23
Jun, 2016

Endspiel in Europa

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27.06.13-2139-Bildschirmkopie-300x152Bevor auf diesem Blog für zwei Wochen Sommerpause ist, hier noch ein paar Prognosen und Hinweise:

– der Brexit wird heute knapp abgewählt, die Briten bleiben drin, was dann zum allgemeinen Aufatmen und fröhlichen “Weiter so!” in der EU führen wird. Aber nicht zu irgendeiner Lösung oder einem Stop der europäischen Disintegration.

– es wird auch weiterhin nichts Schlimmes geben, hinter dem nicht Putin steckt. Jetzt hat das ehemalige Nachrichtenmagazin “enthüllt”, dass auch die Hacker des IS “Cyber Kalifats” eigentlich Russen sind. Das Online-Magazin “Sputnik” hat mich  zu dieser neuen Volte im  kindergarten-artigen Russland-Bashing befragt.

– wie weltfremd, dumm und gefährlich naiv es ist, dass die deutschen und europäischen Satrapen des US-Imperiums dieses Spiel weiter mitspielen, wird deutlich in dem sehr ausführlichen und lesenswerten Interview mit dem in China lebenden “Weltbürger” Jeff Brown (Teil 1 und Teil 2) – über die chinesisch-russische Zusammenarbeit,  die  staatsmännischen Fähigkeiten der beiden Chefs, Xi und Putin, und vieles andere Wichtige (und hierzulande selten gehörte) über unsere kontinentalen Nachbarn – und den Irrsinn, sich auf Geheiss Washingtons mit ihnen anzulegen.

– letzteres hatte Präsident Obama wohl im Sinn, als er unlängst als erster Präsident der USA nach dem 2. Weltkrieg Japan einen Besuch abstattete. Nicht um sich für den Horror von Hiroshima zu entschuldigen, sondern um anzuregen, einen Artikel der japanischen Verfassung zu streichen, der Angriffskriege verbietet. Das ist nur der erste Kracher, den Ken Jebsen in seinem Monatsrückblick aufspießt – Endspiel in Europa: NATO gegen Frieden 1:0

– wie die transatlantischen Pre$$titutes, allen voran natürlich die Springer(-stiefel)presse, über Außenminister Steinmeier herfallen, weil er angesichts von Nato-Manövern an der Russland-Grenze  vorsichtig anmerkte, dass “Säbelrasseln und Kriegsgeheul” nicht angemessen seien für ein gedeihliches Miteinander, ist einmal mehr bezeichnend. Jetzt wagt es sogar SPD-Chef Gabriel, ins Reich des Bösen zu reisen – eine Blasphemie sondergleichen. Ob ZDF-Oberansager Kleber beim anschließenden Interview wieder erregt mit den Ellbogen wedelt wie ein Huhn auf  Cristalmeth –  so wie vor zwei Jahren, als der Siemens-Chef die Ungeheuerlichkeit begangen hatte, mit Putin zu sprechen – bleibt abzuwarten.

– Ein Wiedergänger von Dr. Strangelove hat im Pentagon verkündet, Amerika sei bereit “in Europa Krieg gegen Russland zu führen”. Irre – aber angesichts dieses Wahnsinns, der den Platz vor unserer Haustür zur atomaren Wüste machen wird,  bricht in den europäischen Großmedien kein Aufschrei der Entrüstung los. Offenbar sorgt der Weichspülgang aus Brainwashington mittlerweile überall in den Redaktionen für  fatalistische Schlachtbankstimmung. Kein Wunder, wenn sämtliche “Nato vs. Russia”-Planspiele im ThinkTank-Land nicht besser endeten als die bisherigen Versuche von Napoleon bis Hitler, Mütterchen Russland an den Kragen zu gehen. “Beware what you wish for: Russia is ready for war” schreibt Pepe Escobar deshalb allen krieglüsterenen Westlern ins Stammbuch.

– dem Urlaubsschmöker schlechtin, der Fortsetzung von Gregory David Roberts Bombay-Unterwelt-Thriller “Shantaram”, konnte ich leider nicht widerstehen. Als “Mountain Shadow” nach jahrelangem Warten vor zwei Wochen endlich ankam, mußte ich die 870 Seiten gleich in einem Rutsch weglesen. Wie so oft nach einem absoluten Welthit sind einige Fans vom Nachfolger enttäuscht, ich war aber sofort wieder drin in der Geschichte und wieder begeistert. Kommt im Herbst auch auf Deutsch.

– was die EM betrifft bin ich natürlich für Island, das “Darmstadt 98″ Europas. Getippt habe ich allerdings wenig einfallsreich auf Spanien, die aber bis dato nicht wirklich überzeugen konnten. Ein Brexit ist hier allerdings überfällig: wenn Großbritannien mit England, Wales, Nordirland und den nur diesmal nicht qualifizierten Schotten antreten kann, wieso schicken wir dann nicht noch ne Abordnung aus Bayern, NRW und Hessen ? Die könnten gegen die Gurken von der Insel, die seit 50 Jahren nichts mehr gerissen haben – und 66′  (Wembley) auch nur mit Beschiss ! –  durchaus mithalten. Eigentlich fallen die Brits nur durch ihren dumpfen Hooliganimsus auf, bei dem sie mit den Russen und Kroaten das  Spitzentrio der europäischen Unsympathen bilden. Angesichts solcher Vollpfosten scheint es freilich um so dringender notwendig, aus der Tiefe des Raums an die Anweisung des Fußball,-und Faschismus-Experten Wolfgang Neuss zu erinnern: “Es ist Aufgabe des Fußballs, den Nationalismus in Folklore zu verwandeln!” Wir versammeln uns zu Hundertausenden, schreien “Sieg!”… und fallen danach nicht über Russland her, sondern gehen mit Iwan einen trinken.

19
Jun, 2016

Barbarossa 2.0

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Vor 75 Jahren, am 22. Juni 1941, begann mit dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion der brutalste Vernichtungskrieg der Weltgeschichte. 27 Millionen sowjetische Männer, Frauen und Kinder fielen ihm innerhalb von vier Jahren zum Opfer, die wenigsten davon im Kampf, die meisten vom ihnen willkürlich ermordet oder dem Hunger, -und Kältetod preisgegeben. “Es kann keinen Zweifel geben, dass Leningrad verhungern muss” lautete ein Dekret der deutschen Generalität im November 1941 für die belagerte Stadt, was die Wehrmacht in den folgenden Wintern planmäßig erfüllte: 470.000 Menschen starben an Hunger.

Es ist deshalb mehr als ein symbolischer Akt, wenn Bundespräsident Gauck am Donnerstag nach St. Petersburg reist, um dieser Hungertoten auf dem Friedhof zu gedenken, die deutsche Schuld zu bekennen und den Nachkommen dieser Generation mit einem “Nie wieder!” die Hand zu reichen. Auch Angela Merkel zeigt Souveränität, indem sie sich vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin, dessen älterer Bruder den “Hungerwinter” in Leningrad nicht überlebte, verneigt und sich für die Verbrechen Deutschlands beim russischen Volk entschuldigt.  Wie ernst es mit dieser Versöhungsgeste gemeint ist, zeigen die Historikerzunft und die Museen des Landes, die mit zahlreichen Ausstellungen und Konferenzen den Vernichtungskrieg gegen die “slawischen Untermenschen”  thematisieren.  So wie die christlichen Kirchen der im Namen des Herrn und des Führers  abgeschlachteten Russen gedenken und auch die jüdischen Gemeinden den Mitopfern dieses rassistischen Massenmords, dessen blanke Zahlen den Schrecken des Holocaust fast verblassen lassen.

Wie ? Von all dem geschieht nichts ? Also rein gar nichts, außer irgendeinem halb-offiziösen Kranzabwurf ? Aber was haben sich denn unsere Offiziellen, unsere Politik,- und Kulturschaffenden, stattdessen gedacht ? Wenn sich Geschichte nach dem berühmten Marx-Wort zuerst als Tragödie und dann als Farce ereignet, dann haben wir zum Gedenken an den 75. Jahrestag des Überfalls auf Russland und des Masenmords an 27 Millionen einmal mehr ein Paradebeispiel:

31’000 Soldaten, 3000 Fahrzeuge und Panzer, 105 Flugzeuge und Helikopter, zwölf Kriegsschiffe simulieren im größten Nato-Manöver seit Ende des Kalten Kriegs ….den Überfall auf Russland.

Bzw. von Russland, denn wie weiland Hitler schießt man natürlich nur zurück. Nicht in Nazi-Uniformen und mit  guten alten Stuka-Bombern wie beim Unternehmen Barbarossa, das Ganze ist kein “Re-Enactment” bei dem historische Schlachten nachgespielt werden – die säbelrasselnden Nato-Hanseln und ihre Chefs im Pentagon meinen es ernst, und die Bundeswehr schickt 400 Pioniere. Im Rahmen der “Bündistreue”. Nur eine symbolische Marionetten-Truppe für dieses Theater, in dem der Iwan den Watschenmann geben  muß.Russophobie ist die  unverzichtbare Cashkuh der Nato. Dass Deutschland in diesem Barbarossa 2.0 Zirkus an diesem Jahrestag mitspielt ist geschmacklos und geschichtsvergessen. Dass um dieser absurden Farce Ausdruck zu geben, die Bundeswehr-Pioniere bei ihrem Einsatz am 22. Juni Trauerflor tragen, wurde vom Verteidigungsministerium indes noch nicht bestätigt…

18
Jun, 2016

Battle of Brexit

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Queen Brexit

Dass man den Briten nicht nachweinen muss, wenn sie die EU verlassen, weil sie mit ihren ewigen Extrawürsten eh nur genervt haben, hatten wir vor einiger Zeit schon angemerkt ( hier und hier ). Europa kommt künftig auch ohne die verregnete Insel klar, die sich in Vergangenheit eher als Hemmschuh, denn als Förderer europäischer Kooperation erwiesen hat und dem Kontinent wirtschaftlich außer dubiosen “Finanzprodukten” nicht viel zu bieten hat. Außenpolitisch agiert England  ohnehin zuerst als Pudel bzw. Pittbull des großen Cousins in Washington und weniger im Interesse der europäischen Nachbarn und ist auch auf diesem Feld verzichtbar.

Als Markt für europäische Exporteure bliebe die Insel indessen auch weiterhin erhalten, denn außer bei Schafwolle und Landminen reicht die Eigenversorgung kaum aus, um den heimischen Bedarf zu decken. Das könnte dann freilich erheblich teurer werden, da dass Pfund bei einem “Brexit” am 23. Juni voraussichtlich erst mal in den Keller rauscht. Und bis neue Handelsverträge mit der EU ausgehandelt sind, wird es nicht nur dauern, die Briten sitzen bei den Verhandlungen auch nicht am längeren Hebel und werden Kröten über Kröten schlucken müssen, wenn sie mit dem Kontient im Geschäft bleiben wollen. Deshalb würde ich auf einen Austritt keine Wette abschliessen – selbst wenn die Murdoch-Medien und die Queen dafür trommeln

Für die EU und das Projekt Europa wäre ein Brexit zwar leichter zu verkraften als für England, aber ohne Frage ein herber Rückschlag –  wenn auch einer mit Ansage. Schon die Art und Weise, wie der “Grexit” abgewendet wurde  hat deutlich gemacht, dass es mit einer echten “Union”, einem vereinigten und föderativen Staatenbund noch nicht weit her ist. Dieser kann und wird  nur mit einem Länderfinanzausgleich funktionieren, der bei mittlerweile 28 Mitgliedsstaaten mit aktuell stark differierender Wirtschaftskraft  freilich  illusorisch scheint. Schon die Bayern, Jahrzehnte lang von den anderen Bundesländern hochgepäppelt, klagen ja mittlerweile regelmäßig, dass sie jetzt schon  mehr einbezahlt, als erhalten haben und wollen ihren Beitrag kürzen. Wie das Heulen und Klagen der reichen EU-Länder aussehen würden, wenn sie die Armenhäuser im Süden und Osten stärker unterstützen müssten, kann man sich leicht ausmalen.

Allerdings haben die Wähler*innen auf der Insel auch durchaus nachvollziehbare Gründe für einen Austritt:  die Lobbyisten-Bürokratur aus Brüssel abzuschütteln brennt in allen EU-Ländern vielen auf der Seele. Dass ein “Brexit” einen Domino-Effekt haben könnte ist deshalb eine naheliegende Befürchtung. Aber vielleicht muß es dazu kommen und die von oben – qua Euro oktroierte –  “Gemeinschaft” noch einmal zerbrechen, bevor die einzelnen Mitglieder sich zusammenraufen und realisieren, dass ein Rückfall in den Nationalismus keine Lösung ist.

Dass er vielmehr zum ernsten Problem werden kann, macht der Mord an der Labour-Abgeordneten Jo Cox deutlich,  die sich sehr für Migranten einsetzte: ihr Mörder ist ein langjähriger Neo-Nazi.  Weil er ein Weißer ist, und “Britain First!” brüllte, wird der Mord freilich eher als Tat eines geistig Verwirrten dargestellt. Hätte er “Allah akbar” gerufen und wäre Moslem, gälte er mit Sicherheit als  “Terrorist”.

13
Jun, 2016

Aus dem Innenleben unseres Finanzsystems

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Über Volker Handons Buch “Die Psycho-Trader – Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems” schrieb ich im letzen Jahr:

“Dass es auf den „internationalen Finanzmärkten“ um nichts anderes als ums Zocken und Wetten geht und das Ganze mit der Realwirtschaft nichts mehr zu tun hat zeigt schon eine Zahl: 700 Billionen Euro. Das ist der Wert aller Derivate, auf die weltweit an den Börsen Wetten laufen. Das Bruttosozialprodukt von USA und EU zusammen liegt bei etwa 30 Billionen; säßen also diese beiden als einzelne Zocker am Tisch, ginge es bei diesem Spiel um mehr als das 20-fache ihres Jahreseinkommens. Man muss kein Kenner von Poker oder Black Jack sein um zu erkennen, dass es in diesem Casino nicht mit rechten Dingen zugehen kann.

Was, wie und warum es nicht mit rechten Dingen zugeht, darüber habe ich viel in einem neuen Buch gelernt, das ich  mit wachsender Begeisterung gelesen habe: “Die Psycho-Trader – Aus dem Innenleben unseres kranken Finanzsystems” (Westend Verlag). Volker Handon, seit Jahrzehnten selbstständiger Börsenhändler in Frankfurt, plaudert hier – ebenso authentisch und informativ wie unterhaltsam und spannend – aus dem Nähkästchen des Systems, in dem er als kleines Rädchen Tag für Tag operiert. Er wartetet nicht wie in viele andere Börsenbücher mit großen, spektakulären Enthüllungen á la “Wie ich an einem Tag 30 Milliarden versenkte” auf.  Vielmehr beschert er dem Leser mit Einblicken in das Seelenleben und Alltagsgeschäft eines Traders viele kleine, profane Erleuchtungen, die zusammen ein beeindruckendes Bild des Gesamtsystems ergeben.  Und ein Verständnis dafür, dass man es sich zuleicht macht, wenn man einfach nur die “bösen Banker” verabscheut. Sie sind nicht böser als die meisten anderen Menschen auch: Sie sind Spieler, die im Rahmen der vorgegebenen Regeln spielen und diese Regeln zu ihrem Vorteil ausznutzen und auch übertreten. Solange die Vorgaben nicht geändert werden, und wirksame Kontrollen und scharfe Sanktionen für “Fouls” unterbleiben, solange muss sich niemand wundern,  dass sie weiterzocken. (Die ganze Rezension hier )

12
Jun, 2016

Neues von der Ostküste

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Zum Thema”Querfront” –  den mit den “Montagsmahnwachen” aufgekommenen Vorwurf, dass sich hier “Linke” mit “Rechten”, alte Hippies mit neuen Nazis, kremlgesteuerte Putin-Trolle mit irren “Reichsdeutschen” und friedensbewegte Pazifisten mit rechtsradikalen Pegidisten verbünden und dieses angebliche “Netzwerk”  zusammengehalten wird von “Verschwörungstheorien”, “Anti-Amerikanismus” und “Antisemitismus” – über dieses Phantom hatte ich in den letzten beiden Jahren schon öfter etwas geschrieben (  hier , hier und hier). Jetzt hat sich der Wirtschaftsjournalist und “Handelsblatt”-Autor Norbert Häring des Themas noch einmal angenommen, nachdem er in die Fänge derer geraten war, die das “Querfront”-Gespenst an die Wände malen. Der Grund: Häring hatte in einem Sachbuch über die Abschaffung des Bargelds des Wort “Ostküste” gebraucht – und sich damit als tendenziell rechtsextrem, völkisch, rassistisch geoutet. Wie das ?…  fragt der Fachmann und der Laie wundert sich.

Tja, es handelt sich hier um ein antisemitisch konnotiertes Codewort. Wer “Ostküste” sagt, meint  damit nämlich  nicht das us-amerikanische Finanzzentrum und auch nicht den Strand von Long Island, sondern die Juden.”US-Ostküste”, weiß die “antideutsche” Postille Jungle World, ist “ein weit verbreiteter Code für die jüdische Weltverschwörung.” Das muss man natürlich wissen, wenn man nicht unversehens zum Nazi mutieren will. Auch wer die “FED” oder die “Hochfinanz” kritisiert, ist verdächtig, einen Code zu benutzen und eigentlich  das “Finanzjudentum”, also Hitler und Holocaust, im Sinn zu haben. Nämliches gilt wenn  gegen “Zins” und “Zinseszins” argumentiert wird,  schließlich stand  die “Brechung der Zinsknechtschaft” auch schon im NSDAP-Parteiprogramm.

So kommt es dann, dass sich die 250.000 Menschen, die letzten Oktober gegen das betrügerische TTIP-Akommen demonstrieren, von den sogenannten Qualitätsmedien nachsagen lassen müssen, dass sie “Schauermärchen vom rechten Rand” nachlaufen, die auf “braunem Mist” gewachsen sind. Nun läßt sich natürlich nicht ausschliessen, dass bei einer solchen Großdemo auch einige braune Mistkerle und anderer Verwirrte mitlaufen. Daraus aber nun zu konstruieren, dass das gesamte Protestanliegen unanständig und gefährlich sei und es ins rechte Lager zu schieben, ist schlichtweg verrückt. Und genauso gaga wie die Textexegeten, die den Gebrauch von “Ostküste” als Beweis für Antisemitismus anführen. Damit  dieser Humbug nicht allein auf derart schwachsinnigen Füßen steht, werden sodann ganze “Netzwerke” konstruiert, die zwar real nicht existieren, aber zur Kontaminierung qua Kontaktschuld taugen: A hat mit B geredet, der wiederum mal mit C auf einem Podium saß, das von D veranstaltet wurde, der mittlerweile Pegida unterstützt, also ist ja wohl klar, was A für einer ist. Norbert Häring ist dieser Diffamierungsmethode auf den Nachdenkseiten en detail nachgegangen.

“Es ist immer derselbe Trick”, meinte B., als wir heute darüber sprachen,”Kritik, die an’s Eingemachte geht, an die Grundlagen des Machtsystems, muß ausgegrenzt werden. Würde sie mehrheitsfähig, wäre die Macht gefährdet. Und eine  Nachricht diskreditiert man am leichtesten, in dem man den Überbringer diskreditiert. Müßtest du doch am besten wissen. Nach 9/11 konnte man nicht schreiben, dass die offizielle story ein Märchen ist, ohne sofort als Antiamerikaner, Antisemit oder voll Vollverückter disqualifiziert zu werden. Nach 15 Jahren läuft dann wie letzte Woche in der ARD ein Monitor-Bericht, dass die 9/11-Geschichte neu geschrieben werden muß.” – Da ist was dran. Ich muß mal meine Bücher durchsehen, ob ich irgendwo “Ostküste” erwähnt habe….

10
Jun, 2016

9/11: Die Saudi-Connection ist nicht alles

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!!atta-Auch die Veröffentlichung von 28 geschwärzten Seiten des US-Kongressberichts zu 9/11 wird die Verbrechen nicht aufklären. Der Puzzlestein macht aber einmal mehr deutlich, dass von Grund auf neu ermittelt werden muss.

Dazu heute mein Gastbeitrag auf rt

9
Jun, 2016

Bernie or Bust ?

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Für ein endgültiges “Bye Bye Bernie” ist es zwar noch zu früh, Senator Sanders wird auf dem Parteitag der Demokraten noch einmal eine Rede halten, und versuchen, die Partei  von seinem Kurs zu überzeugen, doch die Kandidatur wird er Hillary Clinton nach ihrem Sieg in Kalifornien nicht mehr nehmen können. Als einst ein Bekannter dem alten Joe Kennedy zur Wahl seines Sohns beglückwünschte, antwortete JFK’s Vater:  “Mit dem Geld hätte auch mein Chauffeur die Wahl gewonnen.” –  was mit Sicherheit auch für die von Corporate America gestopfte Clinton bzw. ihre Friseurin gilt. Auch Bernie Sanders konnte sich über Millionen Dollar Wahlkampfspenden freuen, doch die kamen nicht von Goldman Sachs und der Rüstungs,-und Ölindustrie, sondern tatsächlich von seinen Wählern. So wie ja auch Donald Trump von seinen eigenen Millionen im Wahlkampf angeblich gar nichts einsetzen mußte, weil auch seine Show weitgehend von seinen Anhängern finanziert wurde  – und die Medien dem Springteufel reichlich Sendezeit spendierten. Sanders vs. Trump wäre also ohne Frage das Präsidenten-Duell der Herzen gewesen – und laut den Umfragen würde Bernie es deutlicher gewinnen als Hillary – doch jetzt wird es Clinton vs. Trump, was längst nicht so sicher ist. Weshalb sich nun auch Obama eingeschaltet und Sanders beschwört, jetzt Hillary zu unterstützen und seine Anhänger dazu aufzufordern, das ebenfalls zu tun. Ohne diesen Support, das ahnen die Parteioberen der Demokraten, hat Clinton keine Chance auf das Weisse Haus – und als Vizepräsident unter Hillary ist Bernie schwer vorstellbar, denn sie steht für das 1% Plutokraten, deren absolute Herrschaft Sanders beenden will. Weshalb seine Hardcore-Unterstützer der Partei auch die Parole “Bernie or Bust!” ins Stammbuch geschrieben haben und die Demokraten eher  verlieren lassen als sich hinter Clinton zu scharen. Ich gebe zu, dass auch ich die Dame auch niemals wählen könnte, auch nicht um die “Inkompetenz” und “Unberechenbarkeit” eines Trump zu verhindern. Denn Clintons Kompetenz und Berechenbarkeit sind nicht weniger furchterregend.

6
Jun, 2016

Rolf Hochhuth im Gespräch

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Rolf Hochhuth (85) ist der berühmteste noch lebende deutsche Dramatiker, doch in den deutschen Qualitätsmedien kommt er nicht mehr vor. Aber zum Glück gibt’s Ken FM:

4
Jun, 2016

Fragen an den Autor

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Kleiner Hinweis für Radiohörer: Morgen ab 11.00 bin ich für eine Stunde live zu hören,  als Gast bei dem SR-2Klassiker “Fragen an den Autor”. Nächste Woche wird die Sendung dann auch als Podcast zur Verfügung stehen und hier verlinkt.

Update Here we go:  Fragen an den Autor, SR 2, vom 5.6.2016

 

3
Jun, 2016

“Monitor” mit Scheuklappen

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wtc“Die Geschichte von 9/11 muss neu geschrieben werden” titelte gestern des ARD-Magazin-Monitor, mit einem Zitat des US-Senators Bob Graham, der “erstmals im deutschen Fernsehen” ein Interview über die ominösen unveröffentlichten “28 Pages” des 9/11-Reports gab. Dass es sich bei dem aktuellen Bohei um die Saudi-Connection eher um Nebelkerzen handelt, weil die “schützende Hand” über den späteren “Hijackern” seit langem bekannt ist, war ja hier im Blog schon öfter zu lesen. Und der “Monitor”-Beitrag ist ein weiterer Beleg dafür. Dass Agenten des saudischen Geheimdiensts in den USA keinen Schritt tun , von dem der große Bruder CIA nicht wüßte, dass 15 der 19 “Hijacker” mit fehlerhaften Visa ins Land kamen, die von der als CIA-Schleuse bekannten US-Botschaft in Jiddah durchgewunken wurden, dass die Top-Terroristen Al-Midhar und Al-Hazmi nicht nur von saudischen Royals alimentiert wurden, sondern auch bei einem Informanten der US-Dienste zur Untermiete wohnten – zu diesen offensichtlichen Zusammenhängen und ihre Vertuschung hat “Monitor” weder weitere Fragen, noch weiterführende Informationen. Die Scheuklappen, mit denen 9/11 von den Großmedien betrachtet wird, sind nach wie vor festgezurrt.

Über diese Vertuschung sprach ich schon 2004 auf der internationalen 9/11-Konferenz in Toronto und präsentierte dort ein kleines Detail – ein Schreiben der saudischen Botschaft an den “Spiegel” – das zeigt, wie in diesem Zusammenhang vom ersten Tag an und von höchster Stelle gelogen wurde.  Hier der Auszug aus dem Vortrag über “Platons Höhle und 9/11″:

 

“In a similiar way  the Saudi-background of 9/11 is covered up – a recent book „House of  Saud, House of Bush“ and Michael Moores praised documentary have shed some light on this and it’s allready discussed in many mainstream media. I can add a small detail here confirming the ongoing cover-up:

In  my last book – documentating the dubious identities of the hijackers – I quoted from the press release of a Meeting of Minister of Foreign Affairs, Prince Saud Al-Faisal and Pres. Bush on Sept. 20th 2001:

„Regarding the inclusion of Saudi names in the published list of the suspects, Prince Saud commented that haste in publishing the names of suspects has been acknowledged, and that it has been proven that five of the people listed had nothing to do with what happened, adding: “We very much hope that before being published, information, names and pictures will be verified.” (End of Quotation)

This press release was published on the website of the Saudi Embassy – but you will not find it there anymore, it’s now a dead link.

When our book „Facts, forgeries and the suppressed evidence of 9-11“ came out in August 2003 – and the „Spiegel“-Magazin tried to ridicule my claim of the highly dubious hijackers identities, they asked the Saudi Embassy in Berlin about this quote of the Foreign Minister. Since the „Spiegel“ -guys aren’t cooperating with me, they didn’t provide me with the answers; but supported instead the befriended TV-Magazine „Panorama“ for an smear on the books of Andreas von Bülow, Gerhard Wisniewski and mine, so incredible, that I sued them for wrong allegations. To convince the judge what a bad journalist I am they sent in a huge pile of paper, and in this I found the document with the official answer of the Saudi Embassy to the „Spiegel“:

„Regarding your request from Aug. 27th 2003 on the alleged press-release of HRH Foreign Minister Prince Saud Al Faisal after his meeting with US-President George W.Bush on Sept 20th 2001, in which he is supposed to have said that five names on the FBI’s suspects-list had nothing to do with what happend, the Embassy of the Saudi Arabian Kingdom intimates, that HRH the Foreign Minister never gave such a statement and this means, that what is written in the book „Facts, Forgeries and the supressed evidence of 9-11“  lacks any foundation.“

(Copy of the document)

Thanks to the memory of the internet we can proof the opposite, the Saudi Foreign Minister indeed gave the statement  „that five of the people listed had nothing to do with what happened“ on Sept. 20th  and thanks to the involuntary help of  „Spiegel“ we can proof now, that two years later they officaly deny it entirely. Needless to say that this was no reason for  the former leading news-magazin  „Spiegel“ to look a bit closer at this mysterious denial. Why does the Saudi Secretary two years later deny that there had been errors in naming the suspects and he had dicussed  this with Pres. Bush who had acknoleweged a certain „haste of publishing“? If errors happened in „haste“ and would have been corrected properly with the second FBI-list published a week later – why not simply state so?  Why eliminate press-releases and deny given statements ?   – Because until today the question of the true identity of the 19 hijackers is still totally unsolved – and the Bush- administration and the officials of the other countries involved do everything they can to keep it that way.  If they succeed these 19 will stay there for ever and become history.”

Das sind sie bis heute und auch die “28 Seiten” werden daran nichts ändern. Dass aber  unter den fünf “falschen” Namen, die gestrichen werden sollten, mit Sicherheit Al-Midhar und Al-Hazmi zu finden sind, darauf kann man jede Wette abgeben.

31
May, 2016

Timothy Leary (1920-1996)

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AsahiTimothyLearyHeute vor 20 Jahren starb Timothy Leary. Letztes Jahr schrieb ich für  das Magazin “Lucy’s” über James Penner’s  Buch: „Timothy Leary – The Harvard Years. Early Writings on LSD and Psilocybin with Richard Alpert, Huston Smith, Ralph Metzner and others“ einen längeren Artikel, hier ein kurzer Auszug:

“Er war der „Staatsfeind Nr.1“ für den US-Präsidenten Richard Nixon – und der Hohepriester und Lehrmeister für die Gegenkultur der 1960er Jahre; er wurde gejagt, gefangen und in Einzelhaft gehalten – und er wurde gefeiert, verehrt und inspirierte die Massen. Er war Provokateur, Politiker und Popstar – und er war Psychologe, Philosoph und Pionier der Bewusstseinsforschung. Dies alle und einiges mehr war Timothy Leary und gäbe es eine Wahl der schillerndsten und einflussreichsten Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, das 1920 in Springfield/Massachusetts geborene Multitalent gehörte sicher auf einen der vorderen Plätze. Wobei „umstritten“ noch eines der neutralsten Prädikate wäre, die ihm die Mainstream-Medien anheften.

Von den Historikern der Zukunft wird seine Person einst als einer der wichtigsten kulturrevolutionären Kristallisationspunkte des 20. Jahrhunderts eingestuft werden. Denn nicht umsonst rief die Nixon-Regierung den flüchtigen Ex-Harvard-Professor zum Staatsfeind Nr. 1 aus, nicht umsonst brummte man ihm für ein paar Gramm Marihuana dreißig Jahre Gefängnis auf, von denen er fast acht Jahre absaß, nicht umsonst wurde er als “Verderber der Jugend”, “LSD-Papst” oder “CIA-Agent” verrufen – denn niemand anderes als Leary hatte die revolutionärste und subversivste Parole des Jahrhunderts ausgegeben: tune in (stimme dich ein, werde dir deiner Programmierungen und Prägungen bewußt), turn on (erweitere dein Bewußtsein), drop out (stelle jede Realität und Autorität in Frage).

Schon Ende der 50er Jahre hatten die Schriftsteller Aldous Huxley und Arthur Koestler diskutiert, auf welchem Wege das chemische Wunder der Bewusstseinserweiterung gesellschaftlich am besten wirksam zu machen sei; als der smarte Harvard-Psychologe Leary zu ihnen stieß, glaubten sie, den richtigen Mann für ihre Strategie – die Missionierung der Eliten, der Staats- und Industrieführung und der Intellektuellen – gefunden zu haben. Doch Leary beschränkte die Weitergabe seines Wissens und des (damals noch legalen) LSD nicht auf Professoren und Führungspersönlichkeiten – er ermunterte alle Studenten, zum Operator ihres Gehirns zu werden. Deshalb schalt seinem Namen bis heute der Ruf “unverantwortlich” nach, auch wenn Leary niemals vergaß, auf die Grundregeln für erfolgreiche psychonautische Reisen – die strenge Beachtung von set und setting, von Gefühlslage und Umgebung – zu verweisen. Learys Propaganda für die psychedelische Erfahrung hätte eine systematische medizinische und therapeutische Erforschung unmöglich gemacht und überhaupt erst zu den Verboten dieser Substanzen geführt, klagen bis heute manche akademische Vertreter. Auch Albert Hofmann, der Entdecker des LSD, hat kritisiert, dass Learys Profanisierung dieser „sakralen“ Substanz unverantwortlich gewesen sei – sich aber gleichwohl mit dem berüchtigten Professor immer sehr gut verstanden. Was einerseits bei dem intelligenten und humorvollen Charakter Learys kein Wunder war, andererseits aber auch seiner bedeutenden Rolle auch angemessen ist. Ohne Learys Popularisierung der Bewusstseinserweiterung hätten viele der kulturrevolutionären Impulse der sechziger Jahre (“Summer of Love”, “68”) niemals gezündet, wäre das “Sergeant Pepper”-Album der Beatles, die Keimzelle heutiger Popmusik, so nicht entstanden, wären Kommunen und Kollektive im insektoiden Mao-Murximsus steckengeblieben, hätten weder die “Rainbow Gatherings” der 70er, noch ihre Folgeerscheinungen wie “Greeenpeace” oder die “Grünen” solche Bedeutung erlangt. Als Impulsgeber für die (Gegen-)Kultur des ausgehenden 20. Jahrhunderts kann Tim Leary insofern kaum überschätzt werden.(…)

Dass die mit der Kriminalisierung von Psilocybin und LSD in den Untergrund verbannte Erforschung psychedelischer Bewusstseinszustände mittlerweile auch im akademischen und klinischen Bereich wieder eine Renaissance erlebt, macht diese frühen Versuche einer Kartographierung dieses unbekannten Kosmos über ihre historische Bedeutung hinaus wichtig. Die heiligen Pilz und das LSD, die dem Psychologen Dr. Timothy Leary die Augen öffneten, weil sie einen Blick in den Weltraum der Seele ermöglichten, werden von der Wissenschaft vorsichtig wiederentdeckt. Das Potential, das Leary und seine Kollegen diesem bio-chemischen Teleskop in die Dunkelkammer des Gehirns vor mehr als einem halben Jahrhundert zusprachen, wird von den neuen Ergebnissen durchaus bestätigt: in der Vorbereitung auf das Sterben, bei der Behandlung von post-traumatischen Störungen oder von Autismus und ganz grundsätzlich zur therapeutischen Förderung von Einsichten in das eigene „Selbst“. Insofern ist es durchaus an der Zeit, dass sowohl „Einsteiger“ als auch langjährige Forscher hinter der schillernden Figur Timothy Leary den ernsthaften Wissenschaftler und Pionier der Bewusstseinsforschung wieder entdecken, was mit James Penners hervorragend kommentierter Edition jetzt möglich ist. Von dem „wissenschaftlichen“ Leary sollte sich dabei niemand schrecken lassen, denn auch schon aus diesen frühen akademischen Schriften atmet der Geist und die grundlegenden Prinzipen, die seine Existenz geleitet haben. In seinem nach seinem Tod 1996 erschienen „Totenbuch“ hat er es so formuliert: “Bewahren Sie Ihren Humor. Befolgen Sie die Gesetze der Leichtfertigkeit. Denken Sie. Stellen Sie Autorität in Frage. Feiern Sie das Chaotische. An Erkenntnis und Verständnis gewinnen ist ein Mannschaftssport. Sei es Leben oder Sterben… tun Sie´s immer mit Freuden.”

Update: Rechtzeitig zum Todestag ist Tim Learys letztes, posthum erschienenes Werk – ein teure Rarität in den Antiquariaten –  wieder als e-Book erhältlich: “Chaos & Cyber-Kultur – Mit Beiträgen von William Gibson, Winona Ryder, William S. Burroughs, David Burne”.

Erinnert sei auch an den Anfang des Jahres verstorbenen Computer-Artisten und Kooperationspartner Bernd Brummbär, der seinem Freund auf einem  Videotrip in die Fraktale auf die Spur ging: “Where in The Universe is Timothy Leary ?”

27
May, 2016

The Bern vs. The Donald

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Bernie Sanders und Donald Trump werden noch vor dem Wahlgang in Kalifornien am 7. Juni debattieren – nachdem Hillary Clinton ihrem Mitbewerber um die Kandidatur eine öffentliche Debatte im bevölkerungsreichsten Bundesstaat ausgeschlagen hatte. Im Fußball nennt man das “mauern” – Clinton hofft ihren Vorsprung über die Zeit zu retten und will Sanders, der deutlich gewinnen müßte um mit ihr noch gleich zu ziehen, möglichst wenig Angriffsfläche zu bieten. Beim Publikum hat Bernie die weitaus größere Fan-Basis,  Anfang der Woche  füllte er in Irvine ein Stadion mit 20.000, in dem sich bei einer Clinton-Rede höchstens ein paar Hundert  verlaufen würden. Obwohl die bestbezahlte Rednerin der USA  – seit 2001 hat sie zusammen mit ihrem Gatten 153 Millionen Dollar Vortragshonorare kassiert – wird Clinton für ihre Auftritte vorallem von Wallstreet-Bankstern und der Rüstungsindustrie, nicht aber von Wahlvolk geliebt.

Und auch nicht vom FBI, das jetzt eine Ermittlung in Clintons Email-Skandal führen will. Dass die Außenministerin des Landes Staatsgeschäfte jahrelang über ihr unverschlüsseltes privates Mailkonto abwickelt, darüber auch “Top Secret”-Informationen versendet und als das auffliegt und sie zur Herausgabe der “amtlichen” Emails gezwungen wird, die Hälfte davon löscht, weil es sich angeblich um Privates handelt, ist nicht nur einmalig in der Geschichte – einfache Staatsbedienstete (wie etwa Chelsea Manning) landen für solche Vergehen auch langjährig im Zuchthaus. So sieht sogar Clintons Hausblatt “Washington Post” nach dem Untersuchungsbericht des Generalinspekteurs jetzt große Probleme auf Hillary zurollen. Eine Präsidentschafts-Kandidatin, gegen die eine akute FBI-Ermittlung läuft, gabs schließlich noch nie.

Paul Thompson, der nach 9/11 eine unverzichtbare Timeline  ins Leben rief, hat jetzt auch eine  Timeline des “Clinton Email Scandals” aufgestellt – der unter anderem zu entnehmen ist, wie alles anfing: Präsident Obama hatte von der NSA ein abhörsicheres Blackberry bekommen, Außenministerin Hillary wollte auch eins, bekam es aber nicht und spielte dann Prima Donna: “Dann benutze ich eben mein eigenes.” Sämtliche Einsprüche von Sicherheitsbeamten bügelte sie ab und so kam der Stein ins Rollen. Sollte er sie jetzt einholen und die fast sichere Kandidatur verhageln wäre es einmal mehr ein kleiner Treppenwitz der Weltgeschichte: Zicke scheitert an Zickenhaftigkeit.

Unterdessen hat  Springteufel Trump Großes angekündigt: er will  nach seiner Wahl die Partei in eine “worker’s party” verwandeln.   Steht The Donald  also außer für  Xenophobie und Sexismus künftig auch für eine Art  National Republikanische Arbeiterpartei ? Er kündigt jedenfalls an, die “Social Security” zu retten und liegt damit durchaus auf der Linie von Sanders – aber auch nur damit. The Bern vs. The Donald wird also die eigentlich spannende Debatte, während Clinton nur für ein “Weiter so” mit Kriegen und Finanzkrisen steht, die keiner mehr will – außer den Plutokraten, die sie am Ende doch noch ins Amt hieven – stehen die beiden “Volkstribune” für eine Richtungsentscheidung. Mit dem sozialdemokratischen Aktivisten Sanders zu einem “New Deal” a la Roosevelt oder mit dem nationalistischen “Arbeiterführer” Trump zu einem mussolini-artigen Korporatismus.

UPDATE 28.5.: Trump hat die Debatte abgesagt. Er würde gern mit Sanders diskutieren, aber nur, so sagte er am Donnerstag, wenn der übertragende TV-Sender 10-15  Millionen an die Wohlfahrt spendet. Am Freitag zog er auch diese Bedingung zurück, wenn überhaupt wolle er mit der “betrügerischen Clinton” (crooked Hillary) debattieren. Auch Trump hat guten Grund gegen Bernie zu mauern – bei den bundesweiten Umfragen liegt er deutlich hinter Sanders.

26
May, 2016

9/11 und die Saudis

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!!atta-Die “28 pages” – die unveröffentlichten 28 Seiten aus dem 9/11 Commission Report – machen mal wieder Schlagzeilen –  doch es bleiben, wie vergangenen Monat hier schon notiert, 28 Nebelkerzen, denn das, was sie “enthüllen”, – die “schützende Hand”  des saudischen Geheimdienstes und der CIA über den späteren “Hijackern” Al-Midhar und Al-Hazmi, ist lange bekannt. Dass unlängst von ein amerikanisches Gericht verkündet wurde, dass Klagen von 9/11-Opfer-Angehörigen gegen saudi-arabische Roaylitäten zulassungsfähig sind, hatte schon zu einigen diplomatischen Verwerfungen bei Obamas jüngstem Besuch in Riad geführt. Jetzt wurde das Thema auch im Auswärtigen Auschuß des US-Parlaments angesprochen – und der republikanische Abgeordnete Dana Rohrabacher fragte die Sachverständigen, wer von ihnen ernsthaft glaube, dass die saudischen Royals nichts von den Vorbereitungen der 9/11-Attacken gewußt hätten. Zwei hoben die Hand, ein weiterer, Tim Roehmer, Leiter der der 9/11-Commission, widersprach: das sei zu schwierig um es mit Handzeichen zu klären. Worauf ihm Rohrabacher kräftig Contra gab (Video ab 1:19:00).

Und doch wird es auch nach einer Veröffentlichung der 28 Seiten nicht dazu kommen, dass etwa der ehemalige saudische Botschafter Prinz Bandar, wegen seiner Nähe zu George W. gern “Bandar Bush” genannt,  vor amerikanischen Gerichten verklagt wird, weil seine Frau den “Hijacker” Al-Midhar finanziell unterstützt hat. Denn dann müßte zum Beispiel auch zur Sprache kommen, dass Al-Midhar in San Diego bei einem inoffiziellen Mitarbeiter des Geheimdiensts zur Untermiete wohnte und warum die Beamten des zuständigen FBI-Distrikts, die über die  Top-Terroristen von der CIA im Dunkeln gelassen wurden, glauben, dass er selbst ein “IM” war. Und diese Pandorabüchse machen wir dann lieber doch  nicht auf. Auch wenn die Kopf-ab-Monarchen und Terror-Exporteure in Riad jetzt ein wenig Panik schieben, ihr großer Bruder in Washington kann sie nicht allein im Regen stehen lassen, dazu steckt er selbst zu tief mit drin…

22
May, 2016

Der “Panzerbär” ist wieder da

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Das Vorwahl-Spektakel in den USA bleibt spannend: Donald Trump führt bei den Republikanern haushoch, Hillary Clinton hat in Oregon, West Virginia und Indiana verloren, liegt aber wegen des dubiosen “Superdelegierten”– Systems immer noch deutlich vor Bernie Sanders. Der müßte alle ausstehenden  Abstimmungen mit 90% Abstand gewinnen, um  mehr Stimmen zu bekommen als Clinton, was unwahrscheinlich ist. Doch auch wenn Bernie das nicht schafft, könnte der demokratische Konvent ihn am Ende zum Kandidaten machen – weil nur er  in der Lage ist, gegen Trump zu gewinnen. Denn Clinton liegt schon aktuell in den verschiedenen Umfragen hinter Trump, ein Rückstand,  an dem sich wenig ändern wird, wenn sie weiterhin einen Wahlkreis nach dem anderen gegen Sanders verliert – oder wie zuletzt in Nevada nur mit Tricks so hauchdünn gewinnt, dass es stark nach Schiebung riecht. Dass Bernie nicht aufgibt, hat einen guten Grund: er ist in nahezu allen demographischen Schichten beliebter als Hillary und würde Trump klar schlagen. Die von den Clintons auf “War” und “Wallstreet” getrimmte demokratische Partei könnte das freilich ebenso zerreißen wie bei den Republikanern die Nominierung von Trump. In diesem Fall haben die ersten Hardcore-Neocons schon angekündigt bei der Wahl für Clinton zu stimmen. Zwei Außenseiter von rechts und links mischen also das Parteienestablishment mächtig auf, und ginge es bei diesem Spekatkel um echte Demokratie wären Sanders und Trump eindeutig die Kandidaten. Geht es aber nicht, weshalb wir uns traurig abwenden, um in den Untiefen der deutschen Lückenpresse zu entdecken:

Der “Panzerbär” ist wieder da. Das in den letzten Tagen des 2. Weltkriegs in sieben Ausgaben erschienene “Kampfblatt für die Verteidigung Gross-Berlins” wurde zwar nicht neu aufgelegt, doch jetzt hat es die FAZ übernommen, Gastbeiträge im Geiste dieser Frontzeitung unredigiert zu drucken. “Wann raffen wir uns endlich auf ?” fragt ein Landser der ganz alten Schule, Wolf Poulet, und führen statt “perpetuierter Gutmenschlichkeit” und „2.0-Abbitte für Adolf Hitler“ endlich wieder ordentliche Angriffskriege ? Wer in unserer “friedensverstiegenen Generation” sorgt dafür, dass die Bundeswehr endlich ihre  “ca. 4500″ Panzer wieder kriegt, die sie im Kalten Krieg vor 1989 befehligte: “Heute sind es noch zwischen 225 und 300″. Klar, dass Gross-Berlin damit nicht zu halten sein wird, gegen die aggressive Übermacht der  Roten Armee von Stalin aka Putin.  Und gegen die Islamisten überall, und die ganzen Flüchtlinge. Halb Afrika sitzt schon auf gepackten Koffern! Und das nur, weil Westerwelle und Merkel “durchdrungen von ihrer Friedensneigung” den Libyen-Einsatz verweigerten, und an der “Seite von Russen und Chinesen für Enthaltung stimmten.” Was soll man von einer Pfarrerstochter und einem Homo auch erwarten, außer dass sie mit dem Iwan und den Schlitzaugen paktieren und  die Alliierten “desavouieren” – bei ihrem großartigen Libyen-Einsatz, dank dem jetzt der IS und Al Qaida in Tripolis regieren. Mit 4500 Bundeswehr-Panzern (Rommel 2.0!) wär’ das natürlich nicht passiert.  Zudem würde der “Abbau der unspezifischen Friedensverstiegenheit” zu Hause zum Aufbau  der  “nationalen Verteidigungsfähigkeit” beitragen und verhindern, dass  “Parteien mit verquaster chauvinistischer Heilslehre” an die Regierung kommen. Wer also Pegida & AfD verhindern will, muss die Abbitte für Adi einfach mal stecken lassen und wieder ein paar ordentliche “Kampfeinsätze” hinlegen.  Mit Hitlary als voraussichtlicher Präsidentin wird es auf jeden Fall reichlich Gelegenheit geben…

17
May, 2016

Where to invade next ?

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Auch wenn Europa kein wirkliches Paradies und Amerika nicht der Vorhof der Hölle ist – wie Michael Moore in seinem jüngsten Film die Differenzen herausarbeitet, trifft mehr als nur holzschnittartig den Punkt und ist auch in voller Länge ein Vergnügen (oops, das Link funkt nicht mehr, aber hier gibts diverse Trailer & Clips – und die DVD überall im Handel.)

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