100 Jahre JFK (7): 50 Gründe

Zum 50. Jahrestag der Ermordung John F.Kennedys brachte BlackOpRadio die Dokumentations-Serie “50 Reasons For 50 Years” heraus – für alle, die mein gerade in einer aktualisierten Neuauflage erschienenes Buch “JFK – Staatsstreich in Amerika” gelesen haben, bieten diese Episoden die Möglichkeit, bestimmte Aspekte des Falls noch einmal in Bild und Ton zu vertiefen. Und für alle Nicht-Leser erschließt sich hoffentlich, warum dieser Mord bis heute große Bedeutung hat. Hier zur Einführung die erste Folge, alle weiteren unter diesem Link:

Das Hanfbuch – wie alles anfing

Vor 30 Jahren, im Sommer 1987, landete die Urfassung von “The Emperor Wears No Clothes – Hemp and the Marijuana Conspiracy”  von Jack Herer auf meinem Schreibtisch bei der taz. Das sehr alternativ und hippiemäßig aufgemachte Werk enthielt gleichwohl zahlreiche Fakten und Dokumente aus der Geschichte des Hanfs und seines Verbots in den 1930er Jahren, die mir bis dahin unbekannt waren. Als ich dann von der Zeitschrift “Transatlantik” den Auftrag für eine Reportage über die Cannabis-Szene bekam, zitierte ich in meinem Text –  “Kleine Kulturgeschichte der nützlichsten Pflanze der Welt” (PDF, 3,8 MB) – einige dieser Informationen und versuchte dann, bewaffnet mit diesem Artikel, einen Verlag für eine Übersetzung des Buchs zu finden. Doch die größeren Verlage sagten schon ab, wenn die nur das Wort Marihuana hörten, den kleinen, alternativen war eine Übersetzung zu aufwändig  und so schlummerte die Idee von einer Wiederentdeckung des Hanfs in Deutschland über Jahre in meinem Büchregal.
Ein Zufall – oder ein Zauber der Hanfgöttin – änderte das erst 1992, als Zweitausendeins-Chef Lutz Kroth mich bei der Buchmesse zu einem Abendessen ins Interconti einlud bei dem unter anderen  auch die amerikanischen Agenten des Comiczeichners Robert Crumb dabei waren. Als nach dem perfekten Dinner einer von ihnen meinte, jetzt fehle eigentlich nur noch ein kleiner Joint konnte ich mit diesem Nachtisch aushelfen, für den wir uns kurz auf den Hof verdrückten. Zurück an der Bar kam das Gespräch auf Hanf, ich erwähnte die Buchidee, die auch Zweitausendeins vor Jahren nicht wollte und Lutz erinnerte sich nicht mehr und bat darum, ihm die Sache nochmal zu schicken. Zwei Wochen später telefonierten wir –  “Wir würden es machen, wenn du es herausgibst und ergänzt.” – “Ich würde es machen, wenn ihr es auf Hanfpapier druckt.” – und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Neun Monate später, im Juli 1993, erschien die erste Auflage von “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf.” Gedruckt auf Hanfpapier, mehr als doppelt so umfangreich wie Jack Herers Urtext und ergänzt durch eine Studie des Katalyse-Instituts. Die hatte der Verlag angefordert als ich das Manuskript geliefert hatte – um die Glaubwürdigkeit des Ganzen zusätzlich noch wissenschaftlich zu unterstreichen und abzusichern. Dass eine Pflanze derart vergessen, verboten und verbannt sein konnte, die hochwertige Nahrungsmittel, Textilien, Baumaterial, Papier und Medizin liefert, die keinerlei Pflanzenschutzmittel benötigt, die in jedem Klima wächst und eine Vielzahl der ökologischen Probleme des Planeten lösen kann, schien einfach unglaublich. Aber es war und ist wahr. Und auch wenn einiges davon mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist – das Buch liegt in der 43. Auflage vor  –  ist es nach wie vor ein gigantischer Skandal, dass Menschen wegen dieser Pflanze gejagt werden und in Gefängissen sitzen. Im Mutterland der Hanf-Prohibtion USA ist man – auch dank dieses Buchs – mittlerweile dabei, diesen Wahnsinn zu beenden. Es wird Zeit, dass dies in Deutschland und Europa auch geschieht.

100 Jahre JFK (6): Wie ein geheimer “Back Channel” mit Russland den Atomkrieg verhinderte

Wo dem derzeitigen US-Präsidenten Trump gerade vorgeworfen wird, dass er Geheimnisse an Russland verraten haben soll, scheint eine Erinnerung daran interessant, wie ein geheimer Kontakt John F. Kennedys mit dem russischen Staatschef einst einen Atomkrieg verhinderte. Nachdem im Oktober 1962 Fotos des U2-Aufklärungsflugezeugs gezeigt hatten, dass auf Kuba Abschussrampen für Mittelstreckenraketen installiert wurden, begannen die wohl aufregendsten 10 Tage seiner Amtszeit. Eine Krisensitzung jagte die andere und sowohl die Chefs der Armee plädierten für einen Militärschlag gegen Kuba, wie auch  sämtliche Mitglieder der Regierung  – außer seinem Bruder Robert und Verteidigungsminister McNamara. Der Air Force Chef Curtis LeMay provozierte Kennedy mit dem Hinweis, ein Nichteingreifen  sei “genauso übel wie die Beschwichtigung in München” (nach der Hitler die Tschechoslowakei überfiel) – aber JFK lies sich nicht provozieren. Hier dazu ein Auszug aus “JFK – Staatsstreich in Amerika” (S.65 f.)
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Whistleblower Trump ?

Dass  es sich bei “Russiagate” – der Behauptung dass russische Hacker Hillary zu Fall gebracht hätten und Trump von Putin auf den Thron gehievt worden wäre – um  gequirlten Bullshit handelt, ist den aufmerksamen Leserinnen und Lesern dieses Blogs sicher nicht entgangen. Ebensowenig wie die Tatsache, dass die Mainstreammedien von dieser Fake News einfach nicht lassen wollen und sie ständig weiter köcheln.  Frische Zutaten für die Gerüchteküche werden dabei aus den Tiefen des Staats geliefert, wo anonyme “senior officals”  Material an ihre Medienlautsprecher durchsickern lassen, die sie dann umgehend als Top News verbraten. Stets vorneweg die “Washington Post”, die jetzt die Welt mit der Super-Sensation versorgt, das Trump “hochsensible Geheimnisse” an “die Russen” verraten hätte. Bei  einem Treffen mit dem russischen Außenminister Lawrow soll der Präsident diesem etwas  über geplante Angriffe der IS-Terroristen gesteckt haben. Woher die WaPo und ihre anonymen Offiziellen wissen wollen, was im Oval Office geredet wird, lassen wir mal dahin gestellt, wenn sie es aber wirklich wissen können die Geheimnisse so “hochsensibel” eigentlich nicht sein, sonst dürften irgendwelche “Offizielle” und gar Zeitungsredakteure sie ja gar nicht kennen und schon gar nicht dann auch noch veröffentlichen. Anders als der Präsident selbst, der erzählen darf was er will ohne sich des Geheimnisverrats schuldig zu machen.

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Die Blume der Demeter

Heute war das neue Heft von “Lucy’s Rausch” in der Post, die nunmehr fünfte Ausgabe des “Gesellschaftsmagazins für psychoaktive Kultur”. Darin auch  ein ausführlicher Essay von mir –  “Die Sirenen von Eleusis – Die Wiederentdeckung der Seele durch die europäische Opium-Moderne” – über die Geschichte des Mohns von der lebensspendenen “Blume der Demeter” bis zur “Todesdroge” Heroin von heute. Hier ein kurzer Auszug. “Lucy” ist im gut sortierten (Buch-)Handel sowie direkt beim Nachtschattenverlag erhältlich.

Mit der Zerstörung des Tempels von Eleusis durch christliche Barbaren im 5. Jahrhundert ist das Ende der minoisch-griechischen „Naturreligion“ markiert. In den Jahrhunderten davor, der Phase des Niedergangs der griechisch-römischen Kultur, war die heilige Blume der Demeter schon profanisiert worden und hatte sich als „little helper“ im Alltag des Großbürgertums durchgesetzt. In den Mohnfeldern von Mekone, wo nach der Prometheus-Sage das erste Treffen von Göttern und Menschen stattfand, wird jetzt Doping und Medizin für den Alltag produziert. Auch die persischen Soldaten Alexanders des Großen erhalten vor dem Kampf eine kleine Dosis gegen ihre Angst und in Rom schreibt Petronius über den Verfall der Sitten, dass man sich vollstopft „mit den süßen Pillen aus Mohnsaft, die Freude und heitere Ruhe verheißen.“ Die Schriftsteller sind diesem Zustand besonders zugeneigt: Horaz, Vergil und Junvenal galten ebenso als Opiumfreunde wie der Philosoph Plotin (205-270) – und sie wissen, wie alle User dieser Zeit, sehr wohl zu unterscheiden zwischen der narkotisierenden, betäubenden Seite des Opium-Rauschs – und seiner inspirierenden, Seele und Geist öffnenden Qualität.

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100 Jahre JFK (6): Regime Change von Innen

Zum Erscheinen der aktualisierten Neuausgabe von “JFK – Staastsstreich in Amerika”  hatte Markus Klöckner mir für die Nachdenkseiten im März einige Fragen gestellt.

Herr Bröckers, Sie haben ein Buch über die Ermordung von John F. Kennedy veröffentlicht, das gerade mit einem aktualisierten Nachwort erschienen ist.
Warum beschäftigen Sie sich noch mit dem Anschlag auf JFK? Schließlich ist das alles schon lange her und auch aufgeklärt – wenn man den Behörden Glauben schenkt.

Aufgeklärt ist es eben nicht, schon die zweite offizielle Untersuchung durch das „House Select Commitee of Assasinations“ (HSCA) in den 1970er Jahren stellte fest, dass der „Warren Report“ von 1964, der in 26 Bänden die Einzeltäterschaft von Lee Harvey Oswald beweisen wollte, nicht der Wahrheit entsprechen kann. Seitdem haben zahlreiche Forscher viele weitere Indizien zusammengetragen, dass Oswald genau das war, was er nach seiner Festnahme bekannte: „Ich bin der Sündenbock hier.“

Wie lautet denn Ihre Kernthese in Sachen JFK?

Die steht im Titel des Buchs „Staatsstreich in Amerika“ und besagt, dass weder der Mord an JFK, noch der an seinem Bruder Robert F. Kennedy noch der an Martin Luther King die Taten „verrückter“ Einzelgänger waren. Die wichtigsten Führer einer demokratischen, bürgerrechtlichen Politik wurden innerhalb weniger Jahre eliminiert, kein Hintergrund dieser Morde wurde wirklich aufgeklärt, präparierte Sündenböcke wurden abgeurteilt oder wie im Fall Oswald von Auftragskillern eliminiert. Diese Morde waren ein regime change von innen, sie konnten nicht so ausgeführt und so vertuscht werden wie es geschah ohne die engste Kooperation mit Geheimdiensten und Polizei.

Können Sie für uns skizzieren, woran Sie festmachen, dass Kennedy nicht das Opfer eines Alleintäters war?

Eigentlich muss man ja nur die berühmten Sekunden des Zapruder-Films anschauen, wie Kennedys Kopf von dem Geschoß getroffen wird – nicht von hinten, von wo Oswald angeblich gefeuert haben soll, sondern seitlich von vorne. Liest man dazu die Aussage des schräg hinter JFKs Limousine fahrenden Motoradpolizisten, dass sein Helmvisier von Blut und Gehirmasse bespritzt wurde, kann der tödliche Schuss nicht von hinten gekommen sein. Deshalb wurde der Warren-Kommission auch nicht der farbige Film gezeigt, sondern nur eine schlechte und bearbeitete Schwarz-Weiß-Kopie gezeigt. Mit dem Original und dieser Aussage wäre völlig klar geworden, dass Oswald, der angeblich aus dem 5. Stock des Buchlagers schoss, nicht der Todesschütze sein konnte.

Das ganze Interview hier.

Ken Jebsen hat in der jüngsten Ausgabe von “MMM” auf das Buch und die Bedeutung des Falls JFK noch einmal hingewiesen.

100 Jahre JFK (5): Long Road From JFK to Pizzagate

Der Titel “The Long Road From JFK to Pizzagate” schreckt ja erst Mal ab – die auf wilden Spekulationen beruhenden Theorien über einen Pädophilen-Ring in einer Pizzeria in Washington zusammenzurühren mit den von vielen ernsthaften Historikern und Forschern seit Jahrzehnten dokumentierten Zweifeln an Lee Harvey Oswald als Mörder JFKs. Aber das Verfahren hat leider Methode. Immerhin kommt in diesem Beitrag Jeff Morley zu Wort, der seit Jahren gegen die CIA um die Freigabe von Akten klagt und den unbedingt lesenswerten Blog JFK Facts betreibt. Im Herbst erscheint seine Biographie des berüchtigten CIA-Gegenspionage-Chefs James Jesus Angleton, das wie schon David Talbots Werk über Allen Dulles (Das Schachbrett des Teufels) zu einer Pflichtlektüre für Kennedy-Interessierte werden dürfte.

Russiagate geplatzt,Trump feuert FBI-Chef

Trump feuert FBI-Chef Comey wegen angeblichen Fehlern bei den Ermittlungen der Clinton-Emails ? Weil Comey diese Untersuchungen im Juli 2016 zuerst geschlossen hatte – was von republikanischer Seite scharf kritisiert wurde – und er sis dann kurz vor dem Wahltermin wieder aufgenommen hatte, war sein Rücktritt von Hillary Clinton und ihrem Lager lautstark gefordert worden, doch Trump hatte den FBI-Direktor im Amt bestätigt. Warum also jetzt die Entlassung in einer überraschenden Blitzaktion ?
Während das Weiße Haus auf die Empfehlungen des Justizministeriums verweist, denen der Präsident gefolgt wäre, schießen auf der Gegenseite die Verschwörungstheorien ins Kraut: “Es scheint, als seien diese Ermittlungen zu nahe ans Oval Office gekommen”, sagte der demokratische Senator Ed Markey im Sender CNN. Der progressive MSNBC-Kommentator Chris Matthews sprach vom “Geruch des Faschismus”.  Die New York Times bringt die Parallele “Watergate” und Nixons Entlassung des damaligen Chefermittlers ins Spiel.Weiterlesen →

100 Jahre JFK(4): “When They Killed JFK They Killed America”

Paul Craig Roberts war während der Kennedy-Administration ein White House Fellow, einer jener jungen Leute, die für ein Jahr im Executiv-Büro des Präsidenten arbeiten und die Welt der großen Politik kennenlernen dürfen. Später arbeitete er als stellvertretender Finanzminister für die Regierung Ronald Reagans, als Mitherausgeber des “Wall Street Journals” und Dozent zahlreicher Universitäten. Dr.Roberts als sehr kenntnisreichen Insider der Machtstrukturen Washingtons zu bezeichnen ist sicher nicht übertrieben und insofern hat es Gewicht wenn er sagt “When They Killed JFK They Killed America”:

From his experience with the Bay of Pigs, Cuban Missile Crisis, and the Joint Chiefs’ “Operaton Northwoods,” Kennedy concluded that CIA Director Allen Dulles and Chairman of the Joint Chiefs of Staff General Lemnitzer were both crazed by anti-communism and were a danger to Americans and the world.
Kennedy removed Dulles as CIA director, and he removed Lemnitzer as Chairman of the Joint Chiefs, thus setting in motion his own assassination. The CIA, the Joint Chiefs, and the Secret Service concluded that JFK was “soft on communism.” So did the Bill Buckley conservatives.
JFK was assassinated because of anti-communist hysteria in the military and security agencies.
The Warren Commission was well aware of this. The coverup was necessary because America was locked into a Cold War with the Soviet Union. To put US military, CIA, and Secret Service personnel on trial for murdering the President of the United States would have shaken the confidence of the American people in their own government.
Oswald had nothing whatsoever to do with JFK’s assassination. That is why Oswald was himself assassinated inside the Dallas jail before he could be questioned.
Kennedy intended to pull the US out of Vietnam once he was reelected. He intended to break up the CIA “into one thousand pieces” and curtail the military-security complex that was exploiting the US budget.
And that is why he was murdered.

Den jungen Menschen, die keine Vorstellung von John Kennedy haben, empfiehlt er  seine Rede über Geheimgesellschaften: “Do yourselves favor and listen to this 5 minute, 23 second speech. Try to imagine anyone among the current dolts giving a speech like this. Look how much is said so well in less than 5 and one-half minutes.”
In der Tat – und zusammen mit seiner Rede vor der American University in Washington im Juni 1963  sind dies die Worte – denen er Taten folgen lassen wollte – die ihn das Leben kosteten.

Bis zum Geburtstag John F. Kennedys am 29. Mai werden hier in loser Folge weitere Beiträge über den Mord und seine Nicht-Aufklärung erscheinen.