Wo sind alle die Fliegen hin ?

Unlängst fuhren mein Bruder und  ich mit dem Auto bei hochsommerlichem Wetter von Frankfurt am Main  nach Bad Godesberg am Rhein. Auf dem Hinweg hatten wir die Autobahn genommen und waren in kaum zwei Stunden da,  auf dem Rückweg  fuhren wir gemütlich die Landstraßen am Rhein entlang  und nur das letzte Stück auf der Autobahn. Bei der Ankunft zeigte ich auf die Windschutzscheibe: “Fällt dir was auf ?” fragte ich. “Erinnerst du dich, wie wir früher im Sommer bei jedem Stopp die Scheibe sauber machen mußten, weil sie voll war mit den Resten von Insekten. Die harten Schwämme dafür gab es an jeder Tankstelle.” Mein Bruder nickte.  Die Scheibe war bis auf drei oder vier winzige schwarze Punkte, die vielleicht einmal Fruchtfliegen gewesen waren, absolut sauber – nach 400 Kilometern, ohne dass wir ein einziges Mal den Scheibenwischer bedient hatten. Mir war das Fehlen von Insektenleichen auf der Windschutzscheibe schon aufgefallen, als ich ein paar Wochen zuvor im Umland von Berlin unterwegs war, ebenfalls bei herrlichem Sommerwetter – und jetzt bei der Fahrt am Rhein, durch den Westerwald und den Taunus dasselbe. Wo sind  all die Fliegen, Mücken, Schnaken, Wespen, Hummeln, Käfer geblieben ? Ich wußte zwar, dass  ein großes Bienensterben im Gange ist, aber dass  diese Vernichtung offenbar auch alle die anderen Insekten betrifft, die seit Jahrzehnten an Windschutzscheiben verunfallten,  war mir neu.
Als ich dann die FAZ-Meldung las ” Schleichende Katatstrophe: Bis zu 80% weniger Insekten in Deutschland” fand ich zwar meine Befürchtungen bestätigt – denn nach den Insekten sterben auch die Vögel und damit wären wir einmal mehr bei Rachel Carsons “Silent Spring”, dem Buch das 1962 erstmals auf die katastrophalen Folgen von DDT und anderen Pestiziden aufmerksam machte –  doch wurde dann gleich wieder beruhigt: “Deutsche Leitmedien fallen auf weitgehend grundlagenlose Wahlkampfbehauptung der Grünen herein” schrieb Telepolis und behauptete, dass die Zahl von 80% weniger Insekten zweifelhaft sei, weil ihre keine bundesweite Studie zugrunde läge, sondern nur eine Erhebung von “Freizeitforschern” aus dem Krefelder Raum.
Tatsächlich hatte es deren Forschung, die seit Jahrzehnten die Insektenbestände ermittelt,  im Mai 2017 in das renommierte Fachblatt “Science” gebracht, dem sich nur schwerlich “Wahlkampfbehauptungen” nachsagen lassen. Doch das wird in dem Telepolis-Artikel nicht erwähnt. Stattdessen wird ein “Agrarbiologe” zitiert, der die makellosen Windschutzscheiben im Sommer mit der “besseren Aerodynamik” heutiger Autos erklärt. Ja sauber. Ein  zehn Jahrer alte VW Golf ist also so viel aerodynamischer als seine Vorgänger, dass er keiner Fliege mehr etwas zu Leide tut – das ist in  Zeiten des Dieselbetrugs ja endlich mal eine positive Nachricht! Ich halte sie aber für Fake News, denn die Ergebnisse meiner Freizeitforschung im Rheinhessischen und Brandenburgischen sprechen eine eindeutige Sprache – und die hat mit Sicherheit sehr wenig mit “Aerodynamik” und sehr viel mit “Terrakontamination” zu tun.

Das gute alte Bildungsfernsehen

Das Medienmagazin “Meedia” hat sich in einem ausführlichen Beitrag dem “kontroversen Youtube-Phänomen KenFM” gewidmet. Anders als bei den infamen Denunzierungen (“Antisemit”, “neu-rechts”, “Querfront”), mit denen Ken Jebsen und sein Kanal üblicherweise bedacht werden, hat sich der Autor das Programm von KenFM einfach mal angeschaut – also das getan, was Journalisten üblicherweise tun bevor sie über eine Sache oder eine Person schreiben: recherchiert. Und wer das nur ein wenig tut kommt in Sachen “KenFM” zu anderen Schlüssen als die Denunzianten: “Zu seiner Verfemung hat der ehemalige RBB-Moderator einiges beigetragen – unberechtigt ist sie trotzdem. Denn Jebsen ist vieles nicht, was man ihm vorwirft. Und er macht mitunter wirklich gutes Fernsehen.”
Das fand ich auch und führte deshalb ein langes Gespräch mit ihm, das im November 2016 als Buch erschien (Der Fall Ken Jebsen – Wie Journalismus im Netz seine Unabhängigkeit zurückgewinnen kann). Auch das hat Hendrik Steinkuhl, der Autor des “meedia”-Artikels gelesen, denn er kommt am Ende zu einer ähnlichen Einschätzung: “…Ken Jebsen (leistet) einen erheblichen kulturellen Beitrag für diese Gesellschaft. Vor allem sein Format „KenFM im Gespräch“ ist, wie Mathias Bröckers in seinem Buch „Der Fall Ken Jebsen“ zutreffend schreibt, „nichts anderes als das gute, alte Bildungsfernsehen.“ Jebsens Unterbrechungen und Suggestionen stören, trotzdem sind zum Beispiel die bereits erwähnten Interviews mit Michael Buback, mit Petra Wild oder Mosche Zuckermann besser als fast alles, was man im Deutschen Fernsehen zu sehen bekommt.”

Hohes Lob – aber der Autor spart auch nicht mit Kritik:  Jebsen sei “Verschwörungstheoretiker”, zu sehr “Aktivist” als Journalist und “unprofessionell”, weil er seinen Gesprächspartnern zu oft dazwischen quatscht. Letzteres hatten auch zahlreiche Zuschauer in den Kommentaren zu dem Gespräch über meine Bücher zum  45. und den 35. Präsidenten der USA (  “König Donald,” und “JFK”) moniert, das wir unlängst führten. Mich hat das nicht wirklich gestört – er ist halt einer, der sein Herz auf der Zunge trägt, der schneller spricht als sein Schatten und sich dabei auch mal vergaloppiert. Und doch allemal besser als die moderierenden Schnepfen, Flachpfeifen und Journalistendarsteller im Deutschen Fernsehen, die ihren kritischen Verstand, wenn sie denn je einen hatten, schon lange an der Garderobe deponiert haben…

Gaby Webers Kampf um Akten

Über Gaby Webers Recherchen zur “Operation Geschäftsfreund” der Regierung Adenauer, bei der es um die Finanzierung der israelischen Atomwaffenproduktion durch Deutschland ging, schrieb hier vor einem Jahr:

“Dass der Chef-Manager des Holocaust, Adolf Eichmann, nicht 1960 nach jahrelanger Fahndung des israelischen Mossad in Argentinien gekidnappt  werden mußte, sondern sein Aufenthaltsort und sein Job bei Mercedes Benz Argentinien, den er 1951 angetreten hatte, u.a. der “Organisation Gehlen” (BND-Vorläufer) und der CIA  lange bekannt waren, ist dank der langjährigen Recherchen von Gaby Weber mittlerweile kein Geheimnis mehr (hier ihre Videodokumentation “Desinformation – Ein Lehrstück über unerwünschte Geschichte”).   Dass bei dieser Deckung des NS-Verbrechers durch deutsche Dienste die “Operation Geschäftsfreund” eine Rolle gespielt haben könnte – die diskrete Forderung von Staatschef Ben Gurion an Adenauer, die israelische Atomwaffenproduktion mit 2 Milliarden Mark zu fördern um im Gegenzug vor Enthüllungen der NS-Verstrickung seines Kanzleramtschefs Globke verschont zu bleiben – ist wahrscheinlich ein Grund dafür, dass immer noch Teile der Eichmann,- und BND-Akten aus den 1950er Jahren geheim gehalten werden, deren komplette Freigabe Gaby Weber seit Jahren einklagt.”

Jetzt hat das Bundesverfassungsgericht dazu entschieden und die Klage wegen einer Formalie abgewiesen: statt das Bundesarchiv hätte Gaby das Kanzleramt verklagen müssen. Zwar ist das Bundesarchiv die für alte Regierungsakten zuständige Institution,  aber es verfügt nicht über alle “Geschäftsfreund”-Akten, die in Parteistiftungen und den Archiven der Deutschen Bank “privatisiert” sind. Vor dem Verwaltungsgericht hatte Gaby Weber  geklagt, das Bundesarchiv zur Beschaffung dieser eigentlich ihm gehörenden Akten zu verpflichten – vergeblich. Da kann man nichts machen, meinten jetzt die Verfassungsrichter, die ich bisher noch immer für die letzte Bastion für Gerechtigkeit gehalten habe. Aber dieses Urteil  ist dann doch sehr merkwürdig:

“Insbesondere erstreckt sich der Informationszugangsanspruch von vornherein nicht auf Dokumente, die eine informationspflichtige Stelle für die Erfüllung ihrer Aufgaben zwar beschaffen könnte oder auch müsste, sich aber nicht beschafft hat.”

Wenn das Bundesarchiv die Akten eigentlich also haben müsste, aber nicht hat… dann sind und bleiben sie einfach weg ? Das kann und darf ja wohl nicht sein! Das sah wohl auch das Verfassungsgericht eigentlich so und wies darauf hin, dass staatliche Akten auch dann staatliche Akten sind, wenn sie bei einer privaten Stiftung liegen und dass die Bundesrepublik als Eigentümer die Herausgabe verlangen kann. Weil sie das in diesem Fall nicht tut, ist die Klägerin nun erneut an die Verwaltungsgerichte verwiesen um dies gerichtlich durchzusetzen – was viele weitere Jahre dauern wird. Über ihren seit Jahrzehnten während Kampf um Akten hat Gaby Weber jetzt einen kleinen Film gemacht:

Große und kleine Bombenwerfer

Was war nochmal das Thema des G 20-Treffens ? Dank des Randalerituals, das einer fatalen Strategie von Autonomen sowie der Polizei und sehr wahrscheinlich auch den unvermeidlichen agents provocateurs geschuldet war, redet über das Tagesordnungsthema dieses Treffens, Afrika, niemand. Und schon gar nicht darüber, dass die dort gefassten Beschlüsse neo-kolonial und paternalistisch sind und die Probleme eher noch verschärfen.

Die Ausübung von Gewalt gegen Fensterscheiben und Autos als ein geeignetes Mittel im “anti-kapitalistischen”, “anti-faschistischen” Kampf zieht ihre moralische Berechtigung aus der Parole: “Menschen sterben und ihr schweigt, Scheiben klirren und ihr schreit.”  Dass das Geschrei um die kaputten Scheiben und die von “Bild” angeführte Hetzjagd der Steineschmeißer aber nun dazu führt, dass mehr über  die Toten in Afghanistan, Libyen, Syrien nachgedacht und die neo-kolonialen imperialistischen Kriege gestoppt werden, ist nicht zu erwarten.

Im Gegenteil: dieser Terror wird weiter banalisiert und verharmlost, indem man von der Regierung abwärts die Hamburger Randale als “Terrorismus” bezeichnet.  Mit der Folge, dass  Steineschmeißer jetzt wie Schwerkriminelle gejagt werden während die Verantwortlichen für Millionen Leichen und Vertriebene  als eigentliche Massenmörder aus dem Blickfeld geraten. Wen interessieren noch die großen Bombenwerfer wenn wir jetzt so viele kleine Steineschmeißer haben ?

Randalerituale

Was der schwarze Block,  also polizeiliche Knüppelgarden auf der einen und autonome Politpyromanen auf der anderen Seite, zum G20-Treffen in Hamburg veranstalteten, konnte mich als langjährigen Bewohner von Berlin-Kreuzberg, einem Ur-Biotop ritueller Randale, nicht sonderlich erschüttern. Einige kaputte Scheiben und verbrannte Autos, 200 festgenommene angebliche Randalierer ebenso viele angeblich verletzte Polizisten, zahlreiche von der Polizei verletzte friedliche Demonstranten, quotenträchtige bürgerkriegsähnliche TV-Bilder… das kommt halt dabei heraus, wenn man 38 Quadratkilometer zum Sperrgebiet erklärt und 20.000 Robocops einsetzt um ein paar hundert Steineschmeißer einzufangen.

Da muss dann sogar eine dämliche FAZ-Reporterin, die so ein Ritual wohl zum ersten Mal erlebt und anfangs noch auf beiden Seiten der Front “schöne Männer” ausmacht, tatsächlich heulend flüchten,  ins Hotel, “zurück in die Realität”. Unterdessen spazierte die taz-Reporterin Silke Burmester mit ihrem Rucksack völlig unkontrolliert bis direkt an den roten Teppich, auf dem die G 20 Honorationen einmarschierten: “Die Sicherheit an den Messehallen ist genau so hoch, dass man Trump das Toupet vom Kopf ziehen könnte. Doch ein Problem? Gibt es hier nicht!

Soviel zum “Sicherheitskonzept” der G 20-Show, das eher auf Krawall-Rituale als auf Schutz der Regierungschefs ausgelegt war. Dass sich der Protest sehr vieler Menschen gegen die Politik dieser Regierungen bei solchen Treffen artikuliert und einige Wütende dabei auch Krawall machen, war erwartbar und das als “Hamburger Härte” gepriesene Vorgehen der Polizei das Gegenteil von Verhältnismäßigkeit und Strategie der Deeskalation. Was dann ebenso erwartbar dazu führt, dass das Hamburger Schanzenviertel dann dem Maidan in Kiew gleicht – mit dem Unterschied, dass die dortigen Marodeure von den Medien als “Freiheitskämpfer” gefeiert wurden, während die hiesigen als “Mordbrenner” (Bürgemeister Scholz) jetzt mit “der vollen Härte des Gesetzes” gejagt werden sollen…

Und wozu der ganze sinnlose Zirkus ? Immerhin haben sich Trump und Putin zum ersten Mal getroffen und statt 30 Minuten fast zweieinhalb Stunden miteinander geredet. Dafür hätte es aber die G20-Show nicht gebraucht, die wachsweiche Resolution “für Freihandel”, die Merkel stolz verlas, braucht ebenfalls niemand,  und die Millionen, die das gescheiterte Sicherheitskonzept kostet, hätte man in Hamburg wahrlich nachhaltiger investieren können als in ein dreitägiges Randale-Spektakel. Dass sich die Präsidenten Russlands und der Vereinigten Staaten aber trotz aller Dissonanzen wie es heißt “konstruktiv” unterhalten und einen Waffenstillstand für Syrien vereinbart haben, der im besten Falle zu einem Ende dieses Kriegs führen könnte – das wäre dann dann sogar ein überflüssiges Randaleritual in Hamburg wert.

Die Fake-Anne Frank von Aleppo

Das Twitter-Mädchen Bana Al-Abed wurde 2016 mit seinen Tweets aus dem umkämpften Aleppo weltweit bekannt, ihre herzzerreißenden  Meldungen und die klare Benennung der Schuldigen – Assad und Putin – machten die Siebenjährige  schnell zu einem Star in den westlichen Medien. Und das blieb sie,  auch als aufflog, das Bana gar kein Englisch spricht und gar nicht schreiben kann und ihr account “operated by mom” war – einer Mutti, die offenbar nichts Besseres zu tun hatte, als nach den Bombenangriffen, die sie mit ihrer Tochter angeblich gerade knapp überlebt hatte, propagandagerechte Tweets abzusetzen. Zweifel waren da nicht angebracht, die “New York Times” taufte die süße Social-Media-Maus “Anne Frank von Aleppo” und da wollte sich auch die “stern”-Redaktion nicht lumpen lassen – schließlich verfügt man im Haus Gruner&Jahr  über legendäre Expertise für Tagebücher aus der Hitlerzeit. Das dann aber der Blog “Blauer Bote” einen “Stern”-Artikel über den Fall Bana  als  Fake News und Propagandafäslchung auseinander nahm, wollte man sich nicht bieten lassen und schickte dem Blogger eine Abmahnung. Doch der nahm  sich den Medienanwalt Markus Kompa, der auf Telepolis über den Fall geschrieben hat,   und wird am 14. Juli vor dem Gericht im Hamburg dafür sorgen, dass sich der “Stern” einmal mehr bis auf die Knochen blamiert. Ein Richter, der die detaillierte Dokumentation des “Blauen Boten” über Bana aus Aleppo zur Kenntnis nimmt wird wohl kaum anders können, als die “stern”-Fritzen kräftig abzuwatschen.

UPDATE 18.7.: Das Gericht in  in Hamburg konnte erstaunlicherweise doch anders und stellte fest, “dass man FakeNews nicht FakeNews nennen darf, wenn man nicht beweisen kann, dass der Verfasser absichtlich log. “Die Wahrheit, Fakten und Beweise spielten dabei keine Rolle”, meinte die vorsitzende Richterin am Landgericht Hamburg. Ohne Absicht also keine FakeNews, allerdings gilt das für die “renommierten” Medien. Während selbige beständig davor warnen, dass das Internet voller FakeNews ist, ohne im konkreten Fall zu beweisen, dass der Verfasser „mit Absicht eine Lüge“ veröffentlichte. Was für die einen eine Justizposse ist, ist für andere die logische Reaktion des Establishments auf das Rütteln am Informationsmonopol der klassischen Medien durch das Internet.”

Mehr dazu auf Rubikon: Fakten spielen für die etablierten Medien offenbar keine Rolle mehr

“Rudeljournalismus, Opportunismus, Geistesarmut, Seelenschwäche…”

“Sie haben im Rudel gejault, statt ihren Job zu machen, sie haben Obama und Hillary mit Lob und Hudel übergossen und Donald in die Tonne getreten.“ Das sagt Bestseller-Autor Mathias Bröckers im NachDenkSeiten-Interview über die Berichterstattung der Medien zu Donald Trump und der Wahl in den USA. Bröckers, der zur Gründergeneration der taz gehört, hat gerade ein neues Buch veröffentlicht, worin er die aktuelle Entwicklung in den USA literarisch verfremdet als Geschichte erzählt, die an die US-amerikanische Fantasyserie „Games of Thrones“ anknüpft. Der Titel des Buches: „König Donald, – Die unsichtbaren Meister und der Kampf um den Thron“ lässt erahnen, wie Bröckers die politische Entwicklung in den Vereinigten Staaten wahrnimmt: Als Kampf um die Macht unterschiedlicher Fraktionen, die wie in der Fantasyserie vor nichts zurückschrecken, um an jene Stellen zu gelangen, die die entscheidenden Weichenstellungen in dem Land ermöglichen. Da immer dann, wenn es um Macht geht, die Medien auch eine wichtige Rolle spielen, fällt ihr Verhalten auch im Zusammenhang mit den „unsichtbaren Meistern“ und dem „Kampf um den Thron“ auf. Ein Interview über „König Donald“ und die Medien.”

Das Interview, das Marcus Klöckner mit mir führte, jetzt auch auf free21 und als pdf

Heathcote Williams R.I.P.

Vor ein paar Monaten hatten wir noch gemailt, er hatte mir sein “investigative poem” über den afghanischen Ghandi geschickt “Badshah Khan – Islamic Peace Warrior”, das ich gerne auf deutsch herausbringen wollte. Jetzt meldet der “Guardian”, dass Heathcote Williams mit 75 Jahren in seinem Haus in Oxford gestorben ist.
Er war das, was man ein Multitalent oder Genie nennt: Maler, Bildhauer, Theaterautor,  Schauspieler, Zauberer, Erzähler, Poet, Schriftsteller – und was andere Künstler dieses Kalibers nach dem Sturm und Drang junger Jahre gern ablegen blieb er bis zum Ende:  radikal, anarchistisch, politisch aktiv. Kollegen wie Samuel Beckett, Harold Pinter, William Burroghs bewunderten seine Arbeiten, einer seiner größten Fans, Al Pacino,  finanzierte seinen Film “The Local Stigmatic” und spielte die Hauptrolle; Heathcote selbst trat in zahlreichen Filmen auf , etwa als Prospero in Derek Jarmans Shakespeare-Verfilmung “The Tempest”.
Von seinen zahlreichen  Büchern kam mir zuerst “Der Immortalist” in die Hände, ein “alchemistisch-utopisch-anarchistisches Gespräch mit einem 278jährigen”, das Werner Pieper bei der “Grünen Kraft” herausgebracht hatte, dann kamen in den 1980ern Jahren seine wunderbaren Werke “Der Kontinent der Wale”, “Elefanten” und “Autogeddon” großformatig bei Zweitausendeins heraus. Bücher die zu Standardwerken der ökologischen Sensibilisierung für den Terror der Jagd und des Autoverkehrs wurden.
Mit Germaine Greer hatte Heathcote Williams in den frühen 1960ern die Zeitschrift “Suck” für “sexuelle Befreieung” gegründet, 1972 reüssierte er als gefeierter Theaterautor mit der an Antonin Artaud und Marshall McLuhan geschulten Hippie-Performance “AC/DC” und produzierte seitdem regelmäßig Stücke für Theater und Film. Mit der artistischen Online-Wiederbelebung der “International Times”, des  britischen “Newspaper of Resistance”, hatte er dann später eine Netz-Plattform zur Veröffentlichung seines stets ebenso poetischen wie subversiven Materials.

Als mir sein ehemaliger deutscher Verleger, Lutz Kroth, 2014 das investigative poem “Royal Babylon” über die Windsors zuschickte, konnte ich die Freunde vom Westendverlag überzeugen, dass dieses anklagende Gedicht samt seinen dokumentierenden Fussnoten doch genau das Richtige sei zum anstehenden Besuch der Queen in Deutschland: “Eine schrecklich nette Familie”.  Auch in England machten diese scharfen Worte Furore, nachdem die britische “Stop The War”-Koalition einige Passagen daraus veröffentlichte – und die kriegtreibende Elite  den ungeliebten Labour-Kandiaten Corbyn mit dieser “schändlichen Schmähschrift” beschmieren wollten.
Bis zum Ende waren die Worte dieses Dichters immer ein Dorn im blumigen Geschwalle des Mainstreams, wie auch sein letztes Werk über den amtierenden Außenminister “The Beast of Brexit – Boris Johnson”,  es waren Widerworte, des Zorns und der Wut über den Horror der Realen. Doch immer auch, und sei es noch so metaphorisch, gespeist von der Vision einer unbändigen Freiheit und allumfassender Liebe.  Kein Wunder also, dass seinen Nachrufern Vergleiche mit literarischen Heroen wie dem Polemiker Shelley – über den er ebenfalls geschrieben hat – und dem Visionär William Blake einfallen. Er war ein Großer, als genialer Künstler, als ständiger Aktivist und als ewiger Träumer: “Dream for us in the great beyond and we will listen to you Heathcote.”

Update: Werner Pieper weist mich darauf hin, dass nicht er sondern der Sphinx-Verlag “Der Immortalist” zuerst auf deutsch veröffentlichte, bei der “Grünen Kraft” hingegen sei “Autogeddon” zuerst als Raubdruck erschienen und dann “offiziell” bei Zweitausendeins.

Mutti für alle

Nachdem zuerst schon die Ökos Merkel wählen konnten, weil sie die AKWs abgestellt hat, dann auch alle Multi-Kultis, weil sie zu den Flüchtlingen meinte “Wir schaffen das”, dürfen jetzt alle Lesben und Schwulen heiraten und ebenfalls CDU wählen. Falls Mutti es schafft, bis zur Wahl noch schnell Hanf zu legalisieren, kann sie auf Zustimmungsraten rechnen, wie sie ansonsten nur ein Wladimir Putin erreicht.
Aber Scherz beiseite ist es schon genial, was die Kanzlerin da kurz vor der Sommerpause alles so durchzieht: Staatstrojaner, Netzwerkdurchsuchung, Bankgeheimnis passé, Blutprobe ohne Richtervorbehalt – mehr Eingriffe in das Recht auf Menschenwürde, Meinungsfreiheit und Privatheit in so kurzer Zeit hat sich eine Regierung wohl noch nie erlaubt. Merkel machts möglich und schafft reichlich Arbeit für das Verfassungsgericht, denn es ist absehbar, das keines der verabschiedeten Gesetze ohne ein Votum der Richter in Karlsruhe in Kraft treten kann. Was die “Ehe für alle” betrifft müssen sie überprüfen, ob die einfache Mehrheit im Bundestag dafür ausreicht, oder – wenn das Grundgesetz tangiert ist – eine 2/3 Mehrheit gebraucht wird, bei den anderen genannten Eingriffen stellt sich die verfassungsrechtliche Frage, inwieweit der Staat zur Kriminalitätsbekämpfung eigentlich selbst kriminell werden darf. Bis diese Entscheidungen aber getroffen sind, ist die Wahl längst gehalten und Merkel mit einem souveränen Sieg weiter Kanzlerin. Und wenn die SPD mit Tränentier Chulz so weiter macht, kann sie sich mit FDP und Grünen Vasallen in die Koalition holen, die noch willfähriger sind als die handzahmen Sozen.
Schon 2005 hatte ich ja darauf hingewiesen, die graue Kugelmaus aus dem Osten keinesfalls zu unterschätzen und 2013 festgestellt, dass das “quasi alternativlose Sternbild “Mutti” den Himmel über Berlin beherrscht und voraussichtlich noch über Jahre dominieren wird”. 2017 ist absehbar, dass diese Dominanz noch lange nicht zu Ende geht. Dass sie mit dem Einparteiensystem “Mutti für alle” ihren soeben zu Grabe getragenen Ziehvater, den schwarzen Riesen Kohl, am Ende in Sachen Amtszeit noch überragen wird,  ist keineswegs ausgeschlossen.