Ob ein Munitionsarsenal sowjetischer Waffen in der russischen Region Bryansk von US-amerikanischen “Army TACtical Missile System” (ATACMS)-Raketen am 19.November getroffen wurde, ist derzeit noch unklar. Laut russischem Verteidigungsministerium wurden von den sechs Raketen fünf abgefangen und eine beschädigt, die keinen Schaden angerichtet haben soll, laut Kiew wurden nur zwei abgefangen und vier sollen ihr Ziel erreicht haben. Zweifelsfreie Videos oder Bestätigungen, was wirklich geschah, liegen aktuell noch nicht vor, klar ist nur, dass das Arsenal im Westen Russlands, nahe der belarussischen Grenze, für die Militäroperation keine Rolle spielt und auch ein “Volltreffer” allenfalls symbolische PR-Wirkung hätte. Dass Putin am selben Tag die Nuklear-Doktrin Russlands änderte und es erlaubte, im Falle von Luftangriffen eines nicht-nuklearen Proxies (Ukraine) Nuklearwaffen einzusetzen, wenn dieser von einer Nuklearmacht (USA) unterstützt wird, passt dennoch ins Bild. Tatsächlich können ja die ukrainischen Truppen die ATACMS-Raketen gar nicht selbstständig programmieren, feuern und steuern, ohne Support vom Pentagon sowohl über Satellit und wie auch vor Ort geht gar nichts. Dasselbe gilt für die britischen und französischen Mittelstreckraketen, die schon seit Beginn des Konflikts im Einsatz sind.
Was veranlasst aber die Wandermumie Joe Biden kurz vor der Einbalsamierung nun doch noch, direkt und unverblümt amerikanische Raketen auf Russland loszulassen, was seine Regierung zwei Jahre lang verweigert hat ? Der Schweizer Militärexperte Ralph Bussard meint dazu:
“Der Einsatz von Kurz- und Mittelstreckenwaffen soll ein möglicherweise bereits bestehendes Agreement zwischen dem Team von Trump und der Regierung Putin torpedieren, indem Putin zu Handlungen verleitet wird, die Trump keine andere Wahl lassen, als den Krieg fortzusetzen. Für die Russen sind deshalb derzeit Angriffe auf US-Einrichtungen und -Truppen ausgeschlossen. Mit dem Einbezug von Franzosen und Briten soll sichergestellt werden, dass der Krieg auch nach Trumps Amtsantritt weitergehen kann. Biden nutzte dabei natürlich die Großmacht-Ambitionen Frankreichs und Großbritanniens. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer wissen aber auch, dass die russische Vergeltung Ende Januar primär sie treffen wird, sobald Trump am Ruder ist. Ich denke, Briten und Franzosen werden auf Tauchstation gehen, sobald es wirklich gefährlich wird.”
So schaut`s aus. Und “Tauchstation” scheint für die großmäuligen Briten der passende Begriff, wenn man sich vergegenwärtigt, was die russische Unterwasserdrohne “Poseidon” und der von ihr ausgelöste Tsunami mit ihrer verregneten Insel anstellen kann. Dass die Amerikaner für ihren Raketenangriff ein strategisch irrelevantes Ziel gewählt haben deutet an, dass man die Russen nicht über die Maßen provozieren will, sondern den Krieg noch irgendwie am Laufen halten will, wo die ukrainischen Truppen an der 800 Kilometer langen Front gerade überall massiv zurückgedrängt werden. Die Hoffnung, dass die Russen wütend auf eine NATO-Einrichtung außerhalb der Ukraine zurückschlagen werden – und man dann den “Bündnisfall” aufrufen, Krieg erklären und Trumps Regierungsübernahme in USA verschieben kann – wird sich wohl nicht erfüllen. Stattdessen setzen die russischen Truppen ihre systematische Demilitarisierung der Ukraine (und der NATO) weiter in aller Ruhe fort – und schickten laut Kiew gestern auf einen großen Industriekomplex in Dnipro ihre “Doomsday”- Rakete RS-26, die allerdings nur mit Übungsmunition bestückt war, sonst wäre die Stadt Dnipro/Dnepropetrowsk nicht mehr da. Von russischer Seite ist der Einsatz einer neuartigen Mittelstrecken-Rakete mittlerweile bestätigt, was als Wink mit dem 50-Kilo-Tonnen-Zaunpfahl ja durchaus Sinn macht, um die Machtlosigkeit der westlichen Luftverteidigung gegen dieses hypersonische Monster zu demonstrieren. Die USA und Kanada haben daraufhin ihre Botschaften in Kiew vorsorglich evakuiert. Eine mit sechs steuerbaren Sprengköpfen bestückte “Oreschnik” (Haselnuss) – so nannte Putin die neue Waffe – will eben niemand aufs Dach bekommen.
Aber man kann ja weiter blubbern, dass “Putin blufft”, weil “Russland die Raketen ausgehen” und sie schon die “Chips aus Waschmaschinen” plündern müssen, um überhaupt noch feuern zu können – solange noch ein allerletzter Ukrainer den Abzug drücken kann, muss das Narrativ mächtiges NATOstan vs. schwaches Russland nicht aufgegeben werden. Zelensky hat unterdessen “die Weltgemeinschaft” – drunter macht`s der kleine Kokskomiker nicht – aufgerufen, den russischen Raketenabwurf zu kontern, wird aber feststellen müssen, dass da nichts geht. Außer ein paar mehr ATACMS oder Storm Shadows, die leichte Beute für die S-400 der Russen sind, haben die Kriegsherrn in Washington nichts zu bieten, was einmal mehr bestätigt: Amerika kann nur Monopoly, aber Russland kann Schach. Das ATACMS-Gambit – ein Dutzend “Bauern” (Stückpreis 3,5 Mio. $) im Feindgebiet zu opfern, um sich Vorteile zu verschaffen – ist nach hinten los gegangen; ein einziger Zug der “Haselnuss” hat gezeigt, was die Folgen sein werden, wenn die nächsten westlichen Raketen auf Ziele in Russland geschossen werden. Dazu sagte Wladimir Putin gestern: (übersetzt mit deepl.com):
Ich wiederhole: Die Erprobung der “Oreshnik”-Rakete unter Gefechtsbedingungen wird von uns als Reaktion auf die aggressiven Aktivitäten der NATO-Länder gegenüber Russland durchgeführt. Die Frage des späteren Einsatzes von Kurz- und Mittelstreckenraketen wird in Abhängigkeit von den Aktionen der USA und ihrer Satellitenstaaten behandelt werden. Die Ziele, die im Rahmen weiterer Tests unseres neuen Raketensystems zerstört werden sollen, werden auf der Grundlage ihrer Bedrohung für die Sicherheit der Russischen Föderation bestimmt. Wir halten uns für berechtigt, unsere Waffen gegen militärische Ziele derjenigen Länder einzusetzen, die ihre eigenen Waffen gegen unsere Ziele einsetzen.
Sollte es zu einer Eskalation aggressiver Aktivitäten kommen, werden wir entschlossen und reziprok reagieren. Den herrschenden Eliten jener Länder, die den Einsatz eigener Truppen gegen Russland planen, rate ich dringend, dies ernsthaft zu überdenken. Es versteht sich von selbst, dass wir, wenn nötig, als Vergeltungsmaßnahme Waffen wie die “Oreshnik” gegen Ziele in der Ukraine einsetzen und die Zivilbevölkerung sowie Bürger befreundeter Staaten anweisen werden, die Gefahrenzonen im Voraus zu verlassen. Wir werden dies aus humanitären Gründen tun. Wir werden dies öffentlich bekannt machen, ohne Angst von Gegenmaßnahmen des Gegners, der diese Informationen ebenfalls erhalten wird.
Warum ohne Angst? Weil es heute keine Mittel gibt, um solche Waffen abzuwehren. Die Raketen greifen Ziele mit einer Geschwindigkeit von Mach 10 an…(…)
Dass diese Ansage von den schwerhörigen Strategen in Washington und London wahrgenommen wird, kann man nur inständig hoffen. Russland blufft nicht. Das nächste Mal, so sollten alle bellizistischen Aktivisten jetzt wissen, wird die “Haselnuss” geladen sein. Und sie kann jedes Ziel in der Ukraine und in Europa treffen. Höchste Zeit, diese Übermacht anzuerkennen und Frieden zu machen!
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Erschienen am 10. Juni 2024
Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall, Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro












