“Judgment Day Is Coming for Zelensky”… wenn ein Organ des “Team Clinton” wie “The Daily Beast” , wo Hillarys Tochter im Aufsichtsrat sitzt, das anstehende Jüngste Gericht für einen Politiker vorhersagt, kann man davon ausgehen, dass es sich um einen erledigten Fall handelt. Ende Mai konnte der Dinosaurier der Geopolitk Henry Kissinger die versammelte WEF-“Elite” in Davos noch regelrecht damit schockieren, dass der Krieg in der Ukraine verloren und höchste Zeit für Verhandlungen gekommen ist (Notizen #27), mittlerweile aber ist die Botschaft durchgesickert und die Verabschiedung aus dem Fantasyland, in dem die Ukraine gewinnt, zumindest in den USA in vollem Gange. Ihre hiesigen Vertreter und Lautsprecher haben offenbar noch keine neuen Textbausteine erhalten und tröten weiterhin Siegesmeldungen – wenn nur noch ein paar mehr Waffen geliefert werden. Wenn es nach Zelensky geht, am besten gleich Atomwaffen, doch soweit will NATOstan nicht gehen, aber doch weiter Material liefern um bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen.
Jetzt auch, nachdem ihre “Erstausstattung” mit alten sowjetischen Waffen weiteghend vernichtet ist, mit neuen Gerätschaften westlicher Hersteller, für die das aktuelle Schlachtfeld willkommene erste Praxistests bietet. Bis dato konnten die westlichen Waffen nicht wirklich überzeugen, wenn sich ukrainische Armeeeinheiten irgendwo zurückziehen mussten, liessen sie lieber die westlichen Waffen zurück als die sowjetischen. Auch wenn die Börsenkurse der hiesigen Hersteller in den letzten Monaten extrem gestiegen sind, scheint der Krieg in der Ukraine als Verkaufsshow für ihre Produkte bisher eher ungeeignet. Das Ganze macht mehr den Eindruck einer Art Abwrackprämie für die Rüstungsindustrie.
Von der hat unser eiserner Kanzler Olaf bei seinem Besuch in Kiew jetzt zwar noch ein wenig Nachschub versprochen, was freilich die verlorene Schlacht nicht wenden, sondern nur verlängern kann. Sein sozialdemokratischer Kollege, Mexicos Präsident Lopez Obrador, hat diese “unmoralische” Haltung gegenüber der Ukraine sehr treffend benannt: “Wir liefern die Waffen und ihr liefert die Leichen”. Da letztere in der ukrainischen Armee mittlerweile in tragischer Menge zu verzeichnen sind, rückt der Jugdment Day logischerweise auch für ihren Führer Zelensky täglich näher. Es läge allein an ihm und seiner Regierung, über “die Möglichkeit territorialer Konzession zu entscheiden” , hat US-Außenminister Blinken es ausgedrückt. Ob er dafür, wie Henry Kissinger nach seinem Davos-Auftritt, jetzt auf die offizielle Liste der “Feinde der Ukraine” gesetzt wird, bleibt abzuwarten. Wie siegesichere Waffenbrüderschaft klingt es jedenfalls nicht, sondern eher nach “Sieg” blinken und zum Rückzug abbiegen – und einem Sündenbock die Alleinschuld an der Niederlage zuschieben.
Auch Macron und Draghi, die Scholz bei seiner Reise begleiteten, wollen eigentlich nicht mehr weiterkämpfen, sondern plädieren für Verhandlungen. Leider zu spät. Bei ihren Moskau-Besuchen Anfang Februar hätten sie noch gute Argumente gehabt, um zu verhandeln und einen unnötigen Krieg zu verhindern, doch jetzt kann es keinen Verhandlungsfrieden mehr geben, sondern nur die bedingungslose Kapitulation der Ukraine. Solange die ausbleibt, wird Russland mit der systematischen “Demilitarisierung”, dem erklärten Ziel der Militäroperation, fortfahren und wird sich von Olaf Scholz – “Es wird keinen Diktatfrieden von Putins Gnaden geben” – nicht abhalten lassen. Für irgendwelche Zugeständnisse gibt es keinen Grund und es ist nicht absehbar, wie der kollektive Westen einen solchen schaffen will: an der militärischen Front ist das ebenso aussichtslos wie an der wirtschaftlichen, wo der Rubel fröhlich weiter steigt. Dass die drei europäischen Staatschefs die Ukraine zum EU-Beitrittskandidaten ernennen wollen wirkt da schon wie eine symbolische Verzweiflungstat – ein Passagier mehr oder weniger macht auf dem ohnhin sinkenden Schiff halt nichts mehr aus…
Unterdessen schreitet jenseits von NATOstan und dem abgehängten Europa, also für circa 85 % der Weltbevölkerung, das Ende der unipolaren Welt in großen Schritten voran, mit dem Aufbau und Ausbau neuer internationaler Partnerschaften und wirtschaftlicher Kooperationen, deren Volumen die “G7” überragt. Heissen wir mit dem Eurasien-Korrespondenten unseres Vertrauens Pepe Escobar die neuen “Big 8” willkommen:
Der Sprecher der Duma, Wjatscheslaw Wolodin, hat möglicherweise das entscheidende Akronym für die entstehende multipolare Welt geschaffen: “die neue G8”. Wie Wolodin feststellte, “haben die Vereinigten Staaten mit ihren eigenen Händen die Bedingungen dafür geschaffen, dass Länder, die einen gleichberechtigten Dialog und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen aufbauen wollen, zusammen mit Russland eine ‘neue G8’ bilden werden”. Diese Russland nicht sanktionierende G8, fügte er hinzu, liege beim BIP in Kaufkraftparität (KKP) um 24,4 % vor der alten G8, die eigentlich die G7 sei, da die Volkswirtschaften der G7 am Rande des Zusammenbruchs stünden und die USA eine Rekordinflation verzeichneten.
Die Macht des Akronyms wurde von Sergej Fedorow, einem Europaforscher der Russischen Akademie der Wissenschaften, bestätigt: Die drei BRICS-Mitglieder (Brasilien, China und Indien) neben Russland sowie Indonesien, Iran, die Türkei und Mexiko, die sich alle nicht dem Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland angeschlossen haben, werden bald die Weltmärkte beherrschen.(…) Die Entstehung der neuen G8 deutet auf das unvermeidliche Aufkommen von BRICS+ hin, eines der Hauptthemen, die auf dem bevorstehenden BRICS-Gipfel in China diskutiert werden sollen. Argentinien ist sehr daran interessiert, Teil der erweiterten BRICS zu werden, und die (informellen) Mitglieder der neuen G8 – Indonesien, Iran, Türkei, Mexiko – sind alle wahrscheinliche Kandidaten.
Und sicher nicht die letzten, zumal wenn diese neue “G8” ihren eigenen Währungsfonds aufmacht, eine weitere “World Trade Organisation” und parallele globale Institutionen eröffnet, die jenseits vom “Petro-Dollar” agieren und mit einer rohstoff,-und goldgedeckten Handelseinheit eine attraktive Reservewährung für alle Nationen schaffen. Was sich hier abzeichnet ist nicht weniger als eine neue Weltordnung, allerdings eine, die deutlich anders aufgestellt sein wird als die von George Bush dem Älteren 1991 angekündigte und angestrebte, unter “Full Spectrum Dominance” der USA. Mit der ist es nicht nur militärisch vorüber, auch die Wirtschafts-und Finanzwelt wird künftig nicht mehr allein von Washington und London beherrscht – Peking, Moskau und die Nationen von BRICS+ machen sich zusammen unabhängig und selbstständig. Für diese dort schon lange gehegten Pläne ist der neue eiserne Vorhang, mit dem sich Europa vom Handel mit Eurasien abschneiden läßt, ein beschleunigender Katalysator und der gesamte “globale Süden” sieht einer Alternative zur neoliberalen Abzocke (“Privatisierung” von Infrastruktur und Rohstoffen als Kreditbedingung) mit Sicherheit erfreut entgegen.
Deutschland bekommt unterdessen einen Vorgeschmack auf ausbleibende Energie aus Russland: Nordstream 1 liefert seit zwei Tagen 40 % weniger Gas und prompt bricht der Aktienkurs des Chemiekonzerns BASF um über 5% ein. Grund für die Reduktion ist die technische Wartung einer Siemens-Turbine, die in Kanada durchgeführt wurde – die aber nicht ausgeliefert wird. Wegen der Sanktionen, mit denen wir im Annalena LaLaLand immer noch “Russland ruinieren”….
(wird fortgesetzt)
Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:
Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)









