Ob man nach vier Wochen und über 10.000 getöteten Kindern und Müttern schon von “industriellem Massenmord” sprechen kann, weiß ich nicht. Klar ist nur, dass es kein “Kollateralschaden” ist und nichts mit Selbstverteidigung oder Kampf gegen Terrorismus zu tun hat, was Netanjahu und seine Armee in Gaza veranstalten; und dass die Weltgemeinschaft kein Mittel findet, das monströse Massaker zu stoppen. Das Imperium in Washington gibt den Endzeit-Fanatikern in Israel außer zynischen Ermahnungen, beim bombardieren von Wohngebieten bitte auf Zivilisten zu achten, freie Hand bei dieser neuen Perversion des “War on Terror”: wir beseitigen 25.000 Militante unter 2,5 Millionen indem wir einfach alles in Schutt und Asche legen. Willkommen in der “regelbasierten internationalen Ordnung”, zu deren Regeln jetzt offenbar auch Vertreibung und Völkermord gehören und die Eingeborenen in den Kolonien wieder als Untermenschen gelten. Und wie in der guten alten Kolonialzeit der gesamte “zivilisierte” Westen gute Miene zum grausamen Spiel macht und außer “stinknormalem…moralverbrämten Rassismus” -so Thomas Fischer über das Anti-Antisemitismus-Geschwalle von Robert Habeck – nichts zu bieten hat. Zur Analyse der kognitiven Dissonanz in Deutschland empfehle ich als Long Read den Blog von Per Leo im “Merkur”.
Der Strafrechtler Fischer macht darauf aufmerksam, dass es wo Religions- und Meinungsfreiheit herrschen keine Bekenntnispflicht, keinen Distanzierungszwang geben kann – auch moralisch Fragwürdiges darf geglaubt, gemeint, gedacht werden, alles Weitere regelt das Strafgesetzbuch. So wie ein alter Münchner “60er” die “Bayern” hassen darf, dürfen Ukraine-Fans alle Russen verachten, Vegetarier dürfen Fleischfresser zum Teufel wünschen und Autofahrer die Klima-Kleber; Katholiken ist es erlaubt Protestanten unerträglich zu finden, Impfgegner dürfen Pharmakonzerne hassen, Friedensfreunde die Rüstungsindustrie, Weiß dürfen Schwarze verachten, so wie Muslime Juden und vice versa – erst wer Gewalt anwendet oder zu ihr aufruft macht sich strafbar, Gedankenverbrechen sind in Rechtsstaaten nicht verboten. Niemand darf im Rahmen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu einem Bekenntnis gezwungen werden, niemand zu irgendeiner Distanzierung von etwas. Dass den arabischen Kids an den Berliner Schulen der traditionelle Palästinenser-Schal verboten wurde zeigt indes, wie marode das Fundament der o.g. Grundordnung mittlerweile geworden ist und vom Vizekanzler abwärts moralverbrämter Rassismus und zynischer Doppelstandard obwaltet , mit Opfern Erster Klasse (Israelis) und Zweiter Klasse (Palästinenser).
Dass sich religiöse Fanatiker im Nahen Osten die Köpfe einschlagen ist das eine, etwas anderes aber ist es, wenn sich im ehemals “aufgeklärten” Westen archaische, theokratische Zustände durchsetzen, in denen es nur EINE Wahrheit geben darf und allen ex cathedra verkündeten “Irrlehren” öffentlich abgeschworen werden muss. Die Inquisition heißt jetzt “Cancel Kultur”, die Inquisitoren nennen sich “Faktenchecker” aber wie im 13. Jahrhundert ff. geht es darum, den einzigen “wahren Glauben” durchzusetzen. Keine Zweifel aufkommen zu lassen an den teuflischen, barbarischen Absichten des Bösen (vorgestern “Taliban”, gestern “Putin”, heute “Hamas”, morgen “Hizbollah”/Iran/XYZ ) und den stets gerechten und lauteren Absichten der Guten (USA/UK/EU). Vernunft und Verstand werden durch Gesinnungsterror ausgeschaltet. Darf noch gefragt werden, ob man Geiseln eines Banküberfalls befreien kann indem man das Bankgebäude zerstört – oder steht das schon auf dem Antisemitismus-Index ?
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Auch wenn das psychokinetische Ereignisfeld “9. November”scheinbar ohne Zwischenfälle verlaufen ist, bebt es auf dem geopolitischen Schachbrett derzeit gewaltig. Warum ein Proxy-Krieg in der Ukraine für das Imperium nicht zu gewinnen ist, wurde hier auf dem Blog in 99 Folgen von Notizen in den letzten zwei Jahren dargelegt, jetzt scheint auch in NATOstan der Groschen fallen, beziehungsweise ist nicht mehr mehr da, nachdem hunderte Milliarden auf Nimmerwiedersehen im Schwarzen Loch Kiew verschwunden sind. Dass der dort amtierende T-Shirt-Clown es noch über den Winter schafft, ist kaum zu erwarten, seine Halluzinationen vom Endsieg gegen Russland teilen selbst enge Berater nicht mehr. Die Verhandlungen mit Russland wie eine NATO-freie Rest-Ukraine genau aussehen wird, wird jemand anderes führen müssen. Da Joe Biden selbst bis über beide Ohren im ukrainischen Korruptionssumpf steckt, scheint er als Friedensschlichter ebenfalls ungeeignet und Sultan Erdogan, der die Verhandlungsgespräche zwischen Kiew und Moskau im Frühjahr 2022 moderiert hatte, ist wegen Gaza derzeit auf einem anderen Kriegskurs und scheidet als Vermittler ebenfalls aus. Ebenso wie Deutschland und Frankreich, die schon bei Minsk I und II absichtlich versagt haben. Bleiben nur China, das bei der Vermittlung zischen Iran und Saudi-Arabien scheinbar unmögliches geleistet hat, oder ein neuer US-Präsident (Trump ?!) . Andererseits kann das Blutbad nicht mehr ein Jahr andauern, weil Kiew schon vorher die Soldaten ausgegangen sind – und von einer Pattsituation (“stalemate”) wie sie der ukrainische Armeechef Zaluzny im britischen “Ecomonist” darlegt, nicht die Rede sein kann, wenn das Kräfteverhältnis an der Front bei 10:1 liegt. Was den im Time-Magazin als Egomanen poträtieren Zelenski, der von von Pattsituation und Verhandlungen nichts hören will. weiter von erfolgreichen “Gegenoffensiven” fabulieren lässt für die er auch weiter lebendes Kanonenfutter liefern will. Ob es an seinem Hang zum kolumbianischem Marschierpulver liegt, dass der Ex-Komiker der letzte Mann in Kiew ist, der noch im Siegesrausch schwillt, können wir nicht beurteilen. Sicher ist nur, das jeder Tag den er im Amt bleibt, hunderte seiner Landesleute das Leben kostet – und dass die Verantwortlichen wie auch für die Massaker in Gaza in Washington sitzen. Solange sie ihre Marionetten Zelenski und Netanjahu tanzen lassen kann es keinen Frieden geben…
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Aus Anlass der Neuerscheinung meines Buchs “JFK-Staastsstreich in Amerika” habe ich in den letzten Wochen einige Gespräche darüber geführt , warum dieses historische Ereignis, dass sich kommende Woche zum 60. Mal jährt, noch heute von Relevanz ist. Das sieht auch Oliver Stone so und hat 30 Jahre nach seinem bahnbrechenden Film “JFK” eninmal nachgelegt – und sagt:
“Es war eine sauber ausgeführte verdeckte Exekution, inklusive Vertuschung – alles direkt aus dem CIA-Handbuch für Geheimoperationen. Amerika war danach nicht mehr dasselbe Land, denn hinter den Kulissen übernahmen die Geheimdienste und das Militär die Kontrolle über die Ausrichtung der US-Regierung in den Bereichen, in denen das große Geld involviert ist, wie nationale Sicherheit und Strategie.”
Oliver Stones Film “JFK-revisted” läuft am 22.November (20:15) auf 3. Sat
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Zuletzt erschienen:
Mathias Bröckers: JFK -Staatsstreich in Amerika (Oktober 2023), 304 Seiten, 14 Euro
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, Fifty-Fifty (Oktober 2022), 288 Seiten, 20 Euro




