“Wie bist du eigentlich links geworden?”

Nicht nur bei Ernst Jandl geraten rinks und lechts  gelegentlich durcheinander. Auch bei mir befürchtete gestern ein alter Kollege, der seit langem im Ausland lebt,  einen solchen Illtum. Weil er im Netz gelesen hatte, dass ich den Berliner Kultursenator von den “Linken” scharf kritisiert und den angeblich “neu-rechten” Ken Jebsen in Schutz genommen hätte, rief er mich an. Nachdem ich ihm den Unsinn des Vorwurfs “neu-rechts” und “Querfront” klar gemacht und ein pdf meines Interview-Buchs mit Ken Jebsen  losgeschickt hatte, kamen wir noch in ein längeres Gespräch – und ließen das Band laufen.

 “Wie bist du  eigentlich links geworden?” fragte er und ich erzählte, wie mir als Teenie nicht in den Kopf wollte, warum mit den Bomben auf Vietnam die Demokratie  verteidigt und Napalm auf Reisbauern in Asien unsere Freiheit gesichert werden muss. Ich verweigerte den Kriegsdienst und weil es nach dem Abitur keine Zivi-Plätze gab aber einen Studienplatz in Berlin, nahm ich den, und ging gleich auf meine erste Demo, nach dem 11.9.1973. “Chile si, Junta no” riefen wir, um gegen den von der CIA lancierten faschistischen Putsch gegen Allende zu protestieren. So ging das weiter, Nicaragua, El Salvador, stets nach demselben Muster, wo immer eine linke und sei es nur sozialdemokratische Regierung an die Macht kam, zog Amerika verdeckt oder offen in den Krieg.

“Also du wurdest links über den Anti-Imperialismus ?” – Kann man so sagen. Der Vietnamkrieg war so mit Vierzehn eine Art Schlüsselerlebnis, über die Welt und Gerechtigkeit nachzudenken, dann kam Willy Brandt, den ich bei meiner ersten Wahl wählte und sogar bei den Jusos eintrat, aber gleich wieder aus – weil die SPD ihr Wahlversprechen nicht einlöste, das Gerichtsverhör für Kriegsdienstverweigerer abzuschaffen. Ich absolvierte das dann, mein Vater unterstützte mich – was Anti-Kriegs-Politik betrifft waren wir uns immer einig. Im Studium lernte ich dann die Hintergründe der Wiederbewaffnung  kennen, das 1953 abgelehnte Stalin-Angebot der Wiedervereinigung bei militärischer Neutralität, die Geopolitik des Kalten Kriegs. Dann kam die RAF, deren gewalttätige Strategie ich ablehnte und für aussichtslos hielt, emotional aber die auf Seite dieses terroristischen Davids gezogen wurde je stärker der Goliath des Staats sich dagegen aufblähte. Ein weiteres Schlüsselerlebnis war dann die Einseitigkeit und nahezu Gleichschaltung der Medien im “Deutschen Herbst”. Da hörte ich von einer Gruppe Leute, die eine unabhängige linke Zeitung gründen wollten, beim Tunix-Kongress 1978 gab es ein großes Treffen… und so kam ich zur taz.

“Die taz ist heute doch keine  linke Zeitung mehr, das ist doch fast nur noch  Jamaica-Gelb-Grün und bisschen Vegi-Lifestyle.” – Das ist der Zahn der Zeit, wie bei den Grünen, man ist halt “in der Mitte der Gesellschaft” angekommen und macht sich’s gemütlich. Das geht nur mit political correctness, nicht nur bei der Wortwahl sondern auch beim Ausblenden politischer Zustände, die nicht ins Bild passen, da schwimmt man dann eben im Mainstream mit und setzt höchstens hier und da ein paar schrille Ausreißer.

“Aber du arbeitest noch für die taz?” – Ja,  seit einigen Jahren wieder für den Verlag, nicht in der Redaktion. Auch wenn ich mit vielem in der Zeitung nicht einverstanden bin, ist sie noch die beste die wir haben in Deutschland. Auch die Grünen hab ich ja noch gewählt, solange Christian Ströbele kandidierte. Die “Linke” war mir lange zu SED-mäßig, aber Sarah & Oskar & noch ein paar dort finde ich gut. Dass man die jetzt auch in die “rechte” Ecke schiebt ist symptomatisch – wer nicht  ewige Treue der NATO schwört,  wird von der neuen Pseudo-Linken als Nazi  oder “neu-rechts”deklariert.

“Dein Anti-Amerikanismus sitzt tief!” – Quatsch, ich bin Karl May- und Amerika-Fan seit je. Aber wer die Weltgeschichte seit 1945 studiert und die endlose Reihe von Kriegen sieht, mit denen vor allem die USA die Erde überzogen haben, kommt als vernünftiger Mensch nicht darum herum, diesen permanenten Massenmord zu kritisieren. Es ist eine entsetzliche und brutale Politik, die die einzige Weltmacht betreibt.

“Deshalb hast du dich über den Wahlsieg von Trump gefreut?”  Nein, über Bernie Sanders hätte ich mich gefreut, über Trump nur deshalb  weil die schreckliche Clinton den Bernie weggebissen hat, der die Wahl klar gewonnen hätte. Aber auch Trumps Ansage “to come along mit Russia” fand ich richtig und es ist höchst spannend, wie mit aller Macht versucht wird,  ihn davon abzuhalten. Der miliätrisch-industrielle Komplex braucht einen Feind, Frieden und Verständigung sind geschäftsschädigend…

“Dass du als “Putinversteher” ein Buch geschrieben hast ist ja auch nicht gerade links, oder?”  – Verstehen heißt nicht Verehren. Ohne Putin würde es in Russland heute aussehen wie im Irak, das kann niemand wünschen, außer vielleicht das US-Imperium zwecks Chaosverbreitung. Ich bin für Friedens,-und Handelsverträge von  Lissabon bis Wladiwostock und Peking, für Handel und Wandel zwischen Europa und Asien auf der “neuen Seidenstraße” – ob das “links” ist weiß ich nicht, aber es macht Sinn. Und Putin und Xi würden sicher gerne in solche Verhandlungen eintreten, aber diese Verständigung ist tabu. Sie war es schon für das britische Weltreich und ist es jetzt für seinen Nachfolger in Washington: wenn Eurasien zusammenwächst ist das Imperium nicht mehr zu halten. Deshalb dürfen sich  Deutschland und Russland, West,-und Osteuropa, nicht vertragen. Deshalb wird die NATO nicht reformiert oder abgeschafft, sondern weiter auf Konfrontation gebürstet. Deshalb gibt es die von den USA verordneten Sanktionen, die Deutschland und Westeuropa mehr schaden als den Russen.

“Auch viele Rechte finden Putin gut…” –  So what? Die finden auch Borussia Dortmund oder Bier oder sogar Rotwein gut. Das ist doch nicht das Problem mit “rechts”, sondern ihr reaktionärer Rassismus. Dieser Schwachsinn von der weißen Rasse und einem speziellen Deutschtum oder Polentum oder Schlagmichtot. Jedes Land hat seine Kulturen und das ist wunderbar, aber daraus eine Suprematie abzuleiten ist Wahnsinn. “Wir müssen den Nationalismus in Folklore verwandeln”, hat schon mein Freund Wolfgang Neuss gesagt…

“Und die Flüchtlinge?” – Da war ich anfangs ganz bei Merkel, die Notaufnahme war ok – und sie ist ok, solange sich Deutschland an Kriegen beteiligt oder Waffen  dafür liefert. Wer Fluchtursachen bekämpfen will, muss aufhören, andere Länder in Schutt und Asche zu legen. Aber hier läuft ja jetzt eher das Gegenteil, die Bundeswehr soll für mehr Auslandseinsätze fit gemacht werden, mit gräßlichen Werbe-Kampagnen, wie geil das Kämpfen in Mali ist. Das ist die Obergrenze des schlechten Geschmacks – wir wollen mehr Krieg, wir liefern mehr Waffen und wollen gleichzeitig eine Obergrenze für Flüchtlinge, die wir mit dem Export von Panzern und Bomben weiter produzieren.

“Viele in der “Linken”-Partei würden da zustimmen, aber du greifst ihren Kultursenator scharf an.”
– Ja, weil er mit diesem Saalverbot die Meinungs,-und Pressefreiheit mit Füssen tritt. Weil er Ken Jebsen in eine Ecke stellt, in der er nicht gehört, wie jeder, der das KenFM-Programm anschaut, sehr leicht feststellen kann, und weil er die Beteiligten an diesem Programm und der Veranstaltung einfach nur diffamiert. Ein solcher Unkultursenator muss sich schon sagen lassen, dass er daneben liegt, selbst wenn ihm die antideutsche Transatlantifa  dafür zujubelt…

“Transatlantifa?” – Das ist eine spezielle pseudo-linke Truppe hier, die sich “Antideutsche” nennt und “Israel über alles” als Antifaschismus verkauft, die sämtliche US-Kriege unterstützt und jeden, der da nicht mitzieht, als Nazi und Antisemit deklariert,  vor allem wenn er  – wie es zum Beispiel Ken Jebsen getan hat- die Besatzungspolitik Israels kritisiert. Oder die Zentrale des Drohnenmords in Ramstein, oder die Aufrüstung der NATO, oder die Geldpolitik der Federal Reserve Bank, oder den CIA-gesteuerten Putsch in Kiew, oder die islamistischen Al CIAda-Söldner in Syrien… Das sind für viele Pseudo-Linke und Grüne und vor allem für die kognitiv dissonanten  “Antideutschen” absolute Tabus, wer sie wahrnimmt und anspricht, muss ausgegrenzt und diffamiert werden, sonst bricht ihr verqueres Weltbild zusammen.

“Du solltest die Laudatio auf Ken Jebsen halten bei der abgesagten Preisverleihung…” – Die ist nicht abgesagt, nur ein gemieteter Saal wurde gekündigt, der Preis wird verliehen und wenn nicht im Babylon dann eben anderswo.  KenFM und sein Macher haben diesen Preis verdient, denn sie machen ein vorbildliches Programm, anti-militaristisch, anti-kapitalistisch, ur-demokratisch und höchst professionell. Dass darauf nur mit Verleumdung und Diffamierung reagiert wird, ist keine Überraschung, denn sachlich, inhaltlich gibt es keine Argumente. Deshalb wird eben mit dem standardisierten Dreck –  “Verschwörungstheorie”, “Antisemitismus” – geworfen.

“Das kennst du doch…” – Ja klar, nach meinen 9/11-Büchern lief das damals genau so:  keine sachlichen Argumente gegen die Inhalte, aber kräftige Denunziation des Überbringers. Und für Ken Jebsen fing der ganze Ärger – nach Jahrzehnten als erfolgreicher Moderator und Journalist im ARD-Radio – ja 2011 auch just in dem Moment an, an dem er zum 10. Jahrestag  seine Zweifel an der offiziellen Legende äußerte und mich in seiner Sendung reden lies. 9/11 ist ja so etwas wie der Lackmustest für echten Journalismus, wer das Märchen von Osama  und den Teppichmessern als Alleintäter nicht stillschweigend akzeptiert, ist für die Großmedien untragbar. Das war schon bei JFK und Lee Harvey Oswald so – und um die Zweifler zur Strecke zu bringen, lancierte damals die CIA  die Vokabel “Verschwörungstheoretiker” als Kampfbegriff der psychologischen Kriegsführung. Diese feiert nach 9/11 fröhliche Urstände und heute gehen auch Leute, die sich “links” oder “grün” verstehen, völlig ungeniert und unreflektiert damit um, so auch der Berliner Unkultursenator. Es ist die perfekte Diskurskeule, um unerwünschte Nachrichten und Meinungen außen vor zu halten… allerdings durch inflationären Gebrauch mittlerweile auch schon ziemlich abgenutzt. Noch haben wir einen Rechtsstaat, der Presse-und Meinungsfreiheit garantiert, deshalb werden diese peinlichen Zensurversuche auch scheitern.

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Kultursenator zieht Rufmord vom Leder – und schießt sich ins Knie

Dass die taz ihre friedenspolitischen Wurzeln gekappt hat und ähnlich wie die Partei der (Oliv-)Grünen seit dem Jugoslawienkrieg die illegalen Kriege des US-Imperiums akzeptabel findet, können Leute wie ich, die vor 38 Jahren diese antimilitaristisch verwurzelte “linke radikale tageszeitung” mitgründeten, nur als tragischen Niedergang empfinden. Die unter dem Fähnchen “Menschenrechte”, “humanitäre Intervention”  oder “war on terror” getarnten US-Kriege werden von der  taz-Redaktion mittlerweile nicht nur achselzuckend hingenommen, sondern gern auch noch publizistisch gefördert. Wie zuletzt die Bürgerkriege in der Ukraine und Syrien, mit der einst linksradikalen taz ganz auf Seiten von NATO, USA und ihren terroristischen Söldnern.
Einen ähnlichen Niedergang in die “Regierungsfähigkeit” wie die Grünen haben auch weite Teile der Partei “Die Linke” gewählt – Abschied von aktiver Friedenspolitik und Akzeptanz des us-amerikanischen Bellizismus sind das Ticket für Regierungspöstchen in Deutschland. Der Ex-Linke Joschka Fischer hat es vorgemacht und seitdem sind  viele Grüne und Linke auf dieser Schleimspur erfolgreich unterwegs. Einer von ihnen ist Klaus Lederer (Linke), der es so bis zum stellvertretenden Bürgermeister und Kultursenator Berlins gebracht hat. Als solcher hat er zum Beispiel unlängst die Proteste gegen die Abwicklung der “Volksbühne” in eine Event-Plattform mit der Polizei beendet und gerade dafür gesorgt, dass die idiotischen Al-Qaida-Busse hochkant vors Brandenburger Tor gestellt werden, als Mahnmal für Aleppo, wo Islamisten sie als Straßensperre benutzten. Für Lederer handelte es sich bei terroristischen Jihadisten aber um “moderate Rebellen”, denen man mit monumentaler Schrott-Kunst Denkmäler setzen muss. (Update: In einer ersten Fassung stand hier dass Lederer Mitglied des Lobbyvereins “Atlantikbrücke” sei, das ist falsch; es beruhte auf einer Verwechslung mit  seinem Parteikollegen  Stefan Liebich)

Ganz im Sinne atlantischer Frontkämpfer-Mentalität hat Klaus Lederer jetzt das Babylon-Kino – eine von seinem Senat geförderte Spielstätte – aufgefordert, den Mietvertrag für eine Preisverleihung an Ken Jebsen zu kündigen. Der Blog  “Neue Rheinische Zeitung” aus Köln, der alle zwei Jahre den Karls- Preis für engagierten Journalismus vergibt, hatte den Saal für den 14. Dezember gebucht – und bei mir angefragt, ob ich eine Laudatio auf den Preisträger halten würde. Ich sagte sofort zu, weil es höchste Zeit wird, Ken Jebsen und KenFM in höchsten Tönen zu loben, denn dieses Programm und sein Macher – der Chef des Grimme-Instituts, Lutz Hachmeister, lobte ihn unlängst erst als Medienpionier   – sind für mich seit Jahren der Leuchtturm eines friedens-politisch, anti-militaristisch und anti-kapitalistisch engagierten Journalismus. Dass solcher Journalismus Figuren wie Lederer nicht ins Konzept passt, kann man verstehen, dass sie sich aber übler Verleumdungen bedienen, um ihn zu verhindern, ist absolut inakzeptabel:  “Der Preisträger und mehrere an dieser Veranstaltung Beteiligte sind in der Vergangenheit durch offenen, abgründigen Israelhass, die Verbreitung typisch antisemitischer Denkmuster und kruder Verschwörungstheorien in Erscheinung getreten(..) Als Plattform für diesen Wahnsinn stehen wir nicht zur Verfügung,” richtet der Herr Senator über Facebook aus und die taz entblödet sich nicht, dieses dumpfe Mobbing unter dem Titel “Querfront-Preisverleihung abgesagt” unreflektiert nachzubeten.

Abgesagt ist unterdessen gar nichts und ob die per email erfolgte Kündigung  des Mietvertrags rechtens ist, nur weil ein gestörter Senator eine Veranstaltung für “Wahnsinn” hält, wird zu sehen sein. “Kunst soll verstören” hatte Lederer zu den Bussen am Brandenburger Tor gesagt,  Journalismus aber soll offenbar handzahm sein und der NATO, den USA sowie einem rasenden Philo-Semitismus huldigen, bevor Berlin “zur Verfügung” steht.
Nö, lieber Klaus, so looft det nich!  In deinem Mobbing sind zwar keine Namen genannt, sonst wären gleich einige Klagen vor Gericht gelandet und es würden Beweise fällig, warum es sich bei dem “Preisträger”  und “Beteiligten” um   Antisemiten, abgründige Israelhasser und krude Verschwörungstheoretiker handelt. Die gibt es aber genausowenig wie eine ominöse “Querfront”, wie sie die taz in ihrem Artikel halluziniert, weshalb es sich bei der ganzen Aktion um nichts anderes als um Mobbing handelt – Rufmord.
Der ist aber im Falle Ken Jebsen schon einmal nach hinten losgegangen, als der notorische Denunziant Broder es damit beim RBB versucht hatte:  KenFM wurde aus dem öffentlich-rechtlichen Kanal verbannt und erreicht seitdem im Netz ein Vielfaches an Zuschauern. Und so wird es auch dem Karlspreis an Ken Jebsen ergehen, der bisher an Werner Rügemer (2008), Wolfgang Bittner (2010), Rolf Gössner (2012) und Evelyn Hecht-Galinski (2014) verliehen wurde, und der dank der haltlosen Diffamierung durch einen Kultursenator nun noch größere Aufmerksamkeit als ohnehin finden wird.

Mehr zum Thema Rufmord,  KenFM und der Person des Preisträgers in   “Der Fall Ken Jebsen oder Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann (2016)”

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Wenn aus dem I ein Y wird

Mit einem neuen Schulgesetz lodert der Sprachenstreit in der Ukraine wieder auf, dem wir 2014 in  “Wir sind die Guten”  schon einen kurzen Absatz gewidmet haben. Der es allerdings in sich hatte, zumindest für einen FAZ-Vollpfosten namens Reinhold Veser, der unserem Buch daraufhin “Volksverhetzung” und “rassistische Esoterik” vorwarf. Dabei hatten wir uns als Nicht-Experten slawischer Sprachen bei den Ausführungen über das Russische und Ukrainische auf den größten Dichter der Stadt Kiew, Michail Bulgakow, berufen. Und diesen dazu auch zitiert, was der Rezensent aber unterschlagen musste, denn sonst hätte er seine Fake-News von der “Volksverhetzung” nicht produzieren können. Wie auch immer, das Buch erscheint kommenden Monat auf Russisch, was ja auch sehr viele Ukrainer/innen sprechen und lesen, und wir sind gespannt wie die Linguisten vor Ort die Sache sehen. Hier der Ausschnitt aus dem Buch:

“Im Jahr 1918 war Kiew von drei verschiedenen Mächten beherrscht: zuerst von den Bolschewisten, die nach dem Sturz des Moskauer Zaren auch in Kiew die Macht übernommen hatten, dann von den Deutschen, welche die Rotarmisten verjagten und ein Marionettenregime unter Pawlo Skoropadsky einsetzten, das sogleich die russische Amtssprache verbot und eine ukrainische Grammatik einführte, und zuletzt nach dem Rückzug der Deutschen im Dezember 1918 von einem selbst ernannten ukrainischen Nationalisten, Simon Petljura, in dessen Herrschaftsbereich während seiner nur 15 Monate dauernden Amtszeit mindestens 35000 Juden ermordet werden.

Der in Kiew aufgewachsene Arzt und Schriftsteller Michail Bulgakow beschrieb diese schreckensreiche Jahre in seinem autobiografisch geprägten Roman “Die Weiße Garde”, in dem er aus seiner tiefen Abneigung gegen die roten Revolutionäre keinen Hehl macht, den entstehenden ukrainischen Nationalismus aber noch viel furchtbarer findet, vor allem weil er »die russische Bevölkerung terrorisiert mit einer scheußlichen Sprache, die es gar nicht gibt«. In dieser Neuerfindung liegt für Bulgakow die Wurzel des Nationalismus, und schon in seinem ersten Roman erweist sich der spätere Autor von “Der Meister und Margerita” als der satirische Großmeister der Weltliteratur, wenn er die neue Sprachverwirrung mit beißendem Spott beschreibt:

»Vorgestern fragte ich diese Kanaille Doktor Kurizki, der kann seit November vorigen Jahrs plötzlich kein russisch mehr. Früher Kurizki, jetzt ukrainisch Kuryzky. Ich frage ihn also, wie Kater (russisch Kot) auf ukrainisch heißt, das wußte er noch (Kit), aber als ich ihn fragte, wie der Wal (russisch Kit) heißt, glotzt er mich an und schweigt.«

Die Etablierung des Ukrainischen, das nichts anderes als Russisch mit ein paar abgeleiteten Vokalen ist und als Bauernsprache keine Worte für die Tiere hat, die nicht auf Feld und Flur leben, – die Einführung dieses Dialekts als Nationalsprache war für den Wortkünstler Bulgakow nicht ein neuer, patriotischer Anfang, sondern ein Rückschritt in einen beschränkten, bornierten Nationalismus

Fast ein Jahrhundert später ist der von Bulgakow thematisierte Sprachenstreit immer noch hochaktuell: bei einer Debatte über das von Präsident Janukowitschs „Partei der Regionen“ eingebrachte Gesetz, dass Minderheitssprachen in den Regionen als zweite Amtssprachen genutzt werden können, flogen noch 2012 im Kiewer Parlament nicht nur schlagkräftige Argumente, sondern auch die Fäuste. Was verdeutlicht, dass es sich in einem Land, in dem fast die Hälfte der Einwohner zu Hause Russisch spricht, um mehr als bloße Symbolpolitik handelt, die mit simpler Schwarz/Weiß bzw. „y“/“i“ –Malerei auf Wählerfang aus ist, sondern dass die Ukraine nach wie vor und emotional höchst aufgeladen um die fundamentalen Grundlagen eines Nationalstaats ringt. Was nicht nur einer übersteigerten Zurückdrängung alles Russischen geführt hat, sondern auch zu einer ungebrochenen Verehrung äußerst zwielichtiger Helden wie dem radikalen Nationalisten Petljura, dem in Kiew ein übergroßes Denkmal errichtet wurde. Wie auch seinem Nachfolger im Geiste, dem Partisanenkämpfer und Kollaborateur der deutschen SS Stepan Bandera, den Präsident Juschtschenko kurz vor seiner Abwahl 2010 noch mit dem höchsten Orden des Landes zum „Held der Ukraine“ erhob. Als sein Nachfolger Janukowitsch dies über die Gerichte 2011 rückgängig machte, beschuldigten ihn Juschtschenko „die Geschichte umzuschreiben und die Helden des ukrainischen Volks zu erniedrigen, um Russland zu gefallen.“

Hallo “Jamaica”: Bitte Bio-Hanf statt Designer-Junk!

Die Berliner Polizei warnte am Wochenende einmal mehr vor sogenannten “legal highs” – Käutermischungen, denen  hochgiftige Chemikalien beigemischt sind und die derzeit unter dem Namen”Bonzai”  für 5 Euro in Berlin verstärkt angeboten würden. Bei den Beimischungen handelt es sich um synthetische Cannabinoid-Abwandlungen, die Ohnmacht, Krämpfe, Herzprobleme und schwere Übelkeit hervorrufen können und schon zu Todesfällen führten. Ähnlich wie bei der schon vor einigen Jahren bekannt gewordenen Designer-Droge “Spice” docken diese synthetischen Stoffe an den Cannabinoid-Rezeptor im Gehirn an und produzieren eine ähnliche Wirkung wie Cannabis – allerdings mit den oben genannten schweren Nebenwirkungen, die bei natürlichem Cannabis nicht vorkommen. Zudem ist die Dosierung und Wirkung dieser Substanzen, die in Mischungen mit allen möglichen Kräutern angeboten werden, nicht kalkulierbar, was dazu führt, dass schon ein einziger Zug aus einem solchen “K.O.-Joint” zur Ohnmacht führen kann.
Wer zieht sich so etwas rein ? Abgesehen von irgendwelchen “Druffis”, denen es völlig egal ist, mit was sie sich gerade die Birne wegknallen, freiwillig wohl niemand. Wenn es sich dennoch so weit verbreitet, dass Polizei und Rettungsstellen Alarm schlagen, haben wir ein Problem,  und die vielen Antworten auf die Facebook und Twitter-Postings der Polizei zeigen, dass die Lösung durchaus bekannt ist – bei den Leuten und der Bevölkerung, nicht aber bei den Verantwortlichen der Politik. Wer die Gefahren von unkalkulierbaren, synthetischen Designer-Drogen abwehren will, darf ungefährlichere natürliche Drogen wie Hanf nicht Illegalisieren. Es sei denn, er ist immer noch dem Wahn verfallen, mit Strafrecht und Polizei eine “drogenfreie Gesellschaft” durchzusetzen. Dass diese Leitlinie des “war on drugs” mehr Opfer produziert als rettet und jede vernünftige Drogenpolitik sich um Schadensminderung zu kümmern hat, statt um die illusorische Beseitigung sämtlicher Drogen – diese Einsicht beginnt sich immer noch zu langsam durchzusetzen.
Neuerdings klingt aber in den Kommentaren zu den Sondierungen der “Jamaica”-Koalition an, dass ein mögliches Ergebniss der Verhandlungen die Entkriminalisierung von Cannabis sein könnte. Weil man den Grünen und der FDP, die an anderen Stellen große Kompromisse machen, irgendetwas Vorzeigbares für ihre Klientel überlassen muss, könnte man ihren Liberalisierungs-Forderungen in Sachen Hanf nachgeben. Ein Verkauf über Apotheken, wie ihn sich FDP-Chef Lindner vorstellt, scheint dabei aber keine wirklich gute Lösung. Seit Anfang 2017 können ja Patienten schon auf Rezept medizinische Hanfblüten aus der Apotheke beziehen, allerdings zu Preisen, die deutlich über denen in anderen Ländern liegen – und auch deutlich über denen des Schwarzmarkts. Nur sehr betuchte Partygäste werden also zwecks Stimmungsaufheiterung die Nachtapotheke besuchen und sich für 25 Euro ein Gramm Gras kaufen – für Freizeitkonsumenten scheint das Apotheken-Modell  also noch keine wirkliche Lösung, um Gefahren durch Designer-Junk wie “Bonsai” abzuwenden.
Wenn bei den nun anstehenden Koalitionsverhandlungen als Nebeneffekt tatsächlich die längst überfällige  Entkriminalisierung der Hanfpflanze herausspringen sollte, müßte deshalb zu allererst und jenseits aller sonstigen Regulierungen der private Anbau  für den Eigenbedarf gestattet werden. In den US-Bundesstaaten, die Cannabis legalisiert haben und auch schon in einigen europäischen Ländern hat man damit gute Erfahrungen gemacht und es wird höchste Zeit, dass auch in Deutschland die Polizei nicht mehr für Grünzeug ausrücken muß, sondern gegen echte Kriminelle vorgeht. Mit 135.000 Strafverfahren allein gegen Cannabis-Konsumenten stellte Deutschland im Jahr 2015 einen unrühmlichen Rekord auf – diesen Irrsinn zu stoppen, Millionen an Steuergeldern sparen, die Justiz erheblich zu entlasten und die Zerstörung von Schullaufbahnen, Ausbildungen, Lebensentwürfen zu beenden… damit könnte eine “Jamaica”- Koalition, von der niemand wirklich Neues erwartet, ihrem Namen dann doch ein wenig Ehre machen. Peace!

Auch als Podcast auf KenFM

Betr.: Prima Klima

Hui, da hab ich ja in ein Nest gestochen, mit dem kleinen Kommentar über Propheten und Profiteure der Klimadebatte hier im Blog, der als Podcast auch bei KenFM und youtube erschien. Hunderte Kommentare, die ich gar nicht alle lesen kann, viele Beschimpfungen aber auch Beileidsbekundungen, weil ich nun auch der “Klimareligion” anheim gefallen sei, sowie Handreichungen und Links, um mich von diesem Irrglauben zu bekehren. Entäuschte “Entfreundungen” auf Facebook, weil ich bei aller Zuverlässigkeit in Sachen 9/11, JFK etc. nun doch die “Klimalüge” verbreiten würde, anstatt investigativ Chemtrails aufzudecken und Geo-Ingeneering zu kritisieren. Dazu heiße Debatten über C0-2, das in meinem Artikel überhaupt nicht erwähnt wird.
Der Text nahm eine Prognose der UN zur Erdrwärmung und dem Anstieg des Meeresspiegels nur zum aktuellen Anlass, um die Schwierigkeiten von homo sapiens im Umgang mit neuen Werkzeugen und Erkenntnissen zu beleuchten. Und auf zwei Dinge hinzuweisen: dass ein fröhliches “Weiter so” beim Verballern fossiler Rohstoffe nach dieser Prognose für einige Küstenregionen den Untergang bedeuten könnte; und dass die Plädoyers für ein solches “Weiter so!” und die Zweifel an einer menschengemachten Erderwärmung und ihren Folgen seit Mitte der 90er Jahre von Ölkonzernen (Koch Industries, Exxon etc.) finanziert und propagiert werden.

Nicht mehr aber auch nicht weniger sagt dieser Kommentar und einer neuen Religion bin ich damit nicht verfallen, sondern hänge weiter meiner Privatreligion an, die auf Empirismus der ersten Person setzt: Erfahren,  Sehen, Verstehen.
Zum Beispiel die Gletscher in den Alpen, wo ich öfter bin, und die Jahr für Jahr  schrumpfen, oder die Erfahrung, dass die Insekten verschwunden sind weil die Windschutzscheibe auch im Hochsommer sauber bleibt. Letzteres wollten mir Experten mit der “verbesserten Aerodynamik” heutiger Autos erklären, aber ich glaube diese “Experten” tun nichts anderes, als den Kopf in den Sand stecken. So wie die “Es war doch schon immer so!”-Experten für Eiszeiten und Erwärmungen der letzten 500 Millionen Jahren.
Die Berichte über das dramatische Voranschreiten der Artenvernichtung, der Regenwaldzerstörung, der Bodenerosionen usw. usf. scheinen mir insgesamt äußerst glaubhaft und passen in das Bild, das die Klimaforscher vom Treibhauseffekt aufzeigen, für den nicht nur Kohlendioxid verantwortlich ist.

In “Cogito Ergo Bumm – und 49 weitere Beweise für die Unausweichlichkeit des Scheitern” schrieb ich 2007: “Die Gattung der Menschen, denen die Handhabung des Feuers einst den entscheidenden Evolutionsvorteil sicherte, scheint nun an der Perfektionierung eben dieser Technologie zu scheitern: Sie fährt wider besseres Wissen fort, den Planeten in einen giftigen Backofen zu verwandeln. Und diejenigen, die davon profitieren, werden nicht müde, die Ausrottung von Pflanzen und Tierarten als »vertretbar« und die Warnungen vor einer Klimakatastrophe als »Panikmache« zu bezeichnen. Sie bezweifeln lieber weiter die wissenschaftlichen Daten und liefern damit den Beweis, dass homo stultus, der domestizierte Primat, einfach erst dann bereit ist zum Lernen, wenn es richtig auf dem Pelz brennt (bzw. das Wasser bis zum Hals steht) – zu spät.”

Paradise und Parasiten

Wie schon vor einiger Zeit die Panama-Papers, sind auch die Paradise-Papers  zwar viel besser als Nichts, aber wohl doch wieder nur ein “limited hangout” – die skandalisierende Sichtbarmachung der Spitze eines Eisbergs, der schon lange bekannt ist, aber weiter fröhlich vor sich hintreiben kann. In seiner ganzen Verachtungswürdigkeit und Niedertracht zeigt sich in diesem Zusammenhang die Ideologie der Springer(stiefel)presse in der gestrigen “Bild”-Schlagzeile Sind die kleinen Leute wirklich ehrlicher als die Reichen?  – sowie in der Verteidigung des parasiätren Raubrittertums in der “Welt”: Es ist gut, dass es Steueroasen gibt.

In “Die ganze Wahrheit über alles” haben wir “Steuern und Steueroasen” ein Kapitel gewidmet und auch die eigentlich sehr einfachen Lösungen skizizziert, wie man diese Raubritterburgen der Neuzeit schleifen kann. In Frankreich brauchte es 1789 eine blutige Revolution, um Adel und Klerus zu Steuerzahlungen zu zwingen, um dem heutigen Finanzadel an die Brieftasche und an den Briefkasten zu gehn, braucht es hingegen nur ein paar Daumenschrauben: ein internationales Finanzkataster, das die Besitzverhältnisse von Wertpapieren eindeutig registriert. Standorte, die sich weigern, dieser Registrierungspflicht nachzukommen, werden so lange mit Strafzöllen auf ihre Transaktionen belegt werden, bis sich ihre Geheimnistuerei nicht mehr rechnet.
Wie dringend notwendig solche Maßnahmen sind, wenn die Welt nicht wieder in einen totalitären Neo-Feudalismus regredieren soll, hat John Urry gezeigt, einer der wenigen Soziologen, die dieses gigantische Schattenreich der globalen Ökonomie erforschen (John Urry: Grenzenloser Profit – Wirtschaft in der Grauzone, Berlin 2015) :

„Die Beträge, die in solche Standorte geflossen sind, stiegen von 11 Milliarden US-Dollar im Jahr 1968 über 385 Milliarden US-Dollar 1978 und 6 Billionen US-Dollar 1998 auf 21 Billionen US-Dollar im Jahr 2010. Nach konservativen Schätzungen hat die Verlagerung von Geldvermögen von 1968 bis heute somit um das 2.000fache zugenommen. Nahezu alle großen Konzerne verfügen über Offshore-Zweigunternehmen, mehr als die Hälfte des Welthandels fließt durch diese Steueroasen, fast alle hochvermögenden Privatpersonen besitzen Offshore-Konten, die ihnen steuerliche „Gestaltungsmöglichkeiten“ eröffnen.“

Da es sich bei den Betroffenen nicht um irgendwen, sondern die mega-reichen 0,1 % der Weltbevölkerung handelt, wird ein internationales Finanzkataster nicht von heute auf morgen durchsetzbar sein. Deshalb empfehlen wir in unserem Buch eine auf Ebene der UN und der nationalen Gesetzgebung einfach und schnell durchsetzbare Initiative, die Einführung einer rigiden Residenzpflicht:
“Ein Offshore-Briefkasten darf nicht mehr ausreichen, um sich vor Steuerzahlungen drücken zu können, die Person oder die Firma muss leibhaftig anwesend, sprich niedergelassen sein, um in den Genuss der Steuervermeidung zu kommen. Wir prognostizieren: Es wird nur sehr kurzfristig ein wenig voller auf den Caymans, den Jungferninseln oder Jersey…” Wenn die Steueroasen in Wüsten verwandelt sind, hält es dort niemand mehr lange aus.”

Mehr über Steueroasen, alle anderen schwierigen Weltprobleme und ihre einfachen Lösungen in: Die ganze Wahrheit über alles.

Der oben abgebildete Titel des sehr empfehlenswerten Buchs zum Thema von Nicholas Shaxson liegt mittlerweile auch auf deutsch vor: Schatzinseln – Wie Steueroasen die Demokratie untergraben.

Die geheimen JFK-Akten (10): Der “Geist” hinter Oswald – James Jesus Angleton

Am vergangenen Freitag ist ein weiterer Schwung der JFK-Files freigegeben worden. Auch wenn mit  über 30.000 Seiten noch immer der allergrößte Teil unter Verschluß ist, wird es langsam interessant. So sprang Jefferson Morley in einem schon lange veröffentlichten Kabel des CIA-Büros in Mexico an die Zentrale in Langley, das im Oktober 1963 vom Besuch eines Amerikaners namens Lee Oswald in der sowjetischen Botschaft berichtet, eine bisher geschwärzte Betreffzeile auf: “LCIMPROVE” – der Code für die CIA-Abteilung “Gegenspionage sowjetischer Geheimdienste weltweit”. Ihr Chef war James Jesus Angleton, über den Jeff Morley gerade eine Biographie (“The Ghost”) veröffentlicht hat (ich bin erst zur Hälfte durch, kann sie aber schon empfehlen) – und dies ist deshalb interessant, weil Angleton und die CIA  jahrzehntelang abgestritten haben, irgendein Interesse an Oswald gehegt oder Akten über ihn geführt zu haben.
Dieser Hinweis auf ein Gespräch Oswalds mit einem sowjetischen Konsularbeamten namens Kostikov, der dem Ermordungskommando des KGB zugeordnet wird, landet also auf dem Tisch des obersten Kommunistenjägers der CIA – und der unternimmt: nichts. Oder doch? Nur einen Tag nachdem das Kabel eingetroffen ist, geschieht etwas sehr Merkwürdiges:  Lee Harvey Oswald, der wegen seiner “Pro Kuba”-Aktivitäten unter besonderer Beobachtung des FBI steht, wird von der Liste der “persons of interest” gestrichen. Zwei Tage später kann er ohne Probleme  wieder nach Dallas zurückreisen, sechs Wochen später feuert er die magische Kugel auf JFK und wird zum Sündenbock.
Wer genau Oswald gedeckt hat und dafür sorgte, dass er nach diesen höchst verdächtigen Kontakten nicht einmal verhört wurde, das müssen jetzt die noch zurückgehaltenen Akten des FBI über die Streichung Oswalds von der Beobachtungsliste zeigen. Diese liegen bisher nur in stark redigierter Form vor und auch hier können für den Laien völlig unbedeutende merkwürdige Codes beweisen, wer wann etwas wusste und anordnete.
Dass James Jesus Angleton dabei definitiv die Finger im Spiel hatte, dafür habe ich in meinem Buch schon sehr viele Verdachtsmomente  aufgeführt, die mit einem solchen Aktenbeweis weiter bestätigt würden. Das Geständnis, das  er kurz vor seinem Tod 1985 dem Autor Jospeh Trento machte, spricht ebenfalls nicht dagegen:

“Grundsätzlich waren die Gründerväter des U.S.-Geheimdiensts Lügner. Je besser du lügen und betrügen konntest desto eher wurdest du befördert. Diese Leute zogen sich gegenseitig an und beförderten sich gegenseitig. Neben ihrer Doppelzüngigkeit war das einzige was sie gemeinsam hatten das Streben nach absoluter Macht. Wenn ich auf mein Leben zurückschaue habe ich Dinge getan, die ich bedauere. Aber ich war ein Teil des Ganzen und liebte es dazu zu gehören… Allen Dulles, Richard Helms, Carmel Offie und Frank Wisner waren die Großmeister. Wenn du mit ihnen in einem Zimmer warst, warst du in einem Raum mit Leuten von denen du glauben mußtetst, dass sie verdientermaßen in der Hölle enden. Ich denke ich werde sie da bald treffen. .. Die CIA hat zehntausende braver Menschen getötet…wir spielten mit Menschenleben als ob sie uns gehören würden.” ( Joseph Trento: The Secret History of the CIA, Roseville 2001, S. 478 f.)

Mehr zum Thema in der aktualisierten Neuauflage von “JFK – Staatsstreich in Amerika”

Die Drei-Grad-Welt: Von Propheten, Professoren und Profiteuren

Neue Werkzeuge gebären neue Weltbilder. Wobei sich die Geburt oft lange hinzieht. Als der Tuchhändler Antoni van Leeuwenhoek das erste Mikroskop gebaut und festgestellt, dass in menschlicher Spucke “kleine Tierchen” lebten, erklärte man ihn erst Mal für verrückt. Den Ingenieur Galilei aus Padua, der sich ein Fernrohr gebaut hatte und damit beweisen konnte, dass sich die Erde um die Sonne dreht, verurteilte man zu Hausarrest. Ähnlich wie diesen Entdeckern ging es vielen Pionieren, die mit neuen Werkzeugen oder Ideen in unbekannte Bereiche  vorgestoßen waren und Erkenntnisse mitbrachten, die dem allgemeinen Stand des Wissens und der herrschenden Meinung zuwider liefen.  Auch wenn es nicht wie bei Galilei immer über 350 Jahre dauert, bis sie offiziell rehabilitiert und Konsequenzen aus ihren Entdeckungen gezogen werden, zögern allgemeine Trägheit und institutionelles Beharrungsvermögen Innvovationen oft unmäßig hinaus.
Ein Blick auf die obenstehende Grafik, die jetzt im  “Guardian” erschien, zeigt wieviel Zeit noch bleibt, um auf die Erkenntnisse zu reagieren, die neue Werkzeuge der Beobachtung des Klimas und der Atmosphäre mit sich gebracht haben. Wenn die Erderhitzung und damit der Meeresspiegel weiter so ansteigt wie von den Forschern vorhergesagt, wird  sich die Weltkarte gegen Ende des nächsten Jahrhunderts dramatisch geändert haben. Städte wie Shanghai, Osaka, Rio de Janeiro, Miami, Alexandria sowie Den Haag und fast ganz Holland werden dann geflutet sein und 275 Millionen Menschen auf der Suche nach einer neuen Bleibe.

Ähnlich wie der Papst im 17. Jahrhundert den Blick durch das Fernrohr zu verweigerte, um die dank neuer Werkzeuge gewonnenen Erkenntnisse unter den Tisch zu kehren,  scheint angesichts der Lage keine Lösung. Und doch mutet die Sekte der “Klimaskeptiker” ganz so wie jene Kirchenvertreter an, die die Entdeckung des Kopernikus oder die experimentelle Bestätigung Galileis für eine ketzerische, teuflische Verschwörung hielten. Und ähnlich wie diese Kämpfer gegen den Heliozentrismus vom Vatikan einst mit Mitteln ausgestattet wurden, werden die Kämpfer gegen die “Klimalüge” heute von großen Konzernen finanziert. Sie haben “wissenschaftlich” nachgewiesen, dass es einen globalen Temperaturanstieg einfach nicht gibt – und falls doch, dass er keinesfalls mit dem Verballern fossiler Rohstoffe durch Menschen zu tun hat. Und sie bedienen sich dabei  denselben Methoden der wissenschaftlichen Verwirrung mit der zum Beispiel die Tabakindustrie Konsequenzen aus den Erkenntnissen über die Krebsgefahren durch Rauchen verhindern wollte.

“Und sie bewegt sich doch” soll Galilei gemurmelt haben, als ihm die Heilige Inquisition jegliche Äußerungen über die Erdumdrehung verbot – und er sollte recht behalten, als Prophet ( von lat. profiteri: gestehen, bekennen) gegen die Profiteure und Professoren (von proficere: nützen). Seine neuen Werkzeuge hatten den Blick nach außen gelenkt und die Autoritäten mit der Nachricht geschockt, dass der vermeintliche Mittelpunkt der Welt, die Erde,  nicht mehr ist als eine Billardkugel im leeren Raum.
Die neuen Messgeräte und Computer, die seit einigen Jahrzehnten neue Erkenntnisse über die Atmosphäre und Biosphäre ermöglichten, lenken den Blick jetzt wieder zurück, auf den Planeten Erde und die dünne, zerbrechliche Hülle in der Leben möglich ist. Und der Schock, in welche Kloake wir sie mit der brutalen Zerstörungskraft unserer Wirtschaftsweise verwandelt haben, ist für die heutigen Autoritäten – die kapitalistischen Konzerne – mindestens so groß wie damals Galileis Entdeckung für den Papst. Insofern wundert es nicht, wenn Profiteure und Professoren die Prophezeiungen der Klimaforscher ins Lächerliche ziehen. Nie aber lagen die Argumente für ein unbeirrbares “Weiter so” derart nah an der zynischsten aller Parolen: “Nach mir die Sintflut!”.

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