Die Huthi-Milizen in Jemen haben als “Pirates of the Red Sea” den Schiffsverkehr durch den Suez-Kanal massiv eingeschränkt. Waren im Dezember nur Frachter von und nach Israel von der Blockade betroffen, mit der die Huthis einen Waffenstillstand in Gaza erzwingen wollen – ein Sprecher hatte erklärt, dass Schiffen anderer Nationen und Bestimmungsorte freie Durchfahrt garantiert ist – sind nach den von USA und Großbritannien geführten Raketenangriffen auf den Jemen nun auch andere Frachtschiffe betroffen. Und die Kosten für Seefracht mittlerweile in schwindelerregende Höhe gestiegen, von 2.300 $ pro Container Anfang Dezember – für den Transport von Asien nach Europa – auf 6.500 $ Ende Januar. Die etwa 25% Preisanstieg für Öl-und Flüssiggas-Transporte sind geringer als bei der Containerfracht, weil russische, chinesische Tanker – und erstaunlicherweise auch die aus Saudi-Arabien, mit denen die Huthis acht Jahre im Bürgerkrieg lagen – die Meerenge und den Suezkanal problemlos durchfahren können.
Gerade brachte die BBC eine Dokumentation über westliche Todesschwadronen im Jemen: Eine von den UAE (Vereinte Arabische Emirate) angeheuerte israelische Sicherheitsfirma bezahlte amerikanische Söldner für die Durchführung politischer Attentate, die über 100 Morde verübt haben soll. Als Jemens “Ansar Allah”-Bewegung – die “Huthis”, benannt nach ihrem 2003 ermordeten Anführer Hussein Huthi – im arabischen Frühling 2015 die Regierung gestürzt hatte und die Kontrolle über die Hauptstadt Sanaa und den gesamten Norden des Landes übernahm, starteten die USA und Großbritannien mit den Saudis und den Emiraten den Krieg gegen die Huthis, doch weder durch jahrelangen Bombardements noch durch diese Todesschwadronen konnte ihre Macht gebrochen werden.
Nach ihren ersten Angriffen auf Schiffe im Roten Meer haben die USA die “Ansarallah” wieder auf die Liste der “terroristischen Organisationen” gesetzt, worauf das Parlament in Jemen US und UK als “Globales terroristisches Netzwerk” erklärte.
Für “The Grayzone” hat Max Blumental Mohammed Al-Bukhaiti, den Sprecher der AnsarAllah-Bewegung im Jemen interviewt, der deutlich macht, dass die Huthis nicht, wie im Westen permanent behauptet, als “Proxy” des Iran sondern selbstständig agieren. Zu den Angriffen britischer und amerikanischer Bomber auf Jemen sagte er, es sei gut, jetzt direkt gegen den eigentlichen Aggressor zu kämpfen und nicht mehr gegen die von ihm gegen Jemen aufgehetzten arabischen Nachbarn aus den Emiraten und Saudi-Arabien. Sie haben keine Angst, weder vor den benachbarten Saudis und Emiratis, noch vor dem US-Imperium und seinen Vasallen: “Unser Ziel ist, den Genozid in Gaza zu stoppen”.
Damit liegen die Huthis ganz auf der Linie des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag, der bis auf die Forderung eines sofortigen Waffenstillstands sämtliche Anklagepunkte wegen Völkermords, die Südafrika eingebracht hatte, akzeptierte. Für die israelische Regierung und ihre Verbündeten – auch Deutschland will als “Drittpartei” an der Seite Israels in das Verfahren eintreten – ist die Entscheidung – so die Berliner Zeitung, “eine symbolische Katastrophe”:
“Der IGH hat fast alle einstweiligen Verfügungen, die Südafrika verlangte, erlassen. Nur die Einstellung der Kämpfe hat das Gericht nicht angeordnet. Und, was im internationalen Propaganda-Krieg vermutlich viel wichtiger ist: Es hat Südafrika einen strahlenden Sieg und Israel eine krachende Niederlage beschert. Benjamin Netanjahu führt ab jetzt eine Regierung, der gerade gerichtlich bescheinigt wurde, „dem Anschein nach“ gegen die Völkermordkonvention verstoßen zu haben.”
Es wird also zu einem Hauptverfahren vor dem IGH kommen, bei dem Deutschland dann mit auf der Anklagebank sitzt – und im Rahmen seiner “wertebasierten Außenpolitik” die Tötung von 30.000 Menschen als Selbstverteidigung rechtfertigen muss. Zuvor aber muss das Netanjahu-Regierung innerhalb von vier Wochen nachweisen, dass die einstweiligen Verfügungen des Gerichtshof umgesetzt werden – und zum Beispiel sämtliche Regierungsmitglieder und Offizielle entlassen, die zur “Säuberung” des Gazastreifens aufgerufen haben, und durch die Staatsanwaltschaft wegen “Aufruf zum Völkermord”anklagen. Das wäre das Ende des Kriegskabinetts und des Likud-Regimes in Israel. Dessen Geheimdienstminister, Israel Katz, promotet freilich weiter die kranke Idee einer künstliche Insel für die Palästinenser vor der Küste von Gaza. Bevor es dazu kommt, sollte man dann aber doch eher ihn und seine zionistischen Kollegen in Alcatraz einbuchten…
Als Reaktion auf das Urteil in Den Haag hat Deutschland indessen die Zahlungen an das UN Hilfswerk für Palästina (UNWRA) eingestellt, nachdem Israel behauptet hat, das für die Grundversorgung in Gaza zentrale Hilfswerk sei “ein ziviler Arm der Hamas”. Klar. War nicht das Rote Kreuz auch der zivile Arm der Naziarmee ? Ich frage für meinen Enkel…
Wird der Spruch des Internationalen Gerichts das Morden stoppen ? – Pepe Escobar ist skeptisch:
“Da der IGH entschied, dass “Israels Handlungen in Gaza einen Völkermord mit der Absicht darstellen können, eine bestimmte ethnische Gruppe – die Palästinenser – ganz oder teilweise zu vernichten”, folgt daraus logischerweise, dass die Komplizenschaft der USA mit Israel einer Komplizenschaft der USA beim Völkermord an den Palästinensern gleichkommt. Das IGH-Urteil klagt die USA, das Vereinigte Königreich, Deutschland und andere Mitglieder des kollektiven Westens an, die alle erklärt haben, dass der südafrikanische Fall “rechtlich unbegründet” ist und verworfen werden sollte.
Kein Wunder also, dass ein Team von 47 südafrikanischen Anwälten bereits eine Klage gegen die USA und Großbritannien wegen Mittäterschaft vorbereitet.Was auch immer als nächstes geschieht, die überengagierte globale zynische Armada wird nicht nachgeben. Die Aufforderung des IGH an Israel, “alle Maßnahmen zu ergreifen, um Tod und Verletzungen zu verhindern”, kann sicherlich als Aufruf zu einem Waffenstillstand interpretiert werden, ohne dass das Zauberwort erwähnt wird.
Aber was die Armada der globalen Zyniker wirklich sieht, sind vier miteinander verknüpfte giftige Punkte: Kein Waffenstillstand; tötet die Palästinenser, aber sanft; gebt ihnen zu essen, bevor ihr sie tötet; und ihr habt noch einen vollen Monat Zeit, um das Töten auf breiter Front zu betreiben.
So sehr der IGH auch als kollektive Farce des Westens abgetan werden mag, Tatsache ist, dass das Urteil Israel ausdrücklich auffordert, das Töten einzustellen. Man kann argumentieren, dass der IGH das absolute Maximum dessen getan hat, was er im Rahmen seiner Zuständigkeit und Verfahren tun kann.
Doch wenn man bedenkt, dass der IGH weniger als null Möglichkeiten hat, sein Urteil durchzusetzen – er ist auf die hyperkorrupte UNO angewiesen -, hat die Armada der globalen Zyniker das düstere Bild vielleicht richtig erkannt: Das Töten wird nicht aufhören.
( The killing won’t stop Übersetzt mit DeepL.com )
Und solange werden die Huthis als Piraten des Roten Meers ihre Sanktionen nicht stoppen. In der “regelbasierten internbationalen Ordnung” des Westens gelten sie deshalb sie Terroristen, in einer zivilisierten Welt verdienten sie alle Hochachtung.
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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, Fifty-Fifty (Oktober 2022), 288 Seiten, 20 Euro












“In diese Richtung wird es laufen, auch wenn “uns” im Westen das nicht gefällt”, schrieb ich damals dazu. Mittlerweile ist es an der Zeit, sich mit Landkarten und Verhandlungen in dieser Richtung anzufreunden – bevor Zelensky mit dem Volkssturm aus 16 und 60-jährigen, den er jetzt einberufen will, weitere sinnlose Menschenopfer auf dem Altar des Imperiums darbringt. 


