Dicke Eier

Liest man in Sachen Giftgas-Attacke diesen Artikel von  Spiegel Online im Vergleich zu diesen bei TelepolisRubikon und und Huffington Post erschienen Beiträgen, läßt sich der Unterschied zwischen PR und Journalismus noch ganz gut erkennen. Während das zusammengestückelte Werk der SpOn-Autoren penetrant nach Auftragsarbeit der Atlantikbrücke riecht, lassen die anderen drei Berichterstatter noch so etwas wie Unabhängigkeit bei der Wahrheitsfindung und Meinungsbildung erkennen. Dass sie bei ihrer Analyse des Sachverhalts zu dem vorläufigen Schluss kommen, dass es sich bei diesem Giftanschlag um eine False Flag Operation gehandelt hat entspricht zwar nicht den von den USA verbreiteten”Fakten, scheint aber deutlich näher an der Wahrheit als diese.

Die im letzten Posting geäußerte Möglichkeit, dass Trumps irrsinnige Bomben auf Syrien nur ein Wag The Dog-Alenkungsmanöver gewesen sein könnten um so vernünftige Verhandlungen über ein Ende dieses Kriegs mit Russland und Iran beginnen zu können, ohne deren Kooperation der Konflikt nicht lösbar ist, kann nach dem Moskau Besuch von T.Rex ad acta gelegt werden. Trump und sein Außenminister machen tyrannosaurus-mäßig da weiter, wo die Clinton-Bush-Obama-Dynastie aufgehört hat: Interventionismus, Regime Change und globale “Full Spectrum Dominance” haben nach wie vor Priorität. Und hatte Obama 2013 noch gezögert aufgrund einer höchst wahrscheinlichen Chemiewaffen-“False Flag” mit Bomben auf Syrien zu reagieren folgt Trump jetzt ohne zu Zögern den Direktiven aus dem militärisch-industriellen Komplex.

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Wedelt Trump mit dem Hund ?

Kaum war 1997 der Film “Wag The Dog” in den Kinos gestartet, bei dem ein US-Präsident einen fiktiven Krieg in Albanien konstruieren läßt um von seinem Sex-Skandal abzulenken,  lies Bill Clinton eine Fabrik im Sudan mit Tomahawk-Rakten angreifen, weil “Terroristen” dort “chemische Waffen” herstellen. Just in der Nacht bevor die Praktikantin Monica Lewinsky vor dem Kongreß erstmals über die Sex-Praktiken in Clintons “Oral Office” aussagen sollte. Nicht nur weil die bombardierte Fabrik nur Aspirin herstellte wurde den Autoren des Films angesichts des sich entfaltenden Clinton-Skandals eine geradezu prophetische Initiuition nachgesagt. “Wag the Dog” ist seitdem zu einem geflügelten Wort für medial inszenierte Ablenkungsmanöver geworden.

Nachdem von Präsident Trump befohlenen Angriff auf einen syrischen Flughafen stellt sich die Frage, ob dies vielleicht auch ein “Wag The Dog”-Event war. Das Dauerfeuer, dem Trump seit Beginn seiner Amtszeit ausgesetzt war, scheint zumindest fürs Erste beendet, die  Vorwürfe “Putin-Marionette” und “russischer Agent” sind vom Tisch, erstmals wird der Präsident auch von seinen Gegnern gelobt, die stets kriegsgeilen Neocons sind sogar begeistert, während auf Seiten seiner “alt right”-Fans schwere Vorwürfe und Enttäuschung über den “Verrat” laut werden. Tatsächlich hatte Trump seinen Wählern was Interventionismus und “Regime Change”-Politik betrifft anderes versprochen als dieser Angriff jetzt demonstrierte. Wenn er denn nicht nur ein “Wag The Dog”-Event war, wofür einiges zu sprechen scheint.

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Fake oder Nicht-Fake, das ist nicht mehr die Frage

Also zwitscherte Donald Trump am 9. Oktober 2012 als Obamas Zustimmungsrate  abgestürzt war und jetzt ist er nach 10 Wochen in den Umfragen auf 35 % abgstürzt – so tief wie kein Präsident vor ihm – ,erfüllt seine eigene Prophezeiung, und hat – anders als Obama, der dann in Libyen losschlug – den syrischen  Giftgas-Test nicht bestanden. Wenn ISIS, Al Qaida, Al Nusra militärisch ins Hintertreffen geraten, brauchen sie künftig nur einen kleinen Angriff mit Chemiewaffen veranstalten oder simulieren – und schon liefert ihr großer Führer Luftwaffenunterstützung.

Dass nicht Assad, sondern der IS in Syrien/Irak schon mehr als 50 Mal chemische Waffen eingesetzt hat, dass  auch die bekannt gewordenen Einsätze 2013 nicht der syrischen Armee sondern den sogenannten”Rebellen” zugeschrieben werden müssen und dass Syrien sämtliche Chemiewaffen unter UN-Aufsicht vernichtet hat – all das ist vollkommen irrelevant wenn ein paar Gerüchte mit wackligen Bilder einer makabren “White Helmet”-Theatertruppe  auftauchen und der Qualitätsjournalismus in den Giftgas-Modus schaltet.Weiterlesen →

Giftgas-Test für Trump?

Einen Oskar in Hollywood hat die Sanitätsabteilung von Al Qaida  “White Helmets” ja schon gewonnen, jetzt haben sie bei den gemeldeten Giftgas-Einsätzen in Syrien erneut Zeit zum Filmen gefunden und die Welt mit schrecklichen Bildern versorgt – und erneut wird in den westlichen Medien die syrische Armee für die Kriegsverbrechen verantwortlich gemacht. Aber wie schon beim letzen Mal, als mit chemischen Waffen die “rote Linie” überschritten wurde, ist das keineswegs sicher und es läuft bei diesem Krieg in Pipelinistan wieder dasselbe Blame Game wie 2013/14. Damals schrieb ich hier:

“Der Hype um das Überschreiten der “roten Linie” durch den Einsatz von Sarin-Gas führte dazu, dass Präsident Obama den Termin des Bombenangriffs auf den 2. September festsetzte, England verlegte ein U-Boot und Kampfflugzeuge nach Zypern, eine Staffel der französische Luftwaffe wurde in Bereitschaft versetzt. Ohne Frage wäre es zu diesem Angriff auf Syrien  gekommen – der US-Präsident hatte ihn sogar schon öffentlich angekündigt. Dass er im letzten Moment abgewendet wurde, verdankte sich einem russischen Agenten, der dem britischen Geheimdienst MI 6 ein Muster des in Ghuta verwendeten Giftgases zukommen lies – samt eines vertrauenswürdigen Belegs, dass dieses nicht aus russischen Beständen stammte und daher auch nicht im Arsenal von Assad gewesen sein konnte. Nachdem die Chemiker des MI 6 dies geprüft hatten, funkten sie eilig nach Washington: „Wir wurden reingelegt!“Wie dies geschah, deckte Seymour Hersh in zwei investigativen Reports ( “Whose Sarin? ”  und “The Red Line and the Rat Line”  ) einige Monate später auf: als eine klassische „False Flag“- Operation hatten die „Rebellen“ selbst das Giftgas eingesetzt. Die Kampfstoffe stammten aus der Türkei und waren auf der von der CIA eingerichteten „Rattenlinie“ zur Versorgung der Aufständischen nach Syrien gebracht worden. Mit dem von der Türkei, Katar und Saudi-Arabien ausgeheckten Plot sollten die Großmächte in den Konflikt hineingezogen werden…”

Um eine solche Eskalations-Strategie  – einen Rote-Linien/Giftgas-Test für Trump – scheint es auch bei dem aktuellen Giftgas-Hype wieder zu gehen,  der zwar noch ungeklärt ist aber Assad schon komplett in die Schuhe geschoben wird.  Tatsächlich droht allerdings den Al Qaida/Al Nusra/ ISIS-Milizien in Syrien/Irak die finale Niederlage und für die auf der Siegerstraße befindliche syrische Armee, die sich  unter UN-Aufsicht ihrer Chemiewaffen 2014 offiziell entledigte, macht ein solcher Einsatz militärisch absolut keinen Sinn. Sehr viel logischer scheint da die von Syrien und Russland vorgebrachte Erklärung, dass es zu dem Gasaustritt durch das Bombardement einer Munitionsfabrik kam, in der die sogenannten “Rebellen” solche Waffen heimlich produzierten und lagerten. Das wäre nun wieder kein Grund, endlich Damaskus zu bombardieren, wie es die Kriegstreiber seit Jahren fordern, sondern sich endlich davon zu verabschieden, diese fanatischen Wickelmützen als Söldner zu benutzen. Dass Trump jetzt schon vom Überschreiten “vieler roter Linien” spricht, läßt nichts Gutes erwarten…

UPDATE: Gestern war der Nahost-Experte und Buchautor Michael Lüders in der Talkshow Markus Lanz und konnte ausführlich darlegen, warum “wir” in diesem Konflikt nicht “die Guten” sind. Ob der Zensor nur mal kurz pinkeln war, weiß ich nicht, aber es ist selten genug, das echte Journalisten im ZDF noch so zu Wort kommen:

Real Game of Thrones: „Das Unheil, das ich angestiftet, leg ich den andern dann zu schwerer Last“

Weil das Real Game of Thrones nicht nur ein Spiel ist sondern auch blutiger Ernst, ist die Farce, die sich seit Donalds Thronbesteigung im exzeptionalistischen Königreich abspielt, nicht wirklich zum Lachen. Auch wenn Humor vielleicht die letzte Zuflucht ist, die einen vor der Finsternis retten kann, die sich über dem Imperium zusammenzieht. Was aber nicht allein an diesem verrückten König mit der Eichhörnchenfrisur liegt, sondern auch den Verlieren des Wahlkampfs, die sich mit dieser Niederlage nicht abfinden können.

Dass Donald gegen alle Vorhersagen der Kaffeesatzleser, gegen die Gilde der Herolde und Lautsprecher und gegen Hillarys doppelt so schwere Kriegskasse den Sieg errang, hatte das unterlegend Lager so tief getroffen, dass es sich ein demokratischen Spielregeln entsprechendes Eingeständnis dieser Niederlage nicht abringen konnten. Weil Hillary mit Betrug den alten Bernie aus dem Rennen geboxt hatte, der die Massen anzog und auch Donald besiegt hätte, trug sie die eigentliche Hauptschuld. Und wie das so ist, wenn man ein Versagen vor sich selbst nicht eingestehen kann – „Das habe ich getan“ sagt mein Gedächtnis. Das kann ich nicht getan haben — sagt mein Stolz und bleibt unerbittlich. Endlich — gibt das Gedächtnis nach“, hatte einst der Psychologe Nietzsche dieses Procedere beschrieben – sucht man die Schuld bei anderen. So kam König Wladimir als Watschenmann und „Ultraböser“ in Spiel: er soll Hillarys Post gestohlen, ihren Betrug öffentlich gemacht und so seine „Marionette“ Donald auf den Thron gebracht haben. Diese zwar unbewiesene und nur behauptete „Einmischung“ in das heilige Ritual der exzeptionalistischen Demokratie, die Wahlen, wurde sodann als „kriegerischer Akt“ bezeichnet, mit dem der Ultraböse das Königreich angegriffen habe und nun mittels seines Agenten Donald zerstören will. Dass das unterlegene Hillary-Lager für diese haarsträubenden Verschwörungstheorie nicht umgehend ausgelacht wurde, verdankte es nur seiner engen Verbindung mit den „Mainstreammedien“ genannten Lautsprechern, die diese Gruselgeschichte als „Nachrichten“ verbreiteten und damit am laufenden Band das produzierten, was im Königreich neuerdings „Fake News“ genannt wurde.

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E-Mail und die Detektive

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Rubikon – Ein neues Magazin für die kritische Masse

Mit “Rubikon” geht im April ein neues Online-Portal an den Start. Im Editorial heißt es dazu:

“Alea iacta est — Die Würfel sind gefallen. Für uns alle wie einst für den Urheber der geflügelten Worte, Julius Caesar, beim Überqueren des Grenzflusses: Rubikon. Wir befinden uns auf gefährlichem Terrain und kein Weg führt zurück. Aber anders als Cäsar soll uns der unvermeidliche Marsch nicht zu Bürgerkrieg und der Vernichtung der Republik führen. Denn wir sind weder Feldherren noch Krieger und unsere Waffen sind aus anderem Material. Aus scharfem Verstand, unzerstörbarer Empathie, siedendem Spott und gelegentlich einer leidenschaftlich geschwungenen Keule mit der neonknallbunten Aufschrift „Moral“!

Möge dieses unser Arsenal dazu beitragen, das Zeitalter der Kriege, des Elends und der “schöpferischen Zerstörung” zugunsten einer extremen Minderheit zu beenden; die verkrusteten Strukturen zu sprengen, die längst keine „Ordnung“ mehr herstellen; die drängenden Probleme unserer Spezies zielführend anzugehen; endlich demokratische Verhältnisse zu schaffen, wo längst keine mehr zu finden sind.”

Das gefällt mir, deshalb bin ich Mitglied des Redaktionsbeirats geworden und habe gestern meinen ersten Artikel geschrieben, der in den nächsten Tagen dort erscheinen wird. Weil echter Jouralismus Geld kostet und “Rubikon” sich weder mit Geld “von oben”, noch mit Werbung finanziert, ist das gemeinnützige Projekt auf Unterstützung der Leser angewiesen. Wer sich dazu entschliessen möchte, kann das hier tun. Vielen Dank.

Real Game of Thrones: Im Netz der Monsterspinne

Die Seifenoper, wer wen heimlich abgehört und wer wessen Post gestohlen hat, steht im exzeptionalistischen Königreich noch immer auf dem Spielplan und da Fakten Mangelware sind basiert das Libretto nach wie vor auf “Fake News” und Fiktionen.

Zu einem kleinen dramaturgischen Höhepunkt kam es, als der Chef der Polizei und ein Obermeister der Intelligence vom Parlament zu dieser Sache befragt wurden. Auch sie konnten nicht mit Beweisen dienen, dass Hillarys Post tatsächlich von russischen Häschern entwendet wurde und wer genau in Donalds prächtiger Turmburg belauscht und ausgespäht worden ist, betonten aber, dass König Obama keinen Befehl für diesen Lauschangriff gegeben habe. Dies hatte König Donald ja behauptet und war dafür einmal mehr der Lüge gescholten worden. Ob zu Recht oder zu Unrecht blieb allerdings auch nach dieser Anhörung offen, denn heraus kam, dass Donald möglicherweise doch abgehört wurde, aber nur beiläufig und “aus Versehen”.

War die Bespitzelung des Kandidaten also nur eine Art Kollateralschaden wie er bekanntlich in den besten Hochzeitsgesellschaften vorkommt? Diese spannende Frage wurde im Kongress nicht weiter erörtert. Dafür setzte aber eine Abgeordnete ein weiteres Highlight in Sachen König Wladimir: War der Ultraböse ja als “Verbrecher”, “Killer” und “Hitler” bisher schon geläufig, mutiert er jetzt zur “Tarantel”, die “im Zentrum eines Spinnennetzes” sitzt und Menschen in ihre Falle lockt. Einige wenige steinalte Leute im Königreich erinnerten sich an die gigantische Riesenspinne “Tarantula” und wurden wie einst in diesem “B-Picture” genannten Horror-Lichtspiel von kaltem Grauen gepackt.

Die meisten schüttelten aber angesichts dieser Dramaturgie nur noch den Kopf und fragten sich, wo den “King Kong”, “Godzilla” und “Spiderman” bleiben, wenn man sie mal braucht. Zumal Wladimir der Schreckliche auf diese Anwürfe sogleich reagiert hat: mit einer aggressiven Erhöhung seines Wehretats um minus sieben Prozent! Während die westlichen Bündnispartner noch beraten, wie sie auf diese “Provokation” reagieren, stellte ein Abgeordneter während der fünfstündigen Anhörung schon die ganz harten Fragen: “Wird der Eiserne Vorhang wieder zugezogen Osteuropa?”Ja klar, Wladimir baut schon die Mauer und Angela wird dafür bezahlen!

Gegen “Tarantula” kam damals ja ein junger Mime erstmals zum Großeinsatz, der später als “Dirty Harry” bekannt wurde und Bomben mit neuartigem Stoff abwarf, der “Napalm” genannt wurde. Ob dieser Soff aber gegen die neuartige ultraböse Mutation der Riesenspinne und den von ihr gesteuerten Klon auf dem Thron hilft ist freilich fraglich, zumal Dirty Harry als Fan des neuen Königs für ein Remake nicht zur Verfügung stehen würde.

Obwohl “Blockbuster” genannte Lichtspiele mit riesigen Monstern im Königreich schon immer ein großer Erfolg waren, hatte sich die Gilde der Herolde und Lautsprecher bei ihren “Nachrichten” genannten Produktionen eigentlich darum bemüht, über dem Niveau von Horrormärchen und Räuberpistolen zu bleiben. Zwar gehörte die “Kirche der Angst” seit je zum Standardrepertoire der Politik – Untertanen, die sich nicht fürchteten, waren für die Herrschenden nur schwer zu steuern -, doch auf ein derartiges B-Picture-Level wie mit der Saga von der Monsterspinne Wladimir und ihrem Klon Donald war man lange nicht mehr gesunken.

Wie zu Hochzeiten der “Mc Carthy Ära” genannten Hexenjagd, als politische Paranoiker unter jedem Bett einen “Kommunisten” witterten und die “Qualitätspresse” genannten Lautsprecher komplett den Verstand verloren, spielten in diesem kranken Zirkus auch jetzt wieder alle mit.

Doch anders als damals wollten sich im ganzen Königreich außer ein paar russophoben Hysterikern und den chronischer Spinnenangst Leidenden niemand mehr wirklich fürchten. Zu einen, weil die Leute andere und näher liegende Sorgen und Ängsten hatten, und zum anderen, weil die Gilde der Herolde und Lautsprecher ihr Monopol auf die Deutungshoheit verloren hatte und das Publikum sich anderweitig mit Nachrichten versorgte. Und so auch schon vor Jahren erfahren hatte, was der mutige Ed, der die geheimen Werkzeuge der unsichtbaren Meister der Intelligence enthüllt hatte, aller Welt mitteilte: “Wenn ich an meinem Schreibtisch saß und eine private Postadresse hatte, konnte ich jeden abhören, von deinem Buchhalter bis zu einem Bundesrichter oder den König selbst.”

Wenn also ein kleiner Angestellter der Meister wie der junge Ed mit einem Knopfdruck jeden Menschen im Königreich belauschen und seine Post abzapfen konnte – wie wahrscheinlich ist es dann, dass von den 60.000 Lauschern und Spionen der Meister keiner mal schnell auf den Knopf drückte, als der Irre mit der Eichhörnchenfrisur der prädestinierten Thronfolgerin Hillary im Wahlkampf gefährlich wurde ?

Es ist so unwahrscheinlich, dass König Obama gar keine explizite Anweisung geben musste, es geschehen zu lassen – um dann, kurz vor seinem Abgang, noch eine kleine Zeitbombe zu hinterlassen. Mit einem Dekret, dass die 17 geheimen Agenturen der Meister der Intelligence ab sofort ihre Informationen unter einander weitergeben dürfen, was bis dahin streng untersagt war. Und prompt dazu führte, dass die abgehörten Gespräche von Donalds Sicherheitschef General Flynn bekannt wurden und er zum Rücktritt gezwungen wurde.

Und so wird es weitergehen mit den Lecks aus den Tiefen des Königreichs, bis Donald freiwillig oder unfreiwillig den Thron räumt. Soeben hat der Gründer des Wachhundevereins “Judicial Watch” Klage eingereicht, die Beweise seines Klienten zu sichten, der für die Meister der Intelligence gearbeitet und ihnen 47 “Festplatten” genannte Datenspeicher entwendet hatte. Beweise, die angeblich dokumentieren, wen die Meister alles abgehört haben: den Vorsitzenden des höchsten Gerichtshofs, 156 Richter sowie zahlreiche prominente Geschäftsleute, darunter auch einen bekannten Baulöwen namens Donald.

Dass es bis heute keinen Beweis gibt, wer die Post von Hillary und in ihrer Parteizentrale gestohlen hat, sondern nur die Behauptung einer privaten “Sicherheitsfirma”; dass die Polizei diese Einbrüche nie untersucht hat und sich nur auf diese Behauptung verlässt, dass auch die Meister der Intelligence absolut nichts vorzuweisen haben, was den Postdiebstahl und den Einfluss des Ultrabösen auf Donalds Wahlsieg belegt… all das hat die Herolde und Lautsprecher bekanntlich seit Monaten nicht abgehalten, die faktenfreien Gerüchte in Endlosschleife als “Nachrichten” zu senden.

Während Donald nach kaum zwei Monaten schon als “Lügenkönig” in die Geschichte eingegangen ist, haben die Lautsprecher, die “Mainstreammedien” genannt werden, das postfaktische Zeitalter damit definitiv eingeläutet. Und so kam es, dass nahezu das gesamte Königreich in einen Zustand der “kognitiven Dissonanz” gestürzt wurde.

Wer in die so bezeichnete Gemütslage gerät, reagiert reflexartig immer auf dieselbe Weise: durch das Ausblenden sämtlicher Fakten, die seine fundamentalen Überzeugungen ins Wanken zu bringen drohen. So mussten die vollen Herzens von König Donald überzeugten Anhänger seit Monaten ausblenden, dass hier nicht ein Retter der Nation auf dem Thron sitzt, sondern ein eitler Milliardär und Dilettant für den in vielen Bereichen “Keine Ahnung – aber davon reichlich!” gilt – während die Anti-Donald-Fundamentalisten auf gar keinen Fall die Tatsache an sich heranlassen können, dass Donalds Pläne, neue Jobs ins Land zu holen und mit dem Ultrabösen “klar zu kommen”, ja gar nicht verkehrt sind. Und lieber das Märchen von Wladimir als Tarantula ernst nehmen, als ihren Verstand einzuschalten.

Immerhin einen Rest davon hat sich das höchst seriöse Organ “Foreign Affairs” bewahrt, das für Außenpolitiker und Diplomaten zur Pflichtlektüre gehört und noch zu rationalen nüchternen Analysen fähig ist: “Seit 25 Jahren haben Demokraten und Republikaner auf eine Weise agiert, die für Moskau ziemlich gleich aussah. Washington betrieb eine Politik, die Moskaus Interessen (und manchmal auch internationale Gesetze) ignorierte, mit dem Ziel Moskau mit militärischen Allianzen und Handelsblockaden zu umzingeln. Es ist kein Wunder, dass Russland dagegen hält. Aber ein Wunder ist es, dass die politische Elite das nicht versteht, obwohl es scheinbar sogar der außenpolitische Neuling verstanden hat.”

Erschienen auf Telepolis

Real Game of Thrones: Ein ausgefallener Handschlag und die unsichtbare Hand

Auch wenn der Besuch von Königin Angela im Weißen Haus nicht sonderlich stimmungsvoll ablief – die beiden, meinte ein Beobachter nach dem ausgefallenen Handschlag vor den Fotografen, seien wohl als „ziemlich schlechteste Freunde“ auseinander gegangen – hatte König Donald am Ende der Presskonferenz doch noch einen kleinen Scherz auf Lager: eine Gemeinsamkeit sei immerhin, dass beide von der vorherigen Regierung abgehört worden seien. Der „Hosenanzug“ reagierte auf diese Vorlage aber nur mit einem säuerlichen Lächeln, statt den Ball aufzunehmen und zu fordern: „Lassen Sie uns gemeinsam diesen unerträglichen Zustand abstellen, der unseren demokratischen und rechtsstaatlichen Werten zutiefst zuwider läuft. Bringen Sie ihre Meister der Intelligence unter Kontrolle, ich werde mit den unsrigen dasselbe tun.“

Nun waren schlagfertige Reaktionen noch nie ein Markenzeichen von Königin Angela, die als kommunikative Reaktion bekanntlich den vertikalen Mundwinkel bevorzugt, und dieser kam denn auch hier zum Einsatz. Was zeigte, dass Angela als brave Vasallin weiter eher der „permanenten Regierung“ zu gehorchen gedenkt, deren Belauschen „unter Freunden“ sie ja schon eher schulterzuckend hinnahm, und nicht dem neuen König.

Dennoch galt es natürlich, einen guten Eindruck zu machen und so hatte sie ihre wichtigsten Wirtschaftsführer mitgebracht, die Donald ihre guten Werke für das Königreich so gut präsentierten, dass er sie als „gute Leute“ bezeichnete. Über die heimliche First Lady, die Königstochter Ivanka, die im Modegewerbe tätig ist, hatte Angela zudem eine Initiative eingefädelt, die erfolgreichen Methoden ihrer Handwerker-Gilden bei der Ausbildung von „Azubis“ genannten Lehrlingen im exzeptionalistischen Königreich zu verbreiten. Auch dies wurde von König Donald sehr gelobt – doch das war es dann auch schon mit den Freundlichkeiten. Kaum war Angela wieder weg, zwitscherte Donald empört, dass ihr Land ihm große Mengen Geld schulde, weil es zu wenig für den teuren „Schutz“ durch die Nato bezahle.

Als Novize im weltpolitischen Geschäft hatte König Donald aber hier etwas nicht richtig verstanden, denn dieses Geld steht, wenn überhaupt, nicht ihm sondern der Nato zu und alle Mitglieder zahlen es dort freiwillig ein. Ebenso freiwillig haben sie sich verpflichtet, in Zukunft 2% ihres Haushalts dafür auszugeben, wobei Angelas Reich zwar noch zurückhängt, aber auch noch einige Jahre Zeit hat den Plan zu erfüllen. Doch Donald will die Kohle wohl sofort…

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