Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 32

“Judgment Day Is Coming for Zelensky”… wenn ein Organ des “Team Clinton” wie “The Daily Beast” , wo Hillarys Tochter im Aufsichtsrat sitzt, das anstehende Jüngste Gericht für einen Politiker vorhersagt, kann man davon ausgehen, dass es sich um einen erledigten Fall handelt. Ende Mai konnte der Dinosaurier der Geopolitk Henry Kissinger die versammelte WEF-“Elite” in Davos noch regelrecht damit schockieren, dass der Krieg in der Ukraine verloren und höchste Zeit für Verhandlungen gekommen ist (Notizen #27), mittlerweile aber ist die Botschaft durchgesickert und die Verabschiedung aus dem Fantasyland, in dem die Ukraine gewinnt, zumindest in den USA in vollem Gange. Ihre hiesigen Vertreter und Lautsprecher haben offenbar noch keine neuen Textbausteine erhalten und tröten weiterhin Siegesmeldungen – wenn nur noch ein paar mehr Waffen geliefert werden. Wenn es nach Zelensky geht, am besten gleich Atomwaffen, doch  soweit will NATOstan nicht gehen, aber doch weiter Material liefern um bis zum letzten Ukrainer kämpfen zu lassen.
Jetzt auch, nachdem ihre “Erstausstattung” mit alten sowjetischen Waffen weiteghend vernichtet ist, mit neuen Gerätschaften westlicher Hersteller,  für die das aktuelle Schlachtfeld willkommene erste Praxistests bietet.  Bis dato konnten die westlichen Waffen nicht wirklich überzeugen, wenn sich ukrainische Armeeeinheiten irgendwo zurückziehen mussten, liessen sie lieber die westlichen Waffen zurück als die sowjetischen. Auch wenn die Börsenkurse der hiesigen Hersteller in den letzten Monaten extrem gestiegen sind, scheint der Krieg in der Ukraine als Verkaufsshow für ihre Produkte bisher eher  ungeeignet. Das Ganze macht mehr den Eindruck einer Art Abwrackprämie für die Rüstungsindustrie.
Von der hat unser eiserner Kanzler Olaf bei seinem Besuch in Kiew jetzt zwar noch ein wenig Nachschub versprochen, was freilich die verlorene Schlacht nicht wenden, sondern nur verlängern kann. Sein sozialdemokratischer Kollege, Mexicos Präsident Lopez Obrador,  hat diese “unmoralische” Haltung gegenüber der Ukraine sehr treffend benannt: “Wir liefern die Waffen und ihr liefert die Leichen”. Da letztere in der ukrainischen Armee mittlerweile in tragischer Menge zu verzeichnen sind, rückt der Jugdment Day logischerweise auch für ihren Führer Zelensky täglich näher. Es läge allein an ihm und seiner Regierung, über “die Möglichkeit territorialer Konzession zu entscheiden” , hat US-Außenminister Blinken es ausgedrückt. Ob er dafür, wie Henry Kissinger nach seinem Davos-Auftritt,  jetzt auf die offizielle Liste der “Feinde der Ukraine” gesetzt wird, bleibt abzuwarten.  Wie siegesichere Waffenbrüderschaft klingt es jedenfalls nicht,  sondern eher nach “Sieg” blinken und zum Rückzug abbiegen – und einem Sündenbock die Alleinschuld an der Niederlage zuschieben.

Auch Macron und Draghi, die Scholz bei seiner Reise begleiteten, wollen eigentlich nicht mehr weiterkämpfen, sondern plädieren für Verhandlungen. Leider zu  spät. Bei ihren Moskau-Besuchen Anfang Februar hätten sie noch gute Argumente gehabt, um zu  verhandeln und einen unnötigen Krieg zu verhindern, doch jetzt kann es keinen Verhandlungsfrieden mehr geben, sondern nur die bedingungslose Kapitulation der Ukraine. Solange die ausbleibt, wird Russland mit der systematischen “Demilitarisierung”, dem erklärten Ziel der Militäroperation, fortfahren und wird sich von Olaf Scholz – “Es wird keinen Diktatfrieden von Putins Gnaden geben” – nicht abhalten lassen. Für irgendwelche Zugeständnisse gibt es keinen Grund und es ist nicht absehbar, wie der kollektive Westen einen solchen schaffen will: an der militärischen Front ist das ebenso aussichtslos wie an der wirtschaftlichen, wo der Rubel fröhlich weiter steigt. Dass die drei europäischen Staatschefs die Ukraine zum EU-Beitrittskandidaten ernennen wollen wirkt da schon wie eine symbolische Verzweiflungstat – ein Passagier mehr oder weniger macht auf dem ohnhin sinkenden Schiff halt nichts mehr aus…
Unterdessen schreitet jenseits von NATOstan und dem abgehängten Europa, also für circa 85 % der Weltbevölkerung, das Ende der unipolaren Welt in großen Schritten voran, mit dem Aufbau und Ausbau neuer internationaler Partnerschaften und wirtschaftlicher Kooperationen, deren Volumen die “G7” überragt. Heissen wir mit dem Eurasien-Korrespondenten unseres Vertrauens Pepe Escobar die neuen “Big 8” willkommen:

Der Sprecher der Duma, Wjatscheslaw Wolodin, hat möglicherweise das entscheidende Akronym für die entstehende multipolare Welt geschaffen: “die neue G8”. Wie Wolodin feststellte, “haben die Vereinigten Staaten mit ihren eigenen Händen die Bedingungen dafür geschaffen, dass Länder, die einen gleichberechtigten Dialog und für beide Seiten vorteilhafte Beziehungen aufbauen wollen, zusammen mit Russland eine ‘neue G8’ bilden werden”. Diese Russland nicht  sanktionierende G8, fügte er hinzu, liege beim BIP in Kaufkraftparität (KKP) um 24,4 % vor der alten G8, die eigentlich die G7 sei, da die Volkswirtschaften der G7 am Rande des Zusammenbruchs stünden und die USA eine Rekordinflation verzeichneten.

Die Macht des Akronyms wurde von Sergej Fedorow, einem Europaforscher der Russischen Akademie der Wissenschaften, bestätigt: Die drei BRICS-Mitglieder (Brasilien, China und Indien) neben Russland sowie Indonesien, Iran, die Türkei und Mexiko, die sich alle nicht dem Wirtschaftskrieg des Westens gegen Russland angeschlossen haben, werden bald die Weltmärkte beherrschen.(…) Die Entstehung der neuen G8 deutet auf das unvermeidliche Aufkommen von BRICS+ hin, eines der Hauptthemen, die auf dem bevorstehenden BRICS-Gipfel in China diskutiert werden sollen. Argentinien ist sehr daran interessiert, Teil der erweiterten BRICS zu werden, und die (informellen) Mitglieder der neuen G8 – Indonesien, Iran, Türkei, Mexiko – sind alle wahrscheinliche Kandidaten.

Und sicher nicht die letzten, zumal wenn diese neue “G8” ihren eigenen Währungsfonds aufmacht, eine  weitere “World Trade Organisation” und parallele globale Institutionen eröffnet, die jenseits vom “Petro-Dollar” agieren und mit einer rohstoff,-und goldgedeckten Handelseinheit eine attraktive Reservewährung für alle Nationen schaffen. Was sich hier abzeichnet ist nicht weniger als eine neue Weltordnung, allerdings eine, die deutlich  anders aufgestellt sein wird als die von George Bush dem Älteren 1991 angekündigte und angestrebte, unter “Full Spectrum Dominance” der USA. Mit der ist es nicht nur militärisch vorüber, auch die Wirtschafts-und Finanzwelt wird künftig nicht mehr allein von Washington und London beherrscht – Peking, Moskau und die Nationen von BRICS+ machen sich zusammen unabhängig und selbstständig. Für diese dort schon lange gehegten Pläne ist der neue eiserne Vorhang, mit dem sich Europa vom  Handel mit Eurasien abschneiden läßt, ein beschleunigender Katalysator und der gesamte “globale Süden” sieht einer Alternative zur neoliberalen Abzocke (“Privatisierung” von Infrastruktur und Rohstoffen als Kreditbedingung) mit Sicherheit erfreut entgegen.
Deutschland bekommt unterdessen einen Vorgeschmack auf ausbleibende Energie aus Russland: Nordstream 1 liefert seit zwei Tagen 40 % weniger Gas und prompt bricht der Aktienkurs des Chemiekonzerns BASF um über 5% ein. Grund für die Reduktion ist die technische Wartung einer Siemens-Turbine, die in Kanada durchgeführt wurde – die aber nicht ausgeliefert wird. Wegen der Sanktionen, mit denen wir im Annalena LaLaLand immer noch “Russland ruinieren”….
(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -31

“Ist der US-Geheimdienst wirklich so verkorkst?” fragte der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson nach der Lektüre eines New York Times Artikels, laut dem die USA keine genauen Kenntnisse über die Lage in der Ukraine, den Verlauf des Kriegs und die operativen Pläne Kiews haben. Man hätte, so wird ein Offizieller zitiert,  “ein weitaus besseres Bild von Russlands Militär, seinen geplanten Operationen sowie seinen Erfolgen und Misserfolgen” als von der der ukrainischen Armee. Wie denn das ? Da macht man Phantastillarden für Waffen an die Ukraine locker, ohne zu wissen, ob und wie man dort damit etwas  anfangen kann ? Weil die milliardenschweren US-Geheimdienste, die jedes Handy auf der Welt absaugen können, ausgerechnet in der Ukraine keine “intelligence” sammeln und deshalb leider ahnungslos sind ? Bei aller Ignoranz, Arroganz und Dummheit die man CIA, DIA & Co. vorwerfen kann, so blöde und unwissend können sie nicht  sein. Das eigentliche Problem meint Larry Johnson, ist wahrscheinlich nicht ein Mangel an Erkenntnissen:  “Es ist die Angst, den Politikern harte Wahrheiten zu sagen, die sie nicht hören wollen.”

Und es ist wieder die vertraute Melodie von “Geheimdienstfehlern” – oder, wie Adam Curtis es einmal ausgedrückt hat: “Vielleicht ist das wahre Staatsgeheimnis, dass Spione nicht sehr gut in ihrem Job sind und nicht viel über die Welt wissen.”  Aber für derlei Unwissen in Sachen Ukraine hat man jetzt immerhin einen Schuldigen ausgemacht: Präsident Zelensky. Denn:  “Er hat uns nicht über die schlechte Lage seines Landes informiert”. So was aber auch. Dabei ist der Komiker aus Kiew doch monatelang in aller Welt aufgetreten und hat Tag und Nacht bekundet, dass er nur noch ein paar Milliarden für Waffen braucht, um Putin aus dem Donbass und der Krim zu vertreiben . Und er hat alle oppositionellen Parteien und Medien verboten,  so dass durch deren “Desinformation” niemand verwirrt werden konnte. Die Regierenden von NATOstan haben dann aufgrund von Zelenskys Ansagen auch wirklich kräftig in die Taschen gegriffen, sich aber offenbar nicht die Mühe gemacht, den Textbausteinen des sympathischen Präsidentendarstellers in irgendeiner Weise auf den Zahn zu fühlen. Und als  paper of the record hat die NYT wie alle anderen Großmedien die Propaganda aus Kiew 1:1 wörtlich übernommen. So kam es dann, dass die westliche Welt monatelang mit Bullshit über einen vom ersten Tag an aussichtslosen militärischen Krieg gefüttert wurde. Und in einen Wirtschaftskrieg getrieben wurde, mit dem man “Russland ruinieren” (A.Bärbock) wird, weil “Putin das nicht lange durchhalten kann” (R.Habeck), wie unsere hiesigen Olivgrünen noch immer stramm behaupten, obwohl ihnen der Sanktions-Bumerang schon um die Ohren schwirrt.
Die Frage, sind sie so blöd oder tun sie nur so, läßt sich vielleicht beantworten, wenn man sich die  Studie der Regime Change-Experten des RAND-Instituts anschaut, die 2019 ermittelt haben, dass man einen solchen in Moskau am besten erreicht, indem man Russland überfordert und aus dem Gleichgewicht bringt ( “Overextending and Unbalancing Russia” ) – mit militärischen Aktionen und mit Sanktionen. Es liest sich wie das Drehbuch, nach dem  der kollektive Westen derzeit agiert… noch, denn was die  – laut US- Generalleutnant S.Twitty  definitiv scheiternde militärische Option betrifft, hat man mit Zelensky ja schon einen populären Sündenbock gefunden.

Für das Scheitern der ökonomischen Sanktionen  wird der noch gesucht, und es wäre keineswegs das erste Mal, dass ahnungslose US-Think-Tanker an ihrer eigenen Ignoranz und Hybris scheitern. Russland hat unterdessen mit Öl,-und Gas-Exporten bis zum 1. Juni 2022 schon 50% mehr eingenommen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres und mit dem Rubel (den Joe Biden zum “Rubble” machen wollte) die stärkste Währung des Jahres, während dem Westen laut JPMorgan-CEO Jamie Dimon mit Rezession und Inflation ein Hurrikan bevorsteht. Und ein kalter Winter, wenn er seine scheiternden Strategien samt der “Experten”, die sie ausgeheckt haben, nicht schleunigst in die Tonne tritt und aufhört, seinen eigenen Propagandafakes auch noch zu glauben.

https://cdn.images.express.co.uk/img/dynamic/139/590x/secondary/DIbetterscenario-4101334.webp?r=1654104843269Natürlich schaden die Sanktionen der russischen Wirtschaft, aber dass dies zum Aufstand der Bevölkerung gegen die Regierung führt wie die US-Strategen geplant haben, ist eine Illusion, denn nie war die Unterstützung Putins größer als heute. Viel eher ist ein solcher Aufstand im Westen zu erwarten, deren Bürger sich  von ihrern Regierenden nicht länger für sinnlose Sanktionen und nutzlose Waffenlieferungen zur Kasse bitten lassen werden. Sleepy Joe Biden und seine Partei rutschen bei den Zustimmungsraten täglich tiefer in den Keller und werden die Kongreßwahlen im November verlieren. Und wenn die Spritpreise weiter derart steigen, stehen bald (wie in Kanada) die Trucker vor dem Weissen Haus. Schauermärchen  über den ultrabösen Putin und seine russischen Vergewaltiger werden dann als Ausrede nicht mehr helfen. Zumal mittlerweile mehr Amerikaner glauben, dass es für sie besser wäre, wenn Biden abgesetzt würde (56 Prozent) als Putin (43 Prozent).

Woher kommen die vielen Putinversteher in den USA ? Sind wieder unsichtbare russische Hacker am Werk, oder geht auch die flächendeckende anti-russsche Propagandawalze nach hinten los, weil die Leute sie durchschaut haben und nicht mehr ernst nehmen ? Und mit großer Mehrheit nicht nur in den USA, sondern auch in Europa auf die Frage “Was spricht gegen eine blockfreie neutrale Ukraine, die mit Ost und West Handel treibt?” sofort “Gar nichts” ankreuzen würden… wenn Sie denn gefragt würde. Und nicht von ungewählten EU-Bürokraten ins ökonomische Abseits und Aus manövriert würden und von ihren Regierungen gezwungen, einer  aussichtslosen, weil auf Unwissen und Arroganz basierenden US-Strategie zu folgen: mit Sanktionen und einem möglichst langen Krieg die Macht in Moskau zu übernehmen. Doch diese Chance haben die USA mit ihrer Marionette Yelstin an der Macht in den 1990ern vertan und statt Demokratie und Wohlstand Terror und Armut über das Land gebracht, sie wird nie wieder kommen.

Europa sollte sich deshalb nicht weiter blind und selbstmörderisch vor diesen Karren spannen lassen und ich hoffe, dass im Geheimen schon Delegationen deutscher, französischer, italienischer und anderer europäischen Länder und Unternehmen dabei sind, mit Russland einen Plan B  auszuhandeln. Dass sie wettbewerbsfähige Industrienationen bleiben können wäre bei einem Gasstopp aus Russland innerhalb kürzester Zeit unmöglich, wenn Nordstream 1 leer läuft, sind nicht nur Auto,-und Chemieproduktion am Ende. Deshalb, so würden die geheimen Unterhändler sagen, müssten wir in  diesem Fall überlegen das Sanktions-Diktat aus Washington zu ignorieren und langfristge Veträge zur Belieferung über Nordstream 1 und 2 abschliessen. Den Konflikt mit den USA müsse man um des Wohls der eigenen Bevölkerung willen in Kauf nehmen,  weil ansonsten  Elend und Verarmung drohe und der Niedergang der europäischen Industrienationen zu Agrarkolonien.
Ich weiß nicht, ob es unter europäischen Entscheidungsträgern und Konzernlenkern wenigstens in der zweiten Reihe noch ein paar Leute gibt, die solch einen Plan B initiieren und umsetzen könnten oder ihn zumindest vorbereiten, falls die Lage weiter eskaliert. Es wäre zu sehr wünschen, denn so blind wie der Westen  derzeit agiert, führt der Weg nur an die Wand und ins Verderben….

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

3 JT #79: Hunger Games

Diese Russen schon wieder: Zuerst besetzen sie die Ukraine, jetzt bedrohen sie die ganze Welt mit einer Hungersnot. Was steckt da schon wieder dahinter? Außerdem: Wie soll es eigentlich nach dem Krieg weitergehen – in der Ukraine und in ganz Europa? Und was gibt’s Neues von Julian Assange? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in Ausgabe #79 des 3. Jahrtausends!

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 30

“Die Dämonisierung Putins ist keine Politik, sondern ein Alibi für ihre Abwesenheit” – was Henry Kissinger schon 2014 monierte, wurde im Februar 2022 mit dem russischen Einmarsch in der Ukraine beantwortet. Wo keine Politik mehr gemacht wird, droht – wie wir seit Clausewitz wissen – die “Fortsetzung mit anderen Mitteln”: Krieg. Und ist der erstmal im Gange, schaltet die Dämonisierung bekanntlich in den Overdrive, wie seit einigen Monaten die Putinologen in der hiesigen Kampfpresse, wo kein Hitler-Vergleich zu peinlich, keine Pathologisierung zu plump und kein Schwerverbrechen blutig genug ist, um sie nicht dem russischen Präsidenten anzuhängen. Um im selben Atemzug seine Niederlage ankündigen, wegen fehlender Raketen, Streitkräfte, Panzer etc.pp., weshalb man die Ukraine jetzt nur noch mit ein paar reichweitenstärkeren Raketenwerfer:innen bestücken muss, um den “Sieg” sicherzustellen. Was dann von der deutschen Kampfpresse als “Selbstbefreiung” gepriesen wird.

Mit der Wirklichkeit hat das alles nichts zu tun, denn weder ist Putin=Hitler, noch spricht die Realität an der Front für irgendeinen Sieg der Ukraine. Dass das Gegenteil der Fall ist, dass die größte von NATOstan je aufgestellte Stellvertreterarmee langsam aber sicher vernichtet wird, weil sie  gegen die Übermacht Russlands schlicht keine Chance hat, wie hier seit Februar immer wieder dargelegt – diese Fakten haben einen tiefen Graben der kognitiven Dissonanz aufgerissen, der offenbar nur noch Projektionen zuläßt, mit denen die eigenen Schwächen und Schatten dem “Feind” zugeschoben werden. Wenn Frankreichs Macron fordert, dass man Putin nicht länger “demütigen” soll, weil man am Ende mit Russland an den Verhandlungstisch muss, ist diese Forderung  nach Rückkehr der Diplomatie zwar richtig, deutet aber auch an, wer hier gerade wirklich “gedemütigt” wird – Putin mit grosteken, infantilen, hysterischen Diffamierungen oder der Westen, mit einer krachenden Niederlage in der Ukraine und dem ruinösen Scheitern des Sanktionsirrsinns ? Glaubt Herr Habeck noch,  dass er mit einem Öl-Embargo Russlands Wirtschaft ruinieren und Putin stürzen kann, oder projiziert er mit diesem Phantasma schon den Ruin der deutschen Wirtschaft und seinen eigenen Absturz ?  Ich denke, in beiden Fällen ist eher Letzteres ist der Fall.

Und ehe wir  auch noch die Frage beantworten How Many Frequent-Flyer Miles Would it Cost to Send Ursula von der Leyen Non-Stop to Hell? lassen wir einen uns die Zusammenhänge der aktuellen Energie,-und Lebensmittelkrise von einem Fachmann erklären, der ihre Ursachen bündig zusammengefasst  hat: “Eine einfach dumme Politik”. Auch mit allem anderen was er in diesem TV-Interview sagt, ist Putin ziemlich genau auf dem Punkt und nach der ersten goldenen Kriegsregel – “Kenne deinen Gegner” – müssten diese Aussagen kaum dass sie auf  “Rossja1” gefallen sind,  dem Publikum auf CNN, BBC, ARD zur Kenntnis gebracht werden. Was sie aber nicht tun, weil kein Journalismus, sondern nur noch Propaganda gemacht wird – und da ist es ein Tabu, dass der Ultraböse irgendetwas Richtiges oder Vernünftiges sagt. Und glücklich ist, wer wie Ulrike Guerot angesichts der Aussichtslosigekeit des Kriegs für Friedensverhandlungen plädiert und keinem kriegsgeilen “Mobberator” wie Markus Lanz in die Hände fällt. 

Weil seit dem russischen Einmarsch die Maschinerie der Gehirnwäsche, die Karl Kraus schon vor dem ersten Weltkrieg am Laufen sah – “Diplomaten belügen Journalisten und glauben es wenn sie es lesen” – multimedial im Turbo-Modus rotiert , sind beide Seiten abgehoben von der Realität in einem illusionären Wunderland unterwegs. Sie glauben, einen Krieg gegen die größte Nuklearmacht der Welt gewinnen zu können – und weil es nicht wirklich können, schicken sie eine Stellvertreterarmee um wenigstens Schaden anzurichten – und sie glauben, ausgerechnet das rohstoffreichste Land der Erde wirtschaftlich zerstören zu können – und ruinieren sich dabei selbst.  Über die Hybris, Ignoranz und Arroganz, die diesen Glaubenssätzen zugrunde liegt, müsste dringend geredet werden,  denn die fatalen Folgen dieser Selbstüberschätzung  des Westens kosten täglich weitere Menschenleben.  Angesichts der mentalen Verwüstungen, die der anti-russische Propaganda-Tsunami angerichtet hat, scheint eine solche Debatte aber zur Zeit schwierig bis unmöglich.

Dmitry Orlov, dessen “Lehre vom Kollaps” ich vor zwei Jahren übersetzt hatte, hat gerade wunderbar beschrieben, wie auch die “Putin ist schuld” – Suada des Westens dabei ist, nach hinten los zu geht: How blaming Putin is helping Putin.  Ich empfehle,  das ganze Stück zu lesen, hier ein Auszug:

 

Die Systemkrise, die wir derzeit im Westen (und in anderen Teilen der Welt, die zu eng mit dem Westen verflochten sind, um sich ihr zu entziehen) erleben, wird objektiv vom Westen selbst verursacht. Aber da der Westen es nicht gewohnt ist, seine Fehler einzugestehen (da er sich in seiner eigenen verblendeten Denkweise für überlegen, unentbehrlich und unfehlbar hält), ist er gezwungen, sein episches Versagen in praktisch allen Bereichen damit zu erklären, dass er alles auf Putin schiebt. Das heißt, sie geben nicht einmal Russland im Allgemeinen die Schuld, sondern Putin persönlich; schließlich kann Russland zuweilen gut und angenehm sein (wie unter Gorbatschow und Jelzin), aber Putin sorgt dafür, dass es sich daneben benimmt. Deshalb muss alles Putins Schuld sein.

So weit ist es gekommen: Selbst der  Präsident der Vereinigten Staaten (oder wer auch immer seinen Teleprompter bedient), der im Laufe seiner Wahlkampagne geschworen hat, dass er die Verantwortung für alles, was unter seinem Kommando geschieht, übernehmen wird, gibt nun so regelmäßig und monoton “Putins Preiserhöhung” die Schuld, dass der Ausdruck zu einem Mem geworden ist. Inzwischen hat sich das Narrativ “Putin ist an allem schuld” auf alle heikleren Probleme ausgeweitet: Inflation, Kraftstoffpreise, Preissteigerungen bei Lebensmitteln und sogar… Mangel an Babynahrung! (…)

Diese wunderbare Strategie funktioniert kurzfristig sehr gut, hat aber längerfristig aufgrund eines bestimmten Mechanismus der Massenpsychologie eine große Schwachstelle. Oberflächlich betrachtet, ist sie einfach und scheinbar kugelsicher: Putin ist irrational; er hat imperiale Ambitionen, leidet unter Paranoia und Größenwahn, ist besessen von der Wiederherstellung der UdSSR… Da seine Motive irrational sind, kann man ihnen nicht mit rationalen Mitteln wie Verhandlungen, Diplomatie, Kompromissen usw. beikommen. Putin ist ein verrückter Diktator mit vielen Atomraketen, und so können wir nur noch leiden. Dieses Konstrukt scheint für die meisten Zwecke gut genug zu sein, etwa um soziale Probleme, wirtschaftliche Fragen und Führungsversagen weg zu erklären. Aber nur auf kurze Sicht.

Hätte die beispiellose Flutwelle von Sanktionen, die der Westen gegen Russland verhängt hatte, in den ersten zwei oder drei Monaten der russischen “Spezialoperation” in der Ukraine irgendeine Art von greifbarer Wirkung gezeigt, dann hätte diese Strategie ausgereicht, um den Schock der sich entfaltenden Krise für die leidgeprüften Massen im Westen zu mildern (obwohl sich die Krise auch dann weiter entfalten würde, wenn die russische Wirtschaft zusammengebrochen wäre). Auf längere Sicht funktioniert diese Strategie jedoch nicht mehr. Erstens ist das Narrativ “Putin  ist schuld”  ziemlich eintönig und wird schnell alt. Zweitens, und das ist weitaus wichtiger, wird auf der Ebene des Unterbewusstseins der Massen der Eindruck erweckt, Putin sei ein Gott: supermächtig, supereinflussreich und in der Lage, mit subtilen und unsichtbaren Mitteln sowohl globale als auch lokale Prozesse zu beeinflussen. Darüber hinaus ist der Gott Putin zeusähnlich und verfügt über mächtige atomare Blitze, die seinem ohnehin schon furchterregenden Image noch mehr Schrecken einflößen.

Früher oder später wird das westliche Massenunterbewusstsein einen einfachen und vollkommen logischen Gedanken entwickeln: Wenn Putin allmächtig und supereinflussreich ist und wir mit unseren schwachen “Sanktionen aus der Hölle” nichts tun können, um ihn in drei, dann fünf, dann sieben Monaten zu schwächen oder zu vertreiben, dann müssen wir uns natürlich mit ihm arrangieren und seinen Forderungen nachgeben, bevor es für uns noch schlimmer wird! Und während es für das westliche Massenunterbewusstsein erniedrigend wäre, mit einem kleinen Tyrannen oder einem verrückten Despoten zu verhandeln, ist es keineswegs beschämend, mit einem allmächtigen Halbgott zu verhandeln, der das Schicksal der Menschheit in seinen Händen hält, sondern eine notwendige, unumgängliche und äußerst vernünftige Maßnahme. Darüber hinaus sollte es möglich sein, einen solchen Kompromiss in schmeichelhaften Worten darzustellen: als ein großmütiges Geschenk der Gemeinschaft der zivilisierten Nationen, das in gutem Glauben angeboten wird, um die Welt vor einem nuklearen Armageddon zu bewahren, das von einem wütenden, allmächtigen Halbgott entfesselt werden soll.

Wenn westliche Politiker, wie zu erwarten, nicht bereit sind, mit Putin zu verhandeln und Kompromisse einzugehen, werden die leidenden westlichen Massen ihnen die Schuld für jede Verzögerung geben. Wenn Putin allmächtig und supereinflussreich ist, warum verhandeln sie dann nicht und suchen keinen Kompromiss? Worauf warten sie? Was ist mit ihnen los? Die besser Informierten unter den westlichen Massen können vielleicht sogar eine selten diskutierte, aber ziemlich offensichtliche Tatsache erahnen: Was Putin will, ist gar nicht so unvernünftig. Er will nur einen Teil der Ukraine (nicht notwendigerweise die ganze Ukraine, sondern nur die enthusiastischen, patriotischen russischen Teile ) und er will auch, dass die NATO verdammt noch mal von Russlands Grenzen weg ist. “Wozu brauchen wir diese Ukraine überhaupt?”, könnte sich diese aufgeklärten Elemente fragen. Schließlich haben die meisten Menschen im Westen viele glückliche Jahre damit verbracht, nicht zu wissen, dass die Ukraine überhaupt existiert. Mehr noch: Als sie vor kurzem von ihrer Existenz erfuhren, brach gerade eine sehr unangenehme Krise aus – und sie können den verdammten Ort immer noch nicht auf einer Karte finden! Und jetzt müssen sie unter himmelhohen Benzinpreisen, unerschwinglichen Lebensmitteln, galoppierender Inflation und einem Mangel an Babynahrung leiden – und das alles nur, weil ein paar idiotische Politiker sich weigern, Putin diese verdammte Ukraine zu überlassen, die sowieso niemand haben will? (Nun, Polen schon, aber wer zum Teufel ist Polen?) Kommt schon! Seid vernünftig! Schafft diesen dummen Hunter-Biden-Spielplatz ab und lasst uns weitermachen!

Das ist das neue Narrativ, das sich unweigerlich im Massenunterbewusstsein des Westens herausbildet, und während die Zeit vergeht, die Energiepreise weiter steigen, Engpässe bei allen möglichen Dingen alltäglich werden … und in der Zwischenzeit der Rubel stärker und Russland trotz der “Sanktionen aus der Hölle” immer reicher wird und seine sagenumwobene Mauer aus Artilleriefeuer gemächlich nach Westen über die ukrainische Landschaft zieht, wird dieses Narrativ immer stärker werden und schließlich die Oberhand gewinnen. An diesem Punkt wird jeder Versuch, “Putin die Schuld zu geben”, mit Buhrufen, Zischlauten und einer Salve von verfaultem Gemüse beantwortet werden. Was sollten wir von westlichen Politikern unter diesen Umständen erwarten? Wir sollten keine Überraschungen erwarten; sie werden tun, was sie immer getan haben: Sie werden versuchen, die neue, konkurrierende Darstellung zu unterdrücken. Sie werden jeden “ausschalten”, der versucht, es in den Medien zu artikulieren. (Tucker Carlson aufgepasst!)

Auf diese Weise wird der Westen genau das wiederholen, was in der Ukraine selbst passiert ist – ein Symptom für die schleichende Ukrainisierung des Westens. In der Ukraine hat das Kiewer Regime für jedes einzelne katastrophale Versagen in den Jahren 2014 und 2015 Putin persönlich verantwortlich gemacht. Im Laufe der Zeit ist es ihm gelungen, eine Art Quasi-Kult um Putin als allmächtige böse Gottheit zu bilden, die die arme, von Schmerzen geplagte, kleine, kuschelige Ukraine vernichten will. Infolgedessen hat sich im Jahr 2018 – mehr oder weniger – im Unterbewusstsein der ukrainischen Massen ein neues Narrativ herausgebildet: “Wozu brauchen wir diese von Russland verseuchte Krim oder diesen widerspenstigen Donbass? Warum können wir sie nicht einfach Putin überlassen, damit er uns in Ruhe lässt und wir uns als europäisch orientiertes Land entwickeln können?”

Wie reagierte das Kiewer Regime auf dieses neue Narrativ? Es tat, was es konnte, um es zu unterdrücken. Das war eine unabhängige Initiative, sondern eine koloniale Verwaltungsmaßnahme, die von Washington aus gesteuert wird. Und da Washington damit beschäftigt war, einen ukrainischen Krieg gegen Russland anzuzetteln, war jedes Narrativ, das einen Friedensschluss mit Russland beinhaltete, einfach nicht erlaubt. Deshalb wurden alle politischen Parteien der ukrainischen Opposition verboten, alle nicht von der Regierung kontrollierten Fernsehsender wurden abgeschaltet, und jeder, der es wagte, die Vermutung aufzustellen, dass es eine gute Idee sein könnte, de facto unabhängigen Gebieten die Chance zu geben, ihr Schicksal selbst zu bestimmen, wurde des Separatismus angeklagt und inhaftiert oder getötet. Das Ergebnis war, dass der Westen bekam, was er wollte: einen ukrainischen Krieg mit Russland.

Doch dann ging etwas furchtbar schief. Putin kam dem ukrainischen Angriff zuvor und zündete ein Gegenfeuer, indem er Panzerkolonnen in das zuvor vom Kiewer Regime kontrollierte Gebiet schickte und dessen Logistik durcheinanderbrachte, was seine Schlachtpläne in ein furchtbares Durcheinander stürzte. Dann machte er sich daran, die ukrainische Kriegskapazität mit Hilfe von Raketen methodisch in die Luft zu jagen. Nach dem Zeitplan wird Ende dieses Monats alles verschwunden sein, ungeachtet der westlichen Militärhilfe. Und dann stellte sich heraus, dass Russland auf die “Sanktionen aus der Hölle” vorbereitet war, da es sich acht Jahre lang darauf vorbereitet hatte, und in der Lage war, den Schlag zu ertragen, der dann auf den Westen zurückprallte und ihn in Stücke zu schlagen begann. Der Westen fuhr reflexartig fort, dem ukrainischen Muster zu folgen und alles auf Putin zu schieben. Inzwischen hat sich aber das alternative Narrativ eines allmächtigen Herrn Putin herausgebildet, und wir sollten erwarten, dass immer mehr Stimmen laut werden, die nach Verhandlungen und Kompromissen mit ihm rufen. (…)

(wird fortgesetzt)

Alle bisher erschienen “Notizen” hier
Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

 

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 29

Der neue Eiserne Vorhang zieht sich zu, Europa schneidet sich vom “Herzland” ab, vom Handel und Wandel mit dem Osten, mit Russland und Asien, mit dem Rest der Welt – und niemand in Brüssel, Berlin, Paris oder Rom scheint zu ahnen, welche dystopischen Zustände damit auf das “alte Europa” zukommen. Wer nicht mit preisgünstiger Energie und Rohstoffen versorgt wird, kann nicht wettbewerbsfähig produzieren, wer  nicht wettbewerbsfähig ist, kann nichts verkaufen, und wer nichts verkauft, geht als Industriestaat unter. Manchmal kommt es mir in den letzten Wochen so vor, als ob mit knapp 80  Jahren Verspätung und hintenrum der Morgenthau-Plan doch noch umgesetzt würde, nach dem aus dem besiegten Deutschland ein Agrarstaat werden sollte. Doch bekanntlich setzte sich  seinerzeit der US-Außenminister Marshall gegen Finanzminister Morgenthau durch und mit dem nach ihm benannten Marshall-Plan wurde die Bundesrepublik zum Frontstaat im Kalten Krieg aufgerüstet. Joseph Stalins 1952 erfolgten Vertragsvorschlag einer  Wiedervereinigung Deutschlands  und eines Rückzugs der  sowjetischen Bestazung – unter der Bedingung einer künftigen militärischen Neutralität –  musste die Adenauer-Regierung auf Druck Washingtons und Londons ablehnen. Ganz so wie jetzt die Vasallen in Kiew eine militärische Neutralität ablehnen und auf transatlantische Weisung Krieg führen müssen.
 
Für eine Zwischenprüpfung am OSI, dem politikwissenschaftlichen “Otto Suhr Insitut” der Freien Univerität Berlin, beschäftigte ich mich Mitte der 1970er Jahre mit dieser “Stalin Note”   und verdanke diesem Studium meine ersten vertieften Einblicke in das “geopolitische Schach”, die Züge und Methoden globaler Machtpolitik. Und auch davon, dass es den Vereinigten Staaten nicht um regionalen Frieden und  Demokratie geht, sondern um globale, unipolare Macht. Für einen Autor des “Was wäre..”-Genres könnte das ein schöner Romanstoff sein – ein schweizerisiertes Deutschland 1952 ff.,  ich jedenfalls, 1954 pünktlich zum Halbfinale der Weltmeisterschaft hineingeboren,  stelle mir  das ziemlich interessant vor, besser als BRD/DDR und Berlin mit Mauer.

Wie auch immer…fast forward in die 2000er Jahre, in denen  es fast jedes Jahr eine “Putin Note” gab, mit der der russische Staatschef Verhandlungen und Verträge mit dem Westen anbot, bis hin zu einer Assoziation mit der NATO, die von den deutschen und europäischen Regierungen auf Druck der USA allesamt abgelehnt wurden. Stattdessen rückte die NATO immer näher an die russischen Grenzen heran und begann nach dem gewaltsamen Machtwechsel in Kiew 2014, die Ukraine als Frontstaat aufzurüsten. Dass der “Maidan” nicht wirklich erfolgreich war, weil die Industrieregionen im Osten und die Halbinsel Krim die Putsch-Regierung nicht akzeptierten und ihre Autonomie erklärten, führte dann zu dem blutigen Bürgerkrieg, der seitdem in der Donbass-Region mehr als 13.000 Zivilisten das Leben kostete.
Nachdem im Dezember 2021 die ultimative Forderung Russlands an die USA, die militärische Neutralität der Ukraine vertraglich zu vereinbaren, ignoriert wurde und stattdessen ukrainische Truppen im Osten mit massivem Beschuss begannen,  startete Russland seine “Spezielle Militäroperation” – zwei Tage nachdem es die beiden Donbass-Republiken anerkannt hatte und um deren “Schutzersuchen” nachzukommen. Eine Formalität, die aber völkerrechtlich nicht unwichtig ist, weil Russland sich damit auf den Präzedenzfall Kosovo und das von NATOstan  (im Rahmen der US-“regel-basierten-internationalen-Ordnung”) als “legal” akzeptierte “Right To Protect” berufen kann – was mir als scharfem Kritiker des damaligen NATO-Angriffs auf Jugoslawien am 24.2.22 eine gewisse “klammheimliche Freude” bereitet hatte. Nicht wegen der Verschärfung des Kriegs, der im Donbass schon seit 8 Jahren lief, sondern weil der Tabubruch NATOstans bestraft wurde.

Dass ein Großangriff auf die Separatistengebiete schon im Gange war, ging dann aus erbeuteten Einsatzplänen hervor, die Russland nach der Eroberung eines ukrainischen Stützpunkts Anfang März dokumentiert hat. Diesem Rückeroberungsplan ist die “Operation Z” somit zuvorgekommen – nicht mit einer “Invasion”, “Eroberung”  oder einem “Vernichtungskrieg”, von dem gerade in Deutschland viele völlig ungeniert reden, sondern mit einer “kombinierten militärisch-polizeilichen Operation”, wie Andrei Martyanov es genannt hat. Das Ziel der Intervention, so von Putin am 24. 2. angekündigt, ist die  Sicherheit des Donbass und “De-Militarisierung” der Ukraine, die seitdem voranschreitet, langsam und sicher, was westliche Beobachter und Analysten bis Mitte Mai als Schwäche auslegten. Dass die Russen tun was sie sagen und es auf größtmöglichen Schutz der Zivilbevölkerung und der eigenen Truppe anlegen, wollte man im Westen zuerst nicht verstehen. Die geduldige Belagerung der Asovstal-Festung mit der Gefangennahme von tausenden Kämpfern, die man auch mit schweren Bomben  hätte vernichten können, hat diese “schonende” Methode dann demonstriert.  Und auf diese Art, langsam aber mit unnachgiebigen Druck, wie eine Dampfwalze, gehen die russischen Streitkräfte vor. Wo sie auf starke Befestigungen stossen – und weil der Einsatz schwerer Bomber auf Städte ausgeschlossen ist  – bleibt die Walze dann stehen und rollt manchmal sogar wieder ein Stück zurück. Doch von Norden und von Süden zieht sich der Kessel im Donbass Kilometer um Kilometer  zu, jeden Tag verliert die Ukraine 300- 500 Mann und die aus den dezimierten Batallionen und neuen Rekruten zusammengewürfelten “Kampfgruppen” haben unter dem russischen Dauerfeuer nur eine Chance wenn sie nicht aufgeben: Kanonenfutter.

Dass mittlerweile sogar das CIA-Hausorgan “Washington Post” von der aussichtslosen Lage und dem Leid der im Stich gelassenen Soldaten ausführlich berichtet, mag zwar dem PR-Zweck dienen, die 40 Milliarden zu legitimieren, die Joe Biden “für die Ukraine” gerade den US-Rüstungskonzernen in den Rachen geworfen hat – es zeigt aber auch, dass man dem Publikum vor der Realität am Boden nicht länger die Augen verschließen kann. Zumal auch der oberste Militär – Joint Chief of Staff General Milley – über FoxNews schon mal vorsichtig darauf einstimmt, dass “Russland gewinnen könnte” und über das Kriegsende verhandelt werden muss. Wenn ein Top-General derlei Konjunktive verwendet, spricht das nicht für die Siegesgewissheit, wie sie von  Olaf Scholz (“Putin darf nicht gewinnen gewinnen!”) und seiner vom Völkerball kommenden Chefdiplomatin (“Die Ukraine muss gewinnen!”) im Bundestag noch vollmundig verbreitet wird. Auf was diese Siegesgewissheit gründet ist völlig unklar und weil es die Lageberichte von der Front es nicht sein können spricht alles für heiße Luft.
Die wird auch vom Wirtschaftsminister ventiliert wenn er verkündet, dass die Sanktionen “wirksam” wären und die russische Wirtschaft demnächst “zusammenbricht”, weil Putin “das nicht mehr lange durchhalten kann”. Mit der Realität der russischen Wirtschaft hat das nichts zu tun wie die aktuellen Ölexporte zeigen, denn Russland bleibt auf seinen Rohstoffen nicht sitzen. An “freundliche” Nationen wird Öl derzeit sogar zum Discountpreis von 72 Dollar (statt 116 auf dem Weltmarkt) verkauft und selbst wenn die EU ihr Programm eines Totalembargos zum Jahresende durchzieht, rechnet man in Russland mit Nettoverlusten von etwa 10%.  “Zusammenbruch” sieht anders aus, Deutschland und die EU aber schießen sich mit dem Sanktionsirrsinn nicht nur in beide Knie, sondern auch noch etwas höher.
Nicht nur die aktuellen Zahlen sprechen gegen die Sanktionen, schon der Grundgedanke, die Ökonomie eines rohstoffreichen und technologisch fortgeschrittenen Land wie Russland  damit in die Knie zwingen zu können, ist falsch. Es hat seit 20 Jahren nicht einmal gegen den Iran funktioniert und Russland ist ein weitaus schwereres Kaliber – wenn man nicht nach dem BIP (Brutto-Inlands-Produkt) rechnet, in das auch wertlose Spekulationsgewinne und andere immateriellen “Werte” einfliessen, sondern nach der realwirtschaftlich relevanteren Kaufkraftparität PPP (Purchasing Power Parity) ist es die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Derzeit knapp unter dem Level von Deutschland, doch wenn Habeck in “dienender Führungsrolle” des Imperiums so weitermacht,  sehr bald schon größer. Die Einnahmen aus dem Ölgeschäft sind 2022 um 50% höher als im Vorjahr, laut Bloomberg aktuell täglich 800 Millionen Dollar, in Deutschland hingegen sind an der Tankstelle schon jetzt die sozialen Verwerfungen abzusehen, die der Embargo-Irrsinn noch nach sich ziehen wird.

Ich hatte es hier schon öfter betont: Russland braucht Europa nicht, aber Europa braucht Russland. Deshalb kann es diesen wirtschaftlichen Krieg nur verlieren, so wie die Ukraine den militärischen Krieg verliert. Ein paar weitere Haubitzen und Material in die Schlacht zu werfen, kann sie verlängern, aber nicht wenden – und falls neue Mittelstreckenraketen dabei sind, die ein bekokster Komiker aus Versehen nach Russland feuern kann… dann ist Schluß mit lustig und regional begrenzter “Special Military Operation”, weil die Russen tun werden was sie für diesen Fall gesagt haben: die “Zentren der Entscheidung” für diese Attacken angreifen. Und die liegen bekanntlich nicht in Kiew….

Zum Abschluss hier noch die Zusammenfassung der geopolitischen  Kurznachrichten des geschätzten Korrespondenten Pepe Escobar auf Telegram:

ROCK’N ROLL DIALEKTIK – in einer Minute:

Der Kriegsverbrecher Henry Kissinger hat mit seinem Davoser Gemurmel über die Ukraine einen Sturm ausgelöst – mit Absicht. Das gesamte westliche Kommentariat fiel darauf herein.
Das war Kissinger – immer ein verlässlicher Aktivposten der Rothschilds – der wieder einmal sein einziges Spiel spielte: Teile und herrsche.
Was für diejenigen, die das Spiel kontrollieren, wirklich zählt, ist die Agenda 2030.
Hardcore-Austerität gemischt mit Hardcore-Sozialkontrolle der verarmten Massen. Digitale Zentralbankwährung. Sozialer Kredit auf Steroiden. Das Panoptikum 2.0.

Der nahtlose Übergang von Covid-19 zum Krieg in der Ukraine – komplett mit Zusammenbruch des Welthandels, Zusammenbruch der Versorgungslinien, Lebensmittel-/Energieknappheit – es ist alles geplant. Ein Mittel zum Zweck – Great Reset – (in Davos jetzt als “The Great Narrative” bezeichnet).
Kissinger befürchtet, dass der Krieg unkontrollierbar wird (das ist er bereits: und die Russen werden dafür sorgen, dass es für den kollektiven Westen so bleibt). So wie es aussieht, ist der Krieg die einzige “Strategie” der “Narrativ”-Bullies.
In der Zwischenzeit zeichnet sich ein Schreckgespenst ab: der Multi-Billionen-Tsunami der Derivate, der völlig außer Kontrolle geraten wird.

(wird fortgesetzt)
Alle bisher erschienen “Notizen” hier

Das Buch über die Geschichte und Hintergründe des Ukraine-Kriegs:

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 28

Wegen der intellektuellen “No-Fly-Zone” der Mainstreammedien, die nicht mehr über einen Krieg berichten, sondern als Cheerleader einer Kriegspartei fungieren, sind um objektive Betrachtung und kritische Beurteilung bemühte Beiträge kaum noch zu finden. Die schon während Corona exerzierte Desinfektion des Meinungskorridors, die Exkommunikation von Kritik und Dissens, die Diffamierung von Opposition…. diese jedem demokratischen System Hohn sprechenden Untugenden haben sich nicht nur etabliert, sie scheinen vom “Killervirus” nahtlos auf einen noch gefährlicheren Feind übergesprungen zu sein: den “Killerrussen”. So unheimlich tödlich, dass jeder Vergleich, jeder Kontext, jede Relativierung noch  unzulässiger wurde als der Vergleich von Covid 19 mit einer Grippewelle. Der Hinweis, dass drei Tage US-Bombardement im Irak mehr Ziviltote und Zerstörung produzierten als drei Monate russische “Militäroperation”,  entspricht zwar zwar den Tatsachen und ist als ein Kriterium für eine Beurteilung und Einordnung des Geschehens (“Vernichtungskrieg” vs. “Special Military Operation”) fraglos hilfreich, kann aber in den Großmedien nicht einmal beiläufig geäußert werden, ohne umgehend der Inquisition zum Opfer zu fallen. Auch die  Zahlen, die von der OSCE (Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) in der Donbass-Region ermittelt wurden, müssen im Giftschrank bleiben: dass es Anfang Februar nur etwa ein Dutzend tägliche Verstösse gegen den Waffenstillstand gab, die sich dann auf über 1400 Attacken (am 21.2.) steigerten – dass Russland also nicht ganz “unprovoziert” intervenierte – darf in der “Tagessschau” nicht vorkommen. Es würde die “Wehrkraft” gegen die Killerrussen zersetzen und  die von unserer Völkerballexpertin und Ministerin des Äußersten beklagte “Kriegsmüdigkeit” weiter steigern, und das geht natürlich gar nicht.  Um derlei bellizistischer Fatigue vorzubeugen kam ja beim letzten Russlandfeldzug massenhaft “Pervitin” zum Einsatz und die Jagdflieger sollen vor ihren weißen Linien am Himmel auch gern mal eine Linie Koks gezogen haben, aber derlei Doping hat Frau Baerbock sicher nicht insinuiert – es geht ja um die kriegsmüden Deutschen an der Heimatfront, die es langsam leid sind, für das Chaos in einer korrupten Oligarchenrepublik penetrant und immer heftiger zur Kasse gebeten zu werden. Und denen es dämmert, dass nicht nur der reihenweise russische Kampfjets abschießende “Ghost of Kiew” ein Propaganda-Fake war, sondern auch den anderen Siegesmeldungen aus Kiew nicht zu trauen ist, die von den Cheerleader-Medien 1:1 als “Nachrichten” durchgewedelt werden. Deren Evolution wie in den Headlines des britischen  “Telegraph” (siehe Abbildung oben) auch in deutschen Meiden ähnlich verlaufen ist.

Für Leserinnen und Leser dieses Blogs ist Putins “schockierender Triumph”  kein Schock, weil die militärische Aussichtslosigkeit und absehbare Niederlage der Ukraine hier seit Monaten dargelegt worden ist; das der “Qualitätspresse”in NATOstan ausgelieferte zahlende Publikum freilich, das monatelang mit triumphalen Berichten über heldenhafte Ukrainer  und untermenschliche Russen auf Waffenlieferungen und Sieg im Krieg heiß gemacht wurde, dürfte ein wenig zu schlucken haben, und zu fragen. Wenn die Russen doch die Orks sind – dumm, brutal und unterlegen – warum können sie dann gewinnen ? Wenn wir “The World’s Finest Army” (Barack Obomba) haben, warum  müssen wir uns das gefallen lassen? Man kann sich doch nicht  mit “Putler”, dem blutrünstigen Ork-Diktator von gestern heute friedlich an einen Tisch setzen und verhandeln…, oder doch ? So oder so ähnlich werden sich viele fragen, wenn sie im Aufwachraum die Propaganda-Anästhesie hinter sich gelassen haben – das betäubende, aus allen Kanälen schallende Dröhnen und Röhren der infantilen, cartoonartigen, personalisierten, emotionalisierenden, putinisierten, analyse, -und kontextfreien Schwarz-Weiß-Berichterstattung der vergangenen 90 Tage.

Unterdessen hat Russland die letzten Tests der Zircon 3M22 abgeschlossen, die im Sommer an die Truppe ausgelierfert wird. Gegen die hypersonische anti-nautische Rakete (8000 km/h) ist jedes Abwehrsystem machtlos, mit einer Reichweite von 1000 km versenkt sie bei Bedarf alles, was entfernt in die Nähe kommt. Boris Johnson, der mit Polen, den baltischen Staaten und ukrainischen Nationalisten an einer Anti-EU-Achse bastelt, sollte also nicht weiter an der  Idee festhalten, mit den Schiffen einer “Koalititon der Wiligen” die Getreide-Transporte im Schwarzen Meer zu  “schützen”, die angeblich von russischen Blockaden, tatsächlich aber durch von Kiew selbst gelegte Minen behindert werden. So wie die aktuell drohende Lebensmittel, – und Düngemittelknappheit auch nicht “Putin”, sondern eher den Sanktionen gegen  Russland geschuldet ist – und sich schon  2020 mit der weltweiten Verteuerung abzeichnete, die sich wegen Covid und Transportproblemen noch verschärfte.  Dies jetzt in das Propaganda-Narrativ vom bösen Russen zu pressen, der auch noch arme Kinder in Afrika verhungern läßt und deshalb bekämpft werden muss, mag für PR-Agenten und Nachrichten-Manufakturen naheliegend sein, hat mit der Realität aber wenig zu tun. Tatsächlich geht es darum, dass Joe Biden am 10. Mai ein “Lend-Lease Law” für Waffenlieferungen an die Ukraine unterzeichnet hat,  die sie aber nicht geschenkt bekommt, sondern bezahlen soll.  Mit 20 Millionen Tonnen Weizen, die in ukrainischen Silos lagern und in den nächsten Wochen  gen Westen transportiert werden müssen – wo sie dann nicht in Lagerhäusern landen, sondern selbstverständlich sogleich gegen den “Welthunger” eingesetzt werden (Zwinkersmiley). Willkommen im Wertewesten, der aus der Portokasse seiner  Rüstungsmilliarden jedes Hungerproblem der Welt längst hätte lösen können, aber lieber Waffen liefert – und sich dafür vom ärmsten Land Europas mit Lebensmitteln bezahlen läßt.

Olaf Scholz soll zwar wegen der Getreidetransporte mit Wladimir Putin telefoniert haben, braucht aber vor allem wegen seines Affronts zu den 13.000 im Donbass Ermordeten (“lächerlich”) derzeit nicht mehr mit einem offenen Ohr zu rechen, ebenso wie Frankreichs Macron. Noch Anfang Februar, als sie beide in Moskau waren, hätten sie als souveräne Staatsmänner (ver-)handeln und den Militäreinsatz verhindern können – mit einer simplen schriftlichen Garantie, dass die Ukraine kein NATO-Mitglied wird – doch sie haben nur als Lakaien des US-Imperiums agiert. Und auch jetzt fällt ihnen nicht mehr ein als mehr Waffen zu liefern, um das Schlachten zu verlängern. Und sie wollen es gnadenlos “bis zum letzten Ukrainer” durchziehen, dem jetzt nur noch ein paar bessere Panzer und weitreichendere Raketen fehlen, um… Ja was eigentlich ? Damit der gedopte Clown Zelenski damit auf russische Städte  feuern kann?  Doch besser nicht, dachte man sich im Pentagon weshalb man die angekündigten HIMAR-Raketenwerfer jetzt  lieber nicht liefert –  die zu erwartenden Gegenbesuche von Zircon, Kinzhal & Co will man nicht riskieren. Zudem wären die HIMAR-Geschosse ein gefundenes Fressen für die russische S-400 Luftabwehr und ihr Einsatz dann kein “Game Changer” (und Verkaufsargument), sondern eher der Beleg für die Zweitklassigkeit amerikanischer High-End-Waffen. Diese muß der ausgemusterte “Gepard” ja nicht mehr unter Beweis stellen, für dessen verzögerte Lieferung sich hiesige Laptopbomber schämen und mehr “schwere Waffen” für die Front fordern. Eine Front, an der im Donbass täglich 3-500 Männer ums Leben kommen, weil sie in ihren Bunkern und Festungen gegen das Dauerfeuer russischer Artillerie keine Chance haben.

In den ukrainischen Medien kann das natürlich nicht berichtet werden, aber in NATOstan sickert langsam durch, dass man den eigenen Fake News – den Russen gehen die Raketen aus, die Panzer, das Personal! – nicht länger Glauben schenken kann und der achtjährige Krieg um das Donbass verloren ist. Das Eingeständnis einer Niederlage fällt immer schwer, zumal wenn es sich um die größte Stellvertreter-Armee handelt, die von NATOstan je aufgestellt und ausgerüstet wurde. Doch um viele tausend Leben in der Ostukraine zu retten, müssten die Verantwortlichen JETZT über diesen Schatten springen. Jeder Tag in diesem Krieg ist einer zuviel…

Letzte Meldung: Das Imperium hat das Naziproblem gelöst! Damit es nicht mehr von “russischen Propagandisten” ausgenutzt wird, wechseln Asov-Milizen ihr SS-Logo.  Also Achtung: Raider heißt jetzt Twix, Al Qaida heißt jetzt Al Nushra, die Wolfsangel-Nazis sind keine mehr und wer ihren Helden Stepan Bandera als Nazi bezeichnet, macht sich nach dem von Mini-Diktator Zelenski erlassenen Gesetz vom 22. Mai strafbar. Noch hat er zwar nicht gefordert, dieses Gesetz auch in das deutsche Strafgesetzbuch zu übernehmen, aber wie wir seinen Gaga-Botschafter Melnyk kennen, kann das nicht mehr lange dauern…

(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -27(28.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -26 (25.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 25 (21.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 24 (18.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 23 (6.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 22 (04.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -21(1.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 20 (27.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -19 (25.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -18 (23.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 17 (20.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 16 (17.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -15 (14.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -14 (11.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 13 (8.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -12 (6.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -11(4.4.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -10 (31.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 9  (28.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 8 (26.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 7 (24.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 6 (22.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  5 (19.3.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -27

NATOstans Ultra-“Philantrop”, der Oligarch George Soros (91), hat beim “World Economic Forum” (WEF)  in Davos die Parole ausgegeben, dass Putin so schnell wie möglich besiegt werden muss, um die  “Zivilisation zu bewahren” :


“Während der Krieg tobt, muss der Kampf gegen den Klimawandel an zweiter Stelle stehen. Doch die Experten sagen uns, dass wir bereits weit zurückgefallen sind und der Klimawandel kurz davor steht, unumkehrbar zu werden. Das könnte das Ende unserer Zivilisation bedeuten, und deshalb müssen wir alle unsere Ressourcen mobilisieren, um den Krieg frühzeitig zu beenden. Der beste und vielleicht einzige Weg, unsere Zivilisation zu bewahren, besteht darin, Putin so schnell wie möglich zu besiegen. Das ist die Quintessenz.”

Also nicht wundern, wenn  die Kids demnächst ihre Demos  um ein Feature erweitern und nunmehr “Fridays gegen Putin for Future” ausrufen, weil die Flyer der Soros-NGOs und der olivgrünen Heinrich-Böll-Stiftung das wunderbar zusammenrühren. Und solidarisches Doppelfrieren – für die Freiheit und für das Klima – empfehlen: Klimarettung und”Russland ruinieren”(A.Baerbock) auf einen Streich.
Dass das mit dem “ruinieren” nicht funktioniert , weil Europa sich vorher selbst stranguliert,  ist mittlerweile auch zur EU-Inkompetenz-Kommisarin von der Leyen durchgedrungen, die einmal mehr eine ihrer Stupiditäten zurückziehen musste. Nachdem ihr Superplan, dass man Öl und Gas keinesfalls in Rubel bezahlen würde, von den europäischen Versorgern ohnehin hintergangen wurde, die alle ein Konto in Moskau eröffnet haben, mußte Uschi nunmehr auch bei ihrem vor drei Wochen groß angekündigte Öl-Embargo  zurückrudern und ankündigen, dass es einen EU-Beschluß dazu so bald nicht geben wird. Die bizarre Mentalgymnastik, mit der sie das alles begründet, ist derart gaga, dass sich die russischen Medien diese intelektuelle Tiefflugshow des EU-Spitzenpersonals natürlich nicht entgehen lassen. O-Ton von der Leyen:

“Wir müssen weiterhin russisches Öl kaufen, um Europa vor Putin zu retten. Denn wenn wir es nicht tun, wird Putin es woanders verkaufen und mehr von den hohen Preisen profitieren, also kaufen wir besser russisches Öl und lassen ihn nicht profitieren.”

Wir hatten ja schon angemerkt, dass sich die Ukraine-Berichterstattung im Westen derzeit auf dem Niveau von Marvel-Comics bewegt, mit einem Ultrabösen, gegen den sich die anderen Superhelden zusammentun, um die “Zivilisation zu bewahren”. Und sich bei ihrem Treffen hinter den sieben Bergen in Davos von der zum “Topstar des WEF” (Tagesanzeiger)  aufgestiegenen ehemaligen “Panzer-Uschi”  den raffinierten Plan erklären lassen: “Wir kaufen weiter sein Öl, damit er es nicht woanders verkauft und davon profitiert!” Um diese ausgefuchste Strategie den anwesenden “Global Leaders” noch näher zu bringen, hatte die EU-Kommisarin ihren Aufenthalt in Davos sogar spontan verlängert – und konnte dann erleben, wie nach dem Orakelspruch des Yedi-Meisters Soros, den Ultrabösen “so schnell wie möglich zu besiegen” ein weiterer steinalter Großmeister in den Ring stieg, der in seinem langen Leben in Diensten des Ultra-Oligarchen Rockefeller zahlreiche Schüler in der Anwendung der Macht ausgebildet hatte: “Bloody Henry” Kissinger (99). Als ausgewiesener Kriegsverbrecher und Friedensnobelpreisträger, dem zwar kein Massenmord zu blutig ist, der aber auch checkt, wenn ein solcher nicht weiterhilft, hat Kissinger die Lage im Ukrainekrieg geprüft und festgestellt, dass militärisch hier nichts zu gewinnen ist. Und dem Regime in Kiew deshalb empfohlen, Gebiete abzutreten und sofort Friedensverhandlungen zu beginnen. 
Natürlich nicht weil er Russlandfreund oder Putinversteher wäre, sondern Realist und Realpolitiker – anders als sein Geronto-Kollege Soros, der als Ideologe einer grenzenlosen “Offenen Gesellschaft” bis zum letzten Ukrainer um die Grenzen des Donbass kämpfen lassen will. Kissinger hingegen hat die Aussichtslosigkeit dieses Unterfangens verstanden und schlägt statt weiterer, unnötiger Gemetzel eine Teilung des Landes vor, bevor die ukrainische Armee völlig zerschlagen wird und außer dem Osten und Süden noch weitere Gebiete  unter russische Kontrolle fallen. Also: zu retten was zu retten ist, von dem Fiasko der Maidan-Putschs,  acht Jahren Krieg gegen die “Volksrepubliken” im Donbass und einer US-kontrollierten Ukraine.
Tatsächlich könnte so die Vernichtung der 15-20.000 Mann starken  ukrainischen Truppe vermieden  werden, die an der Donbass-Front mittlerweile täglich Hunderte Kämpfer verliert, weil sie getötet und  verwundet werden, oder in  großer Zahl aufgeben und sich ergeben. Indes dürfte es nicht so ganz leicht werden, das seit Monaten mit FakeNews und Propaganda auf  “Sieg durch Waffenlieferungen” heiß gemachte und eingeschworene Publikum auf ein neues, realistischeres Narrativ umzustellen, weshalb das schreckliche Schlachten in der Ostukraine wohl noch einige Zeit weiter gehen wird. Aus dem “Führerbunker” in Kiew schallte den Vorschlägen, Friedensverhandlungen zu führen, nur ein unflätiges “Go F**k Yourself” entgegen. Dass Kissinger kein Verräter ist, sondern ihnen den Arsch retten will, haben Zelenski und seine Berater  offenbar noch nicht kapiert, genausowenig wie die Tatsache, dass ihre Zukunft an einem seidenden Faden  hängt (oder gar sie selbst an einem Strick), wenn ihre Armee im Donbass zermahlen wird. Was sich nur mit einer Weißen Fahne noch verhindern läßt.

Dass die Russen weiter langsam und gleichsam im “Schongang” operieren, ohne ihre strategischen Bomber und wirklich schweres Gerät einzusetzen, unterscheidet diese “Special Military Operation” vom American Style der Kriegsführung. Dass sie weniger zivile Opfer und Kollateralsschäden verursacht und Putin nicht nach zwei Wochen Bombardement und hundertausenden Toten “Mission Accomplished” verkündet hat, wurde im Westen als Zeichen militärischer Schwäche dargestellt und als Grundlage der Erzählung genommen, dass mit mehr Sanktionen und mehr Waffen ein “Sieg in der Ukraine”  zu erringen sei. Nach drei Monaten dämmert es den “Leitmedien” in den USA aber langsam, dass es keinen Sinn mehr macht, der eigenen Propaganda auf den Leim zu gehen. Nach den vom Editorial Board der New York Times geforderten Verhandlungen  (siehe #26) ruft nun auch die “Washington Post”, zu einer echten Debatte über den Ukrainekrieg auf – und veröffentlicht herzzerreissende Artikel über die elende Lage ukrainischer Truppen., die man bis vor kurzem noch auf der Siegerstraße bejubelte und mit weiteren Haubitzen zum Endsieg über die Russkies pushen wollte. Doch kaum waren die ersten Exemplare der von den USA gelieferten M777 an der Front aufgetaucht, waren sie auch schon wieder weg: das russische EW- (Electronic Warfare) System hatte die Satelliten-Steuerung der Raketen nach dem ersten Schuss geortet und blockiert –  und die Stellung dann innerhalb  von wenigen Minuten durch eine Rakete vernichtet. Wie vermutlich auch die  in Deutschland im Kurztraining an der US-Haubitze ausgebildeten ukrainischen Artillerie-Schützen.
Anders als die Kapitulation der ukrainischen Eliteeinheiten und Nazi-Kämpfer in Asovstal, die von den pravdaesken Westmedien noch als erfolgreiche “Evakuierung” verkauft werden konnte, läßt sich die Niederlage an der Donbass-Front nicht mehr lange schönreden. Nach den Angaben in verschiedenen Blogs und Social Media Kanälen verliert die Ukraine jeden Tag 3 – 500 Mann, über 8.000 sind bereits in Gefangenschaft.  Da kein bei Verstand gebliebener Armeechef eine derart tragische Eliminierung seiner Truppen lange hinnehmen kann,  im Führerbunker in Kiew aber jeder Hinweis auf Rückzug und Verhandlungen als “Verrat” mit dem Mittelfinger quittiert wird, könnte es bald – so vermutet der in Charkow stationiert Videoblogger Gonzalo Lira – zu einem Putsch der militärischen Führung gegen den zunehmend größenwahnsinnigen Führer Zelenski geben. Valeriy Zaluzhnyi, der Generalstabschef, soll kein großer Freund der Asow-Bataillone und Rechts-Radikalen sein und auf jeden Fall geeigneter, Verhandlungen über ein Kriegsende und die neue Landkarte der Ukraine zu führen:
Die gelbe Linie zeigt den derzeitigen Frontverlauf, die violette Linie markiert ziemlich genau die Grenze, hinter der bei den ukrainischen Wahlen seit 2004 mehrheitlich die pro-russischen Kandidaten gewählt wurden (auf den kleinen Karten links) – und ich denke, dass diese Regionen das Minimum sind was  Russsland mit dieser Operation unter Kontrolle bringen wird. Weil weitere Waffen aus dem Westen das nur verzögern aber nicht mehr verhindern können, kostet jeder Kriegstag mehr nur unnötige Opfer
Wo sich der als Freiheitsheld der westlichen Welt gehypte Mini-Diktator Zelenski  damit nicht anfreunden und lieber noch Zigtausende Leben opfern will, bevor er sich dem Unausweichlichen fügt,  und wo auch die von einem hysterisierenden und emotionalisierenden Propaganda-Tsunami heimgesuchten Medienkosumenten es nicht fassen können,  dass der Ultraböse einfach  gewinnt – da tut sich ein tiefer Graben kognitiver Dissonanz auf. Wie die moderaten Vorschläge Henry Kissingers dieseits und jenseits des Atlantiks erregt weggebellt wurden, zeigt mehr als nur Betroffenheit an,  für die vom Ukraine-Kult Geblendeten stürzen Weltbilder ein. Zelenski hat Kissinger denn auch sofort auf die Liste der “Feinde der Ukraine” gesetzt. Was ihm aber auch nicht mehr helfen wird, wenn er sich schon bald an  Bloody Henrys berühmtes Diktum erinnern muss:  “Ein Feind der Vereinigten Staaten zu sein ist gefährlich, aber ihr Freund zu sein ist fatal.”

(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -26 (25.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 25 (21.5.22)
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Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 4 (18.03,22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 3 (16.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt –  2 (14.03.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 1 (13.03.22) 
Das Kriegsmotiv (08.03.22)
Was spricht eigentlich gegen eine militärisch neutrale Ukraine? (6.3.22)
Warum ich noch immer Putinversteher bin (25.02.22)
Das Jugoslawien Russlands in der Ukraine – und NATOstan muss wütend zuschauen (24.02.22)
Die Geduld des Bären ist zu Ende(23.02.22)
Wir sind schon wieder die Guten (17.02.22)
Drei Riesen und die “neue Ära der Multipolarität” (12.02.22)
Frisch aus dem Archiv: Ansichten eines Putinverstehers (18.02.22)
Return of the Kremlmonster: Kuba-Krise reloaded (18.01.22)

Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)

 

 

3. JT #78: Planet der Affenpocken

Die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben wird, ist ein Affe. Wieso brechen die Affenpocken eigentlich gerade jetzt aus? Und was ist mit den Biolaboren in der Ukraine? Wir haben neue Hintergründe. Außerdem: Der politische Krieg wird auf allen Kanälen und Ebenen geführt. Und für das Öl-Embargo bezahlen wir, aber nicht die Russen. Wo soll das alles enden? Über all das und mehr berichten Robert Fleischer, Dirk Pohlmann und Mathias Bröckers in der 78. Ausgabe des 3. Jahrtausends!

Notizen vom Ende der unipolaren Welt -26

Ich bin ja hier schon seit Monaten “on the record”, dass nicht die Russen, sondern die EU-Länder den Preis für den Sanktionsirrsinn bezahlen, den ihre Regierungen veranstalten. Mit verdoppelten Kosten für Heizung und Benzin innerhalb eines halben Jahres sind die Verbraucher jetzt schon die Dummen  – nicht wegen des Kriegs, oder wegen “Putin”, sondern wegen der Sanktionen. Wenn aber Olaf “Russland darf nicht gewinnen” Scholz und Robert “In dienender Führungsrolle” Habeck an ihrem aberwitzigen Embargo-Plan festhalten, in sechs Monaten komplett auf russisches Öl zu verzichten, kommt es richtig dicke. Willkommen in der Raffinerie Schwedt nahe der polnischen Grenze, die Berlin samt Flughafen und das Bundesland Brandenburg mit Kraftstoff versorgt – und seit den 1950er Jahren über die Pipeline “Druschba”(Freundschaft) mit “Ural Blend” beliefert wird. Dieser Zufluss, der seit Jahrzehnten täglich 24 Stunden läuft, soll über eine stillgelegte und renovierungsbedürftige DDR-Pipeline aus Rostock ersetzt werden, wo die Entladungs, -und Lagermöglichkeiten für Tanker aber noch ausgebaut werden müssen. Weil auch dann die Kapazität nicht ausreicht, soll der Rest über die Häfen von Wilhelmshaven und Danzig nach Schwedt gekarrt werden. So weit haben unsere Embargoisten offenbar gedacht und stolz ihren Sanktionsplan verkündeten, nur scheinen sie völlig vergessen zu haben, dass Öl nicht gleich Öl ist und eine Raffinerie kein Bollerofen, in den man einfach irgendwas reinwerfen kann. Vielmehr muss die Anlage a) exakt auf die Zusammensetzung und den Gehalt des angelieferten Rohstoffs eingestellt sein, der b) dauerhaft und in homogener Qualität  fliessen muss. In Schwedt sind das 250.000 Barrel (á 159 Liter) – pro Tag – die auf Umwegen dann teuer herangeschafft werden müssten und von denen zudem noch völlig unklar ist, wo sie in diesen Mengen und gleichbleibender Qualität  genau herkommen sollen. Zwar ist “Ural Blend” nicht einzigartig und kann theoretisch ersetzt werden,  aber fast alle europäischen Raffinerien laufen damit und können nur mit großem technischen Aufwand auf andere oder gar ständig wechselnde Ölsorten umgestellt werden – was jedenVerzicht auf russisches Öl kurzfristig  praktisch unmöglich macht. Und mittelfristig nichts anders bedeutet als ökonomischen Selbstmord.  Und was geschieht, wenn Russland auf ein Öl-Embargo im Gegenzug die Gaslieferungen stoppt ? Dann kommt die Perle der deutschen Industrie, die Autoproduktion, abrupt zum  zum Stillstand ,  gut  20 % des BIP gehen den Bach runter. OK, wer braucht schon noch Autos wenn der Liter Sprit 5 Euro kostet. Aber gibts schon einen Morgenthau-Plan 2.0, wie man Deutschland in einen Agrarstaat umwandelt ? Wenn nicht, sollte die Regierung ihn bei ihren Overlords in Washington dringend anfordern, denn mit Auto, -Maschinen, – Chemie-Industrie etc. geht dann bald nichts mehr.

Weil Russland ukrainische Häfen blockiert steuert die Welt auf eine Hungerkrise zu, da Mais und Weizen – die wichtigsten Exportgüter der Ukraine – nicht verschifft werden können, tönt es in den letzten Tagen aus den Medien. Tatsächlich hat die Ukraine 75 ausländische Frachtschiffe in Odessa und anderen Städten  seit Wochen festgesetzt und die Häfen  mit 400 Minen blockiert, die sich bei einem Sturm vor zwei Wochen zum Teil losgerissen haben und nun frei herum schwimmen. Es sind also nicht, wie der Guardian meldet, “russische Kriegsschiffe” die Frachttranssporte behindern und das  Schwarze Meer verunsichern, sondern die Marinexperten und ihre NATO-Berater in Kiew. Nachdem die im Hafen von Mariupol festgehaltenen Schiffe befreit wurden, hat Russland nach Angaben der Internationalen Meeresorganisation (IMO) im Asowschen Meer mittlerweile einen drei Seemeilen breiten minenfreien Korridor geschaffen, der wieder sichere Passagen ermöglicht.  Und während eine drohende globale Lebensmittelknappheit von den Medien in das Narrativ vom ultrabösen Russen gepresst wird, meldet Reuters, dass die ukrainischen Weizenexporte im Mai zwar etwas gesunken sind, aber 2022 bisher höher waren als im Vergleichszeitraum ein Jahr zuvor. Ja wie denn das, wenn die herzlosen Russkies die Welt verhungern lassen weil sie Häfen blockieren ? Es ist nur ein  Beispiel mehr, wie FakeNews mit  einem kleinen Spin in die passende Propagandaerzählung verwurstet und massenhaft verfüttert werden.

Dass die Siegesmeldungen des ukrainischen Komikers Zelenski mittlerweile  den phantastischen Ansagen des irakischen Informationsministers “Comical Ali” entsprechen, hatten wir in der letzten Folge bereits angemerkt.  Auch seine jüngste Verkündigung, dass die ukrainische Armee auf 700.000 Mann gewachsen sei, scheint aus dieser realitätsfernen Richtung zu kommen, die mit einer Zelenski nachgesagten Leidenschaft zu tun haben könnte: seinem Hang zu kolumbianischem Marschierpulver. Einem Stoff, der nicht nur die physische Ausdauer steigern, sondern auch zu mentalem Größenwahn führen kann und bekanntlich auch in den “Vitaminspritzen” enthalten war, mit denen einst Dr. Morell den Führer zum “Endsieg” pushte. Aber gesetzt den Fall, es gelingt ihm wirklich, auch 12-13-jährige und Frührentner zu rekrutieren – sein Minister spricht sogar von einer Million Soldaten  –  ist solch ein untrainierter “Volkssturm”  nicht viel mehr als Kanonefutter für die professionelle russische Armee. Und auch die 30 Milliarden Dollar, die Joe Biden jetzt den Rüstungsfirmen in den Rachen schmeißen und “moderne” Waffen an die Ukraine (bzw. bis nach Polen) liefern will, können daran nichts ändern. “Money may make the world go around”, schreibt der Ex-Anti-Terrorism-Deputy des US-Statedepartement Larry Johnson, “aber es bringt nicht auf magische Weise ausgebildete, begeisterte Truppen hervor, die bereit und fähig sind, solche Waffen einzusetzen.” Wenn sie denn überhaupt jemals an die Front gelangen und nicht schon in Depots und Lagern von russischen Präzisionsraketen massenhaft in die Luft gejagt werden.

Unterdessen dürfte Präsident Zelenski ziemlich ins Schwitzen gekommen sein, als er am 19. Mai His Masters Voice, den Leitartikel der “New York Times” zur Kenntnis nahm, in dem das Editorial Board die Absetzung seiner Propagandashow androhte und “harte Entdscheidungen” forderte:

“Im März argumentierte dieses Board, dass die Botschaft der Vereinigten Staaten und ihrer Verbündeten an die Ukrainer und Russen gleichermaßen lauten muss: Egal, wie lange es dauert, die Ukraine wird frei sein. … (…) Dieses Ziel kann sich nicht verschieben, aber letztendlich ist es immer noch nicht in Amerikas bestem Interesse, sich in einen totalen Krieg mit Russland zu stürzen, auch wenn ein Verhandlungsfrieden der Ukraine einige harte Entscheidungen abverlangen könnte .”

“Ein entscheidender militärischer Sieg der Ukraine über Russland, bei dem die Ukraine das gesamte Territorium, das Russland seit 2014 erobert hat, zurückerhält, ist kein realistisches Ziel. … Russland bleibt zu stark…”

“… Herr Biden sollte Präsident Wolodymyr Zelenskij und seinen Leuten auch klar machen, dass es eine Grenze dafür gibt, wie weit die Vereinigten Staaten und die NATO gehen werden, um Russland zu konfrontieren, und Grenzen für die Waffen, das Geld und die politische Unterstützung, die sie aufbringen können. Die Entscheidungen der ukrainischen Regierung müssen unbedingt auf einer realistischen Einschätzung ihrer Mittel und der Frage beruhen, wie viel Zerstörung die Ukraine noch verkraften kann.”

So ähnlich wie mit dem alten sowjetischen Witz – “Hätte Napoleon nur die Pravda gelesen, hätte er nie von Waterloo erfahren” – erging es ja dem westlichen Medienpublikum mit der pravadesken Mainstream-Berichterstattung, dem zuletzt die Gefangennahme der 2000-köpfigen  ukrainischen Asow-Eliteeinheit als erfolgreiche “Evakuierung” und Nazis als Randerscheinung verkauft wurden. Die Herausgebergeschaft des US-Leitmeidums hat aber nach zwei Monaten offenbar verstanden, dass der Krieg nicht zu gewinnen sein wird, weil “Russland zu stark” ist – und fordert die Politik zurück an den Verhandlungstisch:

“Die Vereinigten Staaten und die NATO sind bereits militärisch und wirtschaftlich stark involviert. Unrealistische Erwartungen könnten sie immer tiefer in einen kostspieligen, langwierigen Krieg hineinziehen…Die jüngsten kriegerischen Äußerungen aus Washington – Präsident Bidens Behauptung, dass Putin “nicht an der Macht bleiben kann”, die Bemerkung von Verteidigungsminister Lloyd Austin, dass Russland “geschwächt” werden müsse, und die Zusage der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, dass die Vereinigten Staaten die Ukraine unterstützen würden, “bis der Sieg errungen ist” – mögen mitreißende Unterstützungsbekundungen sein, aber sie bringen die Verhandlungen nicht weiter.”

Ganz ähnlich klingt jetzt US-Verteidigungsminister Austin, der gemerkt hat, dass das “Russland schwächen” an allen Fronten nach hinten los geht, und antwortet auf die Frage, ob er das von der britischen Aussenministerin genannte Ziel verfolge, Russland aus dem Donbass und der Krim zu vertreiben, dass es allein in der Hand der ukrainischen Regierung liege,  die Grenzen zu definieren und den Krieg zu beenden.  Und auch “Bloody Henry” Kissinger sieht keinen anderen Ausweg für die Ukraine,  als Gebiete abzutreten und den Krieg zu beenden. Olaf “Russland darf nicht gewinnen” Scholz hatte zwar unlängst einen “Diktatfrieden” noch kategorisch ausgeschlossen, kann sich unter Berufung auf die NYT derlei bellizistische Textbausteine jetzt aber wieder sparen – aus Washington wird aktuell Zurückrudern angesagt…

(wird fortgesetzt)

Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 25 (21.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 24 (18.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 23 (6.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt – 22 (04.5.22)
Notizen vom Ende der unipolaren Welt -21(1.5.22)
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Mathias Bröckers/Paul Schreyer: Wir sind IMMER die Guten – Ansichten eines Putinverstehers oder wie der kalte Krieg neu entfacht wird, Westend Verlag (2019)