26
Feb, 2015

Alles außer 9/11

    comments 4 Kommentare

wtcDie Zeitschrift ÖkologiePolitik hat mich zum Thema Medienmainstream und Verschwörungstheorien befragt.

Herr Bröckers, woher kommt Ihr großes Interesse an Verschwörungstheorien?

Mathias Bröckers: Eigentlich interessieren mich Verschwörungstheorien nicht. Zumindest nicht in dem Sinne, dass ich selber wild spekuliere und welche aufstelle. Was mich interessiert, das sind von staatlicher Seite verbreitete Verschwörungstheorien – deren Ungereimtheiten und die Methoden ihrer Verbreitung. Und was mich motiviert, das ist die unglaubliche Bereitschaft der Massenmedien, die offiziellen Verschwörungstheorien ohne kritisches Nachdenken zu übernehmen und wiederzugeben.

So wie nach den Attentaten des 11. September 2001?

Ja, genau. Mein Buch widmet sich nur der offiziellen Darstellung der Geschehnisse und zeigt in 38 Kapiteln jeweils eine Ungereimtheit. Und jede würde in einem normalen rechtsstaatlichen Prozess zu einer Wiederaufnahme des Verfahrens führen. Wer sich nur für wenige Stunden nüchtern und vorurteilslos mit den Lücken, Widersprüchen und Unklarheiten im 9/11-Abschlußbericht beschäftigt, der erkennt, dass die Geschichte, die uns erzählt wurde, nicht wahr sein kann. Doch kann es meiner Meinung nach nicht darum gehen, der offiziellen Verschwörungstheorie neue inoffizielle Verschwörungstheorien entgegenzusetzen. Die „9/11-Truther“ tun das teilweise – und verstricken und zerstreiten sich dabei. Ohne die Macht und die Mittel eines unabhängigen Gerichts kann die Wahrheit nicht ans Licht kommen.

Was sind von 38 Ungereimtheiten die seltsamsten?

 Neunzehn Hijacker mit Teppichmessern schaffen es, vier Flugzeuge zu entführen, die Luftabwehr stundenlang am Boden zu halten und drei Wolkenkratzer zu pulverisieren, obwohl sie nur zwei getroffen haben.  Und der dritte Turm, das WTC 7, stürzt quasi im freien Fall zusammen – das ist schon sehr merkwürdig. Noch merkwürdiger ist, dass die BBC den Einsturz des WTC 7 schon 20 Minuten vorher meldete und dass die Berechnungen, die den offiziellen Gutachten zum Einsturz der Türme zu Grunde liegen, nicht veröffentlicht werden weil dies gegen die „nationale Sicherheit“ verstoßen würde.

Sie begannen schon am Tag nach den Anschlägen mit einer Artikelserie, die sich kritisch mit den offiziellen Darstellungen befasste. Warum?

Ich wunderte mich, warum schon nach 45 Minuten erstmals der Name „Osama Bin Laden“ und dann immer wieder, irgendein anderer Verdacht wurde nie genannt und nach ein paar Stunden stand der „Täter“ quasi schon fest. Da schien mir etwas faul zu sein, zumal Bin Laden dann in einem Interview zwei Tage später jede Tatbeteiligung explizit abstritt. Kaum glaublich schien mir auch  das wichtigste Beweistsück für den „islamistischen“ Hintergrund der Tat, der Koffer von Mohamed Atta, der zufällig als einziger des gesamten Passagiergepäcks in Boston geblieben war und Beweistücke wie sein Testament, einen Koran und eine Anleitung für das Fliegen von Boeings enthielt. Das schien klar auf eine gelegte Spur zu deuten, denn warum nimmt jemand bei einem Selbstmordattentat sein Testament im Koffer mit ?

Warum wurde die offizielle Darstellung praktisch von allen Massenmedien völlig kritiklos übernommen?

Das habe ich mich angesichts solcher offensichtlicher Ungereimtheiten, die ja jedem Journalisten hätten auffallen müssen, auch gefragt. Dass ihnen nicht nachgegangen wurde hat vermutlich damit zu tun, dass sie  sich in eine Art patriotischen Kriegsrausch versetzt sahen. Dan Rather etwa, der Nachrichtenchef von CBS, meinte damals: „George Bush ist der Präsident. Er trifft die Entscheidungen – und wie es sich für einen Amerikaner gehört: Wo immer er mich haben will, ich reihe mich ein, sag mir nur, wo.“ Eine solche Haltung hat mit unabhängigen Journalismus natürlich nichts mehr zu tun und Dan Rather, später dazu befragt, sagte: „Es beginnt mit einem patriotischen Gefühl in einem selbst.“ Irgendwann finde man sich dann in der Situation, in der man zu sich selbst sage: „Ich weiß zwar die richtige Frage, aber es ist vielleicht jetzt nicht der richtige Zeitpunkt, diese Frage zu stellen.“ So ging es wohl den meisten Journalisten – auch dem Redakteur eines ARD-Radios, für dessen Sendung ich jahrelang geschrieben hatte und der zu mir sagte: „Du kannst jedes Thema machen, nur nicht 9/11“.  Er wusste, wenn er mich die  „richtigen Fragen“ senden läßt, steht 10 Minuten später die Sendeleitung auf der Matte und macht ihm Ärger und Stress…

Das gesamte Interview  (als pdf) hier.

24
Feb, 2015

Ein ungedeckter Realitätscheck

    comments 4 Kommentare

Als “Handreichung”  hat das Auswärtige Amt  kürzlich ein Papier herausgegeben -  “Realitätscheck: Russische Behauptungen – unsere Antworten” -  mit dem Parlamentariern und Beamten erleichtert werden soll, das in der Bevölkerung verbreitete Mißtrauen gegenüber der Berichterstattung und der Politik in Sachen Ukraine zu kontern. Hatte Minister Steinmeier im vergangenen November noch registriert, dass die Glaubwürdigkeitskrise der Presse möglicherweise damit zusammhängt,  dass in Sachen Russland/Ukraine “eine erstaunliche Homogenität in deutschen Redaktionen” herrscht, versucht  sein Amt mit diesem Papier nun offensichtlich, diesen schmetternden Gleichklang weiter zu befördern. Entsprechend dankbar wurde es in den Redaktionen aufgenommen, die die vermeintlich “russischen” Behauptungen denn auch  begeistert zu “Putins Mythen” (Spiegel Online), “Moskaus Propaganda” (Die Welt) oder  “Moskauer Mythen” (Süddeutsche Zeitung) zuspitzten. Und somit gleich klar machten, dass dem propagandistischen Mythen-Gezücht des Kreml hierzulande natürlich nur die reine, faktengesättigte Wahrheit gegenübersteht.

Kollege Paul Schreyer hat den  Realitätscheck des AA gecheckt und siehe da: der Scheck ist nicht gedeckt. Die entscheidenden Fragen, wie die nach der Legitimität des Machtwechsels in Kiew, werden nicht klar beantwortet, oder – wie die nach der Verantwortung für die Brandbeschleuniger der Krise – Maidanmorde und MH-17-Abschuss -  erst gar nicht thematisiert. Was aber ist das für eine “Realität”, wenn das Ereignis, das den gewaltsamen Machtwechsel und die Rebellion in der Ostukraine und auf der Krim auslöste, ausgeblendet wird;  welche  “Realität” wird hier auf ihren Wahrheitsgehalt gecheckt,  wenn der entscheidende Auslöser für die Wirtschaftsanktionen gegen Russland – der MH-17 Abschuss – gar nicht vorkommt ?  Richtig: mit der Wirklichkeit, mit dem was in der Ukraine geschah und geschieht, hat ein solcher “Realitätscheck” nichts zu tun. Es ist Propaganda. Aber ob sie  verfangen wird, ob  das “simila similibus” der Homöopathie funktioniert, ist fraglich. Denn das Mißtrauen der Bevölkerung ist nicht das Ergebnis russischer Gehirnwäsche, sondern der Penetranz, mit der Medien und Politik den Konflikt als Schwarz/Weiß/Film präsentieren. Die Leute wissen einfach, dass die Realität so nicht aussieht.

23
Feb, 2015

Die Facetten eines “Großen Kriegs”

    comments 2 Kommentare

Georg Schramm am Politischen Aschermittwoch 2015 im Tempodrom:

22
Feb, 2015

Marsch der Unwürde

    comments 7 Kommentare

Maidan, Odessa, MH-17 – ein Jahr, nachdem die Scharfschützen auf dem Maidan-Platz den gewaltsamen Machtwechsel  herbeiführten,  sowie dem folgenden Massaker  im Gewerkschaftshaus von Odessa und dem Abschuss der der malaysischen Boeing  MH-17,  lassen sich diese drei Massenmorde als die Brandbeschleuniger identifizieren, mit denen die Krise zum Krieg eskalierte. Keines dieser Verbrechen ist aufgeklärt, keiner der Täter oder Hintermänner wurde dafür zur Verantwortung gezogen, was nicht zuletzt zeigt, wie wenig es zum Jahrestag der “Revolution” zu feiern gibt. Regierungen, unter denen solche Massaker ungestraft durchgehen, werden normalerweise “Junta” genannt und sind in “Bananenrepubliken” angesiedelt. Dass ihnen nun ihn Kiew von diversen Politikvertretern  inkl. des unvermeidlichen Pastors Gauck die Aufwartung gemacht wird, um zum “demokratischen Aufbruch” zu gratulieren, entbehrt also nicht eines gewissen Beigeschmacks. Es sei denn, die Gratulanten faseln nicht nur von den Opfern “für Demokratie und Freiheit”, sondern fordern, dass die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Was aber wohl nicht geht, denn die Indizien, wer für die Schüsse auf dem Maidan  verantwortlich war, verweisen sehr deutlich auf den “Rechten Sektor”, dessen Exponenten die zuvor wochenlang friedlichen Maidanproteste im Februar 2014 militarisierten  – und jetzt an entscheidenden Stellen in Kiew mitmischen.  Beim “Marsch der Würde” im Gedenken an die Opfer marschieren mit dem deutschen Bundespräsidenten  insofern wahrscheinlich auch die Täter mit.  Denn dass es so war, dass nicht die “Berkut”-Einsatztruppen Janukowitschs wahllos in die Menge feuerten, sondern von den pro-westlichen Nazitruppen angeheuerte Killer – das wird nicht nur aus dem Interview deutlich, dass die BBC unlängst mit einem der Schützen führte,  sondern auch  aus dazu passenden  Darstellungen des damals amtierenden Innenministers, den der “Spiegel” in einem aufschlußreichen Interview dazu befragt hat.  Die genaue Rekonstruktion der Ereignisse, wie sie der ukrainisch-kanadische Wissenschaftler Ivan Katchanovski  begonnen hat, ist von um so größerer Wichtigkeit je mehr die bananenrepublikanische Justiz der Ukraine den Fall unter den Teppich zu kehren gedenkt. Denn dies war der Auslöser für den gewaltsamen Sturm auf das Regierungsgebäude, die Flucht Janukowitschs und die verfassungswidrige Installation  der Jazenuk-Regierung. Diese Reihenfolge – der dann der Aufstand in der Ostukraine und die Abspaltung der Krim folgten – gilt es festzuhalten, wenn über Ursachen und Verantwortlichkeiten für den Krieg geurteilt wird, der sich aus diesen Ereignissen entwickelt hat. Den Opfern der Maidan-Morde zu gedenken ohne die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen hat mit Würde wenig zu tun, dafür aber umso mehr mit Zynismus.

 

17
Feb, 2015

Die Wiederkehr der Hasardeure

    comments 10 Kommentare

“Wiederkehr der Hasardeure: Schattenstrategen, Kriegstreiber, stille Profiteure 1914 und heute” heißt das Buch von Wolfgang Effenberger und Willy Wimmer, das ich mit großem Gewinn gerade gelesen habe. Ein Geschichtsbuch, das nicht eine Revision der Kriegsschuldfrage anstrebt, sondern das Augenmerk auf die Hintermänner und Strippenzieher lenkt, die der aufstrebenden Kontinentalmacht Deutschland nicht anders als mit Krieg antworten konnten. Spannend an diesem ebenso weit gespannten wie fundierten historischen Panorama sind die Parallen zur heutigen Zeit, in die Willy Wimmer als ehemaliger Staatssekretär und OSZE-Vertreter von hoher politischer Warte Einblick nehmen konnte. Ken Jebsen hat mit ihm über das Buch gesprochen:

14
Feb, 2015

Lügenpressefreiheit!

    comments 13 Kommentare

history„Wir müssen uns damit auseinandersetzen, mit Misinformation, Infiltrierung und Verunsicherung“, sprach Medusa Merkel auf der Münchener Unsicherheitskonferenz.  Sie sei zutiefst besorgt über die „Verunsicherbarkeit unserer Gesellschaften.“ Der Grund für diese tiefe Sorge, nicht nur bei der Kanzlerin  sondern vor allem beim großen transatlantischen Bruder: der Iwan kann Internet und sät diabolische Zweifel. Auf dem von Brainwashington sauber durchgepflügten Informationsacker wuchert das Unkraut des Unglaubens,  nicht nur der linke und rechte Rand sind vom Virus der Skepsis erfasst, die Epidemie hat sich in die Mitte der Gesellschaft ausgebreitet. Auch in Bereichen, die bis dato von genmanipuliertem PR-Dünger derart druchdrungen waren, dass sie immun gegen jede Art von “Verunsicherbarkeit” schienen. Und jetzt das: fast zwei Drittel der Deutschen fühlen sich in Sachen Russland/Ukraine schlecht oder nur einseitig informiert. Aber nicht, weil sie von  “Feindsendern” wie rt oder irgendwelchen Blogs verunsichert wurden, sondern schlicht weil sie  ARD, ZDF, RTL etc. konsumieren oder Zeitung lesen. Und den Schwarz/Weiß-Film, der ihnen da auf allen Kanälen entgegenschwallt, nicht für die Realität halten und als Inszenierung durchschauen, was “Tageschau” und “heute” ihnen als Realität anbieten.

Diese “Misinformation” ist es, die auch gestandenen ARD-Veteranen wie Christoph Fröder oder Gabriele Krone-Schmalz die Haare zu Berge stehen läßt -  und nicht irgendwelche “Feindpropaganda”, die im Rahmen “hybrider Kriegsführung” im”Informationskrieg in die die Herzen und Hirne des Publikums infiltriert wird.  Auch viel gelesene Blogs wie die Propagandaschau, die Tag für Tag dokumentieren, wie in den gebührenfinanzierten Nachrichtenmanufakturen getrickst und getäuscht wird, sind für die allgemeine Verunsicherung nicht verantwortlich, sie liefern nur die Diagnose ihrer Ursachen: das Verschwinden grundlegender journalistischer Standards, die investigative Inssuffizienz von bis zur Halskrause “embeddedeten” Reportern,  die Propagandatöne, die die Berichtserstattung allüberall durchdringen, die Permanzenz und Penetranz des “Wir sind die Guten” und Putin und Russland  die allein Schuldigen und Bösen.Dieses Schattenspiel haben die Leute durchschaut, nicht nur in Sachen Ukraine lassen sie sich kein X für ein U vormachen sondern auch kein geheimes T-TIP für einen fairen und offenen Vertrag.  Nicht weil anti-amerikanische, vom Kreml bezahlte Trolle ihnen das einflüstern,  vielmehr trauen sie den Verlautbarungen der Regierenden und ihrer Lautsprecher in den Großmedien – den Mythen über die Ukraine -   nicht mehr, weil sie noch über einen halbwegs gesunden Menschenverstand verfügen.

Dass “Lügenpresse” kürzlich zum “Unwort des Jahres” gekürt wurde und nunmehr eine Renaissance erlebt – nach einer ersten Blüte vor der deutschen Revolution 1849, einem Höhepunkt vor dem 1. Weltkrieg und einem weiteren Peak 1933 ff. (wie diese aus Google Books generierte Wortzählung sehr schön zeigt) -  scheint da kein Zufall. Zum einen hat der im Zuge der Pegida-Proteste wieder hochgekommene  Begriff wie jede pauschale Diffamierungsbvokabel den Negativ-Status als “Unwort” tatsächlich verdient, zum anderen fällt die Renaissance des Begriffs wieder in eine Zeit, in der wie in den Vorkriegszeiten des vorigen Jahrhundert massiv Feinbilder geschaffen und aufgebaut werden – und die Presse eben noch ein bißchen mehr lügt als sie es ohnehin tut. Aber – und das macht den Unterschied zu den “Lügenpresse”-Vorwürfen von anno dunnemals – auch schneller dabei erwischt und an den Internet-Pranger gestellt werden kann, wenn sie tatsächlich lügt.

Anders als noch im alten Indonesien (oder war’s Nepal ?), wo es Wahrsagern gesetzlich verboten war, die Unwahrheit zu sagen, beinhaltet in modernen Demokratien die “Freiheit der Presse” eben auch die Freiheit zu lügen. Und weil dem so ist, gilt für die Öffentlichkeit  die Freiheit zu zweifeln. Und anders als im Mittealter oder in heutigen “Gottestaaten”, wo jeder Zweifel an der ex cathedra verkündeten Wahrheit eine Sünde ist, gilt er im aufgeklärten Abendland mit Descartes´Diktum vom Zweifel als Anfang der Weisheit ( “Dubium sapientiae initium”), als Grundlage jeder rationalen Erkenntnis. Als Mutter der Vernunft ist der Zweifel sozusagen erste Bürgerpflicht. Wohin es führt, wenn sich die Bevölkerung in blindem Glauben von oben verkündeten Wahrheiten hingibt, haben die mörderischen Verwüstungen der beiden letzten Weltkriege gezeigt. Vor dem Mord stand immer das Wort, die Parolen jener, die dazu aufriefen, sich hinter einer Fahne und einer Worthülse (Ehre/Führer/Volk/Vaterland) zu versammeln und zuzuschlagen. Ohne Wenn und Aber und ohne jeden Zweifel.

Zu derlei glaubensfestem Eifer ruft jetzt auch ein Aufsatz in der FAZ auf, in dem Reinhard Mohr den “Zweifel als Propagandawaffe” entlarvt und jede Art von Mißtrauen gegenüber der Wahrhaftigkeit und Güte des Washingtoner Imperiums als Produkt putinscher Propaganda. Nun zeichneten sich die Aufsätze Mohrs schon in den 80er Jahren dadurch aus, dass sie über mangelnde Gedankentiefe durch verschwurbelten Formulierungskitsch hinwegtäuschten, weshalb ich sie auch nie druckte, wenn er sie beim Feuilleton der taz einreichte. Wie sehr die “schußfeste Einfalt” (Titanic),  das Vakuum zwischen den Mohrschen Ohren,  seitdem noch zugenommen hat, kann  jeder anhand des oben verlinkten Artikels überprüfen. Hier nur eine Perle, die auch ein wohlmeinender Redakteur seinem Mietmaul eigentlich nicht durchgehen lassen sollte weil sie einer unfreiwilligen Selbstkarrikatur gleichkommt – des Autors als Worthülsenfabrikant, der in routinierter Attitüde im geistigen Niemandsland seine Pirouetten dreht.

“Wenn sich der antiwestliche Rundum-Zweifel als routinierte Attitüde erst einmal etabliert hat, beginnt das Denken, das sich selbst nicht ernst nimmt, zur leeren, beliebig verwendbaren Hülse zu werden. Das so entstehende geistige Niemandsland passt hervorragend zu den Erfindungen der russischen Propaganda, die versucht, den Platz einzunehmen, den die intellektuelle Selbstaufgabe im Westen hinterlässt.”

Aber auch mit solchen Pfeifen müssen wir als Verteidiger der Lügenpressefreiheit leben. Wir lieben sie einfach an die Wand.

 

12
Feb, 2015

Krieg und Frieden

    comments 2 Kommentare

“Kriege fallen nicht vom Himmel, sie werden gemacht. Von Menschen. Gegen Menschen. Bevor ein Krieg geführt werden kann, muss ein Feindbild kreiert werden. Die Mechanik dabei ist immer dieselbe.”

Die Ken FM -Redaktion hat  eine Collage zusammengestellt,  aus ihren Gesprächen der letzten Monate mit Dr. Daniele Ganser, Prof. Dr. Rainer Rothfuß, Albrecht Müller, Willy Wimmer, Bernhard Trautvetter, Eugen Drewermann, Dirk C. Fleck und yours truly.

 

4
Feb, 2015

Feindbilder und 9/11

    comments 19 Kommentare

So – jetzt mal bitte 90 Minuten Zeit nehmen und den Vortrag von Daniele Ganser an der Uni Tübingen anhören: “Medial vermittelte Feindbilder und die Anschläge vom 11. September 2001″

3
Feb, 2015

Der Wahnisnn hat Methode

    comments 10 Kommentare

nato_logo_nord_atlantische_terror_organisation_qpressEben hatten wir  angesichts des anstehenden “Maidan”- Jahrestags und den schon einsetzenden Geschichtsklitterungen noch festgehalten “Ein Putsch ist ein Putsch ist ein Putsch” – da kommt eine Bestätigung von aller höchster Stelle. Der Imperator persönlich, Barack Obama, hat via CNN klargestellt:

“And since Mr. Putin made this decision around Crimea and Ukraine – not because of some grand strategy, but essentially because he was caught off-balance by the protests in the Maidan and Yanukovych then fleeing after we had brokered a deal to transition power in Ukraine – since that time, this improvisation that he’s been doing has getting – has gotten him deeper and deeper into a situation that is a violation of international law, that violates the integrity, territorial integrity and sovereignty of Ukraine, has isolated Russia diplomatically, has made Europe wary of doing business with Russia, has allowed the imposition of sanctions that are crippling Russia’s economy at a time when their oil revenues are dropping.”

Also nochmal zu Mitschreiben: erst nachdem die USA den Deal zum Machtwechsel durchgezogen hatten, traf  Putin seine Entscheidung in Sachen Krim. Diese Reihenfolge ist entscheidend – und Obama hat recht, wenn er das russische Vorgehen als “Improvisation” bezeichnet. Nicht ein aggressives Russland, sondern die aggressive “einzige Weltmacht” führt seit 15 Jahren einen verdeckten Krieg in der Ukraine, hat Milliarden dafür investiert und war mit der gewaltsamen Vertreibung des gewählten Präsidenten endlich erfolgreich. Indem der Deal für einen friedlichen Machtwechsel, den Steinmeier und die europäischen Außenminister mit Janukowitsch ausgehandelt hatten, durch ein Scharfschützen-Massaker zur Makulatur gemacht wurde – in just jenem klassischen Wild-West-Stil, mit denen die USA ihre Deals in Sachen “regimechamge” traditionell durchziehen. Russland und die Bewohner der Ostukraine haben darauf reagiert – diese von Obama nun bestätigte Reihenfolge gilt es festzuhalten, wenn über die Schuldfrage an dem blutigen Bürgerkrieg und den vielen tausend Opfern diskutiert wird. Mit dem Deal, den Steinmeier und seine EU-Kollegen ausgehandelt hatten, wären sie sehr wahrscheinlich noch am Leben, doch dank der Maidan-Schützen und der Sturmtruppen des “Rechten Sektors” konnte sich die “Fuck EU”- Statthalterin des Imperiums durchsetzen.  Und nach dem Wirtschaftskrieg soll es jetzt mit Waffenlieferungen an Kiew weitergehen – das ist keine Improvisation, sondern folgt einem von langer Hand konsquent durchgezogenen Plan. Bei dem geht es nicht um Demokratie und Menschenrechte, sondern um  “Full Spectrum Dominance” und die Fähigkeit zum “Global Strike”.  Wenn’s sein muß  auch atomar und auf europäischem Schlachtfeld. Der Wahnisnn hat Methode.

2
Feb, 2015

Reich gegen Arm

    comments 1 Kommentar

Dass politische Wahrheiten immer weniger  im Parlament,   von Politikern und ihren Lautsprechern in den “Leitmedien”, sondern nur noch im Kabarett ausgesprochen werden, ist eine traurige Tatsache. Umso wichtiger wird es, Karabettisten zu zuhören, wie etwa Georg Schramm der im Juli 2014 pointenfrei auf den Punkt bringt, um welchen Krieg es eigentlich geht:

31
Jan, 2015

Häuptling Silberlocke R.I.P.

    comments 12 Kommentare

Richard von Weizsäcker ist im Alter von 94 Jahren gestorben. Ich habe ihn nur einmal persönlich erlebt, an einem denkwürdigen Abend im Dezember 1983  als er – noch als Berlins Regierender Bügermeister – zusammen mit Wolfgang Neuss, der gerade 60 geworden war, zum “Leute”-Talk ins Café Kranzler geladen war. Den Nachmittag hatte ich schon mit Neuss und der Sichtung eines ganzen Waschkorbs voller Geburtagsgrüße verbracht – darunter u.a. ein Schmucktelegramm des regierenden “Richie” und ein langer, mit Zeichnungen verzierter Brief eines Knackis, der wegen Haschisch im Knast saß, und mit dem Satz schloß: “Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen!”

Und wie solche Pointen ins Haus flogen, flogen sie auch wieder hinaus. Wolfgang nahm das Telegramm, schrieb den Satz hinein – und las ihn abends in der Talkshow als Glückwunsch des Regierenden Bürgermeisters vor. Aber nicht nur deshalb wurde sein erster TV-Auftritt seit zehn Jahren als Talkshow des Jahres ausgezeichnet. Auch v. Weizsäcker war noch nach Jahrzehnten sehr davon beeindruckt.

30
Jan, 2015

GroKo will von Folter nichts mehr hören

    comments 4 Kommentare

17.12.14 20:36-BildschirmkopieDer Bundestag hat heute einen vom Grünen-Abgeordneten Christian Ströbele angeregten Antrag zur Übermittlung des vollständigen und ungeschwärzten CIA-Folterreports abgelehnt. Seit gut einer Woche liegt der Bericht komplett in deutscher Übersetzung vor, sodass sich jeder hierzulande ein genaues Bild machen kann über die brutalen Foltermethoden und das unvorstellbare Ausmaß an Verstößen gegen nationales und internationales Recht (etwa gegen die UN-Antifolterkonvention) durch die US-Geheimdienste.

Wolfgang Neškovic , ehemaliger Bundesrichter und Herausgeber der deutschsprachigen Ausgabe des CIA-Folterreports, kommentierte den Beschluß des Parlaments empört:

„Dieser Beschluss zeigt, dass die Regierungsfraktionen den politischen Konflikt mit den USA scheuen. Die Ablehnung des Antrages durch die Regierungsfraktionen beweist, dass die parteiübergreifende Verurteilung der Folterpraxis der CIA in der Aktuellen Stunde am 17. Dezember im Bundestag nur leeres Geschwätz war. Darüber hinaus nährt das Verhalten der Regierungsfraktionen den Verdacht, dass der ungeschwärzte, vollständige Bericht Belege über mögliche Beteiligungen deutscher Sicherheitsbehörden beinhalten könne. Der Hinweis, dass schon der Generalbundesanwalt den vollständigen Bericht angefordert hat, ist offenkundig vorgeschoben. Es liegt auf der Hand, dass die Anforderung des Berichts durch das Parlament ein qualitativ anderes politisches Gewicht hat als die Anforderung durch den Generalbundesanwalt.“

Einmal  mehr also Bückling vor dem Imperium in Washington – und ein Bärendienst für das, was sich USA/NATO/EU bei ihren Kriegen stets auf die Fahne schreiben: “Menschenrechte”

 

27
Jan, 2015

Ein Putsch ist ein Putsch ist ein Putsch

    comments 5 Kommentare

stopnatoIn knapp vier Wochen jährt sich der Jahrestag des Massenmords auf dem  Maidan und des  gewaltsamen Machtwechsels in der Ukraine und schon laufen sich die Hofschreiber des Imperiums warm, die Geschichte umzuschreiben und den gewaltsamen Putsch in das Narrativ eines legalen, demokratischen Regierungswechsels zu verbiegen. Schließlich sei der amtierende Präsident Janukowitsch plötzlich einfach verschwunden und das entstehende Vakuum mußte ja “irgendwie” ausgefüllt werden. Dass die amerikanische Chef-Diplomatin Victoria “Fuck EU” Nuhland dieses “irgendwie” im Vorfeld schon klar definiert hatte, dass die  fehlenden 3%  Stimmen für die 3/4-Mehrheit ihres Kandidaten Jatzenuk durch Bewaffnete im Parlamentssaal “ersetzt” wurden, ebenso wie die seit Wochen friedlichen, zivilen Demonstanten durch immer mehr bewaffnete, rechtsradikale Milizionäre – all dies muß bei solchen Geschichtsklitterungen unter den Tisch fallen. Der Putsch in Kiew darf kein Putsch sein und die installierte Marionettenregierung  kein illegales Regime, weil sonst der Aufstand in der Ostukraine und der Anschluß der Krim an Russland irgendwie als legitim erscheinen würden – und Putins “Aggression” eher als  Reaktion auf ein aggressives Ereignis. Und die ganze Tragödie einmal mehr nach der Blaupause “Regierungswechsel” gestrickt , wie sie von den Diensten des US-Imperiums schon dutzende Male durchexerziert wurde – und gern auch unter Zuhilfenahme faschistischer Sturmtruppen, weshalb sich über Asov-Brigaden und andere bewaffnete Nazis in der Ukraine niemand wundern muß. Doch wenn man die Geschichte so erzählt, wären wir ja nicht mehr die Guten – weshalb sie beizeiten umgebogen werden muß. Wie “Zeit” und “FAS” dabei vorgehen, hat das Blog “Spiegelkabinett”  en detail demontiert – der unbedingt lesenswerte Beitrag hier.

 

24
Jan, 2015

Warum hat die CIA gefoltert?

    comments 10 Kommentare

Lars Schall hat gestern ein längeres Gespräch mit mir geführt, bei dem es vor allem um den Zusammenhang zwischen dem jetzt auf Deutsch erschienen Folterreport der CIA und der 9/11-Legende ging.

18
Jan, 2015

Eine neue Inquisition

    comments 17 Kommentare

17.12.14 20:36-BildschirmkopieHeute die Fortsetzung des Artikels “Die Königin der Folter” :

“Er würde es jederzeit wieder tun, hatte Ex-Vizepräsident Dick Cheney die Veröffentlichung des Senatsreports über die Foltermethoden der CIA kommentiert, der Bericht sei nichts weiter “als ein Haufen Mist” – und wurde mit diesem zynischen Kommentar seiner Rolle als “Darth Vader” des ehemaligen Bush-Regimes einmal mehr gerecht. Tatsächlich sind nicht diese Untersuchungsergebnisse “Mist”, die unter anderem zeigen, dass die Regierung Anweisungen gab, aus bestimmten Gefangenen Geständnisse über eine Verbindung von “Al Qaida” und Saddam Hussein herauszuholen, um einen Kriegsanlass zu produzieren. “Mist” sind vielmehr die mit Folter-Methoden erpressten Erkenntnisse.

Dies ist schon seit 1631 bekannt, als der Jesuit und Schriftsteller Friedrich Spee seine Kritik der Hexenprozesse “Cautio Criminalis” veröffentlichte und die Frage beantwortete, was von solchen Geständnissen zu halten ist:

Welches sind die Beweise derer, die auf der Folter erpressten Geständnisse für wahr halten? – Auf diese Geständnisse haben alle Gelehrten fast ihre ganze Hexenlehre gegründet, und die Welt hat’s ihnen, wie es scheint, geglaubt. Die Gewalt der Schmerzen erzwingt alles, auch das, was man für Sünde hält, wie lügen und andere in üblen Ruf bringen. Die dann einmal angefangen haben, auf der Folter gegen sich auszusagen, geben später nach der Folter alles zu, was man von ihnen verlangt, damit sie nicht der Unbeständigkeit geziehen werden. [...] Und die Kriminalrichter glauben dann diese Possen und bestärken sich in ihrem Tun. Ich aber verlache diese Einfältigkeit.

Da wegen dieser Unzuverlässigkeit schon im alt-testamentarischen jüdischen Recht das Geständnis eines Täters keine Beweiskraft hatte, wurden damals weniger die Verdächtigen, sondern eher die Zeugen gefoltert, um mit diesen Geständnissen externe Beweise für die Schuld des Verdächtigen zu erlangen. Auch die “Heilige Inquisition”, deren Verfahren Friedrich Spee beobachtete, optimierte mit solchen Geständnissen ihre “Quellenlage” und fütterte auf diese Weise ihre Fiktionen von Hexen, Zauberei und Teufeln mit “realen” Beweisen und Dokumenten. Wer die jetzt veröffentlichten Protokolle der Folter von 119 Gefangenen in CIA-Gewahrsam liest, kann den Eindruck bekommen, dass es bei diesen brutalen Verhören eben darum ging: Wie einst auf diesen erfolterten Geständnissen “die Gelehrten fast ihre ganze Hexenlehre gründeten”, so gründete die CIA ihre “Lehre” von Al Qaida – die im 9/11-Report dargelegte Geschichte von Osama Bin Laden und 19 “Hijackern” als Alleintätern und globale Gefahr – fast ausschließlich auf den Geständnissen des “Kronzeugen” Khalid Scheich Mohamed (KSM) beruht.”

Weiter geht’s hier.

Next Page »

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: