Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 34


“Projektion” ist laut Lexikon der Psychologie “ein zentraler Abwehrmechanismus, das unbewußte Übertragen von Affekten und Impulsen auf ein Gegenüber”. Wie dieser Mechanismus bei dem deutschen Vizekanzler und Wirtschaftsminister Robert Habeck am Werke ist, hat ein Interview mit ihm gerade wunderbar gezeigt. “Putin will, das sich unser Land zerlegt”, behauptet er und ist doch gerade selbst dabei,  in “dienender Führungsrolle” (Habeck) der Sanktionspolitik der USA zu folgen und den Industriestaat Deutschland an die Wand zu fahren.

Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) wirft Wladimir Putin vor, mit den hohen Gaspreisen Unsicherheit und Angst in Deutschland zu schüren. Dies sei “der beste Nährboden für einen Populismus, der unsere liberale Demokratie von innen aushöhlen soll”, sagte Habeck dem “Spiegel”. Das sei Putins Strategie, “und die darf nicht aufgehen”, so Habeck weiter.
Der Vizekanzler warnte vor einem harten Winter. “Wir sind jetzt schon da, wo Deutschland nie war”, so Habeck. Allein wenn die russischen Gaslieferungen so niedrig blieben, wie sie jetzt sind, laufe man auf eine Gasmangellage zu. “Es wird auf jeden Fall knapp im Winter”, so der Wirtschaftsminister. “Wenn das Gas nicht ausreicht, müssten bestimmte Industriebereiche, die Gas benötigen, abgeschaltet werden.”
“Es ist ein externer Schock, dessen Lasten getragen werden müssen”, sagte Habeck und appellierte an die Solidarität der Bürger, Energie zu sparen. “Menschen sollen sich nicht fragen müssen, was sie kriegen, sondern sie sollen es tun, weil sie Bock haben, in diesem Land zu leben, weil sie Stolz und Freude dabei empfinden, für andere etwas zu tun.”
Die Menschen in Deutschland trügen die aktuell hohen Preise und die hohe Inflation mit großer Geschlossenheit. Das sei eine starke Antwort auf Wladimir Putins Plan, durch hohe Preise eine Spaltung der Gesellschaft zu erreichen. “Putin will, dass sich unser Land zerlegt. Aber wir zerlegen uns nicht”, so Habeck.

Die hohen Gaspreise hat Habeck selbst verursacht, weil seine Regierung eine Belieferung über Nordstream 2 abgelehnt hat, “Putin” hat damit rein gar nichts zu tun.  Er will nicht Deutschland zerlegen, sondern die Ukraine “entmilitarisieren” und läßt sich davon durch Sanktionen nicht abhalten. Er will auch nicht unsere sogenannte “liberale Demokratie von innen aushöhlen”, sondern sich die Hakenkreuz-Fanatiker vor seiner Haustür vom Hals schaffen – und wird sich davon  durch noch ein paar mehr deutsche Panzer und Haubitzen nicht abhalten lassen. Sowohl militärisch wie auch wirtschaftlich ist dieser Krieg nicht zu gewinnen – DAS  hätte ein verantwortungsbewußter Vizekanzler einzusehen, zu verstehen und seinen von vier Monaten triumphalistischer Propaganda irregeführten Bürgern zu verklickern. Stattdessen wie ein Kennedy für Arme (“Frage nicht was dein Land für dich tun kann…)bzw. wie ein grüner Sarrazin zu tönen, und den Menschen Geld aus der Tasche zu ziehen, weil sie “Bock haben”  ärmer zu werden  und “Freude dabei empfinden, für andere etwas zu tun” ist einfach nur dreist. Denn es gibt keinen “externen Schock”, sondern nur einen selbst verursachten, ausgelöst durch eine Sanktions-Orgie, die den Marktpreis für Gas und Öl in die Höhe treibt. Zur Freude Russlands, das bis Ende Mai im Energieexport 2022 schon 50 Milliarden Dollar mehr eingenommnen hat als im Vorjahreszeitraum, sowie der USA, die mit ihrem Fracking-Gas auf den Weltmarkt drängen, was aber nur bei hohen Öl,-und Gaspreisen profitabel ist. Aber nicht, wenn Russland weiter billiges Öl und Gas nach Europa liefert.
Willkommen in Pipelinestan, im Kampf um die Rohstoffe auf dem geopolitischen Schachbrett, in dem der Minister einer “grünen” Partei sich im Auftrag des US-Imperiums freiwillig von billiger Energiezufuhr abschneidet, um Kohlekraftwerke  anzuwerfen  und teures Fracking-Gas  zu importieren. Und ein EU-Embargo russischen Öls propagiert, um dann auf dem Weltmarkt “Lettisch Blend” (nur 49,9% russisch!) einzukaufen, oder “indisches” Öl, das Russland zum Discountpreis an Indien liefert, oder anderswo aus unklaren Quellen zu überhöhten Preisen die Energie zu beschaffen, ohne die Haushalte und Industrie nicht überleben können. Und der die Katastrophe seiner eigenen unökonomischen, antiökologischen, asozialen Politik auf einen ultrabösen Buhmann externalisieren muss, weil anders die kognitive Dissonanz nicht auszuhalten ist. Dass der Vizekanzler seine Pressekonferenz zum “Notfallplan Gas” im Beerdigungsanzug mit schwarzem Schlips hielt, um “Bock” und “Freude” beim Frieren und Verarmen zu verkünden, war passend: Habemus Habeck, Totengräber der Wirtschaft, Terminator des Industriestandorts, Bestatter des Wohlfahrtstaats Deutschland.

Anders als der Ministerin unseres Äußersten hatte ich Habeck ja eigentlich einen IQ über Zimmertemperatur zugetraut, aber mental ist er offensichtlich im selben US-Think-Tank-Tiki-Taka-Land unterwegs wie Annalena “Russland ruinieren” Baerbock.  Sonst  wäre ihm schon aufgefallen, dass der Plan nicht funktioniert, weil das Sanktions-Feuerwerk komplett nach hinten losgeht ; und dass er nicht für das Wohl seines Volkes agiert, sondern als Erfüllungsgehilfe einer anglo-amerikanischen Agenda, die zum Scheitern verurteilt ist und Europa ruinieren wird. Denn weder ist der Krieg militärisch zu gewinnen, noch hat ein Wirtschaftskrieg irgendeine Aussicht auf Erfolg: Russland ist das einzige Land der Welt, das völlig autark werden könnte ohne auf modernen Lebensstandard zu verzichten, weil es in seinem “sibirischen Schatzkästchen” über sämtliche Rohstoffe und Energie und über  genügend KnowHow, Industrie und High- Tech verfügt. Weil einiges davon auf Kooperationen und Importen westlicher (Ex-)Partner  beruht, kommt es wegen der Sanktionen zu Verzögerungen und Problemen, aber die werden gelöst, die ersten Flugzeuge 100% Made in Russia sind zum Beispiel schon am Start. Und wenn  Habeck wie unlängst behauptet, dass Russlands Wirtschaft  bald zusammenbricht,  weil es wegen fehlender Ersatzteile ihre Airbusse und Boeings nicht mehr fliegen kann, zeigt das einmal mehr seine gefährliche Ahnungslosigkeit. Die größte Auslandsfabrik der Boeing-Werke sitzt in Moskau, bestückt mit hunderten russischen Ingenieuren, die jede Schraube an einer  737 nachbauen können. Wenn also die 500 westlichen Zivilmaschinen, die wegen Sanktionen und Flugverboten seit vier Monaten in Russland festsitzen, am Ende beschlagnahmt werden, könnte sich “Aeroflot” über reichlich Zuwachs freuen.
Robert “Six Feet Under” Habeck hält unterdessen mit seiner Co-Beerdigungsunternehmerin von der Leyen weiter an dem Embargo-Irrsinn fest, innerhalb von  sechs Monaten ganz auf russisches Öl zu verzichten, ohne zu wissen, wie das technisch überhaupt funktionieren soll. Das Desaster ist jetzt schon vorprogrammiert, denn:

Das derzeitige, von der EU offiziell gebilligte Vorgehen erfordert zwangsläufig die Durchführung von Hunderten von Projekten im Zusammenhang mit dem russischen Ölverbot, das angeblich die Raffinierung und Verarbeitung nicht-russischer Öleinfuhren in Europa ermöglichen würde. Stellen Sie sich vor, Sie müssten alle Raffinerien, Verarbeitungsanlagen, Häfen, Docks, Pipelines, Logistikinfrastrukturen usw. an eine neue, noch unbekannte Ölmischung anpassen, die die russische Ural-Mischung ersetzen soll und daher noch unbekannte Änderungen und eine entsprechende Feinabstimmung erfordern würde. Diese unmögliche Umrüstung und Nachrüstung von absolut allem wird riesige Mengen an Euro, Personal, Fachwissen, Versuch und Irrtum, Risiko und viel harte Arbeit und viel, viel Zeit verschlingen. Allein die Schwedter Raffinerie wird mindestens 11 Großprojekte erfordern . Alles in allem geht es um Hunderte von Milliarden Euro, die Europa nicht hat – und auch nicht drucken sollte – mit einer Amortisationszeit von 40-50 Jahren, lange nachdem (angeblich) die fossilen Brennstoffe aus der EU verschwunden sind und keine Bank bereit ist, diesen Wahnsinn zu finanzieren. Bislang wurde nichts angekündigt, keine Machbarkeitsstudien, keine Ausschreibungsformulare oder transeuropäischen Ausschreibungen, keine Joint Ventures, keine Ingenieurbüros, Pläne oder Spezifikationen, keine Leitlinien, keine Ölverkäufer, Ausschreibungsunterlagen, keine Zeitpläne, keine Berater oder Kommissionen, keine Termine für die Öffnung der Angebote und die Auftragsvergabe: einfach nichts.”

Es ist Wahnsinn. Aber hat es Methode? Auf den “Nachdenkseiten” wurde unlängst die gute Frage gestellt  “„Ökonomischer Selbstmord“? Aber warum halten dann die Industrie-Lobbys still? zu der dann interessante Leserzuzschriften eingingen. Als Diplom-Konspirologe bin ich ja seit Jahrzehnten “on the record” mit der Warnung vor der einen, einzig richtigen Antwort,  die NDS-Leser geben viele wichtige Punkte für die Indizienkette an, dass hier nicht blind und inkompetent auf einen “externen Schock” reagiert wird, sondern eine interne Schock-Strategie abgearbeitet wird. Wie die “Kirche der Angst” nahtlos vom  tödlichen “Killervirus” zum teuflischen “Killerrussen” übergesprungen ist und der Alarm über sämtliche Ätherwellen, Aerosole und ehemalige Nachrichtenmagazine verbreitet wird, um die Herde im Schockzustand zu halten, ist jedenfalls sehr deutlich zu sehen….(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

3JT #80: Alarmstufe Gas

Es ist Hochsommer, aber Deutschland muss sich warm anziehen. Denn jetzt ruft der Wirtschaftsminister Habeck die Alarmstufe Gas aus und wirft die Kohlekraftwerke wieder an.
Wem nützt das eigentlich? Außerdem: Der deutsche Luftwaffenchef erwägt den Einsatz von Atomwaffen und Englands Generalstabschef will den Landkrieg gegen Russland vorbereiten. Ach ja, und wie geht’s eigentlich Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #80 des 3. Jahrtausends!

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 33


Weil John Mearsheimer, Politikwissenschaftler an der Universität Chicago und eminenter Vertreter einer “realistischen” US-Außenpolitik, das Vorgehen des Westens gegen Russland in der Ukraine deutlich  kritisiert hat,  ist er mittlerweile so etwas wie der Doyen der akademischen “Putinversteher” in den USA.  Vor drei Jahrzehnten allerdings, als  sich nach dem überraschende Ende des Kalten Kriegs die politischen Denker die Köpfe über neue Konfliktlagen auf dem geopolitischen Schachbrett zerbrachen, hatte er noch für eine atomare Bewaffnung der Ukraine plädiert, während sein konservativer Kollege Samuel Huntington dort weniger einen militärischen als einen zivilsatorisch-kulturellen Konflikt kommen sah. Huntingtons Bestseller über den “Clash of Civilisations” (Kampf der Kulturen, 1996), den er primär zwischen dem Westen und dem Islam aber auch entlang  anderer Brrchlinien ansiedelte, wurde zwar als grobe Vereinfachung oft und scharf kritisiert, erfuhr aber nach 9/11 mit den Konflikten im Nahen Osten auch teilweise Bestätigung. Und was Russland und die Ukraine betrifft,  erweisen sich die 25 Jahre alten Prognosen seines “zivilisatorischen Paradigmas” als sehr realitätsnah. Hier ein Ausschnitt aus dem ersten Kapitel von Huntingtons Buch:

“Paradigmen generieren auch Vorhersagen, und ein entscheidender Test für die Gültigkeit und Nützlichkeit eines Paradigmas ist das Ausmaß, in dem sich die von ihm abgeleiteten Vorhersagen als genauer erweisen als die von alternativen Paradigmen. Ein statistisches Paradigma veranlasst John Mearsheimer beispielsweise zu der Vorhersage, dass “die Situation zwischen der Ukraine und Russland reif für den Ausbruch eines Sicherheitswettbewerbs zwischen ihnen ist. Großmächte, die eine lange und ungeschützte gemeinsame Grenze haben, wie die zwischen Russland und der Ukraine, verfallen oft in einen von Sicherheitsängsten getriebenen Wettbewerb. Russland und die Ukraine könnten diese Dynamik überwinden und lernen, in Harmonie zusammenzuleben, aber es wäre ungewöhnlich, wenn sie dies tun würden.”
Ein zivilisatorischer Ansatz hingegen betont die engen kulturellen, persönlichen und historischen Bindungen zwischen Russland und der Ukraine sowie die Vermischung von Russen und Ukrainern in beiden Ländern und konzentriert sich stattdessen auf die zivilisatorische Bruchlinie, die die orthodoxe Ostukraine von der unierten Westukraine trennt – eine zentrale historische Tatsache, die Mearsheimer im Einklang mit dem “realistischen” Konzept von Staaten als einheitliche und sich selbst identifizierende Einheiten völlig ignoriert. Während ein etatistischer Ansatz die Möglichkeit eines russisch-ukrainischen Krieges hervorhebt, minimiert ein zivilisatorischer Ansatz diese Möglichkeit und betont stattdessen die Möglichkeit einer Teilung der Ukraine in zwei Hälften, eine Teilung, die aufgrund kultureller Faktoren zwar gewalttätiger als die der Tschechoslowakei, aber weit weniger blutig als die Jugoslawiens ausfallen könnte. Aus diesen unterschiedlichen Vorhersagen ergeben sich wiederum unterschiedliche politische Prioritäten. Mearsheimers etatistische Vorhersage eines möglichen Krieges und einer russischen Eroberung der Ukraine veranlasst ihn, den Besitz von Atomwaffen in der Ukraine zu unterstützen. Ein zivilisatorischer Ansatz würde die Zusammenarbeit zwischen Russland und der Ukraine fördern, die Ukraine auffordern, ihre Atomwaffen aufzugeben, substanzielle wirtschaftliche Unterstützung und andere Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der ukrainischen Einheit und Unabhängigkeit fördern und eine Notfallplanung für den möglichen Zerfall der Ukraine unterstützen.”

Dass der aktuelle Krieg nicht stattfinden würde, wenn sich die US-Außenpolitik an Huntingtons Prioritäten gehalten hätte, ist ziemlich offensichtlich. Und die nun anstehende Nachkriegs-Teilung des Landes wird sich an dieser kulturellen, religiösen, sprachlichen Bruchlinie vollziehen, die auch ein politische Grenze ist (siehe die Ergebnisse der letzten Wahl vor dem Maidan-Putsch). Schon 1993, in einem berühmt-berüchtigten Vortrag und Essay, der seinem Buch vorausging, hatte Huntington diese “Frontlinie”  durch Europa beschrieben:

“Die wichtigste Trennlinie in Europa ist, wie William Wallace vorschlägt, möglicherweise die östliche Grenze des westlichen Christentums im Jahr 1500. Diese Linie verläuft entlang der heutigen Grenzen zwischen Finnland und Russland und zwischen den baltischen Staaten und Russland, schneidet durch Weißrussland und die Ukraine und trennt die eher katholische Westukraine von der orthodoxen Ostukraine, schwenkt nach Westen und trennt Siebenbürgen vom Rest Rumäniens, und verläuft dann durch Jugoslawien fast genau entlang der Linie, die heute Kroatien und Slowenien vom Rest Jugoslawiens trennt…
Der Samtene Vorhang der Kultur hat den Eisernen Vorhang der Ideologie als die wichtigste Trennlinie in Europa abgelöst. Wie die Ereignisse in Jugoslawien zeigen, ist er nicht nur eine Trennlinie, sondern zuweilen auch eine Linie blutiger Konflikte.”

Was ich am 24. Februar, dem Tag des russischen Einmarschs, hier geschrieben hatte: Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen – erleben wir gerade. Es wäre ohne jeden Krieg zu haben gewesen, denn mehr als eine militärisch neutrale und freundliche Nachbarschaft wollte und will Russland nicht. Auch an der Krim bestand kein territoriales Interesse, solange der langfristige  Pachtvertrag über den unverzichtbaren Marinestützpunkt Sewastopol existierte, den die Putsch-Regierung bekanntlich sofort widerrief. Und auf Geheiss ihrer Overlords in Washington gegen die “Separatisten” im Osten des Landes mit Waffengewalt vorging und jede friedliche Wiedervereinigung (Minsk 1 und 2) verhinderte. Und so wird jetzt in einem blutigen Konflikt geschaffen, was ein “zivilisatorischer Ansatz” auch ohne Gewalt hätte erreichen können. Doch das wollte und will NATOstan nicht, denn auf der Agenda stand und steht “Russland schwächen” und das soll jetzt durch einen möglichst langen Krieg “bis zum letzten Ukrainer” erreicht werden.
Da dieser Punkt bei täglich 500-1000 getöteten oder verwundeten ukrainischen Soldaten sehr bald erreicht ist, wird dieses tragische Schlachtfest, dessen Ausgang ebenso absehbar wie vermeidbar war, jetzt mit dem “worst case” und einem Berg von Leichen und Trümmern enden. So wie im Übrigen alles, was die Kriegsführung der USA und ihrer NATO-Vasallen in den letzten 25 Jahren (in Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien) angerichtet hat. Im Geschäftsleben würde man einen derartigen “Dienstleister” sofort raussschmeißen, einem “Verteidigungsbündnis” freilich, dessen katastrophale militärische Inkompetenz nur Chaos und Terror hinterläßt, werden weiter Milliarden zugeschoben. Wie denn das? Es geht nicht um die Verbreitung von “Demokratie”, “Freiheit”, “Menschenrechten” oder gar um Sicherheit und  Frieden. Es geht auch nicht darum, Kriege unbedingt zu gewinnen. Es geht um Krieg in Permanenz.

Zwei NATO-Clowns ist angesichts der absehbaren Niederlage der größten je von ihnen aufgerüsteten Stellvertreter-Armee jetzt der Kragen geplatzt: der neue britische Armeechef ruft dazu auf, einen Landkrieg gegen Russland vorzubereiten und der deutsche Luftwaffengeneral Gerhartz appelliert, “notfalls Atomwaffen” zu nutzen. “Diese Knallhart-Ansagen zweier europäischen Armeen dürften bei Putin Gehör finden!” meinte die “Bild”-Zeitung dazu und wird durch Messungen an der meterdicken Kreml-Mauer bestätigt. Vorallem die Drohung mit einem Angriff der weltweit gefürchteten  Bodentruppen Großbritanniens löste auf dem Lachsalven-Detektor Spitzenwerte aus, die Ansage Gerhartz dagegen stürmisches Kopfschütteln darüber, dass in der Nachfolge Hermann Görings ein ahnungsloser Luftikus installiert wurde, der  von “Zweitschlagkapazität” noch nie gehört hat und hypersonische Raketen für ein Märchen hält. Und wegen verantwortungslosem, selbstmörderischem Geschwätz eigentlich sofort gefeuert werden müsste.
Olaf Scholz sieht das natürlich anders und glaubt, dass Putin Angst davor hat »dass der Funke der Demokratie auf sein Land überspringen könnte«. Dass die Kreml-Detektoren des bekanntlich überängstlichen Putin da keinerlei Ausschläge anzeigten liegt wohl daran, dass Ansagen über “Demokratie” von Kolonialverwaltern, die auf Befehl ihrer Herren dem eigenen Land die Energie abdrehen und die Ökonomie abwürgen, einfach ignoriert werden können. Sie weisen keinen Funken demokratischer Souveränität mehr auf. Und auch keinen Funken Verstand, wenn sie wie Scholz noch immer halluzineren, dass es keinen “Diktatfrieden Putins” geben wird – als ob er und die Bundeswehr noch irgendeinen Einfluss darauf hätten, wann und wie Russland die “Militäroperation” beendet und welche Vereinbarungen über ihre Ziele – “Demilitarisierung” und “Denazifizierung” – künftig getroffen werden. Scholz, Macron und Draghi, die als europäische Musketiere von der traurigen Gestalt gerade nach Kiew gerumpelt sind, werden da  definitiv nichts zu diktieren haben. Sie konnten den regierenden Komiker ja nicht einmal davon abhalten, seine Landsleute weiter Tag für Tag als Kanonenfutter an die Front eines aussichtslosen Kriegs zu schicken. Sie haben nicht nur ihre nationale Souveränität und die Realitiätswahrnehmung verloren, sondern auch die letzten Funken Moral. Von Selbstkritik und Einsicht in das krachende Scheitern des großen Plans, Russland mit Sanktionen und Krieg zu ruinieren, ganz zu schweigen.

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 32

“Judgment Day Is Coming for Zelensky”… wenn ein Organ des “Team Clinton” wie “The Daily Beast” , wo Hillarys Tochter im Aufsichtsrat sitzt, das anstehende Jüngste Gericht für einen Politiker vorhersagt, kann man davon ausgehen, dass es sich um einen erledigten Fall handelt. Ende Mai konnte der Dinosaurier der Geopolitk Henry Kissinger die versammelte WEF-“Elite” in Davos noch regelrecht damit schockieren, dass der Krieg in der Ukraine verloren und höchste Zeit für Verhandlungen gekommen ist (Notizen #27), mittlerweile aber ist die Botschaft durchgesickert und die Verabschiedung aus dem Fantasyland, in dem die Ukraine gewinnt, zumindest in den USA in vollem Gange. Ihre hiesigen Vertreter und Lautsprecher haben offenbar noch keine neuen Textbausteine erhalten und tröten weiterhin Siegesmeldungen – wenn nur noch ein paar mehr Waffen geliefert werden. Wenn es nach Zelensky geht, am besten gleich Atomwaffen, doch  soweit will NATOstan nicht gehen, aber doch weiter Material liefern um bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen.
Jetzt auch, nachdem ihre “Erstausstattung” mit alten sowjetischen Waffen weiteghend vernichtet ist, mit neuen Gerätschaften westlicher Hersteller,  für die das aktuelle Schlachtfeld willkommene erste Praxistests bietet.  Bis dato konnten die westlichen Waffen nicht wirklich überzeugen, wenn sich ukrainische Armeeeinheiten irgendwo zurückziehen mussten, liessen sie lieber die westlichen Waffen zurück als die sowjetischen. Auch wenn die Börsenkurse der hiesigen Hersteller in den letzten Monaten extrem gestiegen sind, scheint der Krieg in der Ukraine als Verkaufsshow für ihre Produkte bisher eher  ungeeignet. Das Ganze macht mehr den Eindruck einer Art Abwrackprämie für die Rüstungsindustrie.
Von der hat unser eiserner Kanzler Olaf bei seinem Besuch in Kiew jetzt zwar noch ein wenig Nachschub versprochen, was freilich die verlorene Schlacht nicht wenden, sondern nur verlängern kann. Sein sozialdemokratischer Kollege, Mexicos Präsident Lopez Obrador,  hat diese “unmoralische” Haltung gegenüber der Ukraine sehr treffend benannt: “Wir liefern die Waffen und ihr liefert die Leichen”. Da letztere in der ukrainischen Armee mittlerweile in tragischer Menge zu verzeichnen sind, rückt der Jugdment Day logischerweise auch für ihren Führer Zelensky täglich näher. Es läge allein an ihm und seiner Regierung, über “die Möglichkeit territorialer Konzession zu entscheiden” , hat US-Außenminister Blinken es ausgedrückt. Ob er dafür, wie Henry Kissinger nach seinem Davos-Auftritt,  jetzt auf die offizielle Liste der “Feinde der Ukraine” gesetzt wird, bleibt abzuwarten.  Wie siegesichere Waffenbrüderschaft klingt es jedenfalls nicht,  sondern eher nach “Sieg” blinken und zum Rückzug abbiegen – und einem Sündenbock die Alleinschuld an der Niederlage zuschieben.

Auch Macron und Draghi, die Scholz bei seiner Reise begleiteten, wollen eigentlich nicht mehr weiterkämpfen, sondern plädieren für Verhandlungen. Leider zu  spät. Bei ihren Moskau-Besuchen Anfang Februar hätten sie noch gute Argumente gehabt, um zu  verhandeln und einen unnötigen Krieg zu verhindern, doch jetzt kann es keinen Verhandlungsfrieden mehr geben, sondern nur die bedingungslose Kapitulation der Ukraine. Solange die ausbleibt, wird Russland mit der systematischen “Demilitarisierung”, dem erklärten Ziel der Militäroperation, fortfahren und wird sich von Olaf Scholz – “Es wird keinen Diktatfrieden von Putins Gnaden geben” – nicht abhalten lassen. Für irgendwelche Zugeständnisse gibt es keinen Grund und es ist nicht absehbar, wie der kollektive Westen einen solchen schaffen will: an der militärischen Front ist das ebenso aussichtslos wie an der wirtschaftlichen, wo der Rubel fröhlich weiter steigt. Dass die drei europäischen Staatschefs die Ukraine zum EU-Beitrittskandidaten ernennen wollen wirkt da schon wie eine symbolische Verzweiflungstat – ein Passagier mehr oder weniger macht auf dem ohnhin sinkenden Schiff halt nichts mehr aus…
Unterdessen schreitet jenseits von NATOstan und dem abgehängten Europa, also für circa 85 % der Weltbevölkerung, das Ende der unipolaren Welt in großen Schritten voran, mit dem Aufbau und Ausbau neuer internationaler Partnerschaften und wirtschaftlicher Kooperationen, deren Volumen die “G7” überragt. Heissen wir mit dem Eurasien-Korrespondenten unseres Vertrauens Pepe Escobar die neuen “Big 8” willkommen:

Der Sprecher der Duma, Wjatscheslaw Wolodin, hat möglicherweise das entscheidende Akronym für die entstehende multipolare Welt geschaffen: “die neue G8”. Wie Wolodin feststellte, “haben die Vereinigten Staaten mit ihren eigenen Händen die Bedingungen dafür geschaffen, dass Länder, die einen gleichberechtigten Dialog und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen aufbauen wollen, zusammen mit Russland eine ‘neue G8’ bilden werden”. Diese Russland nicht  sanktionierende G8, fügte er hinzu, liege beim BIP in Kaufkraftparität (KKP) um 24,4 % vor der alten G8, die eigentlich die G7 sei, da die Volkswirtschaften der G7 am Rande des Zusammenbruchs stünden und die USA eine Rekordinflation verzeichneten.

Die Macht des Akronyms wurde von Sergej Fedorow, einem Europaforscher der Russischen Akademie der Wissenschaften, bestätigt: Die drei BRICS-Mitglieder (Brasilien, China und Indien) neben Russland sowie Indonesien, Iran, die Türkei und Mexiko, die sich alle nicht dem Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland angeschlossen haben, werden bald die Weltmärkte beherrschen.(…) Die Entstehung der neuen G8 deutet auf das unvermeidliche Aufkommen von BRICS+ hin, eines der Hauptthemen, die auf dem bevorstehenden BRICS-Gipfel in China diskutiert werden sollen. Argentinien ist sehr daran interessiert, Teil der erweiterten BRICS zu werden, und die (informellen) Mitglieder der neuen G8 – Indonesien, Iran, Türkei, Mexiko – sind alle wahrscheinliche Kandidaten.

Und sicher nicht die letzten, zumal wenn diese neue “G8” ihren eigenen Währungsfonds aufmacht, eine  weitere “World Trade Organisation” und parallele globale Institutionen eröffnet, die jenseits vom “Petro-Dollar” agieren und mit einer rohstoff,-und goldgedeckten Handelseinheit eine attraktive Reservewährung für alle Nationen schaffen. Was sich hier abzeichnet ist nicht weniger als eine neue Weltordnung, allerdings eine, die deutlich  anders aufgestellt sein wird als die von George Bush dem Älteren 1991 angekündigte und angestrebte, unter “Full Spectrum Dominance” der USA. Mit der ist es nicht nur militärisch vorüber, auch die Wirtschafts-und Finanzwelt wird künftig nicht mehr allein von Washington und London beherrscht – Peking, Moskau und die Nationen von BRICS+ machen sich zusammen unabhängig und selbstständig. Für diese dort schon lange gehegten Pläne ist der neue eiserne Vorhang, mit dem sich Europa vom  Handel mit Eurasien abschneiden läßt, ein beschleunigender Katalysator und der gesamte “globale Süden” sieht einer Alternative zur neoliberalen Abzocke (“Privatisierung” von Infrastruktur und Rohstoffen als Kreditbedingung) mit Sicherheit erfreut entgegen.
Deutschland bekommt unterdessen einen Vorgeschmack auf ausbleibende Energie aus Russland: Nordstream 1 liefert seit zwei Tagen 40 % weniger Gas und prompt bricht der Aktienkurs des Chemiekonzerns BASF um über 5% ein. Grund für die Reduktion ist die technische Wartung einer Siemens-Turbine, die in Kanada durchgeführt wurde – die aber nicht ausgeliefert wird. Wegen der Sanktionen, mit denen wir im Annalena LaLaLand immer noch “Russland ruinieren”….
(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -31

“Ist der US-Geheimdienst wirklich so verkorkst?” fragte der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson nach der Lektüre eines New York Times Artikels, laut dem die USA keine genauen Kenntnisse über die Lage in der Ukraine, den Verlauf des Kriegs und die operativen Pläne Kiews haben. Man hätte, so wird ein Offizieller zitiert,  “ein weitaus besseres Bild von Russlands Militär, seinen geplanten Operationen sowie seinen Erfolgen und Misserfolgen” als von der der ukrainischen Armee. Wie denn das ? Da macht man Phantastillarden für Waffen an die Ukraine locker, ohne zu wissen, ob und wie man dort damit etwas  anfangen kann ? Weil die milliardenschweren US-Geheimdienste, die jedes Handy auf der Welt absaugen können, ausgerechnet in der Ukraine keine “intelligence” sammeln und deshalb leider ahnungslos sind ? Bei aller Ignoranz, Arroganz und Dummheit die man CIA, DIA & Co. vorwerfen kann, so blöde und unwissend können sie nicht  sein. Das eigentliche Problem meint Larry Johnson, ist wahrscheinlich nicht ein Mangel an Erkenntnissen:  “Es ist die Angst, den Politikern harte Wahrheiten zu sagen, die sie nicht hören wollen.”

Und es ist wieder die vertraute Melodie von “Geheimdienstfehlern” – oder, wie Adam Curtis es einmal ausgedrückt hat: “Vielleicht ist das wahre Staatsgeheimnis, dass Spione nicht sehr gut in ihrem Job sind und nicht viel über die Welt wissen.”  Aber für derlei Unwissen in Sachen Ukraine hat man jetzt immerhin einen Schuldigen ausgemacht: Präsident Zelensky. Denn:  “Er hat uns nicht über die schlechte Lage seines Landes informiert”. So was aber auch. Dabei ist der Komiker aus Kiew doch monatelang in aller Welt aufgetreten und hat Tag und Nacht bekundet, dass er nur noch ein paar Milliarden für Waffen braucht, um Putin aus dem Donbass und der Krim zu vertreiben . Und er hat alle oppositionellen Parteien und Medien verboten,  so dass durch deren “Desinformation” niemand verwirrt werden konnte. Die Regierenden von NATOstan haben dann aufgrund von Zelenskys Ansagen auch wirklich kräftig in die Taschen gegriffen, sich aber offenbar nicht die Mühe gemacht, den Textbausteinen des sympathischen Präsidentendarstellers in irgendeiner Weise auf den Zahn zu fühlen. Und als  paper of the record hat die NYT wie alle anderen Großmedien die Propaganda aus Kiew 1:1 wörtlich übernommen. So kam es dann, dass die westliche Welt monatelang mit Bullshit über einen vom ersten Tag an aussichtslosen militärischen Krieg gefüttert wurde. Und in einen Wirtschaftskrieg getrieben wurde, mit dem man “Russland ruinieren” (A.Bärbock) wird, weil “Putin das nicht lange durchhalten kann” (R.Habeck), wie unsere hiesigen Olivgrünen noch immer stramm behaupten, obwohl ihnen der Sanktions-Bumerang schon um die Ohren schwirrt.
Die Frage, sind sie so blöd oder tun sie nur so, läßt sich vielleicht beantworten, wenn man sich die  Studie der Regime Change-Experten des RAND-Instituts anschaut, die 2019 ermittelt haben, dass man einen solchen in Moskau am besten erreicht, indem man Russland überfordert und aus dem Gleichgewicht bringt ( “Overextending and Unbalancing Russia” ) – mit militärischen Aktionen und mit Sanktionen. Es liest sich wie das Drehbuch, nach dem  der kollektive Westen derzeit agiert… noch, denn was die  – laut US- Generalleutnant S.Twitty  definitiv scheiternde militärische Option betrifft, hat man mit Zelensky ja schon einen populären Sündenbock gefunden.

Für das Scheitern der ökonomischen Sanktionen  wird der noch gesucht, und es wäre keineswegs das erste Mal, dass ahnungslose US-Think-Tanker an ihrer eigenen Ignoranz und Hybris scheitern. Russland hat unterdessen mit Öl,-und Gas-Exporten bis zum 1. Juni 2022 schon 50% mehr eingenommen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und mit dem Rubel (den Joe Biden zum “Rubble” machen wollte) die stärkste Währung des Jahres, während dem Westen laut JPMorgan-CEO Jamie Dimon mit Rezession und Inflation ein Hurrikan bevorsteht. Und ein kalter Winter, wenn er seine scheiternden Strategien samt der “Experten”, die sie ausgeheckt haben, nicht schleunigst in die Tonne tritt und aufhört, seinen eigenen Propagandafakes auch noch zu glauben.

https://cdn.images.express.co.uk/img/dynamic/139/590x/secondary/DIbetterscenario-4101334.webp?r=1654104843269Natürlich schaden die Sanktionen der russischen Wirtschaft, aber dass dies zum Aufstand der Bevölkerung gegen die Regierung führt wie die US-Strategen geplant haben, ist eine Illusion, denn nie war die Unterstützung Putins größer als heute. Viel eher ist ein solcher Aufstand im Westen zu erwarten, deren Bürger sich  von ihrern Regierenden nicht länger für sinnlose Sanktionen und nutzlose Waffenlieferungen zur Kasse bitten lassen werden. Sleepy Joe Biden und seine Partei rutschen bei den Zustimmungsraten täglich tiefer in den Keller und werden die Kongreßwahlen im November verlieren. Und wenn die Spritpreise weiter derart steigen, stehen bald (wie in Kanada) die Trucker vor dem Weissen Haus. Schauermärchen  über den ultrabösen Putin und seine russischen Vergewaltiger werden dann als Ausrede nicht mehr helfen. Zumal mittlerweile mehr Amerikaner glauben, dass es für sie besser wäre, wenn Biden abgesetzt würde (56 Prozent) als Putin (43 Prozent).

Woher kommen die vielen Putinversteher in den USA ? Sind wieder unsichtbare russische Hacker am Werk, oder geht auch die flächendeckende anti-russsche Propagandawalze nach hinten los, weil die Leute sie durchschaut haben und nicht mehr ernst nehmen ? Und mit großer Mehrheit nicht nur in den USA, sondern auch in Europa auf die Frage “Was spricht gegen eine blockfreie neutrale Ukraine, die mit Ost und West Handel treibt?” sofort “Gar nichts” ankreuzen würden… wenn Sie denn gefragt würde. Und nicht von ungewählten EU-Bürokraten ins ökonomische Abseits und Aus manövriert würden und von ihren Regierungen gezwungen, einer  aussichtslosen, weil auf Unwissen und Arroganz basierenden US-Strategie zu folgen: mit Sanktionen und einem möglichst langen Krieg die Macht in Moskau zu übernehmen. Doch diese Chance haben die USA mit ihrer Marionette Yelstin an der Macht in den 1990ern vertan und statt Demokratie und Wohlstand Terror und Armut über das Land gebracht, sie wird nie wieder kommen.

Europa sollte sich deshalb nicht weiter blind und selbstmörderisch vor diesen Karren spannen lassen und ich hoffe, dass im Geheimen schon Delegationen deutscher, französischer, italienischer und anderer europäischen Länder und Unternehmen dabei sind, mit Russland einen Plan B  auszuhandeln. Dass sie wettbewerbsfähige Industrienationen bleiben können wäre bei einem Gasstopp aus Russland innerhalb kürzester Zeit unmöglich, wenn Nordstream 1 leer läuft, sind nicht nur Auto,-und Chemieproduktion am Ende. Deshalb, so würden die geheimen Unterhändler sagen, müssten wir in  diesem Fall überlegen das Sanktions-Diktat aus Washington zu ignorieren und langfristge Veträge zur Belieferung über Nordstream 1 und 2 abschliessen. Den Konflikt mit den USA müsse man um des Wohls der eigenen Bevölkerung willen in Kauf nehmen,  weil ansonsten  Elend und Verarmung drohe und der Niedergang der europäischen Industrienationen zu Agrarkolonien.
Ich weiß nicht, ob es unter europäischen Entscheidungsträgern und Konzernlenkern wenigstens in der zweiten Reihe noch ein paar Leute gibt, die solch einen Plan B initiieren und umsetzen könnten oder ihn zumindest vorbereiten, falls die Lage weiter eskaliert. Es wäre zu sehr wünschen, denn so blind wie der Westen  derzeit agiert, führt der Weg nur an die Wand und ins Verderben….

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

3 JT #79: Hunger Games

Diese Russen schon wieder: Zuerst besetzen sie die Ukraine, jetzt bedrohen sie die ganze Welt mit einer Hungersnot. Was steckt da schon wieder dahinter? Außerdem: Wie soll es eigentlich nach dem Krieg weitergehen – in der Ukraine und in ganz Europa? Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #79 des 3. Jahrtausends!

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 30

“Die Dämonisierung Putins ist keine Politik, sondern ein Alibi für ihre Abwesenheit” – was Henry Kissinger schon 2014 monierte, wurde im Februar 2022 mit dem russischen Einmarsch in der Ukraine beantwortet. Wo keine Politik mehr gemacht wird, droht – wie wir seit Clausewitz wissen – die “Fortsetzung mit anderen Mitteln”: Krieg. Und ist der erstmal im Gange, schaltet die Dämonisierung bekanntlich in den Overdrive, wie seit einigen Monaten die Putinologen in der hiesigen Kampfpresse, wo kein Hitler-Vergleich zu peinlich, keine Pathologisierung zu plump und kein Schwerverbrechen blutig genug ist, um sie nicht dem russischen Präsidenten anzuhängen. Um im selben Atemzug seine Niederlage ankündigen, wegen fehlender Raketen, Streitkräfte, Panzer etc.pp., weshalb man die Ukraine jetzt nur noch mit ein paar reichweitenstärkeren Raketenwerfer:innen bestücken muss, um den “Sieg” sicherzustellen. Was dann von der deutschen Kampfpresse als “Selbstbefreiung” gepriesen wird.

Mit der Wirklichkeit hat das alles nichts zu tun, denn weder ist Putin=Hitler, noch spricht die Realität an der Front für irgendeinen Sieg der Ukraine. Dass das Gegenteil der Fall ist, dass die größte von NATOstan je aufgestellte Stellvertreterarmee langsam aber sicher vernichtet wird, weil sie  gegen die Übermacht Russlands schlicht keine Chance hat, wie hier seit Februar immer wieder dargelegt – diese Fakten haben einen tiefen Graben der kognitiven Dissonanz aufgerissen, der offenbar nur noch Projektionen zuläßt, mit denen die eigenen Schwächen und Schatten dem “Feind” zugeschoben werden. Wenn Frankreichs Macron fordert, dass man Putin nicht länger “demütigen” soll, weil man am Ende mit Russland an den Verhandlungstisch muss, ist diese Forderung  nach Rückkehr der Diplomatie zwar richtig, deutet aber auch an, wer hier gerade wirklich “gedemütigt” wird – Putin mit grosteken, infantilen, hysterischen Diffamierungen oder der Westen, mit einer krachenden Niederlage in der Ukraine und dem ruinösen Scheitern des Sanktionsirrsinns ? Glaubt Herr Habeck noch,  dass er mit einem Öl-Embargo Russlands Wirtschaft ruinieren und Putin stürzen kann, oder projiziert er mit diesem Phantasma schon den Ruin der deutschen Wirtschaft und seinen eigenen Absturz ?  Ich denke, in beiden Fällen ist eher Letzteres ist der Fall.

Und ehe wir  auch noch die Frage beantworten How Many Frequent-Flyer Miles Would it Cost to Send Ursula von der Leyen Non-Stop to Hell? lassen wir einen uns die Zusammenhänge der aktuellen Energie,-und Lebensmittelkrise von einem Fachmann erklären, der ihre Ursachen bündig zusammengefasst  hat: “Eine einfach dumme Politik”. Auch mit allem anderen was er in diesem TV-Interview sagt, ist Putin ziemlich genau auf dem Punkt und nach der ersten goldenen Kriegsregel – “Kenne deinen Gegner” – müssten diese Aussagen kaum dass sie auf  “Rossja1” gefallen sind,  dem Publikum auf CNN, BBC, ARD zur Kenntnis gebracht werden. Was sie aber nicht tun, weil kein Journalismus, sondern nur noch Propaganda gemacht wird – und da ist es ein Tabu, dass der Ultraböse irgendetwas Richtiges oder Vernünftiges sagt. Und glücklich ist, wer wie Ulrike Guerot angesichts der Aussichtslosigekeit des Kriegs für Friedensverhandlungen plädiert und keinem kriegsgeilen “Mobberator” wie Markus Lanz in die Hände fällt. 

Weil seit dem russischen Einmarsch die Maschinerie der Gehirnwäsche, die Karl Kraus schon vor dem ersten Weltkrieg am Laufen sah – “Diplomaten belügen Journalisten und glauben es wenn sie es lesen” – multimedial im Turbo-Modus rotiert , sind beide Seiten abgehoben von der Realität in einem illusionären Wunderland unterwegs. Sie glauben, einen Krieg gegen die größte Nuklearmacht der Welt gewinnen zu können – und weil es nicht wirklich können, schicken sie eine Stellvertreterarmee um wenigstens Schaden anzurichten – und sie glauben, ausgerechnet das rohstoffreichste Land der Erde wirtschaftlich zerstören zu können – und ruinieren sich dabei selbst.  Über die Hybris, Ignoranz und Arroganz, die diesen Glaubenssätzen zugrunde liegt, müsste dringend geredet werden,  denn die fatalen Folgen dieser Selbstüberschätzung  des Westens kosten täglich weitere Menschenleben.  Angesichts der mentalen Verwüstungen, die der anti-russische Propaganda-Tsunami angerichtet hat, scheint eine solche Debatte aber zur Zeit schwierig bis unmöglich.

Dmitry Orlov, dessen “Lehre vom Kollaps” ich vor zwei Jahren übersetzt hatte, hat gerade wunderbar beschrieben, wie auch die “Putin ist schuld” – Suada des Westens dabei ist, nach hinten los zu geht: How blaming Putin is helping Putin.  Ich empfehle,  das ganze Stück zu lesen, hier ein Auszug:

 

Die Systemkrise, die wir derzeit im Westen (und in anderen Teilen der Welt, die zu eng mit dem Westen verflochten sind, um sich ihr zu entziehen) erleben, wird objektiv vom Westen selbst verursacht. Aber da der Westen es nicht gewohnt ist, seine Fehler einzugestehen (da er sich in seiner eigenen verblendeten Denkweise für überlegen, unentbehrlich und unfehlbar hält), ist er gezwungen, sein episches Versagen in praktisch allen Bereichen damit zu erklären, dass er alles auf Putin schiebt. Das heißt, sie geben nicht einmal Russland im Allgemeinen die Schuld, sondern Putin persönlich; schließlich kann Russland zuweilen gut und angenehm sein (wie unter Gorbatschow und Jelzin), aber Putin sorgt dafür, dass es sich daneben benimmt. Deshalb muss alles Putins Schuld sein.

So weit ist es gekommen: Selbst der  Präsident der Vereinigten Staaten (oder wer auch immer seinen Teleprompter bedient), der im Laufe seiner Wahlkampagne geschworen hat, dass er die Verantwortung für alles, was unter seinem Kommando geschieht, übernehmen wird, gibt nun so regelmäßig und monoton “Putins Preiserhöhung” die Schuld, dass der Ausdruck zu einem Mem geworden ist. Inzwischen hat sich das Narrativ “Putin ist an allem schuld” auf alle heikleren Probleme ausgeweitet: Inflation, Kraftstoffpreise, Preissteigerungen bei Lebensmitteln und sogar… Mangel an Babynahrung! (…)

Diese wunderbare Strategie funktioniert kurzfristig sehr gut, hat aber längerfristig aufgrund eines bestimmten Mechanismus der Massenpsychologie eine große Schwachstelle. Oberflächlich betrachtet, ist sie einfach und scheinbar kugelsicher: Putin ist irrational; er hat imperiale Ambitionen, leidet unter Paranoia und Größenwahn, ist besessen von der Wiederherstellung der UdSSR… Da seine Motive irrational sind, kann man ihnen nicht mit rationalen Mitteln wie Verhandlungen, Diplomatie, Kompromissen usw. beikommen. Putin ist ein verrückter Diktator mit vielen Atomraketen, und so können wir nur noch leiden. Dieses Konstrukt scheint für die meisten Zwecke gut genug zu sein, etwa um soziale Probleme, wirtschaftliche Fragen und Führungsversagen weg zu erklären. Aber nur auf kurze Sicht.

Hätte die beispiellose Flutwelle von Sanktionen, die der Westen gegen Russland verhängt hatte, in den ersten zwei oder drei Monaten der russischen “Spezialoperation” in der Ukraine irgendeine Art von greifbarer Wirkung gezeigt, dann hätte diese Strategie ausgereicht, um den Schock der sich entfaltenden Krise für die leidgeprüften Massen im Westen zu mildern (obwohl sich die Krise auch dann weiter entfalten würde, wenn die russische Wirtschaft zusammengebrochen wäre). Auf längere Sicht funktioniert diese Strategie jedoch nicht mehr. Erstens ist das Narrativ “Putin  ist schuld”  ziemlich eintönig und wird schnell alt. Zweitens, und das ist weitaus wichtiger, wird auf der Ebene des Unterbewusstseins der Massen der Eindruck erweckt, Putin sei ein Gott: supermächtig, supereinflussreich und in der Lage, mit subtilen und unsichtbaren Mitteln sowohl globale als auch lokale Prozesse zu beeinflussen. Darüber hinaus ist der Gott Putin zeusähnlich und verfügt über mächtige atomare Blitze, die seinem ohnehin schon furchterregenden Image noch mehr Schrecken einflößen.

Früher oder später wird das westliche Massenunterbewusstsein einen einfachen und vollkommen logischen Gedanken entwickeln: Wenn Putin allmächtig und supereinflussreich ist und wir mit unseren schwachen “Sanktionen aus der Hölle” nichts tun können, um ihn in drei, dann fünf, dann sieben Monaten zu schwächen oder zu vertreiben, dann müssen wir uns natürlich mit ihm arrangieren und seinen Forderungen nachgeben, bevor es für uns noch schlimmer wird! Und während es für das westliche Massenunterbewusstsein erniedrigend wäre, mit einem kleinen Tyrannen oder einem verrückten Despoten zu verhandeln, ist es keineswegs beschämend, mit einem allmächtigen Halbgott zu verhandeln, der das Schicksal der Menschheit in seinen Händen hält, sondern eine notwendige, unumgängliche und äußerst vernünftige Maßnahme. Darüber hinaus sollte es möglich sein, einen solchen Kompromiss in schmeichelhaften Worten darzustellen: als ein großmütiges Geschenk der Gemeinschaft der zivilisierten Nationen, das in gutem Glauben angeboten wird, um die Welt vor einem nuklearen Armageddon zu bewahren, das von einem wütenden, allmächtigen Halbgott entfesselt werden soll.

Wenn westliche Politiker, wie zu erwarten, nicht bereit sind, mit Putin zu verhandeln und Kompromisse einzugehen, werden die leidenden westlichen Massen ihnen die Schuld für jede Verzögerung geben. Wenn Putin allmächtig und supereinflussreich ist, warum verhandeln sie dann nicht und suchen keinen Kompromiss? Worauf warten sie? Was ist mit ihnen los? Die besser Informierten unter den westlichen Massen können vielleicht sogar eine selten diskutierte, aber ziemlich offensichtliche Tatsache erahnen: Was Putin will, ist gar nicht so unvernünftig. Er will nur einen Teil der Ukraine (nicht notwendigerweise die ganze Ukraine, sondern nur die enthusiastischen, patriotischen russischen Teile ) und er will auch, dass die NATO verdammt noch mal von Russlands Grenzen weg ist. “Wozu brauchen wir diese Ukraine überhaupt?”, könnte sich diese aufgeklärten Elemente fragen. Schließlich haben die meisten Menschen im Westen viele glückliche Jahre damit verbracht, nicht zu wissen, dass die Ukraine überhaupt existiert. Mehr noch: Als sie vor kurzem von ihrer Existenz erfuhren, brach gerade eine sehr unangenehme Krise aus – und sie können den verdammten Ort immer noch nicht auf einer Karte finden! Und jetzt müssen sie unter himmelhohen Benzinpreisen, unerschwinglichen Lebensmitteln, galoppierender Inflation und einem Mangel an Babynahrung leiden – und das alles nur, weil ein paar idiotische Politiker sich weigern, Putin diese verdammte Ukraine zu überlassen, die sowieso niemand haben will? (Nun, Polen schon, aber wer zum Teufel ist Polen?) Kommt schon! Seid vernünftig! Schafft diesen dummen Hunter-Biden-Spielplatz ab und lasst uns weitermachen!

Das ist das neue Narrativ, das sich unweigerlich im Massenunterbewusstsein des Westens herausbildet, und während die Zeit vergeht, die Energiepreise weiter steigen, Engpässe bei allen möglichen Dingen alltäglich werden … und in der Zwischenzeit der Rubel stärker und Russland trotz der “Sanktionen aus der Hölle” immer reicher wird und seine sagenumwobene Mauer aus Artilleriefeuer gemächlich nach Westen über die ukrainische Landschaft zieht, wird dieses Narrativ immer stärker werden und schließlich die Oberhand gewinnen. An diesem Punkt wird jeder Versuch, “Putin die Schuld zu geben”, mit Buhrufen, Zischlauten und einer Salve von verfaultem Gemüse beantwortet werden. Was sollten wir von westlichen Politikern unter diesen Umständen erwarten? Wir sollten keine Überraschungen erwarten; sie werden tun, was sie immer getan haben: Sie werden versuchen, die neue, konkurrierende Darstellung zu unterdrücken. Sie werden jeden “ausschalten”, der versucht, es in den Medien zu artikulieren. (Tucker Carlson aufgepasst!)

Auf diese Weise wird der Westen genau das wiederholen, was in der Ukraine selbst passiert ist – ein Symptom für die schleichende Ukrainisierung des Westens. In der Ukraine hat das Kiewer Regime für jedes einzelne katastrophale Versagen in den Jahren 2014 und 2015 Putin persönlich verantwortlich gemacht. Im Laufe der Zeit ist es ihm gelungen, eine Art Quasi-Kult um Putin als allmächtige böse Gottheit zu bilden, die die arme, von Schmerzen geplagte, kleine, kuschelige Ukraine vernichten will. Infolgedessen hat sich im Jahr 2018 – mehr oder weniger – im Unterbewusstsein der ukrainischen Massen ein neues Narrativ herausgebildet: “Wozu brauchen wir diese von Russland verseuchte Krim oder diesen widerspenstigen Donbass? Warum können wir sie nicht einfach Putin überlassen, damit er uns in Ruhe lässt und wir uns als europäisch orientiertes Land entwickeln können?”

Wie reagierte das Kiewer Regime auf dieses neue Narrativ? Es tat, was es konnte, um es zu unterdrücken. Das war eine unabhängige Initiative, sondern eine koloniale Verwaltungsmaßnahme, die von Washington aus gesteuert wird. Und da Washington damit beschäftigt war, einen ukrainischen Krieg gegen Russland anzuzetteln, war jedes Narrativ, das einen Friedensschluss mit Russland beinhaltete, einfach nicht erlaubt. Deshalb wurden alle politischen Parteien der ukrainischen Opposition verboten, alle nicht von der Regierung kontrollierten Fernsehsender wurden abgeschaltet, und jeder, der es wagte, die Vermutung aufzustellen, dass es eine gute Idee sein könnte, de facto unabhängigen Gebieten die Chance zu geben, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, wurde des Separatismus angeklagt und inhaftiert oder getötet. Das Ergebnis war, dass der Westen bekam, was er wollte: einen ukrainischen Krieg mit Russland.

Doch dann ging etwas furchtbar schief. Putin kam dem ukrainischen Angriff zuvor und zündete ein Gegenfeuer, indem er Panzerkolonnen in das zuvor vom Kiewer Regime kontrollierte Gebiet schickte und dessen Logistik durcheinanderbrachte, was seine Schlachtpläne in ein furchtbares Durcheinander stürzte. Dann machte er sich daran, die ukrainische Kriegskapazität mit Hilfe von Raketen methodisch in die Luft zu jagen. Nach dem Zeitplan wird Ende dieses Monats alles verschwunden sein, ungeachtet der westlichen Militärhilfe. Und dann stellte sich heraus, dass Russland auf die “Sanktionen aus der Hölle” vorbereitet war, da es sich acht Jahre lang darauf vorbereitet hatte, und in der Lage war, den Schlag zu ertragen, der dann auf den Westen zurückprallte und ihn in Stücke zu schlagen begann. Der Westen fuhr reflexartig fort, dem ukrainischen Muster zu folgen und alles auf Putin zu schieben. Inzwischen hat sich aber das alternative Narrativ eines allmächtigen Herrn Putin herausgebildet, und wir sollten erwarten, dass immer mehr Stimmen laut werden, die nach Verhandlungen und Kompromissen mit ihm rufen. (…)

(wird fortgesetzt)

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Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 29

Der neue Eiserne Vorhang zieht sich zu, Europa schneidet sich vom “Herzland” ab, vom Handel und Wandel mit dem Osten, mit Russland und Asien, mit dem Rest der Welt – und niemand in Brüssel, Berlin, Paris oder Rom scheint zu ahnen, welche dystopischen Zustände damit auf das “alte Europa” zukommen. Wer nicht mit preisgünstiger Energie und Rohstoffen versorgt wird, kann nicht wettbewerbsfähig produzieren, wer  nicht wettbewerbsfähig ist, kann nichts verkaufen, und wer nichts verkauft, geht als Industriestaat unter. Manchmal kommt es mir in den letzten Wochen so vor, als ob mit knapp 80  Jahren Verspätung und hintenrum der Morgenthau-Plan doch noch umgesetzt würde, nach dem aus dem besiegten Deutschland ein Agrarstaat werden sollte. Doch bekanntlich setzte sich  seinerzeit der US-Außenminister Marshall gegen Finanzminister Morgenthau durch und mit dem nach ihm benannten Marshall-Plan wurde die Bundesrepublik zum Frontstaat im Kalten Krieg aufgerüstet. Joseph Stalins 1952 erfolgten Vertragsvorschlag einer  Wiedervereinigung Deutschlands  und eines Rückzugs der  sowjetischen Bestazung – unter der Bedingung einer künftigen militärischen Neutralität –  musste die Adenauer-Regierung auf Druck Washingtons und Londons ablehnen. Ganz so wie jetzt die Vasallen in Kiew eine militärische Neutralität ablehnen und auf transatlantische Weisung Krieg führen müssen.
 
Für eine Zwischenprüpfung am OSI, dem politikwissenschaftlichen “Otto Suhr Insitut” der Freien Univerität Berlin, beschäftigte ich mich Mitte der 1970er Jahre mit dieser “Stalin Note”   und verdanke diesem Studium meine ersten vertieften Einblicke in das “geopolitische Schach”, die Züge und Methoden globaler Machtpolitik. Und auch davon, dass es den Vereinigten Staaten nicht um regionalen Frieden und  Demokratie geht, sondern um globale, unipolare Macht. Für einen Autor des “Was wäre..”-Genres könnte das ein schöner Romanstoff sein – ein schweizerisiertes Deutschland 1952 ff.,  ich jedenfalls, 1954 pünktlich zum Halbfinale der Weltmeisterschaft hineingeboren,  stelle mir  das ziemlich interessant vor, besser als BRD/DDR und Berlin mit Mauer.

Wie auch immer…fast forward in die 2000er Jahre, in denen  es fast jedes Jahr eine “Putin Note” gab, mit der der russische Staatschef Verhandlungen und Verträge mit dem Westen anbot, bis hin zu einer Assoziation mit der NATO, die von den deutschen und europäischen Regierungen auf Druck der USA allesamt abgelehnt wurden. Stattdessen rückte die NATO immer näher an die russischen Grenzen heran und begann nach dem gewaltsamen Machtwechsel in Kiew 2014, die Ukraine als Frontstaat aufzurüsten. Dass der “Maidan” nicht wirklich erfolgreich war, weil die Industrieregionen im Osten und die Halbinsel Krim die Putsch-Regierung nicht akzeptierten und ihre Autonomie erklärten, führte dann zu dem blutigen Bürgerkrieg, der seitdem in der Donbass-Region mehr als 13.000 Zivilisten das Leben kostete.
Nachdem im Dezember 2021 die ultimative Forderung Russlands an die USA, die militärische Neutralität der Ukraine vertraglich zu vereinbaren, ignoriert wurde und stattdessen ukrainische Truppen im Osten mit massivem Beschuss begannen,  startete Russland seine “Spezielle Militäroperation” – zwei Tage nachdem es die beiden Donbass-Republiken anerkannt hatte und um deren “Schutzersuchen” nachzukommen. Eine Formalität, die aber völkerrechtlich nicht unwichtig ist, weil Russland sich damit auf den Präzedenzfall Kosovo und das von NATOstan  (im Rahmen der US-“regel-basierten-internationalen-Ordnung”) als “legal” akzeptierte “Right To Protect” berufen kann – was mir als scharfem Kritiker des damaligen NATO-Angriffs auf Jugoslawien am 24.2.22 eine gewisse “klammheimliche Freude” bereitet hatte. Nicht wegen der Verschärfung des Kriegs, der im Donbass schon seit 8 Jahren lief, sondern weil der Tabubruch NATOstans bestraft wurde.

Dass ein Großangriff auf die Separatistengebiete schon im Gange war, ging dann aus erbeuteten Einsatzplänen hervor, die Russland nach der Eroberung eines ukrainischen Stützpunkts Anfang März dokumentiert hat. Diesem Rückeroberungsplan ist die “Operation Z” somit zuvorgekommen – nicht mit einer “Invasion”, “Eroberung”  oder einem “Vernichtungskrieg”, von dem gerade in Deutschland viele völlig ungeniert reden, sondern mit einer “kombinierten militärisch-polizeilichen Operation”, wie Andrei Martyanov es genannt hat. Das Ziel der Intervention, so von Putin am 24. 2. angekündigt, ist die  Sicherheit des Donbass und “De-Militarisierung” der Ukraine, die seitdem voranschreitet, langsam und sicher, was westliche Beobachter und Analysten bis Mitte Mai als Schwäche auslegten. Dass die Russen tun was sie sagen und es auf größtmöglichen Schutz der Zivilbevölkerung und der eigenen Truppe anlegen, wollte man im Westen zuerst nicht verstehen. Die geduldige Belagerung der Asovstal-Festung mit der Gefangennahme von tausenden Kämpfern, die man auch mit schweren Bomben  hätte vernichten können, hat diese “schonende” Methode dann demonstriert.  Und auf diese Art, langsam aber mit unnachgiebigen Druck, wie eine Dampfwalze, gehen die russischen Streitkräfte vor. Wo sie auf starke Befestigungen stossen – und weil der Einsatz schwerer Bomber auf Städte ausgeschlossen ist  – bleibt die Walze dann stehen und rollt manchmal sogar wieder ein Stück zurück. Doch von Norden und von Süden zieht sich der Kessel im Donbass Kilometer um Kilometer  zu, jeden Tag verliert die Ukraine 300- 500 Mann und die aus den dezimierten Batallionen und neuen Rekruten zusammengewürfelten “Kampfgruppen” haben unter dem russischen Dauerfeuer nur eine Chance wenn sie nicht aufgeben: Kanonenfutter.

Dass mittlerweile sogar das CIA-Hausorgan “Washington Post” von der aussichtslosen Lage und dem Leid der im Stich gelassenen Soldaten ausführlich berichtet, mag zwar dem PR-Zweck dienen, die 40 Milliarden zu legitimieren, die Joe Biden “für die Ukraine” gerade den US-Rüstungskonzernen in den Rachen geworfen hat – es zeigt aber auch, dass man dem Publikum vor der Realität am Boden nicht länger die Augen verschließen kann. Zumal auch der oberste Militär – Joint Chief of Staff General Milley – über FoxNews schon mal vorsichtig darauf einstimmt, dass “Russland gewinnen könnte” und über das Kriegsende verhandelt werden muss. Wenn ein Top-General derlei Konjunktive verwendet, spricht das nicht für die Siegesgewissheit, wie sie von  Olaf Scholz (“Putin darf nicht gewinnen gewinnen!”) und seiner vom Völkerball kommenden Chefdiplomatin (“Die Ukraine muss gewinnen!”) im Bundestag noch vollmundig verbreitet wird. Auf was diese Siegesgewissheit gründet ist völlig unklar und weil es die Lageberichte von der Front es nicht sein können spricht alles für heiße Luft.
Die wird auch vom Wirtschaftsminister ventiliert wenn er verkündet, dass die Sanktionen “wirksam” wären und die russische Wirtschaft demnächst “zusammenbricht”, weil Putin “das nicht mehr lange durchhalten kann”. Mit der Realität der russischen Wirtschaft hat das nichts zu tun wie die aktuellen Ölexporte zeigen, denn Russland bleibt auf seinen Rohstoffen nicht sitzen. An “freundliche” Nationen wird Öl derzeit sogar zum Discountpreis von 72 Dollar (statt 116 auf dem Weltmarkt) verkauft und selbst wenn die EU ihr Programm eines Totalembargos zum Jahresende durchzieht, rechnet man in Russland mit Nettoverlusten von etwa 10%.  “Zusammenbruch” sieht anders aus, Deutschland und die EU aber schießen sich mit dem Sanktionsirrsinn nicht nur in beide Knie, sondern auch noch etwas höher.
Nicht nur die aktuellen Zahlen sprechen gegen die Sanktionen, schon der Grundgedanke, die Ökonomie eines rohstoffreichen und technologisch fortgeschrittenen Land wie Russland  damit in die Knie zwingen zu können, ist falsch. Es hat seit 20 Jahren nicht einmal gegen den Iran funktioniert und Russland ist ein weitaus schwereres Kaliber – wenn man nicht nach dem BIP (Brutto-Inlands-Produkt) rechnet, in das auch wertlose Spekulationsgewinne und andere immateriellen “Werte” einfliessen, sondern nach der realwirtschaftlich relevanteren Kaufkraftparität PPP (Purchasing Power Parity) ist es die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Derzeit knapp unter dem Level von Deutschland, doch wenn Habeck in “dienender Führungsrolle” des Imperiums so weitermacht,  sehr bald schon größer. Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sind 2022 um 50% höher als im Vorjahr, laut Bloomberg aktuell täglich 800 Millionen Dollar, in Deutschland hingegen sind an der Tankstelle schon jetzt die sozialen Verwerfungen abzusehen, die der Embargo-Irrsinn noch nach sich ziehen wird.

Ich hatte es hier schon öfter betont: Russland braucht Europa nicht, aber Europa braucht Russland. Deshalb kann es diesen wirtschaftlichen Krieg nur verlieren, so wie die Ukraine den militärischen Krieg verliert. Ein paar weitere Haubitzen und Material in die Schlacht zu werfen, kann sie verlängern, aber nicht wenden – und falls neue Mittelstreckenraketen dabei sind, die ein bekokster Komiker aus Versehen nach Russland feuern kann… dann ist Schluß mit lustig und regional begrenzter “Special Military Operation”, weil die Russen tun werden was sie für diesen Fall gesagt haben: die “Zentren der Entscheidung” für diese Attacken angreifen. Und die liegen bekanntlich nicht in Kiew….

Zum Abschluss hier noch die Zusammenfassung der geopolitischen  Kurznachrichten des geschätzten Korrespondenten Pepe Escobar auf Telegram:

ROCK’N ROLL DIALEKTIK – in einer Minute:

Der Kriegsverbrecher Henry Kissinger hat mit seinem Davoser Gemurmel über die Ukraine einen Sturm ausgelöst – mit Absicht. Das gesamte westliche Kommentariat fiel darauf herein.
Das war Kissinger – immer ein verlässlicher Aktivposten der Rothschilds – der wieder einmal sein einziges Spiel spielte: Teile und herrsche.
Was für diejenigen, die das Spiel kontrollieren, wirklich zählt, ist die Agenda 2030.
Hardcore-Austerität gemischt mit Hardcore-Sozialkontrolle der verarmten Massen. Digitale Zentralbankwährung. Sozialer Kredit auf Steroiden. Das Panoptikum 2.0.

Der nahtlose Übergang von Covid-19 zum Krieg in der Ukraine – komplett mit Zusammenbruch des Welthandels, Zusammenbruch der Versorgungslinien, Lebensmittel-/Energieknappheit – es ist alles geplant. Ein Mittel zum Zweck – Great Reset – (in Davos jetzt als “The Great Narrative” bezeichnet).
Kissinger befürchtet, dass der Krieg unkontrollierbar wird (das ist er bereits: und die Russen werden dafür sorgen, dass es für den kollektiven Westen so bleibt). So wie es aussieht, ist der Krieg die einzige “Strategie” der “Narrativ”-Bullies.
In der Zwischenzeit zeichnet sich ein Schreckgespenst ab: der Multi-Billionen-Tsunami der Derivate, der völlig außer Kontrolle geraten wird.

(wird fortgesetzt)
Alle bisher erschienen “Notizen” hier

Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 28

Wegen der intellektuellen “No-Fly-Zone” der Mainstreammedien, die nicht mehr über einen Krieg berichten, sondern als Cheerleader einer Kriegspartei fungieren, sind um objektive Betrachtung und kritische Beurteilung bemühte Beiträge kaum noch zu finden. Die schon während Corona exerzierte Desinfektion des Meinungskorridors, die Exkommunikation von Kritik und Dissens, die Diffamierung von Opposition…. diese jedem demokratischen System Hohn sprechenden Untugenden haben sich nicht nur etabliert, sie scheinen vom “Killervirus” nahtlos auf einen noch gefährlicheren Feind übergesprungen zu sein: den “Killerrussen”. So unheimlich tödlich, dass jeder Vergleich, jeder Kontext, jede Relativierung noch  unzulässiger wurde als der Vergleich von Covid 19 mit einer Grippewelle. Der Hinweis, dass drei Tage US-Bombardement im Irak mehr Ziviltote und Zerstörung produzierten als drei Monate russische “Militäroperation”,  entspricht zwar zwar den Tatsachen und ist als ein Kriterium für eine Beurteilung und Einordnung des Geschehens (“Vernichtungskrieg” vs. “Special Military Operation”) fraglos hilfreich, kann aber in den Großmedien nicht einmal beiläufig geäußert werden, ohne umgehend der Inquisition zum Opfer zu fallen. Auch die  Zahlen, die von der OSCE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in der Donbass-Region ermittelt wurden, müssen im Giftschrank bleiben: dass es Anfang Februar nur etwa ein Dutzend tägliche Verstösse gegen den Waffenstillstand gab, die sich dann auf über 1400 Attacken (am 21.2.) steigerten – dass Russland also nicht ganz “unprovoziert” intervenierte – darf in der “Tagessschau” nicht vorkommen. Es würde die “Wehrkraft” gegen die Killerrussen zersetzen und  die von unserer Völkerballexpertin und Ministerin des Äußersten beklagte “Kriegsmüdigkeit” weiter steigern, und das geht natürlich gar nicht.  Um derlei bellizistischer Fatigue vorzubeugen kam ja beim letzten Russlandfeldzug massenhaft “Pervitin” zum Einsatz und die Jagdflieger sollen vor ihren weißen Linien am Himmel auch gern mal eine Linie Koks gezogen haben, aber derlei Doping hat Frau Baerbock sicher nicht insinuiert – es geht ja um die kriegsmüden Deutschen an der Heimatfront, die es langsam leid sind, für das Chaos in einer korrupten Oligarchenrepublik penetrant und immer heftiger zur Kasse gebeten zu werden. Und denen es dämmert, dass nicht nur der reihenweise russische Kampfjets abschießende “Ghost of Kiew” ein Propaganda-Fake war, sondern auch den anderen Siegesmeldungen aus Kiew nicht zu trauen ist, die von den Cheerleader-Medien 1:1 als “Nachrichten” durchgewedelt werden. Deren Evolution wie in den Headlines des britischen  “Telegraph” (siehe Abbildung oben) auch in deutschen Meiden ähnlich verlaufen ist.

Für Leserinnen und Leser dieses Blogs ist Putins “schockierender Triumph”  kein Schock, weil die militärische Aussichtslosigkeit und absehbare Niederlage der Ukraine hier seit Monaten dargelegt worden ist; das der “Qualitätspresse”in NATOstan ausgelieferte zahlende Publikum freilich, das monatelang mit triumphalen Berichten über heldenhafte Ukrainer  und untermenschliche Russen auf Waffenlieferungen und Sieg im Krieg heiß gemacht wurde, dürfte ein wenig zu schlucken haben, und zu fragen. Wenn die Russen doch die Orks sind – dumm, brutal und unterlegen – warum können sie dann gewinnen ? Wenn wir “The World’s Finest Army” (Barack Obomba) haben, warum  müssen wir uns das gefallen lassen? Man kann sich doch nicht  mit “Putler”, dem blutrünstigen Ork-Diktator von gestern heute friedlich an einen Tisch setzen und verhandeln…, oder doch ? So oder so ähnlich werden sich viele fragen, wenn sie im Aufwachraum die Propaganda-Anästhesie hinter sich gelassen haben – das betäubende, aus allen Kanälen schallende Dröhnen und Röhren der infantilen, cartoonartigen, personalisierten, emotionalisierenden, putinisierten, analyse, -und kontextfreien Schwarz-Weiß-Berichterstattung der vergangenen 90 Tage.

Unterdessen hat Russland die letzten Tests der Zircon 3M22 abgeschlossen, die im Sommer an die Truppe ausgelierfert wird. Gegen die hypersonische anti-nautische Rakete (8000 km/h) ist jedes Abwehrsystem machtlos, mit einer Reichweite von 1000 km versenkt sie bei Bedarf alles, was entfernt in die Nähe kommt. Boris Johnson, der mit Polen, den baltischen Staaten und ukrainischen Nationalisten an einer Anti-EU-Achse bastelt, sollte also nicht weiter an der  Idee festhalten, mit den Schiffen einer “Koalititon der Wiligen” die Getreide-Transporte im Schwarzen Meer zu  “schützen”, die angeblich von russischen Blockaden, tatsächlich aber durch von Kiew selbst gelegte Minen behindert werden. So wie die aktuell drohende Lebensmittel, – und Düngemittelknappheit auch nicht “Putin”, sondern eher den Sanktionen gegen  Russland geschuldet ist – und sich schon  2020 mit der weltweiten Verteuerung abzeichnete, die sich wegen Covid und Transportproblemen noch verschärfte.  Dies jetzt in das Propaganda-Narrativ vom bösen Russen zu pressen, der auch noch arme Kinder in Afrika verhungern läßt und deshalb bekämpft werden muss, mag für PR-Agenten und Nachrichten-Manufakturen naheliegend sein, hat mit der Realität aber wenig zu tun. Tatsächlich geht es darum, dass Joe Biden am 10. Mai ein “Lend-Lease Law” für Waffenlieferungen an die Ukraine unterzeichnet hat,  die sie aber nicht geschenkt bekommt, sondern bezahlen soll.  Mit 20 Millionen Tonnen Weizen, die in ukrainischen Silos lagern und in den nächsten Wochen  gen Westen transportiert werden müssen – wo sie dann nicht in Lagerhäusern landen, sondern selbstverständlich sogleich gegen den “Welthunger” eingesetzt werden (Zwinkersmiley). Willkommen im Wertewesten, der aus der Portokasse seiner  Rüstungsmilliarden jedes Hungerproblem der Welt längst hätte lösen können, aber lieber Waffen liefert – und sich dafür vom ärmsten Land Europas mit Lebensmitteln bezahlen läßt.

Olaf Scholz soll zwar wegen der Getreidetransporte mit Wladimir Putin telefoniert haben, braucht aber vor allem wegen seines Affronts zu den 13.000 im Donbass Ermordeten (“lächerlich”) derzeit nicht mehr mit einem offenen Ohr zu rechen, ebenso wie Frankreichs Macron. Noch Anfang Februar, als sie beide in Moskau waren, hätten sie als souveräne Staatsmänner (ver-)handeln und den Militäreinsatz verhindern können – mit einer simplen schriftlichen Garantie, dass die Ukraine kein NATO-Mitglied wird – doch sie haben nur als Lakaien des US-Imperiums agiert. Und auch jetzt fällt ihnen nicht mehr ein als mehr Waffen zu liefern, um das Schlachten zu verlängern. Und sie wollen es gnadenlos “bis zum letzten Ukrainer” durchziehen, dem jetzt nur noch ein paar bessere Panzer und weitreichendere Raketen fehlen, um… Ja was eigentlich ? Damit der gedopte Clown Zelenski damit auf russische Städte  feuern kann?  Doch besser nicht, dachte man sich im Pentagon weshalb man die angekündigten HIMAR-Raketenwerfer jetzt  lieber nicht liefert –  die zu erwartenden Gegenbesuche von Zircon, Kinzhal & Co will man nicht riskieren. Zudem wären die HIMAR-Geschosse ein gefundenes Fressen für die russische S-400 Luftabwehr und ihr Einsatz dann kein “Game Changer” (und Verkaufsargument), sondern eher der Beleg für die Zweitklassigkeit amerikanischer High-End-Waffen. Diese muß der ausgemusterte “Gepard” ja nicht mehr unter Beweis stellen, für dessen verzögerte Lieferung sich hiesige Laptopbomber schämen und mehr “schwere Waffen” für die Front fordern. Eine Front, an der im Donbass täglich 3-500 Männer ums Leben kommen, weil sie in ihren Bunkern und Festungen gegen das Dauerfeuer russischer Artillerie keine Chance haben.

In den ukrainischen Medien kann das natürlich nicht berichtet werden, aber in NATOstan sickert langsam durch, dass man den eigenen Fake News – den Russen gehen die Raketen aus, die Panzer, das Personal! – nicht länger Glauben schenken kann und der achtjährige Krieg um das Donbass verloren ist. Das Eingeständnis einer Niederlage fällt immer schwer, zumal wenn es sich um die größte Stellvertreter-Armee handelt, die von NATOstan je aufgestellt und ausgerüstet wurde. Doch um viele tausend Leben in der Ostukraine zu retten, müssten die Verantwortlichen JETZT über diesen Schatten springen. Jeder Tag in diesem Krieg ist einer zuviel…

Letzte Meldung: Das Imperium hat das Naziproblem gelöst! Damit es nicht mehr von “russischen Propagandisten” ausgenutzt wird, wechseln Asov-Milizen ihr SS-Logo.  Also Achtung: Raider heißt jetzt Twix, Al Qaida heißt jetzt Al Nushra, die Wolfsangel-Nazis sind keine mehr und wer ihren Helden Stepan Bandera als Nazi bezeichnet, macht sich nach dem von Mini-Diktator Zelenski erlassenen Gesetz vom 22. Mai strafbar. Noch hat er zwar nicht gefordert, dieses Gesetz auch in das deutsche Strafgesetzbuch zu übernehmen, aber wie wir seinen Gaga-Botschafter Melnyk kennen, kann das nicht mehr lange dauern…

(wird fortgesetzt)

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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)