Autoland – abgebrannt.

“Wieviele Autos hast du schon gehabt ?” fragte neulich mein Enkel und ich begann über 40 Jahre Automobil-Historie durchzuzählen. Es waren viele, denn manche hatte ich nur ein paar Monate, andere einige Jahre, am Ende kamen wir auf ungefähr 20 und es war alles dabei. Vom Renault 4 mit 25 PS bis zum Jaguar mit 250 PS, vom 1200er Käfer bis zum dicken Chrysler Van, vom schrottigen Citroen Ami8 zur “Rennsemmel “Mini Cooper S” – und dazwischen immer wieder und am liebsten: Diesel. Mit einem Mercedes 180 D, Baujahr 1953, den ich für 300 Mark einem Bauern aus der Scheune abkaufte und mit weiteren 1000 Mark über den TÜV brachte, fing meine Leidenschaft für Selbstzünder an, die sich mit zwei “Heckflossen” (190D/200D) und einem “Strich 8er” fortsetze. Vor ein paar Jahren hatte ich dann im Leasing nochmal einen BMW, dessen 2 Liter Dieselmotor mit 180 PS ich als die beste Maschine empfand,  die ich jemals per Gasfuss bediente, sehr zugstark, sehr schnell und sehr sparsam. Der benzingetriebene Jaguar etwa verbrauchte bei 200 km/h  das Doppelte an Sprit wie dieser wunderbare Dieselmotor.

Wenn man so vom Traktor zum  Turbo mehr ein halbes Jahrhundert Dieselevolution erlebt hat, könnte man fast ein bißchen verstehen, dass die Konzernbosse an diesem Motor so sehr hängen, dass sie selbst vor kriminellen Machenschaften nicht zurückschrecken um seinen Markt weiter zu sichern. Aber – und das macht einen alten Liebhaber der Dieseleffizienz richtig sauer – die Herrn von Daimler, VW, Audi & Co. haben das Gegenteil getan. Sie haben ihren Diesel-Pkw die optimale Senkung von Stickoxid-Emmissionen verwehrt, sie haben sich abgesprochen nur Mini-Tanks für die “Ad Blue”- Reinigung mit Harnsäure einzubauen und die Motoren so einzustellen, dass sie mit dieser kleinen Menge bis zur nächsten Inspektion kommen. Um den Kunden dann für teures Geld  intervallmäßig billige “Pisse” nachfüllen zu können – und dafür bewußt in Kauf genommen, dass die so eingestellten Motoren die Umwelt weiter verpesten. So kam es dann, dass ein Mercedes Pkw-Motor ein Vielfaches an Stickoxiden auspuckt wie ein schwerer LKW, der mit ausreichenden “Ad Blue” gereinigt wird.

Mehr zum “Ad Blue”-Betrug in dem Artikel von Jens Berger “Autoland ist abgebrannt – Wir haben ein Elitenproblem! , der die Hoffnungslosigkeit der Lage klar macht: ein Wandel ist nicht gewollt. Und dass unsere Gerichte der großmafiösen Betrügerbande namens “Autoindustrie” ähnliche Strafen aufbrummt wie die hervorragend kundenfreundlichen Gerichte in den USA ist nicht zu erwarten. Dabei wäre ein reinigendes Gewitter, das den wunderbaren Diesel so alt aussehen läßt wie er wirklich ist und die Umstellung auf E-Motoren massiv beschleunigt, mehr als notwendig. Mit betoniertem Beharren, wie es der stickstoff-grüne Präsident  Kretschmann demonstriert –  “Ja wo sollet die den tanken?” – wird die technologische Zukunft des Autoländles nicht gesichert, sondern ruiniert.
(Disclaimer: Der Autor fährt nach einer Weile “Drive Now”-Carsharing z.Zt. einen Fiat Punto)

Der tiefe Staat und die kognitive Dissonanz der Linken

Die linke Autorin Caitlin Johnstone, die sich selbst “unseriöse Journalistin” (rogue journalist) nennt und auf medium.com vor allem über amerikanische Politik schreibt, hat in den letzten Wochen mit ihren Plädoyers Aufsehen erregt, dass die US-Linken nicht scheu sein sollten, mit  “Anti-Establishment” Rechten und Libertären zusammen zu arbeiten. Gegen die Fake News der Großmedien, gegen die kriegstreibenden Neocons, gegen die Geheimdienste und den “tiefen Staat”, die Trumps außenpolitischen Kurswechsel mit dem substanzlosen “Russiagate”-Märchen sabotieren. Nachdem dann einem der führenden Kriegstreiber und “regime changer”, Senator John McCain, ein  Gehirntumor diagnostiziert wurde und Johnstone ihm einen  schnellen Tod wünschte, wurde die Kritik an dieser “unseriösen” Journalistin noch lauter. Selbst ein blutrünstiges Monster, das ein halbes Dutzend Kriege mit Millionen von Opfern vorangetrieben hat, darf man als “Qualitätsjournalist” eben nicht ins Grab wünschen.

Jeffrey St.Clair, der Herausgeber des “seriösen” linken Magazins “Counterpunch”, das schon mehrere kritische Artikel über Caitlin Johnstone veröffentlichte, nahm sich der Sache nun noch einmal selbst an:

“For the conspiratorial Left, the Deep Staters seem to have eclipsed the 9/11 Truthers as the heralds of a new political Theory-0f-Everything. This is a welcome shift of emphasis as far as I’m concerned.  Who really needs to read yet another belabored story on the demolition of WTC 7? (..)

The origin myth of leftwing Deep State theory is, of course, the assassination of JFK, an act of internal regime change by a CIA hit-team orchestrated by Allen Dulles in retaliation for the president’s alleged plan to break-up the agency and yank US troops out of Vietnam. From that moment on, according Deep State theorizers, the secret government was firmly in control and no political transgressions against its agenda would be tolerated. As an omnipotent force, the existence of a Deep State satisfies the Left’s desire to rationalize its own sense of perennial powerlessness.

Of course, I remain an unrepentant Magic Bullet man, fully persuaded that Lee Harvey Oswald, as an ardent devotee of the Cuban Revolution, had a more personal motive to kill the anti-communist Kennedy (the first neoliberal) than did fussy old Allen Dulles. With a couple miraculous shots from his Carcano Rifle, Oswald demonstrated that regime change could be a two-way street.”

https://www.counterpunch.org/2017/07/21/red-state-blue-state-green-state-deep-state/

Hier haben wir, wie ich finde, die kognitive Dissonanz der Linken, die sie zwingt nicht in ihr Weltbild passende Fakten auszublenden und zu verdrängen, wie in einer Nußschale versammelt. Etwa die seit der Wahl Trumps offensichtliche Tatsache, dass die eigentlich dem Präsidenten verpflichteten Geheimdienste und Polizeibehörden Informationen und “Erkenntnisse” permanent an die Presse durchstechen. Diese hat sich von ihrem Zwei-Quellen-Prinzip – ein Gerücht wird erst zur Nachricht, wenn es von zwei  zuverlässigen Quellen unabhängig bestätigt wird – verabschiedet und sägt mit ihren anonymen Tippgebern und “senior officials” der Geheimdienste am Stuhl des Präsidenten. Wenn das kein Indiz für einen “tiefen Staat” ist, der mit undemokratischen Mitteln einen Coup von innen betreibt, was dann ? Jeffrey St. Clair begrüßt, dass in der “verschwörungstheoretischen Linken” die “deep staters” nun die “9/11 truthers” offenbar ablöst hätten – denn wer will schon noch vom WTC 7 hören ? Das wollte die “seriöse” Linke schon nicht, als die Bush-Regierung in ihrer Pseudo-Ermittlung zu 9/11 den Einsturz von WTC 7 nicht einmal untersuchte, und ließ sich bereitwillig den Bären von Osama und den 19 Teppichmessern als Alleintätern aufbinden. 9/11 ist für “seriöse” Linke indiskutabel und tabu und wer auf Aufklärung besteht, wird als  “truther” und “Verschwörungstheoretiker” abqualifiziert,  als dümmlicher Vertreter einer “Theorie of Everything”.
Diesen beigesellt werden nun auch die “deep stater”,  die den Mord  an JFK  nicht dem Einzeltäter Lee Harvey Oswald anlasten, sondern einem Team von CIA gedeckten Scharfschützen.  Nicht weil sie irgendwelchen wirren Theorien über alles anhängen, sondern weil Dutzende harter Fakten gegen den Einzeltäter sprechen – allen voran der Zapruder-Film der deutlich zeigt, dass der tödliche Schuss rechts von vorne kam und nicht von hinten, wo Oswald lauerte. Auch diese kognitive Dissonanz ist für den linken St.Clair nicht auszuhalten, weshalb er sich  nur halb-ironisch als Anhänger der  Glaubensgemeinschaft  der “magischen Kugel” outet. Nicht ohne freilich zuvor diejenigen, die diesen Quatsch nicht glauben, zu psychiatrisieren: als rationalisierenden Ausgleich für ihre andauernde Machtlosigkeit würden diese Linken einen übermächtigen Tiefenstaat halluzinieren.
Es fragt sich aber, wer hier wirklich rationalisiert und halluziniert: diejenigen, die weder die Höhlengeschichte von 9/11 noch den magischen Meisterschützen Oswald akzeptieren und jetzt auch die offizielle Story von übermächtigen  russischen Hackern, die Trump auf den Thron hievten, als Propagandamärchen erkennen. Oder diejenigen, die sämtliche Fakten und Beweise, die gegen diese offiziellen Märchen sprechen, zwanghaft ausblenden müssen um ihr “seriöses” Weltbild nicht zu gefährden. Um dann davor zu warnen, dass auch Rechte einen deep state am Werke sehen und dass sich mit denen, die gern auch rassistischen Weltverschwörungstheorien anhängen, natürlich niemand bei Verstand einlassen sollte.
Wohl wahr – aber weder bei der Forderung nach Aufklärung des JFK-Mords noch der 9/11-Verbrechen geht es um “rechts” oder “links” – und niemand, der die gefährliche  Liaison von Geheimdiensten und Massenmedien in der Gerüchteküche “Russiagate” kritisiert, ist deshalb  Trump-Fan oder Rassist.  Sowohl in den historischen Fällen als auch aktuell geht es allein darum, ob und inwieweit hier Netzwerke aktiv waren oder sind, die jenseits der rechtsstaalichen, demokratisch abgesegneten Machtstrukturen operieren. Wem es um den Erhalt eines demokratischen Rechtsstaats  geht, MUSS solchen Einflussnahmen und Strukturen entegegentreten, ganz gleich welcher politischen Orientierung er oder sie anhängt. Und das auch dann, wenn diese illegalen Operationen gegen einen Donald Trump gerichtet sind, dessen Abgang sich viele so dringend wünschen wie Caitlin Johnstone den Exitus von McCain.
Dass bei diesem Advokaten der Bewaffnung islamistischer Terroristen und dem Aufbau von ISIS nun der Sensenmann in just derselben Woche anklopft, in der Trump das Ende dieser Unterstützung verkündet hat, passt sehr gut zusammen. Wenn es denn nun endlich was wird mit dem Exitus von ISIS und einem Ende des Kriegs in Syrien kann der frisch operierte McCain  gern noch ein Weilchen vor sich hindämmern bevor er defintiv zur Hölle fährt. Die “seriösen” Linken, die Trump bei dieser Ankündigung und ihrer Umsetzung nicht unterstützen, kann er wegen mir gleich mitnehmen…

Dieser Artikel ist heute auf rubikon.news erschienen

Wo sind alle die Fliegen hin ?

Unlängst fuhren mein Bruder und  ich mit dem Auto bei hochsommerlichem Wetter von Frankfurt am Main  nach Bad Godesberg am Rhein. Auf dem Hinweg hatten wir die Autobahn genommen und waren in kaum zwei Stunden da,  auf dem Rückweg  fuhren wir gemütlich die Landstraßen am Rhein entlang  und nur das letzte Stück auf der Autobahn. Bei der Ankunft zeigte ich auf die Windschutzscheibe: “Fällt dir was auf ?” fragte ich. “Erinnerst du dich, wie wir früher im Sommer bei jedem Stopp die Scheibe sauber machen mußten, weil sie voll war mit den Resten von Insekten. Die harten Schwämme dafür gab es an jeder Tankstelle.” Mein Bruder nickte.  Die Scheibe war bis auf drei oder vier winzige schwarze Punkte, die vielleicht einmal Fruchtfliegen gewesen waren, absolut sauber – nach 400 Kilometern, ohne dass wir ein einziges Mal den Scheibenwischer bedient hatten. Mir war das Fehlen von Insektenleichen auf der Windschutzscheibe schon aufgefallen, als ich ein paar Wochen zuvor im Umland von Berlin unterwegs war, ebenfalls bei herrlichem Sommerwetter – und jetzt bei der Fahrt am Rhein, durch den Westerwald und den Taunus dasselbe. Wo sind  all die Fliegen, Mücken, Schnaken, Wespen, Hummeln, Käfer geblieben ? Ich wußte zwar, dass  ein großes Bienensterben im Gange ist, aber dass  diese Vernichtung offenbar auch alle die anderen Insekten betrifft, die seit Jahrzehnten an Windschutzscheiben verunfallten,  war mir neu.
Als ich dann die FAZ-Meldung las ” Schleichende Katatstrophe: Bis zu 80% weniger Insekten in Deutschland” fand ich zwar meine Befürchtungen bestätigt – denn nach den Insekten sterben auch die Vögel und damit wären wir einmal mehr bei Rachel Carsons “Silent Spring”, dem Buch das 1962 erstmals auf die katastrophalen Folgen von DDT und anderen Pestiziden aufmerksam machte –  doch wurde dann gleich wieder beruhigt: “Deutsche Leitmedien fallen auf weitgehend grundlagenlose Wahlkampfbehauptung der Grünen herein” schrieb Telepolis und behauptete, dass die Zahl von 80% weniger Insekten zweifelhaft sei, weil ihre keine bundesweite Studie zugrunde läge, sondern nur eine Erhebung von “Freizeitforschern” aus dem Krefelder Raum.
Tatsächlich hatte es deren Forschung, die seit Jahrzehnten die Insektenbestände ermittelt,  im Mai 2017 in das renommierte Fachblatt “Science” gebracht, dem sich nur schwerlich “Wahlkampfbehauptungen” nachsagen lassen. Doch das wird in dem Telepolis-Artikel nicht erwähnt. Stattdessen wird ein “Agrarbiologe” zitiert, der die makellosen Windschutzscheiben im Sommer mit der “besseren Aerodynamik” heutiger Autos erklärt. Ja sauber. Ein  zehn Jahrer alte VW Golf ist also so viel aerodynamischer als seine Vorgänger, dass er keiner Fliege mehr etwas zu Leide tut – das ist in  Zeiten des Dieselbetrugs ja endlich mal eine positive Nachricht! Ich halte sie aber für Fake News, denn die Ergebnisse meiner Freizeitforschung im Rheinhessischen und Brandenburgischen sprechen eine eindeutige Sprache – und die hat mit Sicherheit sehr wenig mit “Aerodynamik” und sehr viel mit “Terrakontamination” zu tun.

Das gute alte Bildungsfernsehen

Das Medienmagazin “Meedia” hat sich in einem ausführlichen Beitrag dem “kontroversen Youtube-Phänomen KenFM” gewidmet. Anders als bei den infamen Denunzierungen (“Antisemit”, “neu-rechts”, “Querfront”), mit denen Ken Jebsen und sein Kanal üblicherweise bedacht werden, hat sich der Autor das Programm von KenFM einfach mal angeschaut – also das getan, was Journalisten üblicherweise tun bevor sie über eine Sache oder eine Person schreiben: recherchiert. Und wer das nur ein wenig tut kommt in Sachen “KenFM” zu anderen Schlüssen als die Denunzianten: “Zu seiner Verfemung hat der ehemalige RBB-Moderator einiges beigetragen – unberechtigt ist sie trotzdem. Denn Jebsen ist vieles nicht, was man ihm vorwirft. Und er macht mitunter wirklich gutes Fernsehen.”
Das fand ich auch und führte deshalb ein langes Gespräch mit ihm, das im November 2016 als Buch erschien (Der Fall Ken Jebsen – Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann). Auch das hat Hendrik Steinkuhl, der Autor des “meedia”-Artikels gelesen, denn er kommt am Ende zu einer ähnlichen Einschätzung: “…Ken Jebsen (leistet) einen erheblichen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft. Vor allem sein Format „KenFM im Gespräch“ ist, wie Mathias Bröckers in seinem Buch „Der Fall Ken Jebsen“ zutreffend schreibt, „nichts anderes als das gute, alte Bildungsfernsehen.“ Jebsens Unterbrechungen und Suggestionen stören, trotzdem sind zum Beispiel die bereits erwähnten Interviews mit Michael Buback, mit Petra Wild oder Mosche Zuckermann besser als fast alles, was man im Deutschen Fernsehen zu sehen bekommt.”

Hohes Lob – aber der Autor spart auch nicht mit Kritik:  Jebsen sei “Verschwörungstheoretiker”, zu sehr “Aktivist” als Journalist und “unprofessionell”, weil er seinen Gesprächspartnern zu oft dazwischen quatscht. Letzteres hatten auch zahlreiche Zuschauer in den Kommentaren zu dem Gespräch über meine Bücher zum  45. und den 35. Präsidenten der USA (  “König Donald,” und “JFK”) moniert, das wir unlängst führten. Mich hat das nicht wirklich gestört – er ist halt einer, der sein Herz auf der Zunge trägt, der schneller spricht als sein Schatten und sich dabei auch mal vergaloppiert. Und doch allemal besser als die moderierenden Schnepfen, Flachpfeifen und Journalistendarsteller im Deutschen Fernsehen, die ihren kritischen Verstand, wenn sie denn je einen hatten, schon lange an der Garderobe deponiert haben…

Gaby Webers Kampf um Akten

Über Gaby Webers Recherchen zur “Operation Geschäftsfreund” der Regierung Adenauer, bei der es um die Finanzierung der israelischen Atomwaffenproduktion durch Deutschland ging, schrieb hier vor einem Jahr:

“Dass der Chef-Manager des Holocaust, Adolf Eichmann, nicht 1960 nach jahrelanger Fahndung des israelischen Mossad in Argentinien gekidnappt  werden mußte, sondern sein Aufenthaltsort und sein Job bei Mercedes Benz Argentinien, den er 1951 angetreten hatte, u.a. der “Organisation Gehlen” (BND-Vorläufer) und der CIA  lange bekannt waren, ist dank der langjährigen Recherchen von Gaby Weber mittlerweile kein Geheimnis mehr (hier ihre Videodokumentation “Desinformation – Ein Lehrstück über unerwünschte Geschichte”).   Dass bei dieser Deckung des NS-Verbrechers durch deutsche Dienste die “Operation Geschäftsfreund” eine Rolle gespielt haben könnte – die diskrete Forderung von Staatschef Ben Gurion an Adenauer, die israelische Atomwaffenproduktion mit 2 Milliarden Mark zu fördern um im Gegenzug vor Enthüllungen der NS-Verstrickung seines Kanzleramtschefs Globke verschont zu bleiben – ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass immer noch Teile der Eichmann,- und BND-Akten aus den 1950er Jahren geheim gehalten werden, deren komplette Freigabe Gaby Weber seit Jahren einklagt.”

Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht dazu entschieden und die Klage wegen einer Formalie abgewiesen: statt das Bundesarchiv hätte Gaby das Kanzleramt verklagen müssen. Zwar ist das Bundesarchiv die für alte Regierungsakten zuständige Institution,  aber es verfügt nicht über alle “Geschäftsfreund”-Akten, die in Parteistiftungen und den Archiven der Deutschen Bank “privatisiert” sind. Vor dem Verwaltungsgericht hatte Gaby Weber  geklagt, das Bundesarchiv zur Beschaffung dieser eigentlich ihm gehörenden Akten zu verpflichten – vergeblich. Da kann man nichts machen, meinten jetzt die Verfassungsrichter, die ich bisher noch immer für die letzte Bastion für Gerechtigkeit gehalten habe. Aber dieses Urteil  ist dann doch sehr merkwürdig:

“Insbesondere erstreckt sich der Informationszugangsanspruch von vornherein nicht auf Dokumente, die eine informationspflichtige Stelle für die Erfüllung ihrer Aufgaben zwar beschaffen könnte oder auch müsste, sich aber nicht beschafft hat.”

Wenn das Bundesarchiv die Akten eigentlich also haben müsste, aber nicht hat… dann sind und bleiben sie einfach weg ? Das kann und darf ja wohl nicht sein! Das sah wohl auch das Verfassungsgericht eigentlich so und wies darauf hin, dass staatliche Akten auch dann staatliche Akten sind, wenn sie bei einer privaten Stiftung liegen und dass die Bundesrepublik als Eigentümer die Herausgabe verlangen kann. Weil sie das in diesem Fall nicht tut, ist die Klägerin nun erneut an die Verwaltungsgerichte verwiesen um dies gerichtlich durchzusetzen – was viele weitere Jahre dauern wird. Über ihren seit Jahrzehnten während Kampf um Akten hat Gaby Weber jetzt einen kleinen Film gemacht:

Große und kleine Bombenwerfer

Was war nochmal das Thema des G 20-Treffens ? Dank des Randalerituals, das einer fatalen Strategie von Autonomen sowie der Polizei und sehr wahrscheinlich auch den unvermeidlichen agents provocateurs geschuldet war, redet über das Tagesordnungsthema dieses Treffens, Afrika, niemand. Und schon gar nicht darüber, dass die dort gefassten Beschlüsse neo-kolonial und paternalistisch sind und die Probleme eher noch verschärfen.

Die Ausübung von Gewalt gegen Fensterscheiben und Autos als ein geeignetes Mittel im “anti-kapitalistischen”, “anti-faschistischen” Kampf zieht ihre moralische Berechtigung aus der Parole: “Menschen sterben und ihr schweigt, Scheiben klirren und ihr schreit.”  Dass das Geschrei um die kaputten Scheiben und die von “Bild” angeführte Hetzjagd der Steineschmeißer aber nun dazu führt, dass mehr über  die Toten in Afghanistan, Libyen, Syrien nachgedacht und die neo-kolonialen imperialistischen Kriege gestoppt werden, ist nicht zu erwarten.

Im Gegenteil: dieser Terror wird weiter banalisiert und verharmlost, indem man von der Regierung abwärts die Hamburger Randale als “Terrorismus” bezeichnet.  Mit der Folge, dass  Steineschmeißer jetzt wie Schwerkriminelle gejagt werden während die Verantwortlichen für Millionen Leichen und Vertriebene  als eigentliche Massenmörder aus dem Blickfeld geraten. Wen interessieren noch die großen Bombenwerfer wenn wir jetzt so viele kleine Steineschmeißer haben ?

Randalerituale

Was der schwarze Block,  also polizeiliche Knüppelgarden auf der einen und autonome Politpyromanen auf der anderen Seite, zum G20-Treffen in Hamburg veranstalteten, konnte mich als langjährigen Bewohner von Berlin-Kreuzberg, einem Ur-Biotop ritueller Randale, nicht sonderlich erschüttern. Einige kaputte Scheiben und verbrannte Autos, 200 festgenommene angebliche Randalierer ebenso viele angeblich verletzte Polizisten, zahlreiche von der Polizei verletzte friedliche Demonstranten, quotenträchtige bürgerkriegsähnliche TV-Bilder… das kommt halt dabei heraus, wenn man 38 Quadratkilometer zum Sperrgebiet erklärt und 20.000 Robocops einsetzt um ein paar hundert Steineschmeißer einzufangen.

Da muss dann sogar eine dämliche FAZ-Reporterin, die so ein Ritual wohl zum ersten Mal erlebt und anfangs noch auf beiden Seiten der Front “schöne Männer” ausmacht, tatsächlich heulend flüchten,  ins Hotel, “zurück in die Realität”. Unterdessen spazierte die taz-Reporterin Silke Burmester mit ihrem Rucksack völlig unkontrolliert bis direkt an den roten Teppich, auf dem die G 20 Honorationen einmarschierten: “Die Sicherheit an den Messehallen ist genau so hoch, dass man Trump das Toupet vom Kopf ziehen könnte. Doch ein Problem? Gibt es hier nicht!

Soviel zum “Sicherheitskonzept” der G 20-Show, das eher auf Krawall-Rituale als auf Schutz der Regierungschefs ausgelegt war. Dass sich der Protest sehr vieler Menschen gegen die Politik dieser Regierungen bei solchen Treffen artikuliert und einige Wütende dabei auch Krawall machen, war erwartbar und das als “Hamburger Härte” gepriesene Vorgehen der Polizei das Gegenteil von Verhältnismäßigkeit und Strategie der Deeskalation. Was dann ebenso erwartbar dazu führt, dass das Hamburger Schanzenviertel dann dem Maidan in Kiew gleicht – mit dem Unterschied, dass die dortigen Marodeure von den Medien als “Freiheitskämpfer” gefeiert wurden, während die hiesigen als “Mordbrenner” (Bürgemeister Scholz) jetzt mit “der vollen Härte des Gesetzes” gejagt werden sollen…

Und wozu der ganze sinnlose Zirkus ? Immerhin haben sich Trump und Putin zum ersten Mal getroffen und statt 30 Minuten fast zweieinhalb Stunden miteinander geredet. Dafür hätte es aber die G20-Show nicht gebraucht, die wachsweiche Resolution “für Freihandel”, die Merkel stolz verlas, braucht ebenfalls niemand,  und die Millionen, die das gescheiterte Sicherheitskonzept kostet, hätte man in Hamburg wahrlich nachhaltiger investieren können als in ein dreitägiges Randale-Spektakel. Dass sich die Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten aber trotz aller Dissonanzen wie es heißt “konstruktiv” unterhalten und einen Waffenstillstand für Syrien vereinbart haben, der im besten Falle zu einem Ende dieses Kriegs führen könnte – das wäre dann dann sogar ein überflüssiges Randaleritual in Hamburg wert.

Die Fake-Anne Frank von Aleppo

Das Twitter-Mädchen Bana Al-Abed wurde 2016 mit seinen Tweets aus dem umkämpften Aleppo weltweit bekannt, ihre herzzerreißenden  Meldungen und die klare Benennung der Schuldigen – Assad und Putin – machten die Siebenjährige  schnell zu einem Star in den westlichen Medien. Und das blieb sie,  auch als aufflog, das Bana gar kein Englisch spricht und gar nicht schreiben kann und ihr account “operated by mom” war – einer Mutti, die offenbar nichts Besseres zu tun hatte, als nach den Bombenangriffen, die sie mit ihrer Tochter angeblich gerade knapp überlebt hatte, propagandagerechte Tweets abzusetzen. Zweifel waren da nicht angebracht, die “New York Times” taufte die süße Social-Media-Maus “Anne Frank von Aleppo” und da wollte sich auch die “stern”-Redaktion nicht lumpen lassen – schließlich verfügt man im Haus Gruner&Jahr  über legendäre Expertise für Tagebücher aus der Hitlerzeit. Das dann aber der Blog “Blauer Bote” einen “Stern”-Artikel über den Fall Bana  als  Fake News und Propagandafäslchung auseinander nahm, wollte man sich nicht bieten lassen und schickte dem Blogger eine Abmahnung. Doch der nahm  sich den Medienanwalt Markus Kompa, der auf Telepolis über den Fall geschrieben hat,   und wird am 14. Juli vor dem Gericht im Hamburg dafür sorgen, dass sich der “Stern” einmal mehr bis auf die Knochen blamiert. Ein Richter, der die detaillierte Dokumentation des “Blauen Boten” über Bana aus Aleppo zur Kenntnis nimmt wird wohl kaum anders können, als die “stern”-Fritzen kräftig abzuwatschen.

UPDATE 18.7.: Das Gericht in  in Hamburg konnte erstaunlicherweise doch anders und stellte fest, “dass man FakeNews nicht FakeNews nennen darf, wenn man nicht beweisen kann, dass der Verfasser absichtlich log. “Die Wahrheit, Fakten und Beweise spielten dabei keine Rolle”, meinte die vorsitzende Richterin am Landgericht Hamburg. Ohne Absicht also keine FakeNews, allerdings gilt das für die “renommierten” Medien. Während selbige beständig davor warnen, dass das Internet voller FakeNews ist, ohne im konkreten Fall zu beweisen, dass der Verfasser „mit Absicht eine Lüge“ veröffentlichte. Was für die einen eine Justizposse ist, ist für andere die logische Reaktion des Establishments auf das Rütteln am Informationsmonopol der klassischen Medien durch das Internet.”

Mehr dazu auf Rubikon: Fakten spielen für die etablierten Medien offenbar keine Rolle mehr

“Rudeljournalismus, Opportunismus, Geistesarmut, Seelenschwäche…”

“Sie haben im Rudel gejault, statt ihren Job zu machen, sie haben Obama und Hillary mit Lob und Hudel übergossen und Donald in die Tonne getreten.“ Das sagt Bestseller-Autor Mathias Bröckers im NachDenkSeiten-Interview über die Berichterstattung der Medien zu Donald Trump und der Wahl in den USA. Bröckers, der zur Gründergeneration der taz gehört, hat gerade ein neues Buch veröffentlicht, worin er die aktuelle Entwicklung in den USA literarisch verfremdet als Geschichte erzählt, die an die US-amerikanische Fantasyserie „Games of Thrones“ anknüpft. Der Titel des Buches: „König Donald, – Die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron“ lässt erahnen, wie Bröckers die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten wahrnimmt: Als Kampf um die Macht unterschiedlicher Fraktionen, die wie in der Fantasyserie vor nichts zurückschrecken, um an jene Stellen zu gelangen, die die entscheidenden Weichenstellungen in dem Land ermöglichen. Da immer dann, wenn es um Macht geht, die Medien auch eine wichtige Rolle spielen, fällt ihr Verhalten auch im Zusammenhang mit den „unsichtbaren Meistern“ und dem „Kampf um den Thron“ auf. Ein Interview über „König Donald“ und die Medien.”

Das Interview, das Marcus Klöckner mit mir führte, jetzt auch auf free21 und als pdf