100 Jahre JFK – Der Kampf um Aufklärung geht weiter

Der 100. Geburtstag von John F. Kennedy heute ist einmal mehr ein Datum, an dem er als einer der „großen“ Präsidenten der Vereinigten Staaten in Erinnerung gerufen wird – so wie es 2013 zum 50. Jahrestag seiner Ermordung im November 1963 geschah. Für die Historiker und Forscher indessen, die das Leben und vor allem das ungeklärte Sterben des 35. Präsidenten der USA im Blick haben, ist nicht der Geburtstag am 29. Mai, sondern der 26. Oktober das wichtigste Datum des Jahres 2017. Der im Oktober 1992 erlassene „JFK Records Act“, ein Gesetz zur Veröffentlichung sämtlicher Dokumente und Akten im Zusammenhang mit dem Attentat, hatte dem „National Archive“ eine Frist von 25 Jahren gesetzt, dieser Verpflichtung nachzukommen und diese Frist läuft am 26. Oktober 2017 ab. Dann werden 3.571 bisher unbekannte Dokumente und 34.000 weitere veröffentlicht, die bisher nur in redigierter Form und mit Schwärzungen zugänglich waren – es sind die letzten aller noch im Archiv befindlichen Unterlagen zur Ermordung Kennedys. Auch wenn die Leiterin des Projekts beim Nationalarchiv, Martha Murphy, gegenüber dem „Time“ – Magazin bekundete, dass die meisten Dokumente „von geringem Wert“ und entscheidende Akten, wie die CIA-Files über Oswald, schon länger veröffentlicht seien, und auch wenn das unabhängige „Assassination Records Review Board“ (ARRB) in den 1990er Jahren unter den damals vorgelegten Papieren nichts Relevantes entdeckte, erwarten zahlreiche Historiker die Veröffentlichung mit größtem Interesse. Nicht weil sie auf irgendeinem vergessenen Notizzettel eine „smoking gun“, den unwiderlegbaren Beweis, zu finden hoffen, sondern weil sich unter diesen vielen tausend Seiten womöglich einige entscheidende Puzzlesteine befinden, die Lücken eines schon bestehenden, recht deutlichen Bildes füllen können – nämlich dass Oswald kein Einzeltäter war.

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“Seth Rich was A Hero”

Am 10. Juli 2016 wurde der 27jährige Seth Rich, IT-Mitarbeiter des DNC, der Zentrale der demokratischen Partei, in Washington D.C. auf dem Weg nach Hause zweimal in den Rücken geschossen. Obwohl ihm weder Geldbörse noch seine teure Uhr entwendet wurden stufte die Polizei den Fall als Raubmord ein. In seiner Wohnung konfiszierte das FBI sein Laptop, dessen Verbleib bis heute unklar ist. Letzte Woche behauptete ein Privatermittler auf FOX News, der den Fall untersucht und auf sich einen anonymen Kontakt beim FBI berief – was er später widerrief – dass sich auf diesem Computer Beweise finden, dass es Seth Rich war, der Wikileaks tausende DNC-Emails zukommen lies.
Schon im Dezember hatte der ehemalige britische Botschafter Craig Murray mitgeteilt, dass diese Mails nicht gehackt, sondern geleakt wurden und er den Leaker persönlich getroffen habe. (“It’s a Leak, not a Hack!”).  Wie Julian Assange nannte auch Craig Murray keinen Namen, da der Quellenschutz für Wikileaks essentiell ist, aber ein Motiv: für das Leck aus der Parteizentrale seien die rüden Methoden gewesen, mit denen der populäre Bernie Sanders von der Clinton-Maschine aus dem Rennen geboxt wurde. Dass Wikileaks nach dem Mord eine Belohnung von 20.000 $ für Hinweise auf den Täter ausgesetzt hatte war ein recht deutliches Zeichen, dass der Ermordete etwas mit der Sache zu tun hatte.
Seit Samstag nun twittert der Mega-Upload-Gründer Kim Schmitz aka Kim Dotcom, dass er Beweise dafür hätte, das Seth Rich in den DNC-Leak involviert gewesen ist. In seinem heute veröffentlichten Statement  (“Seth Rich was a Hero!”) bekundet er, mit Rich unter dem Nick-Name “Panda” seit 2014 in Kontakt gewesen zu sein – und dass auf diesem Kontakt auch seine im Mai 2015 in einem Bloomberg-Interview getroffene Aussage beruht habe, dass Wikileaks 2016 “Hillary Clintons schlimmster Alptraum” werden würde.

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100 Jahre JFK (7): 50 Gründe

Zum 50. Jahrestag der Ermordung John F.Kennedys brachte BlackOpRadio die Dokumentations-Serie “50 Reasons For 50 Years” heraus – für alle, die mein gerade in einer aktualisierten Neuauflage erschienenes Buch “JFK – Staatsstreich in Amerika” gelesen haben, bieten diese Episoden die Möglichkeit, bestimmte Aspekte des Falls noch einmal in Bild und Ton zu vertiefen. Und für alle Nicht-Leser erschließt sich hoffentlich, warum dieser Mord bis heute große Bedeutung hat. Hier zur Einführung die erste Folge, alle weiteren unter diesem Link:

Das Hanfbuch – wie alles anfing

Vor 30 Jahren, im Sommer 1987, landete die Urfassung von “The Emperor Wears No Clothes – Hemp and the Marijuana Conspiracy”  von Jack Herer auf meinem Schreibtisch bei der taz. Das sehr alternativ und hippiemäßig aufgemachte Werk enthielt gleichwohl zahlreiche Fakten und Dokumente aus der Geschichte des Hanfs und seines Verbots in den 1930er Jahren, die mir bis dahin unbekannt waren. Als ich dann von der Zeitschrift “Transatlantik” den Auftrag für eine Reportage über die Cannabis-Szene bekam, zitierte ich in meinem Text –  “Kleine Kulturgeschichte der nützlichsten Pflanze der Welt” (PDF, 3,8 MB) – einige dieser Informationen und versuchte dann, bewaffnet mit diesem Artikel, einen Verlag für eine Übersetzung des Buchs zu finden. Doch die größeren Verlage sagten schon ab, wenn die nur das Wort Marihuana hörten, den kleinen, alternativen war eine Übersetzung zu aufwändig  und so schlummerte die Idee von einer Wiederentdeckung des Hanfs in Deutschland über Jahre in meinem Büchregal.
Ein Zufall – oder ein Zauber der Hanfgöttin – änderte das erst 1992, als Zweitausendeins-Chef Lutz Kroth mich bei der Buchmesse zu einem Abendessen ins Interconti einlud bei dem unter anderen  auch die amerikanischen Agenten des Comiczeichners Robert Crumb dabei waren. Als nach dem perfekten Dinner einer von ihnen meinte, jetzt fehle eigentlich nur noch ein kleiner Joint konnte ich mit diesem Nachtisch aushelfen, für den wir uns kurz auf den Hof verdrückten. Zurück an der Bar kam das Gespräch auf Hanf, ich erwähnte die Buchidee, die auch Zweitausendeins vor Jahren nicht wollte und Lutz erinnerte sich nicht mehr und bat darum, ihm die Sache nochmal zu schicken. Zwei Wochen später telefonierten wir –  “Wir würden es machen, wenn du es herausgibst und ergänzt.” – “Ich würde es machen, wenn ihr es auf Hanfpapier druckt.” – und so nahmen die Dinge ihren Lauf.
Neun Monate später, im Juli 1993, erschien die erste Auflage von “Die Wiederentdeckung der Nutzpflanze Hanf.” Gedruckt auf Hanfpapier, mehr als doppelt so umfangreich wie Jack Herers Urtext und ergänzt durch eine Studie des Katalyse-Instituts. Die hatte der Verlag angefordert als ich das Manuskript geliefert hatte – um die Glaubwürdigkeit des Ganzen zusätzlich noch wissenschaftlich zu unterstreichen und abzusichern. Dass eine Pflanze derart vergessen, verboten und verbannt sein konnte, die hochwertige Nahrungsmittel, Textilien, Baumaterial, Papier und Medizin liefert, die keinerlei Pflanzenschutzmittel benötigt, die in jedem Klima wächst und eine Vielzahl der ökologischen Probleme des Planeten lösen kann, schien einfach unglaublich. Aber es war und ist wahr. Und auch wenn einiges davon mittlerweile ins öffentliche Bewusstsein gedrungen ist – das Buch liegt in der 43. Auflage vor  –  ist es nach wie vor ein gigantischer Skandal, dass Menschen wegen dieser Pflanze gejagt werden und in Gefängissen sitzen. Im Mutterland der Hanf-Prohibtion USA ist man – auch dank dieses Buchs – mittlerweile dabei, diesen Wahnsinn zu beenden. Es wird Zeit, dass dies in Deutschland und Europa auch geschieht.

100 Jahre JFK (6): Wie ein geheimer “Back Channel” mit Russland den Atomkrieg verhinderte

Wo dem derzeitigen US-Präsidenten Trump gerade vorgeworfen wird, dass er Geheimnisse an Russland verraten haben soll, scheint eine Erinnerung daran interessant, wie ein geheimer Kontakt John F. Kennedys mit dem russischen Staatschef einst einen Atomkrieg verhinderte. Nachdem im Oktober 1962 Fotos des U2-Aufklärungsflugezeugs gezeigt hatten, dass auf Kuba Abschussrampen für Mittelstreckenraketen installiert wurden, begannen die wohl aufregendsten 10 Tage seiner Amtszeit. Eine Krisensitzung jagte die andere und sowohl die Chefs der Armee plädierten für einen Militärschlag gegen Kuba, wie auch  sämtliche Mitglieder der Regierung  – außer seinem Bruder Robert und Verteidigungsminister McNamara. Der Air Force Chef Curtis LeMay provozierte Kennedy mit dem Hinweis, ein Nichteingreifen  sei “genauso übel wie die Beschwichtigung in München” (nach der Hitler die Tschechoslowakei überfiel) – aber JFK lies sich nicht provozieren. Hier dazu ein Auszug aus “JFK – Staatsstreich in Amerika” (S.65 f.)
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Whistleblower Trump ?

Dass  es sich bei “Russiagate” – der Behauptung dass russische Hacker Hillary zu Fall gebracht hätten und Trump von Putin auf den Thron gehievt worden wäre – um  gequirlten Bullshit handelt, ist den aufmerksamen Leserinnen und Lesern dieses Blogs sicher nicht entgangen. Ebensowenig wie die Tatsache, dass die Mainstreammedien von dieser Fake News einfach nicht lassen wollen und sie ständig weiter köcheln.  Frische Zutaten für die Gerüchteküche werden dabei aus den Tiefen des Staats geliefert, wo anonyme “senior officals”  Material an ihre Medienlautsprecher durchsickern lassen, die sie dann umgehend als Top News verbraten. Stets vorneweg die “Washington Post”, die jetzt die Welt mit der Super-Sensation versorgt, das Trump “hochsensible Geheimnisse” an “die Russen” verraten hätte. Bei  einem Treffen mit dem russischen Außenminister Lawrow soll der Präsident diesem etwas  über geplante Angriffe der IS-Terroristen gesteckt haben. Woher die WaPo und ihre anonymen Offiziellen wissen wollen, was im Oval Office geredet wird, lassen wir mal dahin gestellt, wenn sie es aber wirklich wissen können die Geheimnisse so “hochsensibel” eigentlich nicht sein, sonst dürften irgendwelche “Offizielle” und gar Zeitungsredakteure sie ja gar nicht kennen und schon gar nicht dann auch noch veröffentlichen. Anders als der Präsident selbst, der erzählen darf was er will ohne sich des Geheimnisverrats schuldig zu machen.

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Die Blume der Demeter

Heute war das neue Heft von “Lucy’s Rausch” in der Post, die nunmehr fünfte Ausgabe des “Gesellschaftsmagazins für psychoaktive Kultur”. Darin auch  ein ausführlicher Essay von mir –  “Die Sirenen von Eleusis – Die Wiederentdeckung der Seele durch die europäische Opium-Moderne” – über die Geschichte des Mohns von der lebensspendenen “Blume der Demeter” bis zur “Todesdroge” Heroin von heute. Hier ein kurzer Auszug. “Lucy” ist im gut sortierten (Buch-)Handel sowie direkt beim Nachtschattenverlag erhältlich.

Mit der Zerstörung des Tempels von Eleusis durch christliche Barbaren im 5. Jahrhundert ist das Ende der minoisch-griechischen „Naturreligion“ markiert. In den Jahrhunderten davor, der Phase des Niedergangs der griechisch-römischen Kultur, war die heilige Blume der Demeter schon profanisiert worden und hatte sich als „little helper“ im Alltag des Großbürgertums durchgesetzt. In den Mohnfeldern von Mekone, wo nach der Prometheus-Sage das erste Treffen von Göttern und Menschen stattfand, wird jetzt Doping und Medizin für den Alltag produziert. Auch die persischen Soldaten Alexanders des Großen erhalten vor dem Kampf eine kleine Dosis gegen ihre Angst und in Rom schreibt Petronius über den Verfall der Sitten, dass man sich vollstopft „mit den süßen Pillen aus Mohnsaft, die Freude und heitere Ruhe verheißen.“ Die Schriftsteller sind diesem Zustand besonders zugeneigt: Horaz, Vergil und Junvenal galten ebenso als Opiumfreunde wie der Philosoph Plotin (205-270) – und sie wissen, wie alle User dieser Zeit, sehr wohl zu unterscheiden zwischen der narkotisierenden, betäubenden Seite des Opium-Rauschs – und seiner inspirierenden, Seele und Geist öffnenden Qualität.

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100 Jahre JFK (6): Regime Change von Innen

Zum Erscheinen der aktualisierten Neuausgabe von “JFK – Staastsstreich in Amerika”  hatte Markus Klöckner mir für die Nachdenkseiten im März einige Fragen gestellt.

Herr Bröckers, Sie haben ein Buch über die Ermordung von John F. Kennedy veröffentlicht, das gerade mit einem aktualisierten Nachwort erschienen ist.
Warum beschäftigen Sie sich noch mit dem Anschlag auf JFK? Schließlich ist das alles schon lange her und auch aufgeklärt – wenn man den Behörden Glauben schenkt.

Aufgeklärt ist es eben nicht, schon die zweite offizielle Untersuchung durch das „House Select Commitee of Assasinations“ (HSCA) in den 1970er Jahren stellte fest, dass der „Warren Report“ von 1964, der in 26 Bänden die Einzeltäterschaft von Lee Harvey Oswald beweisen wollte, nicht der Wahrheit entsprechen kann. Seitdem haben zahlreiche Forscher viele weitere Indizien zusammengetragen, dass Oswald genau das war, was er nach seiner Festnahme bekannte: „Ich bin der Sündenbock hier.“

Wie lautet denn Ihre Kernthese in Sachen JFK?

Die steht im Titel des Buchs „Staatsstreich in Amerika“ und besagt, dass weder der Mord an JFK, noch der an seinem Bruder Robert F. Kennedy noch der an Martin Luther King die Taten „verrückter“ Einzelgänger waren. Die wichtigsten Führer einer demokratischen, bürgerrechtlichen Politik wurden innerhalb weniger Jahre eliminiert, kein Hintergrund dieser Morde wurde wirklich aufgeklärt, präparierte Sündenböcke wurden abgeurteilt oder wie im Fall Oswald von Auftragskillern eliminiert. Diese Morde waren ein regime change von innen, sie konnten nicht so ausgeführt und so vertuscht werden wie es geschah ohne die engste Kooperation mit Geheimdiensten und Polizei.

Können Sie für uns skizzieren, woran Sie festmachen, dass Kennedy nicht das Opfer eines Alleintäters war?

Eigentlich muss man ja nur die berühmten Sekunden des Zapruder-Films anschauen, wie Kennedys Kopf von dem Geschoß getroffen wird – nicht von hinten, von wo Oswald angeblich gefeuert haben soll, sondern seitlich von vorne. Liest man dazu die Aussage des schräg hinter JFKs Limousine fahrenden Motoradpolizisten, dass sein Helmvisier von Blut und Gehirmasse bespritzt wurde, kann der tödliche Schuss nicht von hinten gekommen sein. Deshalb wurde der Warren-Kommission auch nicht der farbige Film gezeigt, sondern nur eine schlechte und bearbeitete Schwarz-Weiß-Kopie gezeigt. Mit dem Original und dieser Aussage wäre völlig klar geworden, dass Oswald, der angeblich aus dem 5. Stock des Buchlagers schoss, nicht der Todesschütze sein konnte.

Das ganze Interview hier.

Ken Jebsen hat in der jüngsten Ausgabe von “MMM” auf das Buch und die Bedeutung des Falls JFK noch einmal hingewiesen.

100 Jahre JFK (5): Long Road From JFK to Pizzagate

Der Titel “The Long Road From JFK to Pizzagate” schreckt ja erst Mal ab – die auf wilden Spekulationen beruhenden Theorien über einen Pädophilen-Ring in einer Pizzeria in Washington zusammenzurühren mit den von vielen ernsthaften Historikern und Forschern seit Jahrzehnten dokumentierten Zweifeln an Lee Harvey Oswald als Mörder JFKs. Aber das Verfahren hat leider Methode. Immerhin kommt in diesem Beitrag Jeff Morley zu Wort, der seit Jahren gegen die CIA um die Freigabe von Akten klagt und den unbedingt lesenswerten Blog JFK Facts betreibt. Im Herbst erscheint seine Biographie des berüchtigten CIA-Gegenspionage-Chefs James Jesus Angleton, das wie schon David Talbots Werk über Allen Dulles (Das Schachbrett des Teufels) zu einer Pflichtlektüre für Kennedy-Interessierte werden dürfte.