Olaf, Arschflugkörper und ein “entcancelter” General

In den täglichen Briefings der Verteidigungsministerien in Moskau und Kiew war mir schon in den ersten Wochen nach dem Einmarsch aufgefallen, dass auf ukrainischer Seite deutlich mehr gelogen wird als auf russischer. Um den Geld,-und Waffenfluss anzutreiben und aufrecht zu erhalten, war Kiew gezwungen permanent Erfolge zu melden, die gar nicht nicht eingetreten oder bedeutungslos waren, und die westlichen Spindoktoren und Medien bastelten aus diesen Fakes das Narrativ von der Schwäche, Inkompetenz und der bevorstehenden Niederlage Russlands… wenn nur noch ein paar Wunderwaffen mehr geliefert und eingesetzt werden. Nach fast zwei Jahren wird nun selbst den eifrigsten Kriegstreibern in NATOstan zunehmend klar, dass auch mit noch so viel Propaganda auf allen Kanälen kein Krieg am Boden zu gewinnen ist. Und dass nicht Präsident Zelensky mit der Angabe von 31.000 Gefallen der ukrainischen Armee, sondern der russische Verteidigungsminister Shoigu die Realität beschreibt:
“Im Durchschnitt hat der Feind seit Anfang des Jahres täglich mehr als 800 Soldaten und 120 Einheiten verschiedener Ausrüstungen, einschließlich ausländischer Waffen, verloren. Im Laufe der militärischen Sonderoperation haben die Streitkräfte der Ukraine bis zu 444.000 ukrainische Soldaten verloren.”

Da helfen nur noch: “weitreichende Arschflugkörper” und Bodentruppen, wie sie Frankreichs Präsident jetzt nicht mehr ausschließen will. Anders als bei seinem Vorgänger Bonaparte, der als gelernter Offizier schon einige Kriege gewonnen hatte bevor er von den Russen 1814 nach Paris zurück gejagt wurde,wäre bei diesem Rothschild-Banker und …ähem…Quereinsteiger ins Militärische, dem Scholz und die EU-Kollegen bei seinem Napoleon-Reenactment nicht so recht folgen wollen, die klassische Frage angebracht: Wie viele Legionen hat eigentlich Macron?
Hier die russische Verschrottungs-Liste, Stand vom 28.2.2024, die selbst wenn man unter Propagandavorbehalt 20, 30 oder 50 % abzieht deutlich zeigt, was 200, 300 Kampfpanzer und Haubitzen der “Grande Armee” da ausrichten werden:

“Insgesamt wurden im Rahmen der militärischen Sonderoperation 575 Flugzeuge und 267 Hubschrauber, 13.622 unbemannte Luftfahrzeuge, 474 Flugabwehrraketensysteme, 15.266 Panzer und andere gepanzerte Kampffahrzeuge, 1.226 mit MLRS ausgerüstete Kampffahrzeuge, 8.203 Feldartilleriegeschütze und Mörser sowie 19.179 Einheiten spezieller militärischer Ausrüstung zerstört.”

Dass Olaf Scholz zwar mutig Granaten streichelt, die Kiesewetters, Hofreiters und Strack-Zimmermänner aber noch zurückhält, weiteres Material zur Verschrottung anzuliefern, scheint da ziemlich vernünftig. Und ganz im Sinne von  General a.D.  Harald Kujat. Dem ehemaligen Generalinspekteur der Bundeswehr und Chef des NATO-Militärausschusses, kann man die Expertise in Sachen Krieg und Militär nicht absprechen, zumindest auf dem Papier gibt es im Lande wohl kaum einen erfahreneren, höher dekorierten Fachmann als ihn. Ginge es im öffentlich-rechtlichen Rundfunk mit rechten Dingen zu und würden die privaten Großmedien echten Journalismus bieten, würde ein solcher Ex-General nahezu täglich auf einem Kanal um seine Einschätzung gefragt, wäre Dauergast in Talkshows und Gast-Kommentator der großen Zeitungen. Doch dem ist nicht so, denn der General a.D. ist nicht nur ausgewiesener Experte, er hat auch eine dezidierte Meinung, nämlich dass es verantwortungslos und falsch ist, den Krieg in der Ukraine weiter zu führen. Und das passt leider gar nicht zu den Endsieg-Illusionen der Politik und der bellizistischen Medien, denen noch kein Narrativ für die unvermeidliche und von Beginn absehbare Niederlage ist.  Und die weiter derart hemmungslos Phantastereien über riesige russische Verluste und erfolgreiche ukrainische Offensiven von sich geben, dass der zurückhaltende General gegenüber einem transatlantischen Illusionisten  und Waffenlobbyisten sogar mal richtig laut werden muss. Auf Servus TV in Österreich, wo anders als in Dunkeldeutschland der Debattenraum noch geöffnet ist:

Wenn die Russen ihrem erklärten Kriegsziel “Demilitarisierung der Ukraine” weiter im aktuellen Tempo näher kommen, könnte General Kujat demnächst auch im deutschen TV wieder “entcancelt” werden. Weil die Endsieg-Lobbyisten davor zittern, mit ihrem verantwortungslosen Propagandamüll von gestern konfrontiert zu werden. Und 80 Jahre danach in Jalta 2025 die Friedensverhandlungen so aussehen:


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Endsieg-Propaganda und Anti-Putin-Hysterie

Dass Oberst Roderich Kiesewetter “den Krieg nach Russland tragen” will und als Sicherheitsrisiko eigentlich sofort in einer Heilanstalt ruhiggestellt werden müsste, hatten wir hier schon notiert. Sein Kollege Norbert Röttgen  (CDU) hat sich jetzt aufgeschwungen, derart verantwortungslose (und verfassungswidrige) Kriegshetze zur Staatsräson zur erklären.   Hören wir mal rein (Bundestagsdebatte am 21.2.24)

“Wir brauchen Konsequenzen! Das ist das, was die grausamen Verbrechen verlangen.(…) Ich möchte Ihnen vier Vorschläge machen, wo und wie wir Konsequenzen ziehen können und müssen, die Putin beeindrucken werden:
Erstens. Putin muss diesen Krieg verlieren, und das muss als Ziel der deutschen Politik benannt werden.
Das muss von der gesamten Bundesregierung, von allen Mitgliedern der Bundesregierung unter Einschluss des Bundeskanzlers so als Ziel deutscher Politik formuliert werden, meine Damen und Herren. Das beeindruckt Putin.”

Der Endsieg gegen Russland  war schon einmal “Ziel deutscher Politik”. Das Ergebnis ist bekannt. Und wenn es nicht so ernst wäre: “Wie Rodi und Nobi es besser machen als Adi” …und 100 Jahre zuvor der kleine Napo seiner Riesenarmee –  wäre einen toller Comic oder Stoff für einen bekannten olivgrünen Kinderbuchautor.

“Zweitens. Die Unterstützung der Ukraine mit Munition und Waffen muss jetzt hochgefahren werden. Wir müssen jetzt Waffen und Munition liefern, damit die Ukraine sich verteidigen kann. Das muss jetzt geschehen. (…)”

Seit 2014 wurde diese Unterstützung hochgefahren und die ukrainische Armee zur größten Landstreitmacht Europas aufgerüstet. Diese ist mittlerweile zu strategischen Operationen nicht mehr  fähig und nahezu aufgerieben. Es fehlt nicht nur an Munition und Waffen, sondern vor allem an Soldaten die sie einsetzen können. Röttgen aber will noch weitermachen, bis auch  der letzte ukrainischen Volkssturm verheizt ist.

Drittens. Wir müssen endlich die bekannten Lücken und Löcher im europäischen Sanktionssystem schließen. Wir wissen es: Es ist unzureichend in der Konzeption und in der Umsetzung. (…)

Richtig: die Konzeption, der Plan, die Idee, ein Land, das über die größte Landmasse und den größten Rohstoffreichtum der Erde verfügt, mit Sanktionen in die Knie zwingen zu wollen, war von Beginn idiotisch. Deshalb steht als Ergebnis eben auch statt “Russland ruinieren” (A.Baerbock) jetzt “Deutschland deindustrialisieren” auf dem Programm.

“Viertens. Westliche Länder haben 300 Milliarden Dollar russisches Staatsvermögen eingefroren. Dieses Geld muss eingezogen werden, um damit die Verteidigung und den Aufbau der Ukraine zu finanzieren. Das ist eine schwierige völkerrechtliche Frage, eine Frage elementarer Gerechtigkeit. Wir müssen dieser Gerechtigkeit Genüge tun. Ich schlage vor, dass wir die Gesetze, die dieses Einziehen erlauben, „Nawalny-Gesetze“ nennen, meine Damen und Herren. Das wären vier Konsequenzen.”

Super Idee: 300 Milliarden stehlen und das Gesetz nach einem verurteilten rassistischen Betrüger/Kremlkritiker (siehe zu Nawalny , ab Min. 24:00,   3.JT *101 ) benennen, um “elementare Gerechtigkeit” herzustellen. Passt nahtlos in den auf Fake und Fälschung begründete Magnistky-Act, mit dem einst in den USA die Sanktionen gegen Russland losgetreten wurden.

Ob Röttgen selbst auf die Idee der Namensgebung gekommen ist oder ob sie ihm von seinen transatlantischen Stichwortgebern gesteckt wurde, wissen wir nicht. Beeindrucken könnte ein solcher Milliarden-Raub Putin freilich nur insofern, als er definitiv bestätigen würde, dass  es sich bei den “Volksvertretern” des Westens um eine Bande von Kriminellen und bei ihrer “regelbasierten Ordnung” um einen Mafiakodex handelt – doch den “Krieg verlieren” wird er deshalb nicht. Die logische Konsequenz wäre stattdessen eine “Schockwelle” im internationalen Finanzsystem, vor der die Bankenindustrie jetzt warnt, denn welches Land  wird künftig noch vertrauensvoll Geld in Europa oder den USA deponieren, wenn es nach Gusto gestohlen werden kann ?

Vor zwei Jahren notierte ich hier zehn Punkte warum ich “noch immer “Putinversteher” bin” , die beiden letzten lauteten:

9) Wir hatten den Algorithmus hier schon zitiert: Russland kann sich den Bruch mit Europa leisten. Europa kann es nicht. Die USA wollen nur kassieren. Das scheint man vor allem in Deutschland  nicht verstanden zu haben, die Schwachköpfe der Regierungs-Ampel und in Brüssel plappern immer noch transatlantische Textbausteine nach, statt einzusehen, dass allein Europa der Verlierer sein wird, wenn es zu  einem völligen Bruch kommt. Und dass es  einem Selbstmord auf Raten – der Zukunft einer heruntergekommenen,verarmten Kolonie – gleichkommt, dem US-Imperium und seiner Doktrin der globalen Alleinherrschaft weiter zu folgen. Wer die Zukunft der Industrienationen Europas mit Fracking-Gas von Uncel Sam und Windrädern sichern will gehört in die nächste Klapsmühle, aber nicht in ein Parlament.

10) Wie es weitergeht auf dem Schlachtfeld Ukraine ist schwer zu prognostizieren nachdem die Entmilitarisierung, was technisches Gerät betrifft, im Blitzkrieg weitgehend erledigt ist. Unklar ist auch, wie  die Ankündigung Putins einer “Entnazifierung” erreicht werden soll –  ohne Invasion und Besatzung, die Russland unter allen Umständen vermeiden will. Greiftrupps nach den Tätern von Odessa und den Köpfen der Neonazi-Brigaden werden aber wohl schon unterwegs sein. Am Ende wird möglicherweise (wie einst in Jugoslawien) eine Teilung des Landes stehen – mit östlichen, russlandfreundlichen Republiken, einer neutralen Ukraine in der Mitte und einem nazi-durchseuchten “Banderastan” im Westen, mit dem sich dann Polen und die EU herumschlagen dürfen. Die halbe Weisse Fahne, die Zelensky jetzt geschwenkt hat, könnte eine Teilung noch verhindern, wenn er bzw. eher eine neue Regierung die “Entnazifierung” selbst in die Hand nehmen, sich aller Faschisten im Parlament entledigt und den Hakenkreuz-Brigaden den Prozess macht.

Insofern bin ich bis auf Weiteres noch immer Putinversteher, halte die NATO mehr denn je für überholt und abschaffungswürdig und plädiere für eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa, die Russland und China einschließt, Abrüstung auf allen Seiten und Friedens-und Handelsverträge von Lissabon bis Peking ermöglicht. Peace!

Zwei Jahre, riesige Leichenberge und Flüchtlingswellen später, wird der als Friedenskandidat ins Amt gewählte Zelensky noch immer davon abgehalten, die Weisse Fahne zu schwenken. Von seinen westlichen Sponsoren und ihren Lautsprechern wie Röttgen, Kiesewetter, Strack-Zimmermann, von der Leyen & Co.  Deren Reden und Parolen man für die Nachkriegszeit gut archivieren sollte. Sie wollten diesen Krieg seit dem Putsch in Kiew 2014, sie wollten acht Jahre keine Lösung in Minsk, sie wollten vor zwei Jahren keinen Friedensvertrag in Istanbul, sondern Russland ruinieren,  Putin beseitigen und den Krieg gewinnen. Und sie kommen einfach nicht runter von diesem Trip und raus aus der Sackgasse: die russische Ökonomie wächst, Putin hat 80% Zustimmung und der Krieg ist verloren. Ein paar Dutzend weitreichende TAURUS-Raketen, die ein paar Nadelstiche auf russischem Gebiet verursachen können, werden daran nichts ändern – nur Russland animieren, ebenfalls weiter zu schießen.
Die 1000 km lange Front bricht gerade an allen Ecken zusammen, allein in den letzten Tagen waren hunderte ukrainische Soldaten glücklich, in Gefangenschaft zu geraten, während über 2500 ihrer Kollegen getötet wurden. Sich dieser Realität einer militärischen Übermacht zu stellen und zu kapitulieren, statt die Blutmühle bis zum letzten Tropfen auszuquetschen, wäre das humanitäre Gebot der Stunde. Doch je  offensichtlicher die Niederlage wird, desto verrückter hyperventilieren die Apologeten des Kriegs in Endsieg-Propaganda und manischer Anti-Putin-Hysterie – denn selbstverständlich sind nicht  eigenes Unwissen, Inkompetenz und Fehlplanung für diese Niederlage verantwortlich, sondern allein der ultraböse Herrscher Kreml.

 

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3.JT #101: PALÄO-INKLUSION

Im Fall von Wikileaks-Gründer Julian Assange gab es einen wichtigen Gerichtsprozess. Worum ging’s da und wie ist es gelaufen? Außerdem: Die Welt trauert um den verstorbenen Kreml-Kritiker Alexei Nawalni. Die Todesursache ist noch unklar, aber der Täter steht schon fest. Der Ukraine-Krieg scheint verloren – jetzt wollen deutsche Politiker den Krieg nach Russland tragen. Ernsthaft? Wer sowas kritisiert, könnte in Deutschland bald Probleme kriegen. All das und noch viel mehr besprechen Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers im 3. Jahrtausend #101.

Julian Assanges letzte Anhörung

 

Der eiserne Käfig in dem kleinen holzgetäfelten Gerichtssaal 5 des “Royal Courts of Justice” blieb zwei Tage lang leer: Julian Assange ist erkrankt und konnte weder persönlich noch über Videolink aus dem Gefängnis in Belmarsh an der Anhörung teilnehmen. Auch wenn die Auslieferung des Wikileaks-Gründers an die USA von großer internationaler Bedeutung ist, war auch ansonsten kaum Öffentlichkeit zugelassen – Journalisten mussten in  London akkreditiert sein, um einen Platz im Nebenraum zu bekommen, wo sie  eine Übertragung  in schlechter Ton,- und Bildqualität verfolgen konnten. Ein Vertreter der Journalistenorganisation “Reporter ohne Grenzen”, die überall Gerichtsverfahren gegen Journalisten begleitet – und dieses Mal reinkamen – , sagte auf der Kundgebung vor dem Gerichtsgebäude, eine solche Abschottung der Öffentlichkeit auf der ganzen Welt noch nicht erlebt zu haben. Tatsächlich ist die gesamte Strafverfolgung Assanges von Beginn an eine Farce zwischen Kafka und Stalin, die der Whisltblower Edward Snowden auf den Punkt gebracht hat: „Wenn das Aufdecken von Verbrechen wie ein Verbrechen behandelt wird, werden wir von Verbrechern regiert.“
Joe Louria von Consortium News hat es in den Verhandlungssaal geschafft, in dem Assanges Anwälte am Dienstag vor den beiden Richtern Jeremy Johnson und Dame Victoria Sharp zuerst ausführlich auf die schwerwiegenden Rechtsfehler in den vorangegangen Verfahren eingingen, in den zuletzt eine Berufung Assanges gegen den Auslieferungsbescheid des Innenministeriums verworfen worden ist:

„  Anwalt Mark Summers sagte, Baraitser habe (in den vorausgegangen  Verfahren) nie die Frage aufgeworfen, warum nach der Veröffentlichung der Irak- und Afghanistan-Kriegsprotokolle durch WikiLeaks sechs Jahre verstrichen seien, bevor Assange strafrechtlich verfolgt wurde, und er habe nie gefragt, was die USA plötzlich veranlasst habe, gegen ihn vorzugehen. Baraitser wusste, dass der ICC gegen Assanges Afghanistan-Enthüllungen ermitteln würde, sagte Summers.

“Es gab hinreichende Beweise für eine Verbindung zwischen beiden, aber die Bezirksrichterin erwähnte sie nicht”, sagte er. Sie ignorierte auch den Plan, Assange zu töten oder auszuliefern, obwohl sie in ihrem Gericht Beweise dafür gehört hatte.
DAY ONE: Assange Timeline Exposes US  Motivs (Übersetzt mit DeepL.com) „

 

Die illegale Überwachung Asssanges in der ecuadorianischen Botschaft durch eine spanische  Firma im Auftrag der CIA ist dort mittlerweile ebenso aktenkundig, wie die Belege, ihn zu kidnappen, die in den ersten Verfahren ignoriert wurden  – um zu dem Beschluss kommen zu können, dass der Delinquente im Auslieferungsland  humane Behandlung und ein faires Gerichtsverfahren erwarten könne.

Assanges zweiter Anwalt “Edward Fitzgerald, bezeichnete die Spionage, derer Assange angeklagt ist, als “rein politisches Vergehen”. Diese Frage ist für Assanges Verteidigung von entscheidender Bedeutung, da der Auslieferungsvertrag zwischen den USA und Großbritannien Auslieferungen wegen politischer Straftaten ausschließt. Das Auslieferungsgesetz, die parlamentarische Durchführungsbestimmung zum Vertrag, erwähnt jedoch keine politischen Straftaten.(…) Das Team von Assange argumentierte, dass er wegen eines politischen Verbrechens gesucht werde und die Auslieferung daher nicht erfolgen dürfe. Sie argumentierten, dass das Gesetz die Auslieferung wegen “politischer Meinung” verbietet, was sie mit “politischer Straftat” gleichsetzen.”

Soweit Joe Luria, der am Ende des ersten Tags festhält, dass die beiden Richter offenbar nicht allzu tief in den gesamten Fall Assange eingearbeitet waren  und ” die politischen, rechtlichen und die Pressefreiheit betreffenden Fragen sehr interessiert zur Kenntnis nahmen”:  “Es handelt sich um hochrangige Richter, die möglicherweise weniger anfällig für politischen Druck sind.” Diese Hoffnung kam auch an einem Round Table  von  Journalisten zur Sprache, die ihre Eindrücke aus dem Gerichtssaal wiedergaben. Craig Murray, der ehemalige britische Diplomat und langjährige Assange-Unterstützer, der schon die vorhergegangenen Verfahren live verfolgt hat, berichtet von einer stark veränderten Atmosphäre, weil die Richter die Argumente des Assange-Teams erstmals richtig ernst zu nehmen scheinen. Er führt dies darauf zurück, das die öffentliche Meinung in den letzten Jahren gekippt sei und sich mittlerweile sämtliche großen Medienorganisationen für die Freilassung Assanges ausgesprochen haben.

Am Mittwoch plädierte dann die Anwältin Clair Dobbin für  die US-Regierung und sagte, Assange habe den amerikanischen Sicherheits- und Nachrichtendiensten geschadet und durch die Veröffentlichung von Dokumenten “ein schwerwiegendes und unmittelbares Risiko”  geschaffen,  das unschuldigen Menschen in Kriegsgebieten oder unter repressiven Regimen schaden und zu willkürlichen Verhaftungen führen könnte. Wie  seit je blieb die US-Seite aber konkrete Beweise dafür schuldig, wem durch welche Wikileaks-Veröffentlichung jemals irgendwo Schaden zugekommen ist – und wie seit je wurde argumentiert, dass die Wikileaks-Veröffentlichungen mit Journalismus nichts zu tun hätten. Vielmehr habe Assange Chelsea Manning und andere angestiftet Diebstahl und Hackerangriffe zu begehen. Dies sei kein politisches Verfahren, so Dobbin,  es basiere “auf Recht und Beweisen und ist trotz der Regierungswechsel in den USA während des Rechtsstreits unverändert geblieben.” Wenn sowohl Trump wie auch Biden dahinterstehen, ist es also in Ordnung, und kein politisch motiviertes Verfahren ?

Bevor die beiden von den Anwälten mit “your Lady” und “my Lord” angesprochenen Perückenträger ihr Urteil fällen, können einige Wochen oder Monate vergehen. Wenn sie dem Team Assange stattgeben, wird es eine weitere Berufungsverhandlung gegen den Ausweisungsbeschluss des Innenministeriums vom Juni 2022 geben, wenn sie den Plädoyers der USA folgen, ist dieser Beschluss gültig. Julian Assange bleibt dann als letzter Strohhalm nur der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Und Journalisten überall auf der Welt die Lektion, jederzeit verhaftet und ausgeliefert zu werden, wenn sie etwas publizieren, was den Vereinigten Staaten nicht passt. Und dass auch ein Australier, dessen Firma in Europa ansässig ist, Staatsgeheimnisse der USA für sich behalten muss, wenn er davon erfährt. Wenn Ihnen das absurd vorkommt, sind Sie zum Kern dieses ganzen Strafverfahrens vorgestoßen, denn es geht hier nicht um kriminelle Delikte, sondern um politische Strafverfolgung, nicht um die Ermittlung und Ahnung strafbarer Handlungen, sondern um einen Schauprozess. Assange und Wikileaks haben nichts anderes getan als Zeitungen, Sender, Medien auf der ganzen Welt es tun. Unter den hunderttausenden publizierten Dokumenten hat sich kein einziges als Fälschung oder Unwahrheit herausgestellt – im Zeitalter von Fake-News und Desinformation eine höchst ehrenwerte Bilanz für ein Medienunternehmen. Die Auslieferung Julian Assanges würde einen Präzedenzfall schaffen, der den Journalismus und die Pressefreiheit weltweit ernsthaft bedroht. Es geht hier also nicht nur um einen zu Unrecht gejagten und eingekerkerten Menschen, sondern um die Fundamente von Rechtsstaatlichkeit und Demokratie.

Diesem globale Aspekt des Falles entsprach die breite internationale Unterstützung vor dem Gerichtsgebäude  – auch 16 Mitglieder des Europäischen Parlaments hatten einen Zuschauerplatz im Saal – und die große Demonstration zum Regierungssitz Downing Street im Anschluss an die Anhörung. Wenn sich die beiden Richter jetzt tatsächlich nach Recht und Ordnung und nicht nach dem Willen der CIA mit dem Fall beschäftigen, könnte der Funken Hoffnung aufleuchten: No Extradiction! Free Julian Assange!

Erschienen auf Overton

 

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Die Briten waren`s!

Gilbert Doctorow hat auf seinem Blog einen kleinen  “Reality-Check” zum Tod von Aleksei Nawalny in einem russischen Straflager geliefert:

(..)Was heute Nachmittag im Westen geschah, war eine neue Kampagne, um Wladimir Putin auf der Weltbühne zu verunglimpfen, und zwar auf der Grundlage eines Todesfalls, der, wenn ich die frühere britische Premierministerin Theresa May zitieren darf, “höchstwahrscheinlich” vom britischen Geheimdienst zu eben diesem Zweck verübt worden ist.

Bei allen Operationen unter falscher Flagge, die der Westen in den letzten zehn Jahren gegen Russland durchgeführt hat, habe ich argumentiert, dass der alte römische Ermittlungsgrundsatz cui bono dagegen spricht, dass der Kreml in irgendeiner Weise beteiligt war. So ist es auch heute: Warum sollte Putin Nawalny ermorden wollen, wenn der Mann in Russland inzwischen weitgehend vergessen ist. Nawalny ist Schnee von gestern, und seine “Anti-Korruptions”-Kampagne ist für die Russen inmitten eines existenziellen Kampfes mit dem kollektiven Westen, der auf dem Territorium der Ukraine ausgetragen wird, irrelevant. Die Ermordung Nawalnys dient jedoch eindeutig den Interessen desselben kollektiven Westens als beabsichtigtes Gegenmittel zu dem großen Soft-Power-Coup des Carlson-Tucker-Interviews mit Wladimir Putin vor einer Woche und, was vielleicht noch wichtiger ist, zu den darauf folgenden Tucker News Briefs, die seine Besuche in der Kiewer Metrostation und in einem Auchan-Supermarkt in der Moskauer Innenstadt zeigen. Das war nicht Gilbert Doctorow, der seine Reisenotizen über Besuche auf den Märkten von St. Petersburg veröffentlicht hat und damit 10.000 Leser erreichte; das war Tucker Carlson, mit einem regelmäßigen US-Publikum von 40 Millionen oder mehr für jede seiner Sendungen und einem Spitzenwert von einer Milliarde Aufrufen für das jüngste Interview.

Lassen Sie uns über die cui bono-Argumentation hinausgehen und uns den Indizien zuwenden, die für die Briten belastend sind. Wie die Amerikaner zu sagen pflegen, sind die “Fingerabdrücke” der Briten überall auf dem Tod von Nawalny zu finden.

Eine ganze Reihe von Vergiftungen und anderen Todesfällen von Menschen, die für den Kreml “unbequem” waren, ereigneten sich schließlich in Großbritannien. Dort wurde Boris Beresowski, der Oligarch im Exil, der sich Putin mit Händen und Füßen widersetzt hatte, “umgebracht”, und zwar im Jahr 2013 in seinem Londoner Anwesen, als weithin gemunkelt wurde, er suche Vergebung für seinen Verrat und bereite sich auf die Rückkehr nach Mütterchen Russland mit einem Haufen Dokumente vor. Noch früher war Großbritannien der Ort, an dem der Beresowski-Mitarbeiter Alexander Litwinenko 2006 an einer Polonium-Vergiftung in einer sehr britischen Tasse Tee starb.

In jüngster Zeit gab es jedoch Vorfälle in Großbritannien, die sich direkt auf das Schicksal von Nawalny ausgewirkt haben, und ihr Zeitpunkt ist sehr relevant. Ich denke an die Nowitschok-Vergiftung des ehemaligen russischen Spions Alexander Skripal in Salisbury Anfang März 2018, vor den Präsidentschaftswahlen in Russland am 18. März jenes Jahres, als Putin nach dem Interregnum, als Dmitri Medwedew Präsident war, an die Macht zurückkehrte.

Hmm. Ein schrecklicher Anschlag auf einen Putin-Feind im Jahr 2018, nur wenige Wochen vor den russischen Präsidentschaftswahlen. Noch einmal: Putins nächste Wahl findet zufällig am 15. und 17. März statt.
Die Skripal-Vergiftung wurde vom britischen politischen Establishment in den Himmel geschrien. Stellen Sie sich vor, sagten sie, Putin verübt Rachemorde auf britischem Boden! Natürlich hat heute jeder die Skripals vergessen, die den Nowitschok-Angriff, der immer tödlich ist, irgendwie überlebt zu haben scheinen und neue Identitäten erhalten haben, wenn sie nicht einfach vom MI6 irgendwo in flachen Gräbern entsorgt wurden.

Lesen Sie das ganze Stück auf Gilbert Doctorows Blog (deutsche Übersetzung unter dem englischen Text)

 

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Panzer-Kanzler fährt das Land an die Wand

Dass es sich bei dem Gespräch mit “Professor Putin” um das Interview des Jahres handelt, hatten wir hier schon angemerkt. Aber das Jahr ist noch recht jung, vielleicht kommt ja noch etwas, wobei es zumindest in den Reihen amtierender “Spitzenpolitiker” schwer sein wird, Kandidaten von derart gebildetem, informiertem, kompetenten Kaliber zu finden. Mittlerweile hat das Gespräch weltweit über eine Milliarde Views – ein Quoten-Knockout für die etablierten Medien. Interessant sind Carlsons Eindrücke  im Hotelzimmer direkt nach dem Interview – sein Unmut über die länglichen historischen Ausführungen Putins, aber dann auch sein Verständnis und seine Überraschung über die klaren Friedens-und Verhandlungsangebote von Putins Seite, als über den aufgrund westlicher Intervention gescheiterten Istanbul-Vertrag gesprochen wurde.

Dass dieser schreckliche, sinnlose Krieg absolut unnötig war, weil sich Kiew und Moskau im Frühjahr 2022 auf friedliche Kompromisse nahezu geeignet hatten, und nicht die Ukraine, sondern die USA in Gestalt von UKs Boris Johnson weiter zum Kampf trommelten,  ist die zentrale Botschaft, die jeder aus diesem Interview mitnehmen muss. Und die nicht als Fake, Lüge und Propaganda abgetan werden kann. Aber von den westlicher Seite als solche abgetan werden muss, weil das Narrativ vom “Angriffskrieg” und “russischer Expansion” anders nicht zu halten ist. Weshalb sich Kanzler Scholz einmal mehr auf internationaler Bühne als Supervasall vom Dienst blamiert, und in Washington Putins Aussagen über den Krieg als “völlig absurde Geschichten” bezeichnet:

»Es gibt eine ganz klare Ursache, das ist der Wille des Präsidenten Russlands, sich einen Teil der Ukraine einzuverleiben. Und alle Geschichten, die dazu erzählt werden, ändern nichts daran, dass genau das der Zweck seiner imperialistischen Bestrebung ist.« Der Krieg könne »jederzeit enden«, sagte Scholz. »Aber nicht so, wie sich das der russische Präsident vorstellt, indem die Ukraine kapituliert, sondern indem er den Krieg seinerseits beendet und die Voraussetzungen dafür schafft, dass eine friedliche Lösung möglich wird.«

Soweit der Bundeskanzler, der wie letztes Jahr offenbar immer noch halluziniert eine “Entscheidung auf dem Schlachtfeld” herbeiführen zu können  und einfach nicht einsehen will, dass ein militärischer Sieg in der Ukraine unmöglich ist. Selbst wenn die gesamte Blechbüchsenarmee Bundeswehr, die jetzt  kriegstauglich werden will, morgen nach Russland rollen würde.  Mit Scholz` CDU-Kollegen Roderich Kiesewetter an der Spitze, der mittlerweile direkte Angriffe fordert: “Der Krieg muss nach Russland getragen werden. Russische Militäreinrichtungen und Hauptquartiere müssen zerstört werden.”
Vor nicht allzu langer Zeit hätte man noch eine Ambulanz und zwei Pfleger im weißen Kittel gerufen, um Volksvertreter wegen solcher Forderungen in eine Heilanstalt zu verfrachten und als Sicherheitsrisiko ruhigzustellen.  Doch mittlerweile ist derart verantwortungslose Kriegshetze im deutschen Parlament schon mehrheitsfähig. Da freilich nichts dagegen spricht, dass sich Kieswetter morgen als Söldner verdingt und schon mal voran marschiert, wäre dies wohl die beste Lösung, den Oberst a.D.  nicht nur bis auf Weiteres, sondern dauerhaft ruhig zu stellen.

Dass “Olaf der Vergessliche” Putins Interview-Aussagen als “absurd” unter den Teppich kehren will, hat indes wohl auch mit einer kleinen Nebenbemerkung des Präsidenten zur  Nordstream-Sprengung zu tun, bei der Putin darauf hinwies, dass eine der vier Röhren noch intakt ist und Russland morgen liefern könnte.  An Nordstream will Scholz nicht erinnert werden, denn  er hat keine Antwort auf die logische Frage, warum seine Regierung eher den Industriestandort Deutschland zerstört als ihn mit billigem Gas zu versorgen und warum er dem Land Kriegskosten von über 500 Milliarden Euro aufbürdet statt diesen (selbst-)mörderischen Irrsinn zu stoppen. Da bleibt nur: die Kirche der Angst, das Schüren von Putin-Panik und das Verbreiten der kindischen  Domino-Theorie, nach der die Russen bis zum Rhein vorstoßen, wenn sie nicht am Dnjepr gestoppt werden.

Dmitry Orlov ist Fachmann für den Zusammenbruch, seine “Lehre vom Kollaps” habe ich vor einigen Jahren übersetzt, mit der Botschaft „dass der Zusammenbruch kein um jeden Preis zu vermeidender Alptraum ist, sondern Teil der normalen, unveränderlichen Zeiten der Geschichte.“ Orlov ist kein raunender Prophet, sondern kühler Analytiker – und kommt in einem Gespräch über die aktuelle Lage zu dem Schluss: The Game is over for NATO.  Ich  denke, da liegt er richtig. Nicht nur wegen einem Donald Trump  als möglichem US-Präsidenten, der die teure Vasallentruppe schon länger loswerden will und jetzt den MAGA-Fans im Wahlkampf das Zuckerchen geworfen hat, dass auf Beistand nur rechnen kann wer auch dafür  bezahlt. Sondern weil das Bündnis schon jetzt völlig überfordert ist:  NATOstan hat in der Ukraine eine Stellvertreterarmee von 500.000 Mann aufgestellt,  ausgerüstet, aufgerüstet, strategisch angeleitet…und in eine Niederlage geführt, die zwei Generationen junger Ukrainer das Leben gekostet hat. Ein blutigeres Exempel militärischer Inkompetenz kann es kaum geben. Aber ich befürchte, dass daraus noch immer keine Konsequenzen gezogen werden, außer planlosem “Weiter so!”.
Schon feiert das ehemalige Nachrichtenmagazin den “Panzer-Kanzler”, weil er mit einem “Spatenstich für die Zeitenwende” 200.000 Panzergeschosse pro Jahr produzieren lässt. Das entspricht wahrscheinlich der Menge, die Russland in zwei Wochen herstellt, aber in “fünf Jahren” – so der Generalinspekteur der Bundeswehr – sei man dann so weit “kriegstüchtig”, um gegen den Iwan anzutreten. Also her mit der Kohle, sonst kommt euch Putin holen!  Aber bis dahin fährt der Panzer-Kanzler schon mal  das Land an die Wand…

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Professor Putin

Als Interview des Jahres wurde es im Blogforum heute Nacht schon angekündigt, jetzt habe ich mir das Interview von Tucker Carlson mit Wladimir Putin (hier mit deutschem Transkript) zum verlängerten Frühstück angeschaut. “Soll das eine Talkshow werden oder ein ernsthaftes Gespräch?” als Carlson das Letztere vorschlägt, steckt Professor Putin erstmal den historischen Rahmen ab: vom 9. Jahrhundert über Dshingis Khan, die Reichsgründung 1654 die beiden Weltkriege, Stalin, das Ende der UdSSR bis zur heutigen Ukraine. “Es mag langweilig sein, aber es erklärt viele Dinge.” Das tut es. Und ohne einen der Kommentare aus unseren Kriegsmedien schon zur Kenntnis genommen zu haben, ist mir schon klar, wie die Gülle beschaffen sein wird, die darüber ausgegossen wird: Carlson (“rechts”) plus Putin (“böse”) =  Propaganda”.  Dass die Journaille im besten Fall zum “Weitergehn, nichts zu sehen” aufrufen wird, ist indes zu verstehen: wer einer semi-debilen Wandermumie als Präsident und Kriegsherr, einer Komiker-Marionette in Kiew, einem “Norwegian Wood”_Holzkopf in NATOstan, einer Panzer-Uschi in der EU oder einer für Außenpolitik zuständigen Trampolinspringerin…. wer  mit solchen “Spitzenpolitikern” gestraft ist und ihnen das Wort reden (oder auf den Teleprompter packen) muss, kann  angesichts der  zweistündigen Putin-Performance nur blass werden vor Neid.

Anfang des Jahres hatte ich auf das neue Buch von Jacques Baud (“The Russian Art of War –  Wie der Westen die Ukraine in die Niederlage führt) hingewiesen, in dem er zusammenfasst:

“Der Grund, warum die Russen in der Ukraine besser sind als der Westen, ist, dass sie den Konflikt als einen Prozess sehen, während wir ihn als eine Reihe von Einzelaktionen betrachten. Die Russen sehen die Ereignisse wie einen Film. Wir sehen sie als Fotografien. Sie sehen den Wald, während wir uns auf die Bäume konzentrieren. Deshalb setzen wir den Beginn des Konflikts auf den 24. Februar 2022 oder den Beginn des Palästinakonflikts auf den 7. Oktober 2023. Wir ignorieren die Zusammenhänge, die uns stören, und führen Konflikte, die wir nicht verstehen. Deshalb verlieren wir unsere Kriege…”

Aus dieser Haltung liefert auch Putin in diesem Gespräch zu Beginn ein breites Panorama des historischen, prozessualen “Walds” – nicht als ausweichendes, ablenkendes Blabla, sondern um spätere “Einzelaktionen” präzise einzuordnen, wie den Beginn des Kriegs in der Ukraine nicht mit dem russischen Einmarsch, sondern mit dem Maidan-Putsch.

Um den richtig einzuordnen, schrieb ich vor zehn Jahren (mit Paul Schreyer) das Buch “Wir sind die Guten – Ansichten eines Putinverstehers” (und führte dazu ein hintergründiges Gespräch mit Ken Jebsen). Nach dem Einmarsch Russlands bekannte ich am 24.2.22 warum ich “bis auf Weiteres”  noch immer Putinversteher bin. Und das Gespräch mit Carlson hat daran nichts geändert – “cool, calm  &collected”, klug & souverän  … wenn noch ein paar mehr Prädikate gebraucht werden, finden  die sich leicht. In der aktuellen Championsleague der Weltpolitik kann diesem Wladimir Putin niemand das Wasser reichen. Aber, das hat Tucker Carlson gezeigt, man kann mit ihm reden. Und wenn man zuhört, kann man vieles verstehen – und Kompromisse finden.
Dass dies um des Himmels und des Weltfriedens Willen endlich geschehen muss, statt einen mörderischen, aussichtslosen Krieg weiter zu führen, kann man den angeblichen Volksvertretern, dem Führungspersonal  des Westens, verdammt noch mal nur zuschreien. Die Schlafwandler, die Deutschland und Europa an die Wand fahren, müssen geweckt werden. Mit Russland, mit Putin reden ist das Gebot der Stunde. Und diesen zwei Stunden zuzuhören Pflichtprogramm


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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, ‎ Fifty-Fifty (Oktober 2022),  288 Seiten, 20 Euro

 

 

 

Schoßhunde der Diktatoren

Astrid Lindgrens “Karlsson vom Dach”, der mit Propellerantrieb gesegnete “grundgescheite Mann in den besten Jahren” ist auch in Russland sehr populär und eine klassische Zeichentrickfigur – die gerade überall wieder in den Blogs auftaucht, weil der Journalist Tucker Carlson aus Washington eingeflogen ist, um Präsident Putin zu interviewen. “Das stört keinen großen Geist”, würde Karlsson dazu sagen, schließlich ist es normal, dass Journalisten Politiker interviewen und sehr bekannte Journalisten eben auch sehr bekannte Politiker – aber die Medien und Politik springen im Dreieck. Bis hin zur Forderung eines Wiedereinreiseverbots für den “Verräter” und Zensur seines Kanals auf “X”. Ähnlich war es vor sieben Jahren auch dem Regisseur Oliver Stone mit seinen Putin-Interviews ergangen, was wie hier im Blog schon gewürdigt hatten:

Der amerikanische Partner

Im folgenden Beitrag am 21.6.2017 hieß es dann:

“Dass selbst ökologisch und ökonomisch aberwitzige Projekte wie die Fracking-Gas-Verschiffung ernsthaft diskutiert werden, zeigt wie wichtig die Sache für die “einzige Weltmacht” ist: es kann und darf zwischen Europa und Asien, zwischen Deutschland und Russland, keinen friedlichen Handel und “Wandel durch Annäherung” (Willy Brandt) geben, weil dieses kontinentale Zusammenwachsen im ost-mitteleuropäischen “Herzland” – wie es einst der britische Geo-Stratege Mackinder nannte und sein jetzt verstorbener Schüler Zbig Brzeziński fortschrieb –  die unipolare Vormachtstellung der Vereinigten Staaten verhindert.
Um die und um nichts anderes gehts auch bei dem Streit um “Nord Stream 2”, sowie bei der gesamten grotesken Legende von russischen Aggressionen, Hackern, Wahlbeeinflussungen und der “Bedrohung” unserer “Demokratie” durch Putin – ein Spektakel, das nur dazu dient, eine gefährliche militärische Aufrüstung voranzutreiben. Dass sich schon die Kaiser Napoleon und Wilhelm sowie Herr Hitler äußerst blutige Nasen geholt haben als sie sich mit Mütterchen Russland anlegten scheint dem Westen als historische Lektion offenbar nicht genug, er ist gerade dabei – siehe dazu die lesenswerte Analyse von Dmitry Orlov – schlafwandelnd in einen nuklearen Konflikt zu geraten, den er ebenfalls niemals gewinnen kann. Die “Titanic” hatte das mit ihrem Titel im Mai 2017 schon sehr schön erfasst…”

Aber weder auf die “Titanic”, noch ihren Ex-Chefredakteur (siehe unten) noch gar auf mich hört ja irgendein Schwein. Und so lesen wir in der “Frankfurter Rundschau” unter Berufung auf das “Forbes Magazin”:
Deutschland bereitet riesige Waffen-Lieferungen für die Ukraine vor”  , denn: Die Ukraine baut sich eine „deutsche“ Panzer-Brigade.  Jetzt aber! Mit 105 Leopard-Panzern und 90 Marder-Schützenpanzern, die die Ampel-Regierung anrollen lassen will – meist Oldtimer aus den 1980ern, die von Rheinmetall derzeit fahrtüchtig gemacht werden – soll der Endsieg gegen den Iwan jetzt klar gemacht werden. Von den im letzten Jahr schon geliefert 30 Leos sind die meisten mittlerweile hinüber oder in Reparatur in Litauen, der gehypte und heiß diskutierte “game changer” waren sie genauso wenig wie die anderen westlichen Waffensysteme. Auch der nächsten Lieferung wird es nicht anders ergehen. Wer es nicht glaubt, hier für Erwachsene 30 Minuten military porn, was Lancet und Zala  mit Leos, Mardern und ihren Freunden anrichten. Dass sie für  “Putins Killerdrohne” (stern) schon viele Kilometer hinter der Frontlinie ein gefundenes Fressen sind, ist allgemein bekannt, dass man sie trotzdem anrollen lässt kann also nur damit zu tun haben, dass die Lager geräumt werden sollen und nachbestellt werden muss.

Wie haushoch wir diesmal verlieren ist noch unklar. Als größter Nettozahler neben dem Veranstalter USA führt Deutschland in “dienender Führungsrolle” (R.Habeck) die Tabelle der Verlierer des Ukraine-Spektakels jedenfalls schon mit großem Abstand an. Und muss natürlich weiter in Aufrüstung und “Sicherheit” investieren, weil sonst die Russen kommen. Und da hilft nur schießen. Denn mit denen kann man nicht reden, schon gar nicht mit ihrem ultrabösen Boss Putin – nur Schoßhunde der Diktatoren tun das. Die schurnalistischen Schoßhunde NATOstans  dagegen dürfen nur für illusionären Endsieg kläffen, und jaulen, wenn ein Carlson vom Fach (des Journalismus) am Ende zeigen könnte, dass es sich bei diesem Gottseibeiuns Putin um einen “grundgescheiten Mann in den besten Jahren” handelt. Mit dem man reden kann.  Das geht ja nun gar nicht.
Das Interview von Tucker Carlson soll heute 8. Februar 6:00 pm Ostküstenzeit (Geisterstunde 24:00) auf seinem X-Kanal gesendet werden

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Neben Clare Daly (Irland) ist Martin Sonneborn (Deutschland) für mich das einzige Mitglied des Spesenritter-Parlaments in Brüssel, das dem Prädikat “Volksvertreter” noch irgendwie gerecht wird – okay, ne Handvoll andere mag ich vergessen haben, aber dass Sonneborn bei der kommenden Europawahl seinen Platz behält ist unbedingt wünschenswert, wichtig, entscheidend. Denn sonst haben wir gar keinen mehr, der diesem Moloch und seiner korrupten Chefkommissarin auf die Finger guckt und Klartext redet. Also: Herr Sonneborn bleibt Brüssel!

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Beim Bachmann-Literaturwettbewerb habe ich Marcel Reich-Ranicki als Chefjuror und Wortwart am Wörthersee in den 1980er Jahren oft erlebt – er konnte sich wunderbar erregen und los labern, positiv oder negativ, aber nie dazwischen, nie lau…und am Ende kam immer Thomas Mann. Und genau so wie in diesem Fake würde er auf den Gaga-Wokismus unserer Tage abgehen (PS: ein Rant des ex-polnischen Russophobikers und Dostojewski-Tolstoj-Liebhabers MRR über Putin/Biden/Nordstream etc. könnte ebenfalls lustig werden.) :

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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, ‎ Fifty-Fifty (Oktober 2022),  288 Seiten, 20 Euro