“Die Führung des deutschen Konzerns Rheinmetall bestätigte die Absicht, ein Werk zur Panzerproduktion in der Ukraine zu bauen. Bitte genaue Koordinaten des künftigen Werks zuschicken. Danke!” twitterte Russlands Ex-Präsident Dimitry Medwedew am 10. Juni. Ein Vorschlag, der sinnvoll erscheint: warum die schweren Panzer durch ganz Europa an die Ostfront schippern, wo sie dann reihenweise verschrottet werden, wenn das auch gleich vor Ort erledigt werden kann ? Noch wird ja in den hiesigen Medien die “Speerspitze der Befreiungsoffensive”, die “sogar tauchen kann” , als Wunderwaffe bejubelt, und der deutsche Verteidigungsminister hat angekündigt, dass man bis zum Jahresende 100 Leoparden nachliefern will, de facto aber überleben die 1500 PS-Wuchtbrummen auf dem Schlachtfeld nur ein paar Stunden. Zum einen, weil sie keine Luftunterstützung haben und ein dankbares Ziel für Drohnen sind, und zum anderen, weil sie sofort in Minenfelder geraten, wenn die Minensuch-Fahrzeuge vor der Panzerkolonne zerstört sind – und der Rückweg durch Fernverminung versperrt ist. Die Bilder zerstörter Kolonnen sind keine Fake-News – für Leoparden ist diese Front eine tödliche Falle.
Muss man dann nicht, gleichsam zum Artenschutz der bedrohten Leoparden-Herde, der Ukraine Kampfjets und Hubschrauber liefern ? Das wäre sinnvoll, wenn diese edlen Luftangreifer – F-16 genannt – wirklich etwas ausrichten könnten. Aber die Russen haben die formidablen S-300/S-400/S-500 – Luftverteidiger und die Pentagon-Ornithologen haben bei ihren “Wargames” berechnet, dass es zur Ausschaltung einer S-400-Batterie zwölf F-16-Vögel braucht, von denen elf nicht mehr heil zurückkommen. Insofern wundert es nicht, dass man zögert, sie einzusetzen – sie schlagen pro Stück mit 30 Mio. Dollar zu Buche. Zudem müsste für ihren Einsatz wahrscheinlich NATO-Personal eingesetzt werden, was bis zum letzten Ukrainer vermieden werden soll. Lange kann das aber nicht mehr dauern, wenn für die “Rückeroberung” von ein paar Kilometern Steppe so viel an Menschen und Material verheizt wird wie in der letzten Woche.
Und was dann ? Wenn dann angeblich kampfbereite polnische und litauische Truppen an die Front geschickt werden, erweitert sich die Kriegszone automatisch auf diese NATO-Länder – der Weltkrieg, den NATOstan angeblich vermeiden will, wäre dann in vollem Gange. Ich glaube nicht, dass es dazu kommt, weil die Wandermumie Joe Biden, die wiedergewählt werden will, sich nicht erlauben kann, reguläre US-Truppen in dieses Gefecht zu schicken. Aber die Hoffnung, die Pattstellung an der Front weiter aufrecht zu erhalten, ist äußerst trügerisch, wenn man in Rechnung stellt, dass die Russen immer noch eine relativ kleine “Special Military Operation” führen und den Großteil ihrer Streitkräfte noch gar nicht eingesetzt haben.
Nur wer seinen eigenen Fake-News (“Russland gehen die Raketen aus!” – März 2022 ) auf den Leim gegangen ist, wie die “BILD”-Zeitung, kann jetzt schreiben, dass “Russland stärker als erwartet” ist. Und nur wer wie die NATOstan-Bosse und Oberstrategen in Washington, London und Brüssel noch nie einen Krieg gewonnen hat und zuletzt von einer Barfuß-Truppe mit Kalaschnikows aus Kabul verjagt wurde, kann desaströse Einsätze wie diese “Gegenoffensive” planen und befehlen. Und in hybrider Ignoranz und Arroganz dabei übersehen, dass er es mit einem militärischen Gegner mindestens auf Augenhöhe zu tun hat. Dass die deutsche Leoparden-Herde so umstandslos geschlachtet wird, ebenso wie die meisten anderen westlichen Superwaffen, mag schwer zu schlucken sein, ist aber leider ein Faktum – ebenso wie die Tatsache, dass Russland die Raketen definitiv nicht ausgehen.
Was tun, um das Gemetzel so schnell wie möglich zu beenden ? Vor einem Jahr schrieb ich hier (Notizen*33), dass die anstehende Nachkriegs-Teilung der Ukraine sich wahrscheinlich entlang der politischen Grenze vollziehen wird, die bei der letzten Wahl vor dem Putsch 2014 von den Wählern gezogen wurde – und dass statt Panzern mit Wehrmachts-Kreuz eher die diplomatische Expertise aus Deutschland gefragt wäre, wie man ein Land möglichst zivilisiert und friedlich teilt. Auch wenn es so einfach wie mit BRD/DDR oder mit Süd,-und Nordkorea wohl nicht geht, weil Russland eine NATOstan-Präsenz in der Rest-Ukraine nicht akzeptieren wird. Mit militärischer Neutralität und dem Abzug von Mittelstrecken-Raketen aus Osteuropa wäre eine solche Teilung aber durchaus machbar, wobei ein solches Zugeständnis für die USA zur Zeit noch nicht in Frage kommt. Das sinnlose Schlachten wird also noch eine Weile weiter gehen – verhandelt wird wahrscheinlich erst, wenn alle Leoparden eliminiert und zigtausend Männer mehr getötet oder verletzt sind. Und die Sanktions-Orgien Deutschland und Europa noch tiefer in den ökonomischen Abgrund getrieben haben.
Einer unterdessen, Frankreichs Präsident Macron, scheint gecheckt zu haben, dass der Krieg und der neue Eiserne Vorhang, den das US-Imperium hochzieht, um Russland und China zu unterwerfen, sein Land wirtschaftlich ruinieren wird – und hat um Teilnahme am nächsten BRICS-Gipfel gebeten, der im August in Südafrika stattfindet. Dass Chinas “Belt and Road Initiative” derzeit weltweit im Highspeed-Tempo unterwegs ist – 151 Länder sind bereits dabei – und bei der Wirtschaftsunion BRICS+ Dutzende Länder Schlange stehen und mit der BRICS-Bank eine Alternative zum IWF und seinen economic hitmen am Start ist, zwingt den Hegemon zum hybriden Krieg gegen jedes Land, dass sich dieser Union unter dem Motto “Make Trade Not War” anschließt. Dass Macron diesen Anschluss nicht verpassen will, wird in Washington mit Sicherheit als Verrat empfunden. Und was wird erst los sein, wenn auch andere EU-Mitglieder kapieren, dass man sich besser dem Rest der Welt anschließen sollte, statt als abgehängte Kolonie des niedergehenden US-Imperiums zu enden ? Das wird auf jeden Fall spannend.
Eher zum Lachen (oder zum Gähnen) ist unterdessen die neueste Piourette der CIA zur Nordstrream-Saga, nach der sich jetzt die Hinweise auf eine Täterschaft der Ukraine verdichten, vor der über den niederländischen Geheimdienst auch die Deutschen vorab gewarnt worden sein sollen. Danach soll der Generealstabschef der ukrainischen Armee, General Valery Zaluzhny, für die Durchführung verantwortlich gewesen sein. Da dieser seit Wochen nicht mehr öffentlich aufgetreten ist und offenbar schwer verletzt oder krank ist, eignet er sich sehr gut als Sündenbock – und Ablenkungsmanöver der wahrscheinlichen Täter, die Seymour Hersh im Pentagon ausfindig gemacht hat.
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Soeben erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt , Fifty-Fifty (2022), 288 Seiten, 20 Euro
Der internationale Bestseller über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:













