Freuet Euch des wahren Scheins!

Bevor ich mal ein paar Tage ans Meer verschwinde hier noch eine Liste der Bücher, die ich – weil schon mit Gewinn gelesen – nicht mitnehmen kann: letzten Sommer  hatte ich als Urlaubs-Schmöker die Fortsetzung von Gregory David Roberts grandiosem Bombay-Unterwelt-Thriller “Shantaram”  empfohlen, die gerade auf Englisch erschienen war, mittlerweile gibt es “Mountain Shadow” auch auf deutsch. Wie so oft nach einem absoluten Welthit waren  einige Fans vom Nachfolger enttäuscht, ich war aber sofort wieder drin in der Geschichte und  erneut vollauf begeistert.

Einen Welthit hatte Arundhati Roy vor 20 Jahren mit “Der Gott der kleinen Dinge”, aber nicht nur wegen diesem Roman, sondern wegen der politischen Sachbücher, die sie seitdem geschrieben hat, gehört Arundhati zu meinen absoluten Lieblingen unter den zeitgenössischen Autoren. Insofern war ihr vor einigen Monaten herausgekommener erster Roman seit zwei Jahrzehnten – “The Ministry of Utmost Happiness” – natürlich Pflichtlektüre. Das “Ministerium des äußersten Glücks” liegt auf einem Friedhof in Dehli, auf dem sich eine Queer-Frau und andere ausgestoßene Helden der Gesellschaft häuslich eingerichtet haben. Und einmal mehr schafft es Arundhati Roys magischer Realismus, dass man schon nach ein paar Seiten die Slums und Hinterhöfe Indiens sieht und riecht und fühlt, so wie das Leid und Elend der Erniedrigten und Beleidigten – und gleichzeitig ihr volles wunderbares Menschenleben.

Ebenfalls zu meinen All-Time-Favourites zählt der Anarchist Peter Kropotkin, seit ich vor Jahrzehnten sein bekanntestens Werk “Gegenseitige Hilfe in der Tier-und Menschenwelt”  las. Als Soldat im soeben vom Zaren eroberten Sibiren stationiert  – und Leser von Darwins eben erschienener “Enstehung der Arten”  – hatte er bei seinen Beobachtungen der unberührten Natur statt einem “Kampf ums Dasein”  überall eher das Zusammenwirken in Kooperationen und Symbiosen festgestellt. Und damit schon sehr früh die andere Seite der darwinistischen Medaille entdeckt. Jetzt erst kam ich dazu, auch Kropotkins Autobiographie  “Memoiren eines Revolutionärs”  zu lesen, die ich nicht nur Anarchisten sehr ans Herz legen kann. Toll geschrieben und sehr lehrreich. Leider endet sie schon 1886, denn die schöne Geschichte über den großen Empfang, den Russland nach der Revolution dem aus dem Exil heimkehrenden Anarcho-Fürsten bereitete, hätte man gern aus erster Hand gehört. Lenin soll sehr genervt gewesen sein: “Dieser Kropotkin redet dauernd nur von Genossenschaften!” Mit Kommunismus und Planwirtschaft “von oben” hatte Kropotkin einfach nichts am Hut.

Letztes Jahr hieß es hier: “Ende August  erschien “The Kingdom of Speech” von  Tom Wolfe,  von jeher bzw. seit “Electric Cool Aid Acid Test” einer meines Lieblings -Schreiber/Reporter/Erzähler und als ich in der Ankündigung sah, dass es sich a) um non-fiction und b) um Darwins Evolutionstheorie  und Chomkys Universalgrammatik handelt, musste ich das Werk sofort bestellen und lesen. Weil ich a) Wolfes Romane zwar meistens  gut  fand, seine Reportagen aber immer vom Feinsten und mich b) schon viel mit Darwin und seinen mißratenen neo-darwinistischen Jüngern befasst habe sowie in den 70ern fünf Jahre Linguistik studiert und Chomsky quasi als studentische Muttermilch inhaliert hatte. (…)Es geht um das Drama Establishment vs. Außenseiter, Zitadelle der Wissenschaft vs. praktische Forschung, autoritative Ideologie vs. subversive Fakten. Klar, dass Wolfe seine spitze Feder eher Letzteren leiht – auch mit 85 schreibt er noch derart frisch, fröhlich und frei, dass diese 170 Seiten wie im Flug vergehen –  und klar auch, dass er mit seinem Anti-Darwin und Anti-Chomsky-Approach weder Kreationisten, noch Evangelikalen oder anderen Dumpfbacken das Wort redet. Sondern nur deutlich macht, dass weder die Evolutionstheorie noch die Universalgrammatik das Wunder erklären können, das uns erst zu Menschen macht: die Sprache.” Mittlerweile gibt es das “Königreich der Sprache” auch auf deutsch.

Über König Donald und die unsichtbaren Meister des “tiefen Staats” habe ich hier im Blog und in meinem letzten Buch einiges geschrieben. Im Zusammenhang mit seinen Untersuchungen zum Mord an JFK hatte Prof. Peter Dale Scott diesen Begriff schon vor einigen Jahrzehnten geprägt, um damit Machtstrukturen zu beschreiben, die jenseits demokratischer Regierungen und Institutionen existieren. Weil der eigentlich unsichtbare “deep state” seit der überraschenden Wahl Donald Trumps jetzt sehr offensichtlich am Thron des Präsidenten sägt, hatte ich es vorgezogen, im satirischen Ton eines Real Game of Thrones darüber zu schreiben.  Dass es sich aber bei diesem “Tiefenstaat” nicht um Fantasy handelt, und auch nicht um etwas was nur in “Bananrepubliken” vorkommt, kann man bei Mike Lofegreen sehr gut nachlesen: The Deep State: The Fall of the Constitution and the Rise of a Shadow Government”

Und was nehm ich jetzt mit an den Strand ? Wenn gerade kein aktuelles Lesefutter lockt greife ich mir immer einen der 143 Bände, die ganz oben auf dem Regal thronen: Goethe. Er wird mich auch dieses Mal nicht enttäuschen. Zuletzt stieß ich, zwischen der “Metamorphose der Pflanzen” und der “Metamorphose der Tiere” auf diese wunderbaren Zeilen:

“Müsset im Naturbetrachten
Immer eins wie alles achten
Nichts ist drinnen, nichts ist draußen:
Denn was innen das ist außen.
So ergreifet ohne Säumnis
Heilig öffentlich Geheimnis
Freuet Euch des wahren Scheins.
Euch des Ernsts des Spieles
Kein Lebendiges ist Eins
Immer ist’s ein Vieles.”

Nord Stream 2: Kauft nicht beim Russen

Nach dem US-Kongress hat nun auch der Senat mit großer Mehrheit neue Sanktionen gegen Russland beschlossen – nur zwei Senatoren stimmten dagegen, der libertäre Rand Paul und Bernie Sanders. Es scheinen die beiden letzten im Senat verbliebenen Vertreter zu sein, die ihren ökonomischen Verstand noch nicht völlig verloren haben. Denn, so hat es der keineswegs russland-freundliche Wirtschaftsdienst „Bloomberg“ unlängst vorgerechnet: schon die bisherigen Sanktionen haben Russland eher genutzt als geschadet. Trotz des niedrigen Ölpreises und der Sanktionen wird für 2017 ein Wirtschaftswachstum von 1,7 % erwartet und die Zustimmungsraten für Präsident Putin lagen im Juli bei 81 % – weder der russischen Wirtschaft noch der Beliebtheit des Kreml-Chefs konnten die Handelsbeschränkungen also wirklich schaden.  Warum also nun ein weitere Sanktionen?

Die Antwort liefert ein großes Schiff, das zum selben Zeitpunkt in Großbritannien anlandete, als Donald Trump zum G-20-Gipfel in Europa weilte: der erste Transport von Fracking-Gas  aus den USA. Mit der ökologisch bedenklichen und ökonomisch aufwändigen Gewinnung von Erdgas durch Fracking, bei dem Wasser und Chemikalien mit hohem Druck in die Tiefe gepumpt werden, wollen die Vereinigten Staaten künftig Energieexporteur werden. Und Europa, wo die Schiefergas-Förderung nach einem kurzen Hype als gefährlich und unrentabel schon wieder ad acta gelegt wurde, soll den Amerikanern ihren Stoff abkaufen. Was die rohstoffarmen EU-Länder aber nun kaum tun werden, wenn sie sich preiswert und zuverlässig quasi aus der Nachbarschaft versorgen könnten.  Wie über eine zweite Erdgas-Pipeline durch die Ostsee, Nord Stream 2, deren Bau und Finanzierung fünf europäische Konzerne im Juni beschlossen haben. Das vitale Interesse der westeuropäischen Industrieländer, allen voran Deutschland, an zuverlässiger Energieversorgung – und des Rohstoffriesen Russland, diese Nachfrage kostengünstig zu gewährleisten – macht „Nord Stream 2“ zu einer Win-Win-Situation für beide Seiten. Direkt durch die Ostsee statt auf dem Landweg, wo Anrainer mit Transitgebühren die Hand aufhalten, oder, wie die Ukraine, den Stoff illegal gleich selbst abzapfen.

Dass Kanzlerin Merkel und  ihr Vize Gabriel  wegen der amerikanischen Kritik an der zweiten Ostseeröhre schon im Juni  in Richtung Washington relativ lautstark protestierten, zeigt wie essentiell die Sache für den Industriestandort Deutschland ist. Warum ist ein partnerschaftliches Verhältnis von USA, EU und Russland so schwer möglich ? Die Antwort auf diese Frage lautet:  “Dass die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des US-Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet.”

So einfach ist das:  “Kauft nicht beim Russen!” lautet die Parole, kauft beim Kopf-Ab-Saudi und den wahabitischen Wickelmützen oder –  noch besser – lasst euch direkt von uns versorgen: mit Fracking-Gas per Schiff – aber keinesfalls direkt und kostengünstig von eurem Ostsee-Nachbarn Russland. Es kann und darf zwischen Europa und Asien, zwischen Deutschland und Russland, keinen friedlichen Handel und “Wandel durch Annäherung” (Willy Brandt) geben, weil dieses kontinentale Zusammenwachsen im ost-mitteleuropäischen “Herzland” – wie es einst der britische Geo-Stratege Mackinder nannte und sein jetzt verstorbener Schüler Zbig  Brzeziński  in „Die einzige Weltmacht“ fortschrieb –  die unipolare Vormachtstellung der Vereinigten Staaten verhindert.

Es geht also bei diesen Sanktionen in erster Linie um Geopolitik und nicht um Ökonomie. Dass die westeuropäischen Regierungen, allen voran die deutsche, sich diesem Diktat massiv verweigern müssen, ist klar, denn sie schneiden sich damit nur selbst ins eigene Fleisch. Russland kann sein Erdgas jederzeit nach China und ganz Asien verkaufen, für Deutschland und die EU aber sind Energie-Importe absolut essentiell. Sich von der ökonomisch wie ökologisch schwachsinnigen Frackingas-Verschiffung aus den USA abhängig zu machen käme einem Selbstmord des Industriestandorts Westeuropa gleich.

Der Kommentar ist heute auf KenFM erschienen und dort auch als mp3 verfügbar

Aus den geheimen JFK-Akten (2)

Warum die historische Rolle des “tiefen Staats” bei der Entfernung des 35. Präsidenten der USA aus dem Amt untersuchen, wo diese Rolle doch bei der  Entfernung des 45. Präsidenten jetzt gerade “live” zu besichtigen ist ?  Zwar (noch) nicht gewalttätig, aber – mit der kruden Verschwörungstheorie einer “russian collusion”, der Trump angeblich den Thron verdankt – durchaus schon illegal und kriminell ? Nun…mit JFK fing in gewisser Hinsicht alles an und solange die große Lüge, dass er Opfer eines einsamen kleinen Kommunisten wurde, Bestand hat und seine Ermordung nicht als Staatstreich von innen bewiesen und aufgeklärt ist, solange werden auch andere große Lügen – allen voran 9/11 – unangefochten im Lexikon stehen. Und solange sind Fragen, wer denn nun mehr lügt – Donalds jüngste Tweets oder die neueste CNN oder WaPo-Story eines anonymen CIA-“officials” – vergleichsweise irrelevant.

“Not believed relevant” (NBR) war auch die jetzt mit der ersten Lieferung der letzten geheimen JFK-Files veröffentlichte Personalakte von Earle Cabell gekennzeichnet, die zeigt, dass der Bürgermeister von Dallas (1961-1964) seit 1956 Agent der CIA war. Als isoliertes Faktum mag die Mitgliedschaft eines Bürgermeisters beim Auslandsgeheimdienst für einen Archivar im Zusammenhang mit dem Kennedymord als unwichtig erscheinen, ohne Kontext scheint  es ja auch tatsächlich irrelevant. Bedeutung bekommt diese kleine Akte – und voraussichtlich noch einige andere vom “National Archive”  als “NBR” eingestufte Dokumente – erst dann, wenn man sie in ihren Kontext stellt.
JFK lag mit der CIA im Krieg, er hatte nach der Schweinbucht-Invasion angekündigt, sie “in tausend Stücke zu zerschlagen”, er hatte ihren Übervater Allen Dulles und seinen Vize, General Charles Cabell – den Bruder von Earle Cabell – gefeuert, er hatte ein Ende der verdeckten Überfälle auf Kuba und der Mordanschläge auf Fidel Castro befohlen, was diverse CIA-Obere aber ignorierten.  Earle Cabell wiederum hatte seit 1959 diese Angriffe auf Kuba unterstützt und mit George H.W.Bush für die “Operation 40” Geld gesammelt. Er hatte den vorgesehenen Auftrittsort Kennedys in Dallas und die Route des Autokorsos kurzfristig geändert – mit einer unnötigen Schleife auf der Dealay Plaza – und dort auf die notwendigen und üblichen Sicherheitsmaßnahmen verzichtet.  Auf diesem Hintergrund ist der Nachweis, das Earle Cabell im Nebenberuf auf der payroll der CIA stand, durchaus nicht irrelevant. Zumal ihm als Bürgermeister  auch die lokale Polizei unterstand über deren merkwürdiges Verhalten ich in “JFK-Staatsstreich in Amerika” schrieb:

“Und so rief der leitende Sheriff der Polizei in Dallas zwei Stunden vor dem Attentat, das direkt gegenüber seinem Fenster an der Dealey Plaza stattfinden sollte, alle etwa hundert diensthabenden Beamten zusammen und erklärte ihnen: »Wir nehmen in keiner Weise an den Sicherheitsvorkehrungen des Autokorsos teil.« Er befahl seinen Leuten, »einfach nur vor dem Gebäude in der Main Street 505 zu stehen und das Büro des Sheriffs zu repräsentieren«.
Wie es dazu kommen konnte, dass die gesamte Polizeitruppe von den Sicherheitsvorkehrungen abgezogen wurde, beschrieb später der Polizeichef von Dallas, Jesse Curry, in seinem Bericht: »Das Dallas Police Department führte sorgfältig die Sicherheitspläne aus, die ihm von Mr. Lawson, dem Verantwortlichen des Secret Service in Washington D.C., dargelegt worden waren.«Zu diesen Plänen gehörte auch, dass keine bewaffnete Motorradeskorte links und rechts neben der Präsidentenlimousine herfuhr, sondern bloß zwei Motorräder, die sich hinter dem Wagen hielten. Einer der beiden Fahrer, Bobby W. Hargis, wurde von einem Assistenten der Warren-Kommission nur einige Minuten lang befragt und bezeugte, dass bei dem tödlichen Schuss »der Kopf des Präsidenten zu explodieren schien und ich mit Blut und Gehirn bespritzt wurde«. Der Name dieses unmittelbaren Augenzeugen wurde im Warren-Report nicht einmal erwähnt, seine Aussage stand in direktem Widerspruch zum Ergebnis des Reports: ein tödlicher Schuss von hinten.”

(Das Bild zeigt den vom “Blut und Gehirn” des Präsidenten getroffenen Bobby Hargis, der links hinter der Limousine fährt – kurz vor den Schüssen. Einen besseren physikalisch belegten Augenzeugen-Beweis, dass der tödliche Schuß von rechts vorne gekommen ist, kann es kaum geben. Für Lee Oswald – angeklagt aus  dem 6. Stock des hinteren Gebäudes (mit der Feuertreppe) den Schuß abgegeben zu haben – hätte deshalb jeder ordentliche Gerichtsprozess mit einem Freispruch enden müssen.)

Aus den geheimen JFK-Akten (1)

Dass in den letzten, nach mehr als einem halben Jahrhundert nun zur Veröffentlichung kommenden Akten zum Kennedy-Mord wohl keine “smoking gun” gefunden wird, hatten wir hier schon des Öfteren betont. Hoch interessant sind die bisher geheimen Unterlagen aber dennoch, weil sie zahlreiche Mosaiksteine enthalten, mit denen schon bestehende Szenarien belegt ( oder verworfen ) werden können. Professor John Newman, einer der führenden Experten in der Auswertung historischer Geheimdienstakten, fühlt sich deshalb derzeit “wie ein Kind im Bonbonladen”, weil er nun Akten im Klartext erhält, die er bisher nur stark redigiert oder überhaupt nicht einsehen konnte.
Ein kleiner Mosaikstein wurde jetzt in den ersten Paketen der veröffentlichten Akten schon entdeckt: der Mann, der den vorgesehenen Auftrittsort JFKs in Dallas und die Route des Autokorsos kurzfristig änderte – und am Dealey Plaza auf sämtliche Sicherheitsbestimmungen wie versiegelte Fenster und Scharfschützen auf den Dächern verzichtete –  der Bürgermeister von Dallas,  Earle Cabell, war seit 1956 Agent der CIA. 
Ich werte das als ein “Bingo” für meine Darstellung der Rolle, die CIA und der Militärgeheimdienst bei diesem Attentat und seiner Vertuschung spielten. Hier dazu eine Passage aus “JFK – Staatsstreich in Amerika”, in der die dubiose Rolle von Earle Cabell schon kurz erwähnt wird:

“Das erste Verhör von Oswalds Ehefrau Marina nach dem Attentat wurde nicht, wie eigentlich zu erwarten, von der Polizei in Dallas, vom Secret Service oder vom FBI geführt, sondern von Jack Crichton, einem Reserveoffizier des Militärgeheimdienstes…(..)Von Peter Dale Scott wissen wir, dass das 488th Army Intelligence Detachment in Dallas eine wichtige Rolle in der ersten Phase der Vertuschung spielte, bei der Oswald der Tat bezichtigt und in Verbindung mit Kuba und der Sowjetunion gebracht wurde. Diese von Jack Crichton geführte Spionageeinheit arrangierte die falschen Übersetzungen der Aussagen von Marina Oswald.(…) Die 488. Geheimdienstreserve schickte am Tag der Ermordung auch ein Kabel mit den Falschbehauptungen raus, dass Oswald 1959 »nach Kuba« übergelaufen und ein »eingetragenes Mitglied der kommunistischen Partei« sei.
An die 50 Mitglieder des Dallas Police Departements gehörten der 488. Einheit an, darunter auch der örtliche Deputy Chief George Lumpkin, der Crichtons Stellvertreter war und in dem ersten Wagen des Kennedy-Autokorsos fuhr, der aus unerklärlichen Gründen vor dem Texas School Book Depository anhielt.
Jack Crichton, der sich vor dem ersten Verhör von Marina Oswald mit dem rechtsextremen Ölmagnaten H.L. Hunt getroffen hatte, war außerdem der Geheimdienstchef der Dallas Civil Defense, die ein Notfallzentrum unter dem Gesundheits- und Wissenschaftsmuseum von Dallas unterhielt – und hatte Zugriff auf ein geheimes Kommunikationsnetzwerk mit direkter Verbindung zu den Spitzen des Militärgeheimdiensts in Washington. Dass das dortige Telefonnetz direkt nach den Schüssen merkwürdigerweise für eine Stunde ausfiel und zivile Behörden von jeder Kommunikation abschnitt, macht die Relevanz dieses militärischen Telefonnetzes deutlich.
Crichton stand nicht nur in enger Verbindung mit H.L. Hunt und weiteren Ölmagnaten in Texas, sondern auch mit Gruppen von Exilkubanern und mit George H.W. Bush, mit dem er 1959 Geld für das Kommando “Operation 40” zum Sturz Castros aufgetrieben hatte. Für den Lufteinsatz bei der geplanten Invasion sollte Crichtons texanischer Freund General Charles Cabell zuständig sein, seit 1953 Vizedirektor der CIA, der von Kennedy nach der Schweinbucht-Operation gefeuert wurde. Sein Bruder Earle Cabell war von 1961 bis 1964 Bürgermeister von Dallas und unter anderem für die Route des Autokorsos verantwortlich.

UPDATE: Markus Kompa berichtet auf Telepolis ebenfalls über den neuen Aktenfund.

Die letzten geheimen JFK-Akten

Die “National Archives” haben mit der Veröffentlichung der geheimen Akten begonnen, die bis zum 26. Oktober 2017 freigegeben werden müssen. Bis dahin werden 3.571 bisher unbekannte Dokumente und 34.000 weitere veröffentlicht, die bisher nur in redigierter Form und mit Schwärzungen zugänglich waren – es sind die letzten aller noch im Archiv befindlichen Unterlagen zur Ermordung Kennedys. Da die Metadaten – Titel, Themen und Autoren – der freizugebenden Akten schon bekannt sind, wissen die Forscher bereits ungefähr, was sie erwartet ; so unter anderem eine Reihe sogenannter OPS-Files (Operational Files) zu vielen Akteuren, um die es in meinem Buch  “JFK – Staatsstreich in Amerika” geht, wie William Harvey, David Philips, George Joannides und E.Howard Hunt, der 2004 auf dem Sterbebett noch ein (falsches?) Bekenntnis abgelegt und Namen genannt hatte.
Da “von oben” wenig Interesse an einer Aufklärung des Falls besteht und keine öffentlich bestallte Historiker-Kommissison mit der Auswertung befasst sein wird, ist der “Schwarm” von unten gefragt, die mehr als 113.000 Seiten zu durchforsten.

Eine Übersicht der “Batches” hier . Die ersten Files stehen jetzt gezipped zum Download bereit

Autoland – abgebrannt.

“Wieviele Autos hast du schon gehabt ?” fragte neulich mein Enkel und ich begann über 40 Jahre Automobil-Historie durchzuzählen. Es waren viele, denn manche hatte ich nur ein paar Monate, andere einige Jahre, am Ende kamen wir auf ungefähr 20 und es war alles dabei. Vom Renault 4 mit 25 PS bis zum Jaguar mit 250 PS, vom 1200er Käfer bis zum dicken Chrysler Van, vom schrottigen Citroen Ami8 zur “Rennsemmel “Mini Cooper S” – und dazwischen immer wieder und am liebsten: Diesel. Mit einem Mercedes 180 D, Baujahr 1953, den ich für 300 Mark einem Bauern aus der Scheune abkaufte und mit weiteren 1000 Mark über den TÜV brachte, fing meine Leidenschaft für Selbstzünder an, die sich mit zwei “Heckflossen” (190D/200D) und einem “Strich 8er” fortsetze. Vor ein paar Jahren hatte ich dann im Leasing nochmal einen BMW, dessen 2 Liter Dieselmotor mit 180 PS ich als die beste Maschine empfand,  die ich jemals per Gasfuss bediente, sehr zugstark, sehr schnell und sehr sparsam. Der benzingetriebene Jaguar etwa verbrauchte bei 200 km/h  das Doppelte an Sprit wie dieser wunderbare Dieselmotor.

Wenn man so vom Traktor zum  Turbo mehr ein halbes Jahrhundert Dieselevolution erlebt hat, könnte man fast ein bißchen verstehen, dass die Konzernbosse an diesem Motor so sehr hängen, dass sie selbst vor kriminellen Machenschaften nicht zurückschrecken um seinen Markt weiter zu sichern. Aber – und das macht einen alten Liebhaber der Dieseleffizienz richtig sauer – die Herrn von Daimler, VW, Audi & Co. haben das Gegenteil getan. Sie haben ihren Diesel-Pkw die optimale Senkung von Stickoxid-Emmissionen verwehrt, sie haben sich abgesprochen nur Mini-Tanks für die “Ad Blue”- Reinigung mit Harnsäure einzubauen und die Motoren so einzustellen, dass sie mit dieser kleinen Menge bis zur nächsten Inspektion kommen. Um den Kunden dann für teures Geld  intervallmäßig billige “Pisse” nachfüllen zu können – und dafür bewußt in Kauf genommen, dass die so eingestellten Motoren die Umwelt weiter verpesten. So kam es dann, dass ein Mercedes Pkw-Motor ein Vielfaches an Stickoxiden auspuckt wie ein schwerer LKW, der mit ausreichenden “Ad Blue” gereinigt wird.

Mehr zum “Ad Blue”-Betrug in dem Artikel von Jens Berger “Autoland ist abgebrannt – Wir haben ein Elitenproblem! , der die Hoffnungslosigkeit der Lage klar macht: ein Wandel ist nicht gewollt. Und dass unsere Gerichte der großmafiösen Betrügerbande namens “Autoindustrie” ähnliche Strafen aufbrummt wie die hervorragend kundenfreundlichen Gerichte in den USA ist nicht zu erwarten. Dabei wäre ein reinigendes Gewitter, das den wunderbaren Diesel so alt aussehen läßt wie er wirklich ist und die Umstellung auf E-Motoren massiv beschleunigt, mehr als notwendig. Mit betoniertem Beharren, wie es der stickstoff-grüne Präsident  Kretschmann demonstriert –  “Ja wo sollet die den tanken?” – wird die technologische Zukunft des Autoländles nicht gesichert, sondern ruiniert.
(Disclaimer: Der Autor fährt nach einer Weile “Drive Now”-Carsharing z.Zt. einen Fiat Punto)

Der tiefe Staat und die kognitive Dissonanz der Linken

Die linke Autorin Caitlin Johnstone, die sich selbst “unseriöse Journalistin” (rogue journalist) nennt und auf medium.com vor allem über amerikanische Politik schreibt, hat in den letzten Wochen mit ihren Plädoyers Aufsehen erregt, dass die US-Linken nicht scheu sein sollten, mit  “Anti-Establishment” Rechten und Libertären zusammen zu arbeiten. Gegen die Fake News der Großmedien, gegen die kriegstreibenden Neocons, gegen die Geheimdienste und den “tiefen Staat”, die Trumps außenpolitischen Kurswechsel mit dem substanzlosen “Russiagate”-Märchen sabotieren. Nachdem dann einem der führenden Kriegstreiber und “regime changer”, Senator John McCain, ein  Gehirntumor diagnostiziert wurde und Johnstone ihm einen  schnellen Tod wünschte, wurde die Kritik an dieser “unseriösen” Journalistin noch lauter. Selbst ein blutrünstiges Monster, das ein halbes Dutzend Kriege mit Millionen von Opfern vorangetrieben hat, darf man als “Qualitätsjournalist” eben nicht ins Grab wünschen.

Jeffrey St.Clair, der Herausgeber des “seriösen” linken Magazins “Counterpunch”, das schon mehrere kritische Artikel über Caitlin Johnstone veröffentlichte, nahm sich der Sache nun noch einmal selbst an:

“For the conspiratorial Left, the Deep Staters seem to have eclipsed the 9/11 Truthers as the heralds of a new political Theory-0f-Everything. This is a welcome shift of emphasis as far as I’m concerned.  Who really needs to read yet another belabored story on the demolition of WTC 7? (..)

The origin myth of leftwing Deep State theory is, of course, the assassination of JFK, an act of internal regime change by a CIA hit-team orchestrated by Allen Dulles in retaliation for the president’s alleged plan to break-up the agency and yank US troops out of Vietnam. From that moment on, according Deep State theorizers, the secret government was firmly in control and no political transgressions against its agenda would be tolerated. As an omnipotent force, the existence of a Deep State satisfies the Left’s desire to rationalize its own sense of perennial powerlessness.

Of course, I remain an unrepentant Magic Bullet man, fully persuaded that Lee Harvey Oswald, as an ardent devotee of the Cuban Revolution, had a more personal motive to kill the anti-communist Kennedy (the first neoliberal) than did fussy old Allen Dulles. With a couple miraculous shots from his Carcano Rifle, Oswald demonstrated that regime change could be a two-way street.”

https://www.counterpunch.org/2017/07/21/red-state-blue-state-green-state-deep-state/

Hier haben wir, wie ich finde, die kognitive Dissonanz der Linken, die sie zwingt nicht in ihr Weltbild passende Fakten auszublenden und zu verdrängen, wie in einer Nußschale versammelt. Etwa die seit der Wahl Trumps offensichtliche Tatsache, dass die eigentlich dem Präsidenten verpflichteten Geheimdienste und Polizeibehörden Informationen und “Erkenntnisse” permanent an die Presse durchstechen. Diese hat sich von ihrem Zwei-Quellen-Prinzip – ein Gerücht wird erst zur Nachricht, wenn es von zwei  zuverlässigen Quellen unabhängig bestätigt wird – verabschiedet und sägt mit ihren anonymen Tippgebern und “senior officials” der Geheimdienste am Stuhl des Präsidenten. Wenn das kein Indiz für einen “tiefen Staat” ist, der mit undemokratischen Mitteln einen Coup von innen betreibt, was dann ? Jeffrey St. Clair begrüßt, dass in der “verschwörungstheoretischen Linken” die “deep staters” nun die “9/11 truthers” offenbar ablöst hätten – denn wer will schon noch vom WTC 7 hören ? Das wollte die “seriöse” Linke schon nicht, als die Bush-Regierung in ihrer Pseudo-Ermittlung zu 9/11 den Einsturz von WTC 7 nicht einmal untersuchte, und ließ sich bereitwillig den Bären von Osama und den 19 Teppichmessern als Alleintätern aufbinden. 9/11 ist für “seriöse” Linke indiskutabel und tabu und wer auf Aufklärung besteht, wird als  “truther” und “Verschwörungstheoretiker” abqualifiziert,  als dümmlicher Vertreter einer “Theorie of Everything”.
Diesen beigesellt werden nun auch die “deep stater”,  die den Mord  an JFK  nicht dem Einzeltäter Lee Harvey Oswald anlasten, sondern einem Team von CIA gedeckten Scharfschützen.  Nicht weil sie irgendwelchen wirren Theorien über alles anhängen, sondern weil Dutzende harter Fakten gegen den Einzeltäter sprechen – allen voran der Zapruder-Film der deutlich zeigt, dass der tödliche Schuss rechts von vorne kam und nicht von hinten, wo Oswald lauerte. Auch diese kognitive Dissonanz ist für den linken St.Clair nicht auszuhalten, weshalb er sich  nur halb-ironisch als Anhänger der  Glaubensgemeinschaft  der “magischen Kugel” outet. Nicht ohne freilich zuvor diejenigen, die diesen Quatsch nicht glauben, zu psychiatrisieren: als rationalisierenden Ausgleich für ihre andauernde Machtlosigkeit würden diese Linken einen übermächtigen Tiefenstaat halluzinieren.
Es fragt sich aber, wer hier wirklich rationalisiert und halluziniert: diejenigen, die weder die Höhlengeschichte von 9/11 noch den magischen Meisterschützen Oswald akzeptieren und jetzt auch die offizielle Story von übermächtigen  russischen Hackern, die Trump auf den Thron hievten, als Propagandamärchen erkennen. Oder diejenigen, die sämtliche Fakten und Beweise, die gegen diese offiziellen Märchen sprechen, zwanghaft ausblenden müssen um ihr “seriöses” Weltbild nicht zu gefährden. Um dann davor zu warnen, dass auch Rechte einen deep state am Werke sehen und dass sich mit denen, die gern auch rassistischen Weltverschwörungstheorien anhängen, natürlich niemand bei Verstand einlassen sollte.
Wohl wahr – aber weder bei der Forderung nach Aufklärung des JFK-Mords noch der 9/11-Verbrechen geht es um “rechts” oder “links” – und niemand, der die gefährliche  Liaison von Geheimdiensten und Massenmedien in der Gerüchteküche “Russiagate” kritisiert, ist deshalb  Trump-Fan oder Rassist.  Sowohl in den historischen Fällen als auch aktuell geht es allein darum, ob und inwieweit hier Netzwerke aktiv waren oder sind, die jenseits der rechtsstaalichen, demokratisch abgesegneten Machtstrukturen operieren. Wem es um den Erhalt eines demokratischen Rechtsstaats  geht, MUSS solchen Einflussnahmen und Strukturen entegegentreten, ganz gleich welcher politischen Orientierung er oder sie anhängt. Und das auch dann, wenn diese illegalen Operationen gegen einen Donald Trump gerichtet sind, dessen Abgang sich viele so dringend wünschen wie Caitlin Johnstone den Exitus von McCain.
Dass bei diesem Advokaten der Bewaffnung islamistischer Terroristen und dem Aufbau von ISIS nun der Sensenmann in just derselben Woche anklopft, in der Trump das Ende dieser Unterstützung verkündet hat, passt sehr gut zusammen. Wenn es denn nun endlich was wird mit dem Exitus von ISIS und einem Ende des Kriegs in Syrien kann der frisch operierte McCain  gern noch ein Weilchen vor sich hindämmern bevor er defintiv zur Hölle fährt. Die “seriösen” Linken, die Trump bei dieser Ankündigung und ihrer Umsetzung nicht unterstützen, kann er wegen mir gleich mitnehmen…

Dieser Artikel ist heute auf rubikon.news erschienen

Wo sind alle die Fliegen hin ?

Unlängst fuhren mein Bruder und  ich mit dem Auto bei hochsommerlichem Wetter von Frankfurt am Main  nach Bad Godesberg am Rhein. Auf dem Hinweg hatten wir die Autobahn genommen und waren in kaum zwei Stunden da,  auf dem Rückweg  fuhren wir gemütlich die Landstraßen am Rhein entlang  und nur das letzte Stück auf der Autobahn. Bei der Ankunft zeigte ich auf die Windschutzscheibe: “Fällt dir was auf ?” fragte ich. “Erinnerst du dich, wie wir früher im Sommer bei jedem Stopp die Scheibe sauber machen mußten, weil sie voll war mit den Resten von Insekten. Die harten Schwämme dafür gab es an jeder Tankstelle.” Mein Bruder nickte.  Die Scheibe war bis auf drei oder vier winzige schwarze Punkte, die vielleicht einmal Fruchtfliegen gewesen waren, absolut sauber – nach 400 Kilometern, ohne dass wir ein einziges Mal den Scheibenwischer bedient hatten. Mir war das Fehlen von Insektenleichen auf der Windschutzscheibe schon aufgefallen, als ich ein paar Wochen zuvor im Umland von Berlin unterwegs war, ebenfalls bei herrlichem Sommerwetter – und jetzt bei der Fahrt am Rhein, durch den Westerwald und den Taunus dasselbe. Wo sind  all die Fliegen, Mücken, Schnaken, Wespen, Hummeln, Käfer geblieben ? Ich wußte zwar, dass  ein großes Bienensterben im Gange ist, aber dass  diese Vernichtung offenbar auch alle die anderen Insekten betrifft, die seit Jahrzehnten an Windschutzscheiben verunfallten,  war mir neu.
Als ich dann die FAZ-Meldung las ” Schleichende Katatstrophe: Bis zu 80% weniger Insekten in Deutschland” fand ich zwar meine Befürchtungen bestätigt – denn nach den Insekten sterben auch die Vögel und damit wären wir einmal mehr bei Rachel Carsons “Silent Spring”, dem Buch das 1962 erstmals auf die katastrophalen Folgen von DDT und anderen Pestiziden aufmerksam machte –  doch wurde dann gleich wieder beruhigt: “Deutsche Leitmedien fallen auf weitgehend grundlagenlose Wahlkampfbehauptung der Grünen herein” schrieb Telepolis und behauptete, dass die Zahl von 80% weniger Insekten zweifelhaft sei, weil ihre keine bundesweite Studie zugrunde läge, sondern nur eine Erhebung von “Freizeitforschern” aus dem Krefelder Raum.
Tatsächlich hatte es deren Forschung, die seit Jahrzehnten die Insektenbestände ermittelt,  im Mai 2017 in das renommierte Fachblatt “Science” gebracht, dem sich nur schwerlich “Wahlkampfbehauptungen” nachsagen lassen. Doch das wird in dem Telepolis-Artikel nicht erwähnt. Stattdessen wird ein “Agrarbiologe” zitiert, der die makellosen Windschutzscheiben im Sommer mit der “besseren Aerodynamik” heutiger Autos erklärt. Ja sauber. Ein  zehn Jahrer alte VW Golf ist also so viel aerodynamischer als seine Vorgänger, dass er keiner Fliege mehr etwas zu Leide tut – das ist in  Zeiten des Dieselbetrugs ja endlich mal eine positive Nachricht! Ich halte sie aber für Fake News, denn die Ergebnisse meiner Freizeitforschung im Rheinhessischen und Brandenburgischen sprechen eine eindeutige Sprache – und die hat mit Sicherheit sehr wenig mit “Aerodynamik” und sehr viel mit “Terrakontamination” zu tun.

Das gute alte Bildungsfernsehen

Das Medienmagazin “Meedia” hat sich in einem ausführlichen Beitrag dem “kontroversen Youtube-Phänomen KenFM” gewidmet. Anders als bei den infamen Denunzierungen (“Antisemit”, “neu-rechts”, “Querfront”), mit denen Ken Jebsen und sein Kanal üblicherweise bedacht werden, hat sich der Autor das Programm von KenFM einfach mal angeschaut – also das getan, was Journalisten üblicherweise tun bevor sie über eine Sache oder eine Person schreiben: recherchiert. Und wer das nur ein wenig tut kommt in Sachen “KenFM” zu anderen Schlüssen als die Denunzianten: “Zu seiner Verfemung hat der ehemalige RBB-Moderator einiges beigetragen – unberechtigt ist sie trotzdem. Denn Jebsen ist vieles nicht, was man ihm vorwirft. Und er macht mitunter wirklich gutes Fernsehen.”
Das fand ich auch und führte deshalb ein langes Gespräch mit ihm, das im November 2016 als Buch erschien (Der Fall Ken Jebsen – Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann). Auch das hat Hendrik Steinkuhl, der Autor des “meedia”-Artikels gelesen, denn er kommt am Ende zu einer ähnlichen Einschätzung: “…Ken Jebsen (leistet) einen erheblichen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft. Vor allem sein Format „KenFM im Gespräch“ ist, wie Mathias Bröckers in seinem Buch „Der Fall Ken Jebsen“ zutreffend schreibt, „nichts anderes als das gute, alte Bildungsfernsehen.“ Jebsens Unterbrechungen und Suggestionen stören, trotzdem sind zum Beispiel die bereits erwähnten Interviews mit Michael Buback, mit Petra Wild oder Mosche Zuckermann besser als fast alles, was man im Deutschen Fernsehen zu sehen bekommt.”

Hohes Lob – aber der Autor spart auch nicht mit Kritik:  Jebsen sei “Verschwörungstheoretiker”, zu sehr “Aktivist” als Journalist und “unprofessionell”, weil er seinen Gesprächspartnern zu oft dazwischen quatscht. Letzteres hatten auch zahlreiche Zuschauer in den Kommentaren zu dem Gespräch über meine Bücher zum  45. und den 35. Präsidenten der USA (  “König Donald,” und “JFK”) moniert, das wir unlängst führten. Mich hat das nicht wirklich gestört – er ist halt einer, der sein Herz auf der Zunge trägt, der schneller spricht als sein Schatten und sich dabei auch mal vergaloppiert. Und doch allemal besser als die moderierenden Schnepfen, Flachpfeifen und Journalistendarsteller im Deutschen Fernsehen, die ihren kritischen Verstand, wenn sie denn je einen hatten, schon lange an der Garderobe deponiert haben…