5
Feb, 2016

My jsme ti dobří

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“Wir sind die Guten”  ist jetzt auch in tschechischer Sprache erhältlich : “My jsme ti dobří – Názory toho, kdo se snaží chápat Putina aneb jak námi média manipulují”.

3
Feb, 2016

Nationen und Nationalismus

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27.01.16 21:03-BildschirmkopieOoops, mit dem letzten Stimmungsbericht  über die allgemeine Erregungsbereitschaft habe ich  etwas getroffen, obwohl ich überhaupt nicht gezielt hatte. In  einigen mails und Kommentaren auf Telepolis  stößt meine Kritik an Kategorien wie “Nation” oder “Volk” auf Widerspruch oder Unverständnis. Hier zur weiteren Erläuterung zum Thema “Nationen und Nationalismus” ein kleiner Auszug aus dem im März erscheinenden Buch:

“(…) Dass das Nationale als Kitt, als Integrationsklebstoff so hervorragend funktioniert, ändert indessen nichts daran, dass es im Kern hohl und leer ist. Es versammelt eine solche Vielfalt unterschiedlichster Interessengruppen, Lebensvorstellungen, politischer Auffassungen und regionaler Kulturen, dass jede Definition eines „typischen“ Nationalcharakters zum Scheitern verurteilt ist. Beziehungsweise zum Rückgriff auf Klischees und Stereotypen gezwungen, die keiner empirischen Überprüfung standhalten. Was auch für unscharfe Begriffe wie „Kulturnation“ gilt.(1)

Die heutigen Nationalstaaten verdanken ihr Territorium nicht dem Willen ihrer Bewohner, eine Sprach- und Kulturgemeinschaft zu bilden, sondern Eroberungen, Gebietsverlusten, Hochzeiten oder Erbfolgen. Weshalb am Ende von dem ganzen Popanz „Nation“ nur ein bunter Wimpel bleibt, eine Fahne, die zum Heiligtum erklärt und deren „Beleidigung“ unter Strafe gestellt wird.

So sehr die heimatliche Verbundenheit mit einer Herkunftsregion, ihrer Landschaft und Lebensart, ihren kulturellen und kulinarischen Gewohnheiten, eine positive Identifikation ermöglicht, so wenig an echten Identifikationsmöglichkeiten hat eine Nation zu bieten. Deshalb ist der Nationalismus stets angewiesen auf die Überhöhung eines imaginierten „Eigenen“ – inklusive heiliger Symbole und Beschwörung einer ruhmreichen Vergangenheit – bei gleichzeitiger Abwertung und Ausgrenzung des „Anderen“..

Mit der Deklaration von zivilisierten „Kulturvölkern“ und minderwertigen „Wilden“ oder arischen „Übermenschen“ und lebensunwerten „Untermenschen“ hat dieser Nationalismus in den letzten Jahrhunderten auf mörderische Art gewütet – und die „Allgemeine Deklaration der Menschenrechte“ nach dem letzten großen Schlachten des 2. Weltkrieg hat seitdem allenfalls eine dünne Membran Völkerverständigung geschaffen, nicht aber eine allgemeine Abkehr von nationalistischem Denken und Handeln. So ist auch in Europa der Nationalismus in Form von rechtsnationalen Parteien überall wieder auf dem Vormarsch, der mit der Schaffung einer übernationalen Gemeinschaft, der Europäischen Union, eigentlich längst überwunden sein sollte. Und doch wird die nostalgische Beschwörung des Nationalstaats als Hort der Einigkeit und der Wohlfahrt – gegen die kalte Luft der „Globalisierung“ und die übelwollenden Nachbarn/Russen/Chinesen/ Amis/Moslems/You name it – weiter erfolgreich als Krisenbewältigungsstrategie verkauft. Und so einmal mehr darüber hinweggetäuscht, dass die eigentlichen Grenzen nicht zwischen Völkern und Nationen verlaufen, sondern zwischen Oben und Unten. (-> Verteilung). (…)
(1) Selbst überragende Geister wie Immanuel Kant schreckten in Sachen „Nationalcharakter“ nicht vor Klischees zurück: „Wenn die Araber gleichsam die Spanier des Orients sind, so sind die Perser die Franzosen von Asien.“ ( „Beobachtungen über das Gefühle des Schönen und Erhabenen“, S. 252) und argumentieren auf ähnlichen Niveau wie Karl May: „Der Türke an sich ist bieder und ehrlich.“ („Von Bagdad nach Stambul“, S. 5). Über solche Stereotypen kommen auch neuere Behauptungen eines „Nationalcharakters“ nicht hinaus. Was typisch ist und was Menschen unterscheidet, sind regionale Eigenschaften, Traditionen, Dialekte – und da ist der Bayer am Alpenrand näher an östereichischer oder schweizerischer Kultur als an der von Friesen oder Brandenburgern. Ein gesamtdeutscher „Typ“ oder „Charakter“ existiert nicht. Es gibt das Rechtsgebiet „Bundesrepublik Deutschland“, zu dem sich die verschiedenen Länder zusammengeschlossen haben, ein Grundgesetz und ein Fähnchen. Sowie die Fußball-Nationalmannschaft, mit Boateng, Kedira, Özil …”

Auszug aus: Sven Böttcher/Mathias Bröckers: Die ganze Wahrheit über alles, Westendverlag, März 2106

2
Feb, 2016

Erregungsbereitschaft und Schießbefehl

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Ein guter Freund schrieb mir am vorletzten Wochenende: “Ich war am Donnerstag auf einer Veranstaltung zum Füchtlingsunterbringung am Tempelhofer Feld und war erschrocken über die Erregungsbereitschaft von Menschen, die sich für intellektuell halten. Die anwesenden Politiker wurden kaum argumentativ angegangen, sondern immer wieder höhnend, johlend, beleidigend an den Pranger gestellt. Unter aufbrandendem Beifall und im Scheinwerferlicht. Intelligente Polemik und gutes Kabarett ist etwas anderes…. Es wird gefährlich, wenn differenzierte Argumentationen und Politiker, die sich mit unpopulären Kleinsterfolgen und Kompromissen von Sitzung zu Sitzung schleppen, von großsichtigen Schreibtischtätern und skandierenden Straßendemonstranten ins mediale Abseits gedrängt werden.”

Dieser Stimmungsbericht  kommt nicht aus dem tiefbraunen Sachsen, sondern aus der direkten Nachbarschaft der grün-alternativen Hochburg Kreuzberg – und auch wenn die Besucher der Veranstaltung sicher nicht alle aus dem links-grünen Wählerspektrum stammten, ist die zitierte “Erregungsbereitschaft” aktuell doch ein  weit verbreitetes Symptom. Vor allem, wie mir scheint, bei älteren Männern und auch bei solchen, die man mal für intelektuell und  scharfsinnig hielt. Botho Strauss etwa, der sich in seiner uckermärkischen Klause zum “letzten Deutschen” stilisiert, Rüdiger Safranski, der sich  empört, mit Flüchtlingen “Deutschland zu fluten” oder Peter Sloterdijk, der den  “Souveränitätsverzicht” beklagt und sich von einer  Überrollung bedroht sieht.

Warum nutzen einst durchaus freie, kosmopolitische Geister auf ihre alten Tage die Freiheit des Denkens nicht, sondern rudern stattdessen  zurück in nationale völkische Enge, wie kommt es, dass saturierte und etablierte Intellektuelle sich in ihrer wohl geheizten Schreibstube plötzlich vor dem Islam fürchten und den Untergang des Abendlands schon vor der Tür sehen ? Spricht hier –  wie in den von Klaus Theweleit analysierten  Flut- und Fließmetaphern der Freikorpsliteratur und ihren  Vorstellungen von Bedrohung und Entmenschlichung – einmal mehr der Strom eines Unbewußten, der schon für die Konstitution des faschistischen Mannes prägend war ? Oder handelt es sich nur um ein Erregungs-Syndrom alter Säcke, die sich – zumal nach dem Sylvester-Hype um viril-aggressive “junge Männer” – ins präsenile Abseits gedrängt fühlen ?

Wenn schon gestandene Denker und Weltdeuter sich Fluten, Schwemmen, Wellen und  Ströme einbilden  – und implizit nach dem Retter rufen wenn sie “Merkel muß weg!” fordern – muß sich über prekäre Pegidisten, die  Flüchtlingsheime angreifen und einen starken Führer herbeisehnen, niemand mehr  wundern. Wie auch, wenn nicht einmal die Großdenker zu den eigentlichen Ursachen des Problems irgendetwas zu sagen haben, sondern sich nur darüber mokieren, dass hierzulande die Symptome nicht schnell genug beseitigt werden ?  Zu den Kriegen, die die Massenfluchten auslösten, hat man von den gelehrten Herrn jedenfalls keinen  empörten Widerspruch gehört. Wer aber über Bomben und Drohnen nicht sprechen will, sollte über die davor Fliehenden schweigen. Und wer die mit deutscher Unterstützung geführten Kriege für notwendig hält und stillschweigend billigt, der muss die Konsequenzen tragen. Wer Grenzen schließen will muß schießen – auf alles was sich bewegt, denn anders lassen sich Grenzen nicht schließen. Wer sich Flüchtlinge aussuchen will, muß Selektionsrampen eröffnen: die Guten in’s Töpfchen, die Schlechten ins Mittelmeer.

“Wer Menschheit sagt, will betrügen”  wandte einst der Staatstheoretiker und Nazi Carl Schmitt gegen die Behauptung einer universellen Ethik und allgemeiner Menschenrechte ein, der rechts-konservative Philosoph Arnold Gehlen kritisierte dann in den 1960ern die Existenz einer “Hypermoral” und eines “Humanitarismus”, der die Menschenliebe über den Erhalt ordnungsstiftender Institutionen stelle. Auf dieser Linie argumentieren jetzt auch die oben genannten Intellektuellen und auch ohne sich zu diesen Ahnherren explizit zu bekennen bleibt ihnen nichts anderes, als in deren hypertrophierte Trutzburgen – Nationalstaat und Volk – zurückzurudern. Als ob das Signum “Nation” oder “Volk” nicht ebenso zum Betrug und Missbrauch genutzt wurde , wie Missionen im Namen der “Menschheit” zum aktuellen Menschenrechts-Bellizismus  ausgeartet sind. Nicht die “Willkommens-Kultur” ist deshalb als Hypermoral zu kritisieren, sondern die hypermoralistische Perfidie, mit der “Menschenrechte” permanent vorgeschoben und missbraucht werden, um Macht,-und Geschäftsinteressen mit Krieg durchzusetzen. Solange sich gegen diese Politik keine Erregung breit macht, solange unter dem Fähnchen der universellen Gesinnungsethik  “Menschenrechte” mit Bomben verbreitet werden, solange können “Verantwortungsethiker” zu Hause nur an den Symptomen herumpfuschen. Dafür braucht es in der Konsequenz, da hat die AfD-Dame Storch durchaus recht,  den Schießbefehl an der Grenze.

(Dieser Beitrag ist auch auf Telepolis erschienen)

30
Jan, 2016

Wir brauchen dringend Obergrenzen!

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Wir brauchen dringend Obergrenzen
Zum Beispiel für Exportlizenzen
Von all dem deutschen Kriegsgerät
Das weltweit Mord und Terror sät.

Ebenfalls für Obergrenzen
Sprechen landesweit Tendenzen
Dass Mieten gen unendlich gleiten
Ohne Deckelung beizeiten

Auf Rundfunk,- und TV-Frequenzen
Ist Höchstbedarf an Obergrenzen
Für Lücken, Lügen, Lobbyisten
Parteien, Kirchen, Pseudo-Christen

Auch für die Boni unserer Banker
Braucht’s einen soliden Anker
Die Krise hat jetzt Konsequenzen:
Beim Top-Gehalt gibt’s Obergrenzen.

Auch müssen Obergrenzen her
Für umweltschädlichen Verkehr
Statt Ausweitung der Blechlawine
Mehr Investment in die Schiene.

Die Zerstörung der Natur
Kann mit Obergrenzen nur
Für Müll und giftige Chemie
Beendet werden. Oder nie.

Was heißt wir brauchen dann in Gänze
Auch so was wie ne Obergrenze
Für Shopping, Wachstum und Konsum
Denn sonst bringen wir uns um

Nur beim Asyl ist es nicht schwer
Asyl mit Grenzen ist keins mehr.
Weil ein Asyl mit Obergrenzen
Leben gefährdet, Existenzen

Wer da nun fordert “Grenzen schließen!”
Mit dem Befehl sofort zu schießen
Unterschreitet allemal
Die Untergrenzen der Moral.

26
Jan, 2016

Chips oder Trips ?

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Als ich eben den Nachruf auf Marvin Minsky las, einen der Pioniere der “Künstlichen Intelligenz”, der 88-jährig verstorben ist, erinnerte ich mich an einen denkwürdigen Abend, den ich mit ihm und einigen weiteren Referenten der “ars electronica” – William Gibson, Jaron Lannier, Bruce Sterling und Timothy Leary  – 1990 in einer Kneipe in Linz verbracht hatte. Und die Tage davor und danach auf einer interessanten Konferenz über virtuelle Welten. Minskys Vorhersagen zur KI und einem Interface von Computer und Gehirn hatte ich seitdem als unsinnig abgespeichert, und mich nur noch an den lustigen Streit erinnert, den er in der Kneipe mit Leary ausfocht: wer denn nun der verrücktere Professor sei – er, der zwecks Bewusstseinserweiterung eher auf  Maschinen/Computer (Chips) oder Leary, der eher auf Pilze/LSD (Trips) setzt.

Viel mehr als diese Anekdote kam mir nicht ins Gedächtnis über diese Konferenz vor mehr als einem Vierteljahrhundert, bis mir dämmnerte, dass ich dort auch länger mit Jaron Lannier gesprochen und einige Monate später in Kalifornien seine VR-Maschinen ausprobierte, und auch noch ein Gespräch mit William Gibson geführt und über all das einen längeren Artikel geschrieben hatte. Und siehe da: obwohl das Internet wie wir es kennen noch nicht vorhanden war, war die “taz” schon digital und hat (aus ihrer Ausgabe vom 18.9,1990) alles fein säuberlich im Archiv festgehalten. Hier also ein quasi archäologischer Report aus der Frühzeit des “Cyberspace”, mit dem dieser Begriff  wahrscheinlich zum ersten Mal überhaupt in der deutschen Tagespresse auftauchte:

Postsymbolische Kommunikation
Digitale Träume, virtuelle Welten, Cyberspace – auf dem Symposion der “ars electronica” in Linz wurde das Medium des 21. Jahrhunderts vorgestellt  

Technologie und Underground
Ein Gespräch mit dem Erfinder des kybernetischen Weltraums, William Gibson  

24
Jan, 2016

“Wir sind die Guten” als Taschenbuch

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wsdg-coverIm Piper-Verlag erscheint  jetzt die Taschenbuchausgabe von “Wir sind die Guten” “, für die wir ein aktuelles  Vorwort geschrieben haben. Daraus hier ein Auszug:

“Dass wir uns im Herbst 2014 mit dem Untertitel dieses Buchs der Fraktion der „Putinversteher“ zuordneten, war nicht einer besonderen Sympathie für den russischen Präsidenten geschuldet, sondern geschah als ironische und provokative Antwort auf die propagandistische Diskreditierung dieses Begriffs. Ähnlich wie einst beim Erstarken der Frauenbewegung mit mackerhafter Attitüde als „Frauenversteher“ abgekanzelt wurde, wer die feministischen Argumente akzeptierte, so wurde im Zuge des Ukraine-Konflikts als „Putin-“ oder „Russland-Versteher“ abgemeiert, wer die Argumente und Ansichten der russischen Seite ernst nahm. Dieser dumpfen Einseitigkeit entgegen zu wirken, von der wir auch große Teile der etablierten Medien erfasst sahen, war der Anlass für dieses Buch. Und unser Outing als „Putinversteher“ die Antwort auf die Reduzierung dieses Konflikts auf den Kampf gegen einen gefährlichen, aggressiven, skrupellosen Mann – Wladimir Putin – und einen gegen dieses personifizierte Böse kämpfenden Westen, der nur hehre Ziele verfolgt. Gegen diese des-informierende, anti-aufklärerische Vereinfachung richtete sich unser Buch – mit Informationen und Hintergrundanalysen, die uns für eine objektive sachliche Beurteilung unverzichtbar schienen, von der allgemeinen Berichterstattung aber ignoriert oder ausgespart wurden. Dass diese Leerstelle tatsächlich existierte – auch wenn sich die etablierten Medien von ARD und ZDF abwärts bis heute keiner Schuld bewusst sind – bescherte „Wir sind die Guten“ den unerwarteten Erfolg von 20 Wochen in der Bestsellerliste und 10 Auflagen innerhalb eines Jahres. Und dies, obwohl sich diese etablierten Medien mit den Thesen und Analysen des Buchs kaum auseinandersetzten – wie es Stefan Niggemeier, Medienjournalist der FAZ, beklagte:

„Es stellt viele unbequeme Fragen, an die Rolle der Amerikaner und des Westens im Ukraine-Konflikt – vor allem aber auch an die Medien, die diese Rolle so wenig hinterfragen. (…) es hinterlässt umso mehr das Gefühl, dass es hier eine Leerstelle gibt in der Berichterstattung der etablierten Medien. Und dieses Gefühl wird dadurch verstärkt, dass es in eben jenen Medien keine große Auseinandersetzung gibt über das Buch. Dass es nicht als Anlass gesehen wird, sich mit den Fragen, die es aufwirft, auseinanderzusetzen – und sei es, sie nüchtern und klar zu beantworten und der Analyse zu widersprechen.”

Dass der Widerspruch gegen unsere Analysen entweder ausblieb, oder sehr oft unsachlich (am tollsten trieb es Reinhold Veser in der FAZ: “Volksverhetzung”! ) und unklar ausfiel – auf der Website zum Buch ( www.putinversteher.info ) haben wir viele Rezensionen dokumentiert und kommentiert – könnte als Beleg dafür betrachtet werden, dass unsere Argumente eben nicht so einfach zu widerlegen und damit vom Tisch zu wischen sind.”

(…) read more…

18
Jan, 2016

Wahnsinn mit Methode

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nato_logo_nord_atlantische_terror_organisation_qpressDas “Council On Foreign Relations” (CFR), eine Denkfabrik, der man wahrlich keinen Anti-Amerikanismus nachsagen kann, hat neue Zahlen zum “Great War On Terror”(GWOT) veröffentlicht. Danach haben die USA im Jahr 2015 mehr als  23.000 Bomben über sechs muslimischen Ländern abgeworfen, davon allein 22.100 über Syrien und Irak. Während das Pentagon behauptet, dabei seien 25.000 IS-Kämpfer  getötet worden, gehen CIA und CFR, die ihre Zahl 2014 auf 30.000 schätzten, dass sie nach wie vor etwa 30.000 beträgt: “To summarize the anti-Islamic State bombing calculus: 30,000 – 25,000 = 30,000.”

Womit wir die in diesem Blog seit je und bis zum Gähnen wiederholte Feststellung (“Verschwörungstheorie!”) , dass Krieg gegen den Terror diesen nicht verhindert, sondern produziert und eben deshalb geführt wird, einmal mehr und live in action erleben. Er ist für den “militärisch-industriellen Komplex”, vor dem Präsident Eisenhower in seiner Abschiedsrede 1961 so eindringlich warnte, eine geradezu perfektes Perpetuum Mobile:  ein ungewinnbarer Krieg ohne definiertes Ziel und ohne Exit-Strategie, der seine Ursache immer wieder selbst erzeugt und sich so die nötige Energie – ein nie versiegendes Budget – verschafft. Als Generator dieser Energie fungieren Furcht und Schrecken der Bevölkerung, weshalb dem  Geheimdienst,- und Kriegsapparat noch eine “Kirche der Angst” zugeordnet ist, ein Medienapparat, der den Schrecken des Terrors multimedial inszeniert und die Alternativlosigkeit des “Kriegs gegen Terror” predigt.

Und so kommt es, dass der Wahnsinn von 23.000 Bomben auf sechs Länder, von denen keines die Vereinigten Staaten oder die Nato in irgendeiner Weise angegriffen hat, diesem Medienapparat allenfalls eine Kurzmeldung wert ist – und nicht, wie es sich für einen derart mörderischen Wahnsinn gehörte, wochenlang Schlagzeilen. Zumal die Folgen dieses Wahns nicht nur irgendwo weit weit weg zu spüren sind, sondern ihre Opfer bis nach Deutschland flüchten. Was zu Problemen führt, die landauf landab heiß debattiert werden – wohingegen die Ursachen und Auslöser dieser Probleme kein Thema sind. Sonst müßte dieser Bombenterror, an dem sich jetzt auch noch die Bundeswehr beteiligt, in die Hauptnachrichten, “Brennpunkte”, “Bild”-Titelseiten. Tut er aber nicht. Womit wir noch ein anderes Phänomen einmal mehr live und in action erleben: unsere Lückenpresse.

17
Jan, 2016

Brummbär R.I.P.

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brummbär

“Ausgeflippt”, “abgefuckt”, “angetörnt”…. diese Worte gab es im Deutschen nicht, bis Bernd Brummbär Ende der 60er Jahre  in Frankfurt auftauchte. Zuvor war er einige Jahre als Pflastermaler, “Gammler” und Prä-Hippie durch Europa gezogen, schließlich in Kalifornien gelandet und hatte dort einige Freaks kennengelernt, deren Werke er in Form eines großen Stapels mitgebracht hatte: Underground-Comics. Jörg Schröder, der gerade dabei war, den auf Judaica spezialisierten Meltzer-Verlag auf politische und literarische Avantgarde (“März-Verlag”) umzukrempeln, veröffentlichte die Head-Comix  und Fritz the Cat  von Robert Crumb, herausgegeben und  übersetzt von Brummbär, der damit nicht nur für die Entdeckung dieser anarchischen und freizügigen Comics sorgte, sondern auch den Slang, das Idiom der kalifornischen Counterculture in Deutschland einführte. Und wie Crumbs auf Sex in allen Varianten geiler Kater  waren es bei Gilbert Sheltons Fabulous Fury Freak Brothers die Drogen (»Man kommt besser mit Gras über Zeiten ohne Geld als mit Geld über Zeiten ohne Gras!«), das Unerhörte, das das Establishment schockierte und die Protestgeneration zum Kichern brachte- und diese neuen Worte in ihren Alltag.

Zurück in Kalifornien arbeitete Brummbär als Illustrator, Filmaustsatter und Regisseur, bis er in 1980ern erneut zu einem Pionier wurde, dieses Mal im Bereich der digitalen Animation und Computergraphik. Er gestaltete Computerspiele  wie “Darkseed” (zusammen mit H.R.Giger), arbeitete mit Autoren wie Timothy Leary, John Lilly und William Gibson und produzierte Grafik und Spezialeffekte für viele Filme, wobei er sich, wie Wikipedia notiert, ” durch seinen psychedelischen, dissoziativen und halluzinogenen Stil auszeichnet.” In den phantastischen fraktalen 3-D-Landschaften, die er in seinen Videos (hier und hier) erschuf, sah Brummbär allerdings keine Fabrikationen, sondern ein Möglichkeit zu sehen, was tatsächlich da ist, er sei nur, sagte er in einem Interview, der Berichterstatter (“I’m reporting”).

Über seine  Zeit als “Gammler” in den frühen 60ern hat er in einem autobiographischen Buch berichtet, das Werner Pieper 2011 herausgebracht hat. 2003 erkrankte Brummbär an Krebs, kam aber wieder auf die Beine, referierte 2006 auf dem Kongress zum 100. Geburtstag des LSD-Entdeckers Albert Hofmann, und arbeitete weiter. Am Wochenende ist Brummbär in Los Angeles gestorben und hat sich dahin aufgemacht, wo er seinem verstorbenen Freund Tim Leary schon auf der Spur war: “Where in the Universe is Timothy Leary?”

13
Jan, 2016

Fischer im Recht

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Dass Thomas Fischer mein “Kolumnist des Jahres” ist, hatte ich ja unlängst anläßlich seines Plädoyers für die Drogenlegalisierung hier schon mal angemerkt. Aber “Kolumnist” ist eigentlich noch eine Nummer zu klein, denn die im Januar 2015 gestartete “Zeit”-Serie “Fischer im Recht”, die der Senatsvorsitzende am Bundegerichtshof und Verfasser des “offiziellen” Kommentars zu deutschen Strafrecht scheinbar nebenbei und mit links schreibt, ist um Klassen besser als alles, was die offiziell bestallten und hochbezahlten “Qualitätsjournalisten” hierzulande abliefern. Weshalb Prof.Dr.Fischer ohne Frage der Titel “Journalist des Jahres” gebührt – was insofern paßt, als angesichts der zur “Lückenpresse” verkommenen der Medien die Rolle der  “vierten Gewalt” derzeit ja quasi vakant ist. Und jetzt zumindest eine Spitzenkraft der Judikative die Lücken füllt. Wobei ich  nach seiner jüngsten Kolumne zum Kölner Sylvesterkarneval  “Unser Sexmob”  dafür plädieren würde, einem Durchblicker wie Fischer am Besten auch noch die Legislative zu überlassen. Der Alarmismus und Aktivismus den die Politik nach den Vorfällen an den Tag legt deutet nämlich auch hier auf eine tragische Vakanz. Und das nicht erst seit Sylvester.

Man kann, schreibt Fischer,  “den Führern unserer großen deutschen Parteien einfach nur recht geben: Schluss mit der politisch motivierten Schonung von Ausländern! Knallharte Verfolgung nordamerikanischer Verbrecher, die das Gastrecht in Ramstein missbrauchen! Konsequente Ermittlung gegen ausländische Täter, die gegen Recht und Gesetz die Telekommunikation deutscher Frauen abhören! Sofortige Entlassung der Innen- und Justizminister, die es aus politischer Opportunität unterlassen haben, mit der ganzen Härte des Rechtsstaats gegen die Taten von Ausländern einzuschreiten, die von deutschem Boden aus menschenrechtswidrige Entführungen oder Folterungen organisierten, anordneten oder durchführten!
“Ich sage: Null Toleranz gegenüber kriminellen Ausländern!”, sprach Sigmar Gabriel. “Es geht darum, alle Möglichkeiten des internationalen Rechts auszuloten, um kriminelle Ausländer in ihre Heimat zurückzuschicken.”

Die ganze Kolumne unbedingt hier lesen

 

 

12
Jan, 2016

Lob der Deadline

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we-wahrheit-Cover-120dpi-rgbEine segensreiche Einrichtung dieser Welt ist der Redaktionsschluß, auch Deadline genannt, obwohl niemand stirbt – außer dem Text, den man schreibt und der dann nicht wie geplant erscheinen kann.  Oder überhaupt nicht, wenn er für die Zeitung des nächsten Tages vorgesehen war. Deadlines setzen den Schreiber unter Druck, was aber (zumindest für mich) sein Gutes hat, weil ich sonst nie fertig würde. Das Denken und Schreiben gegen die Uhr zwingt zur Konzentration und Reduktion: aus der Suppe (des Recherchierten, Gefundenen, Gedachten) muß gleichsam ein Maggiwürfel werden. Ein Auschnitt der Welt, codiert durch kleine Mundgeräusche (Worte) die in Zeichen (Buchstaben) übersetzt sind, aus denen im Kopf des Lesers dann wieder ein Bild, ein Panorama dieses Auschnitts der Welt entsteht – und idealerweise all die Assoziationen, Zusammenhänge und Querverbindungen, die beim Reduktionsprozess des Textens eingedampft wurden,  “zwischen den Zeilen” erfahrbar bleiben. Alles nicht so einfach, aber letztlich auch nur ein Handwerk, das  dem Geübten dann auch meist leicht von der Hand geht.

Obwohl dieser Blog 2004 mal als “Writersblog” startete, hatte ich noch nie einen “writers block”, sofern damit gemeint ist, dass man weiß was man schreiben will aber keine oder nur die falschen Worte findet. Weiß man’s nicht hat es nichts mit dem Schreiben zu tun, sondern mit dem Wissen. Und weil das prinzipiell nie reicht und es dauernd noch Neues zu entdecken gibt, und Details und Feinheiten und ganz andere Sichtweisen und Perspektiven, wäre ich ohne Deadline verloren. Denn irgendwann muss das Suchen und Sammeln und Lernen und Entdecken aufhören und Text produziert werden, sonst wird das nie was. Und was es dann wird, ist immer eine Momentaufnahme: ok, jetzt ist genug gegraben, jetzt werden die  Nuggets ans Tageslicht gefördert und aufpoliert. In kleine Mundgeräusche, Worte, Buchstaben verwandelt und… verkauft. Von irgendwas muß der Stollenkumpel ja leben und nachdem ich mit dem Kollegen Sven Böttcher schon seit einigen Jahren im Bergwerk der Wahrheit rumbuddele, dachten wir, dass es jetzt an der Zeit wäre, die ganze Wahrheit über alles ans Tageslicht zu befördern.

Und zwar von A (wie Arbeit) bis Z (wie Zuwanderung), mit (fast) allem, was dazwischen relevant ist (also z:B. : Banken, Demokratie, Erderwärmung, Familie, Kapitalismus, Maschinen, Nationen, Netz, Ressourcen, Schulden, Verschwörungstheorien, Waffen…). Damit kommt man natürlich nie ans Ende, aber weil der Westend-Verlag dankenswerter eine Deadline gesetzt hat, ist jetzt Schicht im Schacht. Ein bißchen Politur und Korrektur müssen noch sein, aber wir können melden: Just Another Job Well Done. Wie gut entscheiden natürlich letztlich die werten Leserinnen und Leser, die in der Buchhandlung ihres Vertrauens das Werk jetzt schon vorbestellen können, um es am 17. März gleich zu lesen,  wir aber, soviel kann ich mit Sportskamerad Bötttcher sagen, haben auf jeden Fall “unser Bestes gegeben”. Sowohl mit den Eingeständnissen des fatalen Scheiterns unserer Generation, als auch mit der Suche nach Auswegen für die nach uns kommende. Es ist ein Buch für unsere Kinder und Enkel. “Erwachsene”, also Pfeifen in unserem Alter, mit denen kein Staat mehr zu machen ist, müssen es nicht lesen. Dürfen aber…

31
Dec, 2015

Die ganze Wahrheit über alles

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Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins neue Jahr und für 2016 Gesundheit, Freiheit und Glück. Hier als kleiner Sylvestergruss das Cover des nächsten Streichs, den ich mit meinem Kumpel Sven Böttcher (aka Christian C. Walther aka 50 % John S. Cooper) gerade angerichtet habe. Und der soeben (fast) fertig wurde und Mitte März im Westend-Verlag erscheint (mehr dazu in der Verlagsvorschau 2016). “Die ganze Wahrheit über alles” – drunter machen wir’s einfach nicht mehr….

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30
Dec, 2015

Fnord Jahresrückblick 2015

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Immer ein kleines Highlight auf dem alljährlichen CCC-Treffen ist der satirische Jahresrückblick von Fefe und Frank Rieger. Viele weitere interessante Vorträge vom 32. “Chaos Commuication Congress”, der heute in Hamburg zu Ende geht und mittlerweile einer der größten Hacker-Events weltweit ist, finden sich hier.

27
Dec, 2015

Von Maulhuren und Aufklärern

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30.11.15 22:26-Bildschirmkopie

Der Blog “Propagandaschau”, den ich sehr gerne lese, auch wenn er mir manchmal etwas zu rustikal poltert, was angesichts der für sich selbst sprechenden Fundstücke der Desinformation gar nicht nötig wäre, ruft zur Online-Wahl der “Maulhuren” und “Aufklärer” des Jahres 2015 auf. Das ich selbst unter letzteren nominiert bin ( UPDATE:… und 12. im Brummwettbewerb wurde! :-) ) ist erleichternd, denn als Journalist  und Fußsoldat der “Lügenpresse” weiß man ja heutzutage nie… und ich selbst bin mir ehrlich gesagt gar nicht sicher, ob nicht auch die Kategorie “Maulhure” passend wäre. Denn als freier Autor muss man nun mal Geld für gute Worte verlangen, was nichts anderes ist als seine Dienste auf dem Markt feilzubieten.

Das liegende und das lügende Gewerbe  liegen strukturell nicht weit auseinander, weshalb ich mir von amerikanischen “Aufklärern” schon öfter das Wortspiel  “Pre$$titutes” geborgt haben. Klingt ein wenig eleganter als “Maulhure”, sagt aber letztlich dasselbe. Prostitutierte und Pre$$tituierte haben gemeinsam, dass man ihnen mit gesetzlichen Verboten nicht beikommt, weshalb sie in den westlichen Ländern meist legal operieren können  und als Mitglieder der Presse sogar unter besonderem gesetzlichen Schutz stehen. Dass freilich die garantierte “Pressefreiheit” immer auch  “Lügenpressefreiheit” bedeutet,  wird bei Vorwürfen mit diesem pauschalisierenden Unwort genauso oft vergessen wie die Tatsache: viele Journalisten sind jung und brauchen das Geld. Und das verdient sich nun mal leichter, wenn man eilfertig den Alphatieren und ihrer Agenda folgt, statt selbst zu denken und zu widersprechen.

Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durchs Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen,” wußte schon Georg Christoph Lichtenberg und also marschiert man statt mit dieser Fackel lieber mit einer Funzel Bullshit – wie die meisten anderen auch in diesem traurigen Gewerbe. Miete, Kinder, Ratenzahlungen… auch der Journalist muß ja von irgendwas leben. Hätte ich zum Beispiel nach dem 11.9.2001 als einzigen “Freier”  nur meinen langjährigen Stammkunden, das ARD-Radio, gehabt, hätte ich über 9/11 keine Zeile schreiben können, weil dort Kritik am offziellen Narrativ schlicht nicht erwünscht war. Ähnlich sah es bei den großen Zeitungen und Magazinen aus und ohne den Vorschuß einen Buchverlags hätte ich mir die Arbeit an der Online-Serie bei Telepolis,  aus der dann das erste Buch zu 9/11 entstand, schlicht nicht leisten können.

Dass die guten Verkäufe dieses Buchs ermöglichten, weiter an diesem unerwünschten Thema zu bleiben, war ein Glücksfall, der dabei half, die Verbannung in die Kloake “Verschwörungstheoretiker” zu überstehen und unabhängig zu bleiben bei der Auswahl meiner Themen und Recherchen. Dass ich diese Arbeit selbst für “aufklärerisch” halte, ändert aber nichts an meiner Eigenschaft als Pre$$titute: ohne Leserinnen und Leser, die meine Bücher kaufen,  kann ich den Job nicht machen. Ich bin nur frei und unabhängig, weil sie mich machen lassen.  Eigentlich waren die öffentlich-rechtlichen Medien ja einmal gedacht, vielen Journalisten so frei und unabhängig zu machen, dass sie Bärte den Würdenträger und Mächtigen mit der Fackel der Wahrheit gefahrlos und zum Wohle der Demokratie versengen können, doch Parteien, Politik und Proporz haben seit langem dafür gesorgt, dass dies nur in Ausnahmefällen passiert. Die Regel ist das, was Watchblogs wie die Propagandaschau oder die Ständige Publikumskonferenz nahezu täglich präsentieren – mit dem, was mal mit “Journalismus” gemeint war, hat es nicht mehr viel tun.

23
Dec, 2015

Innenansichten der Propagandamacht

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TOPSHOTS-GERMANY-RUSSIA-MERKEL-PUTIN-PROTESTPropaganda machen bekanntlich immer nur die anderen, die Bösen, wir sind die Guten und machen sauberen, ausgewogenen Journalismus. Dumm nur, wenn wir nicht nur dabei erwischt werden, wie wir mit allen schmutzigen Tricks aus der Propaganda-Küche arbeiten – wie in der ZDF-“Dokumentation” unter dem Titel “Machtmensch Putin” – sondern jetzt  auch noch beim  glatten Fälschen ertappt wurden. Der Kronzeuge der Anklage, ein “Igor”, der die Truppen der Separatisten in der Ostukraine auf  30 000 Kämpfer beziffert, davon 65 Prozent russische Staatsbürger, war ein bezahlter Schauspieler. Während das ZDF  die Vorwürfe zurückweist, vermutet die “Süddeutsche”, dass den Journalisten mit diesem Fake eine Falle gestellt worden sei. Klar, so etwas gezielt zu inszenieren, kommt für einen “Qualitätsjournalisten” einfach nicht in Frage, wir sind hier ja schließlich nicht bei der “Lügenpresse” sondern beim deutschen Staatsfernsehen. Also müssen, keine Frage, Agenten des perfiden Putin, die aufrechten Journalisten irgendwie getäuscht haben – um es dann hinterher in ihrem eigenen Staatsfernsehen “triumphierend” (SZ) auszuschlachten. Nun ja, so sind sie eben, diese heimtückischen, machtbesessenen Russen.  Wer sich freilich das Filmchen anschaut, mit dem das deutsche Staatsfernsehen die Gehirne seiner Zwangsgebührenzahler wäscht, stellt schnell fest,  dass es der Enthüllung dieses plumpen Fakes gar nicht bedurft, um diese Pseudo-Dokumentation als zweitklassig zusammengeschustertes Propaganda-Werk zu entlarven. Für Mediendozenten und Journalistenlehrer ein schönes Beispiel, wenn es darum geht die Entwicklung der “PR” von Bernays über Goebbels bis heute zu vergleichen

Wer sich in Sachen Wladimir Putin nicht einfach dumpf manipulieren lassen will, sondern sachliche Informationen sucht, dem kann ich das Buch von Hubert Seipel empfehlen, dessen Interview ich hier schon gepostet hatte. Sein Buch “Putin – Innansichten der Macht” ist mittlerweile eingetroffen, ich habe es schon fast durch und finde es sehr gut. Wer noch ein Last Minute Geschenk für politisch Interessierte liegt damit bestimmt nicht falsch. Um des Weltfriedens Willen braucht es mehr Russland-, und Putinversteher und weniger Spalter und Demagogen. Dass der UN-Sicherheitsrat selten so einig war, wie bei den jüngsten Friedensbeschlüssen für Syrien, ist immerhin ein Funke der Hoffnung. In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Leser frohe Weihnachten.

22
Dec, 2015

BGH-Richter Fischer: Legalize it!

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5272-DrugWarBundesrichter Thomas Fischer war ja ohnehin schon mein “Kolumnist des Jahres” – und dass er sich zum Jahresabschluss – brillant wie üblich – auch noch meine Lieblingspflanze vorgenommen hat, ist einfach wunderbar. Weshalb hiermit ein strenger Lesebefehl für seine Kolumne “Legalize it” ergeht. Besonders interessant finde ich die Passage über Wolfgang Neskovic, der 1994 dem Bundesverfassungsgericht die Frage der Grundgesetzwidrigkeit des Hanfverbots (“Recht aus Rausch”) vorgelegt hatte – und noch zwei Jahrzhente später, als er als Richter zum  BGH kam, dortselbst wie der Leibhaftige persönlich empfangen wurde. Das  weist auf die Crux, warum kontraproduktive und gemeinwohlschädliche Absurditäten wie die Cannabisprohibition sich nicht nur politisch, sondern auch juristisch so lange halten können:  Vernunft,- und Geistesmenschen wie Neskovic oder Fischer sind an den höchsten deutschen Gerichten Mangelware, Dumpfbacken die nach Schema F denken und entscheiden, nach wie vor in der Überzahl.  Aber:

“Es ist also nur eine Frage der Zeit und der Fantasie und der Vernunft: Das Bundeskabinett wird sich ein Tässchen Haschisch-Tee gönnen am Mittwoch, und in den Talkshows darf wieder geraucht werden – und gelacht. Die deutschen Strafrichter werden sagen: “Das habe ich immer schon gemeint. Aber ich werd’ ja nicht fürs Nachdenken bezahlt”; oder “Es ist ja auch nicht alles schlecht gewesen”. So wie beim Ehebruch, oder bei der Strafbarkeit homosexueller Handlungen, oder der Gotteslästerung. Ein paar von ihnen werden sich schämen: für ihre Unterwürfigkeit unter den puren Blödsinn. Und ihre Feigheit, sich dem zu fügen. Aber das ist eine andere Geschichte.”

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