, Franz Hörmann und Christoph Pfluger im Gespräch mit Ken Jebsen – um Licht ins Dunkel zu bringen:

Update: Christoph Pfluger, Herausgeber des sehr empfehlenswerten  Zeitpunkt Magazins im Einzelgespräch über sein Buch “Das nächste Geld”.

19
Apr, 2016

Gegen die Alternativlosigkeit

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Jasmin Kosubek (“Der fehlende Part”) hat mit mir über das neue Buch gesprochen:

17
Apr, 2016

28 Nebelkerzen

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Obama reist nächste Woche mit mit schweren Waffen im Verkaufsgepäck nach Riad und die Saudis drohen mit 750 Milliarden Dollar Liebesentzug, falls in den USA ein neues Gesetz durchkommt, das Gerichtsklagen gegen saudische Regierungsmitglieder im Zusammenhang mit 9/11 zuläßt. Hintergrund ist die geforderte Veröffentlichung von bisher geheim gehaltenen “28 Seiten” des 9/11-Commission-Reports, für die sich vor allem der Senator Bob Graham stark gemacht hat – was uns schon 2011 etwas fishy vorkam, weil es nach “limited hangout” roch. Weshalb sich von dem aktuellen Hype um die  “Saudi-Connection”  der 9/11-Anschläge auch niemand benebeln lassen sollte, denn saudische Agenten wie die späteren “Hijacker” Al-Midhar und Al-Hazmi taten in den USA keinen Schritt ohne den großen Bruder CIA. In “11.9 – zehn Jahre danach” haben wir diese Zusammenhänge ausführlich dokumentiert. So sehr  die Drohung, Prinz Bandar und seine Frau als Geldgeber der “Hijacker” gerichtlich  mit Milliardenstrafen zu erpressen im diplomatischen Armdrücken durchaus  steroidartige Wirkung entfalten könnte, so wenig ist realiter damit zu rechnen. Denn dieser Prinz heißt nicht zufällig “Bandar Bush”, sondern ging bei seinem Kumpel George W. tatsächlich ein und aus. Und diese Kiste macht man doch besser nicht auf, wie schon dieser kurze Auszug (S.84/85) deutlich machen sollte:

“Fassen wir die Akte Khalid Al-Midhar noch einmal kurz zusammen: Seit 1998 wurde das Haus seines Schwiegervaters im Jemen observiert, in dem er ein und aus ging; 1999 wurde er von Omar Al-Bayoumi in Kalifornien empfangen, einem Saudi mit Geheimdienstverbindungen (von dem der Commission Report verharmlosend vermerkt, er sei ein »unwahrscheinlicher Kandidat für klandestine Beziehungen mit islamistischen Extremisten«); im Januar 2000 nahm er an einem Al-Qaida-Planungstreffen in Kuala Lumpur teil, das vom malaysischen Geheimdienst auf Video aufgezeichnet und den US-Behörden übermittelt wurde; er und seine »Studien«-Kollegen in San Diego erhielten über ihren Mentor monatliche Schecks von der Frau des saudischen US-Botschafters Prinz Bandar; im September 2000 nahmen Al-Midhar und Al-Hazmi eine neue Wohnung in San Diego, im Haus des FBI-Informanten Abdussattar Shaikh. Danach reiste Al-Midhar in den Jemen, wo im Oktober 2000 der Anschlag auf das US-Schlachtschiff “Cole” erfolgte, für das sowohl Gäste des safehouse seines Schwiegervaters als auch Teilnehmer des Malaysia-Treffens verdächtigt wurden. Zum selben Zeitpunkt wurde der oberste Terroristenjäger des FBI, John O’Neill, davon abgehalten, im Jemen zu ermitteln und erhielt von Bushs Botschafterin Barbara Bondine Einreiseverbot. Stattdessen wurde Khalid Al-Midhar im Juni 2001 ein frisches Einreisevisum für die USA erteilt. (…) Wir unterdessen fragen uns, ob die Logistik und die Verbindungen des Khalid Al-Midhar nicht sehr stark darauf hindeuten, dass es sich bei ihm um ein »Asset«, einen »IM«, einen Agenten handelte, der in den USA tun und lassen konnte, was er wollte, weil er im Auftrag eines Geheimdiensts unterwegs war. Der zwar auf der Watchlist der CIA stand, weil er engste Verbindungen zu einem Al- Qaida-Nest im Jemen unterhielt, der aber von den saudischen Royals alimentiert und von saudischen Agenten umsorgt wurde und der bei einem FBI-Mitarbeiter zur Untermiete wohnte – kein einsamer Terrorist under cover im Feindesland, sondern ein Agent mit besten Kontakten. Der Autor Lawrence Wright sprach mit einigen der Beamten der FBI-Einheit I-49, die für Al-Midhar und Al-Hazmi zuständig gewesen wäre, hätte sie denn von seiner Rolle erfahren. Dass sie davon nicht erfuhren, so glaubt »mindestens die Hälfte der Jungs im Büro«, hatte damit zu tun, »dass die CIA Al-Midhar und Al-Hazmi schützte, weil sie hoffte, die beiden zu rekrutieren«. Oder, können wir hinzufügen, dass die CIA sie im Joint Venture mit den saudischen Kollegen schon rekrutiert hatte als V-Männer (oder Agents Provocateurs?) in der »Logistikzentrale« von Al-Qaida …”

12
Apr, 2016

Betr. Schmähkritik

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Mit “Schmähkritik” kenne ich mich ein wenig aus, weil ich als Redakteur der taz etliche solcher Verfahren erlebt habe – und die allermeisten wurden im Sinne der Presse,- Meinungs,- und Kunstfreiheit entschieden. Ein bahnbrechendes Urteil erstritt die taz 2002 gegen Kai Diekmann, dem Gerhard Henschel in der Zeitung eine Penisverlängerung angedichtet hatte –  eine eindeutige Schmähung, für die anderen Person mit Sicherheit ein Schmerzensgeld zugesprochen worden wäre. Ein “Bild”-Chef freilich, dessen Blatt permanent den Privat,- und Intimbereich von Menschen zur Schau stellt, müsse selbst eine solche Schmähung hinnehmen, befand das Gericht. Der Rennrodler Georg Hackl dagegen konnte ein Schmerzensgeld einstreichen, nachdem Wiglaf Drostein ihn in der taz  als “rasende Weisswurst, der das Resthirn in die Kufen gerutscht ist” bezeichnet hatte; auch Thilo Sarrazin wurden 20.000 Euro für den Schmerz zugesprochen, dass er in der taz als “lispelnde, stotternde, zuckende Menschenkarikatur” porträtiert worden war, “dem man nur wünschen kann, der nächste Schlaganfall möge sein Werk gründlicher verrichten“.

In diesen Fällen sahen die Gerichte die Grenzen der Satire überschritten und die Betroffenen in ihrem Persönlichkeitsrecht verletzt – und wäre Erdogan deutscher Staatsbürger könnte auch er für die “Ziegenficker”-Zeilen erfolgreich Schmerzensgeld erstreiten. Als Sultan der Türkei kann er das aber nicht – gäbe es da nicht ein Relikt im deutschen Strafgesetzbuch, den § 103, der die Ehre ausländischer Staatsoberhäupter besonders schützt. Wobei die Verfolgung von Verstößen gegen diesen Paragraphen nicht automatisch durch Strafanzeige, sondern nur durch “Ermächtigung” der Regierung erfolgt, was die eher läppischen Verse jetzt zur internationalen Affäre macht. Dass der sogenannte Schah-Paragraph zuletzt nach dem “regime change” im Iran in den 1960ern Anwendung fand, als sich ein von US-Gnaden installierter Diktator, Schah Reza Pahlewi, von hiesigen Karrikaturen ehrverletzt fühlte, jetzt gestrichen werden soll, ist zwar überfällig. Anderseits füllt Erdogan als vom Westen gehätschelter Autokrat und IS-Unterstützer die seit dem Abgang des Schah-Regimes verwaiste Rolle auch ziemlich genau aus – es würde also schon passen. Ein paar Salafisten-Könige, die hier gern als Kopf-ab-Muftis und Kamel-Schänder verspottet werden, hätten auch noch Chancen auf Schmerzensgeld.

Was man ansonsten über die Affäre wissen muß, hat Antonia Baum wunderbar eingefangen:

“Ein bezahlter Rebell wird von einer Institution, die ihn bezahlt und als Rebell installiert hat, gemaßregelt, nachdem dieser, mit Ansage, etwas falsch gemacht hat, das man in der Bundesrepublik Deutschland nicht falsch machen soll. Woraufhin die Regierung öffentlich sagt, dass jener Rebell da wirklich etwas falsch gemacht habe, die Staatsanwaltschaft, weil er mutmaßlich etwas falsch gemacht hat, aktiv wird und die Presse von ihrer Pressefreiheit Gebrauch macht, indem sie darüber streitet, ob der Rebell nun tatsächlich etwas falsch gemacht hat. Und die jungen Menschen Deutschlands (die Zielgruppe des ZDFs) zusätzlich und für nur 17,50 Euro das für das Erwachsenwerden so wichtige Gefühl geschenkt bekommen, ihnen stehe ein echter Rebell vor. Es läuft alles einwandfrei hier.”

11
Apr, 2016

Lesung in Jena

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dgw-cov-2Am kommenden Donnerstag, 14.4.,  stelle ich “Die ganze Wahrheit über alles” im Kassablanca in Jena vor. Beginn ist um 19.00 Uhr, der Eintritt ist frei.

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