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14 May |
Was ist Bewusstsein ?
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Von allen Fragen, die mich als neugierigen Menschen seit Jahren umtreiben und antreiben, ist die Frage “Was ist Bewusstsein ?”die spannendste und wichtigste überhaupt. Einige meiner Recherchen dazu hatte ich in dem 1998 erschienen Buch “Das sogenannte Übernatürliche” veröffentlicht ( wie das 2000 erschienene Taschenbuch unter dem Titel “Können Tomaten träumen?” seit langem vergriffen, aber demnächst wieder als e-Book) und eine Fortsetzung möchte ich irgendwann noch schreiben. Vor allem über die überzeugenden Belege, dass Bewusstsein kein Nebenprodukt der Gehirnaktitviät ist, sondern Gehirne und die DNA des Körpers so etwas wie Speicher, Empfangsgeräte, Projektoren sind, die mit dem Bewusstsein ungefähr so viel zu tun haben wie das TV-Gerät mit dem Programm. Ein weites Feld, und zudem “nicht-lokal”… schwierige Sache, aber quantenphysikalisch durchaus im Rahmen. Licht – “Photonen”- sind der Informationsträger, das Medium, das in unserem stockdunklen Gehirnkasten und in jeder Körperzelle für “Erleuchtung” sorgt und das Wunder der Wahrnehmung und des Lebens insgesamt ermöglichen. Darüber hatte ich mit einem der Pioniere und Entdecker der “Biophotonen” – dem Biophysiker Fritz-Albert Popp – Ende der 90er Jahre ein ausführliches Gespräch geführt, das immer noch zu den meisteglesenen Seiten dieses Blogs zählt - Das Licht des Lebens. Und für mich nach wie vor zu den interessantesten wissenschaftlichen Forschungen an der Schnittstelle von “Geist” und “Materie”. Deshalb hier die Leseempfehlung für einen neueren Vortrag von Professor Popp: “Bewusstsein als Entwicklungsprozess”
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11 May |
Cum cura et defectus intellectus
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“Mit Sorge und Unverständnis verfolgen wir als Autoren und Künstler die öffentlichen Angriffe gegen das Urheberrecht”, hebt eine Online-Resolution an, mit der ein Schar von Urhebern “gegen den Dienstahl geistigen Eigentums” protestiert. Weil mich der pastorale Ton an päpstliche Enzykliken erinnerte , die immer nach ihren lateinischen Eingangsworten benannt werden und das Lateinabitur zu lange her ist, habe ich vom Google Translator checken lassen, was “Unverständnis” heißt – und “defectus intellectus” klingt nicht nur gut, sondern paßt auch in anderer Hinsicht zu dieser Bulle, denn so wirklich intelligent ist es nicht, was die Damen und Herren Urheber schreiben. Dass das Ende des Holzwegs gekommen ist, haben sie offenbar noch nicht verstanden
“Die alltägliche Präsenz und der Nutzen des Internets in unserem Leben kann keinen Diebstahl rechtfertigen und ist keine Entschuldigung für Gier oder Geiz.” – wohl wahr, aber auch Mord und Totschlag sind ja durch die Präsenz des Internets nicht entschuldigt. “Die neuen Realitäten der Digitalisierung und des Internets sind kein Grund, den profanen Diebstahl geistigen Eigentums zu rechtfertigen oder gar seine Legalisierung zu fordern. Im Gegenteil: Es gilt, den Schutz des Urheberrechts zu stärken und den heutigen Bedingungen des schnellen und massenhaften Zugangs zu den Produkten geistiger Arbeit anzupassen.” Hmmmh. Den letzten Halbsatz würde ich unterschreiben. Ansonsten aber scheint mir die ganze Erklärung als stures Beharren auf dem Status Quo und letztlich genauso naiv wie die “Alles Gratis”-Mentalität juveniler Netzpiraten.
Als jemand, der seine Existenz seit Jahrzehnten als freier Autor bestreitet, habe ich wie jeder “Urheber” ein genuines Interesse daran für meine Hervorbringungen bezahlt zu werden (der 2010 verstorbene Kollege Hans-Georg Behr hatte in diesem Sinne unter seinem Namen auf dem Briefpapier das schöne Motto “Nimmt Geld für gute Worte” eingedruckt) – und gleichzeitig berechtigte Zweifel, dass es wirklich gilt “den Schutz des Urheberrechts zu stärken”. Denn dies ist sehr wohl, und da haben die Piratenfreunde ziemlich recht, in erster Linie ein “Verwerter” – und kein “Urheber-Recht”, denn bei Urhebern kommt nur ein Trinkgeld an. Wie wir hier unlängst am Beispiel von Taschenbüchern mal vorgerechnet haben: “Die kleine „Vermittlungsgebühr“, die Autoren an Ihre Verlage und Zwischenhändler entrichten, beträgt 95% des Verkaufspreises.” Der Urheber mag insofern zwar bei der Schaffung eines Werks ganz am Anfang stehen, wenn es an die Verteilung der Erlöse geht aber ganz hinten – ohne ihn (oder sie) wäre alles nichts, doch den Löwenanteil der Erträge fressen andere.
“Das Urheberrecht ist eine historische Errungenschaft bürgerlicher Freiheit gegen feudale Abhängigkeit, und es garantiert die materielle Basis für individuelles geistiges Schaffen.” heißt es in dem Aufruf . Dass 95 % Vermittlungsgebühr einen Fortschritt gegenüber der Leibeigenschaft des Feudalismus darstellen läßt sich nicht bestreiten, was die garantierte “materielle Basis” betrifft sind Zweifel aber mehr als angebracht, denn sie kommt zu 95 % nicht dem geistig schaffenden Individuum zu Gute, sondern einem eher ungeistigen schnöden Geschäftsbetrieb.
Als Autor oder Künstler ist man zwar gezwungen, sich solchen historisch gewachsenen Systemzwängen zu unterwerfen, aber als “historische Errungenschaft” würde ich dieses unfaire Verteilungssystem lieber heute als morgen abgeschafft bzw. reformiert sehen. Statt es zu verteidigen und zu stärken, gilt es, darüber hinaus zu denken. Mit den digitalen Medien und dem Internet gehen nämlich die Zeiten zu Ende, in denen die die Autoren in der Verwertungskette von Baum zum Buch das schwächste Glied darstellten und sich mit den Krümeln, die ihnen die Verwerter überlassen, zufrieden geben müssen. Das Publizieren – der Transport von Worten, Tönen und Bildern in die Öffentlichkeit – ist von einer kapital,- und materialträchtigen Großoperation zu einer Knopfdruck-Aktion geworden, ebenso wie der Kauf unde Verkauf dieser Werke. Dies krempelt das seit Erfindung des Buchdrucks im Prinzip unveränderte System der Vermittlung und Vermarktung von Texten radikal um – und damit auch das überkommene Modell des Verlags,-und Buchhandelsgeschäfts. Wie eine faire Honorierung kreativer Leistungen im Zeitalter des Filesharings auszusehen hat, diese Frage ist noch nicht beantwortet und wie eine Lösung auszusehen hätte, die möglichst 95 % aller Erträge dem “individuellen geistigen Schaffen” zukommen läßt und nur 5% Verwaltungskosten benötigt, ist eine der größten Herausforderung des Informationszeitalters. Darüber sollten sich die Kreativen und Geistesarbeiter im Lande lieber Gedanken machen, statt hysterisch sowie cum cura et defectus intellectus… “Wir sind die Urheber!” zu schreien und so zu tun, als wolle ihnen irgendwer diesen Status absprechen und das Urheberrecht abschaffen. Das will niemand… worum es stattdessen geht, ist in der im seit gestern im Netz befindlichen Gegen-Resolution nachzulesen.
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9 May |
Hordenjournalismus
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Mit Nazivergleichen muß man vorsichtig sein, zulässig sind sie nur , wenn irgendwo “Freiheit” und “Demokratie” herbeigebombt werden sollen und zur allgemeinen Mobilmachung der nächste “Hitler” ausgerufen wird. Da kann man es dann mit Analogien so richtig krachen lassen, wie seinerzeit zum Beispiel Hans Magnus Enzensberger mit Saddam Hussein als Adolfs “Wiedergänger”. Weniger freundlich aufgenommen – und mit Nazi-Beschimpfungen bombardiert – wird hingegen, wer wie Günter Grass auf die Atomwaffen und die Kriegsdrohungen Israels hinweist. Dass der Schriftsteller dieses Bombardement als mediale “Gleichschaltung” bezeichnete wurde ihm umgehend als unkorrekter Nazivergleich vorgeworfen, was Grass zu der Präzisierung veranlasste, es handele sich um “Hordenjournalismus”. Das trifft es in der Tat besser – auch wenn man wie Florian Rötzer in seinem Telepolis-Artikel heute – durchaus auch von Gleichschaltung der Medien sprechenkann.
Vor genau zehn Jahren, im Mai 2002, schrieb ich über dieses Phänomen im Zusammenhang mit 9/11 und kam zu dem Schluß, dass sich diese “Gleichschaltung” weniger mit raffinierten Zensurmethoden, sondern eher mit “rudimentären Reaktionsweisen von Primaten” erklären läßt. Hier ein kurzer Auszug ( aus “Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.”, S. 263 ff.):
Der Mythos, dass die »freie Presse« in demokratischen Staaten als vierte Gewalt, als Korrektiv politischer Ausnahmesituationen, fungiert, er wurde wohl nie gnadenloser demontiert als in der Berichterstattung nach dem 11. September. »Unabhängigkeit«, »Überparteilichkeit«, »Fairness«, »Objektivität« – diese Insignien, mit denen sich die Medien gern pathetisch schmücken, waren spätestens, als das World Trade Center in Trümmern lag, vollständig begraben. Es wäre freilich naiv gewesen, etwas anderes zu erwarten. Für die Medienwissenschaft ist es schon länger kein Geheimnis mehr, dass schon bei sehr viel unbedeutenderen Skandalen die Standesprinzipien der Presse über Bord gehen. Wie der Publizistikprofessor Mathias Kepplinger am Beispiel einiger Skandale aus der jüngeren Zeit – BSE, Neonazi-Übergriffe, CDU-Spendenskandal – gezeigt hat, neigen die Medien bei unklarer Faktenlage tendenziell zur Übertreibung und Dramatisierung der Ereignisse. Kepplinger führt dies zurück auf die »Art und Weise, wie wir in Situationen mit großer Unsicherheit kommunizieren«. Die dabei ablaufenden Prozesse der Wahrheitsfindung seien weniger rational als gruppendynamisch begründet: »Beschreiben mehrere Personen in einer Gruppe nacheinander ihre Beobachtungen, gleichen sich ihre Urteile schnell an, weil eine Gruppennorm, eine in der Gruppe allgemein akzeptierte Sichtweise entsteht.«
Diesem eher instinktiven Herdentrieb, der im Ausnahmezustand (ganz im Carl Schmitt’schen Sinne) nach einer klaren Freund/Feind-Unterscheidung verlangt – und nicht eine rationale, kritisch-distanzierte Beurteilung der Faktenlage –, ist die frappante Gleichschaltung der Medien nach den Anschlägen zu verdanken. Man braucht bei dem verrufenen Stichwort »Gleichschaltung« deshalb nicht gleich an einen Orwell’schen oder Goebbels’schen »Wahrheits«- und Propanda-Apparat zu denken. Obwohl auch derlei klassische Zensur seit dem 11. September fraglos stattfindet, erklärt sie nicht die nun schon über ein halbes Jahr währende Hingabe der Medien an die offizielle Version der Ereignisse. Das beschwörende, von keinem differenzierenden Gedanken getrübte Wiederholen der Verschwörungstheorie »Bin Laden« ist nicht Legionen von Zensurbeamten geschuldet, die hinter dem Schreibtisch die Nachrichten filtern, sondern der Tatsache, dass wir auch als hoch technisierte und vernetzte Gesellschaft die rudimentären Reaktionsweisen von Primaten nicht abgelegt haben. Das gilt für die Psychologie kleiner Gruppen – wie Reporter, Redakteure, Kommentatoren – und erst recht für die der Massen.
Dass die Medien eine von keinem wirklichen Beweis gestützte Verschwörungstheorie so lange überhaupt als Wahrheit verkaufen können, liegt aber nicht nur an ihrer ungeheuren Verbreitung und Penetrationskraft, sondern vor allem an dem positiven Feedback, auf das sie mit ihrer Botschaft stießen. Wenn schon die Gruppe der bestinformierten, mit differenzierendem Denken vertrauten Berichterstatter und Journalisten völlig verunsichert war von dem unfassbaren Ereignis und sich von der Parole » Osama war’s« hinreißen ließ, ist es keine Überraschung, dass auch die Masse der Medienkonsumenten die Botschaft dankbar aufnahm.
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8 May |
Kognitive Infiltrierung
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Auf die seltsamen Methoden eines Beraters und Vertrauten des US-Präsidenten Barack Obama, Cass Sunstein, im Umgang mit den Zweifeln an der offiziellen 9/11-Legende hatte ich in einem Artikel zum Jahrestag 2010 hingewiesen: “Cass Sunstein empfiehlt in einem Papier die “kognitive Infiltrierung” des 9/11-Truth-Movements. Von der Regierung bezahlte Agenten und Autoren sollen die Bewegung von innen diskreditieren. Die offizielle Verschwörungstheorie soll also dadurch gestärkt werden, dass die Regierung nun selbst alternative Theorien unter das Volk bringt. Nicht um der Wahrheitsfindung willen, sondern um die Verwirrung zu steigern. Wir dürfen also gespannt sein, was zum 10. Jahrestag 2011 da alles aufgefahren wird.”
Bei einer Veranstaltung an der Universität New York wurde der Harvard-Professor jetzt mit seinem Vorschlag konfrontiert – und gefragt, ob ihn derlei Propagandamethoden nicht an Joseph Goebbels erinnern würden… Doch Sunstein will sich nicht einmal mehr richtig erinnern, diesen Aufsatz überhaupt geschrieben zu haben.
Update: Wunderbar ins Bild der Propaganda-Fakes in der Church Of Fear paßt die neueste Version der Unterhosenbombe, die von der CIA bei irgendwem, irgendwie, irgendwo, irgendwann gefunden – aber…. gerade noch rechtzeitig entschärft wurde. War echt knapp !!!
Update 2: Der Bomber “turned out to be a CIA employee”, der Anschlag war erfunden, aber die Unterhose war echt. Immerhin.
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3 May |
Die Gasprinzessin auf der Erbse
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Die Timoschenko-Kiste wird immer doller. Ich hatte ja schon 2004 gefordert, dass in dem Getue um die “demokratische” Gasprinzessin eigentlich nur noch Arni Schwarzenegger auftreten müßte, um die Hollywood-Schmonzette perfekt zu machen; aber jetzt hat sich immerhin Vitali Klitschko eingeschaltet, das könnte dann noch für eine Babelsberg-Vorabend-Produktion reichen. Der ukrainische Ex-Boxer und Politiker fordert Julia Timoschenko auf, den Hungerstreik abzubrechen, in den sie angeblich am 20. April getreten ist – wobei dieser möglicherweise ebenso ernst zu nehmen ist wie die komplizierten Rückenschmerzen, die angeblich nur im Ausland behandelt werden können. Darauf lassen zumindest Angaben ihrer ehemaligen Zellennachbarin schließen, die auf den stets vollgepackten Kühlschrank in der Luxuszelle der Ex-Präsidentin verweist: “Wo gibt es denn sonst im Gefängnis eine Mikrowelle, Kühlschrank, Dusche, Plasmafernseher, Möbel, Geschirr, etc.?” Dem Opfer der ukrainischen Justiz-Willkür scheint es sooo schlecht nicht zu gehen – selbst die im Knast eigentlich verbotenen Haarfärbemittel werden der Fake-Blondine geliefert…. berichtet jedenfalls die ukrainische Presse, die möglicherweise allerderdings genauso ins Positive übertreibt wie die hiesigen Medien die Dame zum gequälten Folteropfer und zur Märtyrerin hochstilisieren. Und dabei stets vergessen, dass jemand, der quasi über Nacht zu einem Milliardenvermögen gekommen ist, schon allein deshalb zu Recht in Untersuchungshaft sitzt. So sieht das im Übrigen auch die Bevölkerung in der Ukraine, die den PR-Schwindel mehrheitlich zu durchschauen scheint. Hierzulande wird indessen weiter auf aus allen Kanälen georgelt und getrommelt – und nachdem die Drohung diverser Politiker, der EM fernzubleiben von den Fußball-Fans weltweit mit Begeisterung, statt mit Schrecken begrüßt wurde, werden weitere Massnahmen geprüft. Minister Dirk Niebel, Spezialexperte für Mehrheitsbeschaffung, empfiehlt trotzdem hinzufahren aber aus Solidarität “orange Schals” zu tragen in Erinnerung an das gleichfarbige Revolutionsgedöns der Oligarchin. Im Hochsommer ? Und gegen Holland ? Hier muß unser Verniebelungsexperte noch nachbessern – wahrscheinlich hat die Naumann-Stiftung in Kiew noch Restbestände von der gefloppten Orange-Revolution im Keller, die er endlich loswerden wollte. Vielleicht sollte er bei Jogi Löw vorstellig werden, damit sich seine Buben “Julia” auf die gestählte Brust schreiben um mit hochgerissenem Trikot nach jedem Tor Sympathie zu demonstrieren…beziehungsweise seinem Job als Entwicklungshilfeminister endlich nachkommen: dass es in der gesamten Ukraine mit ihren 50 Mio. Einwohnern keinen Orthopäden gibt, der einen Bandscheibenvorfall behandeln kann, ist ein untragbarer Zustand!
Wie auch immer, bis Juni werden wir sicher noch weitere Versuche erleben, die große Fußball-Gala zu instrumentalisieren, von Timoschenko-Fans, die zahlenmäßig zwar wenige sein mögen, aber weil sie an den Schaltstellen der Medien sitzen wie ein Posaunenchor tönen – und wichtige Informationen außen vor lassen. Wie etwa den Hinweis von Julian Assange, dass Timoschenko ihre ergaunerten Millionen in London geparkt habe. Im russischen Fernsehen beschwerte sich der Wikileaks-Gründer jetzt darüber, dass der “Guardian” diese Information aus einem Interview mit ihm herausgeschnitten habe. Solange solche geschäftlichen Hintergründe in der Berichterstattung unerwähnt bleiben, kann sich niemand ein halbwegs objektives Bild machen, was sich bei diesem Kampf der Oligarchen-Fraktionen in der Ukraine eigentlich abspielt. Klar ist nur, das die dumpfe Schmonzette mit dem demokratischen Engel hier und den tyrannischen Despoten da so falsch ist wie der güldene Haarkranz der Timoschenko…
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2 May |
OBLadi, OBLada
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Zum Jahrestag des angeblichen Ablebens von Osama Bin Laden läuft der Kalenderschurnalimsus mal wieder auf Hochtouren, Obama fliegt gar 11.000 Kilometer, um in Afghanistan 11 Minuten lang an den Showdown mit dem Terrorgespenst zu erinnern. Dass in Rechtsstaaten Exitus per Kopfschuss kein Schuldbeweis ist, diese Nebensächlichkeit findet in den Würdigungen zum Todestag des Terrorphantoms indessen keine Erwähnung. (Wo kämen wir da auch hin, wenn “Terroristen” ordnungsgemäß angeklagt und verurteilt werden müßten, da säßen dann in 90 (95, 98 % ?) der Fälle Schlapphüte und Staatsdiener auf der Anklagebank und dürften wg. “innerer Sicherheit” nicht aussagen.) Aber dann schleicht sich im ehemaligen Nachrichtenmagazin doch eine Passage ein, die das ganze wohlfeile OBLadi OBLada-Geschwätz desavouiert:
So wie die Spielfilme und Dokumentationen über 9/11 insgesamt. Unterschlagen wird dabei, dass in diesem Blog schon am 10.5.2011 exklusiv und zweifelsfrei enthüllt wurde, wie es in der Zentrale des globalen Terrornetzwerks wirklich aussah.
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1 May |
Revolutionsmusik
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Mit der kulturindustriell produzierten “Revolutionsmusik” ist es bekanntlich eine zweischneidige Sache: zum einen ist es von oben gesteuerter, zum Geschäft gemachter “Protest”, zum anderen aber auch von unten kommende, authentische, radikale “Rock-Power”. “Wie musikalisch ist die Revolution ?” fragte Helmut Salzinger, Deutschlands erster “Poptheoretiker”, 1972 in einem Buch “Rock-Power” – ohne eine schlüssige Antwort zu finden, aber mit großen Hoffnungen auf das politische Potential, das in den Texten, Haltungen, Lebensstilen der Woodstock-Generation aufgebrochen war. Die währten nicht allzu lange…als ich Helmut Salzinger in den 80ern kennenlernte, hatte er sich schon in die Moore der Wesermarsch zurückgezogen und schrieb auf seiner “HEAD-Farm” am liebsten Naturgedichte. Den Kopf von “Jonas Überohr” hätte ich jetzt gern konsultiert als die Nachricht kam, dass dem Übervater der politischen Popmusik – Bob Dylan – im Weissen Haus der Presidential Freedom Award verliehen wird. Von einem Präsidenten , der in seiner Amtszeit mehr Bomben geworfen und Leichen produziert hat als jeder andere Mensch auf der Welt, einem waschechten Master of War.
O tempora, o mores – aber die Musik brauchen wir trotzdem (oder erst recht) , wie den einfachen Riff auf der ersten “Revolutionsplatte” meines Lebens, Street Fighting Man, den man auf der Wanderklampfe nie so genau hinbekam, weil Keith Richards ihn in Open-G-Tuning und mit Kapo spielte – und den kreischenden Chuck-Berry-Lick von John Lennon, meine Revolutionsplatte Nummer zwei, schon gar nicht. Dann Berlin, der Mariannenplatz war blau soviel Bullen war’n da …und “Schreibt die Parole an jede Wand: KEINE MACHT FÜR NIEMAND. Die “Scherben” waren großartig, aber seit ihre Mucke seit hundert Jahren auf jeder Demo läuft, kann man sie irgendwie auch nur noch einmal im Jahr hören. Tolle Musik, aber vorbei – so wie Fela Kuti (International Thief Thief), Bob Marley (Get up, stand up), die Clash (Revolution Rock) und Gil Scott-Heron (The Revolution Will Not Be Televised) – aber gefacebooked, getwittert und gesimst wird sie auch nicht. Ja, was legen wir denn auf, Talkin Bout Revolution am 1. Mai ?
Vielleicht die Söhne Stammheims - “Endlich sind die Terroristen weg, endlich kann nichts mehr passieren” – aber der böse Mann mit dem kleinen Bart ist immer noch da. Oder Englands musikalischste Anarcho-Truppe, Alabama 3, (“The best live band in the country”, Guardian), die außer dem als “Sopranos”-Titelsong verewigten Welthit “Woke up this morning, got myself a gun” auch Neues auf Lager haben, wie den schönen Titel THERE WILL BE PEACE IN THE VALLEY…WHEN WE GET THE KEYS TO THE MANSION ON THE HILL. Oder ein bißchen Techno-Dancefloor aus den 90ern, “Open Your Mind” von U.S.U.R.A , mit 1a Illuminaten-Symbolik und anschließend den 9/11-Hit in ganzer Bandbreite “Selbst gemacht”, sowie einem Seufzer, dass doch alles dumpf weiter geht wie gehabt, weil Leider Geil ?
Ok, dass es mit der Revolution noch nichts geworden ist, liegt nicht an der Musik. “This Machine Kills Fascists” hatte Woody Guthrie – Bob Dylans großes Vorbild – auf seine Gitarre geschrieben, was schon 1941 ein etwas zu vollmundiges Prädikat für eine Sperrholzkiste mit sechs Drähten war- und 1965 ff., als die Kisten elektrisch und laut wurden, ist es das immer noch. Und doch ist die mobilisierende, inspirierende, transformierende Kraft der Musik nicht zu unterschätzen: wenn sie von der Seele kommt und die Seele erreicht kann sie sich allen Verwertungszusammenhängen entziehen. Auch wenn der Musiktheoretiker Adorno die Popmusik jenseits des Tango nicht mehr verstand und über Blues, Jazz und Swing nur Unsinn verzapfte, die essentielle, kollektive Kraft von Musik hatte er sehr wohl verstanden: “Wer singt ist nicht allein” und: “Der Zweck der Revolution ist die Abschaffung der Angst”. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern ein frohes Lied und einen “revolutionären” 1. Mai.
(Falls einige der verlinkten Videos nicht gezeigt werden, die youtube-Adresse einfach hier eingeben.)
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27 Apr |
Die Gasprinzessin
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Weil angeblich ein Bandscheibenvorfall von Julia Timoschenko im Gefängnis nicht korrekt behandelt wurde, veranstalten ihre Anhänger derzeit großen Menschenrechtsalarm. Die pünktlich zur kommenden Europameisterschaft einsetzende PR-Kampagne ist insofern bererechtigt, als natürlich auch Mafiabräute im Knast ein Recht auf menschenwürdige Behandlung haben. Ob die rechtmäßig verurteilte Dame deshalb nun wirklich in die Berliner Charité ausgeflogen werden muss, weil es in der Ukraine keine Orthopäden gibt, darf indessen bezweifelt werden. Zumal wenn man den Hintergrund von Julia Timoschenko kennt. Zur Erinnerung hier noch mal unser Blogeintrag vom 2.Dezember 2004 über die “Gasprinzessin”:
“Ikone des Widerstands“, „Heldin der Opposition“, „Prinzessin der Revolution“ – die Medien überschlagen sich gerade mal wieder im Hochjubeln einer politischen Figur, die als Heilsbringerin und Passinonara der Ukraine aufgeblasen wird. Die Töne erinnern fatal an den Sound, mit dem unlängst in den USA mit Achmed Chalabi ein verurteilter Finanzbetrüger zum Retter des Irak stilisiert werden sollte. Mit Julia Timoschenko wird nun erneut eine „demokratische“ Oppositions-Kandidatin auf den Schild gehoben, gegen deren kriminelle Aktivitäten sich Chalabis Bankschwindel vergleichsweise bescheiden ausnimmt. Ihr Patron, der einstige ukrainische Premier Pavlo Lazarenko, wurde in den USA verurteilt, 613 Millionen $ des Weltwährungsfonds (IMF) außer Landes geschafft und gewaschen zu haben; außerdem, so schrieb die „Financial Times“ erhielt Lazarenko „mindestens 72 Millionen an Bestechungsgeldern vom Gasimporteur UESU. Im Gegenzug half Lazarenko der UESU eines der führenden Unternehmen der Ukraine mit einem Jahresumsatz von 10 Milliarden $ zu werden.“ Geleitet wurde die UESU von niemand anderem als Julia Timoschenko, als Chef der ukrainischen Zentralbank firmierte zu dieser Zeit Viktor Juschtschenko, dem der IMF später in einem Gutachten bescheinigte, den Währungsfonds systematisch getäuscht zu haben. Einer Verurteilung entging er ebenso wie Julia Timoschenko, die nur kurz verhaftet wurde, sich aber – mittlerweile die reichste Frau der Ukraine – erfolgreich als „politische Gefangene“ positionieren konnte und straflos davon kam. Jetzt steht die kurzfristig erblondete Oligarchin – „Ihren geflochtenen Haarzopf hat sie wie einen Heiligenschein um das Haupt gewunden“ (Tagesspiegel) – gleichsam vor der Heiligsprechung. In seinem Buch „Casino Moscow“ (2001) schreibt der Autor Matthew Brzezinski über seinen Besuch bei der „11 Milliarden Dollar Frau“
“…she was guarded by an entire platoon of ex-Soviet special forces bodyguards. She once sent a plane to collect Brzezinski from Moscow, fly him to Dnipropetrovsk to meet her for lunch, and drop him off back at Moscow in the evening. When Brzezinski said he didn’t want to tie up the company plane, Tymoshenko said: “Don’t worry. I have four of them.” According to Brzezinski, as a result of Lazarenko’s patronage, “Tymoshenko gained control over nearly 20% of Ukraine’s gross national product, an enviable position that probably no other private company in the world could boast.”
Keine Frage, Prinzessin Julia ist eine der coolsten Ganovinnen der Gegenwart – und keine Frage auch, dass sie mit einem Milliardenkapital im Rücken Eindruck auf die „Kollegen“ im Westen macht, denen sie das Spielfeld in der Ukraine öffnen will. Und kein Wunder, dass die Konkurrenz im heimischen Groß-Gangstertum ihre Argus-Augen auf die coole Prinzessin wirft, die Revolutionärin spielt. Blonde Heldin, finstre Russen-Patriarchen, smarte Ami-Oligarchen… fehlt nur noch Schwarzenegger mittenmang und Hollywood könnte die Schmonzette übernehmen!
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26 Apr |
Was gesagt werden muß (3)
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Dass wir den Titel des berühmt-berüchtigten Grass-Gedichts hier zur Serien-Überschrift machen hat gute Gründe, denn es gibt außer Israels Atomwaffen auch noch das eine oder andere Tabu “dessen Namen nicht genannt werden darf” und das den “Weltfrieden” ebenso gefährdet wie der militante Nuklear-Zionismus. Eines davon haben wir schon gewürdigt, es ist der irrationale und mörderische Krieg gegen Drogen, der unbeirrt weiter geführt wird, obwohl jeder Mensch mit einem IQ über Zimmertemperatur weiß, dass er weitaus mehr Schaden verursacht als verhindert. Als ich Anfang der 90er das Hanfbuch mit Vorträgen und Diskussionen präsentierte und dabei das Resumeé zog, dass wir eine Legalisierung “in diesem Jahrhundert” wohl nicht mehr erleben würden, kamen regelmäßig Widerspruch und Unglaube aus dem Publikum: jetzt, wo diese geballten Fakten über den Nutzen als Rohstoff und Medizin vorlägen, sei es doch absurd, am Cannabis- Verbot weiter festzuhalten, glaubten damals die meisten Leser. Und absurd ist es in der Tat und heute mehr denn je, was indessen nichts daran ändert, die Verfolgung aufrecht zu erhalten. Womit wir bei einem dritten Tabu wären, dessen Name nicht genannt werden darf ohne nicht umgehend mit einer “magischen Verfolgungsmarke” ausgestattet zu werden: der Zweifel an der 9/11-Legende. Zwar sind auch hier geschätzte 80-90 % der Bevölkerung überzeugt, dass das Märchen von Osama und den 19 Teppichmessern nicht wahr sein kann – und wer unser jüngstes Buch dazu gelesen hat, weiß, dass es defintiv nicht wahr ist – doch auch das ändert nichts daran, dass jeder Zweifel von den Massenmedien genauso abgebügelt wird wie Grass’ Zweifel an der Friedfertigkeit des israelischen Atomarsenals. Allein: diese Bomben werden nicht friedlicher wenn man sie beschweigt, der Krieg gegen Drogen nicht humaner wenn man ihn als “alternativlos” erklärt und die Zweifel an 9/11 nicht weniger, wenn man sie als “verrückt” deklariert und Zweifler mit der Verfolgungsmarke “Verschwörungstheoretiker” belegt. Und wenn Prof. Niels Harrit – hier in einer neuen Dokumentation von Dirk Gerhard aka Sitting Bull – etwa herausfindet, dass auf den Röntgenbildern der Lungen von Rettungshelfern des 11.9. nicht nur Asbest-Teilchen, sondern auch “Nanotubes” zu sehen sind, dann kann es sich dabei um eine Fehlinterpretation handeln, oder um einen weiteren Beleg für die Anwesenheit des Sprengstoffs Nanothermit beim Einsturz des WTC. Aber: es muß aufgeklärt und nicht wegerklärt, recherchiert und nicht ignoriert werden.
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23 Apr |
Die Glühbirnenverschwörung
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In einem Nachtzug von Berlin nach Fulda im Jahr 1982 ging ich zum ersten Mal einer Großverschwörung auf die Spur, bei einem Gespräch mit Helmut Höge über Thomas Pynchons gerade deutsch erschienen “Enden der Parabel” und die dort erzählte Geschichte über eine unsterbliche Glühbirne namens Byron. Diese wird von den Häschern des Glühlampenkartells, das die Brenndauer weltweit auf 1000 Stunden herabgesetzt hat, gejagt – denn so etwas darf es natürlich nicht geben. Bevor wir herausfanden, dass es dieses Kartell tatsächlich gab und Pynchon die seit 1901 (bis heute) brennende Birne in der Feuerwache des kalifornischen Livermore zum Vorbild für “Byron” genommen hatte, hatten wir schon in allen möglichen Romanen, Texten, Kunstwerken, Werbeplakaten usw. Glühbirnen entdeckt – und dazu ein Interview mit Thomas Pynchon gemacht. Dieser gab allerdings damals (wie heute) keinerlei Interviews, weshalb wir uns die Antworten ausdachten und dazu noch die Geschichte erfanden, dass er, wie auch zahlreiche andere bekannte Literaten, ihre Werke mittlerweile von einer “Agentur Standard Text” schreiben lassen – die quasi als geheimes Erkennungszeichen an den umöglichsten Stellen Glühbirnen einbaut. Was wir dann anhand zahlreicher Glühbirnen-Zitate aus aktuellen Romanen nachwiesen. Der fiktive Interview-Artikel, der dann in der Buchmessenausgabe der taz erschien, begeisterte nicht nur Pynchons deutschen Verleger Ledig Rowohlt, der seinen berühmten Phantom-Autor ja selbst noch nie zu Gesicht bekommen hatte (“Ja wie haben Sie denn das geschafft ??!”) - dieser Fake war auch der Anfang unserer realen Glühbirnenforschung, die sich als deutlich brisanter herausstellte als der spannendste Roman. Spätestens dann, als Dieter Binninger, der mit der von ihm erfundenen 150.000-Stunden Glühbirne die ehemaligen Narva-Werke der DDR retten wollte, mit seinem Privatflugzeug aus ungeklärter Ursache abstürzte – kurz nachdem sein großer Förderer bei der Treuhand, Detlef Rohwedder, unter ungeklärten Umständen erschossen worden war.
Aus der Nachtzugspinnerei über die “Glühbirnenverschwörung” vor 30 Jahren ist mittlerweile ein veritables Mem und ein echtes Thema geworden, wie eine Google-Eingabe des Begriffs und viele Bücher und Filme zeigen. Und auch die “Energiesparlampenverschwörung” konnte Byron noch nicht den Garaus machen – Birnen werden nun auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Binningers Ewigkeitsbirnen jedoch werden noch immer nicht massenhaft gebaut, Narva ist geschluckt und abgewickelt und stattdessen hängt jetzt EU-verordnet giftiges Quecksilber in allen Wohnzimmern. Immerhin dieser Irrsinn sollte jedoch bald wieder der Vergangenheit angehören – dank einer jetzt vorgestellten LED-Birne mit 20 Jahren Lebensdauer. Aber, wie es bei Pynchon heißt: “Byron ist verdammt, bis in alle Ewigkeit weiterzuexistieren, wissend um die Wahrheit und doch machtlos, etwas zu verändern”.
P.S.: Bei einem Gespräch mit Binninger über sein Patent und seine Pläne war mir damals ein kleines Modell aufgefallen, das auf seiner Fensterbank stand, und das er mir begeistert erklärte, es war die “Batterie”, mit der er die Solarenergie seines Wochenendhauses bei Helmstedt speicherte: ein Gewicht, das von einem Elektromotor angehoben wurde, wenn Strom produziert wurde – und das man bei Strombedarf sinken lies um einen Dynamo anzutreiben. Dieser simple und wartungsarme Energiespeicher war nach Binningers Berechnungen allen chemischen Lösungen überlegen. Ich bin dieser Idee damals nicht weiter nachgegangen und zu wenig Ingenieur, um sie zu überprüfen – genial scheint sie immer noch. Und wer weiß, ob nicht auch ein “Batterienkartell” die Kapazitäten unserer Energiespeicher genauso limitiert wie die Brenndauer der Glühbirnen…
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19 Apr |
Was gesagt werden muß (2)
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Im Rahmen des “Zukunftsdialogs”, den Kanzlerin Merkel im Internet aufgerufen hat, konnten bis zum 15. April online Vorschläge von Bürgern eingereicht werden, und die Forderung Cannabis zu legalisieren landete mit über 152.000 Stimmen auf dem zweiten Platz. Wir dürfen nun gespannt sein, wie die “Experten” und Politiker sich dieses Vorschlags, den Georg Wurth für den Deutschen Hanfverband eingereicht hat, annehmen – die Hoffnung aber, dass tatsächlich ein Ende des Prohibitionswahnsinns eingeläutet wird, hält sich bei mir in Grenzen. Dass in den USA, dem Mutterland des “Kriegs gegen Drogen” und der Hanfverfolgung, jetzt wieder einmal Wissenschaftler, in diesem Fall 300 Ökonomen, mit einem Papier an die Öffentlichkeit getreten sind und die Legalisierung fordern; oder dass, wie der Guardian meldet, Präsident Obama auf dem “Summit of the Americas” einen neuen, verständigeren Ton angeschlagen hätte, als er auf die Forderung vieler lateinamerikanischer Präsidenten nach einem Ende des Drogenkriegs antwortete – auch das mögen zarte Hoffnungsschimmer sein, die einen Durchbruch möglich erscheinen lassen. Doch wie u.a. in “Die Drogenlüge” gezeigt, sind die Erlöse aus diesem Krieg zu groß, um aus gesundheits,- und sozialpolitischen, zivilgesellschaftlichen Gründen darauf zu verzichten. Wie einst die imperialen Kriege des britischen Empires sind heute die Feldzüge des US-Imperiums auf die verdeckten Einnahmen des Drogengeschäfts angewiesen – und nur die Prohibition hält die Gewinnmargen dieses Geschäfts in exorbitant lukrativer Höhe. So kommt es, dass heute die Bundeswehr die Opium,-und Heroinproduktion in Afghanistan überwachen muß – weil damit die Warlords und Kombattanten bezahlt werden, ohne die das Land nicht gehalten (und die Pipelines nicht gebaut) werden könnten – und gleichzeitig hierzulande Verfolgung und Verbot des Stoffs aufrechterhalten werden müssen, weil nur so aus einem Agrarprodukt für 1000 $ eine Schwarzmarktpreciose im Wert von 100.000 $ wird.
Wenn die Ökonomen vorrechnen, dass durch eine Marihuanalegalisierung 13,7 Milliarden Dollar per anno eingespart werden können, scheint das zwar schon ein nettes Sümmchen, doch verglichen mit dem was CIA & Co. außenpolitisch mit dem globalen Drogengeschäft einfahren sind diese Ersparnisse an der Heimatfront eher bescheiden. Deshalb wird auch diese Musterrechnung wenig helfen, genausowenig wie die Tatsache, dass unter den Ökonomen auch drei Nobelpreisträger sind. Denn mit der Prohibition ist es ähnlich wie mit dem Tabu von Israels Atomwaffen: man darf sie “natürlich” kritisieren, aber abgeschafft wird sie garantiert nicht. Man darf auf die Absurdität von erlaubter Heroinproduktion hier und Verfolgung des Konsums da aufmerksam machen, aber geändert wird daran nichts. Man kann den ungerechten Doppelstandard bei der Regulierung des Alkoholkonsums (mit zigtausend Toten per anno) und des Verbots von Cannabis (null Tote seit Beginn der medizinischen Aufzeichnungen) beklagen, so wie die Willkür bei der Unterscheidung in “legal” und illegal” – es hilft nichts. Und wenn selbst der oberste Drogenbeauftragte des Landes diese Willkür bestätigt findet und beim Namen nennt wird er – wie Professor Nutt in England – sofort entlassen. Insofern muß man kein Prophet sein um vorherzusagen, dass die 152.000 Bürgerinnen und Bürger, die in Zukunft Cannabis für Erwachsene legalisiert sehen wollen, bei Angela und ihren Experten gegen die Wand laufen- und wie die Antwort lauten wird: dass Cannabis im Vergleich ja tatsächlich weniger schädlich sei als manche legalen Drogen, aber man “kein falsches Signal” senden wolle, und man den Hanfkonsum keineswegs “verharmlosen” dürfe usw. usf.
Auch wenn die Frage der Hanflegalisierung angesichts der aktuellen Nöte dieses Planeten und seiner Bewohner ein Randproblem darstellt – und man solche Lappalien eigentlich im Handumdrehen erledigen könnte, weist der öffentliche Umgang damit auf den durchaus globalpolitischen, globalstrategischen Charakter des Problems. Ein “falsches Signal” könnte ja – Gott bewahre! – einen “Dammbruch” im Paradigma der Prohibition bedeuten, und an dem hängt nicht nur die Außenpolitik des US-Imperiums, sondern auch die Innenpolitik sämtlicher Staaten und ihrer Überwachungs,- und Kontrollapparate. Und so kann der mündige Bürger zwar im “Zukunftsdialog” mal sagen was er will, die Entscheidung was er seinem Körper zuführen darf, trifft aber auch weiterhin nicht er, sondern Minister seines Inneren.
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15 Apr |
“Wipe off the map”
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“Dieses Regime, das Jerusalem besetzt hält, muss aus den Annalen der Geschichte verschwinden” – dass diese Äußerung des iranischen Präsidenten seit 2005 im Zentrum des Bedrohungszenarios steht, nach dem der Iran vorhat, Israel “zu vernichten”, “auszulöschen”, “von der Landkarte tilgen” liegt an diesen bewußt fehlerhaften Übersetzungen, die sich nach jahrelanger Penetration über alle Medienkanäle tief in’s öffentliche Bewußtsein eingeprägt haben. In der allgemeinen Empörungswelle über Günter Grass’ Hinweis auf das isarelische Atomarsenal gilt der unbedingte Vernichtungswille Irans nach wie vor als selbstverständliches Faktum, schließlich hätte Präsident Ahmadinejad ja selbst gesagt hat, dass er “Israel ausradieren” will.
Die Hartnäckigkeit, mit der sich diese Aussage hält, zeigt die volle Breitseite, mit der die “Weapons of Mass Deception” getroffen und die Medien den Massen die Falschbehauptung ins Hirn gepflanzt haben, dass die Forderung nach einem “Regimechange” dasselbe ist wie die Vernichtung des Landes und seiner Bevölkerung. Und dass der Iran genau das vorhat und dafür Atomwaffen entwickelt, die dann einen “neuen Holocaust” bedeuten. Diese drei Unterstellungen – das Betreiben eines Angriffskriegs (wie ihn Iran seit Jahrhunderten nicht mehr geführt hat), der Bau von Atomwaffen (der selbst nach Erkenntnissen von CIA und Mossad weder aktuell noch kurz-bis mittelfristig stattfinden wird), sowie der geplante Einsatz dieser Waffen gegen Israel - werden in der allgmeinen Hysterie des Grass-Bashings als ausgemachte Tatsachen, als erwiesene Fakten, als wahre Realität dargestellt – doch sie sind und bleiben Unterstellungen, auch wenn sie massenhaft und quer durch alle politischen Lager wiederholt werden müssen. Denn nur so läßt sich die völlig selbstverständliche Forderung, dass auch Israel der Internationalen Atomenergiebehörde rechenschaftspflichtig sein muß, als “unerhörte Provokation” hinstellen und der Übringer der Nachricht als “ewiger Antisemit” und “Judenhasser”. Läßt man aus dem mit Unterstellungen zum aggressiven Holocaust-Monster aufgeblasenen Iran ein wenig die Luft raus bleibt von der Aufregung um das Grass-Gedicht nur eben dies: die völlig selbstverständliche Forderung, dass auch Israel der Internationalen Atomenergiebehörde rechenschaftspflichtig sein muß.
Vielleicht kann es die wütenden Israelisten und rasenden Philosemiten zur Räson bringen, dass mittlerweile auch der stellvertretende israelische Premierminister, Dan Meridor , zurückrudert und gegenüber Al Jazeera zugibt, dass auf iranischer Seite nie jemand behauptet hat, Israel von der Landkarte löschen zu wollen: “They didn’t say ‘we’ll wipe it out’, you are right, but [that] it will not survive, it is a cancerous tumor, it should be removed.” Inwieweit das mit dem “Tumor” irgendein iranischer Offizieller wörtlich gesagt hat, weiß ich nicht – was aber Landkarten und unkontrollierte Wucherungen betrifft, liegt der Vergleich so falsch dann auch wieder nicht.

Update: Gestern abend zappte ich kurz bei Jauch rein, als in der Grass-Debatte gerade vom notwendigen “Fingerspitzengefühl” bei der Kritik an Israel die Rede war, an dem es den Deutschen und insbesondere Grass ermangele. Eine angesichts der deutschen Geschichte sicher angebrachte Forderung. Einerseits. Andererseits: wenn schon der einfache Hinweis auf die Gefahr israelischer Atomwaffen als unsensibel und überzogen gilt – ebenso wie der Hinweis auf die Apartheid in den besetzten Gebieten - kommt das gebotene “Fingerspitzengefühl” nicht schon der Unberührbarkeit gleich ?
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12 Apr |
Günter Grass und Lord Voldemort (3)
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“There’s No Business Like Shoa Business” – das Wortspiel hörte ich zum ersten Mal von dem israelischen Dramatiker Jehoschua Sobol, den ich 1984 traf, als sein Stück “Ghetto” in Berlin inszeniert wurde. Wir redeten über sein Stück, in dem es um die Konfrontation zwischen linken und rechten Juden im Ghetto Vilnius (bzw. im aktuellen Israel) ging, und nach dem Interview sprach ich ihn noch auf einige weitere Bücher und Werke zum Thema des Holocaust, der Shoa, an. Und Sobol sagte so etwas wie “Oh, that is not my thing, you know, that’s Shoa-Business”. Ich runzelte zuerst die Stirn, weil ich Show-Business verstanden hatte, aber dann fiel der Groschen. Wir lachten und sprachen dann noch über die künstlerischen Möglichkeiten, die ideologische Instrumentalisierung des Holocaust als Propaganda zu überwinden – und den rechten, militaristischen Zionismus zugunsten eines demokratischen, zivilen Israel.
Ich weiß nicht wie Jehoschua Sobol auf das Gedicht von Günter Grass reagiert hat, aber ich vermute stark, dass er die Sache ähnlich sieht, wie der Kommentator der Haaretz, Gideon Levi, der meint “Israelis can be angry with Gunter Grass, but they must listen to him” – und sich in seiner Haltung wohltuend von dem delirierenden Amoklauf mit der Auschwitz-Keule unterscheidet, den der hiesige Medienmainstream veranstaltet. Dieser rasende Philosemitismus, der auf Knopfdruck “Antisemitismus” schreit, ist “Shoa Business” live und in Reinkultur, Instrumentalisierung des Holocaust für politische, militärisch/industrielle Zwecke - in diesem Fall für einen von Israel seit Jahren propagierten “Präventiv”-Krieg gegen Iran, über dessen konkreten Beginn in den westlichen Medien seit Wochen spekuliert wird. Weil der Iran angeblich bis an die Zähne (und demnächst mit Atombomben) bewaffnet schon an seinen Grenzen steht, bereit Israel und die gesamte Judenheit zu vernichten.
Diese groteske Realitätsverzerrung (siehe Karte) ist – wie schon bei den nicht vorhandenen WMD des Irak – ein publizistischer Grundpfeiler der Kriegsstrategie und sie funktioniert durch flächendeckende Medienpenetration. Nur was wieder und wieder repetiert wird, bleibt hängen – und so wurde in den letzten Jahren mit ein paar falsch übersetzten Verbalinqurien die Aggresivität der iranischen Außenpolitik wieder und wieder beschworen. Und wie schon beim Irak sind nicht vorhandene Massenvernichtungswaffen und die dadurch drohende die “Gefahr eines neuen Holocaust” permanent in den Nachrichten. Diese Propagandaoperation hat Grass nachhaltig gestört und ihr den Zauberstab der Definitionsmacht und Meinungshoheit entrissen – der alte Blechtrommler hat für einen Moment die Kriegstrommeln zum Schweigen gebracht und der Welt einen Durchblick auf die wahren Größenverhältnisse im Konflikt Israel/Iran gebracht: 500 zu 0. Zählt man die rund um den Iran herum stationierten USA mit ihren 5500 Nuklearbomben dazu liegt das Verhältnis von Angreifer und Verteidiger, Täter und Opfer bei 6000 : 0. Zugunsten des “Opfers”, was somit garantiert keines ist und nach allen Gesetzen der Logik und des Menschenverstands auch keines werden kann.
Weil aber diese Gesetze im Reich von Lord Voldemort auf den Kopf gestellt sind wie unter Orwells Big Brother - War is peace. Freedom is slavery. Ignorance is strength. - werden diejenigen, die diese groteske Realitätsverschiebung beim Namen nennen mit der “magischen Verfolgungsmarke” belegt. Das ist nun im Falle Grass mit einer derart überzogenen Hysterie geschehen, dass das bis dato wie geschmiert laufenden “Shoa-Business leidet – denn wie das so ist, wenn ein Verkäufer mit seiner Werbung maßlos überzieht: die Kunden werden mißtrauisch, fragen nach, vergleichen. Was ihr gutes Recht ist und ihnen niemand verwehren kann, der weiter im Geschäft bleiben und seine Reputation behalten will. Und da noch die schärfsten Gegner des Gedichts jetzt unisono betonen, dass Kritik an Israel “natürlich” erlaubt und auch seine Massenvernichtungswaffen “kein Tabu” sind – dann könnte ja die öffentliche Diskussion darüber jetzt endlich beginnen. Auch die deutschen Waffenlieferungen könnten zum Thema werden, wenn nicht mehr bei jedem Einwand reflexhaft das “Existenzrecht” in die Waagschale geworfen wird, sondern über das “Expanisonsrecht” Israels diskutiert werden kann. Ebenso wie über die Apartheidspolitik, die man bis dato nicht in den Mund nehmen durfte, ohne vom Holocaust-Hammer der Inquisition getroffen zu werden.
Noch ist von einem derart offenen Diskurs aber wenig zu merken, zwar rudern die Grass-Verleumder ein bißchen zurück – Israels Einreiseverbot und Forderungen des Nobelpreisentzugs sind dann doch wohl zu nordkoreanisch für die angeblich “einzige Demokratie im Nahen Osten” – doch im Grundtenor regiert weiterhin das große “Aber”. Denn natürlich sei “Kritik an Israel” jederzeit erlaubt – doch dann folgen das große “Aber” und spaltenlange Ergüsse über das Seelenleben und die Befindlichkeiten des Autors, seiner Vergangenheit, seines Alters, seiner verheimlichten Nazi-Jugendsünden. Was nichts anderes ist als das Niedermachen des Botschafters zwecks Verleugung der Botschaft. Oder hat man in den Leitmedien jetzt schon eine Recherche über die israelische Nuklearprogramm gelesen, oder darüber, wie einst Adenauer erpresst wurde, hinter dem Rücken der USA das erste Uran dafür zu liefern, oder eine Debatte darüber, inwieweit der Weltfrieden aktuell eher von der Politik der USA und Israels bedroht ist als von der des Irans ? Und ob der Doppelstandard der westlichen Politik, den man zugespitzt auf die Formel bringen könnte “Israel darf alles” tatsächlich so alternativlos ist, dass er auch weiterhin ein Tabu bleiben muß ? Wie kann die Sicherheit des Landes garantiert werden, wenn es abrüstet und sich in seine völkerrechtlich anerkannten Grenzen zurückzieht ? Diese großen und wichtigen Fragen müssen auf den Tisch und inflationäres Geschrei von Hitler, Holocaust und Antisemitismus ist keine Antwort. Wenn Grassens letzte Tinte dazu den Anstoß geben könnte wäre es ein Segen - für Israel, für Deutschland, für den Weltfrieden.
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8 Apr |
Günter Grass und Lord Voldemort (2)
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Hätte Günter Grass die nicht vorhandenen Atomwaffen des Irans gegeisselt, und sei es in einem noch so holprigen Leitartikel-Gedicht, das Feuilleton und die Medien hätten den 84-jährigen zu Ostern als “Gewissen der Nation” wieder auferstehen lassen, als notwendigen “Mahner” und weisen “Ratgeber”, der das große Schweigen, die Absenz der Intelektuellen in diesem Land endlich durchbricht und noch mit seiner letzten Tinte für den Weltfrieden kämpft und gegen den “neuen Hitler in Teheran”. Vor allem diese Formulierung des Nobelpreisträgers hätte es den Chefredakteuren und Kommentatoren angetan – endlich einer der “Klartext” redet und gegen das “linke Meinungskartell”, gegen die ” fundamentalistisch Friedensbewegten” und alle “Islamversteher” die Stimme hebt. Und die drohende Gefahr eines “neuen Holocaust” deutlich benennt. Keine Frage, der alte Blechtrommler und Zwiebelhäuter wäre gefeiert worden – und dass er so lange verheimlichte, sich 1944/45 der SS angeschlossen zu haben ? Mein Gott, er war 17 und ahnungslos, eine Jugendsünde, er hat doch nur ein bißchen gezogen, aber nie inhaliert – daraus nach fast 70 Jahren einen Vorwurf zu konstruieren ist absurd. Zumal bei einem Autor, der mit seinem Leben und Werk wie kaum ein anderer für aufrechten Antifaschismus im Nachkriegsdeutschland steht. Und dafür, dass man gerade als Beteiligter am Völkermord der Nazis jeden “neuen Holocaust” mit allen Mitteln zu verhindern usw. usf….
Wäre es Grass nur um Publicity gegangen, wie sein Altfeind Reich-Ranicki dem “ekelhaften” Gedicht heute in der “Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung” diffamierend unterstellt – mit dem Schlagen der Kriegstrommel gegen Iran wäre der PR-Effekt viel höher gewesen. Statt eines rufmörderischen Tsunamis wäre ein Schwall von Lob und Hudel auf den Poeten niedergegangen. Die “Bild” hätte neben der Serie “Der neue Hitler aus Teheran” sofort die GG-Wochen gestartet und jeden Tag ein Grass-Gedicht gedruckt, um den “größten lebenden Dichter der Deutschen” zu ehren, Broder hätte ihn umgehend im Netzwerk der islamophoben Laptopbomber willkommen geheißen und die Bundesregierung gegen die Kritik aus der Linken verlautbart, dass die Meinungsfreiheit “das höchste Gut der Demokratie” und jeder in Deutschland “gut beraten sei”, die Worte eines “international anerkannten Schriftstellers und Nobelpreisträgers zur Kenntnis und ernst zu nehmen.”
So oder so ähnlich wäre es gelaufen, jede Wette. Und in New York hätte man dem “grand old poet” noch irgendeinen “Samuel Goldberg-Preis” für Völkerverständigung samt 1 Mio. $ verliehen. So aber – weil er auf die Gefahren der vorhandenen Atomwaffen Israels aufmerksam machte, statt auf die imaginierten des Iran – muß sich das antifaschistische, sozialdemokratische Urgestein Günter Grass auf seine alten Tage weltweit als Antisemit und Holocaust-Verharmloser beschimpfen lassen. Die Reflexhaftigkeit und mediale Flächendeckung des Diffamierungs-Bombardements zeigt, dass das “Meinungskartell” keineswegs ein “linkes” oder “liberales” ist, sondern ein “militaristisch-zionistisches”. Zu verbrecherischen Angriffskriegen “Nein” zu sagen ist in Deutschland und im gesamten Westen mittlerweile verboten, wenn diese Kriege im Interesse Israels sind. Die schief übersetzten Äußerungen eines iranischen Präsidenten zum Popanz eines geplanten Vernichtungskriegs aufzublasen und die konkreten Kriegsdrohungen des israelischen Präsidenten zu ignorieren, die Bringschuld und Transparenz der zivilen Atomnutzung Irans permanent zu fordern und die atomaren Massenvernichtungswaffen Israels dabei keinesfalls erwähnen, diktatorische Apartheid und Rassismus überall und notfalls mit Gewalt zu bekämpfen, aber in Israel darüber hinwegzusehen – all das ist erwünscht und hierzulande Staatsräson. Wer dagegen verstößt, hat in dieser Republik nichts mehr zu melden und wird mit der Höchststrafe am öffentlichen Pranger bestraft: Judenhasser, Holocaustleugner, Nazi…
Was an einer Koryphäe wie Grass gerade durchexzerziert wird sollte jedes kleinere Licht in der publizistischen Öffentlichkeit zu äußerster Vorsicht mahnen, wer den “dessen Name nicht genannt werden darf” beim Namen nennt, wird umgehend geschlachtet und abserviert. Und das multimediale Netzwerk von Lord Voldemorts Truppen ist weit gestreut und mächtig. In Nullkommanix hatte man zum Beispiel der Moderator Ken Jebsen mit der Auschwitz-Keule aus dem RBB gemobt, weil er es gewagt hatte, die Lehrsätze über den Dämon Osama und die Teppichmesser des Schreckens anzuzweifeln. Noch aber reichen Voldemorts Krakenarme nicht überall hin und so konnte Ken Jebsen im Internet weitersenden – und hat jetzt eine Sendung darüber gemacht, worum es im Kern auch im Fall Grass geht, um den zionistischen Rassismus. Eigentlich ein Büchner-Preis würdiger Text, zu dem die Altmeister Grass und Walser die Laudatio halten müßten, wären sie nicht von der “magischen Verfolgungsmarke” der neuen Inquisition zu Unpersonen deklariert…
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5 Apr |
Günter Grass und Lord Voldemort
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Günter Grass hat in einem Leitartikel-Gedicht die israelischen Atomwaffen als Gefahr für den Weltfrieden angeprangert, und da schrillen umgehend sämtliche Alarmsirenen. Mit den israelischen Atomsprengköpfen verhält es sich nämlich so wie bei Harry Potter mit dem, “dessen Namen nicht genannt werden darf”. Wie in Hogwart das Aussprechen des Namens “Lord Voldemort” mit einer “magischen Verfolgungsmarke” belegt ist, die sofort meldet, wenn dieser Name irgendwo fällt, wird im politischen Diskurs sofort Antisemitismus-Alarm ausgelöst sobald die Massenvernichtungswaffen Israels benannt werden – so umgehend und flächendeckend, dass es fast schon magisch anmutet. Der Automatismus des Entrüstungssturms deutet an, dass hier ein Tabu verletzt wurde – und in der Tat, noch die Invektiven, die die Entrüsteten dem “Täter” entgegenschleudern, vermeiden es durch die Bank, das dunkle Geheimnis auch nur beim Namen zu nennen. Als ob Lord Voldemort sie stehenden Fusses mit dem Blitz erschlüge, wenn sie das A-Wort im Zusammenhang mit Israel in den Mund nehmen. Stattdessen beeilen sich alle den Gegenzauber anzuwenden und sagen – wie auswendig gelernt in der Zauberschule Hogwart – ihren Spruch auf: dass die eigentliche Gefahr für den Weltfrieden von den nicht vorhandenen Atomwaffen des Iran ausgeht.

Wo eine dunkles Geheimnis, dessen Name nicht genannt werden darf, verdrängt und auf ein eingebildetes Konstrukt übertragen wird, spricht der Psychiater von Projektion, einem Abwehrmechanismus, der die inneren Konflikte nach außen, auf andere überträgt. In seiner pathologischen Form wird dieser Projektionswahn Paranoia genannt. In Bezug auf sein Land Israel nennt Gilad Atzmon diesen Befund “Pre-Traumatic-Stress-Disorder” – und nur einem solchen prä-traumatischen Syndrom kann es geschuldet sein, wenn aus der obenstehenden Karte herausgelesen wird, dass das aggressive und waffenstarrende Mullahregime des Iran (* stehen für potentielle Nuklearstützpunkte) der “Freiheit des Westens” immer hartnäckiger auf die Pelle rückt. Und ohne Frage den Holocaust wiederholt, wenn man ihm nicht sofort Einhalt gebietet.
Eben dies ist aber exakt das Mem, das Mantra, das gebetsmühlenartig durch sämtliche Medien hallt. Dass dieses Mantra mit der Realität wenig zu tun hat, zeigt ein einziger unbefangener Blick auf die Karte – es ist ein Konstrukt, eine Projektion, ein Schattentheater, in dem die Rollen von Angreifer und Verteidiger, Täter und Opfer vertauscht sind. Diesen faulen Zauber entlarvt und die Rollen des von Feinden umzingelten Opfers und des nuklearen Aggressors klargestellt zu haben, ist Grass’ Verdienst – und weil die “magischen Verfolgungsmarken” (“Antisemit”, “Mullah-Verharmloser”, “Holocaust-Leugner”) einem 85-jährigen Großmagier nichts mehr wirklich anhaben können, jaulen die Schrei,- und Schreibkräfte in Lord Voldemorts Illusionstheater umso heftiger. Sie tappen dabei weiter um den heißen atomaren Brei, “dessen Name nicht genannt werden darf” und werfen dem Nobelpreisträger “Selbstüberschätzung”, “Eitelkeit”, “Ressentiment” usw. vor und dass er mit “Klischees” und “Stereotypen” operiere. Das mag auf das literarische Werk des Autors durchaus zutreffen – und ähnliche Vokabeln habe ich glaube ich auch selbst verwandt, als ich einst den Roman “Die Rättin” in der taz als “gescheiterten Tierversuch” sezierte – doch gerade dieses Gedicht hat damit nichts zu tun. Denn es benennt ein Klischee “dessen Name nicht genannt werden darf”, das aber als unausgesprochener Standard der westlichen Doktrin gilt: dass Internationales Recht und Atomwaffensperrverträge für alle Nationen gelten, außer für Israel.





