
Als ukrainische Bataillone vor vier Wochen in Russland einmarschierten kam mir nicht nur der Gedanke, dass wir hier gerade Kursk 2.0 als Farce erleben, sondern auch, dass es sich dabei um die letzte Schlacht des 2. Weltkriegs handelt :
– 80 Jahre, nachdem die Rote Armee die Fahne auf dem Berliner Reichstag gehisst hat;
– 70 Jahre nach dem Angebot der Sowjetunion sich aus Ostdeutschland zurückziehen, wenn die vereinte Bundesrepublik militärisch neutral bleibt;
– 60 Jahre nach der Kubakrise, dem Mauerbau und fortgesetztem Kalten Krieg;
– 35 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung, dem Zusammenbruch der Sowjetunion und dem Versprechen, “keinen Inch-breit” vorzurücken, wenn Russland sich aus Osteuropa zurückzieht;
– 30 Jahre nach dem permanenten Vorrücken der NATO und der Fortsetzung des Kalten Kriegs ;
– 20 Jahre nach dem angeboten und abgelehnten NATO-Beitritt Russlands,
– 10 Jahre nach dem vom Westen geförderten Maidan-Putsch und dem darauf entbrannten Bürgerkrieg in der Ukraine,
– 8 Jahre nach den Scheinverhandlungen des Westens in Minsk, der Aufrüstung der ukrainischen Armee und permanenten Angriffen auf die Ostukraine (13.000 Ziviltote);
– knapp 3 Jahre nach der russischen Intervention (“Militäroperation”/ “Angriffskrieg”) in der Ukraine;
und einen Monat nach dem Eindringen der NATO-gestützten Ukraine in die Region Kursk…
…könnte man – nicht nur aus russischer Perspektive – in diesem historischen Kontext zu dem Schluss kommen, dass es sich bei den Vier-Mächte-Abkommen in Jalta und Potsdam 1945 nur um eine Art Waffenstillstandsabkommen gehandelt hat und der westliche Generalplan der Zerschlagung Russlands nie aufgegeben wurde. Für die USA hatten sich die beiden großen Kriege in Europa hervorragend gerechnet, ihren Anspruch als globale Supermacht hatten sie mit dem atomaren Massenmord in Hiroshima und Nagaski auf grausame Weise unterstrichen – und kämpften weiter gegen Moskau, nunmehr unter dem Motto “gegen den Kommunismus”, dessen Ende 1991 aber keineswegs das Ende der anglo-amerikanischen Übernahmepläne bedeutete. Mit der Installation einer betrunkenen Präsidentenmarionette, die den Raubrittern Tür und Tor öffnete, schien das auch zu gelingen – bis im Jahr 2000 Präsident Putin begann, den Raubzügen einen Riegel vorzuschieben. Woraufhin George W.Bush sogleich den Raketen-Sperrvertrag aufkündigte. Weil es “kalt” – mit Subversion/Schocktherapie/Propaganda/Sanktionen – nicht wie gewünscht lief mit dem Regierungswechsel, musste der Krieg wieder “heiß” gemacht werden, mit Raketen, Aufrüstung und weiterer Expansion der NATO. 2008 wurden Georgien und Ukraine als Beitrittskandidaten auserkoren – weit entfernt vom “Nord Atlantik”, der Lokalität dieses “Verteidigungsbündnisses”, aber ideal für einen Zangengriff – auf Russland.

Die Karte oben ist schon zehn Jahre alt, mittlerweile haben die kriegerischen Russen ihr Land noch näher an unsere Militärbasen gerückt, und wollen auch ihren Hafen Sewastopol auf der Krim behalten, Zugang zum Schwarzen Meer, und auf keinen Fall NATO-Raketen vor ihrer Haustür in der Ukraine. Was die Ukrainer auch umgehend verstanden, als Russland im Februar 2022 mit einer militärische Übermacht anrollte und sich nach drei Monaten in Istanbul mit den Russen über die Beilegung Konflikts und die militärische Neutralität der künftigen Ukraine schon weitgehend geeinigt hatte. Bis die anglo-amerikanischen Kriegsherren in Gestalt von Boris Johnson anrückten und statt Friedensverträgen mehr Krieg forderten, mit mehr Geld, mehr Waffen, mehr Unterstützung durch die NATO : den Kampf bis zum letzten Ukrainer. Einschließlich des vor vier Wochen offenbar in London ausgeheckten und orchestrierten “Himmelfahrtskommandos”, dem Einmarsch in der Region Kursk.
Wenn die Grenzüberschreitung und Besetzung von 150 Quadratkilometern Wald und Feldern strategischen Zielen dienen sollte – Entlastung der Front im Donbas, Einnahme des Kernkraftwerks bei Kursk – waren sie völlig unrealistisch und sind schon nach zwei Tagen blutig gescheitert. “Da die Realität, das tragische Desaster dieser Operation, von den Propagandamedien nicht mehr lange ausgeblendet werden kann, sitzt Zelensky wahrscheinlich schon auf seinen (mit Bargeld) gepackten Koffern”, hatte ich hier vor zwei Wochen notiert (Kursk.2.0) . Seitdem hat er seinen Außenminister und das halbe Kabinett entlassen, die jetzt ebenfalls mit gestopften Taschen das Weite suchen werden, und schiebt dem Westen die Schuld für den verlorenen Krieg und den Untergang der Ukraine zu. Zu Recht, denn den Kriegsherrn in Washington und London ging es nie um die Ukraine, sondern um die Zerschlagung Russlands, nie um “Freiheit”und “Demokratie”, sondern um Kontrolle eines Drittels der globalen Rohstoffreserven, nie um Frieden in der Ukraine, sondern um Öl und Gas im Donbas, nie um den “Nord-Atlantik”, sondern ums Schwarze Meer und Russlands Hafen auf der Krim, für die NATO zwecks Verschärfung des Zangengriffs. Und sie lassen einfach nicht locker, mit einer “Wunderwaffe” nach der anderen, jetzt mit dem neuesten “game changer”: F-16 Jets und weitreichenden Raketen. Da diese auch nuklear bestückt sein könnten, könnten sie Russland zu einem nuklearen Gegenschlag auf einen der polnischen oder rumänischen Startflughäfen provozieren, was dann – Artikel 5 – die volle NATO-Power gegen Russland mobilisieren würde. So oder so ähnlich scheinen einige Dr. Strangeloves in NATOstan derzeit zu ticken, und Boris Johnson erzählt – auch nach 500.000 toten ukrainischen Soldaten – zwei Prankstern fröhlich , er sei noch immer “stolz”, die Ukrainer vor zwei Jahren von Friedensverhandlungen abgehalten und in den Krieg getrieben zu haben: “Oft wünsche ich mir in militärischen Angelegenheiten begabt sein, so dass ich die Fremdenlegion in der Ukraine anführen könnte, wenn ich ein General wäre“. Da der Ex-Journalist Johnson in London wie der Ex-Komiker Zelensky in Kiew im Militärischen leider nur ein Näschen für kolumbianisches Marschierpulver hat, konnte der Sturm auf Kursk unter General BoJo nicht stattfinden – leider, denn sonst wäre die Welt diese niederträchtige Kreatur wohl endlich los: Russland meldete für die Region nach vier Wochen 10.100 getötete oder verwundete Invasoren und 30.000 weitere an den anderen Frontabschnitten.
Es ist nicht unwahrscheinlich, wenn Historiker in ferner Zukunft dereinst von einem 1945 nicht wirklich beendeten “Zweiten Weltkrieg” sprechen könnten, weil der nach einer “kalten” Phase, in der der Konflikt mit Sanktionen, Schikanen und Proxy-Kriegen in Asien und Afrikas ausgetragen, dann ab Mitte der 1990er mit dem Vorrücken der NATO gegen Russland langsam angeheizt wurde, um dann 2014 mit Putsch und Bürgerkrieg in der Ukraine wieder in eine heißere Phase einzutreten, die 2022 den Krieg wieder voll entzündete. Auch wenn Russland der Ukraine offiziell keinen Krieg erklärt hat, sondern nur eine “spezielle Militäroperation” durchführt und auch wenn NATOstan offiziell an den Kampfhandlungen nicht teilnimmt und nur die Kanonen liefert, ist dies ein offener Krieg des Westens, des anglo-amerikanischen Imperiums gegen Russland. Nie stand die Doomsday-Clock, die 1947 von Nuklearwissenschaflern eingerichtet wurde näher am globalen atomaren Armageddon als heute. Darauf weist Jeffrey Sachs in diesem anschauenswerten Gespräch mit Tucker Carlson hin, der mit anderen “Harvard Boys” Anfang der 1990er die russische Ökonomie auf Vordermann bringen wollte, bis er von oben hörte “Jeffrey, der kalte Krieg ist nicht beendet!”
Schon als 1943 mit dem russischen Sieg in Kursk die Macht der Naziarmee gebrochen war, hatte der spätere CIA-Chef Allen Dulles im OSS-Büro in Bern begonnen, Kontakte zu führenden SS-Offizieren aufzunehmen, um nach der absehbaren Niederlage Deutschlands gegen die Sowjetunion vorgehen. Der dickste dabei an Land gezogene Fisch war bekanntlich Arnold Reinhard Gehen, Chef der Abteilung “Fremde Heere Ost”, der dann in der BRD als Chef des Bundesnachrichtendiensts installiert wurde. Schon vor der Gründung der CIA war Russland im Fadenkreuz der US-Geheimdienste und des Pentagon und ist bis heute nicht daraus verschwunden: zu groß, zu reich, zu souverän, das kann, wer weltweit “Full Spectrum Dominance” anstrebt, schlicht nicht dulden Es geht um das „Herzland“, die Mitte zwischen Europa und Asien und somit das Zentrum des eurasischen Kontinents: wer diese beherrscht, beherrscht die Welt, lautete 1904 die geopolitische These des Briten Halford Mackinders: “Wer die Geschichte des 20. Jahrhunderts auf diesem Hintergrund liest, kann erstaunliche Einsichten über die Kontinuität gewinnen, mit der Briten und Amerikaner ihre globale Machtpolitik betreiben. Etwa über die Frage, warum Hitler und die Wehrmacht massiv von der Wall Street finanziert wurden, oder warum die Nato nach 1991 mit ihren Raketen unbedingt bis an die russische Grenze vorrücken musste oder warum 2014 mit einem Putsch in der Ukraine ein russlandfreundlicher Präsident durch einen russlandfeindlichen ausgetauscht werden musste oder warum eine zweite „North-Stream“-Pipeline durch die Ostsee den Amerikanern ein Dorn im Auge ist. Immer geht es um Mackinders „Herzland“ in dem auf keinen Fall Handel, Wandel und Frieden herrschen darf, weil dies die transatlantische Dominanz bedrohen würde, ” schrieb ich 2018 über den “Kampf um die Weltinsel”, der mit dem Einmarsch auf russischen Boden jetzt eine neue Eskalationsstufe erreicht hat. Mit dem Signal an alle Russen, dass der “Große Vaterländische Krieg” 1940 ff. tatsächlich noch nicht beendet ist: deutsche Panzer und als Ukrainer getarnte Nazis rücken wieder an.
Gegen Archetypen zu kämpfen ist aussichtslos, las ich dieser Tage in einem Forum im Zusammenhang mit der versuchten Revanche/Wiedergutmachung/Umkehrung der archetypischen “Panzerschlacht” im Sommer 1943. Rational, strategisch macht dieser Angriff keinen Sinn und aus welchen Tiefen solche irrationalen, grausamen Blutopfer angetrieben werden, ist eine große Frage. Das Zeitalter der Menschenopfer ist jedenfalls nicht vorüber, wenn täglich Tausende auf die Schlachtbank geführt werden und Millionen Zuschauer und Förderer der Illusion verfallen sind, dass das Ritual “höheren Zwecken” dient. Es wird höchste Zeit für Jalta 2025:

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Erschienen am 10. Juni 2024

Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall,
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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt,
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