CNN: Russiagate “mostly Bullshit”

Nachdem ein leitender CNN-Produzent vor versteckter Kamera geplaudert hatte, dass die Russiagate-Story “mostly Bullshit” sei, weil man keinerlei Beweise dafür habe aber vom Programmchef angewiesen worden wäre, sie weiter zu kochen, mussten nun drei CNN-Reporter gehen. Sie waren dieser Anweisung gefolgt und hatten eine Story über vermeintliche Russland-Geschäfte eines Trump-Beraters verzapft. Die Geschichte wurde zurückgezogen und CNN verkündete, nunmehr in Sachen Russland besondere redaktionelle “Standards“walten zu lassen. Wir dürfen also gespannt sein wie sich die Berichterstattung des Senders, den Präsident Trump seit seinem ersten Auftritt nach der Wahl wiederholt als  “Fake News” klassifizierte,  nunmehr ändert.
Dass es sich bei der gesamten Geschichte von russischer Beeinflussung der US-Wahl um Fake News handelt, habe ich hier seit Monaten ja immer wieder geschrieben und dokumentiert – anhand der immer wieder fehlenden Beweise für die dennoch immer wieder vorgebrachten und in neuen Varianten aufgetischte Behauptung. Das was der CNN-Producer da ausgeplaudert hat ist also nichts Überraschendes und für jeden Journalisten mit einem IQ über Zimmertemperatur seit langem erkennbar: die Story, dass Trump von russischen Hackern bzw. Putin persönlich auf den Thron gehievt wurde, ist purer Bullshit.  Und der wird nicht besser wenn man ihn dauernd weiter quirlt. Dass die Journalisten es trotzdem tun, und zwar flächendeckend,  weil ihr “Programmchef” sie anweist, wirft ein  Schlaglicht auf den deprimierenden Zustand der Branche.
Dass der legendäre Investigativ-Reporter Seymour Hersh seine brisanten Reportagen mittlerweile nicht mehr in seiner Heimat veröffentlichen kann zeigt ebenfalls wie frei die “freie Presse” dort wirklich ist. Seine Enthüllungen über den “False Flag”-Sarin-Gas Anschlag in Syrien 2013 konnte nur in der “London Review of Books” erscheinen und der war sein neuestes Stück jetzt auch zu heiss. Unter Berufung auf seine stets gut informierten Militär,- und Geheimdienstquellen zeigt Hersh auf, dass es sich auch bei dem jüngsten angeblichen Giftagsanschlag Assads, auf den Trump mit 59 Tomahawk-Raketen reagierte, ebenfalls  um einen Fake handelte. Seine Reportertage erschien – ebenso erstaunlich wie lobenswert – in der “Welt”, deutsch hinter einer Bezahlschranke, englisch hier. Am Ende heißt es dort:

„Die Salafisten und Dschihadisten hatten alles erreicht, was sie mit ihrem hochgeputschten Märchen vom syrischen Nervengas erreichen wollten,“ erzählte mir der Informant und bezog sich dabei auf das Aufflammen der Spannungen zwischen Syrien, Russland und Amerika. „Was passiert, wenn es noch eine Falschmeldung über einen Sarin-Angriff gibt, der dem verhassten Syrien angehängt wird? Glauben Sie ja nicht, dass die Typen nicht schon den nächsten vorgetäuschten Angriff planen. Trump hätte dann keine Wahl, als erneut mit Bomben zu antworten, und diesmal noch härter. Er ist unfähig, zuzugeben, dass er einen Fehler gemacht hat.“

Fast schon gespentisch mutet da die Meldung an die seit heute früh die Runde macht: USA warnen vor weiteren Giftgasangriff in Syrien”. Was soll das ? Ist das die direkte Antwort auf Seymour Hershs Enthüllungen ? Weil den peinlichen “Faktenfindern” der ARD dagegen nichts anderes einfällt, als den dutzendfach diskreditierten Blogger Bellingcat zu zitieren – und auch ansonsten eher betretenes Schweigen im Blätterwalde herrscht – wird gleich die nächste Horrorsau durchs Dorf gejagt ? Man stelle sich vor, der große alte Mann des Investigativ-Journalismus hätte herausgefunden, dass es wirklich ein Nervengift-Anschlag war und dass  Putin dahinter steckt…heissa was wäre da jetzt los in der “freien Presse” von CNN abwärts, Hersh würde sofort noch einen weiteren Pulitzter-Preis bekommen. So aber muss er sich jetzt Vorhaltungen über seine anonym bleibenden Quellen anhören, von jenen, die uns seit Monaten auf Basis anonymer “senior officials” mit russophobischen Fake News füttern…

Zum Weltdrogentag

Dass die UN 1987 meinen Geburtstag zum “Internationalen Tag gegen Drogenmissbrauch und unerlaubten Suchtstoffverkehr” ernannte, sah ich sowohl als kleinen Affront gegen gewisse Geburtstagsfeierlichkeiten, wie auch als Herausforderung. Denn ich war zu dieser Zeit gerade mit Recherchen darüber beschäftigt, wie eine der ältesten und wertvollsten Nutz,-und Heilpflanzen der Welt – Cannabis/Hanf/Marihuana  – weltweit zum “unerlaubten Suchtstoff” erklärt werden konnte. Das Ergebnis erschien im Sommer 1987 in der Zeitschrift “Transatlantik” und einige Jahre später als Buch, was dann die Re-Legalisierung der Nutzpflanze und die Wiederaufnahme der Heilpflanze Hanf in das offizielle Arzneibuch zur Folge hatte. Immerhin, aber seitdem hat sich in Deutschland wenig bewegt, der “War On Drugs”geht unvermindert weiter, der Irrsinn, den Mißbrauch von Suchtstoffen per Strafrecht zu verhindern, schafft nach wie vor mehr Opfer als dass er welche rettet, produziert Elend statt Schaden zu mindern. Deshalb habe ich an meinem Geburtstag sofort schlechte Laune wenn mir einfällt, dass heute dieser idiotische Tag der “unerlaubten Suchtstoffe”  und der perfiden Drogenlüge ist.
Fiel mir aber erst eben ein, nach ein paar Gläschen feinem Single Malt (erlaubter Suchtstoff) und ein paar Joints aus unerlaubtem Hanf (biologischer Anbau), sodass die Geburtstagslaune dadurch nicht ruiniert wurde. Zumal mein alter Freund Ben Dronkers, Gründer der Hanfmuseen in Amsterdam und Barcelona,  heute dieses schöne Bild postete – es stammt von dem Maler Philipp Veit, hing 1848 zur deutschen Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche und ist die berühmteste Darstellung der Göttin “Germania”.  “Sie hält Hanfzweige zusammen mit seinem Schwert und symbolisiert den Willen, Frieden zu schaffen,” heißt es dazu in der Bildlegende des Museums. Wenn ich einen Geburtstagswunsch an die UN frei hätte, dann den, dass sie vom Geist dieser Göttin und dem Willen Frieden zu schaffen beseelt wird: Drogenkriegsschwerter zu Hanfpflugscharen!

Legal, Illegal, Staatstrojaner

Nachdem “russiche Hacker”, also Putin, die amerikanischen Wahlen manipuliert und Trump auf den Thron gehievt haben, ist es ihnen nun mit einem “Angriff auf die Demokratie” gelungen auch Deutschland erfolgreich zu unterwandern: vergangene Woche hat der Bundestag beschlossen ihr beliebtestes Werkzeug,  sogenannte “Trojaner”, künftig selbst einzusetzen. War im Verdachtsfalle den Behörden bisher schon erlaubt, Telefongespräche abzuhören, dürfen sie jetzt das ganze Smartphone hacken und mit Malware infizieren. Diese Schad-Software ist dann aber nicht mehr als “böse”,  sondern gilt als “gut”, weil sie im Namen des Staats spioniert und “schwere Straftaten” verhindern soll.
Um die “guten” Trojaner unbemerkt auf die Handys und Computer der Verdächtigen zu bringen nutzen die Behörden Sicherheitslücken auf den Geräten, die ihre Geheimdienste und IT-Forseniker entdeckt haben, ohne sie den Herstellern zu melden. Und hier kommen die “russischen Hacker”, also Putin persönlich, ins Spiel, denn werden die Unterlagen über diese geheimen Lücken  gehackt – wie es der NSA  unlängst passierte was dann die “Wanna Cry”-Epidemie zur Folge hatte – kommen die Hacker damit auf quasi auf jedes Smartphone oder Laptop dieser Welt. Wo sie dann nicht nur kryptographierte Nachrichten lesen sondern auch alles mögliche veranstalten können.
Stellen wir uns vor, in einer von Einbrüchen und Diebstählen geplagten Gegend stellt ein Streifenwagen fest, dass bei einigen Häusern Türen und Fenster Tag und Nacht offenstehen, ohne dass die Besitzer davon etwas ahnen. Statt sie nun darauf aufmerksam zu machen, damit sie diese gefährlichen Sicherheitslücken schließen können, melden die  Polizisten die offenen Türen ihren Vorgesetzen und den Geheimdiensten, damit diese sie zu Überwachungs,- und Spionagezwecken nutzen. Die Bewohner erfahren weiterhin nichts davon, dass ihr Privatleben und Eigentum ungeschützt und für Einbrecher frei zugänglich ist. Ein solches Vorgehen der Polizei, die einst als “Freund und Helfer” für die Sicherheit der Bürger zuständig war, soll nun per Gesetz legalisiert werden und man muß kein Verfassungsrechtler sein um zu ahnen, dass die Karlsruher Richter diesen Angriff auf Demokratie und Grundrechte, nicht einfach durchwinken. Auch wenn die Manipulation der großen Koalition durch russische Hacker, also Putin, noch nicht nachgewiesen ist, ist die autokratische Handschrift überdeutlich zu erkennen. Kein demokratischer Rechtsstaat, der diesen Namen verdient, würde derart kriminelle Methoden legalisieren.

Bekenntnisse eines Garderobenkomikers


Das Gespräch über “König Donald” und “JFK”, das ich mit Ken Jebsen führte, hatte  in den ersten zwei Wochen schon über 70.000 Zuschauer. Das ist eine schöne Quote und weil ich von der KenFM-Redaktion weiß, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei diesen Sendungen bei über 30 Minuten liegt, haben sich viele die zwei Stunden  sogar komplett angeschaut. Mir selbst fällt das immer schwer. Als ich damals mit Radio anfing, ging ich beim Abhören der Aufnahme am liebsten aus dem Studio weil ich Stimme und Aussprache zum Weglaufen fand. Schon gar nicht wollte ich  dann die Sendungen anhören, außer wenn wunderbare professionelle Sprecher meine Texte vortrugen, die hörte ich dann manchmal mit leicht geschwellter Autorenbrust sogar mehrfach.
Fernsehen ist natürlich noch schlimmer, zumal wenn die KenFM-Crew mit ihren ehrlichen HD-Kino-Kameras da einen alten Mann während der allmählichen (“äh”, “mmmh”, “sozusagen”…)  Verfertigung von Gedanken beim Reden zeigt. Und beim Fuchteln. Darauf hatten mich meine Kinder schon in den 90ern nach irgendeiner TV-Talkrunde aufmerksam gemacht – “Du fuchtelst dauernd mit den Händen, Papa.” – und jetzt muss ich feststellen, dass es nicht besser geworden ist. Im Gegenteil. Kann der Kerl nicht einfach mal ruhig sitzen, die Hände vorm Bauch (Raute?) und gelassen und ruhig sprechen, ein bißchen langsamer vielleicht, bedächtiger… die Stimme klingt ja durchaus sonor, seriös…aber dieses Gefuchtel und Gezappel ?? Ich finde es zum Weglaufen…
In weiser Voraussicht hatte ich einst dem Drängen meines Meisters und Lehrers Wolfgang Neuss  widerstanden, mit Kabarett selbst aufzutreten, worauf er mich – wenn Besuch kam – manchmal als “Garderobenkomiker vorstellte: “Macht Witze nur hinter der Bühne”. Das stimmt bis heute. Und es liegt nicht an Lampenfieber oder Versagensängsten; wenn die Lampe angeht, Mikro oder Kamera laufen, bin ich innerlich eigentlich immer ruhig, aber kaum sprudelt der spontane Text entgleiten Gestik und Mimik völlig und Opa fuchtelt und rudert was das Zeug hält. Ich finde das unmöglich, zum Weglaufen und konnte die zwei Stunden daher nur schwer durchhalten.
Den Zuschauern auf youtube ging es offenbar ganz anders, die meisten der über 200 Kommentare sind sehr positiv, wenn überhaupt wird Ken gerügt, weil er mir dauernd dazwischenquatscht, was mich aber kaum störte. So wenig wie sich das Publikum an meinem Gezappel stört. Mir aber gefällt das gar nicht weshalb ich auch künftig lieber hinter als auf einer Bühne tätig bin. Natürlich mit der Hoffnung, auch so ein paar Leute zu erreichen, die dann die Läden stürmen und meine Bücher kaufen, denn von irgendwas müssen ja auch Garderobenkomiker leben. Danke!

Nackter als im Sonnenbad

Die “Neue Rheinische Zeitung” schreibt über “König Donald, die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron”:

“Die Botschaft des Autors ist gelungen: Er zeigt nicht nur den König nackt und nicht ohne Warnung, sondern auch jene, die ihn hassen und bekämpfen. Ihre wahren Absichten, ihre Machtansprüche. Ihre Lügen und Verleumdungen. Ihr Schüren von Angst. Darüber hinaus versetzt er das in diesem Wirrwarr-Theater zuschauende und das Lesepublikum in einen Zustand der nach Brecht genannten Verfremdung. Eine entlarvende Sicht auf eine sich als „Friedensengel“ und „Verteidiger der Menschenrechte“ ausgebende hochstilisierte Elite mit den USA an der Spitze, die alles unternimmt, ihre aggressiven Weltherrschaftspläne zu kaschieren und sowohl von der „Terrorbekämpfung“ als auch von der hochgeschraubten militärischen Rüstung profitiert. Das Buch sei jenen empfohlen, die das Nachdenken nicht verlernt haben, neugierig geblieben sind und mit zum Gegenwind blasen. So hat Nacktheit, das Herunterreißen von Masken, seine herausfordernden Vorteile. Wer nach der Aufführung den Saal verlässt, sollte ein anderer sein…”

Mehr über “König Donald” hier und im Gespräch mit KenFM

“Kauft nicht beim Russen!”

Selten hat ein Beitrag hier im Blog so viele “Likes” bekommen, wie mein letztes Posting mit der Empfehlung von Oliver Stones Interview mit Wladimir Putin. Und ich hoffe, dass einige sich die Zeit genommen haben, diese Gespräche anzusehen. Der Beitrag war ja mit “Der amerikanische Partner” überschrieben, weil Putin diese Bezeichnung sehr oft als Synonym für die USA verwendete. Seitdem habe ich mir die Frage gestellt, warum eigentlich eine Partnerschaft zwischen den Vereinigten Staaten und Russland nicht möglich ist, und warum Europa und Deutschland in fast schon hündischer Vasallentreue an einer Spaltung festhalten. An ehrlichen Offerten – von Gorbatschow über Putins Rede im Bundestag 2001 bis zur Münchner (Un-)Sicherheitskonferenz 2007 – hat es in der Vergangenheit von russischer Seite ja nicht gefehlt und wie jetzt beim Streit um eine zweite Erdgaspipeline durch die Ostsee deutlich wird, ist es ein vitales Interesse der rohstoffarmen EU-Länder und allen voran Deutschlands, zuverlässig mit Energie versorgt zu werden. Ebenso ist es ein vitales Interesse des Rohstoffriesen Russland, diese Versorgung möglichst direkt und kostengünstig zu gewährleisten – eben durch die Ostsee, statt auf dem Landweg, wo die Anrainer mit Transitgebühren die Hand aufhalten oder, wie die Ukraine, den Stoff illegal gleich selbst abzapfen. Für Westeuropa und für Russland ist “Nord Stream 2” deshalb eine Win-Win-Situation – so wie es auch “South Stream” durchs Schwarze Meer gewesen wäre, deren Bau gestoppt wurde, nachdem Onkel Sam den armen Anrainern wie Bulgarien die Pistole auf die Brust gesetzt hatte.

Dass Kanzlerin Merkel und  Vize Gabriel wegen des Streits um die zweite Ostseeröhre es nun wagten, in Richtung Washington lautstark zu kläffen, zeigt, wie essentiell die Sache für den Industriestandort Deutschland ist.
Zur Lage in Pipelinistan hatte ich zuletzt hier und  hier etwas gebloggt – und das dort gezogene Resümee beantwortet die Frage, warum ein partnerschaftliches Verhätniss US/EU/RU so schwer möglich ist : “Dass die energiehungrige EU aus Regionen versorgt wird, die sich nicht dem Diktat des Imperiums beugen, läuft der Doktrin der “Full Spectrum Dominance” zu wider und wird von Washington als feindseliger Akt betrachtet.”  That’s it. “Kauft nicht beim Russen!” lautet die geopolitische Parole, kauft beim Kopf-Ab-Saudi und den wahabitischen Wickelmützen oder, noch besser, lasst euch direkt von uns versorgen: mit Fracking-Gas per Schiff – aber keinesfalls direkt und kostengünstig von eurem Osteee-Nachbarn Russland.

Dass selbst ökologisch und ökonomisch aberwitzige Projekte wie die Fracking-Gas-Verschiffung ernsthaft diskutiert werden, zeigt wie wichtig die Sache für die “einzige Weltmacht” ist: es kann und darf zwischen Europa und Asien, zwischen Deutschland und Russland, keinen friedlichen Handel und “Wandel durch Annäherung” (Willy Brandt) geben, weil dieses kontinentale Zusammenwachsen im ost-mitteleuropäischen “Herzland” – wie es einst der britische Geo-Stratege Mackinder nannte und sein jetzt verstorbener Schüler Zbig Brzeziński fortschrieb –  die unipolare Vormachtstellung der Vereinigten Staaten verhindert.
Um die und um nichts anderes gehts auch bei dem Streit um “Nord Stream 2”, sowie bei der gesamten grotesken Legende von russischen Aggressionen, Hackern, Wahlbeeinflussungen und der “Bedrohung” unserer “Demokratie” durch Putin – ein Spektakel, das nur dazu dient, eine gefährliche militärische Aufrüstung voranzutreiben. Dass sich schon die Kaiser Napoleon und Wilhelm sowie Herr Hitler äußerst blutige Nasen geholt haben als sie sich mit Mütterchen Russland anlegten scheint dem Westen als historische Lektion offenbar nicht genug, er ist gerade dabei – siehe dazu die lesenswerte Analyse von Dmitry Orlov – schlafwandelnd in einen nuklearen Konflikt zu geraten, den er ebenfalls niemals gewinnen kann. Die “Titanic” hatte das mit ihrem Titel im Mai 2017 schon sehr schön erfasst…

Der amerikanische Partner

Schon im Vorfeld wurde Oliver Stone als “Schoßhund der Diktatoren” geschmäht, schließlich hatte er schon Venezuelas Hugo Chavez und Fidel Castro porträtiert, und jetzt das: ein vierstündiges Interview mit der Ausgeburt des Ultrabösen, dem großen Manipulator der US-Wahlen, dem neuen “Hitler” (H.Clinton) und Teufel persönlich, Wladimir Putin. Nun ist Oliver Stone nicht nur einer der bedeutendsten Filmschaffenden unserer Zeit, sondern seit je auch politischer Kopf, der sich von derlei “Kritik” genanntem Geschwätz wenig beeindrucken läßt.  Und so ist er zwei Jahre lang immer wieder nach Moskau gereist, um insgesamt 20 Stunden lang mit dem russischen Präsidenten zu sprechen. Und der spricht nicht nur frank und frei, sondern Stone stellt auch alle wichtigen Fragen – zu russischen Hackern, zum Krieg in Syrien, zur Ukraine, zu den Rechten von Homosexuellen, zur Krim, zu Trump. Und Putin antwortet: unaufgeregt, konkret,  mal mit historischen Beispielen und Bögen, mal mit ganz aktuellen,  klar, kompetent, informiert, stets in sehr diplomatischen Ton. Und bestimmt hundert Mal, fast immer wenn von den USA die Rede ist, spricht er von “unseren amerikanischen Partnern”. Selbst wo es einmal um John McCain geht, einen der führenden Kriegstreiber und Hetzer im US-Senat, der ihn als “Verbrecher” beschimpft, sagt Putin: “Ach wissen sie, ich mag ihn irgendwie, das ist kein Witz.” Auch wenn es im Senat “unglücklicherweise” noch ein paar mehr solcher Senatoren gäbe, würde er diese Leute verstehen, sie glaubten, dass sie sich auf diese Weise für ihr Land einsetzten,  aber das sei  “Politik der alten Welt”.

Und Putin ist nicht nur “Neocon-Versteher”, in den vier Stunden, in den Stone ihn zu Wort kommen lässt wird deutlich, dass er grundsätzlich ziemlich viel verstanden hat  – auch darüber, dass  die aktuelle “Russiagate”-Affäre” letztlich nichts anderes ist, als ein innenpolitisches Werkzeug um Trump loszuwerden. Aber schon das – den als diabolischen Buhmann und aggressive Ausgeburt der Hölle deklarierten Präsidenten einfach mal zu Wort kommen, sich erklären zu lassen, ist den neuen kalten Kriegern, die Stone durch die Bank kritisieren, schon zuviel.

Am Ende der Gespräche fragt der Interviewte sein Gegenüber dann: „Wurden Sie schon mal in Ihrem Leben geschlagen?“ Stone gab zu, dass es schon mal passiert sei. „Dann sind sie bereit“, sagt Putin „Denn Sie bekommen eins ab“ und Stone antwortet: „Falls das zu mehr Frieden und Selbstbesinnung auf der Welt führt, dann lohnt es sich“.

Es lohnt in der Tat, sich diese vier Stunden anzusehen – und sich nicht dumm machen zu lassen,  etwa von der FAZ, die hier nur “einen Eishockey spielenden Macho, den sein Interviewer erfolgreich bei Laune halten kann” sieht, oder dem stets transatlantizistischen “Tagesspiegel”, der die Rezension des 4-Stunden-Films mit dem Hinweis schließt, dass schließlich auch Oliver Stones Sohn für “rt” arbeite, also ein “Sprachrohr des Kremls” sei. Wozu natürlich auch yours truly als  diplomierter Putinversteher zählt, der nach Ansicht dieses Fims zugeben muss, dass sein Verständnis für den russischen Präsidenten zwar nicht in Verehrung umgeschlagen ist, aber doch in Hochachtung. Gäbe es eine Castingshow “Planet Erde sucht den Superpräsidenten” , bei der alle Regierenden der G-20-Staaten von einem informierten Interviewer wie Oliver Stone so  ausführlich befragt würden,  wäre ziemlich sicher, dass Wladimir Putin die globale TED-Abstimmung haushoch gewinnen würde. Und das nicht wegen der Allgegenwart russischer Hacker…

Die Dokumentation wird in Deutschland auf Sky ausgestrahlt, mit englischen Untertiteln ist sie auf youtube zu finden

Blackout is beautifull

Gerade  hatte ich im Buch über “König Donald” noch über ihn geschrieben, als historisches Beispiel im Zusammenhang mit Donalds Boykott bestimmter Presseorgane –  “… König Obama ignorierte zum Beispiel “Fox” und auch der berühmte King Kohl, der Ziehvater von Königin Angela, den man “Birne” nannte und der mit “Bimbes” gefüttert werden musste, sprach nie mit dem “Spiegel”…  – da ist es passiert:  Helmut Kohl, der “Kanzler der Einheit” ist tot. Zuletzt schrieb ich 1999 über ihn und gelobte  mich künftig “in Abgesängen auf unseren Oggersheimer Mega -Kanzler” zu hüten. Möge er nunmehr in Frieden ruhen:

“Ist er nicht klasse, unser Bimbeskanzler ? – wie er die beleidigte, nein, die entrüstete Pfälzer Leberwurst gibt, wenn er auf seine Kontenführung und justiziable Kleinigkeiten wie Bestechlichkeit oder Steuerhinterziehung angesprochen wird. Am liebsten – so schien es letzte Woche im ZDF beim freundlichen Verhör durch Klaus Bresser – würde er seine Hosentaschen nach außen krempeln, um zu beweisen, dass nix drin ist. Weil er nie was in die eigene Tasche gesteckt hat. Das glauben wir unbesehen – und auch, daß sein Oggersheimer Häuschen kein Luxusschloß ist oder er sich anderswo so was zugelegt hat, von all den Korruptions-Millionen. Nein, nein – die sind alle, bis auf den letzten Pfennig der Firma, der Partei, der Demokratie, der Bundesrepublik Deutschland,dem Wohl der Menschen „draußen im Lande“ zu gute gekommen. Wer etwas anderes als derlei blühende Unschuld vermutet, der ist an einem „Feldzug“ (Kohl) gegen den Kanzler der Einheit beteiligt und zieht dessen „historischen Verdienste“ (Schäuble) in den Schmutz. So einfach ist das. Von Unrechtsbewußtsein keine Spur, daß es ein „schlimmer Fehler“ eine Million von einem Waffenschieber anzunehmen, hat Kohl eingeräumt, aber kriminell und korrupt, darf das kein Journalist nennen, da geht der schwarze Riese in die Luft – und seine Günstlinge üben sich in Denkmal-Restauration. „Alles was ich bin, bin ich durch Helmut Kohl“, kündete des Kanzlers „Mädchen“ Angela Merkel noch bei ihrer Wahl zur Generalsekretärin – von ihr und den anderen Nespoten zu erwarten, daß sie den Mythos des Riesenstaatsmanns entzaubern, ist zu viel verlangt. Und auch gar nicht notwendig- Kohl beamt sich durch sein Verhalten selbst auf das Niveau zurück, dem er entstammt und das er nie verlassen hat: das des machtbesessenen, aber intelektuell und charakterlich unterbelichteten Provinzfürsten. Dass er den „Mantel der Geschichte“ im rechten Moment erhascht hat und ihm, wie dem dümmsten Bauer die dickste Kartoffel, die Wiedervereinigung in den Schoß fiel, hat diese Wahrheit nur ein paar Jahre verstellt. Als am Tag des Mauerfalls vor zehn Jahren Kohl und die Seinen beim Absingen des Deutschlandlieds vor dem Schöneberger Rathaus hundertausendfach ausgepfiffen wurden, schrieb ich in der taz einen Kommentar, daß damit die Ära Kohl nun wohl endgültig und gottseidank beendet sei. Das war weit gefehlt und seitdem hüte ich mich in Abgesängen auf unseren Oggersheimer Mega -Kanzler. Immerhin ahnte ich schon, als vier Wochen später Schalk-Golodokowski sowie Korruption und Schwarzarbeit in der DDR Thema zum Thema wurde, daß unter dem dem Flick-Skandal-gestählten Kohl auch alles wie geschmiert weiter laufen könnte. (…) Mittlerweile wissen wir , wo unter anderem diese kriminelle Wiedervereinigung stattfand: auf den Schwarzkonten des Herrn Weyrauch, der die Millionen mit Seriosität schwängerte und gewaschen an Kohl weitergab. Die Firma CDU, die 1989 noch mit über 40 Millionen in der Kreide stand, war innerhalb kürzester Zeit saniert. Aber daran kann sich Kohl – jede Wette!,– nicht mehr erinnern. Spendenbelege müssen nur sechs Jahre lang aufbewahrt werden. Für alles, was vor 1993 lief, gilt das alte Kohl-Motto: Blackout is beautifull.”

Die Hanfpioniere aus der Uckermark

Die Genossenschaft „Hanffaser Uckermark“ will Hanf wieder als Baustoff etablieren – was auch zwanzig Jahre nach der Relegalisierung des Nutzanbaus 1996 noch schwere Pionierarbeit ist. Ein Besuch.

Auf 430 Hektar reckt sich in diesem Juni eine Pflanze in den Himmel der Uckermark, die nicht nur größer wird als alle anderen Nutzpflanzen auf den Feldern ringsum, sondern im Unterschied zu ihnen auch keinerlei Herbizide oder Pestizide benötigt. Die Rede ist natürlich von Hanf, der zur Ernte im September bis zu vier Meter in die Höhe gewachsen sein wird, um dann geschnitten auf den Feldern zu trocknen. „Dann brauchen wir ein paar Tage Regen und einen goldenen Oktober“, sagt Rainer Nowotny, der Chef der Genossenschaft „Hanffaser Uckermark“, mit Blick auf die Ernte und den Rohstoff, der dann in die Hanffabrik am Ortseingang von Prenzlau eingefahren wird.
Mit den Landwirten der Region haben die Hanfgenossen auch in diesem Jahr wieder Verträge geschlossen, wobei sie nicht nur die Abnahme der Hanfernte garantieren, sondern die Bauern auch bei den immer noch aufwendigen notwendigen Formalitäten, beim Bezug genehmigten Saatguts und bei den technischen Aspek­ten der Ernte unterstützen.
Letzteres stellte nach der Relegalisierung des Nutzhanfanbaus in Deutschland 1996 das größte Problem dar: Um die robusten, hohen Pflanzen zu ernten, reichten herkömmliche Mäh- und Schneidegeräte nicht aus. Dies war die Geburtsstunde der großen Hanferntemaschine, die Rainer Nowotny und seine Leute entwickelten und die heute auf allen Feldern der Genossenschafts,- und Vertragsbauern das Mähen übernimmt.

Bis zu 12 Tonnen getrocknete Biomasse erbringt ein Hektar Hanf, und wie zum Niedermähen des grünen Dschungels braucht es auch zur Gewinnung der Fasern besondere Kraft. Die in gepressten Ballen bei der Hanffabrik angelieferten Stängel müssen gebrochen und durch Schwingen und Schaben von Resten des Stängelkerns, den Schäben, befreit werden. In früheren Zeiten geschah dies per Hand mit einfachen hölzernen Geräten – und wenn den Fasern dann noch hölzerne Reste anhafteten, sahen die daraus gewonnen Textilien eben „schäbig“ aus. Heute erledigt das Brechen und Schwingen des Hanfs ein Koloss von Maschine, 2 Meter breit und fast 100 Meter lang. In der ersten Etappe werden die Stängel gebrochen, danach auf vielen Metern gebürstet und geschüttelt, wobei die herausfallenden hölzernen Reste auf der ganzen Strecke abgesaugt werden. Am Ende der lauten und staubigen Prozedur liegen dann die beiden Endprodukte der Hanffabrik Uckermark vor: Hanffasern und Schäben – Baustoffe par exellence.

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