
In den wichtigsten US-Zeitungen “New York Times” und “Washington Post” spielt der Krieg in Europa keine Rolle mehr, man muss zwei volle Portalseiten mit “News” wegklicken, bevor irgendwo die Ukraine erwähnt wird. Der Grund für das Abtauchen ins Nachrichten-Allerlei ist offensichtlich: das Scheitern der über Monate auf den Frontseiten propagierten “Frühjahrsoffensive” und der von Joe Biden und seinen NATOstan-Vasallen gewählten Strategie, “mit allem was es braucht” bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen. Sowie die Wochenstatistiken des russischen Verteidigungsministeriums als Propagandalüge abzutun und die triumphalen Phantasiemeldungen aus Kiew für real zu halten – und als “Breaking News” (von riesigen russischen Verlusten, sinkender Kampfmoral, ausgehenden Raketen, Unruhen im Kreml etc.pp.) Tag für Tag im Informationskrieg zu verballern. Mittlerweile stellt sich aber heraus, dass die russischen Angaben über die gegnerischen Verluste eher konservativ sind als übertrieben, denn auf die 4735 getötete Gegner, die z.B. für die vorletzte Juniwoche angegeben werden, kommen (nach der üblichen Faustregel) nochmal das Dreifache an verwundeten und vermissten Kämpfern. Deshalb, schätzt Andrei Martyanov, “ist es absolut gerechtfertigt, jetzt von etwa 350.000 Gefallenen und etwa 700.000 bis 900.000 Verwundeten in der Ukraine zu sprechen, was 1.000.000 + Opfer bedeutet. Die ukrainische Gegenoffensive hat also vom 4. Juni bis heute, 21. Juli, etwa 41.000 Gefallene und rund 100.000 Verwundete gefordert. Insgesamt also mehr als 140.000 Opfer. In Wirklichkeit wird die Zahl noch viel höher sein, und in Washington beginnt man, den Druck zu spüren.” Weshalb eben der Krieg im “paper of the record” kein großes Thema mehr ist, denn solche schlechten Nachrichten kann man der selbstfahrenden Präsidentenmumie, die schließlich eine weitere Runde drehen will, keinesfalls antun. Da sich der fiktive Bullshit über eine”Pattsituation” an der Front und das mögliche “Einfrieren des Konflikts” bis zur Wiederwahl Bidens, mit dem westliche “Experten” einige Wochen lang hausieren gingen, einmal mehr als Wunschdenken erwiesen hat, lässt sich die Niederlage aber kaum noch schön reden. Es wird keinen Sieg für NATOstan geben, es gibt nur noch die Fortsetzung des Highway To Hell für die Ukraine.
Um den noch ein wenig anzuheizen, hat der Oberst a.D. und CDU-Abgeordnete Roderich Kiesewetter noch viele Ideen, die er dem olivgrünen Kampfblatt “taz” mitgeteilt hat:
“Zum Beispiel Kaliningrad von den russischen Versorgungslinien abzuschneiden. Wir sehen ja, wie Putin reagiert, wenn er unter Druck ist. Wir brauchen weitere Sanktionen und eine klare Benennung, dass bei einer Zerstörung des AKW eine Antwort der Stärke und Entschlossenheit folgen wird.”
Donnerwetter, Kiesewettter… das da noch niemand drauf gekommen ist. Nachdem wir jetzt schon Stalingrad und Kursk “reenacten” lassen, noch mal, diesmal in Königsberg, die Leningrad-Blockade 2.0 , um Putin (dessen Bruder dort ums Leben kam) richtig “unter Druck” zu setzen. Eine Top-Idee, an der Roderich mit “Stärke und Entschlossenheit” arbeiten sollte, statt den Frontkämpfer nur im TV zu mimen. Der Ex-Komiker in Kiew sucht händeringend lebende Offiziere, es dürfen auch ahnungslose Vollpfosten vom Kaliber Kiesewetter sein, Hauptsache sie können “Leopard” buchstabieren. Und bringen am Besten noch viele davon mit. Die Dinger müssen weg und die russischen Drohnen bieten derzeit die günstigste Entsorgungsmöglichkeit.
Das ist der entscheidende Punkt, denn dann muss Nachschub bestellt werden, in den USA. Und darum geht es, wie Dmitry Orlov präzise ausführt (übersetzt mit deepl.com)
Warum ist das Versagen der unerbittlich propagierten westlichen Waffen wichtiger als so ziemlich alles andere, einschließlich der zunehmend desolaten Lage der westlichen Finanzen, des lächerlichen Scheiterns der antirussischen Sanktionen, der obszön hohen Zahl ukrainischer Opfer oder der allgemeinen Ermüdung des Westens an allem, was mit der Ukraine zu tun hat, und insbesondere an der Flut ukrainischer Flüchtlinge, die der Westen nicht mehr bewältigen kann?
Der Grund dafür ist einfach: Die NATO ist keine Verteidigungsorganisation (zur Erinnerung: die UdSSR gibt es seit über 30 Jahren nicht mehr); sie ist auch keine offensive Organisation (gut, sie hat Serbien und einige andere relativ wehrlose Länder bombardiert, aber sie kann unmöglich gegen Russland oder eine andere gut bewaffnete Nation antreten).Vielmehr ist die NATO ein Club von gefangenen Käufern von in den USA hergestellten Waffen. Darum geht es bei den gepriesenen NATO-Standards, die die Ukraine erfüllen muss, bevor sie als würdig erachtet wird, in die NATO aufgenommen zu werden: Um diese Standards zu erfüllen, müssen die Waffen überwiegend aus den USA stammen. Das ist auch der Grund für all die verschiedenen Kriege, die man sich ausgesucht hat, von Serbien über Irak und Afghanistan bis hin zu Libyen und Syrien: Es handelte sich um Demonstrationsprojekte für US-Waffen, mit dem zusätzlichen Ziel, die Waffen und die Munition zu verbrauchen, damit das Pentagon und der Rest der NATO sie neu bestellen müssen.
Die geopolitischen Begründungen für diese militärischen Konflikte sind reine Rationalisierungen. So warfen die USA zwischen 1964 und 1973 in 580.000 Einsätzen mehr als 2,5 Millionen Tonnen Bomben auf Laos ab – das entspricht einer Flugzeugladung Bomben alle acht Minuten, 24 Stunden am Tag, neun Jahre lang. Was waren die geopolitischen Gründe dafür? Niemand kann sich daran erinnern, ob es jemals welche gab. Aber diese Bomben standen kurz vor dem Auslaufen und mussten verbraucht und nachbestellt werden, damit das Geld weiter fließt.
Als die USA und ihre NATO-Vasallen 2021 aus Afghanistan verjagt wurden, hatte ich hier geschrieben:
“Die Leute sagen, das Pentagon hätte keine Strategie”, sagte der Militär-Stratege und Air-Force-Pilot John Boyd einmal, “aber sie liegen falsch. Das Pentagon hat eine Strategie und die lautet: Unterbreche niemals den Geldfluß, vermehre ihn.” Weil kein 4-Sterne-General und kein Politiker für verlorene Kriege zur Verantwortung gezogen wird, kann auch “Sleepy Joe” Biden, der einen halbwegs geordneten Abzug verschlafen hat, das Chaos in Kabul einfach den “den Afghanen” zuschreiben. Und seine Generäle müssen nach dem nunmehr versiegenden gigantischen Geldfluß im “Great War On Terror” neue Dollarströme generieren.” Die Ukraine, wo man schon seit 2014 gezündelt hatte, bot sich da praktischerweise an.(…)Wie eingangs zitiert, geht es nicht darum, in Schlachten zu siegen und Kriege zu gewinnen – und schon gar nicht um “Demokratie”, “Menschenrechte”, “Freiheit” usw. – es geht darum, mit permanenten Kriegen den Geldfluß in Gang zu halten. Für die Leichenberge und Billionenkosten dieses Kriegs wird NIEMAND zu Verantwortung gezogen, so wenig wie für 20 Jahre Lügen über diesen Krieg und über die große Lüge, die an seinem Anfang steht: 9/11. Dass aber die nächste große Kriegslüge gegen die nächste “Achse des Bösen” schon in Arbeit ist, darauf kann man*frau jede Wette halten…”
So wie heute darauf, dass auch für die Marschbefehle gegen einen haushoch überlegenen Gegner und die daraus resultierenden Leichenberge niemand zur Verantwortung gezogen wird – und die Schuld an der Niederlage am Ende “den Ukrainern” zugeschoben wird….
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Zuletzt erschienen:
Mathias Bröckers : Vom Ende der unipolaren Welt, Fifty-Fifty (Oktober 2022), 288 Seiten, 20 Euro
Der internationale Bestseller über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:









