Die am 7. März veröffentlichte Warnung der US-Botschaft in Moskau, größere Versammlungen und Konzerthallen zu meiden, weil möglicherweise ein Terroranschlag droht, bezog sich auf die kommenden 48 Stunden, also den 8. und 9. März, den Frauentag – einen offiziellen Feiertag in Russland – und das Konzert des patriotischen Rockstars Shaman in der “Crocus-City”-Halle. Bei dessen Megahit “Ya Russkyi” (Ich bin Russe), den tausende Teenies im ganzen Saal mitsingen, die Halle mit Sturmgewehren und Brandsätzen zu stürmen, wie es die Terror-Dramaturgen möglicherweise geplant hatten – als grandioser Plot vor der Wahl am 27.3. – konnte aber nicht stattfinden. Die Halle war an diesem Tag mit erhöhtem Sicherheits-Maßnahmen geschützt, weshalb die schon in Moskau befindlichen Terroristen ihren Anschlag verschieben mussten. Es ist also nicht so, dass Russland selbst schuld ist, weil es auf die freundlichen Warnungen der USA nicht gehört hätte. Eine zeitlich derart konkrete Terrorwarnung wird nur herausgegeben – so Larry Johnson, Ex-CIA und State-Department mit 35 Jahren Counter-Terrorism-Erfahrung- wenn es sehr konkrete, glaubhafte Quellen dafür gibt:
Wenn also der Anschlag nicht stattfindet, muss man zu den Analysten zurückgehen und fragen: WTF!!! Wenn die Analysten gesagt hätten: “Oh, warte, die Russen haben am 8. März die Sicherheitsvorkehrungen an der Krokus-Halle erhöht und den Anschlag vereitelt”, dann hätte die nächste Frage lauten müssen: “Glaubst du immer noch, dass es einen weiteren Anschlag geben wird?” Die Analysten hätten ja, nein oder vielleicht sagen können.Wenn Sie also glauben, dass die Geheimdienstinformationen glaubwürdig sind, dann hätte die US-Regierung eine weitere Warnung herausgeben müssen, große Versammlungen, wie z. B. Konzertsäle, weiterhin zu meiden. Die US-Regierung hat das nicht getan. Nein. Die US-Regierung behauptet: “Wir haben die Russen gewarnt und sie haben nicht gehandelt. Für mich sieht das nach einer Psycho-Operation aus, mit der Putin als herzloser Schläger dargestellt werden soll, der unsere Geheimdienstinformationen ignoriert hat. Das ist genau die Linie, mit der die Geheimdienstler Sy Hersh in seinem jüngsten Artikel konfrontieren:
“Die Amerikaner haben ihren Job gemacht, aber der russische Geheimdienst, der auf seinen Chef hörte, hat es nicht getan. Präsident Wladimir Putin bezeichnete die Warnung drei Tage vor dem Anschlag öffentlich als “provokative Äußerungen”, und die russischen Sicherheitsdienste ignorierten sie. Nach Ansicht amerikanischer Geheimdienstexperten tragen sie die Verantwortung dafür, dass sie nicht getan haben, was zum Schutz der Konzertbesucher notwendig war.”
Die “amerikanischen Geheimdienstexperten” geben das, was öffentlich bekannt gegeben wurde, falsch wieder. Es hieß nicht: “Ab heute, dem 7. März, beabsichtigen Extremisten, große Versammlungen, einschließlich Konzerte, anzugreifen; daher sollten amerikanische Bürger diese Orte bis auf weiteres meiden.” NOPE! Nur für 48 Stunden. Das ist ein sehr gefährliches Spiel, das hier gespielt wird. (übersetzt mit DeepL.com)
Laut Angaben der russischen Ermittler liegen mittlerweile “substantielle Beweise” vor, dass den Attentätern zur Finanzierung des Anschlags größere Geldmengen aus der Ukraine in Form von Kryptowährungen zugeflossen seien. In diesem Zusammenhang wurde eine weitere nicht identifizierte Person verhaftet. Dass die Russen die Ukraine, USA und UK als Auftrags,-und Geldgeber der angeblichen “ISIS-K”-Terroristen verdächtigen, liegt aber wohl nicht nur an dieser Spur. Im Dezember hatte US-Generalstabschef Milley zu Terrorattacken ausdrücklich animiert, Victoria Nuland Ende Januar in Kiew “böse Überraschungen” versprochen und noch Ende Februar betont, dass für diese “asymmetrische Kriegsführung” jetzt auch Geld fließen würde.
Wenn militärisch nichts mehr zu machen ist, bleibt nur noch Terror. Denn: “Wir können es uns nicht leisten, dass Russland diesen Krieg gewinnt. Sonst werden die Interessen der USA und Europas geschädigt.” Sagt der ungewählte EU-Außenminister Borrell. Auch nachdem schon ein halbe Million Ukrainer für diese “Interessen” ihre Leben gelassen haben, will er das Schlachtfest fortsetzen
If you had any doubt about the motive behind the US proxy war with Russia just listen to this senior EU official: It’s not about Ukraine. It’s about US and EU interests. Ukrainians are being sacrificed to prevent a multipolar order from ending US hegemony. pic.twitter.com/XwWZ8mTu8n
— Kim Dotcom (@KimDotcom) March 26, 2024
Die westlichen Eliten können und wollen nicht einsehen, dass sie den Krieg verloren haben, sie haben keinen Plan B außer ihn fortzusetzen. Sie wollen aus einer “Position der Stärke” verhandeln, die aber nicht erreichbar ist, sondern im Gegenteil mit jedem Tag in weitere Ferne rückt. Sie haben acht Jahre lang in Minsk jede friedliche Einigung blockiert, sie haben im April 2022 die in Istanbul verhandelten Friedensvereinbarungen sabotiert, sie haben die ukrainischen Armee zur größten Landstreitmacht Europas aufgerüstet, gegen Russland gehetzt und nahezu aufgerieben, und machen sich jetzt wie Frankreich die Illusion, dass ein paar NATO-Brigaden an der Front die Russen nun aber wirklich aus der Krim und dem Donbas vertreiben könnten. Da bis dato nur die baltischen Giftzwerge bei Macrons Napoleon-Reenactment mitmachen wollen, bleibt es wohl (und hoffentlich) bei heißer Luft, die anderen NATO-Länder üben sich in Zurückhaltung und scheinen Putins Ankündigung ernst zu nehmen, das jeder Flughafen, von dem westliche Kampfjets starten, zum legitimen Kriegsziel wird.
Sollte mit der Terror-Offensive eine diplomatische Offensive sabotiert werden, fragt Ralph Bosshard, der bei der OSZE eine neue diplomatische Verhandlungsbereitschaft der Russen ausgemacht hat. Freilich eine, die nicht aus einer Position der Schwäche resultiert, was bedeutet, dass man dem Unterlegenen einen Ausweg ohne Gesichtsverlust ermöglichen müsste:
“Da stellt sich umgehend die Frage, ob Russland bereit ist, dem Westen eine gesichtswahrende Lösungsvariante anzubieten. Dabei muss man sich aber dessen bewusst sein, dass die Vorreiter des Bellizismus im Westen wohl nicht so einfach zurückkrebsen können und dass sie ihre Glaubwürdigkeit und ihr politisches Überleben riskieren, wenn sie sich nur schon auf Gespräche über Verhandlungsmodalitäten einlassen. Andererseits darf man davon ausgehen, dass gerade die lautesten Schreier im Westen in Verhandlungen am wenigsten zu sagen haben werden.”
Willkommen in der WW1-Schlafwandler-Abteilung 2.0, wo keiner einen großen Krieg aber auch keiner Gesicht und Geltung verlieren will…bis es kracht:
“Wie wird die Welt regiert und in den Krieg geführt? Diplomaten belügen Journalisten und glauben es, wenn sie’s lesen”, hatte Karl Kraus 1914 notiert , nachdem auf eine Falschmeldung der deutschen und österreichischen Presse über einen französischen Bombenabwurf auf Nürnberg Ende Juli 1914 unmittelbar die Kriegserklärung an Frankreich erfolgt war. Als einer der Pioniere der Medienkritik hatte Kraus erkannt, dass die Medien die Wirklichkeit nicht abbilden, sondern erzeugen und dass Meinungen und Stimmungen nicht einfach entstehen, sondern gemacht werden: “Ich habe erlebt, wie Krieg gemacht wird, wie Bomben auf Nürnberg, die nie geworfen wurden, nur dadurch, dass sie gemeldet wurden, zum Platzen kommen.”
Die Stimmungsmache in unseren Großmedien hat mittlerweile ein Ausmaß angenommen, dass Kriegserklärungen nur noch einen Hauch entfernt scheinen, aufgehetzt und von Falschmeldungen in die Irre geführt taumeln die europäischen Nationen in eine Konfrontation, die noch katastrophaler enden könnte als die Blutbäder des 1. und 2. Weltkriegs.
PS: Kaum poste ich etwas von Karl Kraus kommt von meinem Freund Wolfgang aus Wien eine Notiz aus der “Fackel”:
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Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, Fifty-Fifty (Oktober 2022), 288 Seiten, 20 Euro










