Größenwahn, Great Game und Hirnfäule

In der letzten Woche hatte ich die Reaktion des Westens auf den Einschlag von “Orseschnik” mit den Nahtod-Phasen Eins (Nicht-Wahrhaben-Wollen) und Zwei ( Zorn, Wut) verglichen, dem Leugnen des Untergangs (der militärischen Niederlage) und die nach der Einsicht die Unvermeidlichkeit  aufsteigende Wut. Dass “Freund Hein” über eine Sense verfügt, gegen die kein Kraut gewachsen ist, ist schwer zu schlucken und aus dem Unwillen resultiert Zorn: Jetzt schicken wir 100.000 Krieger mit den neuesten und besten Waffen, gegen die alle bisherigen “wie Peanuts” aussehen, und werden ihm zeigen wo der Hammer hängt. So oder so ähnlich reden zumindest die vom kommenden US-Präsidenten Trump zur Sterbebegleitung der Ukraine erwählten Diplomaten und “Sicherheitsberater” wie General Kellog, der einen illusionären  “Peace Plan” präsentiert hat: die von Russland kontrollierten Regionen aufgeben und die Rest-Ukraine unter einen NATO-Schutzschirm stellen. Also genau das, was für die Russen seit über 30 Jahren ein NoGo ist und weshalb sie vor 34 Monaten ihre “Militäroperation” begannen: keine US-Raketen vor ihrer Haustür, keine NATO in der Ukraine. Vor 32 Monaten hatten sich Moskau und Kiew in Istanbul auf diese Eckpunkte friedlicher Koexistenz schon weitgehend geeinigt, doch das US-Imperium in Gestalt des britischen Ex-Premiers Boris Johnson stoppte diese Verhandlungen und trieb die Ukraine weiter zum Krieg. Jetzt spricht dieser Johnson erstmals offen aus, dass es sich dabei um einen Proxy War handelt und “wir” die Ukrainer, unsere Proxies, “mit einer Hand hinter dem Rücken” kämpfen lassen und nur weitere Milliarden  (“half a trillion, whatever”) und Waffen helfen. Um Russland an den Verhandlungstisch zu bringen, indem man, so Donalds naiver Captain Kellogs, mit der Lockerung von ein paar Sanktionen lockt. Von denen außer ihm jeder weiß, dass die russische Wirtschaft sie erfolgreich umschifft und mit BRICS und Dreiviertel der Welt wunderbar im Geschäft ist. Auch wenn Trump gegen diese Kooperation vorgehen will, die den “mächtigen US-Dollar” und die “wundervolle US-Ökonomie” bedroht, wie er auf X ankündigt

“The idea that the BRICS Countries are trying to move away from the Dollar while we stand by and watch is OVER. We require a commitment from these Countries that they will neither create a new BRICS Currency, nor back any other Currency to replace the mighty U.S. Dollar or, they will face 100% Tariffs, and should expect to say goodbye to selling into the wonderful U.S. Economy. They can go find another “sucker!” There is no chance that the BRICS will replace the U.S. Dollar in International Trade, and any Country that tries should wave goodbye to America.”

Dass niemand den Dollar ersetzen will, sondern die BRICS-Länder sich nur Alternativen für bilateralen Handel schaffen und Trump mit idiotischen Plänen von “100 % Zoll” das Vertrauen in seinen (ohn-)mächtigen (Petro-)Dollar und die wunderbare total verschuldete US-Ökonomie weiter untergräbt, sollte ihm mal jemand stecken.
Wie im Militärischen macht sich die “einzige Weltmacht” auch im Ökonomischen Illusionen über ihre globale Einzigartigkeit, die von der realwirtschaftlichen Wirklichkeit aber genauso wenig gedeckt ist wie von der Realität auf dem Schlachtfeld. Dort hat das Imperium sein Monopol technisch überlegener Waffen ebenso verloren wie auf dem Feld der Wirtschaft die industriellen Kapazitäten und Produktionsmöglichkeiten und ist gar nicht mehr in der Lage,  einen längerfristigen Krieg zu führen. Dasselbe gilt für die NATO-Vasallen in Europa, deren Nachschubmöglichkeiten weitgehend erschöpft sind,  weil sie in einem Jahr nur soviel Panzer produzieren können wie Russland in einem Monat, sie aber weiter zur Verschrottung in die Ukraine schicken wollen”solange es nötig ist”. Wie lange noch? Dass die Wandermumie Joe Biden geächtete Landminen liefert und von Kiew fordert,  jetzt auch 18-jährige an die Front einzuziehen, ist kein gutes Zeichen – wer nur noch Kanonenfutter zu bieten hat, kann keinen Krieg gewinnen. Und den überlegenen Gegner auch nicht dazu bringen, seinen Vormarsch zu stoppen und den Konflikt “einzufrieren”. Wer nur noch den Atomschlag – und damit die garantierte gegenseitige Vernichtung – auf der Pfanne hat, dem bleibt nur die Kapitulation.
        Eigentlich sehr simpel, aber die Einfachheit macht es gerade so schwierig, weil das US-Imperium in den letzten sieben Jahrzehnten eine Selbstüberschätzung entwickelt hat, die jedes Eingeständnis von Schwächen, Fehlern und gar einer fatalen Niederlagen extrem schwer macht. Willkommen in der dritten Nahtod – Phase: den Versuchen zu verhandeln und mit einem “Deal” dem Unausweichlichen zu entkommen, die vergeblich bleiben, da die Niederlage feststeht. Gegen Oreschnik & Co. ist kein Kraut gewachsen.

Das – immerhin – scheint Olaf Scholz zu ahnen, und reiste deshalb ohne “Taurus” (aber mit 600 Millionen-Scheck) im Gepäck nach Kiew, um mit Zelensky “Heil Ukraine” zu rufen und auszuloten, wie lange das grüne T-Shirt mit seiner Größenwahn-Parole “Make Russia Small Again” noch durchhalten kann.
Deutlich weniger  verrückt und näher an der Realität scheinen dagegen die Vorstellungen von einer verkleinerten, drei-geteilten Ukraine, die russische Militärblogger veröffentlicht haben – mit den zu Russland übergetretenen Provinzen im Osten und Süden, mit einem “pro-rusissch” regierten Zentralstaat in der Mitte und “disputet regions” im Westen, über die sich die Russen mit den benachbarten Rumänen, Polen und Ungarn verständigen wollen. Ein solches Reservat, wo die ukrainistischen Bandera-Nazis folkloristische Fackelmärsche zum Führergeburtstag veranstalten können (“unbewaffnet, ohne Hassreden und unter Polizeiaufsicht!”) hatten wir hier ja schon vor zwei Jahren angeregt. Und das scheint mittlerweile noch das Beste, was den Resten der Asow-Brigaden und allen russland-hassenden Ukrainern blühen könnte.
Mit weniger wird sich Russland nicht zufriedengeben, und mehr ist für die Bidens/Trumps/ Johnsons und Scholzens samt NATOstan militärisch nicht erreichbar. Der große Plan, Russland zu schwächen und Putin zu stürzen – vor zehn Jahren mit dem Putsch auf den Maidan (Courtesy of CIA) gezündet – ebenso wie der Versuch, den Stützpunkt der russischen Marine auf der Krim und die großen Rohstoffreserven (Gas, Lithium) in der Ost-Ukraine unter Kontrolle zu bringen, sind auf ganze Linie gescheitert. Russland steht sowohl militärisch und ökonomisch wie auch gesellschaftlich stabiler denn je da, nach jüngsten (unabhängigen) Umfragen ist die Zustimmung zu “Lebensqualität” und “Zukunftsaussichten” auf einen All-Time-High. Indizien dafür, dass der Ukraine-Plan im Great Game des Imperiums doch noch an irgendeiner Stelle aufgehen und funktionieren könnte, sind nirgendwo zu finden. Außer der Revasallisierung Europas  – der Verhinderung von Handel und Wandel zwischen Deutschland und Russland – wurde nichts erreicht. Der  Kampf um die “Weltinsel”, das “Heartland” Alfred Mackinders, über den ich in dem Buch “Wir sind die Guten” (mit Paul Schreyer 2014/2019) ausfürlich geschrieben habe, ist der und Dreh-und Angelpunkt der anglo-amerikanischen Herrschaftsinteressen seit mehr als einem Jahrhundert – Ulrike Guerot hat über die Rolle der Heartland-Doktrin gerade ein neues Buch veröffentlicht  – und in diesem Kampf hat das Imperium eine schwere strategische Niederlage erlitten.  Auch wenn man es  noch nicht wahrhaben will und die bekoksten Krakeler in Kiew, London und Washington “Jetzt erst recht!”  schreien, ist daran nicht zu rütteln: das “Herzland” bleibt unter Kontrolle Russlands und die NATO bleibt draußen. Wer das nicht als Grundlage für Verhandlungen akzeptiert, braucht nicht einmal einen Tisch. Und wer das noch immer nicht versteht, ist nach dem soeben in Oxford gekürten englischen “Wort des Jahres” schlicht  “brain rot”:  zuviel Mainstrean-Müll googeln führt zur “Hirnfäule”…



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Erschienen am 10. Juni 2024

Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall,  Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro

 

 

 

 

 



 

„Ab 5 Uhr 45 wird zurückgelächelt“

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Zum heutigen 101. Geburtstag von Wolfgang Neuss, geschrieben zu seinem 80. am 2.Dezember 2003

„Wir müssen Hitler so lange wiederholen, bis er ein Hit ist ….ab 5 Uhr 45 wird zurückgelächelt.“ Heute wäre Wolfgang Neuss 80 Jahre alt geworden – und garantiert kein bißchen leise. Angesichts von „Tätervolk-“ und Mahnmal-Debatte hört man es geradezu brüllen aus der Hochparterre-Wohnung in der Charlottenburger Lohmeyerstraße, wo er bis zum seinem Tod im Mai 1989 wohnte: „Wir leben mit dem Geist derer, die wir erschossen und erschlagen haben, wir wollten es immer werden und sind es nun, die klügeren Juden. Es dürfen wieder Witze gemacht werden, und zwar jüdische“ Natürlich jenseits aller political correctness, die Neuss schon 1955 vermissen ließ, als er als „Mann mit der Pauke“ – „Die von der CDU werden noch so lange machen, bis der liebe Gott aus der Kirche austritt“ – zum ersten Zensurfall des deutschen Fernsehens wurde: während seines Live-Auftritts täuschte der Intendant des „Sender Freies Berlin“ eine technische Störung vor. So frei war man denn doch noch nicht, im Muff der Adenauerjahre. „Das darf man nicht sagen ? Gerade deshalb mußte ich es sagen!“ – das war, und blieb die Neuss’sche Maxime. Mit 14 war er aus Breslau nach Berlin abgehauen und wollte zum Zirkus, seine Mutter sammelte ihn ein und schickte ihn in eine Schlachterlehre. Als Soldat landet er bald im Lazarett und merkt dass er Witze besser erzählen kann als andere, zurück an der Ostfront schießt er sich 1943 den Zeigefinger der linken Hand ab, um wieder ins Lazarett zu kommen: „Die Angst trieb mich zum Fortschritt. Selbstverstümmelung war und ist eine gute Friedensbewegung!
Mit bunten Abenden meldet sich Humorsoldat Neuss auch 1945 im Internierungslager zur Stelle und tingelt danach, mit einem Geiger und einem Leiterwagen über Land. Man spielt für Übernachtung und Abendessen in Gasthäusern – „Lachkalorien“ heißt das Programm. Wegen eines briten-feindlichen Witzes wird er zu einem halben Jahr Haft verurteilt, kommt aber nach wenigen Tagen frei. Es folgen erste Auftritte auf Profibühnen zusammen mit seinem Partner Wolfgang Müller; 1951 tritt Neuss mit der Pauke vor 20.000 Berlinern in der Waldbühne und erobert die Herzen der Frontstadt im Sturm: „Zwei Nummern Ost, zwei Nummern West –ich war ne Art Doppelagent“ Er spielt Theater unter Piscator, kleine und große Rollen in über 50 Spielfilmen, führt Regie bei den „Stachelschweinen“ und wird im Räuber-Duo mit Wolfgang Müller in „Das Wirtshaus im Spessart“ (1957) zum Filmstar- Liebling der Nation. Bald eröffnet kein Schuhgeschäft mehr ohne die kesse Schnauze von Neuss, die Strumpffirma „nur die“ verklagt ihn wegen eines Werbespots, in dem er einen Fernseher eintritt und bekundet: „Das machen nur die Strümpfe, NUR DIE, anders ist das Ding nicht kaputtzukriegen“. Die Kulturkritik am Fernsehen hinderte den „Doppelagenten“ Neuss freilich nicht, seinen ersten eigenen Film – „Wir Kellerkinder“ (1960) – von der ARD mitfinanzieren zu lassen; die heute selbstverständliche Praxis führte zum Eklat, der „Verband der Filmtheater“ lehnte die Aufführung in den Kinos ab – und so kam es, dass der vielleicht genialste deutsche Film über den Faschismus bei den Berliner Filmfestspielen außer Konkurrenz laufen mußte. Neuss mietete eigene Kinos an und zog für seinen „gesamtdeutschen Heimatfilm“ werbetrommelnd durch die Lande. Um seinem nächsten Film Zuschauer zu verschaffen, legte er sich nicht nur mit dem Fernsehen an, sondern wurde gleich zum „Verräter der Nation“ – in einer Anzeige für „Genosse Münchhausen“ (1962) im Berliner „Abend“ verriet er den Mörder der Durbridge-Serie „Das Halstuch“, des ersten „Blockbusters“ der jungen TV-Nation. Morddrohungen waren die Folge, den Spaß wollte sich das Wirtschaftswunderland von seinem Spaßmacher dann doch nicht verderben lassen.
Doch Neuss, nach dem Flugzeugabsturz seines Partners Müller als Komiker nun solo, befand: „In der Blüte meiner blauen Tage/ merkte ich dass Spaß ein Luxus war/ den man mit der Apothekerwaage/ abwog, denn er war entsetzlich rar./Da beschloß ich ungebeten, ein’ge in den Arsch zu treten“. Mit seinem Ein-Mann-Shows im „Domizil“ am Lützowplatz („Das jüngste Gerücht“, „Neuss Testament“ und „Asyl im Domizil“) Mitte der 60er Jahre mutiert der familien-kompatible Komiker von nebenan nicht nur zu „Deutschlands Kabarettisten Nr.1“ (Spiegel), sondern auch zum prominentesten Aushängeschild der außerparlamentarischen Opposition. Die nette Berliner Kodderschnauze wurde der scharfzüngigste Lautsprecher der APO, der komische Knallcharge zur politischen Instanz, der Filmstar und Playboy zum Anmacher und Unruhestifter. Und zum Aussteiger Anfang der 70er Jahre, als er die Bühne mit der Meditationsmatte tauschte, und seine Tablettensucht mit „Hanfmedizin“ kurierte. „Geistige Aufrüstung“ nannte Neuss das und die setzte er der Radikalisierung der 68er Kulturrevolution, dem Abdriften in den bewaffneten Kampf entgegen – das Morden und Brandschatzen hatte er hinter sich.
“Das letzte Mal war´n die späteren RAF-Leute bei mir nach der Baader-Befreiung und sagten: ‘Wolfgang, du mußt uns helfen, wir brauchen dein Auto.’ Ich hab gebrüllt: ‘ Seid ihr wahnsinnig’ und nicht mitgemacht – leider, wie man heute sagen muß. Denn wäre ich Wahnsinniger damals eingestiegen, hätte das ganze Abenteuer keine drei Tage gedauert.” Ein Foto von Ulrike Meinhof und ihren Zwillingen hing dennoch bis zum Schluß in seinem zu einer einzigen Pinwand ausgewachsenen Zimmer. Für Neuss kam als Konsequenz aus der Radikalität der 60er Jahre kam nur das Abenteuer der Selbstfindung in Frage. Und als er wieder auftauchte, aus der inneren Versenkung, bricht er sein Schweigen mit Worten, die den alten Kollegen irre und bizarr vorkommen. “Rauch nicht so viel von dem Zeug” mahnte sein Freund Uwe Johnson, bevor er sich langsam totsoff. Dass kein Biermann oder Enzensberger, kein Hildebrandt, Hüsch oder ein anderer Kabarett-Kollege es ihm nach tat und asketisch auf der Meditationsmatte Platz nahm, um Einblicke in´s Rad der ewigen Wiederkehr zu erhaschen, daß ihm kein Wolfgang Müller nachwuchs, nahm er keifend und zeternd übel. Ganz anders aber die Texte, die Neuss fortan produziert: immer noch der blitzschnelle Assoziations-Artist und Kalauer-König (“Die Nordsee ist umgekippt – hat mal jemand nen Lappen?”), aber er schöpft nicht mehr aus dem “Anti”, der Negation, dem permanenten Protest. Statt wie einst den Gegner mit verbalem Schnellfeuerbeschuß niederzumähen, übt sich der späte Neuss in der Zen-Politik der Umarmung, im “An-die-Wand-lieben” : „…ab 5 Uhr 45 wird zurückgelächelt.”

Als ich diesen “neuen” Neuss erstmal zu hören bekam, richteten wir ihm in der „taz” sofort eine Kolumne ein. Fortan sprach er mir wöchentlich seinen aberwitzigen, “buddhadaistischen” Monologe auf Band, in dem Lokalklatsch und Globalstrategie, Privatclinch und Weltkrieg, Kleinkunst und Großkultur, Tagesaktualität und Ewigkeit auf holographische Art kollidierten. Spritzig, witzig und weise. Klaus Theweleit, Chef-Analytiker deutscher Männerphantasien, hat Neuss’ “genialen Zeilen” zum Faschismus später zitiert – neben Benn, Jünger, Pound, Hamsun, Elvis, im “Buch der Könige”. Da gehört er hin, der Neuss, als Schlachtergeselle zu den Dichterkönigen, als deutscher Trommler neben den Rock`n Roll King. Paradebeispiel für einen, der nicht Faschist geworden ist – und nie vergaß, dass er einer sein könnte.
“Auf deutschem Boden darf nie wieder ein Joint ausgehen” entbot er Richard von Weizsäcker bei seinem legendären Talkshowauftritt 1983 zum Gruße – der Spruch war ihm am Nachmittag auf einer Glückwunschkarte zum 60. Geburtstag zugeflogen, von einem Fan aus dem Knast. Ihn gleich am Abend vor einem Millionen-Publikum als Appell an “Häuptling Silberlocke” zu bringen, war nicht nur typisch für die Neuss’sche Methode, es brachte auch das Phänomen dieser deutschen Biographie auf den Punkt. Nicht den typischen Oberleutnant, mit Oberwasser unter aller Regimen, sondern einen deutschen Schweijk und Torpedokäfer: “Ich hab nie aufgehört von unten anzufangen.”

Zum 80. Geburtstag sind seine gesammelten Werke in einer wunderbaren Sonderausgabe bei Zweitausendeins erhältlich – ( „Der totale Neuss“ , herausgegeben von Volker Kühn, 960 Seiten) – und präsentieren nicht nur die einzigartige Geschichte dieses großen kleinen Manns, sondern auch eine einzigartige Geschichte dieser Republik, gesehen von einem ihrer wachsten Zeitgenossen. So wie einst die Bücher Tucholskys den braunen Frontkomiker zum kritischen Volksaufklärer transformierten, könnte auch dieses Buch – sowie die auf CD vorliegenden Originaltöne des Meisters – eine Bildungslücke schließen. Im Zeitalter trostloser Commedy-Inflation sollte für die Akteure mehr denn je die Maxime des großen Vorsitzenden gelten: „Heut mach ich mir kein Abendbrot, heut mach ich mir Gedanken.“

Kapitulation oder nuklearer Winter

Es sieht nicht gut aus in den unterirdischen Produktionsanlagen  der Juschmasch-Werke im ukrainischen Dnipro/Dnjepropetrowsk, nachdem der riesige Miltiärindustrie-Komplex – einst von Stalin “bombensicher” zu einem der größten Rüstungsbetriebe der Sowjetunion ausgebaut – am 21. November einen Besuch von “Oreschnik” erhalten hat. In meinem ersten Kommentar dazu war davon die Rede, dass die neuartige russische Mittelstrecken-Rakete mit “Übungsmunition” ausgestattet gewesen sein soll, was aber eine Falschmeldung ist, die daher rührte, das auf den Videos der  Einschläge keine größeren Explosionen zu hören oder  zu sehen waren. Mittlerweile hat sich der Grund dafür heraus gestellt: die Rakete war nicht mit mit Explosiv-Sprengkörpern besetzt, sondern mit insgesamt 36 Stahlgeschossen, die mit einer Geschwindigkeit von 10.000 km/h einschlugen und dutzende Meter Beton durchdrungen haben. Auch wenn wir für die Herkunft des Fotos oben, das auf Telegramm kursiert,  nicht garantieren können – und wegen der totalen Nachrichtensperre der Ukraine über den Anschlag und die Folgen noch keine Bilder und Details bekannt geworden sind – würde es der Realität eines solchen Einschlags entsprechen, der nach Angaben von Bewohnern der Stadt  noch in einem Kilometer Entfernung erdbebenartige Erschütterungen ausgelöst hat. “Oreschnik” (Haselnuss) wird so genannt, weil die hyperschnell auf das Ziel fallenden separaten Sprengköpfe wie die herabhängenden Blüten eines Nussbaums aussehen, und wie Fachleute – hier Larry Johnson, oder hier Scott Ritter und Prof. Ted Postol, MIT-Raketenexperte – klar  machen, dieses neuartige System eine Waffe ist, die das Szenario des Kriegs schlagartig verändert, nicht nur in der Ukraine, sondern global. Zum einen, weil es die Zerstörungskraft einer Nuklear-Bombe hat, aber ohne Explosion, Feuersturm, radioaktive Verseuchung  und nuklearen Winter, und zum anderen, weil die Salve dieser “Haselnüsse” von keinem existierenden Luftverteidigungssystem gestoppt werden kann. Weshalb Russland für den Präzisionsschlag auf die Juschmasch-Raketenfabrik sowohl den USA eine 30-minütige Vorwarnung zukommen lassen konnte – sowie danach die Botschaft Präsident Putins, dies auch bei künftigen Einsätzen der Waffe zu tun, um “Zivilisten befreundeter Länder” nicht zu gefährden.

Noch scheint der Westen in der allerersten Kübler-Ross-Nahtod-Stufe  zu verharren, dem Leugnen und Nicht-Wahrhaben-Wollen des Sterbeprozesses: außer einem beliebigen Raketenangriff auf eine Rüstungsfabrik ist  – wenn man der hiesigen Presse folgt – nichts weiter geschehen. Bei Militärs und Strategen jedoch muss diese Botschaft tiefe Schockwellen auslösen, scheint doch “Oreschnik” in der Lage, jede militärische Institution, Einrichtung, Ansammlung in Schutt und Staub zu zerlegen. Was das bedeutet, für den aktuellen Kampf in der Ukraine und die Kriegsführung im Allgemeinen, muss man erst mal sacken lassen: es mit einem Gegner zu tun zu haben, der morgen mein Hauptquartier, meinen Seehafen, Flugplatz und jeden anderen Stützpunkt zerstören kann. Für Dienstag 26.11. hat die NATO deshalb ihren “Ukraine Rat” zu einer Sondersitzung zusammen gerufen, bei der indessen wenig herauskommen wird, weil NATOstan – außer einem Atomschlag, der zu gegenseitiger globaler Vernichtung führt – einfach nichts zu bieten hat, was diese “Haselnüsse” knacken oder abwehren kann. Niemand weiß, wie viele dieser Raketen mit ihren “experimentellen” Sprengköpfen Russland aktuell in der Hinterhand hat, Scott Ritter vermutet mindestens zwei Dutzend, die jedes Ziel in Europa erreichen können. 

Und was diskutieren die Pudel Emanuel und Keir ? Dass Frankreich und England jetzt Truppen in die Ukraine senden sollten! Ein klarer Fall von Nahdtod-Stufe eins, des Verleugnes und Nicht-Wahr-Haben-Wollen des Untergangs. Ebenso wie die fortgesetzten Angriffe mit ATACMS und StormShadows auf russisches Gebiet. Sie wollen und können es einfach noch nicht wahrhaben, dass sie militärisch Schachmatt gesetzt sind – und transformieren in Stufe zwei : Wut, zorniges Herumschlagen. Aber das hilft nicht, wenn die Niederlage feststeht. Die USA und ihre europäischenVasallen sind militärisch am Ende, ihre Proxy-Armee in der Ukraine ist nahezu aufgerieben, ebenso wie die Nachschubmöglichkeiten an Munition und Waffen, und der hypersonische Hammerschlag von “Oreschnik” zeigt,   dass sie auch technologisch unterlegen sind. Insofern stellt “Oreschnik”, was militärische Macht betrifft, einen ähnlichen Paradigmenwechsel dar wie im August 1945 die USA-Atombombe auf Hiroshima, nur mit dem Unterschied, dass sich die Russen an zivilisatorische Konventionen gehalten und für ihre Machtdemonstration nicht Hunderttausende Zivilisten ermordet haben. Und es auch nicht tun müssen: geeignete militärische Ziele in der Ukraine und ganz  Europa werden in den russischen Medien bereits rauf und runter diskutiert, einschließlich der Vorwarnzeiten,  bis Warschau braucht die “Haselnuss” 9 Minuten, bis Berlin 11, bis Paris und London 17 Minuten. 

Das war schon 2018 zu erkennen, als die neuen Waffensyssteme erstmals vorgestellt wurden und wir hier die Parole ausgaben “Don´t mess around with Ivan!”, aber die Ignoranz, Arroganz und Hybris des exzeptionalistischen Imperiums wollte es darauf ankommen lassen. Auf Trumps Kündigung des INF-Vertrags über die Begrenzung von Mittelstreckenraketen folgte nun pünktlich zu seinem zweiten Amtsantritt die Antwort: nicht-nuklear, aber von ungeheurer Zerstörungskraft. Und als eindeutige Botschaft, die nun in die Phase drei der NATO-Nahtod-Erfahrung führen wird: der Versuch des Verhandelns, des “Deals”, den der gewählte Oberdealer Trump bekanntlich “in 24 Stunden” bewerkstelligen wollte. Aber er hat nichts in der Hand, womit er drohen kann, sondern nur eine Wahl: Kapitulation oder nuklearer Winter.
Das wird schwer, doch dass der Plan gescheitert ist, Russland in der Ukraine eine strategische Niederlage beizubringen, wird auch jeden Tag offensichtlicher. Dass der von Trump nominierte Sicherheitsberater in Sachen Ukraine mit der Politik der Biden-Regierung “Hand in Hand” gehen will und sein neuer Bürochef tönt, dass man den bisherigen Support der Ukraine “wie peanuts” aussehen lassen wird, scheint indes nach mehr “Haselnüssen” geradezu zu betteln. Dass sie auch interkontinental fliegen und nuklear bestückt sein können, sollte diesen Wahnsinnigen dringend jemand flüstern.


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Erschienen am 10. Juni 2024

Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall,  Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro

 

 

 

 

 



 



 

“ATACMS” Gambit und “Oreschnik” Matt

Ob ein Munitionsarsenal sowjetischer Waffen in der russischen Region Bryansk von US-amerikanischen “Army TACtical Missile System” (ATACMS)-Raketen am 19.November getroffen wurde, ist derzeit noch unklar. Laut russischem Verteidigungsministerium wurden von den sechs Raketen fünf abgefangen und eine beschädigt, die keinen Schaden angerichtet haben soll, laut Kiew wurden nur zwei abgefangen und vier sollen ihr Ziel erreicht haben.  Zweifelsfreie Videos oder Bestätigungen, was wirklich geschah, liegen aktuell  noch nicht vor, klar ist nur, dass das Arsenal im Westen Russlands, nahe der belarussischen Grenze,  für die Militäroperation keine Rolle spielt und auch ein “Volltreffer” allenfalls symbolische PR-Wirkung hätte. Dass Putin am selben Tag die Nuklear-Doktrin Russlands änderte und es erlaubte, im Falle von Luftangriffen eines nicht-nuklearen Proxies (Ukraine) Nuklearwaffen einzusetzen, wenn dieser von einer Nuklearmacht (USA) unterstützt wird, passt dennoch ins Bild. Tatsächlich können ja die ukrainischen Truppen die ATACMS-Raketen gar nicht selbstständig programmieren, feuern und steuern, ohne Support vom Pentagon sowohl über Satellit und wie auch vor Ort geht gar nichts. Dasselbe gilt für die britischen und französischen Mittelstreckraketen, die schon seit Beginn des Konflikts im Einsatz sind.
Was veranlasst aber die Wandermumie Joe Biden  kurz vor der Einbalsamierung nun doch noch,  direkt und unverblümt amerikanische Raketen auf Russland loszulassen, was seine Regierung  zwei Jahre lang verweigert hat ? Der Schweizer Militärexperte Ralph Bussard meint dazu: 

“Der Einsatz von Kurz- und Mittelstreckenwaffen soll ein möglicherweise bereits bestehendes Agreement zwischen dem Team von Trump und der Regierung Putin torpedieren, indem Putin zu Handlungen verleitet wird, die Trump keine andere Wahl lassen, als den Krieg fortzusetzen. Für die Russen sind deshalb derzeit Angriffe auf US-Einrichtungen und -Truppen ausgeschlossen. Mit dem Einbezug von Franzosen und Briten soll sichergestellt werden, dass der Krieg auch nach Trumps Amtsantritt weitergehen kann. Biden nutzte dabei natürlich die Großmacht-Ambitionen Frankreichs und Großbritanniens. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Keir Starmer wissen aber auch, dass die russische Vergeltung Ende Januar primär sie treffen wird, sobald Trump am Ruder ist. Ich denke, Briten und Franzosen werden auf Tauchstation gehen, sobald es wirklich gefährlich wird.”

So schaut`s aus. Und “Tauchstation” scheint für die großmäuligen Briten der passende Begriff, wenn man sich vergegenwärtigt, was die russische Unterwasserdrohne “Poseidon” und der von ihr ausgelöste Tsunami mit ihrer verregneten Insel anstellen kann. Dass die Amerikaner für ihren Raketenangriff ein strategisch irrelevantes Ziel gewählt haben deutet an, dass man die Russen nicht über die Maßen provozieren will, sondern den Krieg noch irgendwie am Laufen halten will, wo die ukrainischen Truppen an der 800 Kilometer langen Front gerade überall massiv zurückgedrängt werden. Die Hoffnung, dass die Russen wütend auf eine NATO-Einrichtung außerhalb der Ukraine zurückschlagen werden – und man dann den “Bündnisfall” aufrufen, Krieg erklären und Trumps  Regierungsübernahme in USA verschieben kann – wird sich wohl  nicht erfüllen. Stattdessen setzen die russischen Truppen ihre systematische Demilitarisierung der Ukraine (und der NATO) weiter in aller Ruhe fort – und schickten laut Kiew gestern auf einen großen Industriekomplex in Dnipro ihre  “Doomsday”- Rakete RS-26, die allerdings nur mit Übungsmunition bestückt war, sonst wäre die Stadt Dnipro/Dnepropetrowsk nicht mehr da. Von russischer Seite ist der Einsatz einer neuartigen Mittelstrecken-Rakete mittlerweile bestätigt,  was  als Wink mit dem 50-Kilo-Tonnen-Zaunpfahl ja durchaus Sinn macht, um die Machtlosigkeit der westlichen Luftverteidigung gegen dieses hypersonische Monster zu demonstrieren. Die USA und Kanada haben daraufhin ihre Botschaften in Kiew vorsorglich evakuiert. Eine mit sechs steuerbaren Sprengköpfen bestückte “Oreschnik” (Haselnuss) – so nannte Putin die neue Waffe – will eben niemand aufs Dach bekommen.
Aber man kann ja weiter blubbern, dass “Putin blufft”,  weil “Russland die Raketen ausgehen” und sie schon die “Chips aus Waschmaschinen” plündern müssen, um überhaupt noch feuern zu können – solange noch ein allerletzter Ukrainer den Abzug drücken kann, muss das Narrativ mächtiges NATOstan vs. schwaches Russland nicht aufgegeben werden. Zelensky hat unterdessen “die Weltgemeinschaft” – drunter macht`s der kleine Kokskomiker nicht – aufgerufen,  den russischen Raketenabwurf zu kontern, wird aber feststellen müssen, dass da nichts geht. Außer ein paar mehr ATACMS oder Storm Shadows, die leichte Beute für die S-400 der Russen sind, haben die Kriegsherrn in Washington nichts zu bieten, was einmal mehr bestätigt: Amerika kann nur Monopoly, aber Russland kann Schach. Das ATACMS-Gambit – ein Dutzend “Bauern” (Stückpreis 3,5 Mio. $) im Feindgebiet zu opfern, um sich Vorteile zu verschaffen – ist nach hinten los gegangen; ein einziger Zug der “Haselnuss” hat gezeigt, was die Folgen sein werden, wenn die nächsten westlichen Raketen auf Ziele in Russland geschossen werden. Dazu sagte Wladimir Putin gestern: (übersetzt mit deepl.com):

Ich wiederhole: Die Erprobung der “Oreshnik”-Rakete unter Gefechtsbedingungen wird von uns als Reaktion auf die aggressiven Aktivitäten der NATO-Länder gegenüber Russland durchgeführt. Die Frage des späteren Einsatzes von Kurz- und Mittelstreckenraketen wird in Abhängigkeit von den Aktionen der USA und ihrer Satellitenstaaten behandelt werden. Die Ziele, die im Rahmen weiterer Tests unseres neuen Raketensystems zerstört werden sollen, werden auf der Grundlage ihrer Bedrohung für die Sicherheit der Russischen Föderation bestimmt. Wir halten uns für berechtigt, unsere Waffen gegen militärische Ziele derjenigen Länder einzusetzen, die ihre eigenen Waffen gegen unsere Ziele einsetzen.

Sollte es zu einer Eskalation aggressiver Aktivitäten kommen, werden wir entschlossen und reziprok reagieren. Den herrschenden Eliten jener Länder, die den Einsatz eigener Truppen gegen Russland planen, rate ich dringend, dies ernsthaft zu überdenken. Es versteht sich von selbst, dass wir, wenn nötig, als Vergeltungsmaßnahme Waffen wie die “Oreshnik” gegen Ziele in der Ukraine einsetzen und die Zivilbevölkerung sowie Bürger befreundeter Staaten anweisen werden, die Gefahrenzonen im Voraus zu verlassen. Wir werden dies aus humanitären Gründen tun. Wir werden dies öffentlich bekannt machen, ohne Angst von Gegenmaßnahmen des Gegners, der diese Informationen ebenfalls erhalten wird.

Warum ohne Angst? Weil es heute keine Mittel gibt, um solche Waffen abzuwehren. Die Raketen greifen Ziele mit einer Geschwindigkeit von Mach 10 an…(…)

Dass diese Ansage von den schwerhörigen Strategen in Washington und London wahrgenommen wird, kann man nur inständig hoffen. Russland blufft nicht. Das nächste Mal, so sollten alle bellizistischen Aktivisten jetzt wissen, wird die “Haselnuss” geladen sein. Und sie kann jedes Ziel in der Ukraine und in Europa treffen. Höchste Zeit, diese Übermacht anzuerkennen und Frieden zu machen!

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Erschienen am 10. Juni 2024

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Kriegskoalition fährt das Land an die Wand

Die Neuwahlen sollen jetzt am 23. Februar stattfinden, folgen werden dann wieder  eine Große Koalition und weitere sinnlose Milliarden für den verlorenen Ukraine-Krieg. Selbst wenn die beiden aktuellen Anti-Kriegs-Parteien AfD und BSW zusammen auf 40% der Stimmen kämen, bleibt ihnen nur die Opposition. Da die FDP wahrscheinlich unter 5%  und die Grünen auf einstelliges Niveau schrumpfen, ist Schwarz/Gelb/Grün (und noch mehr sinnlose Kriegs-Milliarden) wohl keine Option. Was die Lieferung von weitreichenden Waffen wie “Taurus” betrifft, an deren Blockade durch Olaf Scholz das Regierungsbündnis scheiterte, kann die SPD in den Koalitionsverhandlungen aber durchaus weiter auf der Bremse stehen, sodass Fritze Merz, weil er unbedingt  Kanzler werden will, am Ende klein beigeben wird. Zumal  weder “Taurus” noch andere Wunderwaffen irgendetwas an der militärischen Niederlage der Ukraine ändern können. Wenn Merz im Bundestag  rhetorisch den Dicken macht und Putin das Ultimatum setzt, den Krieg in 24 Stunden zu stoppen, weil sonst die Taurus-Raketen kommen, entspricht das ganz dem Fake-Mofa-Rocker Friedrich aus Brilon, der den “Hells Angels” mit der Ansage kommt, sie demnächst  aufzumischen. Eine Lachnummer. Lustig wäre auch, wenn jetzt statt Scholz der beliebte Pistolius ins Kanzlerrennen geschickt würde, um mit der Granate Flak-Zimmermann (FDP), den transatlantischen Dumm-Dumm-Geschossen Habeck/Hofreiter(Grüne) und dem Blackrocker Merz um den höchsten Waffeneinsatz zu pokern. Da Merzens (Ex-)Arbeitgeber Blackrock mit anderen Hegde-Fonds-Kollegen schon 40% des ukrainischen Bodens unter Kontrolle gebracht haben und gern auch auf das besonders rohstoffreiche Donbas-Gebiet zugreifen möchte – “das Lithium nicht Putin überlassen”, so Roderich Kriegsgewitter (CDU) und der olivgrüne Hofreiter – sind sie zu irrsinnigen Einsätzen bereit. Auch wenn sie nur Luschen auf der Hand haben.

Und auch ein anderer “Kriegsende in 24 Stunden”-Experte, Donald Trump, wird mit seiner Ansage nur erfolgreich sein können, wenn er einen “Deal” akzeptiert,  der die russischen Forderungen erfüllt, denn er hat (außer gegenseitiger nuklearer Vernichtung) nichts in der Hand, mit dem er Russland drohen könnte. Schon gar nicht  mit den 50.000 in Europa stationierten US-Truppen, wie es die “Washington Post” erfunden hat, die die Nachricht eines Telefonats zwischen Trump und Putin verbreitete, das nie stattfand. Was zeigt, das die Sabotage des gewählten Präsidenten schon begonnen hat, denn warum sonst schwingt sich ein CIA-Sprachrohr wie die WaPo zu solchen FakeNews auf, außer um Chaos zu stiften. Dass von den US-Truppen höchstens 20 Prozent front-tauglich sind, fügt das Blatt freilich nicht hinzu, genauso wenig  wie die Tatsache, dass die kampffähigen 10.000 US-Soldaten bei der aktuell gemeldeten KIA/WIA (Killed/Wounded in Action)- Rate an der Donbas-Front – vorgestern 2475 –  nicht einmal fünf Tage durchhalten würden. Und  50.000 Mann, die NATOstan noch hinterherschickt (wenn sie denn da wären), keinen Monat.  Auch wenn der Chef des NATO-Militärausschusses, Admiral Rob Bauer, tönt: „Ich bin mir absolut sicher, wenn die Russen keine Atomwaffen hätten, wären wir in der Ukraine und hätten sie rausgeschmissen.” 

Klar, und wenn der Papst nicht katholisch wäre….absolut sicher scheint nur: wer mit ahnungslosen Knallchargen in der Chefetage Krieg führt, die nach zwei  Jahren erstaunt feststellen: “Es gibt einen großen Unterschied zwischen Afghanistan und Russland ” , kann nur verlieren. Wie es die NATOstan-Helden zuletzt in Afghanistan demonstriert haben. Da Trump die zu 75% von den USA finanzierte Schlägertruppe ohnehin zu teuer ist und sein neuer Effizienzminister Elon Musk bei einer NATO-Kosten-Nutzen Rechnung nur tiefes Rot sehen wird, wäre der Zeitpunkt ideal, den ineffizienten Laden umzubauen oder ganz loszuwerden. Insofern geht in der Brüsseler NATO-Zentrale die Angst um, das Trump dem unrentablen Ukraine-Abenetuer den Stecker zieht. Spitzenvasall Deutschland, zweitgrößter Finanzier des Desasters, segelt jetzt schon nah an der Pleite und wenn Merz im März noch ein paar Schuldenmilliarden drauflegt, verschärft das die Schieflage nur weiter. Für den Rest der EU sieht es kaum besser aus,  realitätsfremde Kriesgtreiber blasen allenthalten die hohlen Backen auf und niemand scheint bemerkt zu haben, dass das Ziel des US-Imperiums nicht ein militärischer Sieg über Russland ist, sondern die Revasallisierung Europas: 
“Das wahre Ziel bestand nicht darin, Russland vollständig zu besiegen, sondern die Fähigkeit Europas zu verringern, Kapital unabhängig von New York und London anzuhäufen. Ist das nicht der wahre Preis dieses Krieges – eines Krieges, in dem Europa, einst ein Kontinent, der auf dem Weg zur wirtschaftlichen Autonomie war, unwiderruflich wieder in den Einflussbereich der USA gerissen und die Ukraine in einen gescheiterten Staat verwandelt wurde? Letztendlich muss nicht die Frage gestellt werden, ob die USA beabsichtigten, Russland militärisch zu besiegen, sondern vielmehr: Inwieweit wurde die Zerstörung der Ukraine zugelassen – vielleicht sogar gefördert – im Dienste einer viel größeren, weitaus unheilvolleren Strategie, die darauf abzielt, das europäische Kräfteverhältnis zugunsten Washingtons neu zu gestalten? Die Antwort ist klar, wie die anhaltende Tragödie der Ukraine bezeugt.” (

Lasst uns den Raum wieder öffnen für Debatten um die richtigen Lösungen, die so groß sind wie die Herausforderungen unserer Zeit. Der Moment ist jetzt.”

Okay, dann verraten wir jetzt die richtigen Lösungen, die beim Wahlvolk absolut mehrheitsfähig sind:

1) Wir stellen die Waffenlieferungen ein, die den verlorenen Krieg sinnlos verlängern und arbeiten mit den Russen an einer friedlichen Teilung der Ukraine, wie Deutschland es nach dem verlorenen 2. Weltkrieg demonstriert hat.
2)  Mit Sanktionen “Russland ruinieren” (A.Baerbock) ist nach hinten losgegangen, wir lassen diesen ruinösen Quatsch.
3) Wir bitten Russland,  “Nordstream 1” wieder einzuschalten.

So könnte aus dem kleinen Robert  doch noch ein großer Kanzler werden könnte, oder  aus Olaf Scholz, der diese Woche mit Putin telefoniert hat. Aber dabei nur die üblichen NATO-Textbausteine wiederholt hat. So wird das nichts mit “Vermittlung” und “Verhandlung”, die schwachköpfige Kriegskoalition fährt das Land an die Wand. Für sinnvolle, weiterführende  Gespräche gilt: Niederlage anerkennen,  Telefon nur mit weißer Fahne! 

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Erschienen am 10. Juni 2024

Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall,  Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

 

3. JT 110: RETURN OF THE DONALD

Die Ampel hat fertig. Bundeskanzler Scholz hat seinen Finanzminister entlassen und will die Vertrauensfrage stellen – aber erst im Januar. Ein Crash, der sich lange abgezeichnet hat und jetzt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt geschieht. Denn in den USA übernimmt Donald Trump wieder das Weiße Haus und treibt damit europäischen Politikern die Angstperlen auf die Stirn. Dabei übersehen sie, dass die Zukunftsmusik der Weltpolitik ganz woanders spielt – nämlich beim BRICS-Gipfel in Kasan. Über all das und mehr sprechen Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Broeckers in der 110.Ausgabe “Das 3. Jahrtausend”

Return of The Donald

Vor acht Jahren, als “König Donald” gerade zum ersten Mal die Präsidentschaftswahl gewonnen hatte, erschien hier auf dem Blog und bei Telepolis eine weitere Folge der “Real Game of Thrones”-Serie – The Yankee-Cowcoy-War (2)– weil sich die trumpophobische Schockstarre in Mainstreammedien und Politik gerade wiederholt, hier ein Repost.

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(20.11.2016) Nach der plötzlich eingetretenen Schockstarre, in die der Wahlsieg Trumps  Mainstreammedien und Politik hierzulande versetzt hat, und dem darauf folgende Kater, der in paranoischen Schüben und geradezu apokalyptische Kopfschmerzen mündete, zeitigt die allgemeine Trumpophobie mittlerweile Symptome von  Hirnerweichung. Zumindest die Kanzlerin kann nicht mehr ganz richtig im Kopfe sein, wenn sie zum Abschied von Häuptling Big Ear in Berlin verkündet: “Deutschland hat von den USA viel Hilfe bekommen. Jetzt ist Deutschland in der Lage, die Ordnung der Welt aufrecht zu erhalten.”

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Mit  “Wir schaffen das”  als  globalem  Exportartikel ? Mit Mutti und Flinten-Uschi im frei werdenden Büro des Weltsheriffs ? Gegen Dirty Donald, der schneller twittert als sein Schatten? Falls ihr so was vorschwebt ist unsere Kanzlerin wirklich irre geworden. *( Update) Aber damit keineswegs allein. Auch in der “Frankfurter Allgemeinen”  liegen die Nerven blank, vorallem bei den Fanboys des globalistischen Monopolys: “Es macht eben einen Unterschied, ob jemand Vereinvorsitzender von Attac oder amerikanischer Präsident wird. Künftig regiert die Occupy-Bewegung im Weißen Haus, um gegen Neoliberalismus und globalen Kapitalismus Front zu machen, dessen Zentrum paradoxerweise das postmaoistische China sein soll.”

Es mag noch dauern bis die FAZ  und ihr “Ressortleiter Wirtschaft”, Rainer Hank,  aus ihrem neoliberalistischen Wolkenkuckucksheim aufwachen, wo sie sich von Attac und Occupy derart verfolgt fühlen, dass sie Donald Trump, ein Mitglied der 0,01 % Elite, als deren Vorsitzenden halluzinieren und zum Großfeind erklären. In einem  Milliardär und Ziehsohn des Juristen Roy Cohn, der mit Joe McCarthy Kommunisten jagte bevor er den jungen Trump in die Welt der Politik, der Immobilien, Casinos und der “ehrenwerten Gesellschaft” einführte, einen Frontkämpfer gegen den globalen Kapitalismus zu sehen – derart krasse Wahrnehmungsverzerrungen sind mit Alkohol oder herkömmlichen Drogen eigentlich nicht zu erklären.

Trump ist so wenig Anti-Kapitalist wie robin-hood-artiger Rächer der Enterbten. Selbst wenn er wie angekündigt die Bankentrennung wieder einführt, zieht er nur ein paar absolut notwendige Leitplanken wieder ein. Er ist auch kein Anti-Militarist und Peacenik, der es erforderlich machen würde, dass Frau Merkel als Führerin der freien Welt die Ordnung derselben retten müßte. Und wenn Trump das Chaos der Kriege stoppt, mit dem die “Yankees” in den vergangenen 15 Jahren mindestens 1,5 Millionen Menschen getötet und 6 Billionen Dollar dafür ausgegeben haben – “damit hätten wir unser Land zwei mal wiederaufbauen können”, sagte Trump in “60 Minutes” – dann kann jeder nur halbwegs vernünftige Mensch den “Cowboys” nur die Daumen drücken.

Trump ist auch kein Libertärer, der das Geldsystem und die FED reformieren wird, auch wenn er im Wahlkampf ein paar Spitzen in diese Richtung losgelassen hat. Und schon gar nicht wird er eine Neuuntersuchung von 9/11 angehen, wie es in einigen Fake-Meldungen behauptet wird, denn das würde nicht nur die “Yankees”, sondern das gesamte kriminelle Königreich des Tiefenstaats erschüttern. Dass die Börsen auf die überraschende Niederlage Clintons nur einmal  kurz nach unten zuckten um dann sofort auf neue Höchststände zu klettern, zeigte denn auch schon deutlich, wie wenig die Finanzeliten von Trump zu befürchten haben. Er stammt aus einem anderen Club, aber aus derselben Liga…

Dass die Wahl dennoch solche Erschütterungen hervorruft hat wohl auch damit zu tun, dass das Team der “Yankees”, Serienmeister beim Rennen ums Weisse Haus, zu siegessicher war: seit 25 Jahren hatten sie mit den Bushs, den Clintons und zuletzt Obama stets beide Flügel des Einparteiensystems  und fast alle Medien unter Kontrolle. Die von Bush sen. ausgerufene “Neue Weltordnung” verbunden mit militärischer “Full Spectrum Dominance” und gleichzeitiger Deregulierung der (Finanz-)Märkte wurde mal unter demokratischem mal unter republikanischem Parteifähnchen vorangetrieben. “Rechts” und “Links” unterschieden sich  in Fragen der Kultur, des Stils und der political correctness, aber nicht in der Wirtschafts,- oder Außenpolitik. Auf diesen Feldern haben die “Cowboys angegriffen und gewonnen: mit Argumenten gegen den neoliberalistischen Globalismus und gegenden  interventionistischen Militarismus. An der Überlegenheit des US-Militärs aber wird das Team Trump genausowenig rütteln wie am Kapitalismus.

Dass Trump 1987 mit “Resorts International” einen Casino-Konzern mit engen Mafia Verbindnungen übernommen hatte, der einst von dem CIA-Strohmann James Crosby zusammen mit dem legendären Mobster-CEO Meyer-Lansky als Geldwaschanlage auf den Bahamas gegründet worden war, hatten wir hier schon angemerkt. Später auf diesen Hintergrund angesprochen beteuerte Trump, davon  nichts gewußt zu haben, er hätte die Aktien von den Erben der Familie Somoza übernommen. Der nicaraguanische Diktator Anastasio Somoza hatte  – wie Howard Hughes und der Schah von Persien – zu den Klienten von James Crosby’s Sicherheitsfirma “Intertel” gehört. Dass Trump aber den suspekten Casinokonzern völlig blauäugig übernahm und  aus diesem lange zurückliegenden Deal keineswegs auf dauerhafte Verbindungen des künftigen Präsidenten zur organisierten Kriminalität geschlossen werden kann – diese Legende darf getrost als  frommer Wunsch bezeichnet werden.
Trump Mansion Sold to “Mobsters Sans Frontières”  überschrieb der Investigativ-Reporter Daniel Hopsicker 2008 seine Recherche über den russischen “Düngemittel-Milliardär” Dmitry Rybolovlev, dem Trump ein Anwesen in Palm Beach für 100 Mio. $ verkauft hatte – und fragte sich, wie man den Bullshit glauben kann, dass jemand mit Pferdeshit in Kürze Milliardär werden kann.  Mehr über  Donald und die Mafiosi ohne Grenzen in Florida  hier und hier. Dass im August der Chefmanager der Trump-Kampagne, Paul Manafort, zurücktrat, weil er 12,7 Millionen von dem russischen Oligarchen und Mafia-Don Oleg Deripaska kassiert haben soll, passt in dieses Bild. Dass der “Sumpf”  in Washington jetzt “ausgetrocknet” wird, wie Trump es stets angekündigt hat, sollte also niemand erwarten, er wird nur durch einen anderen Sumpf ersetzt.

(to be continued)

 Hier Teil 1 und Teil 2

UPDATE: So wie das ZDF es auf  seinem Twitterkanal kolportierte, hat Merkel das nicht gesagt. Wörtlich sagte sie, Deutschland sei nach der Wiedervereinigung “noch stärker in der Lage, seinen Beitrag zu leisten, um die Ordnung, die wir lieben, für die sich auch die Menschen in der DDR eingesetzt haben, weltweit aufrecht zu erhalten, oder zumindest in unseren Ländern aufrecht zu erhalten.” Reicht ja auch vollkommen…

VOTE FOR YOUR NEXT WARLORD!

Nachdem der Orwell-Neusprech-Oscar in diesem Jahr an den “Börsenverein des deutschen Buchhandels” ging, der seinen “Friedenspreis” an eine ausgewiesene Kriegstreiberin – die US-Journalistin Anne Applebaum – verliehen hat, die Deutschland auffordert “Nie wieder Krieg!”  zu vergessen und auf dem Schlachtfeld der Ukraine “zum Sieg zu verhelfen”, hat sie jetzt eine weitere Propaganda-Granate ihrer “Krieg ist Frieden”-Rhetorik gezündet.
Um Trump zu verhindern, der den Krieg möglicherweise beenden könnte, sind die Medien in USA jetzt im “Diktator/Ende der Demokratie/Trump = Hitler”-Overdrive, das “Anti-Donald-Syndrom” (ADS), vor dessen epidemischem Ausmass wir schon im Februar 2017 warnten, feiert pandemische Urstände: Bloomberg zählte im Oktober  5500 Trump-Hitler-Storys in einer Woche.
Und für Madame Applebaum ist ein Adolf noch nicht genug, um Donald als Inkarnation des Bösen zu porträtieren, da muss schon eine Dreifaltigkeit her: “Trump Is Speaking Like Hitler, Stalin, and Mussolini”
Klar doch, auch Mao, Franco, Fidel Castro sowie Iwan der Schreckliche schimmern in Trumps Diktatoren-Rhetorik eindeutig durch, wovon sich in 8 Tagen schon  44 Millionen Zuschauer  überzeugen konnten, die sein 3-stündiges Gespräch mit Joe Rogan anschauten. Wie Trump da alle Register der Stalinorgel zog und loshitlerte wie der Duce in seinen besten Tagen – d.h. heißt eigentlich nur ziemlich  cool, calm und collected vom Hölzchen aufs Stöckchen loslaberte –  war durchaus beeindruckend, sodass sich  kurz vor dem Wahltag oder bis zur Inauguration am 20. Januar wohl  kein “Hitler”-Attentäter mehr finden wird, der besser zielt als der letzte. Und die “Demokratie” vor dem Tyrannen Trump  rettet.

Auch wenn wir aus Wahlkämpfen im us-amerikanischen “Ein-Parteien-System mit zwei rechten Flügeln” (G.Vidal) viel gewohnt sind, ist “Kindergarten” für das prä-infantile Niveau dieser aktuellen “Debatte” noch zu hoch gegriffen. Weil The Donald eindeutig der bessere Clown ist, sagt mein Bauchgefühl, dass er mit deutlichem Abstand gewinnen wird. Falls es Dienstag Nacht dann so knapp wird, wie die meisten Umfragen voraussagen – die, wir erinnern uns, in Sachen Trump schon einmal (2016) total daneben lagen – wenn am Ende nur einige Tausend Stimmen aus einem der “Swing-States” entscheiden, dann ist sicher ein längerer Streit um Betrug, Hacking und  falsche Wahlberechtigungen zu erwarten. Sowie eine Klage gegen den Sieger Trump wegen Artikel 14, Sektion 3 der Verfassung, nach der ein öffentliches Amt niemand innehaben darf, der sich an “Aufstand oder Rebellion” beteiligt hat – etwa bei dem Fake-“Sturm aufs Kapitol” , für den FBI  und Sicherheitspersonal im Januar 2021 den Demonstranten Türen und Tore geöffnet hatten, der aber nach wie vor Trump/Hitler als Anstiftung zum Reichstagsbrand zur Last gelegt wird. Sowie, man fasst es kaum – aber Mainstream-Kloaken wie MSNBC können sich immer noch unterbieten und wo Hitler/Stalin/Mussolini vom Applebaum fallen, darf der Ultraböse natürlich nicht fehlen –  kochen dann die Freundinnen unserer Friedensgranate Rachel Meadows und Victoria Nuland letzte Woche den uralten Mega-Hoax “Russiagate” noch einmal auf und warnen die Nation vor russischer Desinformation: auch wenn “Trump” draufsteht ist “Putin” drin. Würde sich “König Donald” – wir empfehlen dazu hier auf dem Blog die  Real Game of Thrones_Serie seiner ersten Präsidentschaftswahl – tatsächlich zum Diktator aufschwingen, scheinen für Rachel und “Fuck EU”-Vicky wegen permanentem Hetzen und Lügen im Amt ein paar Jährchen Kerker durchaus angemessen, zusammen mit der Hexe Hillary, die einst den ganzen faulen Russenzauber in Welt gesetzt hatte, um Donald zu besiegen. Spaß beiseite dürften sich, wenn er gewinnt,   nicht wenige in der Washingtoner Blase durchaus persönliche Sorgen machen, für ihre illegalen Anti-Trump-Machenschaften vor Gericht zu landen.

Weil keiner der beiden Kandidaten qualifiziert ist, “verdienen beide zu verlieren”,  sagt Jeffrey Sachs, sieht aber dennoch einen Hoffungsschimmer am Horizont:

“Ich bin nicht ohne Hoffnung, und zwar aus einem ganz anderen Grund: Unsere Politik wird nicht von amerikanischen Präsidenten bestimmt. Unsere Politik wird durch den Apparat des Sicherheitsstaates bestimmt. Und das, was im Moment passiert, ist nicht in Amerikas Sicherheitsinteresse und deshalb könnten sie ihre Meinung ändern.
Präsident Putin sagte etwas sehr Interessantes in einem Interview im Jahr 2017, ich glaube im Figaro. Zu der Zeit hatte er drei Präsidenten als seine Amtskollegen, Bush, Obama und Trump, und er sagte zu diesem französischen Reporter im Jahr 2017: 
„Wissen Sie, ich habe mit drei amerikanischen Präsidenten zu tun gehabt. Sie kommen mit Ideen ins Amt, aber dann kommen Männer in dunklen Anzügen und blauen Krawatten und sagen ihnen, wie die Realität aussieht, und man hört nie wieder etwas von diesen Ideen.“
Und das von einem sehr hartgesottenen Führer, der selbst beim KGB war, er versteht sehr gut, wie das amerikanische System funktioniert. Er weiß, was die CIA für die amerikanische Außenpolitik bedeutet. Er weiß, dass die amerikanische Außenpolitik sehr tief verwurzelt ist.”

Spätestens seit JFK  ist bekannt, wie gefährlich es ist, an diese Wurzeln heranzugehen, um das Unkraut der permanenten Kriege zu beseitigen. Schon vor seiner ersten Amtszeit hatte Trump angekündigt, alle noch zurückgehaltenen Akten zum Kennedy-Attentat freizugeben, es dann aber gelassen weil ihm, so sagt er im Joe Rogan -Talk, “gute Leute” davon abgeraten hätten. Wie er mit den Ratschlägen von diesen “dunklen Anzügen und blauen Krawatten” dieses Mal umgeht, wird interessant. Nach ihrem letzten Besuch blieb von seiner großspurigen Ankündigung, den “Sumpf auszutrocknen”, nichts übrig, stattdessen musste er wuchernde Sumpfgewächse wie den Hardcore-Bellizisten John Bolton und andere Neocons in sein Team aufnehmen. Wenn er für seine zweite Amtszeit  riskiert, die Ratschläge der “guten Leute” zu ignorieren, könnte es etwas werden, anders als Jeffrey Sachs habe ich da allerdings wenig Hoffnungen. Auch wenn die Männer in dunklen Anzügen ihre aktuellen Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten verlieren, können sie nicht davon lassen: permanenter Krieg ist ihr Geschäftsmodell.  Weshalb Jill Stein und die “Greens”, die anders als die degenerierten deutschen Grünen noch für Friedenspolitik stehen, eine Kleinstpartei bleiben und das Wahlvolk keine Wahl hat. Außer dem nächsten “Hitler” oder “Stalin” oder wie es dieser Wahlaufruf in Detroit auf den Punkt bringt: VOTE FOR YOUR NEXT WARLORD!


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Erschienen am 10. Juni 2024

Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall,  Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro

 

 

 

 

 

 

 

 

“Die Russen werden diesen Krieg gewinnen”

Jalta 2025

Die Ukrainer an der Front sind nicht zu beneiden: vor sich eine vielfach überlegene russische Armee und hinter sich die NATO-„Partner“, die sie auf die Schlachtbank treiben, gestern waren es laut russischem Verteidigungsministerium 2530 Tote und Verletzte. So viele, dass der ukrainischen Armee schon die Tragen und die BodyBags ausgegangen sein sollen. Das ehemalige Nachrichtenmagazin „Spiegel“ gerüchtet unterdessen von mehr als 600.000 toten russischen Soldaten, weshalb nunmehr schon Nordkoreaner zum Einsatz kommen müssten – und peitscht mit solchen Propagandalügen über ein schwaches Russland im Chor mit den westlichen Medien die armen Ukrainer gnadenlos weiter in den Bombenhagel an der zusammengebrochenen Front. Wohl wissend, dass die „firepower“ des Gegners 5-10-mal so hoch ist und Nachschub an Granaten und Raketen um diese Unterlegenheit auszugleichen nicht mehr lieferbar.

Doch  an der generellen, langfristigen Strategie, Russland durch einen anhaltenden, langwierigen Krieg zu schwächen, hat das offenbar nichts geändert. Auch wenn die ukrainischen Truppen auf ganzer Linie unterlegen sind,  tröten die transatlantischen Trompeten weiter zum Sieg auf dem Schlachtfeld und für die Umsetzung des schwachsinnigen “Siegesplans”, mit dem Zelensky hausieren geht. Einen Plan B für den Fall der militärischen Niederlage scheint es genauso wenig zu geben wie ein Narrativ, mit dem die USA und ihre NATO-Vasallen aus dem Desaster, das sie in der Ukraine angerichtet haben, noch irgendwie gesichtswahrend  herauskommen. Wird Donald Trump nächste Woche zum zweiten Mal gewählt – was sehr wahrscheinlich ist, das im letzten Post verlinkte 3-Stunden-Gespräch mit Joe Rogan  hat nach drei Tagen 38 Millionen Views  – und lässt wie angekündigt die Unterstützung für den Krieg auslaufen, könnten Neocons und Demokraten die Schande auf ihn abladen, wie auch  Richard hier im Forum schon vermutet hat:

“Trump hat einen “Friedensplan” ausgearbeitet, den die CIA vermutlich schon länger in der Schublade liegen hat. Dieser Plan sieht im Grunde vor die EUropäer noch tiefer in den Konflikt zu verwickeln, indem dort europäische “Friedenstruppen” stationiert werden, die dann für Ordnung sorgen sollen. Er will maßgeblich US-Truppen aus der Ukraine raushalten. Er sagt wörtlich er wolle die Europäer dafür “bezahlen lassen”, für den Krieg, den die USA angefangen haben.”

Blöd wie sie leider nun mal sind, bezahlen die  Europäer, Deutschland voran,  ja schon jetzt Phantastillarden für diesen sinnlosen Krieg und würden es wahrscheinlich auch weiter tun, aber die Russen werden sich auf so einen Deal nicht einlassen, weil sie nicht so dumm sind wie sie vom Westen gehalten werden. Sie werden ihre Konditionen diktieren, die noch immer dieselben sind –  De-Nazifizierung, De-Militariserung, keine NATO – und sich nicht auf einen langen Guerillakrieg in der Rest-Ukraine einlassen, wie sich das die anglo-amerikanischen Kriegsherren wünschen. Auch ein bis an die Zähne bewaffnetes “Groß-Israel”, wie der kleine Kokskönig in Kiew im April 2022 halluzinierte, wird aus der Ukraine nicht werden  (Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 13), eher wahrscheinlich ist das hier schon erwähnte  Schutzgebiet  für  nazi-affine Bandera-Jünger und fundamentalistische Ukrainisten irgendwo an der polnischen Grenze –  “ein Reservat für Unverbesserliche in dem gilt: folkloristische Fackelmärsche zum Führergeburtstag nur noch unbewaffnet, ohne Hassreden und unter Polizeiaufsicht!” Mit dieser Brut will Russland nichts zu tun haben und wird deren Re-Education gerne den Polen oder der EU überlassen.

Der Anthropologe und Historiker Emanuel Todd, der 1976 in einem Buch den Niedergang der Sowjetunion termingenau prognostizierte und 2002 in seinem “Nachruf auf die USA” den der Vereinigten Staaten, hat jetzt eine weiteres Werk vorgelegt: “Der Westen im Niedergang – Ökonomie, Religion und Kultur im freien Fall”, das dieser Tage im Westend Verlag erschienen ist. Die NZZ hat ihn dazu interviewt, hier ein Ausschnitt – und die Empfehlung, zuerst das Interview in Gänze und dann das hervorragende Buch lesen.

«Die Russen werden diesen Krieg gewinnen. Und im Westen stellt man sich blind und redet über den Frieden»

Herr Todd, vor kurzem hat der ukrainische Präsident Wolodimir Selenski einen Siegesplan vorgestellt. Was halten Sie davon?

Nichts. Der Name allein evoziert bereits die Orwellsche Methode, die Realität komplett umzudeuten. Denn die russische Armee ist auf dem Vormarsch. Man fragt sich also, wie viele Monate das Regime in Kiew sich noch halten kann. Die Russen werden diesen Krieg gewinnen. Und im Westen stellt man sich blind und redet über den Frieden.

Was macht Sie so sicher, dass die Russen siegen werden?

Die europäischen Politiker und Denker sind nicht mehr in der Lage, einen Krieg zu führen. Und wenn sie mit einem richtigen Krieg konfrontiert werden, beginnen sie sofort und ohne nachzudenken, jenen anzuklagen, der den Krieg begonnen hat, in der Annahme, dass derjenige, der den Krieg begonnen hat, auch zwingend der Schuldige ist.

Es gibt einen breiten Konsens darüber, wer in diesem Krieg der Aggressor ist. Sie scheinen zu glauben, Putin sei das Opfer?

Putin führt einen defensiven Angriffskrieg. Natürlich missbillige ich den Krieg. Nur waren es hier die Amerikaner, die sich der ukrainischen Armee angenommen haben. Die Ukraine wurde de facto in die Nato integriert. Ich bin Historiker, ich versuche einfach zu verstehen, was passiert ist.
(…)

Sie sind nicht nur Historiker, Sie scheinen sich auch in der Zukunft auszukennen. 1976 sagten Sie das Ende der Sowjetunion voraus, jetzt prognostizieren Sie in Ihrem neuen Buch mit dem Sieg Russlands zugleich den Untergang des Westens. Die Rolle einer Kassandra scheint Ihnen zu gefallen?

Ja, ich schaue in die Zukunft. In meinen Methoden aber bin ich Konformist. Ich betrachte die Geschichte in der langen Dauer, ich interessiere mich für die ökonomischen Kräfte, für Religion und Bildung. Das ist produktiv, um die Gegenwart zu verstehen und ein winziges Stück der Zukunft zu erkennen. Als Historiker muss ich diesen Krieg betrachten, wie ich die Kriege Cäsars studiere. Es geht mir nicht in erster Linie um das moralische Urteil. Und wenn Sie mir nun sagen, ich sei zu sehr Futurologe, dann kann ich nur sagen: Ich will wissen, was jetzt passieren wird.

Sagen Sie es mir.

Die Ukrainer haben verloren, die Amerikaner haben verloren. Aber wie werden die Amerikaner und die Europäer ihre Niederlage akzeptieren?

Was ist Ihre Prognose?

Nie werden die Russen weitergehende Kriegsziele anstreben, weil sie weder die Mittel haben noch die Lust oder das Interesse. Und das ist dann der Frieden. Oder der Westen wird den Krieg fortsetzen, indem man Raketen mit grosser Reichweite nach Russland schiesst und eine nukleare Eskalation riskiert.

In Ihrem Buch zählen Sie die drei Kriegsziele der Russen auf, als hätten Sie eine direkte Verbindung in den Kreml.

Diese Ziele lassen sich herleiten aus den Sicherheitsbedürfnissen der Russen: Besetzung des östlichen Dnjepr-Ufers, Besetzung der Oblast Odessa zur Sicherung der Häfen am Schwarzen Meer und eine Russland-freundliche Regierung in Kiew.

Das wäre allerdings gleichbedeutend mit der totalen Unterwerfung der Ukraine.

Richtig, das ist die Zerstörung der Ukraine. Das zeigt, dass ich ein ehrlicher und ernsthafter Forscher bin. Ich werde beschuldigt, russophil zu sein, ich sei ein Putin-Versteher, heisst es. Wenn Sie einen Scherz in Ihrem Interview unterbringen möchten, dann können Sie schreiben, es sei endlich offenkundig, dass ich kein Agent des Kremls sei, aber dass ich Putin Ratschläge erteile.
(…)


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Erschienen am 10. Juni 2024

Mathias Bröckers: Inspiration – Konspiration – Evolution. Gesammelte Berichte aus dem Überall,  Fifty-Fifty (Juni 2024), 464 Seiten, 30 Euro